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UNTEN LINKS

»Guten Morgen, Herr Walser. Was hat Ihren letzten Roman so schwerfällig gemacht?« - »Das ist mir völlig wurscht. Der Grass, der Lenz und ich sind unter den letzten 16 international bekannten Literaturgreisen! Und das zählt.« - »Aber dass Sie sich noch steigern müssen beim Romanschreiben, dürfte auch Ihnen klar sein, oder?« - »Was wollen Sie jetzt von mir? Was wollen Sie, so kurz nachdem ich meh...

ndPlusAert van Riel

Vision in Rot

Kurz vor den Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen wirbt die Linkspartei intensiv für Bündnisse mit der SPD. Den Wählern soll gezeigt werden, dass die LINKE künftig in den ostdeutschen Ländern gestalten will.

Aert van Riel

Linkspartei umwirbt die SPD im Osten

Die LINKE will bald in drei ostdeutschen Ländern gemeinsam mit der SPD regieren. Die Sozialdemokraten reagieren noch zurückhaltend auf die Offerten.

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Grit Gernhardt

Realitätsverlust

Was haben sie gegreint, die Arbeitgeber, konservativen Politiker und neoliberalen Ökonomen: ein Mindestlohn in Deutschland? Nie wieder Aufschwung und Exportweltmeister! Doch immer klarer wird, dass die beschlossene Lohnuntergrenze keins der düsteren Szenarien wahr werden lässt, die an die Wand gemalt wurden. Massenentlassungen? Internationale Studien finden keinen Zusammenhang mit einem Mindest...

ndPlusRoland Etzel

Kurs auf den nächsten Gaza-Krieg

Vom Mord an Jugendlichen bis zum nächsten nahöstlichen Waffengang ist es nicht mehr weit. Es wäre ein arg kurzer und folgenschwerer Weg. Nicht allein weil Krieg fast immer die schlechteste und opferreichste aller Handlungsmöglichkeiten bedeutet. Sie wäre es, weil hier besonders von israelischer Seite eine Mordtat, zu alledem eine unaufgeklärte, zum Anlass für Eskalation genommen wird. Sch...

Kurt Stenger

Recht hatten die Warner

Als das umlagefinanzierte Rentensystem mit den Reformen der Jahre 2000 bis 2002 durch staatlich geförderten Aufbau eines Kapitalstocks teilweise ersetzt wurde, waren es vor allem linke Ökonomen, die entgegen dem damaligen Zeitgeist warnten: Dies mache die Altersvorsorge instabiler, denn sie werde den Schwankungen an den Finanzmärkten ausgesetzt. Zwar dachten die Kritiker damals eher an die Gefa...

ndPlusKatja Herzberg

Debattierfreudig

Von Problemen, gar einer »diplomatischen Krise« mit Deutschland will Federica Mogherini am Ende dieser Woche nichts wissen. Es gebe lediglich eine politische Diskussion auch mit anderen EU-Ländern über die Auslegung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes, so die italienische Außenministerin. Einige Medien witterten mit der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft durch Italien den Ausbruch von Konfli...

Kathrin Zinkant

Denken? Nicht zum Aushalten!

Der Wahnsinn lässt sich auf eine einfache Formel bringen. Im Jiddischen ist sie schon lange verankert - als »mishegas«, die milde Verrücktheit, die so ziemlich jedem Menschen innewohnt und die sich vom echt verrückten »meshugah« unterscheidet. Der Wahnsinn also ist normal. Und wann hätte man das je deutlicher vor Augen geführt bekommen als jetzt? Ehemalige Entwicklungsminister gehen in die Waff...

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ndPlusHubert Weiger

Mehr Geld für eine fragwürdige Betonpolitik

Demnächst wird Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) vermutlich sein Konzept zur Einführung einer Pkw-Maut vorstellen, die vor allem ausländische Kraftfahrer belasten soll. Zwar pocht die EU-Kommission auf die Gleichbehandlung aller EU-Bürger, und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will das Thema angeblich bis nach den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg vertagen. Trotzdem...

Festnahme Sarkozys

Libération, Frankreich Kein Opfer roter Richter In all den Jahrzehnten, in denen Skandale das öffentliche Leben prägten, stimmten Rechte wie Linke immer die gleiche Leier an, die von Machenschaften und Komplott. Nicolas Sarkozy hat offenbar vergessen, dass diese Strategie ins Leere läuft und seinen Vorgängern nur Verdruss eingebracht hat. Daher sang er den gleichen abgenutzten Refrain vo...

