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UNTEN LINKS

Es war einmal, als Putin-Versteher noch kein Schimpfwort war, da hatte das Verstehen einen ziemlich guten Ruf. Die Kinder wurden sogar extra in die Schule geschickt, um dort zu erfahren, dass man selbst kryptisches Zeug wie die Sinusfunktion, Theodor Fontane oder Russisch verstehen kann. Und jetzt? Ist der Krieg die letzte Sprache, die jeder spricht? Nein. Auch davon verstehen viele nichts. Wil...

ndPlusMarkus Drescher

Konzept Konzeptlosigkeit

Der Bund gibt den Ländern Geld für die Betreuung von Flüchtlingen. Eine Milliarde für die nächsten zwei Jahre gegen ein paar wenige Verbesserungen für Geflüchtete. Und dann, wie weiter?

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Ingolf Bossenz

Die Fremden

»Die zärtliche Gleichgültigkeit der Welt«. Ein verstörendes Wort aus dem Roman »Der Fremde« von Albert Camus. Gleichgültig. Gleich gültig. Das klingt schon anders. Bleiben wir beim »Fremden«, bei den »Fremden«.

Bittere Weihnachten in Sicht

Noch ist es undenkbar: Weihnachten ohne schokoladige Weihnachtsmänner zu Discountpreisen. Die Entwicklung zeigt derweil in diese Richtung: sinkende Kakaoproduktion, weil die niedrigen Preise den Kakaobauern keine Investitionen erlauben. Diese sind aber dringend notwendig.

ndPlusReimar Paul

Rote Karte für RWE und Co.

Dreieinhalb Jahre nach der Stilllegung des AKW Biblis will der hessische Landtag begangene Rechtsfehler aufklären. Am Freitag sagten die ersten Zeugen im Untersuchungsausschuss aus. Doch die von RWE eingeforderten 235 Millionen Euro sind allerdings eine Fantasiesumme.

Olaf Standke

Starke Stimme

Als Auma Obama in einer hiesigen Talkshow einmal mit den Worten »Und Sie sind die Schwester des US-Präsidenten« begrüßt wurde, entfuhr ihr ein unüberhörbares »Schrecklich«. Sollte das der Grund der Einladung gewesen sein, wäre es »wirklich zu wenig«, so die heute 54-Jährige in bestem Deutsch. Sie mag es nicht, wenn »mein Name eine größere Rolle spielt als das, was ich tue«, wie sie kürzlich bei...

Amtssprachen, hereinspaziert!

Unser Friedensprojekt Europa hat es in diesem Jahrhundert auf gerade einmal zwei geordnete Scheidungsverfahren gebracht: 2006 stimmte Montenegro mit 55,5 Prozent für die Unabhängigkeit, 2014 Schottland mit 55,3 Prozent dagegen.

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Dank an einen Freund

15 Jahre arbeitete Jürgen Reents für das »nd«, 13 Jahre davon als Chefredakteur. Heute verabschieden wir ihn, wir tun dies in großer Dankbarkeit - froh, zu denen zu gehören, die mit ihm eine Wegstrecke gemeinsam gehen durften.

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ndPlusSabine Hunziker, Bern

Umweltschutz mit Kondomen und Quoten

Die Ökobewegung Ecopop will die Einwanderung in die Schweiz auf ein Minimum drosseln. Am Sonntag stimmen die Eidgenossen über ihre Initiative mit dem Titel »Stopp der Überbevölkerung« ab.

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Aktionsplan in Mexiko

Zwei Monate nach dem mutmaßlichen Mord an 43 Studenten hat Mexikos Staatspräsident Enrique Peña Nieto eine umfassende Polizei- und Justizreform angekündigt.

9 oder 40 Millionen für die FN?

»Das ist frei erfunden, das ist verrückt«, sagte Parteichefin Marine Le Pen der Nachrichtenagentur AFP zu einem Medienbericht, demzufolge sich ihre Partei Front National (FN) bei einer russischen Bank 40 Millionen Euro leihen wollte. Die FN habe neun Millionen Euro beantragt und nur diese bekommen.Das Online-Magazin »Mediapart« hatte vergangene Woche aufgedeckt, dass die FN sich bei der First Czec...

