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UNTEN LINKS

Also das, lieber Rose Versand, glaubst Du doch selbst nicht: Radfahren soll attraktiv machen? Die Studie, mit der Du den Verkauf von Drahteseln in Deinem Unternehmen anzukurbeln gedenkst, entlarvt sich selbst als reine Lüge im Dienste der Profitmaximierung. Jeder weiß, dass das Gegenteil der Fall ist: Radfahrer sehen bescheuert aus. Die einen zwängen sich in wurstpellenartige bunte Leibchen, di...

Erdogans Polizei schürt Wut

Sie trauern, und sie bleiben wütend: In der Türkei haben die Proteste gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan auch am Wochenende angehalten. Die Regierung antwortete mit Wasserwerfern, Gummigeschossen und Tränengas.

René Heilig

Regierung treibt Wettrüsten in Asien an

Singapur, Südkorea und Saudi-Arabien gehören zu den besten Kunden der deutschen Rüstungsindustrie. Möglich macht die Milliardendeals nun Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

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Roger Repplinger, Hamburg

Anrennen gegen ein Prestigeobjekt

Hamburg, Samstagmittag. Schwarze Schirme, Transparente gegen den Krieg, gegen Abschiebung und Militarisierung, T-Shirts mit der Aufschrift: »Elbdisharmonie«. Die Polizei war auch schon da - dabei hat die Blockupy-Demo noch nicht begonnen. Elke aus Bremen rief per Lautsprecher zu »Widerstand gegen die Krisenpolitik in Deutschland und Europa« auf, zu »zivilem Ungehorsam und Widerstand von u...

ndPlusRalf Streck, San Sebastián und Robert Schmidt, Lyon

Empörte atmen durch

Der Zulauf zu den Blockupy-Protesten in Spanien und Frankreich hielt sich am Wochenende in Grenzen.

Malene Gürgen, Berlin, und Hans-Gerd Öfinger, Stuttgart

Haus der Wirtschaft ist jetzt bunter

Zu den europaweiten Blockupy-Aktionstagen hatten sich auch in Berlin und Stuttgart Tausende zum überwiegend friedlich-fröhlichen Protest versammelt. Etwa 3000 Menschen nahmen an der Demonstration in Berlin teil.

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Beweise gegen al-Dschasira für 150 000 Euro

Im Prozess gegen drei Mitarbeiter des Nachrichtensenders al-Dschasira haben am Donnerstag zwei der Anwälte vor Gericht ihre Mandate niedergelegt. Die beiden von al-Dschasira engagierten Verteidiger erklärten vor Gericht, der Sender kümmere sich nicht um den australischen Journalisten Peter Greste, den ägyptisch-kanadischen Produzenten Mohammad Fadel Fahmy sowie den ägyptischen Journalisten Bahe...

ndPlusOliver Eberhardt, Assuan

In Oberägypten geht das Licht aus

Ende Mai wird in Ägypten ein Präsident gewählt, doch Demokratie gibt es nicht mehr. Die Spannung ist groß, und am Sonntag verletzte auf einer Wahlkundgebung in Kairo eine Bombe vier Menschen.

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ndPlusRené Heilig

Mitgegangen, mitgefangen

Bislang beteiligte sich Deutschland meist spät an internationalen Missionen. Dadurch habe man oft nicht die Möglichkeit gehabt, über die Ausrichtung der Einsätze mitzuentscheiden, sagt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Mag sein - trotz der mannigfachen Präsenz in zahllosen Gremien und Stäben. Aber wie weit geht dann die Mitsprache? Darf man auch Nein sagen? Obgleich diese Ablehnung ...

ndPlusMartin Ling

Militärisch gibt es keine Lösung

Innenpolitisch gilt er als Zauderer, außenpolitisch prescht er gerne vor: Frankreichs Präsident François Hollande. Immerhin hat er es geschafft, mehrere westafrikanische Länder an einen Tisch zu bekommen, um gemeinsam darüber zu sinnieren, wie der in Nordnigeria wurzelnden Terrorsekte Boko Haram beizukommen ist. Das ist in der Tat keine leichte Aufgabe und auch keine, die Nigeria allein bewälti...

