Seite 1
ndPlus

UNTEN LINKS

Im Supermarkt säuselte früher sogenannte Muzak, während man mit dem Einkaufswagen durch die tristen neonerleuchteten Gänge trottete, funktionale Musik, deren Zweck darin bestand, den Verstand lahmzulegen, zumindest für die Dauer der wichtigsten Verrichtung, für die man auf der Welt ist: den Einkauf. Wer nicht einkauft, schafft kein Wirtschaftswachstum, sein Leben ist sinnlos. Heute ertönt schmi...

Katja Herzberg

Einig im Irrtum

Fast alle wollten ihn, nun bekommen sie ihn auch: Jean-Claude Juncker wird neuer EU-Kommissionspräsident. Die Staats- und Regierungschefs haben ihn zu ihrem Kandidaten bestimmt. Das Parlament hatte sich bereits vor Wochen auf ihn festgelegt und seine Nominierung gefordert. Juncker braucht nun nur noch bei der Wahl am 16. Juli im Parlament zu erscheinen. Lediglich David Cameron, Viktor Orbán, ei...

72 Stunden mehr Waffenruhe für die Ostukraine

Kiew. Die Verlängerung der Waffenruhe um 72 Stunden bis zum 30. Juni habe der ukrainische Präsident Petro Poroschenko während seines Besuches in Brüssel zugesagt, berichtete am Freitag die Agentur UNIAN unter Berufung auf EU-Diplomaten. Diese Maßnahme würde der russischen Seite die Möglichkeit geben, Waffenlieferungen an die Milizen im abtrünnigen Osten des Landes zu stoppen und Geiseln frei zu...

ndPlus

Angriff auf das Streikrecht

Die Vereinigung Cockpit, der Deutsche Journalisten-Verband und Linksparteichef Bernd Riexingersind hell empört; Die Bundesregierung macht offenbar mit Plänen zu einer gesetzlichen Regelung der Tarifeinheit ernst.

ndPlusRené Heilig

Verfassungsschutz lässt EFI aufs Internet los

Trotz der Besorgnisse und Proteste ob der NSA-Spionage-
praktiken bauen die deutschen Dienste ihre elektronischen Ausspähfähigkeiten aus. Der Verfassungsschutz installiert EFI.

Seite 2
ndPlusKurt Stenger

Bestattung der Energiewende

Die Große Koalition feiert die Verabschiedung der EEG-Reform als ihren bislang wichtigsten Erfolg. Doch mit diesem Mammutwerk wird der Klimaschutz in Deutschland endgültig abgewürgt. Das EEG war vor 14 Jahren als zentrales Förderinstrument eines stetigen Ausbaus der erneuerbaren Energien geschaffen worden - nach diversen Novellen ist es mehr ein komplexer Subventionsmechanismus, um für große Be...

ndPlusSimon Poelchau

Realitätsanpassungsprogramm

Da haben die Grünen wieder etwas aufgedeckt: Eine Anfrage ihrer Bundestagsfraktion ergab, dass Arbeitnehmer nun doch abschlagsfrei in Rente gehen könnten, wenn sie sich mit 61 arbeitslos melden und dazu noch einen Minijob annehmen würden. Doch ist das wirklich schlimm? In der Tat hat Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) einen kleinen Sieg gegenüber dem Wirtschaftsflügel der Union errunge...

Olaf Standke

Die Kriegskasse des Pentagon

500 Millionen Dollar für die Anti-Assad-Kräfte: Dieser Antrag des Weißen Hauses an den Kongress machte am Freitag Schlagzeilen. Nachdem man drei Jahre lang mit dem Vorwurf leben musste, dem syrischen Bürgerkrieg nur untätig zuzuschauen, will die Obama-Regierung nun die »gemäßigte« Opposition kampffähiger machen - um deren militärische Führung gerade ein heftiger Machtkampf ausgebrochen ist. Das...

Jürgen Amendt

Die Moderatorin

Es gibt derzeit eine Reihe von Konflikten in der Weltpolitik, zu deren Lösung viel diplomatisches Geschickt von Nöten ist. Der Bruderkampf Russland gegen Ukraine zum Beispiel, die Krise in der EU, der Nahost-Konflikt sowieso. Man möchte nicht in der Haut jener Politiker stecken, die stets zwischen den Fronten stehen und unvereinbare Positionen vermitteln müssen. So wie Monika Herrmann, gr...

