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UNTEN LINKS

Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Verwirrtheit, Bewusstseinsminderung, Übelkeit, Überempfindlichkeit gegen Licht und Krach, Reizbarkeit und schließlich Fieber - so kann Meetingitis enden. Das ist die Krankheit, deren Erreger lange, öde Sitzungen sind, die inzwischen Meetings heißen, in der Regel zu lange dauern und ganz falsch angegangen werden. Etwa im Sitzen, das ist vollkommen uncool. Im Ste...

Simon Poelchau

Legal, illegal? - Sch***egal!

Karlsruhe hat am Freitag festgestellt: Die Europäische Zentralbank (EZB) ist böse, denn ihr Anleihenkaufprogramm verstößt gegen die EU-Verfassung. Links und Rechts jubeln, weil sie glauben, dass sie gewonnen haben.

Exportüberschuss auf Rekordniveau

Da die Importe 2013 stärker zurückgingen als die Exporte, kletterte der Außenhandelsüberschuss der Bundesrepublik auf den Rekordwert von 198,9 Milliarden Euro. Die Exporte sanken 2013 gegenüber dem Vorjahr überraschend um 0,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte.

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Olaf Standke

Abgelauschter Klartext

Scheiß drauf, könnte man mit der Washingtoner Spitzendiplomatin Victoria Nuland sagen, denn dass US-Politiker überaus rüde in ihrer Wortwahl sein können, weiß man von früheren Enthüllungen. Allerdings verbalisiert die abgehörte Beschimpfung der Europäischen Union in Sachen Ukraine aktuelle Politik.

ndPlusKurt Stenger

Unseliges Verkehrsbündnis

Die deutsche Autoindustrie geht auf Distanz zum ADAC. VW, Daimler und BMW denken darüber nach, ihre »Gelben Engel« an den Automobilclub zurückzugeben. Wie kann man sich auch über Auszeichnungen freuen, wenn jeder weiß, dass hierbei manipuliert wurde.

ndPlusRené Heilig

In alle Richtungen

Bei einem Brand in Hamburg sind am Mittwoch eine 33-jährige Mutter und ihre beiden Söhne umgekommen. Das Haus, in dem sie lebten, war bewohnt von Flüchtlingen und Asylbewerbern. Ein Verdacht auf Brandstiftung ist gegeben. Es wäre nicht das erste Mal, dass ... Gemach!

Guido Speckmann

Drag Queen

Diese Rede, sagt eine irische Journalistin voraus, werde noch in den nächsten Jahren als Musterbeispiel in den Schulen diskutiert werden. Sie dürfte Recht behalten: Die Rede der irischen Travestiekünstlerin Panti, dargestellt von Rory O’Neill, vom vergangenen Samstag ist beeindruckend. Sie ist es, weil in ihr anhand eindrücklicher persönlicher Beispiele die Mechanismen einer homophoben Mehrheit...

Opfer im Versorgungswunderland

Eltern erzählen ihren Kindern gerne Dinge, die nicht stimmen. Das fängt beim Weihnachtsmann an und hört beim Osterhasen noch lange nicht auf. Man könnte das Lügen nennen, beliebter ist die Bezeichnung »Märchen«.

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Wachstum auf Auslandskosten

Wir sind mal wieder wer - und zwar Exportüberschussweltmeister. Seit einigen Jahren schon hat es sich in der Wirtschaftspresse eingebürgert, die alljährlichen Handelsbilanzüberschüsse der Bundesrepublik überschwänglich zu feiern.

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René Heilig

Ran ans Eingemachte

Die Opposition aus Linksfraktion und Grünen haben einen gemeinsamen Antrag auf Einsetzung eines NSA-Untersuchungsausschusses vorgelegt. Am Donnerstag soll das Plenum darüber beraten.

Warnung vor Spaltung

Streit um Kandidatenliste für die Europawahlen: Strömung »Sozialistische Linke« spricht sich gegen »Durchziehen« der ostdeutschen Favoriten aus und plädiert für einen EU-kritischen Leitantrag.

ndPlusAert van Riel

Der zweite Versuch

Die Grünen wählen am Wochenende ihre Spitzenkandidatin für die Europawahl. Zudem werden Kontroversen zur Militärpolitik der EU erwartet. Rebecca Harms und Ska Keller konkurrieren um die Spitzenkandidatur.