Grit Gernhardt

Haltbarkeit möglicherweise begrenzt

Seit Jahren werfen die Europäer tonnenweise Lebensmittel in den Müll. Ein Grund dafür ist die weit verbreitete Unklarheit über die Bedeutung des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD). Denn auch wenn der Name es nahelegt: Das willkürlich von den Herstellern festgelegte Datum bedeutet keineswegs, dass Joghurt, Gummibärchen und Co. danach nicht mehr haltbar sind. Hierzulande startete die damalige ...

ndPlusReiner Oschmann

Premiere, Part 2

Die zweite Premiere löst die erste ab: Jill Abramson (60) war im September 2011 zur ersten Chefredakteurin der »New York Times« ernannt worden. Nun, keine drei Jahre später, wurde sie von Verleger Arthur Sulzberger von einer Minute auf die andere entlassen und Dean Baquet (57) als Nachfolger ernannt. Auch dies eine Premiere: Mit ihm tritt der erste Afroamerikaner an die Spitze der renommiertest...

Sahra Wagenknecht

Kein Rettungsschirm für Atomkonzerne

Der billige Erpressungsversuch der Atomkonzerne, unkalkulierbare Risiken des AKW-Ausstiegs auf den Steuerzahler abzuwälzen, ist eine Unverschämtheit, das Angebot somit unannehmbar.

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Johanna Treblin

»Die Linke hat die Ukraine verschlafen«

Viele Bürger fürchten sich vor der Dynamik des Ukrainekonflikts. Doch nicht einmal auf den Ostermärschen war derselbe ein Thema. Das soll sich nun ändern, sagen führende Friedensbewegte.

ndPlusVelten Schäfer

Inforap und Aluhut

Stell dir vor, es ist Friedensdemo - und die Linke beschimpft dich: Um die Mahnwachenbewegung hat sich ein seltsames ideologisches Getümmel entwickelt.

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BND lenkt ab

Berlin. Der Bundesnachrichtendienst (BND) gibt bis 2020 rund 300 Millionen Euro für den strategischen Ausbau seiner elektronischen Basis aus. Diese nd-Information vom Samstag wurde umgehend von »Sicherheitskreisen« gegenüber dpa bestätigt. Zugleich erweckte man via Agentur den falschen Eindruck, dass es sich bei dem Programm ausschließlich um ein Frühwarnsystem gegen Cyber-Attacken handelt. ...

Stephan Fischer

Wissenschaft zwischen Krieg und Frieden

Große Kriege zwischen den Industrienationen könnten »nur noch um den Preis des Selbstmords« geführt werden: wegen der wissenschaftlichen Fortschritte der Waffentechnik und ihres enormen Vernichtungsvermögens.

Johanna Treblin

Verfassungsschutz - nah dran an den Menschen

Berlins Innensenator Henkel wünschte sich auf einer Tagung zu »Hass als politisches Programm« einen Dialog zwischen Verfassungsschutz und Zivilgesellschaft.

Missbrauch des Geistes

Prof. Mario Keßler arbeitet am Zentrum für Zeithistorische Forschung und lehrt an der Universität Potsdam, u.a. zum Thema Wissenschaft für Militär vom Ersten Weltkrieg bis heute. Mit ihm sprach für »nd« Stephan Fischer.

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Gegenwind für Erdogan

Berlin. Immer mehr Politiker wenden sich gegen einen Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan kommende Woche in Köln. Angesichts des Umgangs der Regierung in Ankara mit der Bergwerkskatastrophe in Soma nannte es die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz von der SPD, »misslich«, dass Erdogan kurz vor der Europawahl in Deutschland eine große Veranstaltu...

Jan Keetman

Soma im Ausnahmezustand

Die Rettungsarbeiten in Soma sind eingestellt. Der Energieminister Taner Yildiz verkündete die traurige Bilanz: 301 tote Bergleute. Die Proteste halten an. Soma wurde von der Polizei abgeriegelt.

Kurt Stenger

Der Energiehunger der Türkei

Braunkohle ist der wichtigste heimische Energieträger in der Türkei. Wegen der stark steigenden Stromnachfrage steigt auch der Produktionsdruck auf die Zechenbetreiber - offenbar zu Lasten der Sicherheit.

