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UNTEN LINKS

Da wird so viel von Karenzzeiten geredet, wenn Politiker in die Wirtschaft wechseln. Ob zwölf Monate oder zwei Jahre - darüber können sich die Parlamentarier so richtig heftig ereifern und seit Jahren zu keinem Schluss kommen. Pofalla, Niebel, von Klaeden, Schröder - die Liste ist lang und mit Sicherheit noch längst nicht abgearbeitet. Dabei ist die temporäre Frage nicht die eigentliche. Die zi...

Klaus Joachim Herrmann

Befreier und Befreite

Ein »großer Sieg«, wenn auch »kein totaler«, jubelte die neue Obrigkeit in Kiew über die »Befreiung« der ostukrainischen Stadt Slawjansk. Die »Terroristen« hätten für die Missachtung der Waffenruhe ihre »verdiente Strafe« erhalten, freute sich der Präsident und Oberkommandierende. Schoko-Oligarch Poroschenko will den »unvollständigen Sieg« mit noch mehr Krieg vollenden. Dann wäre wohl jene Zeit...

Sieg über Slawjansk

Kiew jubelt über die Eroberung der ostukrainischen Stadt Slawjansk. Orden für die »Helden«. Das Land solle die »Gesichter der Helden kennen«. Es kennt aber eher die Gesichter des Leids, der Toten, der Vertriebenen.

Simon Poelchau

Mit der Maut in den Sommerurlaub

Am Montag will Verkehrsminister Dobrindt den lange erwarteten Plan für eine Pkw-Maut vorstellen. So soll eine Gebühr auf das gesamte Stra´ßennetz erhoben werden. CSU-Chef Seehofer fordert Unterstützung durch die Koalition.

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Paradegeneral

Mit Helm und in Schutzweste zeigte sich der neue ukrainische Verteidigungsminister Waleri Geletej am Sonntag als Sieger über die Rebellen des von Kiew abtrünnigen ostukrainischen Slawjansk.

ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Auf dem Weg nach Donezk

Einen Sieg über die prorussischen Milizen feierte das offizielle Kiew am Wochenende. Jetzt gerät die Millionenstadt Donezk ins Visier.

Hermannus Pfeiffer

Nur bei Erdgas ist die Abhängigkeit groß

EU-Diplomaten diskutieren an diesem Montag weiter über Wirtschaftssanktionen gegen Russland, vor denen insbesondere deutsche Unternehmen warnen. Wie schlimm wären die Folgen?

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ndPlusSteffen Schmidt

Tickende Cäsiumatome

Selbst die genauesten mechanischen Chronometer werden von den Atomuhren deklassiert. Fürs Handgelenk taugen diese superpräzisen Zeitmesser freilich nicht. Denn es handelt sich um recht voluminöse physikalische Apparate.

Hendrik Lasch, Weida

Zeugin einer verlorenen Zeit

In der DDR wurde eine Atomuhr gebaut. Nach einer Odyssee liegt sie nun auf einer Burg in Thüringen - und wirkt wie ein Sinnbild für das Land, in dem sie entstand. Dennoch, die hatte Weltniveau, so ein Mess-Experte.

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ndPlusSimon Poelchau

Schäubles Ressortlogik

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will im Rahmen der sieben wichtigsten Industrieländer (G7) härter gegen Konzerne vorgehen, die versuchen, möglichst wenig Steuern zu zahlen. Diese Ankündigung ist jedoch nur scheinbar ein Widerspruch zu seiner vorangegangenen Politik. In der Tat machte sich Schäuble eher als Sparminister einen Namen. Seine höchste Priorität: ein ausgeglichener ...

René Heilig

Der BND, das arme Opfer

»Liebe NSA, bin weg in den Urlaub, kannst abschalten.« So oder ähnlich twittern derzeit Politiker, Abgeordnete und Journalisten untereinander. Irgendwie erinnert das an die Musik auf der »Titanic«. Allen ist klar, dass mit dem gigantischen NSA-Lauschangriff etwas in Fluss gekommen ist, dem keine Schotten standhalten. Klar kann man empört sein, dass ein BND-Mann auf eigene Rechnung mit US-Kolleg...

