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Wieder Tote bei Unruhen in Türkei

Istanbul. In der Türkei reißen die Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten nicht ab. Zwei Todesfälle bei gewaltsamen Auseinandersetzungen in Istanbul am Donnerstagabend und in der Nacht zum Freitag heizten die Proteste weiter an. Im Stadtteil Okmeydani waren die beiden Toten zu beklagen. Am Donnerstag hatte dort zunächst eine Gruppe von Demonstranten ihren Unmut über das Grubenun...

Bundestag beschließt Rentenpaket

Berlin. Nach monatelangem Streit in der Koalition verabschiedete der Bundestag am Freitag das sogenannte Rentenpaket. Die Neuregelungen, die am 1. Juli in Kraft treten, umfassen unter anderem die Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren, mehr Rente für ältere Mütter und Erwerbsunfähige sowie verbesserte Reha-Maßnahmen. Außerdem enthält das Paket erste Ansätze einer möglichen »Flexi-Rente« Das umstri...

Rechtspopulist Wilders verliert bei Europawahl

Berlin. Tag eins der Europawahl, an dem die Menschen in Großbritannien und den Niederlanden ihre Stimme abgeben konnten, sorgte gleich für die erste Überraschung. Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders gilt den Prognosen eines Fernsehsenders zufolge mit seiner Partei für die Freiheit (PVV) als Wahlverlierer. Die PVV landete mit 12,2 Prozent nur auf Platz vier, das sind knapp fünf Proz...

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ndPlusStefan Otto

Satt und sauber reicht nicht

Es ist noch nicht lange her, da mussten sich vor allem Eltern in Großstädten bereits mit der Geburt ihres Kindes auf die Suche nach einem Kita-Platz machen. Die Situation hat sich im letzten Jahr merklich entspannt. Seit August 2013 gibt es einen Rechtsanspruch auch für Ein- und Zweijährige auf einen Betreuungsplatz. Die Bundesregierung forcierte den Kita-Ausbau und linderte die Notlage. Vorers...

Katja Herzberg

Hochmut kommt vor der Wahl

Geert Wilders fühlte sich so sicher. Der Anführer der niederländischen rechtspopulistischen Partei für die Freiheit war überzeugt davon, gestärkt aus der Europawahl hervorzugehen. Doch die Niederländer sorgten für die erste Überraschung dieses Wahlmarathons und verpassten dem Platinblonden einen Dämpfer. Wilders hat sich – wie viele Demoskopen – verkalkuliert. Seine Wahlschlappe ist vor allem s...

Olaf Standke

Schandfleck Guantanamo

Zuletzt hatte Barack Obama Anfang des Jahres in seiner State-of-Union-Rede nicht mit verbaler Entschlossenheit gespart: 2014 müsse zu einem Jahr des Handelns werden, was auch für das weltweit verurteilte Gefangenenlager Guantanamo gelte.

Thomas Blum

Totale Rotation

Seit Jahren wird die PARTEI beharrlich als »Spaßpartei« verunglimpft, während man zur Bezeichnung von bekennendem Gurkensalat wie etwa der FDP auf solche Begriffe verzichtet. Das ist ungerecht.

ndPlusUlrike Winkelmann

Eine Form von höherer Gewalt

»Zahlt jeden Preis« ist in Köln überall unterwegs, wo Balkone nach Süden zeigen und der Straßenlärm nur noch ein fernes Surren ist. Köln ist insgesamt eine Stadt, in der man nach dem Krieg so schnell wie möglich so dicht wie möglich Behausungen ineinander geschachtelt hat.

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Wettbewerb nur noch als Ideologie

Wieder einmal erregen ein paar große Fusionen Aufmerksamkeit. So übernimmt der deutsche Bayer-Konzern für gut zehn Milliarden Euro vom US-Pharmariesen Merck & Co. die Sparte der rezeptfreien Arzneien. Und der US-amerikanische Siemens-Rivale General Electric will sich den französischen Alstom-Konzern einverleiben. Hier wünscht sich die Politik in Paris lieber Siemens als Käufer. Was für eine...

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12 Jahre Haft für Katanga

Die Miliz kam im Morgengrauen. Sie metzelte 2003 über 200 Menschen im Dorf Bogoro in Kongo nieder. Nun urteilte das Weltstrafgericht: Der ehemalige Kriegsherr Katanga muss für 12 Jahre ins Gefängnis.