Kathrin Zinkant

Alle lieben Maja

Wenn man Karel Gott heute sieht, möchte man über das Altwerden und Kinderkriegen mit 70 sinnieren. Es fällt einem dann aber doch wieder das Lied ein, das mit »diese Biene, die ich meine«. Sie heißt Maja. Eine Kindheitserinnerung. Keine ganz unschuldige, wie man später erfuhr, das ursprüngliche Märchen von Waldemar Bonsels hatte nationalistische und rassistische Tendenzen, aber die Verdrängung s...

Seite 3
ndPlus

Cameron und Juncker

Le Monde, Frankreich Mann des Kompromisses Jean-Claude Juncker verdient weder Hass noch erhitzte Debatten um seine Person. Dieser Veteran des Aufbaus Europas und der Gemeinschaftswährung hat sich einen Ruf als Mann des Kompromisses aufgebaut. Er hat es zu seiner Spezialität entwickelt, vor und während der Eurokrise als Puffer zwischen Frankreich und Deutschland zu wirken. Die Hetzparolen...

Herr Gauck, der Krieg und die Debatte

Die meisten Kommentatoren sind sich einig, dass der Bundespräsident mit seiner Anmerkung zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr eine »notwendige Debatte angestoßen« hat. Eine Debatte stößt man an, wenn man eine vorhandene Situation ändern, zu einer früheren zurückkehren oder über sie hinaus will. Dem Bundespräsidenten geht es zweifellos um Letztgenanntes: Er will bereits gemachten Schritten weitere hinzufügen.

Seite 4
Vincent Körner

Zwei Klassen von Gewerkschaften

Die Eckpunkte der Bundesregierung für eine gesetzliche Regelung der Tarifeinheit stehen schwer in der Kritik: als fundamentaler Angriff auf das Streikrecht und das Grundgesetz.

Wir sind Menschen, keine Außerirdischen

Der Widerstand gegen die Razzien im Stonewall Inn in New York vor 45 Jahren gilt als Wendepunkt im Kampf der Lesben- und Schwulenbewegung für Gleichberechtigung. Ein Queer-Aktivist zieht Bilanz.

Seite 5

Konflikt um Mindestlohn geschlichtet

Berlin. Union und SPD haben sich auf Änderungen am Mindestlohn-Gesetzentwurf von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) verständigt. Diese betreffen die Saisonarbeit, die Zeitungszustellung sowie die Ausgestaltung der Regeln für Praktikanten, teilten die arbeitsmarktpolitischen Sprecher Karl Schiewerling (CDU), Katja Mast (SPD) und Stephan Stracke (CSU) am Freitag mit. Nach Informati...

ndPlusHans-Gerd Öfinger

Kein Handschlag für NPD-Stadträte

Mit ihrer Weigerung, drei frisch gewählten NPD-Stadtratsmitgliedern die Hand zu reichen, hat die Eisenacher Oberbürgermeisterin Katja Wolf (LINKE) über die Stadtgrenzen hinaus für Aufsehen gesorgt.

Thomas Klatt

Der Politik ins Wort fallen

In einem Offenen Brief machen einstige Pfarrer aus der DDR ihr Unbehagen über Äußerungen von Bundespräsident Joachim Gauck deutlich. Der Brief bleibt intern, vielleicht erscheint er am Montag.

Seite 6
ndPlus

Schiiten und Sunniten

Zum Islam bekennen sich weltweit etwa 1,3 Milliarden Menschen. Sie sind in Sekten gespalten, deren absolut größte mit 90 Prozent die Sunniten sind. Die Aufspaltung in Sekten vollzog sich nach dem Tod von Religionsstifter (Prophet) Mohammed (um 570 - 632) und den Kämpfen um seine Nachfolge. Die Sunniten entlehnen ihre Bezeichnung der Sunna, einer Sammlung von Mohammed autorisierter Gebote für al...

Sistani will schnell neue Regierung

Kerbela. Der höchste schiitische Geistliche in Irak, Großayatollah Ali al-Sistani, hat die politischen Kräfte des Landes aufgerufen, sich schnell auf eine neue Staatsführung zu einigen. Bis zur ersten Sitzung des neu gewählten Parlaments am Dienstag müssten die Parteien über die Besetzung der wichtigsten Posten eine Einigung erzielen, ließ Sistani in seiner Freitagspredigt in der Stadt Ke...

Roland Etzel

»Die USA sind ein Besatzerstaat«

Der schiitischen Regierung Iraks steht das Wasser im Kampf gegen die ISIS-Sunniten bis zum Hals. Ein Glaubenskrieg ist es dennoch nicht.

ndPlusKlaus Joachim Herrmann

»Ode an die Freude« auf dem Maidan

Auf dem Kiewer Maidan erklang die »Ode an die Freude«. Rund 1000 Menschen feierten hier die EU-Assoziation der Ukraine als Sieg.

