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Jürgen Reents

Die Tränen
 der Krokodile

Die Bundeskanzlerin hat Nelson Mandela als »Vater einer endlich freien Nation« und »Gigant der Geschichte« gewürdigt. In ihren Worten liegt ehrliches Mittrauern über seinen Tod. Angela Merkel wuchs in einem Land auf, in dem die Ächtung des früheren Apartheid-Regimes, die Solidarität mit seinen Opfern und Gegnern keine leere Formel war. Nun aber regiert sie einen Staat und eine Partei, in denen ...

Markus Schönherr, Kapstadt

»Das Land hat seinen Vater verloren«

Eine Woche lang will Südafrika um Nelson Mandela trauern und dessen erfülltes Leben feiern. Staats- und Regierungschefs von allen Kontinenten würdigten das politische Vermächtnis.

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Globale »Selbstbeschränkung«

Auf diesen Mitreisenden könnte man liebend gern verzichten. »Co-Traveler« nennt der US-amerikanische Geheimdienst NSA zynisch sein geradezu planetares Ortungsprogramm für Handys, mit dem Tag für Tag weltweit fast fünf Milliarden Datensätze zu Mobiltelefonen gesammelt werden - Telefonnummern, Standorte, Gerätekennung, Sim-Karten-Codes. Damit lassen sich präzise Profile von Nutzern samt ihrer Kon...

Halbherziges Versprechen

Wolfgang Schäuble (CDU) ist sich seiner Sache offenbar ziemlich sicher. Der Bis-Jetzt-Finanzminister wurde noch nicht für die nächste Regierungszeit in seinem Amt bestätigt, doch Versprechen macht er schon jetzt. Diesmal geht es um die in die Kritik geratenen Rentenpläne von Union und SPD. Schäuble schließt aus, dass die Rentenbeiträge trotz der geplanten Mütterrente bis 2017 erhöht werde...

Macht die Schotten dicht!

Es war eine gewaltige Sturmflut, welche rund 100 Kilometer die Elbe aufwärts nach Hamburg geschwappt ist. Die Pegelstände waren höher als bei der Katastrophe von 1962. Doch diesmal hielten sich die Schäden gottlob in Grenzen - dank geschlossener Hochwasserschutztore und planmäßig geräumter Gefahrengebiete. Solche technischen Vorkehrungen helfen natürlich nur bis zu einem gewissen Grad gegen die...

ndPlusChristian Klemm

Post für Angela

Sie ist eine Ikone der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und neben Mumia Abu-Jamal die wahrscheinlich bekannteste Aktivistin gegen die Todesstrafe. Angela Davis war in den Vereinigten Staaten der 1970er Jahre das, was - auf ganz andere Weise - Osama bin Laden Jahrzehnte später wurde: eine Staatsfeindin, die aus dem Weg geräumt werden sollte. Sie bekannte sich zum Marxismus, war Mitglied in...

Drohnen im Sturm

Gefahr ist etwas, das die Menschen nur schwer fassen können. Das wurde auch in den vergangenen Tagen deutlich, als das Sturmtief Xaver erst euphorische Begeisterung für die Meteorologie weckte und sich dann mit der nur schwer nachvollziehbaren Freude an Katastrophen-Livetickern paarte. In denen konnte ein Leser am Donnerstag zum Beispiel erfahren, dass das Kreisgymnasium Wesermünde in Bremerhav...

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Krise in der Ukraine

La Voix du Nord, Frankreich Europäische Träume Europa erweckt noch Träume. Das ist kein Witz. Auch wenn das unseren englischen Nachbarn zum Beispiel nicht gefallen dürfte - es gibt ein Volk, das sich heute erhebt, um seine Regierung zum Nachgeben zu bewegen. Der Schrei von hunderttausenden ukrainischen Demonstranten ist auch ein Appell an den Alten Kontinent, seine Seele nicht zu verlie...

ndPlusWolfgang Storz

Gabriel und die Methode Schröder

Wir schaffen neue Standards - die Führung der SPD feiert sich als mutige Wegbereiter von mehr Demokratie. Doch die Parole lautet in Wahrheit: Wenn ich gegen König und Sachzwang stimme, schaffe ich Chaos, Schutt und Asche.

