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UNTEN LINKS

Psst! Unter allerallergrößter Geheimhaltung soll angeblich bald schon eine so genannte Pizza-Connection wieder aufgewärmt werden. Das Brisante: Politiker von Union und Grünen planen eine Weltrevolution, welche genau weiß aber niemand. Kein Wunder, schließlich wird die Sache ja auch äußerst diskret gehandhabt. Bisher haben nur unter der Hand zirkulierende Kassiber wie »Spiegel« oder »Welt« über ...

ndPlusAert van Riel

Politisches Chamäleon

In Hessen stehen die Zeichen auf Schwarz-Grün. Dieses Bündnis hätte vor allem für die CDU Vorteile. Sie will weiter regieren, ohne Ministerposten abgeben zu müssen. In einer Großen Koalition müssten die Christdemokraten die Macht mit der SPD teilen, die bei der Wahl weniger als acht Prozentpunkte hinter ihnen lag. Die Grünen sind dagegen der deutlich kleinere Partner.

ndPlusVelten Schäfer

Gedränge auf dem Gefängnisplaneten

Nach einer Studie des »Internationalen Zentrums für Gefängnisstudien« (ICPS) in London werden die Gefängnisse der Welt immer voller. Mittlerweile sitzen demnach 10,2 Millionen Menschen hinter Gittern.

Neue Hoffnung für die »Arctic 30«

Seit zwei Monaten sitzen 30 Greenpeace-Aktivisten (»Arctic 30«) in russischer U-Haft. Nun verlangt der Internationale Seegerichtshof ihre Freilassung - Russland will das Urteil jedoch nicht akzeptieren.

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ndPlusOlaf Standke

Auf Halbmast

Für viele US-Amerikaner bleibt John F. Kennedy auch 50 Jahre nach seinem Tod Held und Lichtgestalt. Doch die Legenden haben längst tiefe Risse. Gern vergisst man in »Gottes eigenem Land«, dass Kennedy für Vietnam-Krieg wie Schweinebucht-Debakel steht.

Johanna Treblin

Halbherziger Gipfelzirkus

Geschlossen haben die großen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) von Oxfam über Greenpeace bis Friends of the Earth die Klimakonferenz in Warschau verlassen. Das ist eine späte Einsicht.

Kurt Stenger

Rowdytum in der Arktis

Das Urteil des UN-Seegerichtshofes ist eindeutig: Das Vorgehen der russischen Behörden gegen die Greenpeace-Aktivisten, die gegen die Rohstoffausbeutung in der Arktis protestierten und nun wegen Rowdytums angeklagt sind, war unverhältnismäßig.

Andrea Klingsieck

Die Strenge

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat Danièle Nouy für die Leitung der europäischen Bankenaufsicht vorgeschlagen. Als Quotenfrau kann man Danièle Nouy angesichts ihrer Erfahrung nicht abtun.

Kathrin Zinkant

Kein Glück kommt selten allein

Glück also. Glück bleibt ein schwerlich messbares Sekundenphänomen der Hirnchemie, während Zufriedenheit ein haltbarer Zustand ist. Aber ob Zufriedenheit oder Glück, im Kern geht es nur darum, wer der Beste ist.

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Nicht weniger als die Hälfte

Belgien, die Niederlande, Norwegen, Frankreich haben sie, Spanien führt sie 2015 für Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigtenn ein, Rückenwind für alle EU-Mitgliedsstaaten kommt von der Europäischen Kommission. Es geht um die gesetzliche Frauenquote. In Deutschland tobt die Auseinandersetzung um Quotierung für Frauen in den mit Macht und Einfluss versehenen Positionen seit Jahrzehnten.

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ndPlusMichael Krämer, INKOTA

Frauenpower am Vulkan Chaparrastique

El Salvador ist eines der Länder, die weltweit am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Immer häufiger bleibt der für die Landwirtschaft - und damit für die Ernährung der Menschen - so wichtige Regen aus.

Andreas Bohne, SODI

Die Farmer brauchen Unterstützung

Mehr als drei Viertel der mosambikischen Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig. Die meisten von ihnen sind Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Ihre Erträge reichen oft nicht aus, um ihre Familien zu ernähren.

ndPlusMartin Zint, Weltfriedensdienst

Senegals Zukunft liegt auf dem Land

Fast zwei Drittel der Bevölkerung Senegals müssen mit weniger als zwei US-Dollar am Tag auskommen. Jeder fünfte Senegalese ist unterernährt. Das ökologische Gleichgewicht in dem Land am Rande der Sahelzone ist gestört.

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ndPlusHans-Gerd Öfinger

Grüne sind erste Wahl

In Hessen wird eine schwarz-grüne Koalition immer wahrscheinlicher. Hessens Grüne sind zu harten Einschnitten im Landeshaushalt bereit. Das dürfte ein wichtiger Grund sein, warum die CDU mit der Ökopartei die Regierung bilden will.

Ulrike Henning

Unternehmer werden geschont

Beinahe harmonisch sind die Koalitionsverhandlungen zu Gesundheit und Pflege verlaufen. Bei der Finanzierung konnte sich die Union durchsetzen. Dafür feiert die SPD den Sieg über die Kopfpauschale.

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ndPlusRené Heilig

Starb Hauptgefreiter Horn durch Uran-Munition?

Hauptgefreiter André Horn war nach Kosovo kommandiert. Im Leichensack kam er zurück. Ihn hat keine Kugel getroffen, er starb am am 31. Januar 2000 im Lazarett. Jetzt stellte der Vater Strafanzeige.

Kiew erklärt EU-Absage zur Taktik

Kiew. Als eine angesichts der ökonomischen Situation »schwere, aber einzig mögliche taktische Entscheidung« verteidigte der ukrainische Premierminister Nikolai Asarow vor dem Parlament in Kiew am Freitag den Stopp der Verhandlungen über ein Assoziierungsabkommen mit der EU. Vor der Obersten Rada bekräftigte er jedoch den strategischen Kurs auf europäische Integration. Die Europäer hätten ...

René Heilig

Chemiewaffen-Entsorger gesucht

Die Vernichtung der syrischen Chemiewaffen wird zum Problem. Alle bislang angefragten Länder haben abgelehnt, die Waffen auf ihrem Territorium zu vernichten. Und Deutschland eiert herum.

Sabine Hunziker, Bern

Managergehälter sollen gestutzt werden

In der Schweiz wollen Sozialdemokraten und Gewerkschaften die Gehälter von Managern auf das Zwölffache des niedrigsten Lohnes in der Firma beschränken. Am Sonntag findet Referendum hierzu ein Referendum statt.

Sabine Hunziker, Bern

Managergehälter sollen gestutzt werden

In der Schweiz wollen Sozialdemokraten und Gewerkschaften die Gehälter von Managern auf das Zwölffache des niedrigsten Lohnes in der Firma beschränken.

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Gewerkschafter fordern Sozialpakt für Bretagne

Der Abbau von Arbeitsplätzen hat in der Bretagne Massenproteste ausgelöst. Jean-Luc Feillant ist bei der Gewerkschaft CFDT für die Branche in der Region verantwortlich. Für das »nd« spricht er mit Robert Schmidt.

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Wir glauben an diesen Prozess

Der Politikwissenschaftler Kyle Ash ist bei Greenpeace USA zuständig für den Bereich nationale und internationale Klimaschutzpolitik. Mit ihm sprach in Warschau Lea Meister über den Klimagipfel.