Seite 7
Gabriel Rath, London

Untergang mit fliegenden Fahnen

Der britische Premierminister ist nach der Bestellung von Jean-Claude Juncker zum neuen EU-Kommissionschef schwer beschädigt. Auch innenpolitisch kommt David Cameron unter Druck.

Seite 8

Argentinien droht erneut Staatspleite

Buenos Aires. Im Schuldenstreit mit US-Hedgefonds droht Argentinien die Pfändung von mehr als einer halben Milliarde Dollar. Dabei geht es um Gelder, mit denen das südamerikanische Land eigentlich Gläubiger bedienen will, die an zwei Umschuldungsprogrammen in den Jahren 2005 und 2010 teilgenommen hatten. 539 Millionen Dollar davon wurden am Donnerstag bei zwei US-Banken deponiert. US-Rich...

ndPlusKnut Henkel

Regionalisierer auf der neoliberalen Überholspur

Mit Zollabbau, Börsenfusionen und neuen Mitgliedern will die Pazifik-Allianz punkten. Doch die Schaffung eines Wirtschaftsraumes im Westen Lateinamerikas trifft zunehmend auf Widerstand.

Hermannus Pfeiffer

Das teure Verletzungsrisiko

Die deutschen Kicker haben den höchsten Versicherungswert aller WM-Teams. Achtelfinalgegner Algerien ist ein Finanzzwerg. Aber Geld entscheidet nicht immer alles, so die Wirtschaftsforscher vom DIW-Berlin.

Seite 9

Baukultur

Zum Tag der Architektur an diesem Wochenende, dem 28. und 29. Juni, geben Architekten bundesweit einen Einblick in die zeitgenössische Baukultur. Sie führen durch interessante Objekte, öffnen ihre Büros und stellen sich Fragen und Meinungen von Besuchern. Die Architektenkammern der Länder, die den Tag zum Teil schon seit 20 Jahren veranstalten, rechnen mit etwa 150 000 Besuchern. Ein Schw...

Die Leiden des Künstlers

Die Kunstsammlungen Chemnitz präsentieren vom 23. November bis 22. Februar eine Sonderausstellung mit Werken des US-amerikanischen Künstlers Andy Warhol. Die Schau »Andy Warhol - Death and Disaster« (»Tod und Katastrophe«) zeige viele internationale Leihgaben, teilten die Kunstsammlungen am Freitag mit. Es sei die erste Präsentation dieser Werkgruppe in Europa. Warhol gilt als einer der w...

ndPlus

Historische Kekse

Ein Kunstwerk entsteht im Backofen: Mit einem Denkmal aus rund 18 000 Keksen will der Neuseeländer Kingsley Baird in Dresden an die Toten des Ersten Weltkriegs erinnern. Ab 12. Juli ist die Arbeit Bairds mit dem Namen »Stela« im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden zu sehen. Die essbaren Bausteine sind aus einem Teig geformt, aus dem schon die Hartkekse für die Soldaten Ne...

Kirsten Fuchs

Keine Finger nirgendwohin!

Ich möchte nicht Joachim Löw sein. Das Konto voller Piepen, die schönen glänzenden Haare und all das, schön und gut. Auch Ihm wandert manchmal der Finger nasenwärts. Und dieser Druck!

ndPlusHans-Dieter Schütt

Die Papierschlangengrube

War er von einem Kunstwerk befeuert, wurde er schreibend zum tanzenden Stier; war er ergrimmt, wurde er urteilend zum Torero; meist war er beides zugleich, er kannte Liebe und Zorn nur als untrennbar zusammengesetztes Tätigkeitswort. Fritz J. Raddatz. Das eben Gesagte möge mein unanfechtbares Bedürfnis beurkunden: Der Mann ist zu preisen. Raddatz, geboren 1932, jahrelang Feuilletonchef de...

Seite 10

Kritische Aufführung

Eine geplante Aufführung des religions- und konsumkritischen Stücks »Gólgota Picnic« sorgt in Polen für Aufregung. Mehr als 100 Menschen versuchten am Donnerstagabend in Warschau, eine szenische Lesung zu verhindern. Einige beteten Psalmen, andere versuchten, Besucher vom Theatereingang abzudrängen. Das Stück von Regisseur Rodrigo García zeigt unter anderem ein bizarres letztes Abendmahl ...