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Hans-Gerd Öfinger

Eine Stadt am finanziellen Abgrund

Die Stadt Gera hat mit vielen Problemen zu kämpfen: Einwohnerschwund, kaum Arbeitsplätze, und für junge Leute ist die Stadt unattraktiv.

ndPlusRené Heilig

Nur Blinddarm der NSA?

Dass ein BND-Mann für US-Kollegen den NSA-Ausschuss bespitzelt, ist nur die Fortsetzung einer wohlgestalteten Kooperation. Hinweise darauf gab es bei der Zeugenbefragung am Donnerstagabend zuhauf.

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Jörg Kronauer

Für Volk, Führer und Vaterland

Der »Pennälertag« des Allgemeinen Pennälerrings soll an diesem Wochenende im Haus der Burschenschaft Gothia stattfinden. Beide Organisationen stehen wegen rechter Kontakte in der Kritik.

ndPlusInes Wallrodt

Entspannungsmaßnahme

Bislang galt ein Kontaktverbot, nun besucht die alte die neue Friedensbewegung. Ob mehr daraus wird als drei Gastreden, ist offen. Einigen Friedensaktivisten geht aber schon das zu weit.

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ISIS-Herrschaft auf Syriens Ölfeldern

Beirut/Washington. Die Kämpfer der sunnitischen Gruppierung Islamischer Staat in Irak und Syrien (ISIS) haben die Kontrolle über alle wichtigen Gas- und Ölfelder in Syrien erlangt. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte vom Freitag verdrängten die Dschihadisten konkurrierende Islamistengruppen und andere Milizen aus der an Irak angrenzenden Ostprovinz Deir Essor. Dort ...

ndPlusUlrich Heyden

Bomben auf das Dorf Staraja Kondraschowka

In dem Dorf am Ostrand der Ukraine gab es keine Stellungen der Separatisten. Sieben Menschen starben, als fünf Fliegerbomben niedergingen. Insgesamt sind bereits mehrere Hundert Zivilisten gestorben.

Marc Engelhardt, Genf

Ebola wütet in Westafrika

In Westafrika sind in den letzten Wochen fast 500 Menschen an Ebola gestorben. Grund für die bislang schwerste Epidemie ihrer Art sind katastrophale Gesundheitssysteme in den betroffenen Ländern.

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Bengt Arvidsson, Stockholm

Assange beantragt Aufhebung des Haftbefehls

In knapp zwei Wochen könnte Julian Assange die ecuadorianische Botschaft in London nach zwei Jahren eventuell verlassen, schreibt die schwedische Zeitung »Expressen«.

ndPlusOliver Eberhardt

Hoffnung auf den jüdischen Ruhetag

In Ostjerusalem hat es am Freitag schwere Ausschreitungen gegeben. Vom Gazastreifen aus wurden erneut Raketen auf Israel abgefeuert. Israels Regierung hält sich bislang zurück.

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Bund will Gas-Fracking einschränken

Berlin. Die Bundesregierung will die Möglichkeiten der umstrittenen Gasfördermethode Fracking in Deutschland einschränken. »Fracking-Vorhaben zur Gasförderung aus Schiefer- und Kohleflözgestein oberhalb von 3000 Metern werden (...) verboten«, heißt es in Eckpunkten von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Umweltministerin Barbara Hendricks (beide SPD), die am Freitag in Berlin bekannt wurden....

ndPlusFabian Lambeck

Umfrage: Spekulation treibt Agrarpreise

Treibt die Spekulation mit Getreide die Preise nach oben? Bislang streitet die Finanzbranche jeden Zusammenhang ab. Doch offenbar sind die Händler an den Börsen ganz anderer Meinung.

Kein Paradigmenwechsel in Sicht

Am Freitag beriet der Bundestag erstmals über die geplante Reform der Pflege. Sozialverbänden geht sie nicht weit genug.

Anne Gonschorek, Kapstadt

Das fliegende Pfefferspray

Die südafrikanische Rüstungsfirma Desert Wolf hat eine Drohne zur Aufstandsbekämpfung entwickelt. Der »Skunk Riot Control Copter« ist mit Pfefferspray, Kameras und Blitzlicht zum Auflösen widerspenstiger Massen ausgerüstet.

