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ndPlusUlrich Heyden

Selbstgerechter Westen

Die Ignoranz von Politikern und Medien in Deutschland gegenüber der Wahl in der Ostukraine ist selbstgerecht.

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Olaf Standke

Washingtoner Machtbalance

Wie das unabhängige Institut Center for Responsive Politics schätzt, würden die Midterm Elections in diesem Jahr die Rekordsumme von fast vier Milliarden Dollar kosten - das wäre dann der teuerste Kongresswahlkampf aller Zeiten.

ndPlusMax Böhnel, New York

Im Weißen Haus droht eine »lahme Ente«

USA-Präsident Barack Obama wird Umfragen vom Wochenende zufolge bei den sogenannten Zwischenwahlen seine letzte Machtbasis im Kongress verlieren. Ihm steht nun der Status der sprichwörtlichen »lame duck« bevor.

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Das leise Sterben von Perm-36

Über das Gulag-Museum Perm-36 gab es verwirrende Nachrichten. Wurde es geschlossen, doch nicht geschlossen, abgeschafft - oder besteht es weiter? Formal arbeitet das Museum. Im vergangenen Jahr wurde eine staatliche Einrichtung geschaffen unter der Bezeichnung »Gedenkkomplex politischer Repressionen«. Diese Bezeichnung ist wohl ein dummer Fehler der Bürokratie, aber ein sehr bezeichnender. De...

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ndPlusAndreas Fritsche

Fünf schwere Jahre für die LINKE

Inhaltlich hat die brandenburgische LINKE in den Koalitionsverhandlungen mit der SPD diesmal mehr herausgeschlagen als 2009. Für die LINKE kommen trotzdem fünf schwere Jahre. Mut macht die Analyse der Fehler.

Silvia Ottow

Keine Kurse - keine Knete

Am Sinn vernünftiger Krankheitsvorbeugung scheint niemand zu zweifeln - außer den in den letzten Regierungen mit dem Gesundheitsressort beauftragten Ministern.

ndPlusKurt Stenger

Kohleboom statt Klimaschutz

Die Emissionen von Treibhausgasen sind in Deutschland zuletzt wieder angestiegen, denn an den Klimakiller Nummer 1, die boomende Kohleverstromung, wagt sich die Bundesregierung nicht heran.

Kathrin Gerlof

»Das Gesetz begünstigt …

… friedliche Wege der Konfliktlösung.« Das wünschen wir uns von jedem Gesetz, denn mehrheitlich sind die Deutschen ja, wie wir wissen, gegen Krieg und Kloppereien.

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ndPlusRudolf Stumberger

Angriff auf die Erinnerung

Nach dem Diebstahl der Tür mit dem Schriftzug »Arbeit macht frei« in der KZ-Gedenkstätte Dachau in der Nacht vom 1. auf den 2. November ist das Entsetzen über die Tat groß. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen.

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ndPlusPeter Nowak

Gedenken an NSU-Opfer gefordert

Zumindest für einige Stunden wird in Berlin eine Straße zwischen Kurfürstendamm und Joachimsthaler Straße den Namen des NSU-Opfers Mehmet Kubaşık tragen. Der Kioskbesitzer war am 4. April 2006 in Dortmund erschossen worden.

Hans-Gerd Öfinger

Nichtdeutscher als die Polizei erlaubt

Ein Prozess in Frankfurt lässt die Debatte über rechtswidrige Kontrollen von Personen aufgrund ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder nationaler Herkunft neu aufflammen.

ndPlusFabian Lambeck

Flüchtlinge im Gewerbegebiet

Deutschland rechnet in diesem Jahr mit über 200 000 Flüchtlingen. Ein Gesetzentwurf will die befristete Unterbringung von Asylbewerbern in Gewerbegebieten ermöglichen. LINKE, Grüne und die Wohlfahrtsverbände sind dagegen.

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Ulrich Heyden, Moskau

»Wir sind jetzt nicht mehr Teil der Ukraine«

Kiew verurteilt die Wahlen in den »terroristischen« Gebieten von Donezk und Lugansk scharf. Gleichzeitig will der ukrainische Energieminister dringend benötigte Kohle von dort kaufen.

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ndPlusHilmar König, Delhi

Zeremoniell in Wagah durch Trauerfeiern abgelöst

Zielte der Sprengstoffanschlag vom Sonntag am Wagah-Grenzübergang mit mehr als 60 Toten und über 130 Verletzten auf die indisch-pakistanischen Beziehungen? Noch ist das Motiv des Attentäters unklar.