Emigrierter Dirigent

Der Dirigent und langjährige künstlerische Leiter der New York City Opera, Julius Rudel, ist tot. Der gebürtige Österreicher starb am Donnerstag im Alter von 93 Jahren in seinem Haus in Manhattan, wie die »New York Times« unter Berufung auf Rudels Sohn Anthony berichtete. Rudel stand von 1957 bis 1979 an der Spitze der renommierten New York City Opera. Im vergangenen Oktober ging sie, run...

UNESCO unterstützt

Nach 20 Jahren Unterbrechung will die Weltkulturorganisation Unesco Myanmar beim Schutz der weltberühmten Tempelanlagen von Bagan helfen. Experten wollen zunächst eine neue Inventur der rund 3000 Bauten aus dem 9. bis 14. Jahrhundert unterstützen, teilte die Organisation mit. Es soll auch ein Managementplan zum Erhalt der Bauten entstehen - eine der Voraussetzungen für eine Aufnahme der Tempela...

Rettet die Bücher

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat angesichts der Freihandelsgespräche mit den USA den Erhalt der Buchpreisbindung gefordert. Anlässlich einer Veranstaltung zum 50-jährigen Bestehen des Wagenbach Verlags am Freitagabend in Berlin erklärte sie, Bücher müssten auch künftig anders behandelt werden als bloße Handelsobjekte; sie dürften sich nicht dem Geschmack der Masse unterwerfen. ...

ndPlusMonika Knoche

Akten unter Verschluss

Blut aus DDR-Gefängnissen gegen Devisen - »für den Klassenfeind«: eine Enthüllungsstory, die Anfang des Jahres durch die Medien ging. Das müsse »schonungslos aufgeklärt werden«, verlautbarte der Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde Roland Jahn. Dass die DDR alles verkaufte, was sich irgendwie in harte Währung wandeln ließ, ist indes viel weniger ein Geheimnis als das, was mit besagten Blutkonserve...

Endlich mal raus aus den Sandalen

Christian Stückl ist seit 2002 Intendant am Münchner Volkstheater. Er wirkte als Gastregisseur unter anderem in Wien, Salzburg, Bonn und Mysore (Indien). Mit dem Regisseur sprach Ingolf Bossenz.

Seite 11
Jirka Grahl, Blumenau

»Hier tun alle reden wie ich«

Während in der alten Heimat das Schland-Fieber grassiert, lassen es die Blumenauer gesittet angehen. Doch auch die brasilianischen Nachfahren deutscher Auswanderer drücken Deutschland die Daumen.

Seite 12
ndPlusAlexander Ludewig

Zwielichtgestalt

Ein schwerer Fall von Majestätsbeleidigung! Die FIFA hat am Freitag die Sperre von 90 Tagen gegen Franz Beckenbauer aufgehoben. Und was macht der Kaiser? Er schmollt. Nun will er nicht mehr zum Turnier in Brasilien.

ndPlusAlexander Ludewig

Karibik-Karin

»Pura Vida!« Ja, Karen ist das pure Leben - von seiner schönsten Seite. Sie ist laut und lebendig, lacht viel, tanzt gern und gut. Ihre Freude ist ansteckend. Und sie mag Fußball. Nein, noch besser: »Ich liebe Fußball«, gestand sie mir am Donnerstag, als wir zusammen mit 50 Freunden das Spiel der DFB-Elf gegen die USA schauten. Karen heißt im Freundeskreis Karibik-Karin. Sie kommt aus Cos...

Maik Rosner, Teresópolis

Furcht gegen Albtraum

Bloß nicht Chile, das war die Ansage der Seleção. Brasilien und Chile wollten ein gemeinsames Achtelfinale unbedingt vermeiden - nun dürften vor allem die Nerven dieses Spiel der Angstgegner entscheiden.

Seite 13

Einbruch in Heilmanns Büro

In das verschlossene Büro von Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) ist eingebrochen worden. Der Einbruch sei am Freitagmorgen bemerkt worden, sagte Justizsprecherin Claudia Engfeld. Ob Akten und Dokumente gestohlen wurden, sagte sie nicht. »Das darf ich aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen.« Der Eingang zum Chefbüro in der Justizverwaltung ist besonders gesichert. Ob es im Büro auch Ver...

ndPlusAndreas Fritsche

Regierende LINKE verliert

Die LINKE darf erst mitregieren, wenn die anderen abgewirtschaftet haben. Dann muss sie sparen, sparen und nochmals sparen. Dann verprellt damit ihre Anhänger. Ein Naturgesetz? Für Brandenburg galt das nicht.

ndPlus

Externe Prüfer sollen BER kontrollieren

Flughafenchef Hartmut Mehdorn, muss sich künftig von externen Gutachtern auf die Finger blicken lassen. Sie sollen die Abläufe der Flughafengesellschaft unter die Lupe nehmen und im Oktober erste Ergebnisse vorlegen. Nach Kritik des Bundesrechnungshofs an Mehdorns Informationsverhalten und einer Korruptionsaffäre kündigten die Flughafen-Eigentümer Bund, Berlin und Brandenburg die Überprüfung am...

