Seite 1

UNTEN LINKS

Wussten Sie schon, dass man diverse Drogen ohne weiteres durch Zeitungslektüre ersetzen kann? Crack beispielsweise, das extrem billig hergestellt wird, hat drastische Auswirkungen auf die geistige Gesundheit des Konsumenten: Angstzustände, Aggressionsneigungen, Verblödung und Verfolgungswahn. Mittelfristig, so lesen wir, kommt es zu dauerhaften Halluzinationen und Sprachstörungen und einem rasa...

Hilmar König

Hoffen auf den Heilsbringer

Indiens Wählerschaft hat ihr Urteil gesprochen: Sie will einen Regierungswechsel. Die Indische Volkspartei (BJP) löst die Kongresspartei nach einem sensationellen, bereits als »historisch« gepriesenen Sieg ab. Erstmals seit 30 Jahren, so sagen es jedenfalls die Hochrechnungen, erringt eine Partei die absolute Mehrheit. Damit steht Indien eine fundamentale Kursänderung bevor, denn die BJP ist ih...

ndPlusRené Heilig

BND cleverer als die NSA?

Während Politiker sich streiten, wie und wo der Whistleblower Snowden zu vernehmen ist, hat der BND aus dem NSA-Skandal gelernt - und verfeinert seine technischen Spionagekonzepte.

Seite 2
ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Barrikade gegen Faschisten

Im Zentrum von Donezk steht laut dem ukrainischen Internetportal bigmir.net seit Freitag eine Barrikade genau an jenen Straßen, die nach dem legendären Kommandeur der Roten Armee Nikolai Schtschors und nach Rosa Luxemburg benannt sind. Die Betonquader und der Posten mit der Maschinenpistole sind Symbol einer Eskalation des ukrainischen Konfliktes zwischen der Zentralmacht und dem Osten. E...

ndPlusOlaf Standke

Kein Rüstungsrabatt

Hitzig soll das Telefonat zwischen dem außenpolitischen Berater der Kanzlerin und dem israelischen Sicherheitsberater gewesen sein. Kein Wunder, habe die Bundesregierung doch eine Zusage zur Subventionierung von Rüstungsexporten zurückgezogen. Ihr Sprecher wollte sich am Freitag zu einzelnen Projekten nicht äußern und betonte nur allgemein die besondere Verantwortung Deutschlands für Israels Si...

Sebastian Blum

Schleierhafter Aufschrei

»Schlimmer als die NSA« beurteilte Thomas de Maizière die Aktivitäten von Google. Und in der Tat bietet das Abgreifen persönlicher Daten mit dem Ziel der privaten Gewinnmaximierung reichlich Raum für kritische Worte. Jedoch bestätigt die Empörung des CDU-Innenministers über den Internetgiganten auch eine Doppelmoral, mit der führende Politiker die beiden Datenschutzaffären beurteilen. So zeigt ...

Uwe Kalbe

Flieg nur, flieg!

Die Brandenburger Politik streitet um die Farbe ihres Wappentiers im Landtag, und staunend sieht der Bürger zu. Der Adler selbst, um den es dabei geht, ist ein bedauernswertes Tier - auf beengtester (Wappen-)Fläche trotz grimmiger Pose hilflos eingepfercht, wird er seit der Rückbesinnung auf alte preußische Traditionen wieder gutwilligen Landeskindern, vulgo Untertanen, zur Identifizierung herg...

Kathrin Zinkant

Auf Expedition mit Major Tom

Der menschliche Fortschritt kommt ohne Expeditionen nicht aus. Die ISS über unseren Köpfen lässt immer wieder erahnen, was zu erreichen in der Lage wäre, wenn der Mensch nicht ständig Krieg führen müsste.

Seite 3

Erdogans Politik

Neue Zürcher Zeitung, Schweiz In einer eigenen Welt Wenn der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Ort des größten Bergwerkunglücks in der Geschichte der Türkischen Republik erklärt, solche Unfälle gehörten eben zum Kohlebergbau dazu, und zur Rechtfertigung des Verhaltens der eigenen Regierung dabei auch noch auf ähnliche Katastrophen im 19. Jahrhundert in Großbritannien un...