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Leutheusser: Gurlitt hat moralische Verpflichtung

Zur geplanten Übergabe Hunderter Bilder an den Münchner Kunstsammler Cornelius Gurlitt wird die Staatsanwaltschaft keine Details nennen. Gurlitt soll aus seinem 2012 beschlagnahmten Schatz möglichst bald etwa 310 Werke zurückerhalten. »Wir werden alle erdenklichen Möglichkeiten ausschöpfen, um die Rechte des Beschuldigten und die Sicherheit der Bilder zu gewährleisten«, sagte ein Sprecher der S...

ndPlusVolker Trauth

Beleidigung, Belästigung, Bedrängung

Im Oktober 2012 ging eine Nachricht um die Welt, die auf eine Gefahr des Internets nachdrücklich aufmerksam machte. Die 15-jährige Kanadierin Amanda Todd hatte sich nach jahrelangem Cyber-Mobbing das Leben genommen. Sie hatte einen sogenannten Chat-Cam-Partner im Netz kennen gelernt und dessen Aufforderung befolgt, im PC ihre Brüste zu zeigen, worauf der die Nacktaufnahmen über facebook veröffe...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Verständlich? Öde!

So redet nur ein Gesamtkunstwerk. Die Werke des bayerische Anarcho-Künstlers Herbert Achternbusch sind alle Baustein einer Lebensart, deren Grundpfeiler Verweigerung und Verachtung geblieben sind.

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ndPlusJürgen Amendt

Tod eines Trauerredners

Schwikart hat lange Jahre als Trauerredner gearbeitet - für Menschen, die keiner Kirche angehörten. Aus diesen Erfahrungen sind eine Reihe von Büchern entstanden. Das jüngste - »Öhlweins Sterben« - ist sein dritter Roman.

Magnus Heier

Vom richtigen Sterben

Mit der modernen Medizin 
verbreitete sich der Wunsch nach einem plötzlichen, überraschenden Tod. Noch vor wenigen Generationen indessen wollten die Menschen sich bewusst auf ihr Ableben vorbereiten.

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ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Olympia an blutigem Schauplatz

In den Tälern von Krasnaja Poljana, wo in 76 Tagen die olympischen Alpinwettbewerbe von Sotschi stattfinden, stürzten sich vor 150 Jahren Hunderte Tscherkessen auf der Flucht vor Vertreibung in den Tod.

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»Ich bin heiß auf eine Einzelmedaille«

Andreas Wank startet heute in Klingenthal in die olympische Saison. Der 25-Jährige will in Sotschi eine Einzelmedaille. Dafür hat er in der Vorbereitung Einiges verändert. Darüber sprach mit ihm Manfred Hönel.

Heinz Büse und Christian Kunz

Buhlen um Guardiolas Gunst

Der Bundesligagipfel Dortmund gegen München ist auch ein Duell von Robert Lewandowski und Mario Mandzukic. Beide konkurrieren sehr wahrscheinlich kommende Saison um einen Platz im Bayern-Angriff.

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Tuberkulose auch in Berlin

In Berlin sind in diesem Jahr bereits 309 Menschen an Tuberkulose erkrankt und fünf Personen gestorben. Aktuell gibt es vier Tuberkulose-Kranke. Bei Asylbewerbern seien zwei Fälle bekannt geworden, teilte eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit am Freitag mit. Sie bestätigte weitgehend einen Bericht der »Berliner Morgenpost«. »Für einen mit dem aktuellen Ausbruchsgeschehen in der Br...

Bäume für A100 gefällt

Am frühen Freitagmorgen haben Holzarbeiter damit begonnen, etwa 25 Bäume vor einem Grundstück in der Neuköllnischen Allee im Bezirk Neukölln zu fällen. Die Arbeiten dienen der geplanten Verlängerung der Stadtautobahn A100. Vier Aktivisten der Umweltschutzorganisation Robin Wood waren um kurz nach neun Uhr vor Ort und versuchten mit Baumbesetzungen und Seilbrücken, die Fällungen zu verhindern, w...

Nazidemo und Gegenaktion

Zeitgleich zur Demonstration im Gedenken an Silvio Meier wollen am Samstag Neonazis marschieren. Die Polizei bestätigte gegenüber »nd«, dass die NPD-Jugend »Junge Nationaldemokraten« eine Demonstration angemeldet hat, die um 14 Uhr am S-Bahnhof Schöneweide beginnen und über den Sterndamm und die Stubenrauchstraße bis nach Rudow führen soll. Erwartet werden 200 Teilnehmer, die Gruppe hat bundesw...

Bitte Umzug ins Hotel

Bis zu 15 000 Wohnungen sollen in Berlin als Ferienwohnungen genutzt werden. Die Dunkelziffer dürfte wesentlich darüber liegen. Deshalb war es überfällig, dass dem jetzt ein Riegel vorgeschoben werden soll.

Marina Mai

Caritas bietet Flüchtlingen Heim an

Der Plan von Senator Mario Czaja (CDU), die Flüchtlinge vom Oranienplatz in einem Friedrichshainer Hostel unterzubringen, ist offenbar gescheitert. Jetzt bringt die Caritas ein Objekt in Wedding ins Gespräch.

Marina Mai

Caritas bietet Flüchtlingen Heim an

Der Plan von Senator Mario Czaja, die Flüchtlinge vom Oranienplatz in einem Friedrichshainer Hostel unterzubringen, ist offenbar geplatzt. Jetzt bringt die Caritas ein Objekt in Wedding ins Gespräch.

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Sorge um den Winterdienst auf Autobahnen

Potsdam. Der Winterdienst auf den märkischen Autobahnen soll auch in diesem Jahr sichergestellt werden. Es werde keine Abstriche geben, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums am Freitag als Reaktion auf einen Brief des Landesbetriebs Straßenwesen an das Polizeipräsidium. Darin hatte Straßenbetriebschef Hans-Reinhard Reuter auf Personalmangel hingewiesen. Deswegen könnten auf dreispur...

Malene Gürgen

Aufstandsbekämpfung bekämpfen

Die Bundeswehr hat am Freitag die letzte der bundesweit 30 »Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanien« aufgestellt. Dagegen gibt es Proteste.

ndPlusWilfried Neiße

Einheit und Kampf der Gegensätze

Das Land Brandenburg »tritt der Verbreitung rassistischen und fremdenfeindlichen Gedankenguts entgegen«. So steht es jetzt in der Verfassung.

Es geht um alle Opfer von Nazigewalt

Lars Laumeyer ist Sprecher der Antifaschistischen Linken Berlin (ALB). Die Gruppe organisiert das jährliche Gedenken an den linken Hausbesetzer Silvio Meier, der 1992 von Neonazis ermordet wurde.

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Nürnberg opponiert gegen Autohof

Nürnberg. Ein geplanter Autohof im oberfränkischen Plech gefährdet nach Ansicht des Nürnberger Energieversorgers N-Ergie die Trinkwasserversorgung in Bayerns zweitgrößter Stadt. Man werde alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den Bau der Tank- und Rastanlage zu verhindern, sagte eine Sprecherin. Das Gelände grenze direkt an das Wasserschutzgebiet Ranna an. Und aus Ranna komme mehr als ein Drittel ...

Iris Leithold, Schwerin

Geldquelle, Lückenfüller, Ärgernis

Ferienwohnungen sind bei Mecklenburg-Vorpommerns Urlaubsgästen noch viel beliebter als bislang angenommen. Die Zahl der Übernachtungen sei fast doppelt so hoch wie in der amtlichen Statistik ausgewiesen, sagte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) in dieser Woche bei der Vorstellung einer Ferienwohnungsstudie für das Land in Schwerin. Die amtliche Statistik zähle nur die Übernachtungen bei Feri...

ndPlusUwe Kraus, Magdeburg

Editha, Adelheid - und weiter?

»Viele Frauen haben Geschichte gemacht, aber keine geschrieben«,sagt die Historikerin Eva Labouvie. 130 Seiten umfasst die Liste der Namen bedeutsamer Frauen, die sie gesammelt hat. Nun soll daraus ein Lexikon für Sachsen-Anhalt entstehen.