Moskau achtet die Wahl 
der Ukrainer

Russland werde »die Wahl der ukrainischen Bürger achten, aber sehr aufmerksam verfolgen, was dort vorgeht«, versicherte Russlands Präsident Wladimir Putin am Freitag beim internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg laut der russischen Agentur ITAR/TASS.

Militär verhängt Ausreiseverbote

Thailands Armeechef Prayuth Chan-ocha hat sich selbst zum neuen Regierungschef erklärt. Nach dem Militärputsch in Thailand baut die Armee ihre Macht immer weiter aus. Dennoch gab es in Bangkok neue Proteste.

Ulrich Heyden, Donezk

Angst vor der nächsten Granate

Slawjansk (ukrainisch Slowjansk) ist derzeit die am meisten umkämpfte Stadt in der Ostukraine. Stimmungen und Ängste der Bewohner erfragte unser Korrespondent in einem Chat per Internet.

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Meike Stolp, London

Farage schon in Feierlaune

»Schadenfreude« ist das englische Wort für - Schadenfreude. Und genau das dürfte die Pressesprecherin der UKIP, der britischen Unabhängigkeitspartei, nun gespürt haben. Sie schrieb auf Twitter: »Liebe andere Parteien & deren Medien-Freunde und ganz besonders an die boshaften linken Organisationen ... es hat nicht geklappt! Viele Grüße aus dem Pressebüro von UKIP«. Alexandra Philipps sprach ...

ndPlusKatharina Strobel, Brüssel

Vier Wahlen auf einen Streich

Für die Belgier lohnt sich der Gang zur Urne am Sonntag. Die »Mutter aller Wahlen« vereint die Abstimmung auf europäischer, nationaler, regionaler und gemeinschaftlicher Ebene.

»Der Umsturz war kein Unfall«

Eine Linke müsse »mit einem Fuß im Parlament, mit tausend Füßen auf den Straßen« stehen, sagt der Linkenpolitiker Scholz. Punkten werde man dann, wenn sie auf die Fragen der Bürgerauch konkrete Antworten hat.

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ndPlusMarian Krüger

Bundesrat im Nachbesserungsmodus

Die Länderkammer befasste sich am Freitag mit zentralen Regierungsvorhaben, ohne dass es abschließende Entscheidungen gab. In mehreren Fällen soll der Bund nachbessern.

Jan Keetman

Erdogan bringt die Alewiten gegen sich auf

Auch ein Jahr nach den Gezi-Unruhen scheint die Türkei nicht zur Ruhe zu kommen. Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei in Istanbul haben zwei Todesopfer gefordert.

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Aert van Riel

Ablenken vom BKA

Der Untersuchungsausschuss zur Affäre um den früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy wird kommen. Doch über Auftrag und Zahl der Ausschussmitglieder wird noch diskutiert.

ndPlusUwe Kalbe

Denkmalschutz auch für Panzer

Es geschieht nicht häufig, dass die »Bild«-Zeitung irgendwelche Fehler einräumt. Und auch diesmal ist nicht damit zu rechnen. Aber nötig wär's. Denn »Bild« hat verloren. Und das ist gut so. Am Donnerstag lief die Frist aus, innerhalb derer die Bürger sich jener Petition anschließen konnten, die die beiden T-34-Panzer der Roten Armee vor dem Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Tiergarten zu en...

Aert van Riel

Fleck auf dem Grundgesetz

Im Bundestag ging es aufgrund des 65. Jahrestages des Grundgesetzes feierlich zu. Doch der Schriftsteller Navid Kermani wählte in seiner Rede auch kritische Worte. Widerspruch kam von der Union.

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Deutsche Bank sagt nein zum Kohlehafen

Frankfurt am Main. Die Deutsche Bank wird offenbar den Ausbau des Kohlehafens »Abbott Point« am australischen Great Barrier Reef nicht unterstützen. Wie die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Urgewald am Freitag mitteilte, hätten dies der Co-Vorsitzende der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, und der Aufsichtsratvorsitzende Paul Achleitner auf der Hauptversammlung mitgeteilt. Es gebe weder jet...

ndPlusGrit Gernhardt

Einigung im Gentech-Streit

Die Bundesregierung fährt mit einer abgestimmten Position zum Treffen der EU-Umweltminister. Als zu konzernfreundlich kritisiert die Opposition den Kompromiss.