Wolfgang Storz

Lest Wehler im Feuilleton!

Politiker, Gewerkschafter, Unternehmer und Journalisten lärmen sich monatelang mit Zahlen zur Mütterrente, Mindestlohn und weiteren Kleinigkeiten zu. Wir lernen in dieser Woche: Die entscheidende Zahl, das entscheidende Thema nennt ein Historiker im Feuilleton.

Seite 4

Revanche angesagt

Die Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) in Deutschland begeht nächste Woche ihr zehnjähriges Jubiläum und hat sich zur Feier nach Köln höchsten Besuch eingeladen: keinen Geringeren als der Ministerpräsident.

Seite 5

Schmidt warnt vor Abgrund

Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) hat die Ukraine-Krise mit den Spannungen kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs verglichen. »Die Gefahr, dass sich die Situation verschärft wie im August 1914, wächst von Tag zu Tag«, sagte Schmidt der »Bild«-Zeitung.

Hubert Thielicke

Ausblick bis Wladiwostok

Wie können in der Ukraine-Krise gewachsene Barrieren zwischen dem Westen und Russland überwunden werden - Fragen für das Deutsch-Russische und das Weltforum »Dialog der Zivilisationen«.

ndPlusRené Heilig

Der Chef der Tafelrunde

Angeblich ist König Artus der Erfinder des Runden Tisches. Alle Beteiligten sollten gleichberechtigt teilhaben an der Lösung von Probleme. Nun ist Wolfgang Ischinger Chef der Ukraine-»Tafelrunde«.

Seite 6
Hilmar König, Delhi

Deutlicher Rechtsruck in Indien

Mit absoluter Mehrheit hat die hindu-nationalistische Indische Volkspartei (BJP) die Parlamentswahlen in überwältigender Manier gewonnen. Der Sieger verspricht dem ganzen Land »gute Tage« - und mehr.

ndPlusAnja Krüger, Köln

Urnengang in »Lucky’s Haus«

Bei Wahl sind unter 18-Jährige oft nur Zuschauer. Durch fiktive Abstimmungen soll vermieden werden, dass sie später nicht dauerhaft den Urnen fernbleiben.

Katharina Strobel, Brüssel

Europa sucht den Superstar

So etwas hat es in der Geschichte der Europawahl, der Europapolitik gar, noch nicht gegeben: Die Europäer in allen 28 EU-Mitgliedsstaaten konnten am Donnerstagabend live die TV-Debatte zur Europawahl verfolgen.

Seite 7

Vietnam: Aufruf zur Ruhe per SMS

Nach den schweren antichinesischen Ausschreitungen in Vietnam hat Ministerpräsident Nguyen Tan Dung seine Landsleute per SMS zur Zurückhaltung aufgerufen. Zwei Chinesen seinen getötet und mehr als hundert weitere verletzt worden.

Fabian Lambeck

Maulkorb für Markus Ferber

Die rüden Ausfälle des CSU-Spitzenkandidaten Markus Ferber gegen SPD-Politiker rufen nun auch Parteichef Horst Seehofer auf den Plan. Dieser brachte seinen Adlatus vorerst zum Schweigen.

»Alle Menschen als Gleiche anerkennen«

Prof. Dr. Beate Rudolf (Jg. 1964) ist Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte in Berlin. Wie es um die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* und Inter*-Menschen? Beate Rudolf im »nd«-Interview.

Seite 8
Kurt Stenger

Der Credit Suisse geht es an den Kragen

Schweizer Banken sollen über lange Jahre US-Bürgern bei der Steuerhinterziehung geholfen haben. Die Justiz greift mittlerweile härter durch.

ndPlusSebastian Blum

Schluss mit dem Google-Monopol

Eine neue Debatte um Google ist entfacht. Deutsche Politiker kritisieren die Monopolstellung des Konzerns. Diese könnte sogar zerschlagen werden.

Seite 9

Bühnenstar

Der Schauspieler Rolf Boysen ist tot. Er starb am Freitag im Alter von 94 Jahren in München, wie die Kammerspiele mitteilten, zu deren Ensemble er unter der Intendanz von Dieter Dorn jahrelang gehörte. Boysen war einer der bekanntesten Darsteller auf deutschen Bühnen. Er spielte in seiner Karriere antike Dramen, Shakespeare, deutsche Klassiker und zeitgenössische Stücke. dpa/nd...