Thomas Roser, Belgrad

Vorerst klare Führung für Ponta

Nach dem ersten Wahlgang von Rumäniens Präsidentenkür ist Premier Ponta der Favorit für die Stichwahl. Doch auch der deutschstämmige Klaus Johannis will kämpfen.

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Ralf Klingsieck, Paris

Rote Karte für den TGV

Das engmaschige Netz der TGV-Züge, mit dem Frankreich eine Vorreiterrolle in Europa innehatte, ist höchst unrentabel, weil verkehrspolitische Zwecke und wirtschaftliche Vernunft die keine Hauptrolle bei der Planung spielten.

ndPlusHermannus Pfeiffer

Super-Aufsicht für EU-Großbanken

Waren bislang die nationalen Aufsichtsbehörden für die Kontrolle »ihrer« Großbanken zuständig, übernimmt nun Europas Zentralbank das Zepter. Dies ist Teil der künftigen EU-Bankenunion.

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ndPlusMartin Ling

Dem Süden mangelt es an fairen Chancen

Wer zahlt, schafft an, das gilt auch in der Entwicklungszusammenarbeit. Lieferbindungen, die das Empfängerland zum Kauf von Gütern des Geberlandes zwingen, sind dafür nur ein bekanntes Beispiel.

Hip-Hop ist wichtiger als Marx

In Brasilien wurde Dilma Rousseff knapp wieder gewählt, in Bolivien Evo Morales klar und in Uruguay hat die Frente Amplio gute Chancen, weiter den Präsidenten zu stellen. Wie sieht die Zukunft der sozialen Bewegungen aus?

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ndPlusMartin Kröger

Bäderchef verkrault immer mehr Kunden

Wie groß der Rückgang der Besucher und der Einnahmen bei den Berliner Bäder Betrieben (BBB) genau ist, wird bislang geheim gehalten. Die Wut auf Bäderchef Hensing wächst derweil weiter.

Bernd Kammer

Niemand hat die Absicht

Der BER könnte schon bei seiner Eröffnung zu klein sein. Es soll bereits Pläne für eine dritte Startbahn geben. Die Gerüchte um geplante Erweiterungen am Irgendwann-Flughafen BER haben bei den Anwohnern für Aufregung gesorgt.

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Andreas Fritsche

Frauenquote klar verfehlt

Die LINKE hält sich strikt an eine Quote von 50 Prozent, wenn sie Listen für Landtags- oder Bundestagswahlen aufstellt. Gemessen daran verfehlt enttäuscht die Zusammensetzung der neuen rot-roten Landesregierung.

ndPlusChristin Odoj

Geschichtsreise mit Friedhofs-Navi

Die Grabstätten-App »Wo sie ruhen« bietet besondere Entdeckungsreisen über die Berliner Friedhöfe. Per Navi spaziert man u.a. durch die Lebensgeschichten von August Borsig und Rio Reiser.

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Wilfried Neiße

Koalitionsvertrag unterzeichnet

Nicht einmal 15 Minuten dauerte die Prozedur: Mit der Abzeichnung des Koalitionsvertrages wurde am Montag die neue Legislaturperiode der rot-roten Landesregierung eingeleitet. Die Vereinbarungen gelten für die Jahre bis 2019.

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Sebastian Haak, Erfurt

Viele Hunde, wenige Menschen

Das Tragen von Schusswaffen gehört für viele Polizisten zum Alltag. Und tatsächlich werden sie von den Beamten im Freistaat auch häufiger eingesetzt als mancher glaubt, vor allem gegen Tiere.

Lucía Tirado

Japsend nach Bohème

Franz Hessels Roman ist Kunstwerk für sich. Sein »Heimliches Berlin« ist verschlossen. Es lässt keinen herein und nur widerwillig jemanden hinaus. Als Theaterstück scheint es auf den ersten Blick kaum vorstellbar.

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ndPlusMarion Pietrzok

Feier der Abstraktion - zweifellos

Zweifel ist das Grundwort im Schaffen von Imi Knoebel. Es geht ihm um nichts Geringeres als um Sein oder Nichtsein - von Malerei und ihrem Zusammenhang mit dem Raum, von Bild und Skulptur. Und das schon fast 50 Jahre lang.

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Thomas Blum

Werden Sie Mauerheld!

Um unsere traditionell für Monumentales, Sentimentalität, Größenwahnsinn und Pathos empfänglichen Jubelstaatsbürger mal wieder emotional zu überwältigen und ihnen zu gegebener Zeit knüppeldicke Tränen der Rührung über die Wangen zu treiben, hat man für den 9. November, den »Schicksalstag der Deutschen«, vorsichtshalber schon mal ein ganzes Arsenal an Propaganda und grellem Tamtam aufgefahren. S...