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Ukraine versucht Dialog

Kiew. Eine Woche vor der Präsidentenwahl in der Ukraine ging auch der zweite Runde Tisch mit Regierungsvertretern und politischen Akteuren aus der Region am Samstag in der ostukrainischen Stadt Charkow ohne greifbares Ergebnis zu Ende. Für Mittwoch ist eine weitere Runde angesetzt. Bislang nahmen keine Vertreter der für die Loslösung der Region von der Ukraine eintretenden Kräfte teil. Allerdin...

ndPlusAlfred Michaelis, Vientiane

Spitzenpolitiker starben bei Absturz

Von einem laotischen Militärflugzeug blieben am Samstag nur Wrackteile im Dschungel. Hochrangige Vertreter der Führung starben, die Absturzursache ist bislang ungeklärt.

Steffen Klatt, Zürich

Schweizer schießen Kampfflugzeug ab

Die Schweizer Stimmbürger wollen keine neuen Kampfflugzeuge und auch nicht den mit 18 Euro höchsten Mindestlohn der Welt.

ndPlusDavid Graaff, Bogotá

Gemeinsam gegen den Drogenhandel

Die FARC-Guerilla und die kolumbianische Regierung haben sich bei den Friedensgesprächen in Havanna auf Maßnahmen gegen den Drogenhandel geeinigt. Bei Umsetzung hätte dies globale Auswirkungen.

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Portugal ohne Hilfe

Lissabon. Portugal steht nach drei Jahren unter dem EU-Rettungsschirm finanziell wieder auf eigenen Beinen. Anlässlich des Ausstiegs aus dem 78 Milliarden Euro schweren Hilfsprogramm sicherte die konservative Regierung am Samstag in Lissabon eine Fortsetzung ihrer sogenannten Reformpolitik zu. Sie präsentierte auch ein mittelfristiges Strategiepapier »Weg zum Wachstum«. »Wir haben noch viel Arb...

Die Toten spielen keine Rolle

In den ersten vier Monaten des Jahres 2014 wurden rund 42 000 Flüchtlinge an den Außengrenzen der Europäischen Union »aufgegriffen«. Die Zunahme der »illegalen« Zuwanderung sei »drastisch«, sagte der stellvertretende Direktor der Frontex bei der Vorstellung der Risikoanalyse 2014 – einem 84-seitigen Bericht, in dem weder die Tragödie von Lampedusa noch Tote überhaupt vorkommen.

Weniger Essen in den Mülleimer

Brüssel. Die EU erwägt eine Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums für Nudeln, Reis, Salz und andere lange haltbare Lebensmittel. Auf europäischer Ebene würden zunehmend Maßnahmen diskutiert, wie die Verschwendung von Lebensmitteln vermieden werden könne, sagte eine Sprecherin des Bundeslandwirtschaftsministeriums am Samstag in Berlin. Die Überlegungen gingen zurück auf die deutsche Initiati...

Ulrike Kumpe

Hoffnungsschimmer für Wagner Solar

Das Solartechnikunternehmen Wagner & Co. GmbH musste am 22. April wegen schlechter Auftragslage Insolvenz anmelden. Die Mitarbeiter wollen das nicht einfach so hinnehmen.

ndPlusBurkhard Ilschner, Bremen

Tiefsee ohne Bergbau

In Bremen erarbeitete ein breites Bündnis eine Resolution gegen Umweltverschmutzung, Ausbeutung der Meere und für faire Schifffahrt und Fischerei.

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ndPlusGuido Speckmann

Ein atlantisches Klassenprojekt

Diese Woche wird zum fünften Mal über das Handelsabkommen zwischen den USA und der EU verhandelt. Doch was steckt hinter TTIP? Wachstum werde auf diese Weise gesichert, und damit Jobs und Einkommen. Was ist dran?

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Brandschutz undicht

Beim Hauptstadtflughafen BER gibt es nach einem Zeitungsbericht neue Probleme mit der Brandschutzanlage. Teile der 18 Kilometer langen Entrauchungskanäle seien undicht und müssten nachbessert werden, berichtet die »Bild am Sonntag«. Das habe ein Kaltgasrauchtest mit Überdruck ergeben. dpa/nd...

Rennen mit Klapprädern

Ein Team aus der Hauptstadt gewann am Samstag das Klapprad-rennen im Berliner Regierungsviertel. 128 Männer und Frauenwaren bei dem kuriosen Rennen gestartet. Bei dem nicht ganz ernst gemeinten Wettbewerb des Pfälzer Klappvereins dürfen die Klappräder nur von Teilnehmern mit Schnurrbärten gefahren werden. Berlin war erstmals Austragungsort. dpa/nd...