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Die Synagoge verschwindet

Der für seine verstörenden Rauminstallationen bekannte Künstler Gregor Schneider hat in einem neuen Projekt eine ehemalige Synagoge zu einem eintönigen typisch deutschen Familienhaus »umgebaut«. Für das internationale Kunstprojekt »Synagoge Stommeln« in Pulheim bei Köln ließ Schneider das frühere Gotteshaus hinter einen zitronengelben Rauhputzfassade mit Fenstern, weißem Garagentor, Hautür und ...

»Danke, Andrea!«

Bei Theaterbühnen, Filmproduzenten und Plattenfirmen wird in Zukunft häufiger kontrolliert, ob sie ausreichend Geld an die Künstlersozialkasse (KSK) zahlen. Der Bundestag verabschiedete am späten Donnerstagabend einstimmig ein Gesetz, das die angespannte Finanzlage der KSK stabilisieren soll. Die Zahl der Kontrollen bei den abgabepflichtigen Unternehmen wird mit der Gesetzesnovelle massiv angeh...

Hans-Dieter Schütt

Giftige Äpfel, steinerner Apoll

Vergleiche und Übertreibungen gehören zum Repertoire der Rundfunk- und Fernsehkommentatoren bei der Fußball-WM. Ein Beispiel? Das 1:0 gegen die USA, »Ein Gemälde wie von Picasso« jubelte ein Rundfunkreporter.

ndPlusTom Mustroph

Bohren in der DDR

Sandow ist wahrscheinlich die verwirrendste Band Deutschlands. Historisch korrekt wird sie von einigen Liebhabern als »die Band, die Rammstein als Vorgruppe hatte«, tituliert. Mit dem passgenau auf den globalen Markt zugeschnittenen Düsterrock der alten Feeling-B-Kollegen, die als Rammstein zu Weltruhm gelangten, wird Sandow zuweilen auch in Verbindung gebracht. Fälschlicherweise, denn Sandow k...

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Hans-Dieter Schütt

Der Ritt des Dämons

Der Götterjüngling. Die Grazie in den Kostümen eines Mannes. Seine feinen Züge suchten eine Atmosphäre, die Kraft fordert und Kraft weckt. Das Verruchte mischte sich mit dem vornehm Blassen. Ein Franzose wie ein Schillern zwischen dem Film Noir eines Jean-Pierre Melville und der Bohème von Montmartre. Mit achtzehn der erste Lyrikband, dann ein Leben in Vielfalt: Dichtung und Musik, Choreographi...

ndPlusSabine Neubert

»Vielleicht hat der Fluss wirklich eine Seele«

Januar 2014: Im deutschen Bundestag hält der fünfundneunzigjährige russische Schriftsteller Daniil Granin eine Gastrede. Anlass ist die Erinnerung an das Ende der Blockade Leningrads vor siebzig Jahren, deren grausames Geschehen Granin zusammen mit Ales Adamowitsch im »Blockadebuch« erstmals eindrücklich und unheroisch dokumentiert hat. Schicksale der Menschen im Getriebe und Getriebensei...

ndPlusManuela Lintl

Das Prinzip visueller Kritik

Ihn interessiere »die Verarbeitung von Realität« hat Harun Farocki 1981 in einem Interview gesagt. Farocki, der in diesem Jahr 70 wurde, ist ein Multitalent und nur schwer in gängige Schubladen einzuordnen. Er agiert vor und hinter der Kamera, führt Regie, ist Produzent, schreibt Drehbücher und schneidet Filme. Der engagierte Filmemacher bezieht sowohl tagesaktuelle als auch akademische Debatte...

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ndPlusTom Mustroph, Leeds

Cavendish fuhr jede Kurve ab

Die Tour de France beginnt mit einer Pokerrunde. Mark Cavendish, der Volksheld aus Yorkshire, der im Zielort Harrogate als Schüler oft in den Ferien war und die dort ansässige Familie seiner Mutter mit einem Sprintsieg beglücken will, versucht die verbale Befreiung vom Erwartungsdruck. Bei der Pressekonferenz seines Teams stellte er die Qualitäten der Mannschaft in den Vordergrund. Der Brite wi...

ndPlusJirka Grahl, Rio des Janeiro

Mit Hummels ins Halbfinale

Zum vierten Mal in Folge erreicht die deutsche Fußball-Nationalmannschaft das Halbfinale einer WM. Bundestrainer Joachim Löw änderte die Aufstellung, doch am Ende siegte die kämpferische Einstellung des Teams.