Stefan Ripplinger

Vorschlag zur Güte

Dass in der DDR manchen, vielleicht vielen übel mitgespielt worden ist, sei nicht bestritten. Aber lässt sich über die DDR sprechen, wenn nicht auch über die BRD gesprochen wird?

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Christoph Stukenbrock, Wien

Höhenflug mit Bodenhaftung

Den deutschen Handballern gelang mit zwei Siegen der besten Start in eine EM-Qualifikation seit 2008. Dies ist vor allem ein Verdienst des neuen Bundestrainers Dagur Sigurdsson.

Seite 20

nd-Schachgala: Königinnen gegen Prinzen

Dennis Wagner wird zusammen mit Matthias Blübaum bei der diesjährigen nd-Schachgala gegen die internationalen Spitzenspielerinnen Valentina Gunina und Elisabeth Pähtz antreten.

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ndPlusTom Strohschneider

Volks Begehren

Am 4. November 1989 fand die größte Demonstration für Demokratie und Veränderung in der DDR statt. Fünf Tage später fiel die Mauer. Und bald wurde aus einer Revolution von unten eine Wiedervereinigung von oben. Was ist von den Hoffnungen auf einen besseren Sozialismus geblieben? Ein Wende-nd über die Schwierigkeiten des Widerstands, vergessene Reformversuche und Westdeutsche im neuen Osten.

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Zauber einer Demo

Sollte ich da nun hin zu dieser Demo oder nicht? Das Leben ist kompliziert, wenn man grade 18 geworden ist, so wie ich im Herbst 1989. Die »Berliner Theaterschaffenden« hatten zur Demo aufgerufen und mir, einem Zwölftklässler aus Prenzlauer Berg, kam eine Teilnahme wie ein Verrat vor - nicht etwa an den hehren Zielen des Sozialismus, sondern an meinen Freunden: Ein paar von ihnen waren wenige W...

Seid umschlungen, Millionen - ein Ausflug ins Luftschloss

Das war ein rosaroter Augenblick, sagte ich am Montag zu meinen Kollegen, so was kommt nie wieder. Etwas Künstlerisches ins Leben gebracht - der Aufruf kam ja von Berliner Theaterschaffenden, hinter denen, das denkt man heute, schon irgendeine Kraft stehen musste, sonst hätte das ND nicht (fast triumphierend) das Wort »Protestdemonstration« auf die Titelseite gesetzt. Allerdings kann ich mich n...

Weiße Strände, trübe Stimmung

Der Grenzer am Berliner Flughafen Schönefeld war ausgesprochen freundlich. Kein böser Blick traf aus seiner erhöhten Glaskanzel herab den Jungspund vor ihm, es fiel nicht ein barsches Wort, Schikanen gab es schon gar nicht. Und dabei wollte ich doch »in den Westen«! Gemächlich blätterte der Vertreter der Sicherheitsorgane meinen Pass durch, sah sich die Visa für die Sowjetunion, für Rumän...

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ndPlusJochen Schmidt

Würstchen in der Waschmaschine

Die DDR hat 40 Jahre existiert, als Teil des sowjetischen Imperiums. Für die meisten Westdeutschen ist sie Geschichte und immer noch ein unbekanntes Land. Aber auch die Ostdeutschen haben sie bei der ersten freien Wahl mit großer Mehrheit abgewählt. Für die fünfzehn DDR-Bezirke bzw. fünf neuen Bundesländer, so verschieden sie historisch und geografisch geprägt sind, war diese Zeit eine gemeinsa...

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Im Kuddelmuddel der Geschichte

Nachdem im Sommer 1989 Zehntausende DDR-Bürger über die westdeutschen Botschaften in Budapest, Warschau, Prag und Ost-Berlin ihrem Land den Rücken gekehrt hatten, machte die Fernsehjournalistin Burga Kalinowski einen Film mit und über Ausreisewillige, der am 5. November vor 25 Jahren vom DDR-Fernsehen ausgestrahlt wurde. Ein Vierteljahrhundert später suchte und fand sie einige Protagonist...

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Gabriele Oertel

Zeitreise

Zeitreisen gibt es nur in Science-Fiction-Filmen. Wir versuchen es trotzdem. Hauptdarsteller unserer Reise in die Vergangenheit ist Heinz Vietze, eine nicht unwichtige Nebenrolle spielt Willi Rohmann. Wir fahren von Potsdam nach Berlin. Wiederholen nach 25 Jahren jene für beide Männer unvergessliche Autofahrt vom 1. Dezember 1989, als sich Vietze, der gerade seit zwei Wochen im Amt und mit 42 J...

