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UNTEN LINKS

In der SPD geht womöglich ein gefährlicher Virus um, und wenn die Aufpasser im Willy-Brandt-Haus jetzt nicht äußerst wachsam sind, läuft ihnen der Laden aus dem Ruder. Ein semiprominenter Landespolitiker, der Landtagspräsident von Rheinland-Pfalz, hat in einem Anfall von Hellsichtigkeit die Wettbewerbshüter der EU als Kapitalismusknechte bezeichnet. Zeitungen, die darüber berichten, setzen das ...

ndPlusRoland Etzel

Canossa statt Camp David

Zwei-Stufen-Plan zum Gaza-Frieden - das klingt nach dem Einfachen, was so schwer zu machen ist. Ist es das im Nahen Osten bisher ohnehin für jeden Vermittler gewesen, so wohl noch ein wenig mehr für den US-amerikanischen Außenminister. Kerry ist nicht nur im Frühjahr als Verhandlungsleiter zwischen (Fatah)-Palästinensern und Israel grandios gescheitert. Er bleibt auch jetzt ein Vertreter des di...

Manifest gegen Diskriminierung HIV-Infizierter

Mit einer klaren Absage an Diskriminierung und Gewalt gegen HIV-Infizierte ist in Australien die 20. Welt-Aids-Konferenz zu Ende gegangen. »Niemanden zurücklassen« heißt die Melbourner Erklärung gegen Diskriminierung.

Mehr als 200 000 Ukrainer wurden zu Flüchtlingen

Berlin. Durch den Krieg im Osten der Ukraine sind nach Angaben der Vereinten Nationen mittlerweile 230 000 Menschen zu Flüchtlingen geworden. Rund 130 000 Ukrainer seien vor den Kämpfen nach Russland geflohen, teilte das Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit. Fast 100 000 weitere Menschen seien Binnenflüchtlinge. Rund 1000 Menschen bezahlten den Krieg nach UN-Angaben bisher mit dem Leben. Unterd...

Eine neue »Cap Anamur«

Ab und zu muss man Träume erzählen. Dieser handelt davon, dass Frankreich die von Russland bestellten »Mistral«-Schiffe fertig baut, Besatzungen ausbildet und für den notwendigen Service bereitsteht, damit den High-Tech-Produkten Ausdauer auf See ermöglicht wird. Zugleich jedoch sollte der von EU- und NATO-Verbündeten - zumeist sehr scheinheilig - geforderte Stopp von Rüstungsexporten nach Russ...

Gaza - Waffenruhe oder noch mehr Krieg?

Im Gaza-Streifen stieg die Zahl der Toten auf mehr als 820. Der Großraum Tel Aviv wurde erneut mit Raketen angegriffen. Derweil legten die USA einen Zwei-Stufen-Plan vor.

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Martin Ling

Perspektiven statt Repression

Der Handlungsdruck wächst: Auf 90 000 Minderjährige im Jahr beläuft sich nach Schätzungen inzwischen die Zahl derjenigen, die von ihren Familien aus Mittelamerika auf die Reise in die USA geschickt wurden, wo zumeist Eltern oder Verwandte warten. Die Risiken wie Entführung, Vergewaltigung oder Ermordung schrecken kaum ab, denn Gewalt ist auch in der Heimat neben Armut und Perspektivlosigkeit ei...

Uwe Kalbe

Ignoranz statt Prävention

Tratsch, Zurückweisung, Benachteiligung, Mobbing oder auch körperliche Gewalt - an AIDS Erkrankte sind auch in Deutschland Diskriminierungen ausgesetzt. Jede erlittene Herabsetzung ist für den Betroffenen ein Konflikt, womöglich ein Drama. Und doch ein vergleichsweise erträgliches Leid, wenn man es mit dem in vielen anderen Ländern vergleicht. Auf der nun zu Ende gegangenen AIDS-Konferenz in Me...

ndPlusFabian Lambeck

Personalschlüssel zum Erfolg

Keine Panik, liebe Eltern! Wenn die Bertelsmann-Stiftung nun meldet, dass bundesweit 120 000 Erzieherinnen und Erzieher fehlen, heißt das nicht, dass Kitas wegen Personalmangel geschlossen werden. Die Stiftung weist vielmehr auf ein Problem hin, das Bildungspolitiker gern ignorieren. Die Rede ist vom Personalschlüssel. Wenn, wie in Mecklenburg-Vorpommern, jede Fachkraft mindestens 15 Kinder bet...