Grundlegendes Recht

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat Papst Franziskus am Freitag seinen ersten Besuch in der Türkei begonnen.

ndPlusRalf Klingsieck, Paris

Sarkozy will wieder an die Spitze

Schon am Samstagabend soll das Ergebnis der elektronischen Abstimmung über den neuen Vorsitz der rechtsbürgerlichen Oppositionspartei vorliegen. Fast 270 000 Mitglieder sind stimmberechtigt.

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ndPlusMarian Krüger

Zweierlei Maß für Bürger und Flüchtlinge

Der Bundesrat hat am Freitag eine Änderung des Asylbewerberleistungsgesetzes abgesegnet. Fällig war diese, nachdem das Bundesverfassungsgericht die soziale Ungleichbehandlung von Flüchtlingen vor fast zwei Jahren für grundgesetzwidrig erklärt hatte. Nun werden die Sozialleistungen für Asylbewerber zwar auf monatlich 352 Euro erhöht, liegen aber immer noch deutlich unter dem Hartz-IV-Satz für De...

Aert van Riel

Opfer für die schwarze Null

Am Freitag sagte Schäuble bei der Abschlussrunde zum Haushalt im Bundestag pathetisch, der schwarz-rote Etat ohne Neuverschuldung für das kommende Jahr sei »mehr als ein bedeutsames Ereignis, es ist eine Verpflichtung für die Zukunft«.

ndPlusAstrid Schäfers

Empörung in Sömmerda

Das Fernsehen hat den herablassenden Umgang einer Ausländerbehörde in Thüringen mit Flüchtlingen gezeigt. Offenbar gab es dort mehrere Vorfälle dieser Art. Der Beitrag löste eine Welle der Empörung aus.

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Gericht mahnt bei Sorgerecht Sorgfalt an

Karlsruhe. Behörden dürfen Eltern ihre Kinder nur wegnehmen, wenn die Eltern das »körperliche, geistige oder seelische Wohl« des Kindes »nachhaltig gefährden«. Stützen sich Gerichte dazu auf Sachverständigengutachten, müssen sie deren Stichhaltigkeit »streng« überprüfen, wie das Bundesverfassungsgericht in einem am Freitag veröffentlichten Beschluss entschied. Weiter heißt es im Fall eines Vate...

ndPlusRené Heilig

Der Schuldenschnitt und der Tod

Am 30. November 1989 wurde der damalige Chef der Deutschen Bank ermordet. Angeblich von der RAF. Sicher ist nur: Alfred Herrhausen starb mit 59 Jahren und ist in Bad Homburg begraben.

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WTO nimmt globales Abkommen an

Genf. Die Welthandelsorganisation (WTO) hat am Donnerstagabend das erste globale Handelsabkommen seit ihrer Gründung vor rund 20 Jahren angenommen. Durch eine Einigung des WTO-Generalrates ist der Weg zur Ratifizierung des im vorigen Jahr beim Gipfel auf Bali vereinbarten Pakets aus mehreren Einzelverträgen durch die 160 Mitgliedstaaten endgültig frei. Mit der Umsetzung der Bali-Beschlüsse könn...

ndPlusHaidy Damm

Bienentod vor Gericht

Pestizidhersteller klagen vor dem Europäischen Gerichtshof gegen ein Moratorium für ihre Produkte. Nun dürfen auch ihre Gegenspieler, die Imker, am Prozess teilnehmen.

ndPlusSimon Poelchau

Nur für reiche Bundesländer

Mit dem Auslaufen von Länderfinanzausgleich und Solidarpakt steht auch der Soli zur Disposition. Dabei geht es um viel Geld, das neu verteilt werden muss.

ndPlusSabine Hunziker, Bern

Demagogie mit dem Goldfetisch

Die Goldinitiative will, dass die Schweizerische Nationalbank mindestens 20 Prozent ihrer Anlagen in Gold halten muss. Am 30. November wird darüber abgestimmt.