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So viel Heimlichkeit...

So viel Heimlichkeit, in der Weihnachtszeit. Spätestens jetzt wird klar, warum die ziemlich wahrscheinlichen künftigen Koalitionäre ihre Verhandlungen zeitlich so genüsslich ausgedehnt haben. Sie haben vermutlich schon Ende September darauf spekuliert, dass ihr bisweilen allzu heftig von Nächstenliebe geprägtes Tun in Zeiten allgemeiner vorweihnachtlicher Zutraulichkeit als ganz und gar passend...

ndPlusVelten Schäfer

In Brandenburg steht es neunzehn zu neun

Noch immer klafft zwischen offiziellen und zivilgesellschaftlich erarbeiteten »Opferlisten« zu extrem rechter Gewalt eine riesige Lücke. Taten etwa gegen Obdachlose werden oft nicht als politisch erkannt.

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Warnung vor rechtem Populismus

Laut der am Donnerstag veröffentlichten Deutschland-Trend-Umfrage ist Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) nicht gerade einer der beliebtesten Unionsminister - weil er kaum ein Fettnäpfchen auslässt?

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US-Anspruch in Ostasien bekräftigt

Seoul. Angesichts zunehmender Spannungen in Ostasien wollen die USA ihren Einfluss in der Region verstärken. Das bekräftigte US-Vizepräsident Joseph Biden am Freitag in Südkorea. Nach seinen Besuchen in Peking und Tokio übte Biden auch noch einmal Kritik an China und dessen Verbündetem Nordkorea. Dabei ging es um Chinas Luftraumüberwachungszone im Ostchinesischen Meer sowie Nordkoreas Atomprogr...

Klaus Joachim Herrmann

Janukowitsch beriet Partnerschaft mit Putin

Der ukrainische Konflikt schlägt auch international immer höhere Wellen. Derweil beendete Julia Timoschenko ihren Hungerstreik und die Opposition ruft zum großen Protest am Sonntag in Kiew auf.

Ralf Klingsieck, Paris

Militäreinsatz Frankreichs abgesegnet

Überschattet vom Krieg in der Zen᠆tralafrikanischen Republik, hat in Paris ein Gipfeltreffen mit rund 40 afrikanischen Staats- und Regierungschefs begonnen.

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Anna Maldini, Rom

Neuer Hoffnungsträger gesucht

Am Sonntag lässt die Demokratische Partei ihren neuen Vorsitzenden wählen. Er wird Guglielmo Epifani ablösen, der die Partei seit Mai kommissarisch leitet.

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Simon Poelchau

Gemeinsam für den Netzausbau

Rund 60 Akteure zählt das Forum Netzintegration. Sie wollen den Netzumbau umwelt- und anwohnerfreundlich machen.

Hermannus Pfeiffer

Gold verliert seinen Glanz

Von manchen Finanzakteuren wird Gold als sichere Anlage in schwierigen Zeiten angepriesen. Dieses Image hat Schrammen bekommen.

ndPlusAndreas Behn, Nusa Dua

Kompromiss bei WTO-Konferenz

Die Frage der Ernährungssouveränität war bei den WTO-Freihandelsgesprächen am umstrittensten. Der gefundene Kompromiss ist vor allem für arme Staaten ungünstig.

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Polnisch

Das 21. Usedomer Musikfestival widmet sich im kommenden Jahr der Musiktradition Polens. Krzysztof Penderecki wird mit der Sinfonia Varsovia das Orchestra in Residence dirigieren, wie die Festivalleitung am Freitag mitteilte. Penderecki, der gerade seinen 80. Geburtstag feierte, gilt als bedeutendster Gegenwartskomponist Polens. Das dreiwöchige Festival wird vom Festivalorchester Baltic Youth Ph...