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Susann Witt-Stahl, Hamburg

Trauer und ein schlimmer Verdacht

Die Feuerkatastrophe vom Mittwochabend in Hamburg löst nicht nur tiefe Trauer und Bestürzung aus. Sie wirft auch viele Fragen auf und gibt Anlass zu einem bedrückenden Verdacht.

ndPlusFabian Lambeck

Korrekte Steuerhinterziehung

Der ehemalige NRW-Finanzminister Helmut Linssen hatte jahrelang Vermögen in Steueroasen geparkt und wirft nun das Handtuch. Derweil geht die Diskussion um strafbefreiende Selbstanzeigen weiter.

Angela Dietz, Hamburg

Hamburg klagt gegen Investor

Der Hamburger Senat will den Rückkauf der Roten Flora nun mit juristischen Mitteln durchsetzen. Hauptstreitpunkt um das Kulturzentrum sind Neubaupläne des Eigentümers.

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ndPlusManfred Schünemann

Was brachte die Verfassung von 2004?

Die ukrainische Opposition - inspiriert und unterstützt vom Westen - fordert nun die Rückkehr zur Verfassung von 2004 und vorgezogene Präsidentschafts- und Parlamentswahlen.

Martin Hoffmann, Kairo

Ägyptens Regime entdeckt immer mehr Staatsfeinde

Bei einem Bombenanschlag in Kairo sind am Freitag zwei Polizisten verletzt worden. Die Angegriffenen gehören zur Bereitschaftspolizei, die zur Niederschlagung von Demonstrationen eingesetzt wird.

Klaus Joachim Herrmann

Die EU ist »überhaupt nicht soft«

Ungewohnt geriet die Ukraine am Freitag in die internationalen Schlagzeilen - wegen vertraulicher Telefongespräche zwischen Washington und dem US-Botschafter in Kiew sowie unter EU-Vertretern.

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ndPlusThomas Roser, Belgrad

»Diese Titanic wird bald sinken«

In Bosnien breiten sich Proteste aus. Der zunehmende Leidensdruck und die Wut über Arbeitslosigkeit, dubiose Privatisierungen und die Machenschaften der Parteifürsten treiben die Menschen auf die Straße.

Ausbildungsmission für die Bundeswehr

Christine Buchholz ist verteidigungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag. Sie war Mitglied der Delegation von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Senegal und Mali.

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John Dyer, Boston

Nachspiel zu manipulierten Devisenkursen

US-Bankenaufseher schauen den internationalen Devisenhändlern jetzt genauer auf die Finger. Medienberichten zufolge hat Benjamin Lawsky, Chef der New Yorker Behörde für Finanzdienstleistungen, bei den Großbanken Credit Suisse, Deutsche Bank, Goldman Sachs, Lloyds, Royal Bank of Scotland, Société Générale und Standard Chartered Einsicht in Unterlagen über den Devisenhandel verlangt.

ndPlusVelten Schäfer

Die Chancen stehen 50:50

Ende Januar ist das bisher konkreteste Kaufangebot für die insolvente Stralsunder Volkswerft abgelaufen. Die maritime Hängepartie im Nordosten geht in eine weitere Runde.

Kurt Stenger

Der ADAC will wieder ein Engel sein

Der Autoclub ADAC will mit einem Zehn-Punkte-Plan aus der größten Krise der Vereinsgeschichte kommen. So werde die Funktion eines Chief Compliance Officers (CCO) geschaffen, teilte der ADAC mit.

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»In Echtzeit«

nd: Vierzehn Jahre nach Ihrem letzten Kinofilm erzählen Sie in »Jack« von einem vernachlässigten Zehnjährigen, der aus dem Heim wegläuft. Wie haben Sie recherchiert? Berger: Meine Kinder gehen mit Kindern aus Heimen zur Schule. Da gibt es enge Kontakte. Dazu sind wir in Heime gegangen, haben sie beobachtet, haben uns von ihren Sorgen und Hoffnungen erzählen lassen. Auf den ersten Blick wirken...