Reimar Paul

Generator wird neu lackiert

Im niedersächsischen Reaktor Grohnde sollen mehrere Teile gebrochen sein. Betreiber E.on beschwichtigt, der Umweltminister und Aktivisten sind alarmiert. 30 Jahre nach der Inbetriebnahme gibt es im AKW jede Menge Probleme.

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Gegensätzlich

In einer Doppelausstellung stehen sich in Münster Kunstwerke von Pablo Picasso und von Francisco de Goya gegenüber. Das Kunstmuseum Pablo Picasso präsentiert beide spanischen Maler von Samstag bis zum 17. August mit 120 Arbeiten, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Goyas düstere Radierungen zeigen einen satirischen Blick auf Adel und Kirche in Spanien am Ende des 18. Jahrhunderts. Picasso is...

Archäologe angeklagt

Vor einem ägyptischen Strafgericht soll am 7. Juni ein Prozess gegen den Experimentalarchäologen Dominique Görlitz und zwei weitere Deutsche beginnen. Der Staatsanwalt wirft ihnen vor, sie hätten 2013 unerlaubt Proben aus der Cheops-Pyramide entnommen. Während sich die drei deutschen Angeklagten in Deutschland aufhalten, sitzen ihre sechs mutmaßlichen ägyptischen Helfer in Untersuchungshaft. Si...

Hans-Dieter Schütt

Günthers Lotte

Die DEFA als Partner-Agentur. Wer mit wem? Mathilde Danegger mit Vittorio de Sica? Oder Inge Keller mit Max von Sydow? Egon Günther suchte und suchte. Am filmglückhaften Ende war Lilli Palmer die »Lotte in Weimar« (1975), und Martin Hellberg verwandelte sich in Goethe, als gelte es nicht, zu spielen, sondern zu sein. Denn de Sica durfte nach DDR-Bestimmung nicht ins Boot, die lautete in Richtun...

ndPlusJürgen Amendt

Die Hofnarren des Zweiten

Vor fünf Jahren ging die Satire-Sendung, wie so vieles ein US-Import, zum ersten Mal auf Sendung. Es war ein Experiment für den Sender, denn bislang funktionierten solche Formate nur im Privatfernsehen.

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»Keep swinging!«

Der Jazztrompeter Dusko Goykovich ist am Donnerstagabend beim 5. Echo Jazz in Hamburg für sein Lebenswerk geehrt worden. »Ich nix habe fertig - noch lange nicht! Keep swinging!«, sagte der aus dem früheren Jugoslawien stammende 82-Jährige in der Kulturfabrik Kampnagel. Der jüngste Musikpreis der Deutschen Phono-Akademie ging außerdem an den deutschen Trompeter Till Brönner und an US-Star Gregor...

Roberto Becker

Von den dunklen Seiten der Leidenschaft

Mozarts und DaPontes »Don Giovanni« - das ist ein Blick auf den großen Verführer, dessen Motto »Viva la Liberta« lautet. Wenn man die Zahlen seiner Eroberungen für bare Münze nimmt, dann kommt man schon ins Grübeln, wie das gehen soll. Aber es ist wie mit dem König auf der Bühne, den machen ja auch immer die andren. Blickt man nur etwas hinter die Geschichte, die da angeblich in 24 Stunden ablä...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Dr. Wehmut und der »Vater im Wind«

Der 1914 in Budapest geborene George Tabori, der einen Großteil der Familie in Auschwitz verlor - er blieb noch in winzigsten Beobachtungen der große Zusammenführer von Lachen und Weinen, Tragödie und Komödie.

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ndPlusFrank Hellmann, Lissabon

Feiern ohne Ende

Der VfL Wolfsburg verteidigt seinen Titel in der Champions League auf so eindrucksvolle Art, dass weitreichende Ziele plötzlich ganz nah erscheinen. Die Frauen sind nun Vorbild für die Männer.

Frank Hellmann, Lissabon

Sehnsucht trifft auf Willen

Im Madrider Stadtduell des Champions-League-Finals von Lissabon kommen die Trennlinien zwischen Real und Atletico klar zum Vorschein.