Christin Odoj

Humboldt will endlich Abitur machen

Die Gemeinschaftsschule war ein Herzensprojekt der Linken. Das Experiment scheint geglückt. Aber nicht allen wird der Ausbau von Strukturen leicht gemacht.

Seite 14

Privatschulen trotz Kürzung

Potsdam. In der letzten Landtagssitzung vor der Wahl am 14. September lieferten sich Regierung und Opposition am Freitag eine Redeschlacht über die Bildungspolitik. Die Fraktionschefs Andreas Büttner (FDP) und Michael Schierack (CDU) beklagten Kürzungen bei den Privatschulen. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erklärte, die Grundversorgung mit staatlichen Schulen genieße Priorität. Justizmi...

ndPlus

Denkmal mit Waldmöpsen

Brandenburg/Havel. Loriots Geburtsstadt Brandenburg an der Havel bekommt ein Waldmopszentrum. Mit dieser Idee setzte sich die 23 Jahre alte Studentin Clara Walter im Gestaltungswettbewerb für ein Loriot-Denkmal durch, wie der Kulturverein Brandenburg an der Havel mitteilte. Von Vicco von Bülow (1923-2011) alias Loriot stammt der Satz: »Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.« Zum g...

Wilfried Neiße

Innerer Abschied von Demokratie

Die LINKE soll sich zur ihrer Verantwortung für die SED-Politik bekennen, fordert die CDU - der selbst die größten Defizite bei der Aufarbeitung ihrer DDR-Vergangenheit bescheinigt werden.

Nationales Symbol für Vielerlei
Guido Speckmann

Nationales Symbol für Vielerlei

Der Mauerfall jährt sich zum 25. Mal. Wo ist er sichtbar, wo verschwinden die Spuren der Grenze - in und um Berlin? In neun Teilen rund um typische und untypische Bilder und Orte suchen wir nach Antworten.

Seite 15

Dem bösen Leser auf der Spur

Ein Leser ärgert sich über die Gemeindeverwaltung und schreibt dazu im Online-Forum seiner Zeitung. Das wird ein Fall für die Justiz. Die schickt Ermittler zu dem Medienhaus - geschehen in Darmstadt.

ndPlusAlice Bachmann, Bremen

Wie elitär sind Bremens Privatschulen?

Die Hansestadt Bremen hat keine Bannmeile vor dem Sitz des Landesparlaments, der Bürgerschaft, so dass letzte Woche mehrere Tausend Menschen dort lautstark demonstrieren konnten, während drinnen die Abgeordneten heftig und lange diskutierten. Um schließlich doch das umstrittene Privatschulgesetz zu beschließen. Wie in Bremen üblich, waren Kürzungen der Zuschüsse der Hauptstreitpunkt. Und wie vi...

Jens Albes, Mainz

Zwangsfusionen und Kreisgrenzen

Acht Zwangsfusionen von Gemeinden treten in Rheinland-Pfalz zum 1. Juli in Kraft. Doch nun will die rot-grüne Landesregierung auch Kreisgrenzen ändern. Das könnte für neue Proteste sorgen.

Seite 16
ndPlus

Warnstreik im Münchner Nahverkehr

München. Die Fahrgäste von U-Bahnen, Bussen und Trambahnen in München sind am Freitag von Beeinträchtigungen durch den Warnstreik im kommunalen Nahverkehr verschont geblieben. Anders als am Vortag in Nürnberg und Augsburg hatten die Aktionen keine Auswirkungen auf den Fahrbetrieb. Alle Bahnen und Busse in der bayerischen Landeshauptstadt waren im Einsatz, wie die Münchner Verkehrsgesellschaft (...

Hans John

Fasten und Feste

Am Stand der Mondsichel orientiert sich der islamische Kalender. So beginnt die diesjährige Fastenzeit, der Monat Ramadan, am 29. Juni und endet am 30. Juli mit dem großen Freudenfest Eid-el-Fitr. Ausgenommen Jugendliche bis 18 Jahre und Reisende, verzichtet der gläubige Muslim in dieser Zeit von annährend Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf die Aufnahme von Speisen und Getränken und meidet e...