Gabriele Oertel

Nur auf Dobrindt ist Verlass

Es ist in der Großen Koalition beinahe wie bei einer Zeugnisausgabe in der Schule. Alle atmen erleichtert auf, weil der Stress ein Ende hat und versprechen, sich im kommenden Schuljahr mehr anzustrengen. Kaum ist die letzte Bundestagssitzung vor der Sommerpause Geschichte, wird verdammt viel vom Herbst gesprochen. Denn in der Politik haben eben auch längst nicht alle ihre Hausaufgaben gemacht. ...

ndPlusInes Wallrodt

Verrechnet

Ob Hartz-IV, Vorratsdatenspeicherung, syrische Flüchtlinge, Spitzensteuersatz oder Genmais - Hilde Mattheis steht für ein astreines linkes Programm, das sie auch als Sprecherin des Forums der demokratischen Linken DL21 vertritt. Kein Wunder also, dass die SPD-Bundestagsabgeordnete unzufrieden ist mit dem flächenlöchrigen Mindestlohn, den ihre Partei mit der Union ausgehandelt hat. Diese Unzufri...

Trendwende

Trendwende

Es ist der größte politische Erfolg der deutschen Gewerkschaften im noch jungen 21 Jahrhundert: der gesetzlichen Mindestlohn. Er bricht endlich mit der Logik der neoliberalen Arbeitsmarktpolitik der letzten Jahre.

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ndPlusRichard Claus

Präsident auf Lebenszeit?

Nach monatelangen Vorbereitungen nimmt der Untersuchungsausschuss zur Kinderpornografie-Affäre um den SPD-Politiker Sebastian Edathy die Arbeit auf. Eine Hauptrolle spielt auch das BKA.

René Heilig

Direkte »Wetter-App« zur CIA

Eine »Hilfskraft« des BND sorgt für einen neuen Eklat. Der Mann gab geheime Dokumente vermutlich an die CIA weiter. Doch was für den Dienst seit jeher normal ist, darf sich ein Mitarbeiter nicht herausnehmen.

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Appell an Merkel aus eigenem Team

Hamburg. Die Digitalbotschafterin der Bundesregierung, Gesche Joost, beklagt den mangelnden Aufklärungswillen der Großen Koalition in der NSA-Spähaffäre. Sie vermisse ein »klares Bekenntnis der Bundesregierung« mit der Aussage: »Wir wollen die Spähaffäre aufklären, das ist unsere Pflicht«, sagte Joost dem Nachrichtenmagazin »Der Spiegel«. Die Forderungen der Opposition, den früheren US-Geheimdi...

Länder wollen mehr Offenheit bei TTIP

Die Bundesländer verlangen mehr Offenheit bei den Beratungen über das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und der USA. Die Positionen müssten mit den Mitgliedstaaten und der kritischen Öffentlichkeit abgestimmt werden.

Marcus Meier, Dortmund

Die Aufrechten sind die Schuldigen

Nach dem Nazi-Sturm auf das Dortmunder Rathaus am Wahlabend des 25. Mai werden diejenigen, die sich den rechten Gewalttätern in den Weg stellten, immer mehr in die Täter-Rolle gedrängt.

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Gábor Kerényi

Orbáns Rucksack

Wie ungarische Medien berichten, wird die zeitgeschichtliche Sammlung des Ungarischen Nationalmuseums um den Rucksack von Premier Viktor Orbán bereichert. Chefmuseologe Vilmos Gál erklärte im Fernsehen, das Museum habe schon lange um einen persönlichen Gegenstand des Ministerpräsidenten gebeten.

ndPlusJan Kuhlmann (dpa)

ISIS-Chef Al-Bagdadi zeigte sich der Welt

Den überraschenden Auftritt Abu Bakr al-Bagdadis in einer berühmten irakischen Moschee hat ISIS perfekt inszeniert. Die Terrorgruppe läuft Al-Qaida immer mehr den Rang ab.

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ndPlusAlfred Michaelis, Vientiane

Laos vor Einführung neuen Mindestlohns

Was andernorts heftiges Für und Wider auslöst, geschieht im südostasiatischen Laos in aller Ruhe und im Konsens - und ist doch nicht unproblematisch: die Festlegung eines Mindestlohns.