Heiner Gerhardts, Rio des Janeiro

... und Blatter weiß von nichts

Die Polizei gräbt immer tiefer, die FIFA verharrt: Im millionenschweren Skandal illegal verkaufter WM-Tickets kommt auf den Weltverband Ungemach zu.

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Stephan Fischer

Übers Spiel hinaus sehen

Jorge Luis Pinto traut seinem Team das Halbfinale zu: »Wir werden hier noch drei, vier Matches haben. Ihr werdet sehen!«. Als der Trainer Costa Ricas das prophezeite, waren gerade die Engländer geschlagen.

Das Bier hier
ndPlusJirka Grahl

Das Bier hier

Brasilien ist eine Biernation. Bier wird immer getrunken, überall. Straßenhändler mit eisgefüllten Kisten sind allgegenwärtig, an allen Stränden wird konsumiert: Brahma, Skol, Antarctica - immer eisgekühlt.

Frank Hellmann, Brasilia

Die Handschuhe fallen auf

Argentiniens Torwart Sergio Romero muss den Nachweis noch erbringen, dass er für seine Nationalmannschaft bei einer WM auch Spiele gewinnen kann.

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Mieten dürfen nur 15 Prozent steigen

Wohnungsmieten dürfen in Berlin innerhalb von drei Jahren höchstens um 15 Prozent steigen. Das hat das Berliner Landgericht am Donnerstag entschieden. Es sei Sache der Zivilgerichte, die Wirksamkeit dieser Verordnung in eigener Zuständigkeit zu überprüfen. Die Überprüfung habe ergeben, dass die Berliner Kappungsgrenzen-Verordnung wirksam sei, so die Kammer am Freitag. Ein Kläger hatte mit...

Bund spendiert BER-Millionen

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat gestern gegen die Stimmen der Opposition weitere 58 Millionen Euro für den Bau des Hauptstadtflughafens BER freigegeben. Die Tranche stammt noch aus der ersten Finanzspritze von insgesamt 1,2 Milliarden Euro aus dem Jahr 2012. Am vergangenen Montag hatte der BER-Aufsichtsrat weitere 1,1 Milliarden Euro bewilligt, über die der Ausschuss im September ber...

Bernd Kammer

Gefährlicher Slalom

Kleine Amtshilfe für den Polizeipräsidenten und die Ordnungsämter: Der Fahrrad-Club (ADFC) und der Umweltverband BUND hatten Radfahrer aufgefordert, die Radspuren zu melden, auf denen sie von parkenden Fahrzeugen ausgebremst werden. Innerhalb von drei Monaten gingen über 2000 Meldungen über knapp 6000 Blockierer ein. Wir wissen jetzt, dass Radler besonders auf der Schlesischen und Köpenicker St...

ndPlusAstrid Schäfers

Besser als nichts

Im Schulgebäude in der Ohlauer Straße wohnen derzeit noch etwa 30 Menschen. Wie nach der Räumung am Oranienplatz zieht sich die Registrierung der Flüchtlinge in die Länge, viele Fragen bleiben offen.

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ndPlusAndreas Fritsche

Linksjugend nennt die Kanzlerin Mutti

Die Linksjugend solid hat für die Landtagswahl am 14. September ein eigenständiges Jugendwahlprogramm verabschiedet. Das 13 Seiten umfassende Papier ist frech und selbstbewusst, gerichtet an 16- und 17jährige.

Besser mit weinroter Partei

Christian Görke, LINKE-Landesvorsitzender und Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 14. September, vor dem Parteitag an diesem Sonnabend in Cottbus über das Wahlprogramm. Mit ihm sprach Andreas Fritsche.

ndPlusStephan Fischer

Der umzäunte «Entenschnabel»

Der Mauerfall jährt sich zum 25. Mal. Wo ist er sichtbar, wo verschwinden die Spuren der Grenze - in und um Berlin? Wir nach Antworten. Dieser Teil dreht sich um den sogenannten Entenschnabel im Norden Berlins.