Weitere Festnahme

Im Verfahren um den spektakulären Rotterdamer Kunstdiebstahl ist am Freitag ein bisher flüchtiger Hauptangeklagter verhaftet worden. Der Mann sei in Großbritannien gestellt worden, berichtete die rumänische Nachrichtenagentur Mediafax unter Berufung auf die rumänische Polizei, die Interpol eingeschaltet hatte. Es handelt sich um einen der beiden Männer, die im Oktober 2012 in die Rotterdamer Ku...

Zwischen Hitler und Stalin

Der US-amerikanische Geschichtsprofessor Timothy Snyder hat am Freitag den Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken erhalten. In Bremen wurde dem 44-Jährigen die mit 7500 Euro dotierte Auszeichnung für sein Buch »Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin« überreicht.

Stefan Amzoll

»Ich bin ich, einmal und für alle Zeiten«

Mehr als dreißig Jahre sind verstrichen und immer noch trage ich in mir eine schreckliche Wut. Sie ist dauernd vorhanden, nicht bewusst, doch vorhanden, und Depressionen bringen sie an die Oberfläche.» Das sagt Caitlin Thomas 1985 in einem Gespräch mit dem englischen Biografen George Tremlett. Grollende Wortgesten, Wuttrauben tiefschwarz. Was mag sie bewogen haben, sich so zu äußern? Wie viel U...

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ndPlusJürgen Amendt

Finanzielles Desaster beim Trägerverein

Der Träger der Linken Medienakademie (LiMA), der Verein LiMA e.V., steht möglicherweise vor dem Aus. Grund sind finanzielle Unregelmäßigkeiten. Der Geschäftsführer Christoph Nitz ist seines Postens enthoben.

Thomas Blum

Emotionen kreieren beim Endverbraucher

»Dudelfunk« beschreibt heute einen Dauerzustand. Sendungen, die vom allgemein üblichen Konzept der Dauerberieselung des Hörers mit Werbung und Schlagern abwichen und die - meist von leidenschaftlichen Redakteuren betreut - ihre Hörerschaft nicht nur mit der immergleichen tristen Mixtur aus Fahrstuhlmusik und »Hits der 70er, 80er und 90er Jahre« beschallten, wurden in den vergangenen Jahren unge...

Hans-Dieter Schütt

Stöbern im offenen Kleingrab

Emanzipation? Das ist die Hand, die sich aus dem Pakt löst. Es ist die nunmehr lose Hand, die von jenem Werkzeug ließ, das die Dinge unseres Lebens zu einem vermeintlich Ganzen zusammennagelt. An solchem Werkzeug kann die Hand gefährlich linkisch werden und unbeholfen - und am Ende werden wir von der Maschine Leben gleichsam »bei der Hand« genommen. Die Hand am Werkzeug ist ein anderer Ausdruck...

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Von David Fischer, Novi Sad

Wuchtig am Kreis

Anja Althaus bestreitet in Serbien ihre sechste Handball-WM. Mit der deutschen Auswahl will die Kreisläuferin mehr erreichen als das Minimalziel Achtelfinale. Der 31-Jährigen kommt eine Führungsrolle zu.

Nur ein Rauschen in der Volkswirtschaft

Norbert Kersting ist seit 2010 Professor für Kommunal- und Regionalpolitik am Institut für Politikwissenschaft der Universität Münster. Jirka Grahl sprach mit dem 52-Jährigen über Auswirkungen von Megasportevents.

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Sandra Degenhardt, Hochfilzen

Den Wind erwischt

Die Bedingungen waren nicht einfach, aber beherrschbar. Doch die deutschen Biathletinnen verfehlten in Hochfilzen zu oft das Ziel und enttäuschten. Anders die Männer: Ein Quartett lief unter die Top 12.

ndPlusOliver Händler

Pechstein schreibt das Drehbuch um

Die 41-jährige Eisschnellläuferin Claudia Pechstein hat beim Weltcup in Berlin Platz zwei über 3000 Meter erreicht. Dauerrivalin Stephanie Beckert versinkt dagegen weiter im Tief.