Er war dort

Mit einer Gedenkafel und einer Ausstellung erinnert die Müritzstadt Waren seit Freitag an einen besonderen Besuch aus Russland vor 91 Jahren. Eine Berliner Theaterwissenschaftlerin hatte anhand von Briefen entdeckt, dass das Ensemble des Moskauer Künstlertheaters im Sommer 1923 zwei Monate an der Müritz lebte und probte. Leiter war der noch heute international bekannte Theaterreformer Konstanti...

Jan Freitag

Auferstehung eines Moderators

Manchmal erinnert die ARD an Bernd Stromberg. Als das selbstgerechte Büroviech von Pro7 von seiner Frau verlassen wurde, wollte er sich mit moderner Lederjacke nebst Basecap auf Krampf jünger machen - was schon deshalb schwer in die nagelneue Jeanshose ging, weil der rückständige Depp das Preisschild vergessen hatte. Peinlich, aber erwartbar. Das peinlich erwartbare Preisschild dagegen, das dem...

ndPlusGunnar Decker

Den Terror erzählen

Während sich einige der als zehn beste deutschsprachige Inszenierungen zum Theatertreffen eingeladenen Regiearbeiten durch eine grandiose Oberflächlichkeit, die bereits an die Abwesenheit von Sinn grenzt, auszeichneten, ist mit »Die letzten Zeugen« ein schwerwiegendes Kapitel der Geschichte angesprochen. Zumindest vom Inhalt her gesehen, die Darstellungsform ist denkbar - und angemessen - schli...

Seite 10

Ansprüche deutscher Museen

Mehrere deutsche Museen haben nach dem Tod des Kunsthändler-Sohns Cornelius Gurlitt ihre Forderung nach einer Überprüfung etwaiger eigener Ansprüche auf einzelne Bilder aus dessen Sammlung bekräftigt. »Wir haben schon im vergangenen Jahr die Staatsanwaltschaft Augsburg dazu aufgefordert, zu prüfen, welche Bilder der Gurlitt-Sammlung ursprünglich aus unserem Bestand stammen«, sagte der Direktor ...

Wächterpreis an Insolvente

Die insolvente »Abendzeitung« aus München ist für die Aufdeckung der sogenannten Verwandtenaffäre im Bayerischen Landtag mit dem Wächterpreis der Tagespresse ausgezeichnet worden. Die Korrespondentin Angela Böhm habe beharrlich und gegen erhebliche Widerstände die Praxis enthüllt, Ehepartner und Kinder auf Kosten des Steuerzahlers zu beschäftigen, teilte die Stiftung »Freiheit der Presse« mit. ...

ndPlusKevin Clarke

Meister relevanter Operetten

Er ist vom gefeierten Staatskünstler zu einem der großen Vergessenen geworden, beinahe von einem Tag auf den anderen. Am 17. Mai 1989 gratulierte »ND« dem Komponisten Guido Masanetz noch zum 75. Geburtstag unter der Überschrift »Zeitgenössischer ›Klassiker‹ unseres Operettentheaters« und listete viele erfolgreiche Werke auf, darunter »In Frisco ist der Teufel los«, Masanetz’ grandiose Satire au...

Harald Kretzschmar

Zaubername Wagenbreth

Dass man im Kunstmuseum verschiedene Ausstellungen zeigt, von deren eine hier besonders im Blickfeld steht, ist selbstverständlich. Öffentlichkeit dafür herstellen, ist jedoch ein vielseitiges Projekt.

Seite 11

Beim HSV blieb die Uhr stehen

Hamburg. Die Bundesliga-Zeit des Hamburger SV war schon nach dem ersten Relegationsspiel abgelaufen. Eine Stunde nach dem 0:0 gegen Zweitligist Greuther Fürth am Donnerstagabend blieb die digitale Bundesliga-Uhr im Stadion stehen. Die Stadiontechniker hatten vergessen, an diesem Abend die Zeitschaltuhr auszuschalten, die die Stromversorgung bis zum Morgen unterbricht. Ob mit oder ohne Uhr...