Katrin Kasper, Tübingen

Gemeinsam alleinerziehend

Allein ein Kind erziehen: ein schwerer Job. Um die Dreifachbelastung aus Beruf, Betreuung und Haushalt besser auszuhalten, ziehen manche Alleinerziehende in eine WG mit hilfsbereiten Mitbewohnern.

Hendrik Lasch, Leipzig

Tippen wie ein Arbeiterführer

Auf der Schreibmaschine des KPD-Mitbegründers Karl Liebknecht soll bald jeder Interessierte tippen können - virtuell: Das Leipziger Museumsstück kommt ins Internet.

Seite 17
ndPlusTom Strohschneider

Sieben Tage, sieben Nächte

Tom Strohschneider hat Grund zur Klage: Man hat ihm am Montag das Fahrrad geklaut. Das passiert in Berlin jährlich rund 26 500 Mal. Hierzulande gibt es 71 Mio. davon, fast jeder hat eines. Warum also diese Diebstähle?

Seite 18
Das Dorf und das Gemetzel
ndPlusRené Heilig

Das Dorf und das Gemetzel

Im Ersten Weltkrieg wurden 17 Millionen Menschen umgebracht. Aus dem kleinen Thüringer Ort Dietzhausen bei Suhl waren 172 Männer ins »Feld« geschickt worden. 22 kamen nicht wieder. Eine Ausstellung erinnert an sie.

»... doch nur ein willenloses Werkzeug.«

1915 1. Juli: Transport kommandiert nach Russland. 5. Juli: Einkleiden. Besuch von Waldemar, meinem Bruder in Darmstadt. Wir sprachen über Erbschaftsangelegenheiten 6. Juli: Früh ½ 8 Uhr ausrücken ins Feld mit Musik. 9. Juli: Abfahrt von Darmstadt. In Hanau bekamen wir Kaffee. In Fulda wurde uns Himbeerlimonade verabreicht. In Bebra gab's Mittagessen Bohnen mit Fleisch. ...

Seite 19
ndPlus

Geschichte auf 9 x 12 Glasnegativen

Der Mann mit dem Schnauzer auf dem Foto ist Fritz Kleffel. Er muss ein Fotografie-Talent gewesen sein. Die Fotos, die Alltag in einer deutschen Feldfliegerabteilung an der Ostfront zeigen, sind technisch zumeist einwandfrei. Gewiss, viele Fotos sind gestellt oder zumindest vorbereitet worden. Das war nicht anders möglich, wenn man mit einer damals noch großen Plattenkamera auf einem Stativ arbe...

Im Osten und auch in Fernost

Seit 1914 lag Deutschlands Angriffsschwerpunkt im Westen. Das nutzten Russlands Truppen. Sie attackierten den deutschen Feind heftig und erfolgreich. Der Kaiser schickte Paul von Hindenburg und Erich von Ludendorff, die trieben eine Offensive voran und wurden seither als Retter des Reiches gefeiert. Am 31. Januar 1915 setzten die Deutschen zum ersten Mal Giftgas im Osten ein. Um die »Scharte« d...

Seite 20

Nachrufe

Stephanie L. Kwolek / 31. 7. 1923 - 18. 6. 2014 In Deutschland, wo Chemieunternehmen ihr Forschungspersonal üblicherweise mit Doktortitel anheuern, wäre ihre Karriere schwer vorstellbar. Doch Stephanie L. Kwolek kam 1946 mit einem Bachelor in Chemie von einem heute zur Carnegie Mellon University in Pittsburgh (US-Bundesstaat Pennsylvania) gehörenden College zum Chemieriesen DuPont. Eigent...

ndPlusMarcus Meier

Der Schatzmeister von NRW

Als Rechtspolitiker ist er ein Linksliberaler, fast frei von jeglichem Law-and-Order-Populismus. Als solcher ist Thomas Kutschaty eher unauffällig. Bundesweit bekannt wurde er als Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen.

Seite 21
ndPlusTobias Riegel

Das Chaos der Anderen

Westliche Medien und Politiker sind im Umsturzfieber - wenn die »Revolutionen« in ganz bestimmten Ländern stattfinden. Verteidiger werden oft genug von ebenso wehrhaften Staaten als »Diktaturen« verunglimpft.

Seite 22
Uwe Stolzmann

Wenn Männer was Verrücktes tun

Warum tust du das?», fragt sie, eine Bekannte aus Zürich, blond und schmal, «warum tust du dir das an?» Es ist der 1. Mai 2014, in zwei Tagen geht «das» los: eine Rallye durch zwölf Länder, drei Wochen, vom Allgäu bis Amman. «Ein Mann muss auch mal was Verrücktes tun», sagst du. 666 Verrückte fahren nach Jordanien, in 333 Schrottkarren, denn das ist Bedingung: Low Budget. Unser Team, Numm...