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Neonazis bestraft

Koblenz. Im Neonazi-Prozess im rheinland-pfälzischen Koblenz sind die ersten vier Urteile gefällt worden. Zwei Angeklagte im Alter von 23 Jahren wurden vor dem Landgericht zu Jugendstrafen von einem Jahr und neun Monaten sowie einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. In dem einen Fall wurde das Urteil wegen Landfriedensbruchs und Sachbeschädigung gesprochen, in dem anderen wegen g...

Thüringen will Hochschulen neu ausrichten

Erfurt. Thüringen will seine Hochschulen in den nächsten Jahren neu ausrichten. So sollen die Universitäten und Fachhochschulen bis 2020 ihr Profil schärfen und Kooperationen ausgebaut werden, wie Bildungsminister Christoph Matschie (SPD) in dieser Woche in Erfurt ankündigte. Ziel sei es, die neun Hochschulen im Land international sichtbarer aufzustellen. Der Strukturwandel werde mit 120 Millio...

ndPlusRafic Will

Eine Lampe blieb an

Wir leben in einer digitalisierten Gesellschaft, in der Magie keinen Platz mehr zu haben scheint. Doch der Schein trügt. Zur Erzielung magischer Effekte braucht es vor allem ein Wissensgefälle. Man kennt das von klassischen Zauberkünstlern: Sie wissen um die Funktionsweise ihrer Tricks - das nicht eingeweihte Publikum sitzt nur da und staunt. Ähnlich läuft es auch bei Smartphones und Tabl...

ndPlusTheresa Münch

Das Verschwinden der Volksfeste

In den letzten Jahren sank die Zahl der Volksfeste rapide. Ein Drittel ihres Jahresumsatzes machen die Schausteller inzwischen auf den Weihnachtsmärkten. Ein Trend, der auch mit Demografie zu tun hat.

ndPlusReimar Paul, Göttingen

Als Zellen zu Appartments wurden

Die Sicherungsverwahrung ist das schwerste Urteil, das die deutsche Justiz verhängen kann. Das Deutsche Theater Göttingen will den Zuschauern das System Sicherungsverwahrung erklären.

Elke Koepping

Verdrängt und doch präsent

Sie ist immer wieder Thema öffentlicher Diskurse zur Stadtentwicklung: die Gentrifizierung in Berlin. Der Satz bietet keine neue Erkenntnis in der Gentrifizierungsdebatte, aber er ist symptomatisch.

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Koalitionsverhandlungen als Schlussverkauf

»Zwischen Liebe und Zorn«. Die Zeile von Renft - das haben wir in den letzten 23 Jahren zum Erbrechen lernen müssen - ist wahrlich nicht allein als Umschreibung für schwankende realsozialistische Gefühlszustände geeignet. Zwischen Liebe und Zorn verlief auch die zu Ende gehende vierte Verhandlungswoche, da in diversen Haupt-, Mittel- und Unterhändlergruppen der geplanten Großen Koalition ein he...

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ndPlusVelten Schäfer

Weiße Götter, Folterknechte?

Am kommenden Mittwoch beginnt 
in Berlin der 
Jahreskongress der 
Psychiater. Es geht dabei auch um das Selbstverständnis einer Wissenschaft und Branche, der das Recht eingeräumt wird, Menschen zu ihrem Glück zu zwingen – etwa mit Freiheitsentzug und bewusstseinsverändernden Drogen. Doch inzwischen erodieren die rechtlichen Grundlagen des Zwangs. Erkundungen in einem umkämpften Feld.

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ndPlusRudolf Stumberger

Die geschlossenen Räume der Station F3

Hauptpforte Haus 19» steht auf dem weißen Wegweiser und darunter sind die fünf Stationen der Forensischen Psychiatrie aufgelistet. Der Weg selbst führt zu einem modernen, kaminrot gestrichenen Gebäude aus Beton. Es ist die geschlossene Abteilung der psychiatrischen Isar-Amper-Klinik im oberbayerischen Taufkirchen an der Vils, die vom Bezirk Oberbayern betrieben wird. Hier sind Frauen im sogenan...

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Nachruf: Artur Braun

Für rund 80 Euro ist man mit dabei. Etwa so viel müssen Liebhaber formschöner historischer Haushaltsgeräte berappen, um einen »Braun S 50« in Elfenbeinfarbe samt dunkelbrauner Bakelitdose zu erstehen. Der erste westdeutsche elektrische Trockenrasierer war 1950 von Artur Braun mitentworfen worden, der Anfang des Monats im Alter von 88 Jahren verstorben ist. In den Anfangsjahren hatten Artu...

Nachruf: Burak Karan

Als Burak Karan 20 geworden war, hatte er sieben Länderspiele für DFB-Jugendmannschaften bestritten. Doch sein Lebenstraum - eine Laufbahn als Profi - schien sich nicht mehr zu erfüllen. Also hörte er auf mit dem Fußballspielen. Für ihn gab es schon damals nur »alles oder nichts, richtig oder falsch«, wie ein Freund über ihn sagt. Der Verfassungsschutz meint zu wissen, dass sich Karan in den Ja...

Christin Odoj

Pfarrer im Unruhestand

Der kleine Mann mit dem ergrauten aber kräftigen Haar hat seit drei Tagen nichts gegessen. Der Grund, warum er hungert, ist seine Solidarität mit dem philippinischen UN-Gesandten Naderev »Yeb« Saño.

Seite 21

»Wir wissen, dass sie scheitern werden …«

Die Argentinierin Mercedes Marcó del Pont studierte Ökonomie. Sie ist die erste Frau Argentiniens und eine der wenigen weltweit, die jemals an der Spitze einer Zentralbank standen. Mit ihr sprach für das »nd« Esther Andradi.

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ndPlusFrank Schirrmeister

Kunst ist (doch) Waffe!

Präsident Roosevelts »New Deal« hinterließ seine Spuren nicht nur im Wirtschafts- und Sozialgefüge der USA. Auch für die Geschichte der Fotografie war die Fokussierung auf die sozialen Probleme in Amerika ein Meilenstein. Zu reden ist hier von den Bildern und Fotografen der Farm Security Administration (FSA), einer Unterbehörde des Landwirtschaftsministeriums, deren Aufgabe es war, den verarmte...

Reiner Oschmann

Der Sinnsucher

Der Roman »Stoner« des texanischen Autors John Williams (1922 - 1994) erschien vor fast 50 Jahren, doch bekannt und gefeiert wurde er erst mit seiner Wiederentdeckung in diesem Jahrhundert. »Stoner« - die Geschichte eines armen Farmerssohns in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus Amerikas Mittelwesten, der die Leidenschaft zur Literatur sowie die Liebe zum Lehrberuf entdeckt und sein Lebe...

Ruth René Reif

Im Feuer der Gier

Die Krise breitete sich über das ganze Land aus, und es hieß, selbst große Konzerne und sogar Banken seien in Schwierigkeiten. Panik lag in der Luft … Überall Knappheit, Sorge in den Gesichtern, Andeutungen von Bankrott und Arbeitslosigkeit …» Was sich liest wie die Beschreibung der aktuellen wirtschaftlichen Lage in einigen Ländern Europas, entstammt dem Roman «Öl!» von Upton Sinclair au...

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ndPlusJens Grandt

Steter Tropfen

Ein schöner Satz, ein notwendiger Vorsatz: Die LINKE »streitet für eine demokratische und soziale, emanzipatorische und friedliche Gesellschaft«. Sie strebt »in Opposition zu Neoliberalismus und Kapitalherrschaft« eine »Veränderung der Machtverhältnisse« an. So steht es im Programm der Partei. Aber wie kann das geschehen? Wie kann eine gesellschaftliche Kraft, die sich in der Opposition befinde...

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Eine Frage der Beziehung

Seit zehn Jahren wird über den Königsweg gestritten, um aus dem PISA-Jammertal herauszukommen. Alle Argumente Für und Wider einschneidender Reformen könnten unter Umständen Makulatur sein.