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Sarah Liebigt

Realsatire, Klappe die 286.

Das Vorhaben sei zu komplex, es gebe zu viele Beteiligte, hat der ehemalige Projektleiter der BER-Großbaustelle, Joachim Korkhaus, gesagt. Bis Horst Amann ihn im September 2012 absetzte. Der gemeine Berliner wird nie erfahren, ob schon Amann Korkhaus für sein mangelhaftes Projektmanagement bestrafte oder ob seine Entlassung eine der für notwendig erachteten, weil öffentlich wirksamen Entscheidu...

3000 neue Plätze für Flüchtlinge

In Berlin gibt es für acht von 33 Flüchtlingsunterkünften bislang keine gültigen Verträge. Bei vier dieser Unterkünfte befinden sich die Vertragsverhandlungen allerdings in der Abschlussphase, teilte Sozialsenator Mario Czaja (CDU) in einer am Freitag veröffentlichten Antwort auf eine Kleine Anfrage der Piraten-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus mit. Vorrangige Zielsetzung des Landesamtes fü...

ndPlusBernd Kammer

Beim Flughafen ist keiner allmächtig

Vor dem BER-Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses sagte gestern der einstige Gesamtprojektleiter aus. An Joachim Korkhaus lässt sich das ganze Dilemma der Flughafenplanung nachvollziehen.

ndPlusMartin Kröger

Protestadvent für Berliner Flüchtlinge

Die Räumungsdrohung des Berliner Innensenators Frank Henkel (CDU) gegen das Flüchtlingscamp auf dem Oranienplatz in Kreuzberg löst eine Welle der Solidarität in der Stadt aus. Flüchtlinge und Unterstützer planen zahlreiche Aktionen.

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ndPlusAndreas Fritsche

Verfrühte Erörterung zum Tagebau

Ab Dienstag werden in Cottbus Einwände gegen den Tagebau Welzow-Süd II erörtert. Braunkohlegegner finden, der Termin müsse mindestens verschoben werden, wenn nicht abgesagt.

ndPlusPeter Nowak

Mieterprotest mit Sambarhythmen

Am Nikolaustag stattete das Bündnis »Recht auf Wohnen« Birgit Möhring, der neuen Geschäftsführerin, des Liegenschaftsfonds einen besonderen Besuch ab.

Nicolas Šustr

Gleise für die Sonntagstraße

Für eine bessere Anbindung in Friedrichshain soll die Tram 21 direkt zum S-Bahnhof Ostkreuz führen. Anwohner machen sich vor allem Sorgen um den Lärm.

Wilfried Neiße

»Das hier soll Demokratie sein?«

Eine verpatzte Generalprobe garantiert eine glänzende Premiere. Wenn diese Theaterregel auch fürs politische Theater gilt, dann steht einer großartigen Eröffnung des neuen Landtags nichts im Wege.

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Velten Schäfer

Gerechter ist auch günstiger

In den meisten Kreisen und Städten haben Flüchtlinge keine Krankenkassenkarte. Rostock wollte das anders regeln - doch der Oberbürgermeister pfiff die Bürgerschaft zurück. Nun gibt es Proteste.

Marlene Grund, Trier

Laptop und Beamer gegen Barrieren

Birgit Nofftz sitzt am Rande des Podiums an einem kleinen Tisch und spricht sehr leise, aber überdeutlich in die Sprachmaske vor ihrem Mund. Mit einer kaum wahrnehmbaren Verzögerung erscheinen die Sätze der Redner in Schriftform auf der großen Leinwand hinter ihr, zum Mitlesen für Schwerhörige und Hörende. »Ich spreche nach, was ich höre, einschließlich der Satzzeichen«, erläutert die Schriftdo...

ndPlusReimar Paul

Rattenfänger lockt UNESCO

Sie ist in über 30 Sprachen übersetzt worden - die Rattenfängersage aus Hameln. Selbst in fernen Ländern gehört sie häufig zum Schulunterrichtsstoff. Nun soll sie als immaterielles Welterbe anerkannt werden.