Seite 23
ndPlusKurt Starke

Sexuelle Grenzüberschreitungen

Eine Tat erscheint so schrecklich wie die andere, ein Täter so verabscheuungswürdig wie der andere. Versuche einer Differenzierung werden schnell und gern als Verharmlosung oder Identifikation mit den Tätern gesehen.

Seite 24
ndPlus

Folge 26: Qualitätsoffensive Lehrerbildung, die; Substantiv, feminin

Mit der »Qualitätsoffensive Lehrerbildung« will das Bundesministerium für Bildung und Forschung den neuen Anforderungen des Lehrerberufs Rechnung tragen. Zum einen bildeten sich durch die Einführung des zweigliedrigen Schulsystems heterogene Lerngruppen und individuelle Lernformen heraus. Zum anderen wurden Schulen mit der Inklusion konfrontiert. Während die klassische Lehrerbildung in Bezug au...

Wachsweicher Kampf um Ressourcen

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) ist eine Meisterin der wachsweichen Diplomatie, wie das Interview mit dem Deutschlandfunk zeigt (siehe »Bildungsrauschen«). Die Bafög-Reform werde kommen, versprach sie, der Frage nach der Höhe des künftigen Bafögs wich sie allerdings aus. Auch bezüglich des Kooperationsverbotes, das dem Bund die direkte Finanzierung von Bildungseinrichtungen untersa...

ndPlus

In Ketten zur Bildungsnation

Im Interview der Woche auf dlf.de bezog Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) vor Wochenfrist Stellung u.a. zur Bologna-Reform, durch die sich das gestufte Studienmodell aus Bachelor- und Master-Abschlüssen in Deutschland etabliert hat. Die Frage nach einer »Verschlankung« des Bachelorstudiums beantwortet sie mit dem Hinweis auf den Fachkräftemangel. Man müsse die Wirtschaft begeistern, ...

Isidor Grim

Ein faules Geschäft

David Robinson, Berater der gewerkschaftlichen Dachorganisation Education International, warnte jüngst auf einer Hochschulkonferenz in Irland vor einer weiteren Privatisierung und Kommerzialisierung des Bildungssektors, sollte das TTIP diesen für amerikanische Bildungskonzerne öffnen. Er wies auf eine amtliche Untersuchung über die unlauteren Praktiken dieser Branche hin, die nun auf der Suche ...

Seite 25
ndPlus

Wochen-Chronik

27. Juni 1914 Die österreichische Regierung eröffnet in Wien ein Büro zur Anwerbung von Söldnern für Albanien. Die Freiwilligen sollen den Einfluss der k.u.k.-Monarchie im Nachbarstaat Serbiens stärken. Bereits am ersten Tag melden sich 2000 Mann. Außer Österreich und Ungarn umfasst das Habsburger Reich Tschechien, die Slowakei, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Kosovo sowie das östliche Ga...

Begrüßung mit Bomben
ndPlusGerd Fesser

Begrüßung mit Bomben

Sarajevo, 28. Juni 1914: Der österreichisch-ungarische Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, stattet der Hauptstadt Bosniens einen Besuch ab. Zuvor hat er als Generalinspekteur der Streitkräfte des Kaiserreichs Österreich-Ungarn, zu dem Bosnien gehört, südlich von Sarajevo an Manövern teilgenommen. An diesem 28. Juni nun fährt er in bester Laune und bei strahlendem Sonnenschein den Appelkai e...

Michael Müller

Kuchen und Kaiserquartett

Nein, meint Lejla Hasic, auffällig mehr Leute als sonst seien hier in diesem Jahr bisher nicht zu sehen gewesen. Nur eben so die üblichen Touristen, von denen ab und an auch jemand bei ihr zu Kaffee und Kuchen hereinkommt. Denn Frau Hasic ist Verkäuferin in einer Bäckerei. Allerdings in einer Bäckerei an historisch exponierter Stelle. Nämlich genau an der Straßenecke des berühmt-berüchtigten At...

Seite 26
ndPlusRalf Streck

Gasspeicher vor spanischer Küste erzeugt Erdbeben

Der größte spanische Baukonzern ACS will auf sein Nutzungsrecht für ein unterirdisches Erdgaslager vor der Mittelmeerküste verzichten, das mit zahlreichen Erdbeben im Jahr 2013 in Verbindung gebracht wird. Das Unternehmen Escal UGS, an dem ACS zu zwei Dritteln beteiligt sei, habe beschlossen, auf das Nutzungsrecht für das Projekt mit dem Namen »Castor« zu verzichten, teilte ACS mit. Die E...