ndPlusDetlef D. Pries

Geschäftsführer

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat den Rücktritt der Regierung unter Arseni Jazenjuk zwar abgelehnt und seine Hoffnung ausgedrückt, dass »die ganze Regierung weiterarbeiten kann«, aber da war Wolodymyr Groisman bereits zum geschäftsführenden Chef des Kabinetts bestellt worden. Jazenjuk hatte seinen Rücktritt am Donnerstag mit dem Auseinanderbrechen der prowestlichen Koalition...

ndPlusKathrin Zinkant

Plantage im Schlafzimmer

Das Schlafzimmer, soviel hat man in dieser Woche gelernt, ist in diesem Land ein geschützter Ort. Und wann ein Mensch richtig leidet, darüber entscheidet das Gericht. Weshalb es jetzt Schmerzpatienten gibt, die eine Sondergenehmigung zum Anbau von Cannabis erhalten, und andere Schmerzpatienten, bei denen die Wohnungsgröße irgendwie mehr zählt als der Wunsch, chronische Schmerzen mit ein bissche...

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Sorge um Nahost

Huanqiu Shibao, China Nur mahnende Worte In Frankreich, Deutschland und Großbritannien leben eine große Zahl von Muslimen. Deshalb gehen die Europäer in ihrer Nahostpolitik äußerst behutsam vor, um zu vermeiden, dass der Konflikt auf ihren eigenen Kontinent überschwappt. In Brüssel ringt man um einen ausgewogenen Standpunkt, doch der Handlungsspielraum der EU ist sehr gering. Mit viel me...

Frank Gockel

Abschiebeknast vor dem Aus

Am Freitag gab es ein wichtiges Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zur Abschiebehaft. Der Vollzug von Abschiebehaft in Strafhaft ist unzulässig. Für die JVA Büren, Deutschlands größtes Abschiebegefängnis bedeutet dies die Schließung. Und für den Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Ralf Jäger (SPD), muss es den Rücktritt bedeuten. Widerspricht sein Handeln doch dem rechtsstaa...

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Internationale Truppe am Absturzort?

Berlin. Australien und die Niederlande wollen eigene Sicherheitskräfte zum Absturzort der malaysischen Boeing 777 im Osten der Ukraine schicken. Gut eine Woche nach der Katastrophe mit 298 Toten sprach der australische Premierminister Tony Abbott am Freitag von 190 Soldaten und Polizisten, die »zum Teil bewaffnet sein könnten«. Die Bedingungen für diese »humanitäre Mission«, wie Abbott sie beze...

Simon Poelchau

EU dreht an der Sanktionsschraube

Die EU weitet die Sanktionen gegen Russland aus. Derweil trübt sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft immer mehr ein.

René Heilig

Zufällig noch ein Wrackteil entdeckt

Schlamperei im Kriegsgebiet. Ermittler haben mehr als eine Woche nach dem Absturz des Malaysia-Airlines-Flugzeugs in der Ostukraine ein neues großes Wrackteil sowie weitere Leichen gefunden.

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Irina Wolkowa, Moskau

Hohe Haftstrafen für linke Putin-Gegner

Aus Protest gegen seine Verurteilung zu viereinhalb Jahren Lagerhaft ist der russische Oppositionelle Sergej Udalzow am Freitag in den Hungerstreik getreten. Er wird seither medizinisch überwacht.

»Palästinenserstaat soll verhindert werden«

Abdallah al-Frangi, Gouverneur von Gaza, war 1993 bis 2005 Generaldelegierter Palästinensischer Autonomiegebiete in der BRD. Seine Familie flüchtete nach Israel-Gründung in den Gaza-Streifen. Mit ihm sprach Martin Lejeune.

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BGH rügt erneut Abschiebungen

Karlsruhe. Nach dem Europäischen Gerichtshof hat jetzt auch der Bundesgerichtshof (BGH) die Unterbringung von Abschiebehäftlingen in normalen Gefängnissen für unzulässig erklärt. In einem am Freitag veröffentlichten Beschluss zu einem Fall in Nordrhein-Westfalen betonen die Karlsruher Richter, eine gesonderte Unterbringung von Ausländern auf einem Gefängnisgelände entspreche nicht den europarec...

ndPlusFabian Lambeck

120 000 Erzieherinnen zu wenig

In deutschen Kitas fehlen rund 120 000 Erzieherinnen und Erzieher. Dabei ist die Lage in den neuen Ländern besonders prekär. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung.

ndPlusJulian Bartosz, Wroclaw

Polens CIA-Skandal: Cash für die Foltervilla

Die polnische Mitverantwortung für die Misshandlung und illegale Inhaftierung von Terrorverdächtigen in einem geheimen CIA-Gefängnis lässt in der polnischen Öffentlichkeit die Wellen hochschlagen.