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ndPlusHarald Lachmann

Private stellen zu wenig Behinderte ein

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) richtete vor einiger Zeit einen neuen Service für Behinderte ein. Gehörlosen und Hörgeschädigten stehen fortan Gebärdendolmetscher in den Service-Centern zur Seite. »Über Videotelefonie können sie per Gebärden oder Schriftsprache ihr Anliegen klären, Bewerberdaten durchgeben, Termine vereinbaren oder Unterlagen anfordern«, sagt Frank Vollgold von der sächsische...

Kim Alexander Zickenheiner, Köln

Die Masse macht’s

Die Straßen gehören nicht den Autos allein: Das wollen Hunderte Fahrradfahrer regelmäßig zeigen, indem sie geschlossen durch deutsche Innenstädte fahren. Das kommt aber nicht bei allen gut an.

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Streit um Militär-Historie bei Festumzug

Dresden. Im Vorfeld des »Tages der Sachsen« Anfang September in Großenhain ist ein Streit um historische Militärtechnik und Uniformen beim Festumzug entbrannt. Es seien keinerlei militärische Fahrzeuge oder uniformierte Personen der Jahre 1933 bis 1989 zugelassen, sagte der Kuratoriumsvorsitzende, Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU), der in Dresden erscheinenden »Sächsischen Zeitung«. Das K...

Roboter schreibt Tora

Das Jüdische Museum Berlin lässt einen Roboter eine Tora schreiben. Der eigens für hebräische Buchstaben programmierte Industrieroboter werde mit einem Schreibarm sowie mit Feder und Tinte in menschlicher Geschwindigkeit ab 10. Juli täglich zehn Stunden arbeiten, kündigte das Museum an. Am Ende werde er 304 805 hebräische Buchstaben von rechts nach links zu Papier gebracht haben. Der Roboter is...

Sechshändig auf dem Flügel

Die europäische Musikszene hat eine neue Attraktion: Sechs Hände spielen gleichzeitig auf einem Flügel. Some Handsome Hands, drei Berliner Pianistinnen aus drei Ländern, beeindrucken mit großer Virtuosität und Spielfreude. Am Freitag stellten Anne Salié (Deutschland), Alyana Pirola (Usbekistan) und Alina Pronina (Ukraine) ihr neues AMA-Album in Berlin vor. Some Handsome Hands sind drei Ab...

ndPlusElke Kaiser, Aachen

Aachen pflegt den »Mythos Karl«

Die historische Kaiserstadt Aachen blickt mit drei großen Ausstellungen in ihre Zeit als Lieblingspfalz Karls des Großen zurück. Es geht um Macht, Kunst und Schätze.

ndPlusTom Mustroph

Die Massage des öffentlichen Raums

Plakatgestalter haben es nicht einfach heutzutage. Der öffentliche Raum ist überflutet mit Werbebotschaften und Informationen. Es ist nicht nur schwer, sich dagegen durchzusetzen. Jeder eigene Beitrag, so gut er auch sein mag, trägt nur zur weiteren »visuellen Umweltverschmutzung« bei. Hinzu kommt: Es existieren nur wenige Präsentationsflächen für Plakate. Litfaß-Säulen sind aus der Mode gekomm...

Carmela Negrete

Die Bekenntnisse der letzten Kämpfer

¡No pasarán! - Jüngere Menschen werden den legendären Schlachtruf der spanischen Kommunistin Dolores Ibárruri, genannt La Pasionaria, vielfach nicht mehr kennen: »Sie werden nicht durchkommen!« Das war gemünzt auf die Faschisten, die am 18. Juli 1936 gegen die demokratisch gewählte Volksfrontregierung in Madrid putschten. Der Regisseur Daniel Burkholz wählte den seinerzeit von Millionen aufgegr...

Rudolf Stumberger, München

Hohlstellen und Blattrostbildung

Beispiel Moosburger Isar-Brücke: Jeden Tag rollen an die 21 000 Fahrzeuge über das Bauwerk. Doch lange würde das nicht mehr so gehen, sagt Ingenieur René Pinnel. Vor Ort erläutert er das Problem.

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Gabriele Oertel

Sieben Tage, sieben Nächte

Kampfhunde, Länderfusionen, Meldegesetz, Veggie Day - alles Themen, die im Juli und August die Nation schon gerockt haben. Hinterbänkler wittern ihre Chance, Themen in die öffentliche Diskussion zu platzieren.