John Dyer, Boston

Ohne Sturmgewehr zum Windelkauf

Waffengegner in den USA verbuchen einen Sieg: Einkaufen im Supermarkt soll ein Familienfest sein. Target, eine der größten Supermarktketten, fordert ihre Kunden auf, beim Einkauf keine Waffen zu tragen.

ndPlusMarkus Schönherr, Kapstadt

Wird Nigeria zum gescheiterten Staat?

Tausende Nigerianer sind in den vergangenen fünf Jahren dem Terror der Gruppe Boko Haram zum Opfer gefallen, die im Norden Nigerias einen islamischen Gottesstaat einrichten will.

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Zuspätkommen so teuer wie nie

Berlin. Die Deutsche Bahn muss für 2013 wegen Verspätungen eine Rekordsumme an ihre Kunden zurückzahlen. Für das vergangene Jahr seien es mehr als 40 Millionen Euro, sagte ein Konzernsprecher der Nachrichtenagentur dpa in Berlin - mehr als je zuvor. Zuerst hatte die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« darüber berichtet. Es habe insgesamt 1,3 Millionen Anfragen gegeben, davon seien 88...

Argentinien gibt nicht klein bei

Buenos Aires. Im Schuldenstreit Argentiniens mit US-Hedgefonds zeichnet sich weiterhin keine Lösung ab. Bei einem für Montag geplanten Treffen mit dem vom Gericht bestellten Vermittler Daniel Pollack in New York werde die argentinische Delegation keinen »formellen Vorschlag« unterbreiten, berichtete die argentinische Zeitung »Página/12« am Samstag unter Berufung auf Regierungskreise. Das Land s...

Michael Lenz, Rangun

Das goldene Land zieht Investoren an

Nach Jahrzehnten der Misswirtschaft der Militärjunta muss Myanmars Wirtschaft und Infrastruktur komplett runderneuert werden. Noch ist die ungewiss. Doch Experten sind sich sicher: Es wird nicht zu einem Billiglohnland werden.

ndPlusRalf Streck, San Sebastian

Spaniens trübe Kläranlagen

Zum Beginn der Badesaison hatte die Europäische Umweltagentur kürzlich Daten zur Wasserqualität verschiedener Länder veröffentlicht. Seit 2011 verfallen allerdings Dutzende fast fertiggestellte Anlagen.

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Joachim Bischoff

Krisenerfahrungen und die Linke

Eine tiefgreifende Gesellschaftsreform ist dringend nötig. Die Vorschläge dazu sind aber für große Teile der Lohnabhängigen und marginalisierter Bevölkerungsschichten noch längst nicht überzeugend.

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Tierpark und Zoo mit vielen »Baustellen«

Der neue Chef von Zoo und Tierpark in Berlin, Andreas Knieriem, steckt bis zum Hals in Arbeit. »Die ersten 100 Tage sind gefühlte 200 bis 300«, sagte Knieriem. Doch alles sei gut, so Knieriem. »Ich freue mich über viel Arbeit und sehe die Möglichkeiten.« Knieriem hatte am 1. April die Nachfolge des umstrittenen Bernhard Blaszkiewitz angetreten.Er sei stolz auf die weltweit größte Anzahl von Zoo...

Honorar für Makler begrenzen

Berlin fordert eine bundesweite Begrenzung von Maklerhonoraren. Zudem soll auch beim Hauskauf gelten, dass derjenige den Makler bezahlt, der ihn bestellt. Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) will in wenigen Monaten eine Bundesratsinitiative vorlegen, wie seine Sprecherin Claudia Engfeld am Freitag sagte. Demnach sollen Makler künftig nur noch schriftliche Aufträge entgegennehmen. Die Maklercour...