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ndPlusHendrik Lasch, Leipzig

Besetzung des Leipziger Rektorats beendet

Nach zwölftägiger Besetzung haben protestierende Studenten das Rektorat der Universität Leipzig wieder freigegeben. Verstärkt soll die Kürzungspolitik des Landes angeprangert werden.

Marcus Meier

Die Duisburg-Methode

Die Geschehnisse rund um die von Geflüchteten besetzte Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin werfen Fragen auf: In einer Serie will »neues deutschland« Antworten geben. Teil 5: Umgang mit Roma.

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Streit bei VW um externe Berater

Wolfsburg. Der Einsatz externer Unternehmensberater bei Volkswagen hat den Groll von VW-Betriebsratsboss Bernd Osterloh heraufbeschworen. Die unter anderem auf Spar- und Effizienzprogramme spezialisierte Strategieberatungsfirma McKinsey sei ohne Wissen der Arbeitnehmerseite in den Konzern geholt worden, sagte Osterloh der »Wolfsburger Allgemeinen Zeitung«. Er forderte den raschen Abzug der Bera...

Ralf Streck, Madrid

Espírito Santo bringt Portugal zum Wanken

Mit der Espírito Santo Financial Group (ESFG) hat die dritte Holding der Bankengruppe Gläubigerschutz beantragt. Zudem wurde der ehemalige Chef der portugiesischen Großbank festgenommen.

»Hauptgrund für Hunger ist Armut«

Tania Santivañez arbeitet bei der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. Ihr Schwerpunkt sind effiziente und inklusive Ernährungssysteme. Mit ihr sprach Benjamin Beutler.

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Redezwang

Im israelisch-palästinensischen Konflikt gibt es nach Ansicht von Dirigent Daniel Barenboim (71) keine militärische Lösung. »Es ist kein politischer, sondern ein menschlicher Konflikt zwischen zwei Völkern, die den tiefen und anscheinend unvereinbaren Glauben teilen, sie hätten ein Anrecht auf dasselbe kleine Stück Land, und zwar ohne das andere Volk«, schreibt der Generalmusikdirektor der Berl...

Achenbach bleibt in Haft

Der seit sechs Wochen inhaftierte Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach bleibt im Untersuchungsgefängnis. Das Landgericht Essen verwarf eine Haftbeschwerde der Anwälte als unbegründet, wie die Essener Staatsanwaltschaft mitteilte. Es liege weiterhin ein dringender Tatverdacht vor. Das Gericht gehe von Flucht- und Verdunkelungsgefahr aus. Achenbach (62) war am 10. Juni nach der Rückkehr von ...

Uri Avnery

Der Krieg ist der Terror - beendet ihn!

In diesem Krieg haben beide Seiten das gleiche Ziel: eine Situation zu beenden, die existierte, bevor der Krieg begann. Ein für alle Mal! Beendigung des Raketenfeuers gegen Israel aus dem Gaza-Streifen. Ein für alle Mal! Beendigung der Blockade des Gaza-Streifens durch Israel und Ägypten. Ein für alle Mal! Warum kommen beide Seiten nicht zusammen? Weil sie nicht miteinander reden. Sie kön...

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Stipendium für Salamanca

Das Franz-Liszt-Stipendium der gleichnamigen Weimarer Musikhochschule geht in diesem Jahr an den chilenischen Komponisten Pablo Galaz Salamanca. Der 30-Jährige habe die Jury bei einem Workshop in Weimar mit seiner spartenübergreifenden Kompositionsweise überzeugt, die neben Instrumenten und Gesang auch Film und Live-Elektronik einsetze, teilte die Hochschule am Freitag mit. Das mit 3000 Euro do...

Unterstützung für Barlach

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in seinem bisher unveröffentlichten Beschluss zum Suhrkamp-Streit dem Miteigentümer Hans Barlach klar den Rücken gestärkt. Es liege »auf der Hand«, dass der Hamburger Medienunternehmer durch den Insolvenzplan von Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz einen Verlust erleiden könne, schreibt das Gericht in der am Freitag online gestellten Entscheidung. Der Verlag hä...

Ideale Neubesetzung

Eva-Christina Kraus wird neue Leiterin des Neuen Museums Nürnberg. Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) stellte die 43 Jahre alte Münchnerin am Freitag vor. Kraus sei wegen ihres Kunststudiums in Wien und der anschließenden Promotion eine Idealbesetzung. Die Nachfolgerin von Angelika Nollert soll ihre Stelle Mitte September antreten. Nollert wechselte nach sechseinhalb Jahren in Nürnberg An...