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Isabella Burkia

Bei manchen ist Lebensstil befestet

Isabella Burkia (40) gehört zu den 1,2 Millionen Personen, die in den vergangenen zwölf Monaten eine »Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung« begonnen haben. Sie bezieht, je nachdem teilweise oder kein ALG II.

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Nachrufe

Dermot Healy / 18. 7. 1947 - 29. 6. 2014 »Healy ist Irlands größter Autor«, so wurde in diesen Tagen sein Schriftstellerkollege Roddy Doyle zitiert, was angesichts von Healys Tod mit nur 66 Jahren ein wenig verlegen macht, denn der so Gelobte ist im Gegensatz zu Roddy Doyle hierzulande weniger bekannt geworden. Immerhin, Healys Roman »Die Lachsfischer« kam im Jahre 2000 bei Hoffmann und C...

Thomas Klatt

Ein Malocher nimmt Abschied

Seine Sprache ist einfach und direkt. Nikolaus Schneider erhielt nicht umsonst 1998 für seinen Einsatz für Arbeitnehmer und Arbeitslose die Hans-Böckler-Medaille des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

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ndPlusRaul Zelik

Roh-Stoff der Geschichte

Jeder Mietschuldner, jreder Demoanmelder spürt sie unter Umständen, die Gewalt auch des liberalen Staates. Warum sollten sich die Unterlegenen auf Gewaltfreiheit festlegen? Aber so einfach ist es nicht.

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Leo Fischer

Kommentatoren

Im Mittelalter, als die Verhältnisse noch übersichtlich waren, gab es für praktisch jede Lebensangelegenheit exakt einen Zuständigen: den König auf dem Thron, den Papst in Rom, den Teufel in der Hölle und die Hexe beim Grillbedarf. Auch die Geisteswelt war vorbildlich wohlgeordnet: Man kannte genau einen Philosophen, Aristoteles, den man deswegen auch einfach nur »den Philosophen« nannte, und s...

ndPlusWolfgang Schmidbauer

Der brave Psychopath Schwejk

Menschen können Wärme fühlen, aber nicht sehen. Wenn sie diesem Mangel abhelfen wollen, gibt es spezielle Sichtgeräte, in denen sich die wahrgenommene Welt auf Farbmuster reduziert, die uns nun sagen, wo mehr, wo weniger Wärme abgestrahlt wird. Das ist für den Forscher, der beispielsweise den Wärmehaushalt eines Gebäudes oder eines Lebewesens studieren will, sehr hilfreich. Aber niemand käme au...

Martin Koch

Schein oder Sein

Der wechselvolle Verlauf seiner Karriere hatte den US-Schauspieler Groucho Marx vor allem eines gelehrt: »Das Geheimnis des Lebens besteht aus Ehrlichkeit und fairem Verhalten. Wenn man dies vortäuschen kann, hat man es geschafft.« Zumindest vorübergehend, mag man hinzufügen. Denn selbst einigen sogenannten Lichtgestalten unserer Gesellschaft ist es unlängst widerfahren, dass sie, obgleich mit ...

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Felix Koltermann

Dem Tod ins Auge schauen

In diesem Jahr wird europaweit an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren erinnert. Der Krieg hatte nicht nur für den Alltag der Menschen brachiale Folgen, auch für die bildnerische Darstellung des Krieges.

ndPlusFelix Koltermann

Dem Tod ins Auge schauen

Die Abbildung von Krieg und bewaffneten Konflikten ist Bestandteil unseres Alltags geworden. Seit es die Massenmedien gibt, werde sie benutzt um Unfassbares darzustellen. Doch auch die Kriegsfotografie unterliegt dem Zeitgeschehen.

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Folge 27: Nachhilfe, die; Substantiv, feminin

Nachhilfe ist die Kurzform des Nachhilfeunterrichts und bezeichnet die gezielte Förderung von Kindern mit schulischen Leistungsdefiziten. Sie findet in der Regel außerhalb der Schule statt und ist privatwirtschaftlich organisiert. Vor der PISA-Studie kam Nachhilfe eher Schülern begüterter Eltern zugute. Mit PISA änderte sich das grundlegend. Ein Markt entstand, der zudem die zunehmend prekarisi...