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Very british

Die britische Krimi-Autorin P.D. James ist tot. Den Angaben zufolge starb P.D. James friedlich im Alter von 94 Jahren in ihrem Haus in Oxford. James wurde vor allem mit ihren Detektivromanen rund um die Hauptfigur, den dichtenden Scotland-Yard-Polizisten Adam Dalgliesh, berühmt. Die Britishness ihrer literarischen Inhalte drückte sich auch in ihrem Leben abseits der Schreibmaschine aus. P.D. James...

Mitmachen!

Am 21. Dezember - dem kürzesten Tag des Jahres - soll in ganz Deutschland wieder der Kurzfilm gefeiert werden. Rund 130 Veranstaltungen sind bisher angekündigt, wie der in Dresden ansässige Bundesverband Deutscher Kurzfilm am Mittwoch mitteilte. Gleichzeitig rief der Verband Kurzfilmfans zum Mitmachen auf. Jeder könne einen Kurzfilm zeigen, an jedem denkbaren Ort - in Kinos, Theatern, Museen, Gale...

Werklisten im Netz

Das Kunstmuseum Bern lüftet die Geheimnisse der Sammlung Gurlitt und stellt eine Werkliste ins Internet. »Im Sinne der angekündigten Transparenz macht das Kunstmuseum Bern die Listen der Werke publik, die in der Wohnung von Cornelius Gurlitt in München Schwabing sowie in dessen Haus in Salzburg gefunden wurden«, hieß es in einer Mitteilung. Die umfangreichen Werklisten, die unter anderem Ölgemälde...

ndPlusGunnar Decker

Östliche Zeitreise

Schlaglichter aus dem Osten Deutschlands: zwei Rotarmisten in Leipzig, im Mai 1945. Es hängt ihnen noch der Rauch der Schlachten an, die Maschinenpistole des einen scheint jederzeit losgehen zu können. Zwei Jahre später ein Blick auf eine Bahnstrecke bei Leipzig, deren Gleise zur Hälfte als Reparationsleistung abmontiert wurden. Das nächste Bild: zwei Kriegsversehrte, einer von ihnen an Krücken, d...

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Martin Hatzius

Reim auf die Woche

Vor der Semperoper stehn
 Fünftausend Patrioten, 
Sie gehen aber nicht hinein, 
Weil, Kunst ist für Idioten. Im Tal der Ahnungslosen bangt 
Man vor den Islamisten, 
Weil, die sind schlecht fürs Abendland,
 Als ob wir das nicht wüssten. Es sind ja nicht nur Hooligans,
 Die Deutschlands Reinheit pflegen 
Und allenfalls am...

Weinfass für Bruno Ganz

Für seine Verdienste um die deutsche Sprache wird der Schauspieler Bruno Ganz mit der Carl-Zuckmayer-Medaille 2015 des Landes Rheinland-Pfalz geehrt. »Er gehört zu den ganz wenigen Schauspielern, denen es gelingt, das Feuilleton ebenso zu Begeisterungsstürmen hinzureißen wie ein großes Publikum«, erklärte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Freitag in Mainz. Sie will dem in Zürich lebenden Ga...

»Normaler Alltag«

Der Umgang mit der Weimarer Klassik im Nationalsozialismus steht seit Freitag im Mittelpunkt einer Tagung in der Thüringer Kulturstadt. Ausgangspunkt sei die Persönlichkeit des langjährigen Museumsdirektors Hans Wahl und sein Antisemitismus, sagte Präsident Hellmut Seemann von der Klassik-Stiftung zum Auftakt. Hans Wahl (1885-1949) leitete ab 1918 als Direktor das Goethe-Nationalmuseum und ab 1928...