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Kristina Puck, Minsk

Russland hat endlich Sieger

Den Vergleich mit den Olympischen Winterspielen im heimischen Sotschi blockt Russlands Trainer Oleg Znarok unwirsch ab. »Nächste Frage«, grummelte der 51-Jährige mit finsterem Blick. Dennoch geht es für die russischen Eishockeyspieler bei der WM in Minsk vor allem um Wiedergutmachung für die Olympiapleite. Das unerwartete Viertelfinalaus hatte sie im Februar tief in ihrem Stolz verletzt. »Keine...

ndPlusFranko Koitzsch, Hamburg

HSV-Profis vor Abspaltung

Der Hamburger SV steht vor einem der tiefgreifendsten Umbrüche in seiner 127-jährigen Geschichte. Wird am Sonntag von Mitgliedern für die Ausgliederung der Abteilung Profifußball aus dem Universalsportverein entschieden?

Martin Kloth

Wettwerfen um die Schale

Im Finale um die deutsche Handballmeisterschaft zwischen dem THW Kiel und den Rhein-Neckar Löwen kommt es auf jedes Tor an. Im Fernduell wollen Gummersbach und Berlin aber dagegenhalten.

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ndPlusBernd Kammer

Das Tempelhofer Feld steht zur Wahl

Am Sonntag stimmen die Berliner per Volksentscheid über die Zukunft des Tempelhofer Feldes ab. Der Ausgang ist offen. Bevor das Kreuzchen gemacht werden kann, hier eine Entscheidungshilfe.

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Gemeindewahl nun am 6. Juni

Michendorf. Die rund 10 000 Wahlberechtigten in Michendorf sollen ihre Gemeindevertretung nun an einem extra Termin am 6. Juni wählen. Das sagte eine Sprecherin der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark am Freitag. Die für diesen Sonntag vorgesehene Wahl musste abgesagt werden, weil auf den Stimmzetteln zwei Bewerber fehlten. Auch in Heiligengrabe (Ostprignitz-Ruppin) ist die Wahl zur Gemeindevert...

Wilfried Neiße

Lieber keine Elchtests mit Elchen

Nachwachsende Rohstoffe vernichten Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten, und Windräder töten Vögel. Es ist nicht einfach, den Klima- und den Artenschutz unter einen Hut zu bekommen.

Martin Kröger

Bäderbetriebe sind Berlins Sorgenkind Nummer eins

Mit einem Gesamtkonzept will Bäderchef Ole Bested Hensing die maroden Bäderbetriebe sanieren – ein Besuch des SPD-Fraktionschefs Raed Saleh im Sommerbad Pankow offenbart die riesigen Probleme.

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Neue Hinweise im Fall Trinkaus

Erfurt. Der Trinkaus-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtages prüft neue Hinweise auf Kontakte des Verfassungsschutzes zum Umfeld des ehemaligen NPD Funktionärs Kai-Uwe Trinkaus. Der Ausschuss habe Informationen, nach denen die Behörde einen Kontakt bei einer Bürgerinitiative geführt habe, an deren Aktivitäten auch Trinkaus beteiligt gewesen sei, heißt es in einem Schreiben des Ausschusse...

Bevor der Zug abgefahren ist

München. Aus Sorge um ihre Arbeitsplätze sind am Freitag laut IG Metall mehrere tausend Beschäftigte von Siemens auf die Straße gegangen. Vor dem Werk in Krefeld seien mehr als 2000 Mitarbeiter zusammengekommen, am größten Standort des Konzerns in Erlangen 1200 und in München vor der Konzernzentrale mehr als 900, teilte die Gewerkschaft mit. Die Beschäftigten fürchten, dass Siemens in Folge des...

ndPlusHagen Jung

Pressefreiheit schlägt Polizei

Rechtswidrig haben Polizisten die Ausrüstung eines Teams beschlagnahmt, das für einen Radiosender über Castor-Transporte berichten wollte. Das hat jetzt das Verwaltungsgericht Lüneburg festgestellt.

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Stelen-Streit

Der US-Architekt Peter Eisenman macht das Denkmal-Kuratorium für die bröckelnden Betonstelen am Holocaust-Mahnmal verantwortlich. »Offenbar wurden Dinge geändert, um Geld zu sparen«, kritisierte Eisenman laut »Stern.de«. 2015 wird das Mahnmal zehn Jahre alt. Eisenman (81) will zum Jubiläum kommen. Schon kurz nach der Eröffnung waren Risse aufgetreten. Das Berliner Landgericht hatte 2012 auf Ant...