Regine Reibling

Teure WM verärgert Brasilianer

Knapp einen Monat vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft sind am Donnerstag Tausende Brasilianer auf die Straße gegangen, um gegen deren hohe Kosten zu protestieren. In São Paulo kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Seite 12
ndPlusAndreas Morbach, Köln

Nicht nur der »Tünn« fehlt

Im lebenslustig-lockeren Köln geht schon mal öfter was daneben - diese lokale Gesetzmäßigkeit galt auch bei den Vorbereitungen auf das diesjährige Pokalfinale der Fußballerinnen. Ein Mitarbeiter der Stadt, für das Drumherum der Veranstaltung zuständig und zudem bekannt mit Toni Schumacher, musste längere Zeit das Krankenbett hüten. Da blieb eben manches unerledigt. So auch der obligatorische An...

Alexander Ludewig

Finaler Höhepunkt

Die DFL hat ihr Premiumprodukt Bundesliga gegen den DFB in Stellung gebracht. Dessen Pokal mit dem Endspiel in Berlin wird dennoch etwas ganz Besonderes bleiben - vor allem in dieser Saison.

Seite 13
Jonas Pentzien

Linke Europäer

Europäische Aktivisten der Linkspartei gründen den Arbeitszusammenhang »Europäische Linke in Berlin«. Die Gruppe will die Zusammenarbeit von migrantischen Netzwerken fördern.

ndPlusChristin Odoj

Umgeben von Brüssel

Berlin erhält bis 2020 rund 850 Millionen Euro aus Brüssel, wenn sie denn ausgegeben werden. Ein Artikel über Europa in Berlin, in dem das Wort Gurke nicht vorkommt.

Seite 14

Umstrittene Kinderheime bleiben zu

Berlin. Die umstrittenen Kinderheime der Haasenburg GmbH in Brandenburg müssen vorerst geschlossen bleiben. Das ergibt sich aus einem Beschluss des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Berlin-Brandenburg, der am Freitag bekannt gegeben wurde. Das OVG wies eine Beschwerde der GmbH gegen eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Cottbus zurück. Dieses Gericht hatte vorläufig gebilligt, dass die Betriebs...

Brandschutzmängel waren bekannt

Im Untersuchungsausschuss zum BER ging es am Freitag um die Brandschutzanlage. Bereits seit März 2012 sei klar gewesen, dass diese nicht funktioniert, erklärte ein Ingenieur, der selber beteiligt war.

ndPlusRainer Balcerowiak

Allianz für das Milljöh

Eine zivilgesellschaftliche Initiative zur Entwicklung von Grundsätzen für das Wohnen will die »Allianz für das Wohnen« sein. Am Beispiel Tempelhofer Feld wurden Konzepte für die Hauptstadt diskutiert.

ndPlusWilfried Neiße

Roter Adler hackt den weißen weg

Potsdam hat seinen Bildersturm. Der weiße Adler im Landtag kommt weg, ein roter Adler ans Rednerpult - aber ihm fehlen der gelbe Schnabel und die gelben Krallen.

Seite 15

Der Kaffee mit Herz wird kalt

Mit einer Kaffeespende Gutes tun - in einer Kaufbeurer Kneipe ist das möglich. Sie beteiligt sich an der Idee des »Suspended Coffee«, an Spendern mangelt es nicht. Doch bisher bleiben die Abnehmer aus.

Christian Schultz, Neuwied

Wenn Kinderbetten Türen haben

Es wird kräftig gehämmert und gebohrt in Neuwied in Rheinland-Pfalz. Die Kita »Kinderplanet« wandelt sich zu einer bundesweit einzigartigen Muster-Kindertagesstätte. Mit neuer Technik und praktischerem Mobiliar.

Sebastian Haak, Erfurt

Plüschlöwen - gut fürs Image

Thüringens Ministerien und die Staatskanzlei haben 2013 einen sechsstelligen Betrag für Werbegeschenke ausgegeben. Damit sollen, so die Hoffnung, Brücken zu den Menschen geschlagen werden.