Gunnar Decker

Kalte Welt

Nein, langsam ist Jack nicht. Er macht morgens dem kleinen Bruder Manuel das Frühstück, er plant den Tag, denkt an alles. Aber so schnell Jack auch zu sein versucht: Er ist erst zehn Jahre alt, ein Kind.

ndPlusHans-Günther Dicks

Promi-Malus

Ungewöhnlich zahlreich sind im Panorama biografische Filme über Prominente und weniger Prominente, und nicht zufällig beginnt die Reihe Panorama Special mit Jalil Lesperts »Yves Saint Laurent«. An ihm wird auch das Dilemma dieser »Biopics« deutlich: Das Spiel mit der Prominenz spekuliert auf deren Zugkraft an der Kinokasse, unterliegt aber zugleich der Überprüfbarkeit durch die Realität.

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»In Thüringen ansiedeln«

Die Kunstsammlung der Wismut sollte nach Ansicht des Kunsthistorikers Lutz Unbehaun in Thüringen ein bleibendes Domizil finden. Auftragskunst aus DDR-Zeiten dürfe nicht pauschal in Bausch und Bogen verdammt werden, sagte der Vizepräsident des Kulturrates Thüringen der Nachrichtenagentur dpa.

Jürgen Amendt

Ode an einen Boxer

Elfriede Jelinek kennt und schätzt Vitali Klitschko, ihr Schriftstellerkollege Wolf Wondratschek tut es ihr gleich. Für Marianne Birthler, Roland Jahn, den Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit sowie den französischen Philosoph André Glucksmann gilt das Gleiche. Aber auch Carine und Christine Rüegg, Hartmut Rüffert, Michail Ryklin, Walter Sänger, eine oder ein gewisser Sapphire, ein Dr. Michael S...

Martin Hatzius

Wir sind das Volk(stheater)

Um existenzbedrohende finanzielle Einschnitte in der deutschen Stadttheaterlandschaft ging es am Donnerstagabend bei einem emotional ausgefochtenen Podiumsgespräch in der Berliner Volksbühne.

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Ollis Olympia: Nichts mehr zu meckern

Ich bin Sportreporter. Ich bin sogar einer von der ganz schlimmen Sorte. Und ich will nicht mehr. Zum Beispiel nicht mehr darüber schreiben, dass der Wannenabfluss in meinem Hotelzimmer nicht funktionierte.

Patrick Kleinmann

Hannah und die drei Schwestern

Ski-Freestylerin Hannah Kearney hat Gold auf der Buckelpiste fest eingeplant. Drei kanadische Schwestern haben allerdings etwas dagegen.

ndPlusOliver Händler, Laura

»Jetzt muss alles passen«

Heute geht sie los, die Plakettenzählerei. Den Anfang sollen am Wochenende aus deutscher Sicht möglichst die Biathleten machen, denn das offiziell ausgegebene Ziel der gesamten Mannschaft heißt: 30 Medaillen.

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Andreas Morbach

Vorturner der Bewegung

Kurz vor der ersten olympischen Eröffnungsfeier unter seiner Ägide gab IOC-Präsident Thomas Bach am Freitag eine Pressekonferenz, auf der er die Ergebnisse der IOC-Session vom Vortag lobte.

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Gericht: Kein Lärmschutz

An der Anhalter Bahn in Berlin-Lichterfelde wird es nach einer Entscheidung des Berliner Verwaltungsgerichts keinen nachträglichen Schallschutz geben. Die 13. Kammer hat Klagen von Anwohnern abgewiesen, wie das Gericht am Freitag mitteilte. Die Trasse war im 19. Jahrhundert als Verbindung zwischen Berlin und Sachsen-Anhalt geschaffen worden und im Jahr 2006 wieder in Betrieb gegangen. Aus...

Büge auch im neuen Job unter Kritik

Der frühere Berliner Sozialstaatssekretär Michael Büge (CDU) gerät wegen seines neuen Jobs in die Kritik. Der Politiker sei seit Februar 2014 Geschäftsführer der Bürgerhilfe, die sich um Obdachlose kümmert.

ndPlusMarina Mai

Ermittlungen gegen rechte Bürgerinitiative

Gegen eine sogenannte Bürgerinitiative angeblich in Marzahn-Hellersdorf lebender Flüchtlingsgegner wurde Strafanzeige gestellt. Derweil plant die NPD am Samstag erneut eine Kundgebungstour.