Renner intim

Noch keine vier Wochen ist Tim Renner im Amt, da legt der neue Berliner Kulturstaatssekretär bereits einen ersten Arbeitsnachweis vor. Zwar nannte er keinen verbindlichen Eröffnungstermin für die Staatsoper. Auch hatte er keine Einigung im Subventionsstreit mit der freien Szene zu vermelden. Und Starchoreografin Sasha Waltz wurde keineswegs von ihm überzeugt, in Berlin zu bleiben. Dass sein Ges...

Bahnlärm am Mittelrhein untersucht

Wiesbaden. Die Bahn spricht von der bundesweit umfassendsten Studie in Sachen Lärmschutz: Am Mittelrhein haben Ingenieure in den vergangenen Monaten 30 Orte und rund 250 Kilometer Schiene untersucht. 140 Vorschläge - 60 davon aus der Bevölkerung - hat ein Büro entlang der beiden Flussufer bewertet. Bevor Mitte August konkrete Ergebnisse auf den Tisch kommen, soll in den kommenden Wochen auf 14 ...

ndPlusMarc Hairapetian

Triumph des Troubadours

Am Anfang sind die Rollen vertauscht: Das Publikum singt, und der Künstler lauscht ergriffen. Als Charles Aznavour am Donnerstagabend die Bühne der O2 World betritt, schallt es ihm aus tausenden Kehlen entgegen: »Happy Birthday to you!« »Merci, Thank You, Dankeschön!«, kommt es dreisprachig zurück. Dann gibt es Standing Ovations, gleich zum Anfang seines Gastspiels, das ihn nach zwölfjähriger A...

Cathérine Simon, Nürnberg

Zwischen Tierleid, Forschung und Publikumsinteresse

Der Protest gegen Delfinarien reißt nicht ab. Weltweit wollen Tierschützer am Samstag gegen die Haltung von Delfinen in Zoos demonstrieren. Der Nürnberger Zoo hält sie jedoch für unverzichtbar.

Volkmar Draeger

Shakespeare, Galilei und die Gegenwart

Sie gehören zu den Giganten jener Epoche, wurden zufällig im selben Jahr geboren: William Shakespeare und Galileo Galilei, bis heute gefeierter, in seiner Identität hoch umstrittener Dramatiker der eine, tragisch genialer Deuter eines modernen Weltbilds, das der Klerus ihn zu widerrufen zwang, der andere. Als beide im Zenit ihres Wirkens standen, um 1500, endete in Spanien die fruchtbare islami...

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ndPlusGabriele Oertel

Sieben Tage, sieben Nächte

Über die besonderen Herausforderungen an Journalisten in den klassischen politischen Saure-Gurken-Zeiten ist an dieser Stelle schon geschrieben worden. Aber es gibt eben auch das glatte Gegenteil. Wie an diesem Wochenende.

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ndPlusGabriele Oertel

Die Lust, sich schreibend mitzuteilen

Wenn sich in wenigen Jahrzehnten Menschen auf ihr Leben zurückblicken, geben ihre eigenen, historisch gewordenen Mitteilungen auf Twitter und Facebook Erinnerungshilfen. Was aber machen Menschen heutzutage?

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Die Nachwelt im Blick

Die Nachwelt im Blick

Die einen tun es alleine, andere brauchen Mitstreiter, Helfer, Berater - die Möglichkeiten, ganz persönliche Erinnerungen schriftlich festzuhalten, sind so verschieden wie die Autoren.

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Nachrufe

Dobrica Ćosić / 29. 12. 1921 - 18. 5. 2014 »Dobrica Ćosić hat Probleme mit seinem Selbsthass, den er als öffentliche Affäre inszenierte und in dessen Chaos er auch sein Volk hineinzog.« So beschrieb der Schriftsteller Mirko Kovač seinen ehemaligen Berufskollegen, den jetzt verstorbenen »Vater der serbischen Nation«. Ćosić war einmal ein überzeugter Titoi...

ndPlusHilmar König , Delhi

Vom »Tea Boy« zum Regierungschef

Der 63-jährigen Inder Narendra Modi wurde vom Präsidenten der Republik, Pranab Mukherjee, als Premier Indiens vereidigt. Damit erfährt die Karriere vom »Tea Boy« zum Berufspolitiker ihre Krönung.