Seite 16

Ökostrom und sonst nix

Mainz. Es ist ein Ziel, das viel Energie verlangt: In 16 Jahren - also 2030 - soll der Strom aus den Steckdosen in Rheinland-Pfalz komplett aus Ökoenergien stammen. Die erste grüne Wirtschaftsministerin eines Flächenlandes, Eveline Lemke, kämpft seit ihrem Amtsantritt vor drei Jahren für mehr erneuerbare Energien - vor allem für mehr Windkraft. Sie zeigt sich zuversichtlich, auch wenn es Widers...

Nofretete lädt zur Langen Nacht

»Solvente Schönheit von Rang und Namen (w/3350) sucht Dich für eine Lange Nacht« - mit dieser »Kontaktanzeige« lädt die schöne ägyptische Königin Nofretete zur 34. Langen Nacht der Museen in Berlin. Rund 80 Häuser öffnen an diesem Samstag von 18 Uhr bis 2 Uhr morgens ihre Türen. Neu dabei sind unter anderem das Trabi Museum und das Museum in der Kulturbrauerei. Erstmals findet die Lange N...

ndPlusChristina Sticht, Hannover

Museen lockern Fotografierverbote

Sollen sich Museen dem Zeitgeist anpassen? Immer mehr Häuser erlauben - wie in Hannover - Privatfotos in den Ausstellungen, solange Bildrechte gewahrt und Kunstwerke nicht beschädigt werden.

ndPlusTom Mustroph

Spielende Drohnen, bedrohliches Spiel

Was ist, wenn ein Märchen mit dem Satz beginnt: Es waren einmal auf einem fernen Planeten eine ängstliche Drohne, ein musikalischer Alien und eine geile Katze? Der Erzähler befindet sich dann sicherlich in einer Zukunft, in der artifizielle, außerplanetarische und tierische Lebensformen in Kontakt miteinander sind. Auf eine solche Zukunft bereitet sich im HAU1 die Performancegruppe »Invisible P...

Thomas Blum

Resignation, Baby!

Sie mögen gerne Musik, in der beängstigend gesunde Wonneproppen mit rosigen Wangen und butterzarten Stimmchen über frischgebackene, duftende Butterkekse und die Mysterien der aufkeimenden Liebe unter Teenagern singen und zu der man auf sattgrünen Wiesen bei güldenem Sonnenlicht und unter einem strahlend blauen Himmel per Ringelreihen freudig-erregt einer pastellfarbenen Zukunft entgegentanzen k...

Hendrik Lasch, Pödelwitz

700 Jahre Geschichte für ein Jahr Strom

Erneut soll in Sachsen ein Dorf der Braunkohle weichen. Die Mehrzahl der Bewohner zieht freiwillig weg. Einige aber denken nicht daran, den 700-jährigen Ort preiszugeben.

Seite 17
Tom Strohschneider

Sieben Tage, sieben Nächte

In den Wochen vor den Wahlen hören wir im Radio noch ein bisschen genauer hin - und vernehmen Sätze, die sind so richtig, wie eine Meldung vom Sender Jerewan eben sein kann: Im Prinzip ja, aber.

Seite 18

Süchtig nach dem Unerhörten

Derzeit reist Roger Willemsen durch Deutschland - mit seinem Band »Das Hohe Haus«, einem Tagebuch, gleichsam geschrieben auf der Besuchertribüne des Deutschen Bundestages in Berlin. Ein Porträt aus erhellender Nähe. Ein Gespräch.

Seite 20

Nachrufe

Dr. Jacinto Convit /11. 9. 1913 - 12. 5. 2014 Das Schlüsselerlebnis im Leben des venezolanischen Mediziners Jacinto Convit García war wohl, als er in den 1930er Jahren seinen Professor in eine Lepra-Kolonie nahe seiner Heimatstadt Caracas begleitete. Die von einem Bakterium aus der gleichen Gattung wie der Tuberkuloseerreger ausgelöste Krankheit konnte damals nicht geheilt werden. Wegen d...

ndPlusNicolas Šustr

Überqualifiziert und unterbezahlt

Berlin ist mein Bezugspunkt«, sagt Simran Sodhi. »Es ist eine Stadt, wo du dein Leben so einrichten kannst, wie du magst. Es sind viele banale Sachen, wie funktionierende öffentliche Verkehrsmittel, aber auch ein großes kulturelles Angebot. Und es sind die vielen Menschen, die ich kennengelernt habe«, erzählt sie. Doch die ursprünglich aus Delhi stammende 27-Jährige soll zum 31. Mai Deutschland...