KZ-Aufseher unter Verdacht

In Berlin wird weiter wegen Mordes gegen einen mutmaßlichen Nazi-Verbrecher ermittelt. Bislang habe sich der Tatverdacht gegen den 87-Jährigen aber nicht konkretisieren lassen, erklärte Martin Steltner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft. Das Verfahren wurde im Sommer 2013 nach einem Hinweis des Simon-Wiesenthal-Zentrums eingeleitet. Demnach soll der Mann Aufseher im KZ Dachau gewesen sei...

ndPlusMartin Kröger

Fern der Realität

Bei den Berliner Sozialdemokraten hat man Ratschläge von außen gar nicht gern. Das ist wenig wunderlich, schließlich regiert die SPD seit nunmehr 25 Jahren (mit). In der Politik ist das eine unfassbar lange Zeit, fast zwei Politikergenerationen der SPD saßen fest im Sattel. Da kann sich leicht eine Wagenburgmentalität ausbilden, mit der die realen Probleme der Menschen ausgeblendet werden. ...

Paul Liszt

Sei demokratisch, sei Buch

Zivilgesellschaftliche Initiativen veranstalten einen Aktionstag gegen Rechtextremismus im Norden des Bezirks Pankow. Jung und Alt wurde am Samstagnachmittag vor dem Bürgerhaus ein vielfältiges Programm geboten.

ndPlusBernd Kammer

Ausfahrt aus der »Radfahrhölle«

Der Senat fragte per Internet-Dialog nach den gefährlichsten Kreuzungen für Radfahrer. Die Resonanz war groß, die Umsetzung der Vorschläge kann dauern.

Martin Kröger

Gewonnen, ohne zu siegen

Auf dem mit Spannung erwarteten SPD-Landesparteitag kamen die Personalquerelen höchstens am Rande vor, einzig das mittelmäßige Ergebnis für Jan Stöß spiegelte die Zerwürfnisse wider.

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Matthias Bruck

Kein Frieden in Friedenfelde

Historische Pflasterstraßen in märkischen Dörfern entzücken Ausflügler. Die Einheimischen aber leiden oft unter Lärm. Im uckermärkischen Friedenfelde gibt es nun handfesten Streit.

ndPlusNicolas Šustr

Sexuelle Vielfalt wird besser toleriert

Was in Baden-Württemberg für großen Aufruhr sorgte, gibt es in Berlin bereits seit fünf Jahren: ein Gesetz für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt.

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Hans-Gerd Öfinger, Boppard

Einig an die Wahlurnen

Eine Woche vor den Europa- und Kommunalwahlen strebt die rheinland-pfälzische Linke ein Ergebnis über fünf Prozent an. Ein Landesparteitag in Boppard mit dem Redner Gysi stimmte die Delegierten auf den Endspurt ein.

ndPlusPeer Körner

Selbst das Handy bleibt oft tot

Auf EU und Bund will man im Nordosten Niedersachsens nicht warten. Für bessere Kommunikationsverbindungen sucht man eine genossenschaftliche Lösung.

ndPlusDoris Weilandt, Gotha

Gold-Rot-Schwarz für jedes Rathaus

Die Künstlerin Mary Bauermeister hält sich selbst für ein Fossil der 1960er. Entsprechend respektlos interpretiert sie die deutsche Flagge neu. Junge Künstler sind von der »Mutter des Fluxus« begeistert.

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Frank Sorge

30 Minuten Nachtbusblues

Ich kann mich noch an die Zeiten erinnern, in denen die U-Bahnen am Wochenende nicht in der Nacht gefahren sind und die Zahl der Nachtbuslinien noch sehr überschaubar war. An wenigen Knotenpunkten wurden die Busse offenbar mit der Maxime zusammengeführt, ihre Ankunftszeit so zu takten, dass sie die Haltestellen kurz nach Abfahrt der Anschlussbusse erreichten. Die damit eingebaute halbe Stunde W...