Lob des Mittelmaßes

Welchen Berufsweg wollen angehende Hochschulabsolventen zuvorderst einschlagen? Die Antwort überrascht: Sie wollen in den öffentlichen Dienst, glaubt man einer jüngst veröffentlichten Umfrage einer Unternehmensberatung. Drei von zehn jungen Akademikern haben jedenfalls ihr Kreuzchen an der genannten Stelle gemacht. Auf dem zweiten Platz folgt die Wissenschaft (19 Prozent), auf dem dritten die K...

Lena Tietgen

Nachhilfe, die sich rechnet

Seit drei Jahren steckt die Hansestadt Hamburg jährlich elf Millionen Euro in ein Förderprogramm, durch das die Schulen der Stadt kostenlose Nachhilfe anbieten können. Für die Schüler, die eine Fünf in den Kernfächern haben, ist diese verpflichtend. Nun liegt auf hamburg.de/bsb der erste Zwischenbericht vor. Demnach boten »im ersten Schulhalbjahr 2013/14 von den 327 Schulen 197 auch eine freiwi...

ndPlusDetlef Träbert

Schule heißt ursprünglich »Muße«

Rund 30 Prozent aller Schülerinnen und Schüler klagen über psychosomatische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schlafprobleme, Gereiztheit oder Niedergeschlagenheit. Auch die Eltern fühlen sich unter Leistungsdruck.

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Wochen-Chronik

4. Juli 1954 Die Nationalmannschaft der Bundesrepublik Deutschland wird mit einem 3:2 über die ungarische Mannschaft völlig unerwartet Fußballweltmeister. Für viele Westdeutsche ist die gewonnene Meisterschaft weit mehr als ein sportlicher Erfolg. Das von den Medien und der Politik sogleich als »Wunder von Bern« gefeierte Ereignis gilt als Triumph eines von der NS-Zeit und dem Krieg trauma...

Kaum Euphorie unter Arbeitern

In der derzeit erneut heftigen Debatte um die Bewertung des Ersten Weltkrieges und die Schuld an dessen Ausbruch wird der Widerstand gegen jenen weitestgehend ausgeblendet. Umso verdienstvoller, dass in der neuen Ausgabe des »JahrBuches für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung« die vielfältigen Aktivitäten gegen Militarismus, Kriegsgefahr und Krieg im Mittelpunkt stehen. Den Au...

ndPlusTill Bastian

Den »lieben Ernst« abgeknallt

Am Antisemitismus von Hitler und seiner Getreuen konnte nie ein Zweifel bestehen - auch nicht an ihrer Bereitschaft zu Krieg und Unterdrückung. Homosexuellenfeindlich war seine Bewegung in ihren Anfängen nicht.

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Das Geruchstelefon
Iris Rapoport, Boston und Berlin

Das Geruchstelefon

Manchmal geschieht es - ein Geruch weht vorbei und in uns erstehen Erinnerungswelten. Einst Erlebtes, Empfundenes lässt sich berichten, doch ein Geruch ist sprachlich kaum fassbar. Bestenfalls ist sein Ursprung benennbar oder er lässt sich vergleichend beschreiben: Ob er von einem Veilchen kam, ob es roch wie trockenes Heu. Aber was, wenn unser Gegenüber Veilchen nicht kennt? Anders als T...

ndPlusMartin Koch

Urzeitritual mit ökologischen Folgen

Es dampft und zischt in Deutschland. Seit Beginn des Sommers und der Fußball-Weltmeisterschaft herrscht auf hiesigen Grillgeräten Hochkonjunktur. Denn gut zwei Drittel aller Bundesbürger frönen der gleichsam archaischen Leidenschaft, am offenen Feuer und in geselliger Atmosphäre ein Fleischmahl zu genießen. Grillen sei ein Ritual, bei dem der Einzelne seine Zugehörigkeit zu einer Gruppe demonst...

Gert Lange

Das Loch über den Tropen

Aerosole beeinflussen das Klima. Doch wie genau die tausenderlei feinen, in der Luft schwebenden Tröpfchen und Partikel dies tun, ist noch längst nicht geklärt. Die winzigen Stäubchen reflektieren einen Teil des Sonnenlichts, bevor es den Erdboden erreicht und wirken daher in der Regel abkühlend auf das Klima. Sie strahlen jedoch auch selbst Wärme ab, was besonders in den Polarregionen den natü...