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Nachholbedarf auch bei der Ernährung

Weltweit kommen jedes Jahr 15 Millionen Babys zu früh zur Welt. Nur wenn die Geburt sicher verläuft und das Frühchen danach umfassend betreut wird, hat es eine Chance zu überleben und kann sich gesund entwickeln. Doch bis heute gibt es keine einheitlichen Qualitätsstandards, die eine gute Versorgung aller Schwangeren, Neu- und Frühgeborenen sicherstellen. Zusammen mit Elternverbänden, Fachl...

Säuglingssterblichkeit als Politikum

Die Säuglingssterblichkeit der DDR war jahrelang niedriger als in der BR Deutschland. Wurde die Statistik in der DDR manipuliert? Mit einer Änderung der Definition von Lebend- und Totgeburt von 1961 sollten in der DDR nur noch Neugeborene mit mindestens zwei Lebenszeichen als Lebendgeburt registriert werden. Zuvor genügte eines, in der BRD war dies auch weiterhin der Fall. Weil Neugeboren...

Wettbewerb um Frühgeborene

Der 60-jährige Prof. Michael Radke ist Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche am Ernst-von-Bergmann-Klinikum in Potsdam. Er äußert sich über die Frühchenversorgung in der DDR. Mit ihm sprach Silvia Ottow.

Seite 22
ndPlusIrmtraud Gutschke

Wenn du einem Bären begegnest ...

Ins Herz Sibiriens gelangt man auf dem Landweg nicht. Aber man kann in Krasnojarsk einen Dampfer besteigen (am Schluss des Buches finden sich sogar Fahrpläne). Und wer den Band von Tatjana Kuschtewskaja bei sich hat, wird die Reise noch interessanter finden, weil sie genauestens beschreibt, was man an den Ufern des Jenissei sehen kann. Wobei man sich mitunter wie auf einem Meer fühlen dürfte, d...

Alfons Huckebrink

Homer der Transsibirischen

Wenn du liebst, geh auf die Reise«. Blaise Cendrars (1887-1961) gilt in der französischsprachigen Literatur als Reiseschriftsteller par excellence. Die literarischen Werke des Schweizers, geboren als Frédéric Louis Sauser in La Chaux-de-Fonds, atmen das Mysterium des Reisens und spiegeln es auf besondere Weise wider. Er hat Reise und Literatur stets miteinander verknüpft, einem seiner Bücher ga...

Seite 23
Jürgen Amendt

Ende des American Way of Life?

Bis vor wenigen Wochen konnten nur besonders Interessierte etwas mit der Abkürzung TTIP anfangen, dem Freihandelsabkommen zwischen USA und EU. Das änderte und ändert sich mit der heranrückenden Europawahl.

Seite 24

Folge 24: Behindertenrechtskonvention, die; Substantiv, feminin

2006 wurde die UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) ratifiziert, der Deutschland 2007 beitrat. Damit wurde ein Paradigmenwechsel vom medizinischen zum menschenrechtlichen Modell vollzogen. Anstelle der Diagnose als Kategorie zur Einteilung von Menschen rückten gesellschaftliche Bedingungen, die behinderte Menschen aussondern und diskriminieren, in den Fokus. Paragraf 24 regelt das Recht von Men...

Kein Unterricht vor neun Uhr

Man stelle sich einmal folgendes Szenario vor: Verbände aus der Reformpädagogik, grüne und linke Bildungspolitiker würden ein gemeinsames Papier veröffentlichen, in dem u.a. ein späterer Unterrichtsbeginn gefordert wird. Statt um 8 Uhr solle die Schule bundesweit erst um 9 Uhr beginnen. Die Reaktionen aus der Politik sowie den Schulen wären vorhersehbar: Nicht umsetzbar, pädagogisch nicht sinnv...

Lena Tietgen

Inklusion bei Günther Jauch

Günther Jauchs letzte Talkshow hat sich der Inklusion angenommen. Hintergrund ist der Versuch von Henry Ehrhardts Eltern, ihn beim Gymnasium anzumelden, obwohl er Down Syndrom hat und nie einen Schulabschluss bekommen wird. Er soll mit seinen Freunden zusammenbleiben. Denn neben dem allgemeinen sozialen Aspekt, lerne er durch seine Freunde per Nachahmung, argumentieren die Eltern. Das Gymnasium...

ndPlusGuido Sprügel

Kostengünstige Aufbewahrung

Es klang anfangs vielversprechend. Der Ausbau der Ganztagsschulen sollte Deutschland endlich nach vorne bringen, man wollte es so gut haben wie in Skandinavien. Es ging auch um die Vereinbarkeit von Kindern und Beruf.