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Späte Anklage?

Die Staatsanwaltschaft Chemnitz prüft eine Anklageerhebung gegen einen 91-jährigen mutmaßlichen Naziverbrecher aus dem mittelsächsischen Döbeln. Der Mann war lautNS-Fahndungsstelle in Baden-Württemberg Aufseher in Auschwitz.

Thomas Blum

Das totale Schrammeln

Vor 35 Jahren konnte Brian Tristan, besser bekannt unter dem Namen Kid Congo Powers, noch kein Instrument spielen. Doch glücklicherweise traf er, der mit 15 Jahren einen Ramones-Fanclub gegründet hatte, in der Menschenmenge, die für ein Konzert der grantigen Rock-Dekonstrukteure Pere Ubu Schlange stand, den Gründer des Blondie-Fanclubs, den etwas älteren Jeffrey Lee Pierce, der gekleidet war wi...

Lutz Gallinat, Lübeck

Hagelschauer von Einfällen

Mit seinem zweiten, nach der »Blechtrommel« mit Spannung erwarteten Roman unterstrich Günter Grass 1963 seine Stellung als sprachgewaltiger Fabulierkünstler: Die »Hundejahre« wurden von Kritikern als »heißlaufende Phantastik« und kaum gebändigter »Hagelschauer von Einfällen« gewürdigt, der Stoff für mehr als einen Roman geboten hätte. Ausgehend von der Spannung zwischen Kunst und Gesellschaft w...

ndPlusChristine Cornelius, Mauer

Immer wieder mittwochs

Zu beschwerlich, zu weit weg: Auf dem Land ist ein Friedhofsbesuch für viele Senioren ohne fremde Hilfe nicht drin. Die Gemeinde Mauer in Baden-Württemberg spendiert deshalb einen Friedhofs-Shuttle.

ndPlusKathrin Zeilmann, Forchheim

Ballett mit Traktor

Im Schritttempo gemütlich über die Felder tuckern? Moderne Traktoren und ihre Anhänger haben die Ausmaße von Lkw. Wie riskant das sein kann, lernen Landwirte in Bayern bei einem speziellen Training.

ndPlusKatharina Dockhorn

Lesbische Liebende, sympathische Verlierer

»Mit der Einladung nach Berlin zur Verleihung des Europäischen Filmpreises schließt sich für mich ein Kreis. Vor fünf Jahren habe ich auf dem Koproduktionsmarkt der Berlinale nach Partnern für ›Blancanieves‹ gesucht,« erinnert sich der spanische Regisseur Pablo Berger. »Vor zwei Wochen lief er hier zur Eröffnung der Spanischen Filmwoche in Deutschland und ist im Kino.« Sein stummer Schwar...

ndPlusKarin Schmidt-Feister

Janusköpfiger Tanz zwischen dünnen Linien

Mit einer Doppelaxt zelebriert Hironori Sugata magische Kreise und Schwünge auf der Vorbühne. Ein Ritual voller Eleganz und souveräner Ruhe. Sieben Menschen stehen in Reihe hinter einer Gaze. Geteilte Räume. Schatten und Licht.

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Tobias Riegel

Madibas Movies

Nelson Mandela im Film. Die ungetrübteste Heldengeschichte des 20. Jahrhunderts. Das muss zwangsläufig »Großes Kino« werden - im Guten wie im Schlechten. Die Mischung aus gefälligem Kitsch und kritikloser Huldigung einerseits und handfester politischer Botschaft, Kolonialismus-Kritik und packender menschlicher Dramatik andererseits ist nicht zu vermeiden: Zu mitreißend, um nicht zum verfilmten ...

Unvergessene Solidarität
ndPlusChrista Schaffmann

Unvergessene Solidarität

In der DDR war die Solidarität mit den nationalen Befreiungsbewegungen Grundsatz. Sie galten als natürliche Verbündete im Kampf gegen Kolonialismus und Rassismus. Wohl deshalb auch die emotionale Bindung an ANC und Mandela.