Jobcenter fördern Bildungsarmut

www.jungewelt.de schilderte unlängst den Fall zweier Brüder aus dem niedersächsischen Nienburg, die, obgleich sie nachweislich erfolgreich das Gymnasium besuchen, regelmäßig beim Jobcenter vorsprechen müssen. Sie sind über 15 Jahre alt und leben mit ihren Eltern, die ihren Lebensunterhalt mit Hartz-IV aufstocken, in einer Bedarfsgemeinschaft. Zu dieser zählen alle in einem Haushalt Lebende. Sie...

Alte Konzepte, neu verpackt

Der Wuppertaler Hochschullehrer Jochen Krautz warnt vor einem unkritischen Umgang mit den neuen Bildungsreformern. Mit dem Professor für Kunstpädagogik an der Bergischen Universität Wuppertal sprach Jens Wernicke.

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Rudolf Walther

Dunant und das Rote Kreuz

Die Schlacht von Solferino am 24. Juni 1859 zwischen den Heeren Victor Emmanuels von Sardinien und Napoleons III. auf der einen Seite sowie der Armee des österreichischen Kaisers Franz Josephs I. auf der anderen forderte fast 40 000 Tote und ein Vielfaches an Verletzten. Der Genfer Bankier Henry Dunant besuchte das Schlachtfeld am Tag nach der Metzelei. Entschlossen packte er mit an beim Transp...

ndPlusIngrid Heinisch

Ich habe getan, was ich konnte ...

Lange war er nur unter dem Pseudonym »der polnische Major« bekannt: einer der ersten Häftlinge, die aus Auschwitz geflohen waren und detailliert über die Massenvernichtung berichtete. Seine über sechzigseitige Niederschrift gelangte über Krakau nach London auf Churchills Schreibtisch. Jerzy Tabeau, Jg. 1918, betätigte sich vom Beginn der deutschen Besetzung Polens an aktiv im Widerstand. 1942 w...

Non, je ne regrette rien

Ihr knallrotes Käppchen setzt sie niemals ab, auch nicht, wenn sie zu Tisch ist. Es ist wohl ihr Markenzeichen. 
Cécile Rol-Tanguy, Jg. 1919, ist die Witwe eines legendären, in Frankreich hoch verehrten Résistancekämpfers: Colonel Henri Rol-Tanguy. Mit der 
Grande Dame des französischen Widerstands, Offizier der Ehrenlegion( Légion d’ honneur) sprach Karlen Vesper.

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Elke Bunge

Ohrmuskeln machen mobil

Ein falscher Sprung, ein Sturz, ein Autounfall. Es ist bisweilen nur ein kleiner Moment, der das ganze Leben verändert: Querschnittslähmung ist eine Behinderung, die in der Regel kaum therapierbar ist und die Betroffenen dauerhaft einschränkt. Insbesondere wenn die Lähmung von Brust oder Hals abwärts stattgefunden hat und weder Beine noch Arme selbstständig bewegbar sind. Dann wird es extrem sc...

ndPlusReinhard Renneberg

Bienen nicht länger im Dunkeln

Zum ersten Mal können wir das Verhalten von Bienen in Echtzeit beobachten. Nach Rindern und Schweinen ist die Honigbiene unser drittwichtigstes Haustier. Ihre Bestäubung sichert uns ein Viertel der pflanzlichen Lebensmittel.

ndPlusMartin Koch

Die Biografie der Sterne

Am Himmel funkeln Tausende von Sternen, die dem flüchtigen Blick als eine Ansammlung punktförmiger Lichtquellen erscheinen. Schaut man jedoch genauer hin, bemerkt man Unterschiede. So gibt es hellere und dunklere Sterne, solche, die rot leuchten und andere, die eher bläulich schimmern. »Sterne sind ausgesprochene Individuen, und kein Stern gleicht einem anderen in all seinen Eigenschaften«, sag...

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Energiereiche Neutrinos im Eiswürfel

Mit einem riesigen Detektor im ewigen Eis der Antarktis haben Forscher erstmals energiereiche Neutrinos aus den Tiefen des Kosmos beobachtet. Neutrinos sind fast masselose Elementarteilchen ohne elektrische Ladung. Sie sind einzigartige Boten der energiereichsten Ereignisse im Weltall, wie zum Beispiel Sternenexplosionen. »Dies ist der erste Hinweis auf sehr hochenergetische Neutrinos, die von ...

ndPlusKai Althoetmar

Expedition ins Niemandsland

Hic sunt leones. Hier sind Löwen. So bezeichneten Kartographen im Römischen Reich unbekanntes Land jenseits der Grenzen. Meist lag es in Afrika. Als der Schweizer Biologiestudent Thierry Aebischer vor drei Jahren grübelte, welche Gegend Afrikas eine spannende Forschungsarbeit abwerfen könnte, kam er nicht vom Chinko-Becken los, dem fast menschenleeren Südosten der Zentralafrikanischen Rep...

Seite 30
ndPlusEkkehart Eichler

Fotos zum Niederknien

Fünf Schnappschüsse zum Niederknien. Fünf von 100 preisgekrönten Fotografien, die allesamt kleine Kostbarkeiten und Kunstwerke sind. Weil sie Natur in zu Herzen gehenden Momenten festhalten.

Seite 31
Heidi Diehl

Nicht nur auf Sand gebaut

Morgens um acht muss man sich den Strand nur mit den Möwen teilen. Vor zwei Jahren allerdings war noch nicht mal das möglich. Mit einem aufwendigen Verfahren rang man dem Meer gut 70 Meter Land ab.

Seite 32
Thomas Bruhn

Grundlos glücklich

Zum ersten »Ärztekongress - Vegetarische Ernährung und Medizin« bin ich gefahren, weil ich neugierig war und wissen wollte, wie sich Sport und vegetarische Ernährung vertragen; zum zweiten habe ich mich angemeldet, weil das Essen beim ersten außerordentlich köstlich war. Neben dem Essen interessierte mich aber auch, was es aus medizinischer Sicht zu pflanzlicher Ernährung zu sagen gibt un...

Seite 33
Irmtraud Gutschke

Figur der Freiheit

Die Gedankenreise beginnt am Versammlungsort der kleinen jüdischen Gemeinschaft Beth Zion in Berlin, genauer gesagt mit einem Foto, das vor Zeiten dort aufgenommen wurde. Es zeigt junge Männer in weißen Hemden beim Lesen. Den Kulturwissenschaftler Gernot Wolfram hat die Atmosphäre des Bildes fasziniert, die Zufriedenheit, die Entspanntheit in den Gesichtern, das versunkene Hingegebensein an den...

ndPlusSarah Liebigt

Bulgakow für Musterknaben, Murakami gegen Völlerei

»Sag’ mal, was ich lesen soll.« Jeder Mensch, der Bücher liebt und/oder ein paar besitzt, kennt diese Frage. Einfach zu beantworten ist sie nie. Auf gut Glück irgendein Buch weiter zu reichen, führt nur selten zu einer positiven Rückmeldung. Ich jedenfalls möchte den Fragenden nicht nur in seiner Liebhaberei für kafkaeske Texte oder Harlan- Coben-Thriller befriedigen, sondern gern auch Neues em...

Seite 34
ndPlusChristel Berger

Das Glück der Glücklosen

Minna hält nicht viel von sich, ihrem Leben, ihrem Aussehen, ist sie doch als ein Frühchen - als ein Molch - geboren und hat von Kindheit an kaum Liebe erfahren. Sie, die über Fünfzigjährige, hält sich für eine Angehörige der Generation von Verspäteten. »Unsere Entdeckung war die Traurigkeit, die Traurigkeit der Unbehelligten, die Mattheit der Unberufenen. Wir trugen höchstens die Kleider...