Martin Kröger

Genossen sammeln sich – Wowereit im Anflug

Nach chaotischen Tagen schlossen sich die Reihen bei den Sozialdemokraten am Freitag wieder: Einen Putsch erwartet niemand. Am Montag muss sich der Regierende im Parlament erklären.

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ndPlusSteffi Bey

Farbe satt statt Betongrau

Wenn aus eintönigen Trafohäuschen bunte Hingucker werden, hat garantiert Patrick Kieper seine Hände im Spiel. Der 27-jährige Graffitikünstler setzt die unscheinbare Betonwürfel in Szene.

Anja Sokolow

Gute Aussichten für den Wetterdienst

20 teils marode Gebäude sind das Erbe des Meteorologischen Dienstes der DDR in Potsdam. Nun sollen die Mitarbeiter der heutigen Niederlassung des DWD einen Neubau bekommen.

ndPlusBernd Kammer

Richter: Die Mauer kann bleiben

Vielleicht sind sie mittlerweile Berlins berühmteste Fenster. Und zwar deshalb, weil sie eigentlich keine mehr sind. Und weil sie Beispiel dafür sind, wozu Vermieterschikane so führen kann.

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Alice Bachmann, Bremen

Von Rindern, Grundwasser und Touristen

Mit der Offshore-Branche, der Automobil- und Stahlindustrie sowie Raumfahrt und Häfen pries Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) kürzlich in der Festhalle des Rathauses die Leistungsstärke der Hansestadt. Geladen waren die Vertreter des Konsularischen Korps und andere für die Stadt wichtige Persönlichkeiten, die Böhrnsen um Werbung für Bremen bat. Die Landwirtschaft wurde mit keinem Wort e...

ndPlusSabine Damaschke, 
Frankfurt am Main

Sozialarbeit an Schulen in Gefahr

Schüler, Lehrer, Eltern und auch Politiker stellen der Schulsozialarbeit beste Noten aus. Doch ihre Finanzierung ist zu Beginn des zweiten Halbjahres an vielen Schulen ungeklärt.

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Mit blinden Guides durchs Museum

Das Jüdische Museum Berlin setzt künftig auch blinde Guides für Architekturführungen ein. Sie sollen Besuchern mit Sehbehinderungen die Architektur des Gebäudes näherbringen, teilte das Museum am Donnerstag in Berlin mit.

Portal für Crowdfunding im Netz

Seit dem 4. Februar ist das neue Überblicksportal »Crowdfunding Berlin« online (www. crowdfunding-berlin.com/de/). Es stellt die Projekte und Akteure in der Hauptstadt vor und weist auf aktuelle Veranstaltungen, Trends und Marktentwicklungen hin. Interessierte finden dort ihre direkten Ansprechpartner, zudem werden die Themen Crowdfunding und Crowdinvesting ausführlich diskutiert. Das Gemeinsch...

Brache, Schrott und Schulden

Viele Erbschaften kosten Thüringen mehr, als sie einbringen. Immer häufiger falle der Nachlass von Alleinstehenden an das Land, teilte das Finanzministerium in Erfurt kürzlich mit.

Niklas Wuchenauer

Protest gegen Nazis: »Lass dir nichts verdrehen«

Erneut wollen Rechtsradikale in Weimar zum Jahrestag der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg einen »Trauermarsch« veranstalten. Linke und bürgerliche Gruppen kündigen Protest an.

Manuela Lintl

Kunst im Krematorium

Der aus Graz stammende Galerist Patrick Ebensperger zog letztes Jahr von Berlin-Mitte nach Wedding, wo er nun eine ehemalige Trauerhalle samt zugehöriger Kellerräume auf dem Areal des 2001 stillgelegten, ältesten Berliner Krematoriums bespielt. Das Medienecho zur Eröffnungsausstellung im vergangenen September war entsprechend groß. Kunst im Krematorium zu zeigen, ist dabei nicht als Zwischenlös...

Hendrik Lasch, Hettstedt

Die Flamme lodert wieder

Vor 40 Jahren wurden zwei Hütten im Mansfeld an die Erdgastrasse angeschlossen. Ein Verein in Hettstedt kümmert sich heute um das Denkmal, das daran erinnert.