Rudolf Walther

Diese Lust an der Provokation

Der belgische Cartoonist Luc Zeebroek, der unter dem Künstlernamen Kamagurka bekannt wurde, er ist ein Multitalent: Fernsehmacher, Theatermann Aktionskünstler, Maler und Zeichner in einem. Seine Zeichnungen werden von flämischen Tageszeitungen gedruckt, aber auch von Blättern wie dem »New Yorker«, »Charlie Hebdo«, »Punch«, »Titanic« und der »Süddeutschen Zeitung«. So vielfältig wie Kamagurka arbei...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Die plötzliche Wärme der Worte

Am Sonntag nun beginnt die Adventszeit: Kommenszeit. Erwartung - nichts anderes heißt Advent, wenn wir einmal kurz davon absehen, dass es unbedingt auch verlängerte Ladenöffnungszeiten und erhöhte Bratwurstproduktion heißt. Die Zeit, die jetzt vor der Tür steht, stellt sich nicht vor jede Tür, der Eingang eines Shopping-Centers muss es schon sein. Eilige und dann immer eiligere Tage laufen so auf ...

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ndPlusAlexander Ludewig

Verlaufen in der Wuhlheide

Am Freitagabend ging es für den 1. FC Union Berlin beim FC Erzgebirge Aue um sehr wichtige Zweitligapunkte. Doch nicht nur die sportliche Situation bereitet manch Eisernem große Sorgen.

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Wir können keine Loopings einbauen

Josef Fendt aus Berchtesgaden ist Präsident des Rodel-Weltverbandes FIL. Jürgen Holz sprach mit dem 67-jährigen über die Weltpremiere einer fünften Disziplin, den Neubau von Kunsteisbahnen und die olympische Zukunft.

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Maueropfer Peter Göring

Peter Göring war ein Opfer der Berliner Mauer. Es ist beschämend, dass die Junge Union ausgerechnet - natürlich nicht zufällig - am Vorabend des Mauerfalljubiläums die Umbenennung der Peter-Göring-Straße in Strausberg verlangte.

Bernd Kammer

Mit der Tram zum Hauptbahnhof

Neues zum Fahrplanwechsel: Die S-Bahn fährt abends häufiger, Regionalbahnen werden verlängert und der Usedom-Express bleibt.

Sarah Liebigt

Alles neu macht der Mai

Zuständigkeitsüberschneidungen, Kompetenzgerangel und endlos lange Bearbeitungsvorgänge kennt jede Behörde. Die Berliner Polizei will nun das ändern und gibt Details zu Reform der Polizei vor.

Alexander Isele

Lichterfest gegen Abrissbagger

Ein letztes Mal soll dort, wo mal Autos rollen werden, gefeiert werden. Mit einem Fest wollen die Pächter an der Beermanstraße zeigen, dass sie den Ausbau der A 100 nicht akzeptieren. Mehr als ein Symbol bleibt ihnen dabei nicht.

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Helden wie Peter Göring

Die Junge Union möchte, dass die Peter-Göring-Straße in Strausberg umbenannt wird. Der Ostberliner Grenzposten war am 23. Mai 1962 an der Mauer erschossen worden.

Andreas Fritsche

Grüne denken über Urwahl nach

Eine Landesdelegiertenkonferenz der Grünen wählt in einem Neuruppiner Oberstufenzentrum einen neuen Vorsitzenden. Es gibt nur einen Bewerber.

Steffi Bey

LINKE wollen den Chefsessel

Die Lichtenberger LINKEN wollen wieder den Rathauschefsessel besetzen und gaben am Freitag ihren Kandidaten bekannt: Andreas Prüfer soll für die nächsten 22 Monate den Bezirk regieren.

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David Bowie in neuer Newton-Schau

Fünf »Big Nudes« von Helmut Newton hängen schon in der Lobby des Museums für Fotografie in Berlin. Nun folgen in einer aktuellen Ausstellung weitere lebensgroße Aktaufnahmen. Sie sind Teil einer Schau zum zehnjährigen Bestehen der Helmut Newton Stiftung. Die Schau »Permanent Loan Selection« ist eine Auswahl von 200 Werken aus der Dauerleihgabe. Rund die Hälfte der Bilder war bisher noch nicht in B...