Hans-Dieter Schütt

Weltweite im Unterholz

Wald rauscht, Blätter fallen. Richtig. Absolut falsch! Wer Peter Handke liest, der empfindet plötzlich, welch ein erbarmungswürdiges, hilfloses und lebensnervbeschnittenes Wesen die Sprache ist - dann, wenn sie gar nicht mehr Sprache sein darf, ein Worte-Schatz also, sondern die Worte nur noch im Sprach-Gebrauch sind. Eingesperrt in gängigste Kombinationen, von denen es heißt: klar, verständlic...

Seite 35
ndPlusSabine Neubert

Das Geheimnis des Viviën de Narbonne

Gefallene Engel und Planeten, geheimnisvolle Klöster, Mönche, Kreuzritter, Magier und Pilger, Bibliotheken, Labyrinthe, Alchimie, Kabbala - das alles hat Marcello Simoni in seinem Roman ein wenig unbekümmerter als Umberto Eco in »Der Name der Rose«, aber ebenso spannend, witzig und geschickt zusammengerührt, so dass sein Buch sehr schnell auf die Spitzenplätze der italienischen Bestsellerlisten...

Hannah Klein

Der schwarze Teufel

Während der Französischen Revolution und in der Zeit des »Terreur« danach, bis Napoleon endgültig die Macht in Frankreich an sich riss, hat die europäische Geschichte eines ihrer spannendsten Kapitel geschrieben. In sie verwoben ist das abenteuerliche Leben des »schwarzen Generals«, des (ersten) Alexandre Dumas. Der war der Vater des Mannes, den wir als Autor zahlreicher Romane kennen, darunter...

Seite 36
ndPlusMonika Melchert

Sehnsuchtsräume vor historischem Hintergrund

Die Kindheit gehört zu jenen Sehnsuchtsräumen, die, je länger sie zurückliegen, umso mehr verklärt werden. Was haben Kinder nicht alles gewollt, versucht und gekonnt! Als Kind ist man unbefangener als jemals später im Leben. Und alles, was man tut, ist ein erstes Mal. Dabei sind Kindheiten durchaus nicht immer unbeschwert. Es gibt und gab auch Entbehrung und Not. Doch Kinder verfügen meis...

Lisa Hertel

Männer-Beobachtungen

Männer und Frauen - ein unerschöpfliches, unauslotbares Thema. Wie witzig liest sich das, was die Reventlow über ihre Affären zu vermelden hat, mit wie viel Esprit resümiert sie ihre amourösen Abenteuer. Die geborene Schriftstellerin - oder? Dabei wollte sie viel lieber Malerin werden. Deshalb ging sie 1894 nach München. Dort, in der Schwabinger Bohème, probierte sie sich aus, als Malerin und a...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Schwierige Nähe

Die Autorin ist Jahrgang 1973, mindestens ein Jahr jünger als Sonja im Buch, von der wir auf den ersten Seiten erfahren, dass sie 1992 in Marseille bald einen Sohn gebären wird. Anne Richter lebt mit ihrer Tochter in Heidelberg. Eine fiktive Oberfläche hat sie ihrem Roman geben wollen. Doch würde er nicht so bewegen, wenn darunter nicht Eigenes brodeln würde. Es stecken so viele genaue Beobacht...

Seite 37
ndPlusRalf Schenk

Der Sinn und die Form

Egon Günther hatte immer eine glückliche Hand. Welchen Stoff er auch anfasste, es wurde ein guter Film daraus, meistens jedenfalls. Wenn es darum geht, die Geschichte der DEFA nach den Chancen für ästhetische Innovationen zu befragen, liefern viele seiner Arbeiten dafür beste Beispiele. Schon in »Lots Weib« (1965), seinem Kinodebüt, suchte er nach Ausdrucksweisen jenseits konventioneller Dramat...

Matthias Biskupek

Kollegen unter sich

Den einen nannten manche den Dieter Hildebrandt des Ostens, den anderen nannte keiner den Peter Ensikat des Westens. Beides stimmt ohnehin nicht, zeigt aber jene merkwürdige Informationslage: Der Osten wusste schon immer fast alles über den Westen, und der Westen tat sich dicke, wenn er die Worte »Goldbroiler«, »FDJ« und »Digedags« relativ fehlerfrei dem Osten zuordnen konnte. Wie es Kaba...

Seite 38
ndPlusErnst Röhl

Heimatkunde

In manchen Ländern, behauptet Alexander Roda Roda, seien Satiriker völlig überflüssig; denn die jeweilige Regierung mache sich selbst lächerlich. Dennoch bleibt Deutschland die bevorzugte Zielscheibe der deutschen Satiriker. Gnadenlos piesackt die Meute der Mäkler die Berliner Republik, obwohl diese ohnehin schon von einer befreundeten digitalen Besatzungsmacht ungestraft ausgehorcht wird. ...

Lilian-Astrid Geese

Zwischen Feddering und Zembin

Als Peer Leversen im nordfriesischen Feddering auf die Idee kommt, die Außenwand seines Gartenhauses mit Schiffen zu bemalen, ruft die Nachbarin seinen Sohn Peter an. Aus der ostdeutschen Kleinstadt, in der er nach dem Mauerfall drei Monate verbringt, soll er schnell zurück in den Westen. Einladungskarten, die darf der verwitwete Vater, ein Tischler und Freizeitkünstler, bunt gestalten. Und »ri...

Gerd Prokot

Der Bräutigam, der nur mal Frühstücksbrötchen holen wollte

Rostock-Lichtenhagen im August 1992. Rechtsradikale greifen mit Brandsätzen ein Ausländerwohnheim an, die Situation eskaliert, die Polizei vor Ort ersucht dringend um Verstärkung, die Anforderung landet bei einem aus dem Westen zugezogenen höheren Beamten im Schweriner Ministerium - der sie prompt vergisst. Seine Gedächtnislücken waren im riesigen Apparat bis zu dem Desaster niemandem aufgefall...

Seite 39
ndPlusKonstantin Lewin

Liebe und Tod

Man könnte es für ein Naturgesetz halten: Am Rand der Welt blüht das literarische Leben mehr als im Zentrum. Island ist so ein Beispiel mit den weltweit meisten Schriftstellern auf die Einwohnerzahl oder das kleine Irland mit den vielen Literaturnobelpreisträgern und natürlich James Joyce. Dank der deutschsprachigen Übersetzungskultur kann nun hier Georgien als Quelle literarischer Kreativität ...

Fokke Joel

Natur und Armut

Das russische Dorf! Ach, was kommt einem nicht bekannter vor als dieser Ort! Obwohl man nicht auf dem Land lebt und schon gar nicht in Russland, meint man zu wissen, wie es dort zugeht. Beziehungsweise zugegangen ist, denn dieses Dorf ist ja, wenn man anfängt, genauer darüber nachzudenken, schon über hundert Jahre alt. Und es existiert auch nur in der Literatur, bei Dostojewski oder Tolstoi etw...

ndPlusSabine Neubert

Operation 911

Dieses Buch ist: ein Abenteuerroman, ein Reiseroman, ein Politkrimi, ein Zukunfts- und Kriegsszenarium, eine große märchen- und sagenumwobene Gegenwartserzählung. Darin sind eingefügt historische Implikationen und orientalische Liebesgeschichten. Das Buch erzählt von weit abgelegenen Welten, Pfaden und Kulturen, die uns so fremd sind wie nur wenige auf unserem Erdball. Zugleich sind sie als Nam...

Seite 40
Katja Herzberg

Ein Dorf und seine Erinnerungswelten

3000 Einwohner, jeder kennt jeden, da sollte ein Mord allen Dorfeinwohnern nahe gehen. Und das Verschwinden von Darío Ezcurra tut dies in gewisser Weise auch. Alle in Malihuel haben etwas zu ihm und seinem Ableben zu sagen. Ob und wie er starb, weiß aber keiner von ihnen wahrhaftig zu berichten. Was tatsächlich 1977 mit Ezcurra geschah, will nun, 20 Jahre später, Fefe, der Ich-Erzähler in...