Seite 21
ndPlusRalf Hutter , Barcelona

Die zweite Transición

In letzter Zeit ist in Spanien wieder von »Tran᠆sición« die Rede. Dieser Begriff bezeichnet eigentlichh den Übergang von der Diktatur zur Demokratie Ende der 70er. Neuerdings wird der Begriff gebraucht für Unabhängigkeit.

Seite 22
Sigrid Hoff

»Mir ist kalt, kalt, kalt«

Ein schlichtes rotes Taschentuch, aufgestickt ist eine Zahl: 4714. Das war Milena Jesenskás Häftlingsnummer im Frauen-KZ Ravensbrück. Ihre Mithäftlinge gaben ihr deshalb den Spitznamen »4711«, nach dem bekannten Eau de Cologne. Das Taschentuch ist die einzige Hinterlassenschaft der Brieffreundin und Übersetzerin des Schriftstellers Franz Kafka, die sich im Archiv der Gedenkstätte Ravensbrück fa...

Die Hand geht dem Herzen nach

Die Tochter einer Schneiderin verlebte eine unglückliche und entbehrungsreiche Kindheit. Denn ihre Mutter musste den Lebensunterhalt der Familie mit Näharbeiten allein verdienen. Ihr Vater, ein Buchhalter, war bis zu seinem Tod mit einer anderen Frau verheiratet. Er kümmerte sich aber, so gut es ging, auch um seine nichteheliche Tochter, die zunächst die Mittelschule besuchte und anschließend S...

Martin Koch

Spiegel der Gesellschaft

Das, was wir heute Sport nennen, gibt es streng genommen erst seit ungefähr 120 Jahren. Zwar wurden bereits im alten Griechenland olympische Wettkämpfe veranstaltet. Diese endeten schnell nach Aufstieg der Christen.

Seite 23
Florian Schmid

Kapitalistische Landnahme im Weltraum

Der Mars hat von jeher die menschliche Fantasie beflügelt. Ob in Filmen oder Büchern, die Reise zum 228 Millionen Kilometer entfernten Nachbarplaneten wurde fiktional unzählige Male durchgespielt. Aktuell erfreuen sich auch mehr oder weniger realistische Raumfahrtpläne größter Beliebtheit. Dabei sind es vor allem private Unternehmen und Stiftungen, die Menschen zum roten Planeten schicken wolle...

Seite 24

Folge 23: BWL/VWL, die; Substantiv, feminin

Die Betriebswirtschaftslehre (BWL) und Volkswirtschaftslehre (VWL) sind Teile der Wirtschaftswissenschaften, die im deutschen Sprachraum getrennt studiert werden können. VWL forscht nach wirtschaftlichen Zusammenhängen und Gesetzmäßigkeiten einer Gesellschaft sowohl in Hinsicht ihrer Mikroökonomie als ihrer Makroökonomie. Mikroökonomie bezieht sich auf sogenannte Wirtschaftssubjekte wie Haushal...

Lena Tietgen

Neoliberales Denken ohne Zukunft

Es geht noch kein Gespenst um in in der Welt und doch sollte man die Initiative »Rethinking Economics« samt deren Aufruf für eine plurale Ökonomik Ernst nehmen. Die Zeichen gesellschaftlicher Begrenztheit neoliberalen Wirtschaftens sind überdeutlich. Laut UN-Angaben sollen Ende 2013 allein 33,3 Millionen Kinder, Frauen und Männer innerhalb ihrer Staaten auf der Flucht gewesen sein. In der Regel...

ndPlusLena Tietgen

Studierende für plurale Ökonomie

Einen »Internationalen studentischen Aufruf für eine Plurale Ökonomik« findet man auf isipe.net. Sie wollen eine »Erneuerung der Disziplin«, damit gemeinsam und interaktiv »Lösungen für gesellschaftliche Probleme - von Finanzmarktstabilität über Ernährungssicherheit bis hin zum Klimawandel« erarbeitet werden können. Initiator ist das Netzwerk »Rethinking Economics«, das sich 2013 gegründet hat....