ndPlusGunnar Lammert-Türk

Auf den Spuren einer Flucht

Im Frühjahr 2011 brach Milena Mestecka das erste Mal auf - und seitdem wandert sie jedes Jahr die 470 Kilometer, die das mecklenburgische Wesenberg von der nordböhmischen Glasbläserstadt Novy Bor trennen, die etwa 100 Kilometer vor Lidice liegt. Damit will die 44-jährige Werbefachfrau an die Flucht von fünf tschechischen Frauen erinnern, die 1945 ihren Bewachern auf dem Todesmarsch des KZ Raven...

ndPlusKatja Herzberg

Alles außer Glitzer

Ein Hamburger Sechstett versucht sich an einem neuen Crossover. Das Erstlingswerk verbindet Rock, Hiphop und Hardcore mit poetischen und gleichermaßen intelligenten Texten zum Zustand der sie umgebenden Gesellschaft.

ndPlusTom Mustroph

Fuck you, Atomkraftwerke

»Fuck you, Atomkraftwerke« lautete der Arbeitstitel des ersten Festivals in der Stadt Fukushima nach der Reaktorkatastrophe im März 2011. Zwei Musiker - einer in der Präfektur Fukushima geboren und später mit der Punkband »The Stalin« bekannt geworden, der andere dort Schüler gewesen und danach elektronischer Improvisationskünstler geworden - kamen auf die Idee, noch im Sommer des gleichen Jahr...

ndPlusMartin Dolzer, Hamburg

Vier Wochen der Erinnerung

Die Hamburgerin Steffi Wittenberg, eine jüdischen Zeitzeugin die die Vernichtungspolitik der Nazis überlebte, war zwölf, als die Synagogen brannten. Nun wünscht sie sich einen offiziellen Feiertag am 8. Mai.

Elke Silberer

Schwedische Gardinen, Marke Eigenbau

Verkehrte Welt: Ausbruchsichere Gefängnisgitter aus dem Knast - hergestellt von Häftlingen. Eine ganz normale Arbeit, sagen sie in der JVA Kleve. In Siegburg nähen Gefangene ja auch Richterroben.

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Wolfgang Hübner

Mosekunds Montag

»Ich komme nicht weiter«, erzählte ein Freund Herrn Mosekund, »seit Tagen quäle ich mich mit dem achten Kapitel meiner Memoiren und mache keinerlei Fortschritte. Als hätte ich das Schreiben komplett verlernt. Ich glaube fast, dass es sich um eine ordentliche Schreibblockade handelt.« Auf dem Heimweg kam Herr Mosekund an einem Plakat vorbei, das zu einer Sitzblockade einlud. Das, dachte Herr Mos...

Deutsche in der Endrunde

Zwei deutsche Nachwuchsregisseure werden in diesem Jahr mit einem Studenten-Oscar ausgezeichnet. Sie haben es in die Endrunde geschafft. Bei der Preisvergabe am 7. Juni in Los Angeles wird sich herausstellen, wer den Oscar in Gold, Silber oder Bronze bekommt. Wie die Oscar-Akademie in Beverly Hills am Freitag mitteilte, sind die Kurzfilme »Nocebo« des Münchner Regisseurs Lennart Ruff sowie »Bor...

Die Njurka in »Zement«

Die Schauspielerin Valery Tscheplanowa ist zum Abschluss des 51. Theatertreffens deutschsprachiger Bühnen mit dem Alfred-Kerr-Darstellerpreis ausgezeichnet worden. Die 1980 in Russland geborene Tscheplanowa wurde von der diesjährigen Kerr-Preis-Jurorin, der Schauspielerin Edith Clever, aus dem Kreis der zum Berliner Theatertreffen eingeladenen Künstler ausgewählt. Der Kerr-Preis für die beste L...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Paradies mit Grasland

Wir leben im unerbittlichen Erklärungszeitalter. Der Wortschatz des Intuitiven kam arg in Bedrängnis. In allen Hintergründen lauern die Terminologen. Gläubiges Fürchten macht sich lächerlich vor selbstherrlichem Forschen.