Christin Odoj

Die Leiche zweier Väter

Ganz ordentlich hat Mark seine Sachen zusammengepackt, sogar den Ledergürtel eingerollt und auf die Jeans gelegt. Dann steigt er auf einen Zaunpfahl und erhängt sich. Das dramatische Ende eines Lebens ist gleichzeitig Auftakt einer gewaltigen Geschichte um Identität und Heimat. Denn nun nimmt das Unheil seinen Lauf. Warum der 19-jährige Mark sich das Leben nahm, spielt 344 Seiten lang kei...

ndPlusAlfons Huckebrink

Es wird gebetet und geflucht

»Warum ist es so schwer zu akzeptieren, dass deine Welt nicht für mich passt? … Warum verlässt du dich nicht darauf, dass ich weiß, was gut für mich ist? Ich vertraue auf ihn, gelobt sei er.« - Die Zerrissenheit der israelischen Gesellschaft, widergespiegelt in den verwobenen Lebensläufen des ungleichen Brüderpaars Kupfer: Gabi, orthodox erweckt und Roni säkular ernüchtert. Das in etwa ist die ...

Seite 41
ndPlusHeidi Diehl

Weg vom Alltag

Was die zwölf Autoren in diesem Bändchen eint, ist, dass sie weder Schriftsteller noch Dichter oder Journalisten sind. Keine Leute also, die sich von Berufs wegen mit dem geschriebenen Wort beschäftigen. Sie alle haben grundsolide Berufe erlernt und - zumeist bis zur Rente - ausgeübt. Was sie außerdem verbindet: Sie reisen leidenschaftlich gern, und es drängt sie, ihre Erlebnisse nicht nur zu e...

Klaus Bellin

Unter Gaunern und Piraten

Lloyd Osbourne war von seinem Stiefvater wenig entzückt. Der war ein unbekannter und erfolgloser Schriftsteller, Verfasser von Reisebüchern, Erzählungen und Essays, die nicht viel einbrachten und über eine Auflage nie hinauskamen. Pflichtgemäß las er sie alle, aber sie bereiteten ihm keine Freude, er quälte sich, weil sie so langweilig waren, und er wunderte sich nur, dass dieser Mann von Coope...

Carmen Bossenz

Kuriose Korsaren

Sind Kinder jenseits von Gut und Böse? Oder liegt gerade in Kindern das Böse so dicht unter der Oberfläche, dass es bei (un)günstigen Bedingungen ungefiltert zum Ausbruch kommt? Letztere Frage versuchte William Golding (1911-1993) in seinem 1954 erschienenen Roman »Herr der Fliegen« zu beantworten, in dem eine Horde Halbwüchsiger sich in kurzer Zeit auf einer einsamen Insel das Leben untereinan...

ndPlusHarald Loch

Welch Abenteuer!

Kann ein Bestseller 80 Jahre überleben, kann ein Abenteuerroman, der 1931 in Frankreich Furore machte, heute noch fesseln, kann ein erfolgreicher »Modeautor« heute noch gelesen werden? Das sind die Fragen, die sich angesichts der deutschen Erstausgabe von Henry de Monfreids Roman »Die Geheimnisse des Roten Meeres« stellen. Der Verleger des Zürcher Unionsverlages hat diese Fragen vorbehaltlos be...

Seite 42
ndPlusFlorian Schmid

Wer oben steht, befiehlt

Vier schlaue, junge und gut aussehende Sprösslinge unterschiedlicher Mafiaclans aus Russland, Indien, der Schweiz und Italien lernen sich während ihrer Elitenausbildung an einer teuren Universität in Leeds kennen. Denn statt mit Waffen herumzuhantieren und rohe Gewalt auszuüben wie ihre Väter und Onkel, studieren sie Wirtschaftswissenschaften und lernen globale Finanzströme zu dirigieren, um si...

ndPlusGeorg Michel

Der Ball ist rund wie die Welt

Ein Land zu erzählen kann auf verschiedene Art gelingen. Luiz Ruffato wählt hierzu in seinen Romanen das Stilmittel des Fragments: Fetzen, Rückblenden, Gedanken, Geräusche bilden ein Kaleidoskop, eine Geröllhalde von Einzelgeschichten, die auf ein Gesamtes verweisen, Scheitern der großen Erzählform als Ausgangspunkt einer Literatur, die mit »wortgewaltig« nur unzureichend beschrieben wird. ...

Harald Loch

Werbung um Verständnis

Ein Junge ziert den Umschlag des Romans. Er steht auf einem weißen afrikanischen Strand und bildet den Kontrast zum Titel des Buches: »Die Landkarte der Finsternis«. Sein Autor schrieb unter dem Pseudonym Yasmina Khadra, weil er als hoher Offizier in seiner algerischen Heimat nicht unter seinem Kommandeur-Namen Mohammed Moulessehoul das veröffentlichen konnte, was er zu sagen hatte. Heute lebt ...

Seite 43
Irmtraud Gutschke

Ein behaglich-spannendes Gedankenspiel beim Tee

Es wird viel heißer Tee getrunken in diesem Buch. Es ist ja auch schon Herbst, und in Windermere Grove, einer kleinen Gemeinde in der Grafschaft Norfolk fallen die Blätter, Nebel ziehen auf, nachts wird es empfindlich kühl. Dabei ist Olivia Lawrence, wenn sie nicht gar im Herrenhaus bewirtet wird - der örtliche Adel spielt eben in England noch eine Rolle - wenn sie nicht beim Dorfarzt oder eine...

Walter Kaufmann

Sehnsüchte

Der Verlag wird den Roman der Australierin Gail Jones neu benannt haben, weil »Ein Samstag in Sydney« mehr Leser gewinnen könnte als der Originaltitel »Five Bells« (Fünf Glocken). Falls dem so ist, gut so - dieses Buch soll unter die Leute! Es ist sorgfältig geschrieben, und der Übersetzung ist das poetische Englisch so anzumerken, dass es eine Freude ist. Die Komposition ist gekonnt, und ungew...

ndPlusLilian-Astrid Geese

Unwägbarkeiten

Prätentiös wer glaubt, er könne seinen Debütroman bei Éd. de Minuit verlegen. Auch die 1974 geborene PR-Frau Julia Deck, Tochter eines französischen Künstlers und einer englischen Übersetzerin, dachte nicht im Traum daran, ihren Erstling einem der renommiertesten Verlage Frankreichs anzubieten. Doch nachdem drei andere die surreale, fantastische und unglaublich dynamisch geschriebene Geschichte...

Seite 44
ndPlusGrit Gernhardt

Am bunten Faden

Kalt und grauschwarz wirkt die Stadt, nur der fallende Schnee erhellt die düstere Umgebung. Doch dann verändert eine kleine Truhe mit bunter Wolle und Stricknadeln das Leben der kleinen Annabelle - und nach und nach das Leben aller Bewohner, die, so viel sei verraten, auch in Zukunft nie mehr frieren werden. Ein nie enden wollender Faden »Extra Garn« in allen Regenbogenfarben verbindet die Figu...

ndPlusSilvia Ottow

Übermut tut gut

Uli ist wirklich noch sehr klein, er kann noch nicht einmal richtig Schlittschuh laufen. Aber einen Futtersack für Hirsch, Reh, Eichhörnchen, Hase und das Wildschwein Grunz, der fast so groß ist wie er selbst, will er an einem schönen Wintertag ganz allein in den Wald schleppen? Wenn das mal gut geht. Erst träumt der kleine Tierfütterer ein wenig, als er bei den Eisläufern vorbei kommt. D...

Christa Becker

Freunde gesucht

Diese Geschichte hat es in sich. Sie erzählt von Balder aus Norwegen, der keine Freunde hat. Man versteht das eigentlich gar nicht, denn er interessiert sich für seine Mitschüler, ist höflich und zurückhaltend, liebt die Natur, lernt gern, kann eine Kohlmeise von einer Blaumeise unterscheiden und wird von seinen Eltern geliebt. Aber Balder traut sich nichts und hat immerzu Angst, Fehler z...