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Sieben Tage, sieben Nächte

Manchmal tauchen im hektischen Redaktionsalltag Worte auf, die dem Gestern entsprungen sind. Steuerehrlichkeit zum Beispiel. Irgendwann schon mal gehört, sagen sich die älteren Kollegen. Alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht, wusste schon Goethes Mephisto. So ist es auch mit den Veteranen der Sprache. Worte, die ihren Dienst jahrzehntelang treu versahen, werden allmählich in den Ruh...

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Inhaltliche Tiefe statt oberflächlichem Augenfutter

Andreas Herzau fotografierte am 21. Dezember 2013 auf der Hamburger Demonstration für die Rote Flora und das Bleiberecht von Flüchtlingen. Er schreibt auf seinem Blog http://blog.andreasherzau.de. Mit ihm sprach Niels Seibert.

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ndPlusVelten Schäfer

Die wissen, wer der Babo ist

Das jüngste Beispiel der intimen Beziehung zwischen konservativem Süd-Saubermännermilieu und dem übel beleumundeten Zotengenre Gangsta-Rap stammt wiederum aus Bayern. Es geht um Fabian K. Giersdorf.

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Erhard Geißler

Desinformation im Quadrat

Die Spekulation über Aids-Viren aus US-Labors hatte Quellen in der Sowjetunion und in der DDR. Dokumente des Stasi-Archivs belegen: Das MfS hielt sich da weitgehend raus

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Leo Fischer

Fluchtstädte

Der Fußballfex Armin Veh, so meldet es der »Spiegel« am Montag, liegt im Streit mit der bayerischen Gemeinde Bonstetten: Offenbar hat er dort eine Art Bunkerstadt errichtet, gigantische Betonplatten schirmen sein Anwesen von einer offenkundig als einzige Bedrohung empfundenen Außenwelt ab. Alles, was fehlt, ist ein Minenfeld. Ob die Höhe der Platten zulässig ist, entscheiden wohl Gerichte; doch...

Gelehrsamkeit ohne Dünkel

Er war der Sohn eines Geistlichen, der sich nebenher intensiv mit der Erforschung von Vögeln beschäftigte. Angeregt durch das Tun seines Vaters, entwickelte auch der Junge früh Interesse am Studium der Natur. Wann immer er Gelegenheit dazu fand, durchstreifte er die Wälder und Wiesen seiner thüringischen Heimat und nahm alles auf, was es über die heimische Flora und Fauna zu erfahren gab. ...

ndPlusMartin Koch

Trügerischer Blick ins Gehirn

Schon Friedrich Nietzsche klagte: »Die Menschen lügen unsäglich oft.« Eine rundum ehrliche Gesellschaft wäre trotzdem vermutlich eine Gesellschaft permanenter persönlicher Spannungen.

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Ein »Lebender«

Schon der Titel dieser Dichter-Gruppe ist eine Kampfansage: »Die Lebenden«. Ein blutjunger Visionär namens Ludwig Kunz gründet sie, öffentlich auftretend, mit Gleichgesinnten im Januar 1923. »Meine Stadt grüßt Ludwig Kunz in dem schönen Görlitz. Jusuf Prinz von Theben«, schreibt die herbeigeeilte Else Lasker-Schüler ins Gästebuch der Aufsässigen. Eine gleichnamige Zeitschrift entsteht, literari...

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Festhalten am Status quo

Der Ende Januar verabschiedete Bafög-Bericht der Bundesregierung schwelgt in Superlativen: Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik habe es so viele Studenten gegeben und noch nie hatten so viele davon Anspruch auf staatliche Studienförderung. Was wie eine Erfolgsmeldung klingt, ist in Wirklichkeit keine.

ndPlusLena Tietgen

Symbol des kritischen Denkens

Tausende verfolgten am letzten Wochenende die Sprengung des Hochhauses der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. 1972 erbaut wurde der Uni-Turm für eine Stätte kritischen Denkens u.a. in den Erziehungswissenschaften.

Isidor Grimm

Amputation ganzer Muskeln

Es ist nicht nötig, wie gerade in Österreich, das Hochschul- und Wissenschaftsministerium abzuschaffen und dem Wirtschaftsministerium einzugliedern. Die Finanzpolitik der Bundesregierung leistet denselben Dienst.