Die Botschaft Barmherzigkeit

»Was ihr getan habt an einem von meinen geringsten Brüdern, das habt ihr an mir getan« - zu den Worten aus dem Matthäus-Evangelium (und orientiert am Bildzyklus »Die Werke der Barmherzigkeit« von Pieter Brueghel d. Ä.) hat der niederländische Zeichner und Kupferstecher Philipp Galle (1537-1612) diese Grafik geschaffen. Dies ist eine von über 400 Illustrationen aus einer Publikation, die I...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Haut zwischen Rüstungen

Es hat vor fast 45 Jahren in den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin einen unvergesslichen Theaterabend gegeben, ganz aus schmerzhafter Schönheit und beklemmender Süße: Siegfried Höchst und Horst Sagert inszenierten »Dona Rosita bleibt ledig oder Die Sprache der Blumen«. Federico García Lorca. Die Aufführung mit Christine Schorn, Jürgen Hentsch, Elsa Grube-Deister, Inge Keller, Fred Dür...

Horst Nalewski

»Was hätte dem Mozart ... sein Genie genützt?«

Dieses Datum: August 1914 als Beginn des ERSTEN weltumspannend-mörderischen Krieges. Ein ungeheures Menetekel: Die Medien, nicht nur die deutschen, auch die französischen, englischen, amerikanischen, russischen, richten seit Monaten den Blick darauf. Es gibt lang vorbereitete wissenschaftliche Abhandlungen, detaillierte Einzelanalysen, neu gefundene Zeitzeugen-Berichte ... Was ermutigen sollte,...

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Tom Mustroph, Bergerac

Extrabelastung befreit Tony Martin vom ganz großen Druck

Tony Martin will seinen guten Auftritt bei der Tour krönen. Alles andere als ein Sieg beim 54 km langen Zeitfahren wäre eine Enttäuschung. In der Konzentration auf nur einen Tag liegen aber auch Tücken.

ndPlusRonny Blaschke, Glasgow

Startschuss in die Moderne

Hoher Alkoholkonsum, geringe Lebenserwartung - viele sind schon aus Glasgow geflüchtet. Die Commonwealth Games bringen Hoffnung: 50 Entwicklungsprogramme wurden aufgelegt.

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ndPlusAnne Armbrecht, Halle

Halle ist Geheimfavorit

Die 3. Liga geht wieder los - und der Hallesche FC startet am Sonnabend gleich mit dem ersten Ostderby gegen den Chemnitzer FC. Das erste Spiel wird für die HFC-Truppe von Trainer Sven Köhler aber gleich im doppelten Sinn zur Bewährungsprobe. Es müsse einfach »jeder für jeden kämpfen und jeder für jeden laufen«, meinte Akaki Gogia. Man müsse vor allem die Laufwege kurz halten und sich bei den h...

Tina Hofmann, Dresden

Umbruch in Dresden

Die Kiebitze am Zaun halten die Treue, die Autogrammjäger sind ebenfalls nicht weniger geworden - nur die Protagonisten sind überwiegend neu. An der Lennéstraße sind nach rund zehn Wochen die Abstiegstränen bei Dynamo Dresden getrocknet, der Umbruch ist vollzogen und der Blick nach vorn gerichtet. »Es ist für Dynamo sehr wichtig, demütig und bescheiden zu sein. Wir müssen die Ziele realistisch ...

Stephan Fischer

Guter Fußball, viele Fans, wenig Geld

An diesem Wochenende startet die 3. Liga - nach dem Abstieg von Cottbus und Dresden mit sechs Ostvereinen. Mit vier ihrer Trainer sprach »nd«. Fazit: Eigentlich will jeder schnellstmöglich raus.

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Erste Hilfe als Schulfach noch nicht in Sicht

Das Land Berlin hat noch keine konkreten Pläne, Erste-Hilfe-Kurse in den Lehrplan der Schulen aufzunehmen. Dies hatte die Kultusministerkonferenz den Ländern empfohlen. »Berlin prüft die Möglichkeit«, sagte ein Sprecher der Bildungssenatsverwaltung. Aber noch sei die Frage offen, wer den Unterricht durchführen könne. Auch ein Zeitpunkt sei noch nicht ins Auge gefasst. Viele Tausende Berli...

Schöneberger Mieter fordern Bund heraus

Die Mieter aus den bundeseigenen Wohnungen in der Schöneberger Großgörschen-/Ecke Katzlerstraße wollen ihre Häuser jetzt selber kaufen und damit verhindern, dass sie an Investoren veräußert werden. Wie berichtet, bietet die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) die beiden Eckgebäude zum Höchstpreis an. Als Mindestgebot gelten 7,1 Millionen Euro. Bis gestern konnten Interessenten ihr Angeb...