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Wochen-Chronik

24. Mai 1844 Der US-amerikanische Maler und Erfinder Samuel Morse verschickt auf einer Versuchsleitung von Washington nach Baltimore (Maryland) die erste Fernnachricht. Er verwendet eine provisorische Zickzackschrift, aus der später der Morse-Code wird. Dieser besteht aus drei Symbolen - kurzes Signal, langes Signal, Pause - und kann akustisch wie optisch versandt werden. 1909 wurde erstma...

ndPlusEckart Roloff

Norwegens Grunnloven

Gerade erst war das Land von der einen Abhängigkeit in die nächste geraten. Und doch gab es sich eine Verfassung, die bis heute als ein weltweit vorbildliches Grundgesetz gilt - obwohl es zeittypische Verbote enthielt, die indes nicht mehr gelten. So durften Juden und Jesuiten das Land nicht betreten. Die Rede ist von Norwegen und seinem Grundgesetz, dem Grunnloven, verabschiedet 135 Jahr...

ndPlusEckart Roloff

Norwegens Grunnloven

Gerade erst war das Land von der einen Abhängigkeit in die nächste geraten. Und doch gab es sich eine Verfassung, die bis heute als ein weltweit vorbildliches Grundgesetz gilt - obwohl es zeittypische Verbote enthielt, die indes nicht mehr gelten. So durften Juden und Jesuiten das Land nicht betreten. Die Rede ist von Norwegen und seinem Grundgesetz, dem Grunnloven, verabschiedet 135 Jahr...

Karlen Vesper

Querelen, die Lenin und Trotzki voraussahen

Eines Tages werden, nach dem Muster der Vereinigten Staaten von Amerika, die Vereinigten Staaten von Europa gegründet werden«, soll Georg Washington gesagt haben. Heute in Washington Regierenden scheint es gar nicht so recht, was aus der Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelten Paneuropäischen Idee entstand, freilich erst nach dem Zweiten Weltkrieg und über ein halbes Säkulum begrenzt auf den W...

Karlen Vesper

Querelen, die Lenin und Trotzki voraussahen

Eines Tages werden die Vereinigten Staaten von Europa gegründet werden«, soll Georg Washington gesagt haben. Heute in Washington Regierenden scheint es gar nicht so recht, was aus der Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelten Paneuropäischen Idee entstand.

Werner Micke

Jawohl, das ist verboten!

Im Frühjahr 1964 fuhr ich, damals Redakteur der »Berliner Zeitung«, mit dem Vorsitzenden des Komitees für Touristik und Wandern der DDR, Gerhard Mendl, nach Bonn. Wir waren Mitglieder des Festkomitees für das Deutschlandtreffen der Jugend, das zu Pfingsten in Berlin stattfinden sollte. Anlass der Reise war der öffentlich gemachte Vorschlag des Westberliner Bürgermeisters Pfarrer Heinrich Albert...

ndPlusWerner Micke

Jawohl, das ist verboten!

Im Frühjahr 1964 fuhr ich, damals Redakteur der »Berliner Zeitung«, mit dem Vorsitzenden des Komitees für Touristik und Wandern der DDR, Gerhard Mendl, nach Bonn. Wir waren Mitglieder des Festkomitees für das Deutschlandtreffen der Jugend, das zu Pfingsten in Berlin stattfinden sollte. Anlass der Reise war der öffentlich gemachte Vorschlag des Westberliner Bürgermeisters Pfarrer Heinrich Albert...