Seite 45
ndPlusNorbert Podewin

Wie gut es doch ist, wenn der Floh im Ohr stichelt

Selbstbefragung schien ihr anfangs sinnlos, doch der sprichwörtliche Floh im Ohr stichelte permanent: »Schreib auf!« Derart gepeinigt gab sie nach, der »Floh« obsiegte. Nun mögen die Leser urteilen. 1943 in Berlin geboren, verlebte Cornelia Norden ihre Jugend in einer Vier-Sektoren-Stadt. Die häusliche Prägung - die Eltern waren aktive NS-Gegner - trug Früchte: Cornelia Norden wird Jungpi...

Rosi Blaschke

Der rote Bruder

Dieses Buch ist Lebensbeichte, Familienchronik und gesellschaftliches Panorama in einem. Leser, die der Generation des Autors angehören, wie er in drei deutschen Gesellschaftssystemen gelebt haben, werden sagen: Ja, so war›s. Aber gewiss mitunter auch: Nein. Weil sie manches oder vieles anders erlebt und erfahren haben oder anders beurteilen. Doch sollte es so nicht sein - bei einem Buch, das u...

Seite 46
Silvia Ottow

Flucht & Fracking

Das ist ein Plädoyer für den Taschenkalender aus Papier, für das Schreiben mit einem Stift, für das Umblättern raschelnder Seiten, das Anschauen von Bildern, das Durchstreichen von Terminen, das stichwortartige Archivieren eines Lebensjahres. Der Papierkalender lebe hoch, vor allem der seit langem erscheinende Frauenkalender aus dem PapyRossa Verlag. Auch für das nächste Jahr gibt es ihn, wiede...

ndPlusUli Gellermann

Die rote Lady des britischen Adels

Jessica Mitford (1917-1996) gehörte zu einer edlen Sippe und war zeitweilig Mitglied der Kommunistischen Partei der USA. Ihre Schwester Unity, um einiges berühmter, hechelte so lange einem Herrn Hitler hinterher, bis Ihr Vater, der 2. Baron Redesdale, sich gegenüber der britischen Presse gezwungen sah, Gerüchte über eine Verlobung zwischen dem deutschen Adolf und seiner Tochter zu dementieren. ...

ndPlusHelmut Müller-Enbergs

Leidenschaftlich »schizophren«

Alle reden über Günter Guillaume. Nur wenige kennen Johanna Olbrich (1926-2004), die als Sekretärin liberaler Spitzenpolitiker fast zwanzig Jahre lang erstklassige Informationen aus der FDP der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR lieferte. Das dürfte sich nun ändern, durch ihre posthum erschienenen spannenden Erinnerungen. Sie war neunzehn, als d...

Seite 47
ndPlusWladislaw Hedeler

Aufbruch in die Moderne

Das neue Buch des in Freiburg im Breisgau lehrenden Professors für Neuere und Osteuropäische Geschichte sei ausdrücklich zur Lektüre empfohlen. Modernisierung und Aufbruch in der russischen Geschichte waren und bleiben interessante Themen. Zwar mangelt es an publizistischen Angeboten hierzu, verfasst aus unterschiedlichster Perspektive, nicht. Kollegen von Dietmar Neutatz wie Manfred Hild...

Horst Schützler

Russland gehört zu Europa

Nach seiner anspruchsvollen Geschichte der Sowjetunion, die 1998 erschien und als Standardwerk gilt, legt der Göttinger Osteuropahistoriker Manfred Hildermeier nun eine voluminöse Geschichte Russlands vor. An dieser hat er gut acht Jahre gearbeitet. Mit dem vorherigen Werk zusammen bietet er nunmehr eine umfassende Gesamtdarstellung der russischen Geschichte, wie sie nur selten einem Forscher g...

Seite 48
Ernst Reuß

Todesschwadronen

Offiziell waren die deutschen Todesschwadronen der Wehrmacht unterstellt, inoffiziell erhielten sie ihre Weisungen von der SS. Sechzehn Einsatzkommandos, bestehend aus bis zu 150 Mann, hinterließen eine breite Blutspur durch das okkupierte Polen. Nach den einvernehmlich mit der SS beschlossenen Richtlinien des Oberkommandos des Heeres dienten sie der »Bekämpfung aller reichs- und deutschfeindli...

ndPlusArmin Jähne

Wer hielt hier wem nicht die Treue?

Als Major Ferdinand von Schill am 31. Mai 1809 in Stralsund in der Fährstraße starb, hingestreckt von der Kugel eines Holländers, war sein Name in aller Munde. Selbst beim Feind. Die eigenen Landsleute, namentlich die Sachsen, selber feige und unterwürfig, verehrten und liebten ihn, blickten voller Hoffnung auf diesen kühnen Mann, der es gewagt hatte, gegen die napoleonische Fremdherrschaft nic...

Seite 49
Hans Canjé

Geschichte, die noch qualmt

Vor allem jüngere Zeitgenossen, im Geschichtsunterricht in der Regel eher sparsam belehrt über den Verlauf der Geschichte in den Jahren zwischen 1933 und 1945, einschließlich der Vor- und Nachgeschichte, finden hier fundierte Antworten. Aber auch jenen, die glauben, über Deutschlands »dunkle Jahre« bereits alles zu wissen, wird die Lektüre den Blick schärfen. Insbesondere angesichts nicht enden...

ndPlusHarald Loch

»Der Führer Adolf Hitler ist tot …« - eine voreilige Proklamation

Die Geschichte des am 20. Juli 1944 gescheiterten Hitler-Attentats ist, wie die gesamte Zeit des »Nationalsozialismus«, von Historikern in den letzten Jahrzehnten so genau beschrieben worden, dass man von der am besten erforschten Epoche der deutschen Geschichte sprechen kann. Trotzdem kann das Werk der Theologin und Grünenpolitikerin Antje Vollmer und des Publizisten Lars-Broder Keil neue Akze...

Peter Nowak

Die deutsche Brille ist getrübt

Wann bekommt Kritik an Israel eine antisemitische Schlagseite? Ist der Aufruf zum Boykott von Waren aus Israel seitens eines Landes gestattet, in dem vor 80 Jahren mit dem Boykott jüdischer Geschäfte die systematische Ausgrenzung von Juden begonnen hatte, die im industriellen Judenmord mündete? Warum fanden Aktivisten der Solidarität mit Palästina, darunter Bundestagabgeordnete der LINKEN, nich...

Seite 50
ndPlusHarald Loch

Ein Hohelied des Gemeinsinns

Bulgarien und Dänemark bildeten die Ausnahmen. In diesen mit den Nazis verbündeten bzw. von ihnen besetzten Ländern gelang die systematische Ausrottung der jüdischen Bevölkerung nicht wie von den deutschen Antisemiten erhofft. In Bulgarien verhinderte ein mutiger Innenminister den Abtransport der bereits eingesammelten Juden. Und in Dänemark gelang vor 70 Jahren der großen Mehrheit der jüdische...

ndPlusKarlen Vesper

»Seht und ehrt den Menschen im Menschen«

»Noch immer erschüttern uns die menschlichen Zeugnisse aufrechter Deutscher in den Stunden des Untergangs, bleibt der bis zum Ende unbeirrte Wahnsinn gnadenloser Mörder erschreckend«, schreibt Klaus von Dohnany, dessen Vater Hans kurz vor Kriegsende von den Nazis ermordet wurde. Der Sohn des Widerständlers hat das Vorwort zum neuen Buch von Beatrix Heintze verfasst und würdigt es zu recht als e...

Rosi Blaschke

Der Schoß ist fruchtbar noch

Muss man Geschichte denn wirklich selbst erlebt haben, um wiederkehrende Gefahren rechtzeitig zu erkennen, sich gedanklich gegen sie zu wappnen und dagegen anzukämpfen? Nein, das muss man nicht, wie wir alle wissen. Wachsam sein, das kann aber jeder Bürger. Und etwas dagegen zu tun, ist des Staates Pflicht. Warum also kann Neonazitum, Rechtsextremismus, Rassismus, von denen in der Vergangenheit...