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Nachrufe

Paul Aussaresses / 7. 11. 1918 - 3. 12. 2013 Die Öffentlichkeit wurde auf General Paul Aussaresses, der am Dienstag mit 95 Jahren gestorben ist, erst im Herbst 2000 aufmerksam. Da war er längst in Pension und hat sich gelangweilt. Wohl aus Freude an der Provokation und um etwas Leben in seine alten Tage zu bringen, packte er in einem Interview mit der Zeitung »Le Monde« aus. Als einziger ...

ndPlusReimar Paul

In vorderster Reihe

Philippsburg, eine Kleinstadt mit rund 16 000 Einwohnern, liegt im Norden des Landkreises Karlsruhe und ist für sein Atomkraftwerk bekannt. Der CDU-Bürgermeister hat »generalstabsmäßigen« Widerstand gegen Atommüll angekündigt.

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ndPlusKlaus Müller

Der vergötterte Irrtum

Die Ökonomik gilt vielen als trockene Wissenschaft, ausgedörrt wir die Wüste Gobi. Das trübsinnige Fach stürzt lebensfrohe BWL-Studenten in Depressionen. Doch beweisen diese Leute bei Voraussagen feinsinnigen Humor.

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ndPlusIrmtraud Gutschke

In Vertretung »des Höheren Wesens«

Hätte Galsan Tschinag seinen Leipziger Kommilitonen erklärt, dass er ein Stammesfürst ist, noch dazu aus der Familie einer Schamanin, wie hätten sie's wohl aufgenommen? Heute wäre er mit so einem Bekenntnis ein gemachter Mann.

Ruth Renée Reif

Der Rufer in der Steppe

Die deutsche Sprache habe ihm ein großes Fenster geöffnet, bekennt der auf Deutsch schreibende mongolische Romancier, Erzähler und Dichter Galsan Tschinag. Seine Wurzeln aber liegen bei seinem Volk, den Tuwa-Nomaden im Altai.

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ndPlusDetlef Kannapin

Massenarbeitslosigkeit ist kein Pop

Es gibt häufig Situationen, in denen es nicht ausreicht, auf genre- oder medienspezifische Eigengesetzlichkeiten zu verweisen. Der gesamte Bereich der Ästhetik spielt sich ja nicht im luftleeren Raum ab. Ganz im Gegenteil.

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Folge 7: PISA-Studie, die; Substantiv, feminin.

Das Kürzel PISA steht für »Program for International Student Assessment«. Es handelt sich dabei um eine internationale Vergleichsstudie zur Ermittlung der durchschnittlichen nationalen Bildungsniveaus in den Kernkompetenzen Mathe, Naturwissenschaft und Lesen. Ermittelt werden die Kompetenzen, die die Schüler zum Ende der Pflichtschulzeit erworben haben. Eingebettet werden die Ergebnisse in die ...

Jürgen Amendt

Keine ethnische, sondern eine soziale Frage

Seit einigen Jahren taucht in bildungspolitischen Debatten immer wieder die Formulierung »Schüler mit Migrationshintergrund« auf. Zugegeben: Von ausländischen Schülern zu sprechen wäre angesichts der Tatsache, dass es sich bei einem Großteil dieser Jugendlichen um hier Geborene handelt, unangebracht. Die Bezeichnung »Einwandererkinder« trifft es auch nicht so recht, denn in der Regel sind berei...

ndPlusLena Tietgen

Alles PISA, oder was?

Nach der jüngsten PISA-Studie liegt Deutschland über dem Durchschnitt, ist aber immer noch nicht Nummer eins. Dabei strengen wir uns so sehr an. Kita-Ausbau, Ganztagsschule, Schulstrukturreform - in allem sind wir laut Bundesregierung nunmehr Bildungsnation geworden. Doch was sagt das Ranking über die Lebenswirklichkeit »Schule« aus und erzeugt es nicht logischerweise Verlierer, wie nun Schwede...