Isidor Grimm

Wenn Kreter Kreter Lügen strafen

Das einzige Studienfach der Welt, gegen das seine Studentenschaft sich über Grenzen und Ozeane in offener Aufruhr befindet, ist die Volkswirtschaftslehre. Das Ausmaß des Aufruhrs macht Eindruck.

Seite 25

Wochen-Chronik

17. Mai 1954 Der Oberste Gerichtshof der USA fällt nach mehrjährigem Prozess ein historisches Urteil im Fall Brown v. Board of Education of Topeka (Kansas), das die Rassentrennung an Schulen für verfassungswidrig erklärt. In 21 von 48 Bundesstaaten müssen die Gesetze geändert werden. Das Urteil löst in der afroamerikanischen Bevölkerung Jubel aus und führt 1955 zum Busboykott von Montgomer...

Der US-General und die Mobilmachung

Am 10. Juli 1950 fand ein Treffen statt, bei dem außer dem stellvertretenden Hohen Kommissar, US-Generalmajor George P. Hays, der persönliche Referent von Bundeskanzler Konrad Adenauer, Herbert Blankenhorn, der militärische Kanzlerberater Wehrmachtpanzergeneral a.D. Gerhard Graf von Schwerin sowie Geheimdienstchef Reinhard Gehlen teilnahmen. Beraten wurde über Maßnahmen, »die bei einem pl...

ndPlusRené Heilig

Kronjuwel aus dem BND-Keller

Seit 2011 gibt es aufgrund öffentlichen Drucks eine Unabhängige Historiker Kommission, die mit der Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes (BND) und seines Vorläufers Organisation Gehlen (OG) betraut ist.

Seite 26
ndPlusMartin Koch

Absurdes Kino im Kopf

Schlaf gut und träum’ was Schönes.« Mit diesem Wunsch für die Nacht gehen viele allabendlich zu Bett. Häufig jedoch geschieht das ganze Gegenteil. Menschen schlafen schlecht oder werden in Traumszenen verwickelt, die bisweilen so angsteinflößend sind, dass man froh ist, mittendrin aufzuwachen. Denn während eines Traums lässt sich das dabei ablaufende Geschehen nicht steuern. In den meisten Fäll...

Hans-Arthur Marsiske

Archäologen gehen in die Luft

Wenn Altertumsforscher von Drachen erzählen, denkt der unbefangene Zuhörer wahrscheinlich zunächst an alte Geschichten von sagenhaften Fabelwesen. Doch der Archäologe Axel Posluschny meint damit etwas Gegenwärtiges und ganz Reales. Ein Drachen ist für ihn ein Werkzeug, das bei Ausgrabungen zum Einsatz kommen kann. »Leider werden Flugdrachen häufig eher als Spielzeug wahrgenommen«, sagt der Mita...

Seite 27

Das Bindemittel im Holz

Holz ist seit Alters her ein wichtiger Rohstoff für die menschliche Gesellschaft: anfangs als Baustoff und als Energiequelle, später für die Papierherstellung und seit kurzem als Ausgangsstoff für die Erzeugung von Biosprit. Je weiter das Holz verarbeitet werden soll, desto störender ist jener Bestandteil, der die Zellulosefasern im Holz zusammenklebt und für die Haltbarkeit von Holz sorgt: Lig...

ndPlusRobert D. Meyer

Die Arche ist wohl doch nur eine Titanic der Tiere

Beispiele wie der Tod der Giraffe Marius in Kopenhagen zeigen, dass die von Zoos und Tierparks vorgetragenen Gründe für ihre Existenz oft weniger eindeutig sind, als es die Verantwortlichen der Öffentlichkeit vermitteln.