Sarah Liebigt

Kreuzhain ist so nuller Jahre

Die Discokugeln glitzern im Club-Garten, Kneipen und Spätis werden zu bunt schillernden Lichterketten und wem das zu farblos ist, der kann auf dem Wünsch-Dir-Was-Weg bunte Sachen zum Konsumieren erwerben, die alles noch bunter und toller scheinen lassen. Doch: Man sei hier nicht in Disneyland, beschwerte sich die Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg. Dem Bezirk mit eigenen Party-Shuttle...

Polizei: Viele sind zu krank für den Job

935 Berliner Polizisten sind so krank, dass sie auf Dauer oder vorübergehend nur mit Einschränkungen oder gar nicht arbeiten können. Das geht aus einer Antwort von Innenstaatssekretär Bernd Krömer (CDU) auf eine Frage des SPD-Politikers Tom Schreiber hervor. Demnach sind 253 Polizisten wegen »gesundheitlicher Einschränkungen dauerhaft nur eingeschränkt dienstfähig«. Bei weiteren 125 Poliz...

ndPlusBernd Kammer

Bald Halbzeit beim Gleiswechsel

Bei der Gleiserneuerung auf der Stadtbahn spielt jetzt auch das Wetter mit. In einer Woche wird der Abschnitt zwischen Friedrichstraße und Ostbahnhof stillgelegt.

Paul Liszt

Demonstration gegen Antisemitismus in Berlin

Rund 600 Menschen haben am Freitag gegen Antisemitismus und die antiisraelische Al-Quds-Demonstration protestiert. Zu der waren etwa 1200 Menschen gekommen - auch Neonazis wurden unter den Teilnehmern gesichtet.

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ndPlusWilfried Neiße

Kinderleichter Raketenstart

Mit mehr als 130 Exponaten zum Mitmachen lädt das Extavium in der Marlene-Dietrich-Straße 9 in Babelsberg kleine und große Forscher zu einer Entdeckungstour.

ndPlusNicolas Šustr

Im faden Licht der Notbeleuchtung

Der Mauerfall jährt sich zum 25. Mal. Wo ist er sichtbar, wo verschwinden die Spuren der Grenze - in und um Berlin? In neun Teilen rund um typische und untypische Bilder und Orte suchen wir nach Antworten.

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Kompetente Hilfe für Jugendämter

Kinderschutzambulanzen kümmern sich um Mädchen und Jungen, die in ihren Familien misshandelt wurden. In Thüringen gibt es zwei solcher Einrichtungen.

Sachsens Luft ist besser geworden

Radebeul. Die Luft in Sachsen ist besser geworden, aber immer noch nicht sauber genug. »Während bis in die Mitte der 1990er Jahre insbesondere die Schwefeldioxid-Belastung ein großes Thema in Sachsen war, spielt dieser Stoff heute praktisch kaum noch eine Rolle«, sagte Umweltminister Frank Kupfer (CDU) in dieser Woche in Radebeul. Gleiches gelte für Kohlenmonoxid und Benzol. Probleme gibt...

ndPlusHagen Jung

Ein frommer Wunsch der CDU

Einen »Gebetstag der Religionen« wollte die CDU in Niedersachsen installieren: am ehemaligen Buß- und Bettag. Mit diesem Wunsch blieb die Union im Landtag jedoch allein, ihr Antrag fiel durch.

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Förderung zum Jubiläum der Reformation

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) wird zum Reformationsjubiläum 2017 insgesamt 16 Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 3,1 Millionen Euro fördern. Dies gab die Kulturstaatsministerin am Freitag bekannt. Unter den geförderten Projekten ist auch das »Begehbare Wörterbuch« in Berlin. Die Reformation sei ein großes Ereignis der deutschen Geschichte und reiche in ihren religiös...

Kunst am Spreeknie in Schöneweide

Mit einer Finissage bei Künstlergesprächen und Musik von Anthony Hequet endet an diesem Samstag (26. Juli) das Kunstfestival »Kunst am Spreeknie« in Schöneweide, das seit Mitte Juni neben Musikveranstaltungen auch die Arbeiten von mehr als 70 Künstlern in einem Schalterraum einer ehemaligen Sparkassenfiliale im Ortsteil Oberschöneweide präsentierte. Abseits der etablierten Berliner Kunstq...