Magier der Farben

Als Karl Schmidt-Rottluff anlässlich seines 80. Geburtstags im Jahre 1964 dem Land Berlin 75 seiner Werke schenkte, legte er damit den Grundstein zu einer herausragenden, allein den Arbeiten der Künstlergruppe »Brücke« gewidmeten Sammlung, die im speziell dafür erbauten und 1967 eröffneten Brücke-Museum Berlin aufbewahrt wird.Mit der Ausstellung »Landschaft, Figur, Stilleben« (1. Dezember bis 16. ...

Stahlwerk Riesa wird ausgebaut

Dresden. Die Elbe-Stahlwerke Feralpi GmbH (ESF) in Riesa (Sachsen) kann ihre Produktionskapazitäten um 40 Prozent steigern. Die Landesdirektion Sachsen erteilte bereits am Mittwoch die dafür notwendige immissionsschutzrechtliche Genehmigung. Mit verschiedenen Modernisierungsmaßnahmen will Feralpi die Kapazität des Werkes mit seinen 600 Mitarbeitern von derzeit einer Million Tonnen Stahl pro Jahr a...

ndPlusCaroline Bock

Nach Ostalgie jetzt Westalgie?

Wie sah eigentlich das alte Café Kranzler aus? Wann haben die Fans der Rolling Stones noch mal die Waldbühne zerlegt? Und wo ist das Poster geblieben, auf dem Harald Juhnke mit Peking-Ente Werbung für ein Chinarestaurant machte? 25 Jahre nach dem Mauerfall schwelgt Berlin in der Erinnerung an den alten Westen der Stadt, als im Radio noch der Rias lief und Männer dorthin vor dem Dienst in der Bu...

ndPlusHendrik Lasch, Leipzig

Der »Felsenkeller« wird wachgeküsst

Der »Felsenkeller« im Leipziger Westen war ein Traditionsort der Arbeiterklasse, die sich dort versammelte und feierte. Nach langem Siechtum soll das neobarocke Gebäude wiederbelebt werden.

Irgendwie muss man sich wehren

Am Samstag feiert das Stück »Misery« Premiere. In der Hauptrolle Jörg Schüttauf. Der am 26. Dezember 1961 geborene Schauspieler hatte seine ersten TV-Auftritte im »Polizeiruf 110«. Mit ihm sprach Marc Hairapetian.

Christian Schultz, Koblenz

»Fünf Regiomark, bitte!«

In Koblenzer Läden wird manchmal mit Geld bezahlt, das Fremden zunächst merkwürdig erscheint: mit der Regiomark RheinMosel. Sie ist eine von rund 30 Regionalwährungen im deutschsprachigen Raum.

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Sieben Tage, sieben Nächte

Merken Sie etwas, liebe Leserinnen und Leser? Hier an dieser Stelle - und nicht nur heute, sondern generell? Nein? Ein kleiner Tipp: Wann haben Sie den letzten Herrenwitz in dieser Spalte gelesen? Na? - Jede Wette: Sie können sich an keinen erinnern.

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ndPlusWolfgang Kühn

Zementierte Spaltung

Die neuen Bundesländer haben die Folgen der Deindustrialisierung noch längst nicht überwunden. Nach wie vor sind die Einkommen und die Wirtschaftsleistung im Osten erheblich niedriger als im Westen. Die Kluft ist zuletzt sogar wieder größer geworden.

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ndPlusLeo Fischer

Google-Regler

Es gibt immer mehr Daten über immer mehr Menschen, die immer weniger Interessantes tun. Worüber sich aber immer mehr Leute aufregen: Praktischerweise ersetzt ein paranoides Leben ein interessantes nahezu vollinhaltlich.