Zu wenig Ferienjobs

Für Schüler, die in diesem Sommer eine bezahlte Arbeit suchen, ist das Angebot zu klein. Der Betreiber des Internet-Portals schuelerjobs.de, Sascha Ropertz, sagte der Nachrichtenagentur dpa, zu Beginn der Ferienzeit habe sich die Zahl der Jobsuchenden verdoppelt, während die Zahl der Inserate nur leicht gestiegen sei. Sprecher der Bundesagentur für Arbeit in Berlin, Uwe Mählmann, bestätigte: «E...

ndPlusBernd Kammer

Ränkespiel

Der Bezirk hat sich die Suppe eingebrockt, soll er sie doch auslöffeln. Wer gehofft hatte, das sich diese unglaubliche Position des Senats nach dem neuerlichen Kompromiss mit den Kreuzberger Flüchtlingen vielleicht geändert hat, sieht sich getäuscht. Anders als die anderen Flüchtlinge vom Oranienplatz sollen nun nach dem Willen von Sozialsenator Czaja diejenigen, die in der Gerhart-Hauptmann-Sc...

Peter Nowak und Sarah Liebigt

»Wir wollen zurück in unseren Kiez«

Mehrere tausend Menschen demonstrierten am Samstag für ein Bleiberecht für Flüchtlinge. Bezirk und Senat streiten derweil über die finanzielle Versorgung der verbliebenen Bewohner der Schule.

Marschall Münchhausen

Gelsenkirchen, Tübingen, Rostock, München, Augsburg - viele deutsche Städte haben Hindenburg als Ehrenbürger gestrichen. Nur Berlin tut sich sehr schwer damit. Trotz seines militaristischen Erbes.

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Regen senkt Brandgefahr

Potsdam. Zum Teil starke Regenschauer haben in der Nacht zum Sonntag in Nordbrandenburg Entspannung bei der Waldbrandgefahr gebracht. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte, sind in der Uckermark teilweise 20 Liter pro Quadratmeter Niederschlag gefallen. In der Prignitz waren es noch acht bis zehn Liter den Quadratmeter. In der Folge ist im Nordosten die Waldbrandgefahr von der zweithöch...

Landesfest gefeiert

Spremberg. Rund 100 000 Besucher sind am Wochenende zum Brandenburg-Tag nach Spremberg gekommen. Das Programm reichte von politischen Diskussionen bis zu Konzerten. Am Sonnabend war die 14. Auflage des Landesfests mit einem Umzug von 28 Lausitzer Vereinen gestartet. Knapp 600 Teilnehmer machten dabei mit. Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) nutzte die Veranstaltung auch, um geg...

Die Geister, die er rief

Für den Chef des Hauptstadtflughafens ist dieser Mann ein rotes Tuch: Seine deutliche Kritik trug Harald Siegle die Kündigung ein. Die Sache ist für Hartmut Mehdorn aber nicht so einfach wie gedacht.

Braunkohle nur noch bis 2040

Protest von Greenpeace, sachliche Diskussionen und beleidigte Beschuldigungen. Beim Thema Tagebau war alles wie vorherzusehen beim Cottbuser Parteitag. Es war wohl das am meisten angesprochene Problem in Redebeiträgen.

ndPlusNicolas Šustr

Abtauchen in die Unterwelt

Hunderte Berliner konnten am Wochenende in Prenzlauer Berg einen hundert Jahre alten Regenwasserkanal besichtigen.

Lob des Regierens

Im Cottbuser Radisson-Blu-Hotel verabschiedete die LINKE am Sonnabend ihr Programm für die Landtagswahl am 14. September. Viel Lob kam aus anderen ostdeutschen Landesverbänden für die bisherige Regierungsarbeit.

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Trekker, Trommeln und Trillerpfeifen

Eine Demonstration zog am Samstag mit Traktoren durch die sächsische Hauptstadt. Die Teilnehmer forderten ein Ende der Massentierhaltung und mehr Vielfalt in der Landwirtschaft.

ndPlusJohannes Hartl

Umgang mit Flüchtlingen in der Kritik

Die Münchner »Bayernkaserne«, eine der nur zwei Erstaufnahmeeinrichtungen (EAE) im Freistaat, hat mit 2200 Bewohnern schon vor einiger Zeit ihre maximale Personengrenze erreicht. Trotzdem musste die EAE vor zwei Wochen weitere 300 Flüchtlinge aufnehmen, die vor Konflikten aus afrikanischen Ländern geflohen sind. Mangels Platz sind die nach Schutz suchenden Menschen in alten Bundeswehr-Garagen u...