Seite 51
Heinz Niemann

Die persönliche Note

Nun hat der kommende 100. Geburtstag es doch mit sich gebracht, dass sich Peter Brandt endlich überzeugen ließ, als der älteste Sohn - und im Unterschied zu seinen Brüdern früh politisch engagiert und zudem als ausgewiesener Zeithistoriker besonders prädestiniert - Auskunft über den Vater und Politiker Willy B. zu geben. Ein in vieler Hinsicht schwieriges Unterfangen. Zum einen war Willy ...

ndPlusWerner Ruch

Wider die Preußentümelei - damals wie heute

»Den Nagel auf den Kopf getroffen«, urteilte Friedrich Engels in einem Brief vom 16. September 1892 an August Bebel, nachdem er »Die Lessing-Legende - Eine Rettung« von Franz Mehring (1846-1919) gelesen hatte. »Und die Zerstörung der Preußenlegende ist unbedingt nötig, ehe Preußen in Deutschland verschwinden kann.« Der Alliierte Kontrollrat wurde am 25. Februar 1947 mit seiner Entscheidun...

Seite 52
ndPlusHelge Buttkereit

Wie weiter in Venezuela - nach Chávez?

Nach dem Tod von Hugo Chávez erscheint die Zukunft des lateinamerikanischen Landes ungewisser denn je. André Scheer, Auslandschef der Tageszeitung »Junge Welt«, war mit Fotografin Claudia Schröppel aus Anlass der Präsidentschaftswahl im Oktober vergangenen Jahres in Venezuela. Chávez wurde damals wiedergewählt. Im März dieses Jahres erlag er seiner schweren Krankheit; ihn beerbte sein Vize Nico...

ndPlusKlaus Jaschinski

Ein exklusiver Club im Vorhof der Macht

Angesichts der Vorgänge in Nah- und Mittelost und den bisherigen Reaktionen in Europa und den USA ist dieses Buch von höchster Aktualität. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Phänomen, das landläufig als »politischer Islam« ausgewiesen wird und diversen Politikern, Mediengewaltigen und sogenannten Experten reichlich Stoff für allerlei Unkenrufe liefert. Einstieg in das Buch bietet daher ein Gesprä...

Heinz-Dieter Winter

Terrorzuchtprogramme

Als der vierjährige Jürgen am 19. März 1945 die Schrecken des Bombenangriffs auf Hanau erlebte, fragte er seinen Großvater: »Darf man im Krieg auch Kinder töten?« Dass in den Kriegen unserer Zeit unschuldige Menschen, Männer, Frauen wie Kindern getötet werden, erlebte der spätere Bundestagsabgeordnete der CDU und Medienunternehmer Jürgen Todenhöfer immer wieder. Er hat es sich seit dem zur Aufg...

Seite 53
Helmut Müller-Enbergs

Der Topspion, der keiner war

Was wurde nicht schon alles über Günter Guillaume (1927-1995) und dessen Ehefrau Christel (1927-1994) geschrieben? Nachdem der Referent des Bundeskanzlers Willy Brandt als Quelle des Auslandsnachrichtendienstes der DDR, der Hauptverwaltung A (HVA), am 24. April 1974 enttarnt wurde. Guillaume selbst hat seine Erinnerungen geschrieben: »Die Aussage«. Sohn Pierre Boom berichtete über ihn unter dem...

ndPlusKlaus Eichner

Die Hunde wurden von der Kette gelassen

»Wir intervenieren, wann immer es in unserem nationalen Sicherheitsinteresse liegt, ob es Ihnen passt oder nicht. Gewöhn dich dran, Welt, wir lassen uns nichts gefallen.« Diese zynischen Worte stammen von Duane »Dewey« Clarridge, einem altgedienten Kader der CIA. Mark Mazzetti zitiert ihn in seinem Buch. Als die US-amerikanische Öffentlichkeit Mitte der 1970er Jahre durch die Untersuchung...

Seite 54
Karlen Vesper

Skepsis und Zweifel sind oberste Bürgerpflicht

Dies ist ein Pamphlet im besten Sinne des Wortes: pointiert, polemisch, parteiisch. Der studierte Pädagoge und Philosoph Rainer Lehmann, Jg. 1952, klagt menschenunwürdige Zustände und devote Haltungen an. Mit unheiligem Zorn. Ist dieser dem Enkel eines von den Nazis verfolgten Kommunisten und einer ungläubigen galizischen Jüdin vererbt worden? Wie auch immer, Lehmann ruft zum Ungehorsam a...

Maritta Hummel

Jeder Mensch ist zu einer Gewalttat fähig

Im zarten Alter von elf Jahren hat sie erstmals den Film »Das Schweigen der Lämmer« über den Serienmörder Hanibal Lecter gesehen. »Der Film machte mir keine Angst, er faszinierte mich ... Eine Faszination, die bis heute anhält«, gesteht sie. Lydia Benecke wollte seit damals wissen, wie »echte« Psychopathen ticken und studierte Kriminalpsychologie. Warum begehen manche Menschen grausame Ve...

ndPlusRudolf Walther

Die Abzocker und Betrüger

Wer nicht Wirtschaft studiert hat, versteht die Wirtschaftsnachrichten der Tageszeitungen und das Kauderwelsch der Fensehökonomen nur halbwegs. Und wer Wirtschaft studiert hat, dessen Augen sind oft getrübt. Die Verwirrung beginnt schon beim Namen der Krise. Für die Regierung und die neoliberalen Trompeter in den Medien leben wir angeblich in einer »Schuldenkrise«, verursacht von den öffentlich...

Seite 55
Steffen Schmidt

Als Luxusuhren noch aus England kamen

Man sitzt zusammen, unterhält sich angeregt. Und beim Blick auf die Uhr: Oh je, ich habe keine Zeit mehr, ich muss los. Diese uns höchst vertraute Situation wäre betuchten Menschen im 16. Jahrhundert allerdings ziemlich befremdlich vorgekommen. Nicht zuletzt deshalb, weil damals selbst Kirchturmuhren keineswegs überall existierten. Noch der junge Isaac Newton beschäftigte sich mit der Herstellu...

ndPlusMartin Koch

Wie wir wurden, was wir sind

Dass unsere Vorfahren die Ordnung und Schönheit der Natur auf das Wirken eines verborgenen Schöpfers zurückführten, ist verständlich. Denn erst seit Charles Darwin wissen wir, dass die beeindruckende Vielfalt des Lebens das Resultat einer Jahrmilliarden währenden Evolution ist, die auf dem Mechanismus der natürlichen Auslese fußt. Davon ausgehend können Wissenschaftler heute zumindest im Prinzi...

Seite 56
ndPlusRonald Sprafke

Faszinierend und spannend

Archäologie fasziniert. Sie verschafft Museen und Grabungsstätten hohe Besucherzahlen, dem Fernsehen überdurchschnittliche Einschaltquoten und der Presse eine sichere Leserschar. Dennoch hat es auch diese Wissenschaft in Zeiten halbleerer Kassen schwer. Sabine Ladstätter, Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts und Leiterin der Ausgrabungen in Ephesos, zeigt, wie wichtig, span...

Armin Jähne

Wie die Menschen einst lebten

Schlägt man dieses Buch auf, und man sollte es unbedingt tun, wird sofort klar, dass hier ein einmaliges Lexikon geboten wird, das über 120 alphabetisch geordnete Städte des Altertums informiert: von Alexandria in Ägypten, Athen und Augsburg über Carnuntum in Österreich, Edirne in der Türkei, Kyrene in Libyen bis Tarent in Italien, Xanten und York in England. Freilich, es handelt sich hier um e...