Schmidbauer

»Ehrlich gesagt«

Was wir sagen, kann Gedanken ausdrücken oder aber diese verbergen. Aber es kann auch dem Redner und seinen Zuhörern Zeit stehlen, indem die Wirklichkeit sozusagen verdoppelt wird und die Sprache das Tun beschwätzt, manchmal gar ersetzt. Von Sigmund Freud wird erzählt, dass er sich empörte, wenn jemand die Floskel »ehrlich gesagt« gebrauchte. Sollte das etwa heißen, dass bisher nicht ehrlich gerede...

ndPlusVon Till Bastian

Schöne neue Welt

Vor einiger Zeit hatte ich als Patienten einen evangelischen Pfarrer zu betreuen, der in zweiter Ehe mit einer Lehrerin zusammenlebt. Die beiden haben eine gemeinsame Tochter, aber außerdem hat jeder einen Sohn aus seiner ersten Ehe »mitgebracht«. Die beiden Söhne sind zufällig gleich alt (28 Jahre) und tragen den gleichen Namen (beide heißen Alexander) - aber sonst gibt es so gut wie keine Gemein...

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Mathias Wedel

Wo das Gute wohnt

Warum wir den Westen brauchen? Weil sonst die Zugvögel nicht wüssten, wo’s nach Süden geht. Auch wird der Westen gebraucht, weil der für den Kapitalismus der nördlichen Halbkugel steht, der sich hinter allerlei Firlefanz tarnt, der »westliche Werte« heißt, obwohl es »nördliche Werte« heißen müsste.

ndPlusLeo Fischer

Wo das Böse weilt

Warum wir den Osten brauchen? Die Feierlichkeiten am Brandenburger Tor anlässlich des 250. Geburtstags der Republik Bundesdeutschland haben es gezeigt: Ohne den Osten geht mittlerweile nichts mehr, gar nichts! Er ist uns ans Herz gewachsen wie ein großer Klumpen Cholesterin.

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Personen mit Kompetenz

Das Argument ist einleuchtend: In einer Welt, die mehr und mehr von Computern gesteuert, von elektronischer Kommunikation bestimmt wird, kann die Schule nicht so tun, als befände sie sich noch im Zeitalter vor Erfindung der auf binären Codes basierenden Rechenmaschinen.

ndPlusLena Tietgen

Digitale Analphabeten?

Die ICILS-Studie, die Medienkompetenz und -ausstattung von Schulen, Lehrkräften und Schülern untersucht hat, bescheinigt Deutschland ein mittleres bis unteres Niveau. Ein Thema, das neben Medien auch viele User beschäftigt. Thorn Torem hält auf zeit.de den Einsatz neuer Medien für wenig sinnvoll: »Laptops an jedem Arbeitsplatz schaffen für die Schüler keinen Mehrwert. Für die Wissensvermi...

Robert D. Meyer

Analoger Lehrplan

Die Bundesregierung will die Schulen im Land digitalisieren. Doch nicht nur aktuelle Studien lassen Zweifel aufkommen, ob das Ziel in naher Zukunft erreicht wird. Das Bild vom Digital Negative muss korrgiert werden.

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Alexander Bahar

Cesare Beccaria

Im Sommer 1764 war in Livorno anonym seine Schrift »Dei delitti e delle pene« (Über Verbrechen und Strafen) erschienen - ein von den Ideen Francis Bacons, Charles de Montesquieus, David Humes, Claude Helvétius’ und Jean Jacques Rousseaus beeinflusster Appell gegen Folter und Todesstrafe und für ein gerechtes, willkürfreies, tat- und schuldangemessenes Strafrecht. Cesare Beccaria, den sein...

ndPlusJoseph Meseritz

»Und ich sage Euch, es kostet nicht viel«

Es war seine erste Rede vor dem ZK der SED, in das er gerade erst als Mitglied kooptiert worden ist. Auf der Tagung im Oktober 1955 sprach Albert Norden mit ungewöhnlicher Schärfe und Offenheit über die steigende Zahl von Republikflüchtigen. Hatten einige Vorredner wirtschaftliche Fortschritte in der DDR gepriesen, kommentierte er den beunruhigend hohen Anteil Jugendlicher unter jenen, die das ...

ndPlusKurt Pätzold

Die verweigerte Tafel

Gäbe es eine Ehrenliste, auf der die Friedensbekenntnisse deutscher Kriegsgegner verzeichnet wären, sein Name und seine Tat würden den ersten Platz besetzen. Die Rede ist von Karl Liebknecht.