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ndPlusIris Rapoport , Boston und Berlin

Wenn das richtige Eiweiß fehlt

Jeder kennt aus Berichten über Dürrekatastrophen die Bilder hungernder Kinder mit gedunsenen Bäuchen. Die Ursache ist schon nicht mehr jedem geläufig - es ist nicht Hunger an sich, sondern ganz konkret Mangel an Nahrungseiweiß. Warum führt gerade das zu Hungerbäuchen? Die Bausteine der Eiweiße, die Aminosäuren, dienen weniger der Energiegewinnung als viel mehr der Bildung von Körpereiweiß...

ndPlusBurkhard Ilschner

»Blaues Wachstum« mit wenig grün

Eine Lobbyistin brachte es auf den Punkt: Das »blaue Kapital« sei das am weitesten verbreitete Kapital der Welt. »Innovation driving Blue Growth« lautete das Motto des »Europäischen Tags der Meere« Anfang dieser Woche in Bremen. Der EU-Kongress war ausgerichtet auf Meeresnutzung, Nachhaltigkeit und Ökologie spielten lediglich am Rande eine Rolle. Wenn schon mal einer fragte, ob nicht indu...

Knut Henkel

Sorgen um die Essenz des Lebens

Bis zu 465 Euro kostet die Tonne »Triple Superphosphat 45% P2O5« den Bauern Anfang Mai laut »Agrarmarkt NRW«. »Ist das nicht zu wenig«, fragt die Britin Andrea Sella, Chemikerin am University College London (UCL) provokant. Sie plädiert ebenso wie eine ganze Reihe ihrer Berufskollegen für einen rationelleren und vorsichtigeren Umgang mit der vielleicht wichtigsten Ressource der Menschheit - dem...

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Pest - noch immer eine Gefahr

Im Lateinischen bedeutet »pestis« so viel wie Seuche oder Verderben. Tatsächlich gab es in der Geschichte kaum eine andere Infektionskrankheit, die unter den Menschen so viel Angst verbreitete wie die Pest. Heute unterscheidet man drei charakteristische Verlaufsformen der Erkrankung, die alle durch das Bakterium Yersinia pestis ausgelöst werden: Beulenpest, Lungenpest, Pestsepsis. Die mit...

ndPlusMartin Koch

Schwarzer Tod und Renaissance

Über kaum ein anderes Ereignis der spätmittelalterlichen Geschichte ist so viel geschrieben und spekuliert worden wie über die Große Pest, die zwischen 1347 und 1352 in Europa wütete. Denn die Seuche breitete sich hier viel rascher aus, als dies bei späteren Pestepidemien in wärmeren Regionen der Fall war. Dabei herrschten zum Beispiel im Indien des 19. Jahrhunderts nicht nur bessere natürliche...

Seite 30
Wie hat es Ihnen gefallen?

Wie hat es Ihnen gefallen?

»Ich wollte schon im vergangenen Jahr bei der Abschlussveranstaltung teilnehmen, leider war der Saal schon ausgebucht, als ich mich anmelden wollte«, sagt Ilona Richter. »Diesmal hat es geklappt. Ich bin mit hohen Erwartungen gekommen, schließlich hatte ich vorher das Buch «Reise ins Leben» mit den schönsten Geschichten der elf vorangegangenen Geschichtenwettbewerbe gelesen. Nächstes Jahr bin i...

ndPlusHeidi Diehl

Drei Neulinge machen das Rennen

Wie jedes Jahr lauschten mehr als 120 Leserinnen und Leser erwartungsvoll den beiden Prominenten, die die zehn von der Jury ausgewählten Geschichten vorlasen. Es hatte sich, so das Resumee, wieder einmal gelohnt.

Seite 31
ndPlusDanuta Schmidt

Kamelien-Damen aus Galizien

Nirgendwo ist Spanien so grün wie in Galizien. Durchschnittliche 22 Grad machen die Botanik extrem artenreich. Dazu fällt, anders als in anderen Regionen Spaniens, viel Regen. »Wir Galizier fühlen uns den Engländern und Schotten näher als den Spaniern, unseren Landsleuten. Wir spielen hier auch den Dudelsack. Der Dudelsack, der bei uns in Galizien höher klingt, kam von uns nach Schottland«, erz...

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Ralf Hutter

Für das Seelenheil der Reichen

Es war für mich wie ein Sechser im Lotto, dass ich hier rein durfte.« Die Augsburgerin Brigitte Hahn ist sehr froh über ihr Lebensumfeld. Im sechsten Jahr wohnt die 70-Jährige nun in der Fuggerei, der angeblich ältesten Siedlung der Welt für Bedürftige. Vor fast 500 Jahren stiftete Jakob Fugger (1459-1525), der wohl berühmteste der berühmten Augsburger Kaufleute dieses Namens, diese Wohnstatt f...