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Go, Tempelhof!

Der Berliner Flughafen Tempelhof wird wieder eröffnet - als Ausstellung im Museum. Von diesem Mittwoch an (9. Juli) erinnert das Alliierten-Museum in Berlin mit einer Sonderausstellung an die Zeit von 1945 bis 1993, als Tempelhof unter US-Hoheit stand. Die Schau läuft bis 19. April 2015. Mit Uniformen von Stewardessen oder Nachbildungen des Towers soll die Schau »Flughafen Berlin-Tempelho...

ndPlusHans John

Der Mann mit den luftigen Grooves

Nicht von ungefähr erschien knapp vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft »Magic«, das neueste Album von Sergio Mendes. Zwölf Titel birgt es, eingeschlossen der überflüssigen Einspielung »One Nation«, die die brasilianische Ausrichtung des Sportereignisses belobhudelt, ansonsten aber dank perlender Arrangements und solistischer Leistungen entspannte Partystimmung zulässt. Mit von der musikalisc...

Alice Bachmann, Bremen

Tödliche Fracht über Bremer Häfen

Zum Glück wird zur Zeit in Brasilien hauptsächlich mit Bällen geschossen. Sollte doch scharfe Munition in dem südamerikanischen Land zum Einsatz kommen, so könnte diese durchaus über Bremer Häfen verschifft worden sein. Eine Tatsache, die in der Hansestadt für Widerspruch, kreative Aktionen und einen Antrag an das Landesparlament, die Bürgerschaft, sorgte. Alles wurde von den Angesprochenen ent...

ndPlusRobert Rescue

Ist doch alles nur Papier!

»He, Robert, kannst du was mit einer leicht angestaubten 24-Karat-Goldrolex anfangen?« Das war eine ungewöhnliche Frage. Normalerweise, wenn jemand aus Ordnungswut seine Schränke aufräumte, bekam man einen Schlüsselanhänger, einen Kerzenständer oder lustige Grußpostkarten geschenkt. Also: »Geschenkt« ist der falsche Ausdruck. Man nahm die Sachen erst mal mit, weil man im ersten Moment gla...

Volkmar Draeger

Bodenwischen und Powackeln

Ihre Arbeiten bilden die Schwerpunkte in der Tanzabteilung des diesjährigen Festivals »Foreign Affairs« im Haus der Berliner Festpiele. Hatte man dem Franzosen Boris Charmatz eine ganze Retrospektive eingeräumt, so konnte der aus Israel stammende Engländer Hofesh Shechter seine Kreation von 2013 zeigen. Was beide Choreografen bei aller Verschiedenheit der Handschriften und Absichten verbindet, ...

Rolf Schraa

Zweite Chance für ausrangierte Zechen

Ohne bezahlbare Stromspeicher stößt die Energiewende an ihre Grenzen. Pumpspeicherkraftwerke können helfen, lassen sich über Tage aber nur schwer durchsetzen. Tief in der Erde wäre das wohl anders.

ndPlusMartina Rathke

Verheddert in den Tiefen des Meeres

Aus den Augen, aus dem Sinn: Jedes Jahr verlieren Fischer Netze in der Ostsee. Als Geisternetze verschärfen sie das Müllproblem im Meer. Vor Rügen haben Forscher die Situation dokumentiert.

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Genazino!

Der polnische Essayist und Schriftsteller Janusz Rudnicki und der deutsche Autor Wilhelm Genazino sind am Sonntag mit dem deutsch-polnischen Samuel-Bogumil-Linde-Literaturpreis geehrt worden. Die mit jeweils 5000 Euro dotierte Auszeichnung wurde den Preisträgern in Göttingen übergeben. Rudnicki (Jahrgang 1956) studierte Germanistik und Polonistik in Hamburg. Er schreibt Romane und Erzählu...

Safranski!