Sommerfest bei Dieter Hallervorden

Das Schlossparktheater Berlin lädt auch in diesem Jahr zu einem Sommerfest ein. Dieses findet erneut im Vorgarten des Theaters statt. Von 12 bis 18 Uhr werden Besucher von einem Bühnenprogramm mit Kabarettisten und Schauspielern wie z.B. Dagmar Biener, Frank Lüdecke und Dieter Hallervorden unterhalten. Künstler und Mitarbeiter des Theaters werden vor Ort sein, um gemeinsam mit allen Gästen den ...

ndPlusAngela Dietz, Hamburg

Rütteln am Hamburger »Schulfrieden«

Landauf, landab wird über die Lernzeit bis zum Abitur am Gymnasium gestritten. Acht oder neun Jahre? Auch in Hamburg ist diese Frage aktuell. Zeitgleich zur Bürgerschaftswahl könnte es zu einem Volksentscheid kommen.

ndPlusVolkmar Draeger

Schräges berlinesques Artistical mit Anspruch

Vielleicht müssen Popstars und andere Bühnenkünstler wirklich mit einem gewissen Grad von Irrwitz gesegnet sein. Zahllose Beispiele sprechen immerhin dafür. Markus Pabst verlegt daher nicht von ungefähr seine neue Show für den Wintergarten gleich in eine Irrenanstalt. Doch ganz so einfach macht er es sich dann doch nicht. Denn die Geschichte von »Der helle Wahnsinn« hat einen ernsten Hintergrun...

Iris Leitholt, Amt Neuhaus

Tausch mit Tücken

Sie zogen in den Westen, ohne ihre Häuser zu verlassen: Rund 6000 Menschen in einem Landstreifen am mecklenburgischen Elbufer wechselten nach der Wende nach Niedersachsen. Sind sie angekommen?

Sandra Trauner, Frankfurt/Main

Der Schock der leeren Wand

Am 28. Juli 1994 verschwanden drei millionenschwere Gemälde aus einer Frankfurter Ausstellung. Sie tauchten später wieder auf: Die Geschichte der Wiederbeschaffung ist spannend wie der Raubüberfall.

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Das Gesicht des Krieges
ndPlusBurga Kalinowski

Das Gesicht des Krieges

Arthur Scholz, geboren 1890 im Harz, wird im Dezember 1914 in einen Krieg geschickt, gegen den er fünf Monate zuvor noch demonstrierte. Seine Enkelin Burga Kalinowski recherchierte in den Dokumenten seines Lebens.

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Die Pazifistin

»Nur eine breite Bewegung von unten kann die Politiker zum Umdenken bewegen«, war sie überzeugt. Ihr Roman »Die Waffen nieder!«, 1889 in Leipzig erstmals erschienen, war quasi die Inauguraladresse der Friedensbewegung. Sie musste nicht mehr erleben, dass trotz ihrer Mahnungen die Völker Europas in blinder, blutiger Verbissenheit aufeinander losgingen. Die erste Friedensnobelpreisträgerin (1905)...

Mal wieder dumm gelaufen

Es war eine Art von Public Viewing, das sich ziemlich genau 50 Jahre vor dem deutschen Fußballsommer von 2014 auf dem Berlin-Dahlemer Universitätscampus zutrug. Das Auditorium, vor dem der Hamburger Historiker Fritz Fischer seine Thesen zum Ersten Weltkrieg vortrug, war derart aus den Nähten geplatzt, dass sein Vortrag per Fernbild nach draußen übertragen wurde - damals überaus unüblich, zumal ...

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ndPlusHendrik Lasch

Tafeln, die oft lügen

Wie viele Denkmäler für Heinrich Heine gibt es in Deutschland? Die Zahl ist kaum zu schätzen - so wie die der Kriegerdenkmäler. In der »Weltbühne« im Juli 1929 wurden die Zahlen dennoch in Relation zueinander gesetzt: Sie verhielten sich hierzulande, schrieb Kurt Tucholsky, »wie die Macht zum Geist«. Na dann: Gute Nacht, Geist! Schließlich wirkt Deutschland, gemessen an Stelen und Tafeln ...

Hendrik Lasch

Clara und die toten Großväter

Die ersten Toten ließen nicht lange auf sich warten. Kaum vier Wochen war der Krieg alt, der später der I. Weltkrieg genannt werden würde, da beklagte Wiederau den ersten Gefallenen. Reinhard Pötzsch starb am 1. September 1914 in einem Lazarett in St. Loup Terrier, einem Dorf in den Ardennen. Er war der Bruder seines Großvaters väterlicherseits, sagt Karl-Heinz Pötzsch, Ortschronist des sächsis...