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Horst Diere

Port Arthur

Lüshun heißt heute das an der Südspitze der Halbinsel Liadong gelegene einstige Port Arthur. Vor dem heutigen Flottenstützpunkt der VR China begann vor 110 Jahren zwischen Russland und Japan ein Krieg, dessen Ursachen in den aufeinanderstoßenden Expansionsbestrebungen der beiden Mächte in der zu China gehörenden Mandschurei und in Korea lagen. 1898 verpachtete Peking Port Arthur und Umgeb...

ndPlusJörn Schütrumpf

Leben am Abgrund

An Salzwedel, ihre Geburtsstadt, hatte Jenny Marx keine Erinnerung; ihre Eltern zogen fort, als sie zwei Jahre alt war. Ludwig von Westphalen, ein Politiker in Preußen, war 1816 in das durch die französische Revolution liberalisierte Trier versetzt worden. In dieser Woche wird in beiden Städten der adligen Tochter schottisch-deutscher Herkunft gedacht. Zu erwarten war das nicht unbedingt, zumin...

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ndPlusIngrid Wenzl

Die Ostsee braucht besseren Schutz

Das Gebiet südlich der Åland-Inseln oder das südlich der finnischen Hanko-Halbinsel, der nördlichste Zipfel des Bottnischen Meerbusens, der Osten des Gotlandbeckens oder der nordöstliche Kattegatt - jeder dieser Lebensräume in der Ostsee bräuchte nach Ansicht der internationalen Meeresschutzorganisation Oceana zusätzlichen Schutz.

Martin Koch

Die magische Kraft der Finsternis

Ein Theologe, so ein boshafter Spruch, ist wie jemand, der in einem stockfinsteren Raum nach einer schwarzen Katze sucht, die es darin gar nicht gibt. Und der dennoch erklärt: »Ich hab' sie gefunden!«

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Hans-Arthur Marsiske

Blick in die Mündung der Waffe

»RoboCop« kehrt zurück. 27 Jahre nachdem Paul Verhoeven erstmals Roboter im Kino auf Verbrecherjagd schickte, hat der brasilianische Regisseur José Padilha den Stoff unter dem gleichen Titel neu verfilmt. Das ging nicht ohne größere Eingriffe bei der Geschichte: Denn während autonome Kampfmaschinen im Jahr 1987 noch einer fernen Zukunft anzugehören schienen, konnte Padilha nicht ignorieren, das...

Susanne Steffen

Japan sucht Hilfe aus dem Weltall

Mit Hilfe von kosmischer Strahlung wollen japanische Wissenschaftler den geschmolzenen Kernbrennstoff in den Reaktorruinen von Fukushima lokalisieren. Dass ihre Methode funktioniert, haben die Wissenschaftler gerade anhand eines Experiments in einem momentan ungenutzten Atommeiler bewiesen. Das Zauberwort heißt Myonen. Die Erde wird ständig von ihnen bombardiert.

ndPlusAndrea Klingsieck

Auf Jahrhunderte verseucht

Manche Gesundheitsskandale sorgen für große Schlagzeilen, wie etwa Pferdefleisch in der Tiefkühllasagne; andere finden in den französischen Medien kaum Gehör. So etwa die Folgen des langjährigen Einsatzes des Pestizids Chlordecon. Damit verbindet sich einer der größten Umweltskandale der letzten Jahrzehnte: Die französischen Überseedepartements Martinique und Guadeloupe wurden wissentlich und v...

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Machen Sie mit!

Schreiben Sie uns über Ihr Lieblingsspiel - egal ob Unkonventionelles, überliefert in der Familientradition, oder professionell Konzipiertes, gerade erst gekauft! Senden Sie den Text per Post (Stichwort »Lieblingsspiel«) oder unter spielplatz@nd-online.de. Absender nicht vergessen, denn bei Abdruck erhalten Sie ein neues Spiel! Für ihre heute abgedruckte Zuschrift erhalten Tina und Sven K...

Denkspiellösung

»Helm oder nicht Helm?« war beim Denkspiel am 1./2. Februar die Frage. Die richtige Lösung hieß 88,5 Zentimeter. Als Gewinner ausgelost wurde aus vielen richtigen Einsendungen Reinhard Bormann, 17033 Neubrandenburg. »Ein knapper Meter klingt nach nicht viel, ist aber allemal ausreichend für eine Beule«, kommentiert er. »Also besser freiwillig Sturzhelm auf, zumal nd-Sportler ja ohnehin wesentli...