Der Schriftsteller Rüdiger Safranski ist mit dem Literaturpreis der konservativen Konrad-Adenauer-Stiftung ausgezeichnet worden. Der 69-Jährige erhielt den mit 15 000 Euro dotierten Preis am Sonntag in Weimar für seine Biografien über deutsche Dichter und Denker wie Schopenhauer, Nietzsche und Heidegger. Er habe die Biografie als literarische Gattung geadelt und betreibe Wissenschaft als Kunst,...

Wolfgang Hübner

Mosekunds Montag

Aus der Zeitung erfuhr Herr Mosekund, dass die Stadtverwaltung seine Straße umbenennen wollte. Künftig sollte sie nach einem kürzlich verstorbenen langjährigen Amtsleiter heißen. Herr Mosekund fand das empörend, denn er hatte den Mann als entscheidungsschwach, ideenlos und ängstlich in Erinnerung. Er holte alte Zeitungen aus dem Keller, las noch einmal nach - und ja: Nie hatte der Amtsleiter ei...

Karajan (Ost)!

Der Leipziger Dirigent Kurt Masur hat sich nie dagegen gewehrt, »Karajan des Ostens« genannt zu werden. »Es war eigentlich ein Witz, aber gestört hat es mich nicht. Vor allem, weil ich viel von Karajan selber gehalten habe«, sagte der 86-Jährige der »Welt am Sonntag« über den österreichischen Dirigenten (1908-1989). Masur ist an Parkinson erkrankt und muss nach einer Hüftoperation im Rollstuhl ...

ndPlusAndreas Gläser

Von der Krippe in die Klapse

Die Fußball-WM in Brasilien, erzählt aus rotverdächtiger Position. Diesmal: In den ersten zwölf Lebensjahre fehlte unserem Autor Andreas Gläser jeglicher Bezug zum Fußball. Alle Kolumnen unter www.dasND.de/abseits

Harald Loch

Die Invasion des Witzes

Eine Veranstaltung wie der Ingeborg-Bachmann-Preis, um den es in Klagenfurt geht, wird immer mit sich selbst verglichen. Wie bei Weinen fragt man nach dem Jahrgang. Auch gibt es einzelne Lagen, die von örtlichen Besonderheiten profitieren konnten. Neben Klima und Wetter spielt der Boden eine Rolle. Unsere Nachbarn kultivieren seit Jahren das Wort terroir und meinen damit das Zusammenspiel von p...

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Roberto Becker

Einen Akt lang Lärm

In der Wahrnehmung liegt das Opern- und Musikfestival in Aix-en-Provence etwas im Schatten des Theaterfestivals in Avignon. Was auch dazu führt, dass bei Arbeitskämpfen im Kulturbereich die Wirkung größer ist, wenn die Avignon-Eröffnung ausfällt, weil sie bestreikt wird. Auch in Aix-en-Provence ist das 2003 schon einmal so gewesen. Mit dem entsprechenden ökonomischen und dem Imageschaden, den s...

Stefan Amzoll

Von reinstem Wasser

Was bei so gut wie keinem anderen Schöpfer Neuer Musik der Fall scheint: Vinko Globokars Ideen liegen jenseits der Musik. Und zwar ausschließlich. Sie siedeln im Kriminalfall, in den Randzonen menschlicher Existenz, in der Luft, der Erde, im Feuer und Wasser. Zerfallsprozesse, Kriege, wie er sie in Jugoslawien erfahren hat, menschliche Schicksale, reale musikalische Kollisionen sind für ihn Anr...

ndPlusKlaus Bellin

Anmut, Witz und Tiefsinn

Für Thomas Mann war er der »kleine Meister«, ein belebender und belehrender Kollege, der von Zeit zu Zeit »Deutsch-Californien« in seinem Arbeitszimmer versammelte, dem prachtvollen Raum in einem 1943 bezogenen Haus, das einem Schloss glich und von fünfunddreißigtausend Bänden einer kostbaren Bibliothek beherrscht wurde. Es lag in den Hügeln der Santa-Monica-Bucht und war ein Zentrum des Exils....