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ndPlusSilvia Ottow

Das unwillkommene Geschenk

Als in der Bundesrepublik Deutschland am 3. Juli 1971 das Magazin »Stern« mit den Konterfeis vieler prominenter Frauen unter der Schlagzeile »Ich habe abgetrieben« erschien, war man in der DDR auf Anraten des Demokratischen Frauenbundes gerade dabei, ein Gesetz zu erarbeiten, das es jeder Frau ermöglichte, eine Schwangerschaft bis zum dritten Monat abzubrechen, ohne sich dafür rechtfertigen zu ...

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Nur Deckel drauf, Deckel drauf

Nur Deckel drauf, Deckel drauf

nd: Walfriede Schmitt, was denken Sie, wenn Sie sich an den 7. Oktober 1989 zurückerinnern? Walfriede Schmitt: Mir kommt ein Gedicht in den Sinn. »Wisst Ihr, wer Geburtstag hat? Mutti? Vati? Nick? Nein, Kinder, alles falsch - unsere Republik.« Die es nicht mehr gibt. Schmitt: Die DDR wäre in diesem Jahr 65 geworden, sie hätte das Alter erreicht, in dem man hätte rüberfahren dürfen in ...

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Georg Fülberth

Achselzucken und Bestürzung

Als die Berliner Mauer fiel und die DDR unterging, brach für einige Linke in der Bundesrepublik eine Welt zusammen, aber nicht für alle: Andere waren entweder von Anfang an oder spätestens 1976/77 mit dem zweiten deutschen Staat fertig. Für die SPD galt das ohnehin. Ihr Konzept des »Demokratischen Sozialismus«, 1951 bei der von ihr mit vorangetriebenen Gründung der Sozialistischen Interna...

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Thomas Blum

Politik-Litik-Itik-Tik-Tik-Bumm!

1987 »So werdet ihr höchstwahrscheinlich nicht über die Grenze kommen.« Unser Englischlehrer, Herr Tichy, hatte uns beide am Abend vorher noch gewarnt. Freundlich, wie es seine Art war, hatte uns der alte Traditionssozialdemokrat seine Bedenken mitgeteilt. Wir sollten doch nach Möglichkeit unseren Kleidungsstil wenigstens für diesen einen Tag dergestalt variieren, dass uns die Einreise in die...

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Querdenker in Uniform

Die Stimme von Marion van de Kamp wandert am 4. November 1989 langsam über den Alex in Berlin. Erst Sekunden später kommt sie in den Weiten des Menschenmeeres der Abertausenden an. »Die Straße ist die Tribüne des Volkes«, sagt die Schauspielerin auf der größten Demonstration der DDR. Pause. Das Echo der Worte bewegt sich bedächtig. »Wir werden aus Objekten zu Subjekten des politischen Handelns«...

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Thomas Fritz

Ich bin noch nicht müde

Rolf Beilschmidt war hoher Sportfunktionär – vor und nach der Wende. Er bekannte sich zu seiner Zusammenarbeit mit dem MfS, doch die Vergangenheit holt ihn erneut ein.

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ndPlusThomas Klein

Rasch isoliert

Die »Initiative für eine Vereinigte Linke« (VL) strebte im Herbst 1989 eine revolutionierte eigenständige DDR an, in der ein »Sozialismus der Freiheit und Demokratie« gegen den von der SED zu verantwortenden Scheinsozialismus, genannt »real existierender Sozialismus«, zu erkämpfen war. Die Initiatoren traten als eine explizit auf den demokratischen Sozialismus orientierende Programmgruppe auf, ...

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Misstrauen vergiftete Denken

Der Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer galt den SED-Oberen als Staatsfeind. Heute plädiert er für einen differenzierten Blick auf die DDR-Geschichte. Ein Gespräch über den 4. November.

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Berlin, 9. November 1989, 23.30 Uhr

Es war der 9. November 1989 abends. Ich ging meinem Haushalt nach. Im Hinter-grund lief der Fernseher, denn es waren aufregende Tage und es galt nichts zu verpassen; am 4. 11. war die große Demo auf dem Alex und am 8.11., forderte die SED-Basis vor dem ZK einen Sonderparteitag. Das DDR-Fernsehen übertrug um 18 Uhr jene legendäre Pressekonferenz aus dem Pressezentrum in der Berliner Mauerstraße,...