Seite 29
ndPlusAnita Göpfarth, Leutenberg

Duden immer dabei

Seit meiner Kindheit bin ich für jedes sinnvolle Spiel zu haben. Auf diese Weise habe ich zusammengerechnet viele Jahre verspielt! Aber auch sehr viel Freude gehabt. Mein absolutes Lieblingsspiel ist Scrabble, das ich vor etwa 40 Jahren kennenlernte. Seitdem spiele ich mit Leidenschaft und Lust und konnte schon zahlreiche Mitspieler dafür begeistern. Der Duden bzw. das spezielle Scrabble-...

Udo Bartsch

Visionen

Was ist Wohlstand? Und wie erreichen wir ihn? »Prosperity« wagt sich an große Fragen unserer Zeit. Wie im Brettspiel kaum anders zu erwarten, fällt die Antwort vereinfachend aus. Wohlstand, so die Fiktion, entsteht langfristig über neue Technologien wie etwa Biokraftwerke oder eine Verjüngungsklinik. Das Problem: Diese Errungenschaften fressen Energie oder verpesten die Umwelt. Also müssen wied...

Motivation ist wichtig
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Motivation ist wichtig

Das Schachspiel hat viel mit der Motivation zu tun. Besonders schwer ist es, sich immer wieder neu zu motivieren, wenn man an der Weltspitze ist. Das ist der Fall bei Weltmeister Magnus Carlsen (Norwegen; 23), der auch die aktuelle FIDE-Weltrangliste anführt. Er hatte Ex-Weltmeister Viswanathan Anand (Indien; 43) unlängst spektakulär die Krone entrissen. Doch auch er ist ab und an unmotiviert, ...

Frau am Hals

Männer sollen ihre Frauen bekanntlich auf Händen tragen. Zu einer durchgeknallten WM, die besagtes Postulat ernst nimmt, lädt die Gemeinde Sonkajärvi (Finnland) ein. Im Gespräch erfährt unser Autor René Gralla alles darüber.

Seite 30
Christa Kikels , Potsdam

Der erste Sputnik

Es war der 4. Oktober 1957, ich war Studentin an der ABF Potsdam. Da hörte ich die unglaubliche Kunde vom Start eines künstlichen Himmelskörpers, der um die Erde kreist. Sogar auf meinem uralten Radio konnte ich mehrmals das Piepsen hören, welches der erste Sputnik in die ganze Welt entsandte. Wir Studenten bewunderten die wissenschaftlich-technische Leistung der UdSSR. Ich war aktives Mi...

ndPlusDr. Jochen Zimmermann , Rostock

Auf meinem Kissen ist noch Platz

Damals! Mir wurde die silberne Ehrennadel des DRK an das Revers geheftet. In der Laudatio war von besonderen Verdiensten die Rede. Wieso ich? Ich hatte bisher mit dem DRK nichts am Hut. So sehr ich auch mein Innerstes absuchte, ich konnte nichts Verdächtiges finden. Auf meine vorsichtig formulierte Frage nach dem »Warum«, bekam ich eine überraschende Antwort. Ich wäre wohl an der Reihe gewesen....

Seite 31
Heidi Diehl

Wie aus der Zeit gefallen

Beim Aufwachen ist noch alles ganz zeitgemäß - die Klimaanlage summt leise, an der Wand hängt ein Flachbildschirm, und dank Wi-Fi kann man schnell noch vor dem Frühstück die E-Mails durchsehen. Doch mit dem Betreten des Restaurants scheint sich die Zeit schlagartig 150 Jahre zurückzudrehen: »Küss die Hand, gnä' Frau, hatten Sie eine geruhsame Nacht?«, säuselt der befrackte Oberkellner mit einer...

Seite 32
Park mit Sorgen
ndPlusChristina Matte

Park mit Sorgen

Wer eine Open-Air-Ausstellung im Park von Sanssouci »Paradiesapfel« nennt, der spielt mit Assoziationen. Das Paradies - ein blühender Garten wie der einstige Lustpark Friedrichs II. (1712-1786)? Der Apfel - Symbol für den Obstanbau, den der Preuße dort forcierte? Paradies und Apfel zusammengedacht - war da nicht etwas mit Sündenfall? Oder besser, mit Erkenntnis? In der Tat: Die Zauberjahr...