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Jürgen Amendt

Die Wutrede

Im Fernsehen ist es wie im Fußball: Die wahre Beherrschung des Metiers zeigt sich nicht, wenn einstudierte Spielzüge abgespult werden, wenn jeder auf dem Platz (respektive vor der Kamera) steif herumsteht. Was den Künstler vom Handwerker unterscheidet, ist die Fähigkeit zur Improvisation, viel mehr aber noch die Kunst des Gefühlseinsatzes im richtigen Moment. Mehmet Scholl war als Fußballer ein...

Zufriedene Zuschauer von Arte

Noch vor wenigen Tagen vermeldeten die öffentlich-rechtlichen Sender gute Einschaltquoten für den Monat Juni. Die Zahl der Zuschauer, die die Programme von ARD und ZDF sehen, und die Zahl derer, die damit zufrieden sind, unterscheiden sich allerdings offenbar deutlich. Das behauptet zumindest das Marktforschungsinstitut »forum!« in einer aktuellen Studie. Demnach sind 65 Prozent der ARD-Zuschau...

ndPlusJan Freitag

Ballspiele und Büttenreden

Es ist amtlich: »Deutschlands Beste« sind (mit Y-Chromosom) Helmut Schmidt und (mit Doppel-X) Angela Merkel. Hat Johannes B. Kerner ermittelt. Ist also verlässlich. Seltsam nur, dass der erste aktive Fußballer auf Rang 32 folgt (Neuer). Per Mertesacker stand nicht zur Wahl. Dabei hätte er gute Chancen gehabt, nachdem er im Interview mit Boris Büchler aggressiver war als im Achtelfinale gegen Al...

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Volker Stahl

Hier regiert die KPD

Pünktlich zur WM kamen zwei neue Fußballbücher auf den Markt. Sie beschäftigen sich auf unterhaltsame Weise mit »Nebensächlichkeiten« des Spiels.

Tom Mustroph, Sheffield

Marcel Kittel siegt im Massensprint

Der Ausflug nach Großbritannien wird zum Erfolg für die Tour de France und Marcel Kittel. Doch der Liebling der Fans scheidet aus.

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Frank Hellmann, Brasilia

Die zweite Wahrheit der »Albiceleste«

Der Halbfinaleinzug versetzt Argentiniens Minimalisten in einen Freudentaumel, doch gegen die Niederlande sollte die »Albiceleste« mehr bieten als beim 1:0 gegen Belgien.

ndPlusMaik Rosner, Teresópolis

»Wir Brasilianer werden feiern«

Auch nach seinem WM-Aus bleibt Neymar in der Rolle des Hoffnungsträgers. Die deutsche Nationalelf kann sich im Halbfinale gegen die Brasilianer auf ein Trotzspiel einstellen.

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ndPlusChristoph Ruf, Salvador

Joker im Tor

Tim Krul? Man muss sich nicht schämen, wenn man den Namen vorher noch nie gehört hat. Der Mann kam in Salvador gegen Costa Rica erst zu seinem sechsten Einsatz im Nationalteam. Sein Einsatz war effektiv!

Den Gegner gut bearbeitet

Was war entscheidend für den 1:0-Sieg gegen Frankreich? Löw: Beide Mannschaften waren defensiv sehr stark. Es gab für beide nicht allzu viele Torchancen. Wir haben nicht viel zugelassen und hatten, bis auf die Endphase, in der wir das zweite Tor machen mussten, auch nicht so viele Gelegenheiten. Wir waren sehr aufsässig, saßen dem Gegner ständig im Nacken, haben ihn bearbeitet. Warum ha...

Kommt nach Kaliningrado!
ndPlusJirka Grahl

Kommt nach Kaliningrado!

Kleiner Test: Erinnern Sie sich noch, wie die Sbornaja bei der WM abgeschnitten hat? Russlands Nationalmannschaft, die bei der EM 2008 kurzzeitig die Erinnerung an die großen Zeiten des sowjetischen Fußballs geweckt hatte?

ndPlusJirka Grahl. Rio de Janeiro

Kritiker mit Köpfchen

Für die deutschen Fußballer ist die WM nun bereits dasselbe wie für die Brasilianer: ein Erfolg. In Brasilien trumpft besonders Mats Hummels auf - obwohl er mit dem DFB nicht immer einer Meinung war.