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Hans-Dieter Schütt

Fischsuppe

Der Protagonismus als Faszinosum aus Duo und Duell. Vor Jahrzehnten am Landestheater Halle: Kurt Böwe und Martin Trettau - barocke Präsenz gegen hageren Hintergrund; am Berliner Ensemble - Ekkehard Schall und Hilmar Thate: Konstrukt gegen Fleisch; am Burgtheater Wien - Gert Voss und Ignaz Kirchner: lässiger Herr und listiger Knecht. Und an den Münchner Kammerspielen - Thomas Holtzmann und Rolf ...

ndPlusHans-Chrisoph Rauh

Entideologisiert

Hegel in Wien? Das verwundert schon etwas. In der einstigen k. u. k.-Metropole wurde der Physiker und Philosoph Ernst Mach zum Lehrstuhlinhaber berufen, hier verteidigte Friedrich Jodl die materialistische Philosophie von Feuerbach und etablierte sich in den 1920er Jahren der berühmte Wiener Kreis des »logischen Positivismus«, dessen Gründungsvater Moritz Schlick 1936, zwei Jahre vor der aggres...

ndPlusGert Claußnitzer

Keine Ekstasen, eher Beruhigendes

Der Maler und Zeichner Fritz Tröger war ohne Zweifel hierzulande einer der eigenartigsten Künstler. Zugleich aber wohl auch einer der einsamsten. In Dresden, seiner Geburtsstadt, wurde er vielfach missverstanden.

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Kaum Sternstunden
Jan Freitag

Kaum Sternstunden

Seien wir ehrlich: Es war eine Showmastermeisterleistung, wie Jörg Pilawa das »Quizduell« vor einer Woche davor bewahrte, zum Desaster zu werden. Mit schlagfertiger Selbstironie (»Willkommen beim Fernsehen der 70er und 80er Jahre«) zeigte der Moderator, dass er selbst eine Casting-Show vor der Peinlichkeit retten könnte. Obwohl: Wenn Pro7 ab Donnerstag in »Keep Your Light Shining« Popstars cast...

ndPlusTobias Riegel

Gelangweilte Grazie

Debbie Harry war 1976 die angesagteste Wasserstoffblondine der Welt, New Yorks It-Girl mit Draht zu Andy Warhol. Die Sängerin, Texterin und Co-Chefin der New-Wave-Band Blondie war auch eine Frontfrau neuen Typs: Harry etablierte neben Chrissie Hynde, Patti Smith und anderen das Gegenmodell zum musikalisch und sexuell den Komponisten und Firmenbossen gefügigen Popsternchen - als ernsthafte, unab...

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ndPlusFrank Hellmann, Köln

Essens »Mäusepolizei« hilft

Trainer Collin Bell hat aus dem früher oft zerstrittenen Starensemble des 1. FFC Frankfurt wieder ein Team geformt. Als Lohn springt nach drei Jahren ohne Titel der Pokalsieg gegen die SGS Essen heraus.

Alexander Ludewig

FC Bayern findet inneren Frieden in Berlin

Das »Mia san mia« kommt aus München wieder voller Überzeugung. Mit dem 2:0 gegen Dortmund gewinnen die Bayern den Pokal und ihr Selbstverständnis zurück. Der BVB feiert auch - auf Befehl.

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Michael Müller

Tunnelblick am verflixten Kilometer 13

Glück und Pech liegen manchmal ganz dicht beieinander: SuperMarathonläufer Christian Seiler legte neuen Streckenrekord vor, die Führenden beim Marathon verliefen sich im Wald.

Oliver Händler

Hauptsache Schnauzbart: Auch Klapprad-Junkies gehören jetzt zum Velothon

Es sieht komisch aus - man sagt wohl anachronistisch dazu -, aber Frank Spindler alias »Hoss« hat wirklich Klickpedalen an seinem 70er-Jahre-Klapprad. Ein Klick, und schon ist der gut genährte Mann im weißen Weltmeistertrikot fest mit dem Gefährt verbunden, das etwa 20 Jahre vor der Erfindung der Klickpedale gebaut wurde. Der »World Klapp«, der 2014 erstmals Teil des Velothons war, ist wahrhaft...

Jirka Grahl

Kein Schnee auf den Oberarmen

12 500 Hobbyrenner wollten am Sonntag beim 7. Berliner Velothon starten. So mancher ließ sich vom heftigen Regen abhalten, von 62 nd-Fahrern aber kamen die meisten an den Start des Jedermannrennens.

ndPlusHeidi Diehl

Adrenalin pur im Ziel

Zum 42. GutsMuths-Rennsteiglauf mit insgesamt fast 16 000 Aktiven war »neues deutschland« zum 11. Mal mit einer eigenen Mannschaft dabei. Erstmals ging auch die nd-Reporterin auf der Strecke.