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ndPlusAndreas Müller

Erfolgreich und gefährlich

1894 schickten die deutschen Sozialdemokraten ihre fähigsten Köpfe an die Ufer der Pleiße, um die »Leipziger Volks-Zeitung« zu gründen. Sie sollte ein Gegengewicht zu den kriegstreiberischen »Leipziger Neuesten Nachrichten« (LNN) bilden. Doch konnten sie weder deren Aufstieg zur größten deutschen Tageszeitung außerhalb von Berlin noch den Weltbrand verhindern. Zu raffiniert hatte Verleger Edgar...

Kurt Laser

Todesrauschen auf Zelluloid

Der Beginn des Krieges traf die deutsche Filmwirtschaft völlig überraschend. Sie arbeitete unproduktiv, war zersplittert und weder technisch noch politisch auf ihre Aufgaben im großen »Völkerringen«, wie der Massenmord verharmlosend bezeichnet wurde, eingestellt. Doch das sollte sich alsbald ändern. Zunächst einmal wurde nach den gegenseitigen Kriegserklärungen im deutschen Kaiserreich di...

Seite 23
ndPlusRalf Klingsieck

Der Mahner

Der sozialistische Parlamentsabgeordnete und Chefredakteur der »L’Humanité« hatte es eilig am Abend des 31. Juli 1914. Er wollte noch einen Leitartikel für die Ausgabe des nächsten Tages diktieren, um einmal mehr vor dem heraufziehenden Krieg zu warnen. Darum ging er mit einigen Mitarbeitern und Freunden, darunter Marx-Enkel Jean Longuet, nur schnell über die Straße zum Abendessen ins Café du C...

Ralf Hoffrogge

Die Inspiration der Bolschewiki

Der politische Streik ist ein heißer Brei, um den gerne herumgeredet wird - viele schnuppern dran, aber niemand will die Sache auslöffeln. Frank Bsirske etwa verlangte 2010 medienwirksam das politische Streikrecht, nahm jedoch dezent Abstand davon, seine zwei Millionen ver.di-Mitglieder zu mobilisieren. Diverse Gruppen und Grüppchen der radikalen Linken verlangt es noch kräftiger nach dem Polit...

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Die Sünderin

Sie gilt als Inkarnation weiblicher Spionage, als Femme Fatale, die ihre Reize einsetzt, um Männern geheimste Geheimnisse zu entlocken. Es gab vor ihr und zeitgleich wirkliche und viel erfolgreichere Agentinnen. Fürs Spionieren war sie nicht geboren und nicht talentiert. Sie wollte nur gut leben, als es Millionen ans Leben ging, versuchte zwischen den Fronten zu lavieren und wurde eines der ber...

Menschen in der Kriegslandschaft

Menschen in der Kriegslandschaft

Dominiek Dendooven, belgischer Historiker, untersucht seit 15 Jahren den Ersten Weltkrieg - im flandrischen Ypern, in dessen Umkreis einige der blutigsten Schlachten stattfanden. Mit ihm sprach sprach Reiner Oschmann.

Seite 25
ndPlusMartin Meier

Die vergessenen Fronten

Im kollektiven Gedächtnis der Deutschen ist der Erste Weltkrieg ein in Europa ausgefochtener Konflikt. Mochten in ihm auch die Kolonialvölker der sich feindlich gegenüberstehenden Mächte mitgerungen haben, der Stellungskrieg an der Westfront in Europa dominiert die Erinnerung. So ist wenig über die anderen Fronten bekannt. Der deutschen Militärführung gelang es Ende 1914, die Türkei in de...

Kurt Pätzold

Nicht nur Schall und Rausch

Der Begriff »Weltkrieg« ist keine nachträgliche Kennzeichnung für jenen Krieg, der am 28. Juli 1914 mit dem Angriff der K. u. K-Monarchie gegen das Königreich Serbien begann, sich dann durch den Kriegseintritt der britischen Dominien Australien und Kanada, Japans und des Osmanischen Reiches noch 1914 und der USA 1917 von einem europäischen zu einem erdballweiten Krieg ausweitete. Das Wort...