Houssam Hamade

Ein bisschen wie eine zweite Abiturzeit

Es ist klug vom Staat, Leuten wie mir das späte Studium zu ermöglichen. Wir wissen, was wir wollen, und das Gelernte fällt bei uns auf lebenspraktisch genährten Grund. Wir sind eine gute Investition, und wir sind dankbar.

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Wochen-Chronik

9. Dezember 1948 Die UN-Vollversammlung nimmt in Paris einstimmig eine Konvention an, die alle Mitgliedstaaten zur Ahndung und Bestrafung von Völkermord verpflichtet. Bis dahin bot das Völkerrecht keine Handhabe, staatlich verordneten Massenmord zu sühnen. Dieser Mangel hatte sich insbesondere bei der strafrechtlichen Verfolgung von NS-Verbrechen bemerkbar gemacht. Die am gleichen Tag vera...

ndPlusErhard Crome

Peter Ruben

Die politischen Umstände in der DDR und nach der deutschen Vereinigung haben es bewirkt, dass er nicht - trotz seiner wissenschaftlichen Kompetenz - schulbildend wirken konnte. Dennoch sehen sich viele Philosophen, Geistes- und Sozialwissenschaftler von ihm wesentlich geprägt. Und so war der Tagungssaal des Berliner Vereins Helle Panke überfüllt, als am Mittwochabend das Werk des Berliner Philo...

ndPlusPeter Nowak

Vereint oder getrennt zu Karl und Rosa?

In sechs Wochen jährt sich wieder der Todestag von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Alljährlich am zweiten Sonntag im Januar demonstrieren in Berlin Tausende zu deren Gräbern in Berlin-Friedrichsfelde. Anfang dieses Jahres war jedoch erneut eine heftige Diskussion über die Frage entbrannt, wie der ermordeten Sozialisten gedacht werden sollte. Ein linkes Jugendbündnis hatte erstmals eine eige...

»Ich lasse auf Hegel nicht ...«
Alexander Amberger

»Ich lasse auf Hegel nicht ...«

»Na, ich werde tüchtig zurückprügeln«, schrieb Wolfgang Harich im Mai 1954 an Georg Lukács. Einstecken sollten Rugard Otto Gropp, Walter Besenbruch, Wolfgang Heise und Alfred Kosing - namhafte Widersacher in der Debatte um die Hegel-Rezeption in der DDR. Diese war einer der wichtigsten Diskurse im Hinblick auf die Entwicklung der Philosophie des ostdeutschen Staates. Im Grunde ging es um die He...

Seite 26

Urzeitlicher Knochen-Extrakt

Evolutionsforscher haben erstmals 400 000 Jahre altes menschliches Erbgut entziffert. Es sei gelungen, eine nahezu vollständige mitochondriale Genomsequenz eines Homo heidelbergensis zu sequenzieren, berichtet ein Team um Matthias Meyer vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie im Fachblatt »Nature« (doi: 10.1038/nature 12788). Mitochondrien sind die Kraftwerke der Körper...

Nachrichten

Erste kommerzielle Nutzlast für Privatrakete Falcon-9 Nach zweimaligem Aufschub hat eine Rakete des privaten US-Unternehmens Space X erstmals einen Kommunikationssatelliten ins All befördert. Wie ein Sprecher des Unternehmens mitteilte, startete die zweistufige Falcon-9-Rakete mit dem Luxemburger SES-8-Satelliten am Dienstagabend in Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida. SpaceX hatte verga...

Prominente Fan-Post
Reinhard Renneberg , Hongkong und JoJo Tricolor, Cherville

Prominente Fan-Post

Zu Weihnachten 2005 bekam ich (R.R.) in Hongkong den für mich als Wissenschaftler schmeichelhaftesten Brief meines Lebens. Er kam aus dem britischen Cambridge, von einem Nobelpreisträger. Und zwar sogar von einem doppelten!

ndPlusMartin Koch

Gefiederte Primaten

Früher glaubte man, dass Vögel aufgrund ihres kleinen Gehirns eher den »einfältigen« Tieren zuzuordnen seien. Und so nennt man Dummköpfe laut Duden auch gern »Spatzenhirn«. Dabei wissen wir längst, dass Vögel viel mehr können.