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ndPlusSusanne Ehlerding

Druckluft, Gas und Batterien für ein stabiles Netz

Strom ist eine wunderbare Sache. Man kann mit ihm heizen, kühlen, kochen, Licht machen und Motoren antreiben. Nur eines geht schlecht: ihn speichern. Dieser Nachteil wiegt leichter als der Atommüll und die Treibhausgase aus der Kohle. Extrem unpraktisch ist diese Eigenschaft des Stroms dennoch. Vor allem, weil Deutschland im Jahr 2050 klimaneutral sein will. Und unglücklicherweise fließt der St...

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Carlsens Beständigkeit
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Carlsens Beständigkeit

Die andauernde Beständigkeit von Weltmeister Magnus Carlsen (Norwegen; 23) scheint keine Grenzen zu kennen. Auch, wie die entsprechende WM jüngst zeigte, im Blitz- und Schnellschach. Die 15 Runden der Schnellschach-WM wurden zwischen 16. und 18. Juni gespielt, die 21 Runden der Blitz-WM vom 19. bis 20. Juni ausgetragen. Beide Male siegte Carlsen. Wie schon bei der klassischen Schach-WM la...

ndPlusMonika Salz

Unter Druck

Nein, wir fahren nicht zur See, wie der Name des Spiels »Nauticus« vielleicht vermuten lässt. Wir sind vielmehr die Reeder, die Schiffe in verschiedenen Größen bauen lassen, Handel treiben und den Warentransport organisieren. Die Schiffe, die gebaut werden sollen, liegen in Form von Plättchen als Rumpfteile, Masten oder Segel bereit. Ebenso sind die Handelswaren und die Werftarbeiter aus Holz. ...

Mike Mlynar

Journalistischer Dreisatz

Anfang letzter Woche erschien die monatliche Arbeitsmarktstatistik. Bertram B., Spitzenfunktionär der Bayrischen Wirtschaft, zeigte sich begeistert. Mit einer Einschränkung: Der künftige gesetzliche Mindestlohn hätte »unabsehbare bremsende Folgen für Wachstum und Beschäftigung«. Natürlich ist das lediglich die übliche Phrasendrescherei. Hinter der jedoch formal gesehen ein falscher logisc...

Alle warten auf den »Hai-Angriff«

Dass an den brasilianischen Stränden viel Ball gespielt wird, weiß jeder. Aber nicht nur Fuß- und Beachvolleyball. Weit verbreitet ist auch Footvolley (brasil. Futevôlei). René Gralla bat Armin Stronczek zum nd-Interview.

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ndPlusNicolas van Ryk

Paddeln nach Portree

Der Kuckuck ruft um kurz nach vier. Noch ist das Eilean Donan Castle eingetaucht im Dunkel des Morgengrauens. Langsam huscht das Licht über die Bergzüge von Loch Lang, Duich und Alsh. Es kündigt einen wolkenlosen Tag in den Highlands rund um die Isle of Skye an. Nix mit Nebel, obwohl auf Gälisch die Skye-Insel der inneren Hebriden »Insel des Nebels« heißt. Leicht kräuselt sich das seichte Meerw...

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Auf eine neue Runde, Wilde Zicke!
Heidi Diehl

Auf eine neue Runde, Wilde Zicke!

Schon das quietschende Geräusch, wenn sie sich in eine Kurve legt, lässt das Herz höher schlagen. Und das laute, schnarrende Signal, wenn sie sich in Bewegung setzt, klingt für Naumburger wie Musik in den Ohren. Sie lieben ihre »Wilde Zicke« oder »Ille-Bim«, ihre Straßenbahn, die neben der steinernen Uta im Dom ein Markenzeichen der mittelalterlichen Stadt ist. Mit einigen Unterbrechungen...

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ndPlusThomas Bruhn

Traumrolle

Als ich Venira Velijan fragte, wie ein chinesisches Mädchen, das fernab der Metropolen des klassischen Tanzes aufwuchs, in einer Kultur verwurzelt, die diese Art der darstellenden Kunst nicht kennt, auf die Idee kam, Tänzerin zu werden, stellte sie mit Verve zunächst richtig: »Ich komme aus China, ich bin in China geboren, aber ich bin keine Chinesin - ich bin Uigurin!« So, da hatte ich u...