Martin Koch

Altes Gesicht, junges Gehirn

Unter den nächsten Verwandten des Homo sapiens ist er längst zu einem Mythos geworden: der Neandertaler, der vor etwa 130 000 Jahren die Bühne der Evolution betrat und vor rund 30 000 Jahren in vergleichsweise kurzer Zeit ausstarb. Lange hielt man die vor allem in Europa und Vorderasien lebenden Urmenschen für tumbe, keulenschwingende Barbaren, die in Geist und Kultur dem modernen Menschen weit...

Seite 27
ndPlusBoris Hänßler

Die Welt durch die Google-Brille

Sarah Slocum ist Technik-Enthusiastin. In einer Bar, einem Ort, in dem Menschen gelassen über alles reden, testete sie die Wirkung der Google-Brille. Die Reaktionen der Gäste waren durchwachsen. Die Brille provoziert.

Seite 29

Murmelei

Seit Kindertagen kenne ich in meiner Familie Findigkeitsspiele, die besonders aufs Reaktions- und Erinnerungsvermögen abzielen. Eins davon heißt bei uns »Murmelei«. Bis zu 20 Murmeln werden wahllos auf einen Tisch gelegt, und die Mitspieler haben eine Minute lang Zeit, sich deren Lage einzuprägen. Dann müssen sie sich umdrehen, und der Spielleiter verschiebt hinter ihrem Rücken zwei oder drei M...

ndPlusSandro Schott

«Au ja!»

«Lasst uns wie kleine Kinder durch den Raum springen!» ruft einer, «au ja!» brüllen alle und toben mit wedelnden Armen kreischend durch den Neuköllner Probenraum. So beginnt die eine oder andere Stunde eines Kurses für Improvisationstheater des Trainerinnenteams von Frei.geist. Ziel des «Au ja»-Spiels ist es, ja zu sagen, Ideen anzunehmen und mögen sie noch so unerwartet sein - eine der wichtig...

In der letzten Sekunde
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

In der letzten Sekunde

... wurde dieses Jahr das Finale vom »Magistral Ciudad de León« entschieden. Das renommierte Turnier kombiniert Schnellschach und Knock-Out-System. Vier Großmeister waren angetreten: Francisco Vallejo Pons (Spanien; 31), Yi Wei (China; 15), Hou Yifan (China; 20) und Ivan Salgado (Spanien; 23). Pons und der erst fünfzehnjährige Wei haben das Finale erreicht. Jeder Spieler verfügte über 20 Minute...

Gemeinsam stark

Brian Yu, Autor von »Geister, Geister, Schatzsuchmeister!«, hat inzwischen mehr als 40 Spiele entwickelt. Zum Spielen kam der 37-Jährige über seinen älteren Bruder Dale. nd-Autor Udo Bartsch traf sich mit ihm zum Interview.

Seite 30
Ekkehart Eichler

Bobby Brown am Pferdezaun

Am Rande des Doberaner Alexandrinenplatzes steht eine kleine Büste. Ein Mann mit markanter Hakennase im hageren Gesicht. Mit wirrem, zum Pferdeschwanz gebundenen Strubbelschopf. Mit spöttischem Blick und ironischem Lächeln um den vom Zwirbelbart gerahmten Mund. Manchmal stecken ihm Witzbolde eine brennende Zigarette zwischen die Lippen. Das hätte ihm gefallen - er hat zeitlebens geraucht wie ei...

Seite 31
ndPlusBeate Schümann

Leve-leve - immer mit der Ruhe

Es gibt Landstriche, von denen die Welt wenig weiß. Weil sie einfach zu winzig sind. Oder weil sie aus der Zeit gefallen sind. Fährt man mit dem Finger auf der Landkarte am Äquator entlang, muss man kurz vor der Küste Westafrikas Halt machen. Dann findet man in der Bucht von Guinea so einen - die Inselrepublik São Tomé und Príncipe. Príncipe ist noch siebenmal kleiner als die Hauptinsel S...

Seite 32
Gemeinsam auf Streife
Christina Matte

Gemeinsam auf Streife

Die Gubener reden nicht schlecht über ihre Nachbarn jenseits der Neiße. Aber auch nicht gut. Die Stimmung kann jederzeit kippen. Guben ist eine deutsch-polnische Grenzstadt, mit den üblichen Problemen und Vorurteilen.

Das Blättchen Heft 19/17
nd-Kiosk-Finder