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»Jadekaninchen« gestartet

Seit Wochenbeginn ist ein chinesisches Fahrzeug auf dem Weg zum Mond. Der Rover »Yutu« (Jade-Kaninchen) soll Mitte Dezember dort landen. China würde damit zur dritten Nation, die eine Mondlandung unternommen hätte.

Kai Althoetmar

Dunkle Farbe, schneller Tod

Wer in den Alpen beim Wandern auf eine dunkel gefärbte Schlange trifft, braucht nicht gleich eine Schwarze Mamba vor sich wähnen. Die für Menschen eher mäßig gefährliche Aspis-Viper, die normalerweise ein Zackenmuster auf braunem oder hellgrauen Grund trägt, tritt in den Alpen häufig in rein schwarzer Gestalt auf. Melanismus nennt man dieses Phänomen im Tierreich. Wissenschaftler der Univ...

Magnus Heier

Fliegen im Orkan

Die Angst fliegt mit: Wenn draußen ein Orkan tobt, dann wird auch in Linienflugzeugen nach der Landung wieder applaudiert - eine Reaktion, die man sonst nur bei Charterflügen in den Süden kennt. Aber nach schlingerndem Landeanflug oder gar mehreren Landeversuchen ist die Erleichterung auch bei routinierten Vielfliegern groß, schließlich sicher am Boden anzukommen. Ab 117 Stundenkilometern spric...

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Heidi Diehl

Geschichten von Lesern für Leser

Kaum war der nd-Lesergeschichten-Wettbewerb vorbei, fragten in jedem Jahr viele, ob man nicht die schönsten Geschichten in Form eines Buches veröffentlichen könnte. Lange hat es gedauert - doch nun ist es da. Rechtzeitig zu Weihnachten ist es fertiggeworden. Auf 256 Seiten sind die jeweils zehn schönsten, lustigsten, bewegendsten Geschichten gedruckt, die seit 2004 an den Abschlussabenden von 1...

Roland Mischke

Chemnitz hat sich neu erfunden

Der Dichter Stephan Hermlin wuchs in Chemnitz, dem Tor zum Erzgebirge, auf dem Kaßberg auf, einer Anhöhe über der Stadt mit Straßen voller Gründerzeitfassaden. »Von hier aus blickt man über Gärten weg auf den tiefer gelegenen Hauptteil der Stadt, die finster und verrußt ist und unzählige Fabrikschornsteine gegen einen hügeligen Horizont stellt«, schrieb er als junger Mann. »Rußchemnitz«, ...

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R(h)ein ins Vergnügen
ndPlusHeidi Diehl

R(h)ein ins Vergnügen

»Könnten wir nun endlich losfahren«, zischt eine ältere Dame mit spitzen Lippen den Busfahrer an, der noch ein paar Minuten am Bahnhof Frankfurt am Main auf einige Nachzügler wartet. »Schließlich will ich, bevor das Schiff ablegt, noch den Weihnachtsmarkt sehen.« Die anderen quittieren es mit einem spöttischen Grinsen, denn erstens bleiben bis zum Ablegen der A-ROSA Silva noch mehrere Stunden u...

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Kommando Roboter
ndPlusChristina Matte

Kommando Roboter

Die Neuen sind da! An einem Donnerstagnachmittag im November beginnt das nunmehr fünfte Jahr der Kinderoper Berlin-Lichtenberg. Als Opernhaus dient ihr das »Steinhaus« der Berliner Caritas, das sich wie alle Kinder- und Jugendzentren in der Hand von Sozialarbeitern befindet. Dabei handelt es sich um hochmotivierte junge Menschen, denen allein der Anblick von Kindern ein glückseliges Lächeln auf...