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Alice Bachmann

Muster verraten Umweltbedingungen

Auch seine Spezies nehme weltweit ab, sagt der jüngst von der »Richard Owen Award« der Palaeontographical Society in London als erster Nicht-Brite ausgezeichnete Bremer Geowissenschaftler Jens Lehmann im Gespräch mit dem »nd«. Wobei »seine Spezies« Menschen meint, die sich der Erforschung der Erdfrühgeschichte widmen. Lehmanns Fachgebiet sind die vor über 65 Millionen Jahren ausgestorbene...

ndPlusDieter B. Herrmann

Abschied von einer schönen Illusion

Energiereiche Jets in irgendwelchen fernen Quasaren - was gehen uns die an, fragt mancher pragmatische Durchschnittsbürger. Bei Planeten anderer Sonnen jedoch, die der Erde ähnlich sein könnten, horcht er auf. Da könnte es ja im Kosmos »menscheln«. Gerade in jüngster Vergangenheit hat es an diesbezüglichen Meldungen aus der Astronomie nicht gefehlt und die Exoplaneten sind zu einem Top-Thema au...

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ndPlusMartin Koch

Tödliche Wissenschaft

Um Sprengstoffe und Munition herstellen zu können, benötigten alle imperialistischen Staaten zu Beginn des 20. Jahrhunderts Salpeter. Allerdings war es nicht ganz einfach, in den Besitz dieses wertvollen Rohstoffs zu gelangen. Denn es gab weltweit nur eine technologisch bedeutsame Salpeterlagerstätte, und die befand sich in der Atacamawüste in Chile. Von dort importierte auch das Deutsche Reich...

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Von Kubb bis Slackline

Sommerzeit - Spielzeit. Draußen spielt sich laut Nachrichtenagentur dpa inzwischen schon so manches massenhaft ab, was als Tipp und Trend einst ausführlich auf dieser nd-Spielplatzseite vorgestellt worden war. KUBB: Beim schwedischen Wurfspiel Kubb (Klotz) versuchen zwei Mannschaften, die gegnerischen Holzklötze mit einem Wurfholz umzuwerfen. Es heißt auch Wikingerschach, da es bereits zu...

Chinesin Lichtjahre voraus
ndPlusCarlos García Hernández, Schachlehrer

Chinesin Lichtjahre voraus

Yifan Hou hat erneut bewiesen, dass zwischen ihr und dem Rest der Schachspielerinnen (außer Judit Polgar, (37), Ungarn) Lichtjahre liegen. Die 20-jährige Weltmeisterin aus China gewann gerade den 5. FIDE-Frauen-Grandprix. Und zwar mit zwei Punkten vor der zweitqualifizierten Spielerin, der Chinesin Wenjun Ju (23). In ihrer Partie gegen Ju probierte Hou eine extravagante Eröffnung aus. Nach 1.e5...

Mike Mlynar

Bloß keine dürren Feste!

Die große WM-Party ist vorbei; sommerlich und still ruht der (Medien- und Event)See. Bis in zwei Jahren zur Europameisterschaft wieder mal oder in vier zur nächsten WM. Vielleicht aber auch erst viel später. Bei Festen aus gegebenem, doch nicht so ganz kalkulierbaren Anlass ist das eben ungewiss. Weshalb man sie ja bekanntlich auch feiern sollte wie sie fallen. Doch ob so oder so - das sc...

Elegant statt grübelig

Diplom-Handelslehrer Rüdiger Dorn gehört heute zu den bekanntesten deutschen Spieleentwicklern. Vier Mal war er bereits für entsprechende Preise nominiert. nd-Autor Udo Bartsch traf sich mit ihm zum Interview.

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ndPlusMarc Vorsatz

Die Kunst der Idee

Als Alla Skobeleva die Wohnungstür öffnet, kommt uns ein verführerischer Duft entgegen. Es riecht nach frischgebackenen Blinis, eine Art Eier- oder Pfannkuchen. Fast schüchtern bittet die 54-jährige Frau in ihre Neubauwohnung im Stadtteil Kuptschino, eine der Trabantensiedlungen von St. Petersburg jenseits der barocken Prunkbauten im historischen Zentrum. Mit ein paar Brocken Deutsch führt Alla...

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ndPlusHeidi Diehl

Von Fall zu Fall grandios

Fassungslos beobachtet die Frau die Menschenströme, die alle nur ein Ziel haben: Skradinski buk, den längsten Wasserfall im Krka Nationalpark in Kroatien. »Als Kind verbrachte ich hier ganz in der Nähe mit meinen Eltern die Sommerferien. Ich habe den Platz geliebt, obwohl er ein bisschen einsam war. Der Zeltplatz war so etwas wie ein Geheimtipp«, erzählt sie. Ein Tipp ist die Landschaft e...

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Eric Breitinger

Der Verdingbub

Er arbeitete hart für seine Mahlzeiten und die Unterkunft. Morgens um halb sechs raus, ausmisten, nach der Schule Kühe füttern, danach heuen und ernten. So war Paul Richener Leben ab 12 - und machte später dennoch Karriere.