Da fliegen die Fetzen

Wir lassen in fröhlicher Gesellschaft gern mal die Fetzen fliegen. Allerdings nur rhetorisch. »Fetzen fliegen« nennen wir das Spiel, das wir von den Eltern einst als »Konversation« übernommen hatten. Es geht so: Zwei Teilnehmern wird separat vom Spielleiter je ein unterschiedlicher Satz ins Ohr geflüstert. Beispielsweise erhält der eine den Satz »Steuersünder helfen, da sie mehr netto hab...

ndPlusCarlos García Hernández

Schach mit Carlos García Hernández

Im Februar 2000 war Schachgroßmeister Vugar Gashimov (Aserbaidschan) in Ohnmacht gefallen. Er stand auf dem Gipfel seiner bisherigen Karriere. Im November 1999 schaffte er es auf Platz sechs der Weltrangliste. Mit 2761 ELO-Punkten - im Alter von 13 Jahren. Die Ärzte diagnostizierten Epilepsie, aber kurz danach fanden sie einen Tumor in seinem Gehirn. Am 11. Januar 2014 starb er an den Folgen wä...

ndPlusUdo Bartsch

Pixelig

Philosophen versuchen seit jeher, die Welt zu erklären. Aristoteles etwa betrachtete Natur nicht als reine Anhäufung von Einzelteilen, sondern begriff zusammenhängende Dinge als Organismus. Schön und gut. Aber nun möchte man Aristoteles doch gerne mal mit einem Haufen Pixel sehen, denen er verzweifelt beizubringen versucht, wie sie allesamt eine Blume ergeben. Oder ein Einhorn. Oder eine Skihütte. Der Praxistest zeigt: Der philosophisch nicht vorgebildete Pixel hat keine Idee, wonach er strebt. Und trifft dies auch auf den Spieler bei »Pixelstücke« zu, ist eine amüsante Kombination entstanden.

Othello auf dem Brett

Er gibt mit Feuer und Leidenschaft den Othello. Aber nicht im Theater oder in der Oper. Seine Bühne ist ein Brett mit 64 Feldern. Der 34-jährige Softwareentwickler Matthias Berg aus Berlin war sogar Vizeweltmeister in dem strategischen Brettspiel Othello. Im nd-Gespräch mit René Gralla erzählt er auch, wie er dabei den Tiger reitet. Fotos: privat

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Klönschnack in der guten Stube

Was für eine tolle Idee! Viele Lübecker werden sich zum 34. Internationalen Hansetag am 25. Mai Gäste nach Hause einladen. Menschen, die sie vorher noch nie gesehen haben, von denen sie so gut wie nichts wissen.

ndPlusTim Fiege

Wo Gäste noch Attraktionen sind

Vielen Urlaubern ist die Tendenz zum Massentourismus gar nicht so unrecht. Umso dringlicher ist der Wunsch, der fortschreitenden Kommerzialisierung des Tourismus in Kambodscha ein Schnippchen zu schlagen.

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Elke Thonke

Mit Jackie auf Tour

Während anderswo in Europa die Menschen vor Kälte bibbern, punktet Brighton mit schon fast frühlingshaften Temperaturen. Dafür sorgt der Golfstrom, so richtig kalt wird es hier nie. Aber nicht nur deshalb ist das älteste Seebad Englands ein gern und viel besuchter Ort. Etwas eingemummelt amüsieren sich Besucher auf dem Brighton Pier. Neben der grandiosen Aussicht auf die Stadt, deren Seef...

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ndPlusVolkmar Draeger

Tanzen im Ausland

Mobilität gilt unter Berufsanfängern als erste Bürgerpflicht. Das betrifft auch Tänzer: Für sie dreht sich das Karussell des Wechsels besonders schnell. Der Wind des Zufalls weht sie von Ort zu Ort; Sprache, Land, Kontinent dürfen dabei keine Rolle spielen, will man von jenem Karussell nicht unsanft abgeworfen werden. Verschieden sind die Motive, weshalb Tänzer Heimat und Vaterhaus verlassen ha...