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Das Hormonorchester

Es ist ein großes Konzert, das die Hormone lebenslang in uns spielen. Ihr Auftreten ändert sich rhythmisch in der Zeit. Ständig finden sie im Körper in wechselnden Verhältnissen zueinander. Und manchmal tritt eines dominierend hervor. Durchaus nicht alle Hormone stammen aus Drüsen. Das Fettgewebe etwa hat sich als wichtiger Bildungsort entpuppt, das Hormone über das Blut zu anderen Zellen...

Martin Koch

Modell mit Lücken

Die Maus ist einer der wichtigsten Modellorganismen in der biomedizinischen Forschung. Das heißt, neue Medikamente und Therapien, die für Menschen bestimmt sind, werden zunächst an Mäusen getestet. Dabei stellt man jedoch immer wieder fest, dass Präparate, die bei Mäusen anschlagen, bei Menschen nicht dieselbe oder keine Wirkung entfalten. Neben Ähnlichkeiten muss offenbar der Stoffwechse...

ndPlusDirk Farke

Atemnot am Kaminfeuer

Europas Stadtbewohner atmen stark verschmutzte Luft ein. Wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf eine Veröffentlichung der Europäischen Umweltagentur (EUA) vor einigen Tagen meldete, ist die Luftverschmutzung mittlerweile so stark, dass sie bei 400 000 Menschen zu einem frühzeitigen Tod führt. Fast alle in den europäischen Städten lebende Menschen seien Schadstoffen in einer Konzentra...

Seite 27
ndPlusWalter Schmidt

Halbdunkel im Schatten

Tritt man an einem schönen Sommertag, geblendet vom gleißenden Licht der Sonne, in den Schatten, ist es dort keineswegs dunkel. Wieso kann man selbst im Schatten problemlos die Zeitung lesen?

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Mike Mlynar

Unfassbares Glück

Dass jeder seines Glückes Schmied sei, ist eine vermeintlich weise antike Feststellung (Appius Claudius Caesus, römischer Konsul und Diktator 307/285 v.u.Z.). Sie ist seither oft, immer wieder und in vielen Sprachen kolportiert worden. Aber sie wird dadurch kaum zutreffender. Denn dem Glück kann man zwar bekanntlich immer und überall hinterherjagen. Zu fassen bekommt man es auf diese Weise inde...

Besenritt ins wahre Leben

Eigentlich gehören fliegende Besen für den Quidditch-Sportler laut Buchvorlage zur Standardausrüstung. Dem steht für Normalsterbliche die Schwerkraft entgegen. Wie haben Sie das Problem gelöst? (lacht): Wir fliegen eben gerade so hoch, dass unsere Füße noch am Boden bleiben. Und zwischendurch kann man immerhin mal ein Stückchen springen. Besen sind bei Ihrem Quidditch Pflicht, nur m...

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Michael Juhran

Geheimnis der Wolkenmenschen

Im unwegsamen Norden Perus, dort wo die Zuflüsse des Amazonas 3000 Meter hohe Gebirgskämme mit tiefen Schluchten zerschneiden, wo Vegetationszonen aufeinandertreffen und die Anden unüberwindlich scheinen, lebte vor 1000 Jahren die Volksgruppe der Wolkenmenschen (Chachapoya), deren Herkunft noch heute von Mystik umwoben ist. Groß und hellhäutig sollen sie gewesen sein. Abenteuerliche Hypothesen ...

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ndPlusGabi Kotlenko

Kreisverkehr für Wasser und Züge

Romeos »Julia« heißt Giovanna. Und ihre Liebe musste weder irgendwelchen Widrigkeiten trotzen und schon gar nicht endete sie tragisch. Romeo ist eigentlich zweimal verheiratet - mit Giovanna und mit einem Gletschergarten. Doch Giovanna fügte sich nicht nur in ihr »Schicksal«, sie nahm es an und unterstützt ihn. Romeo Lardi, der kleine drahtige 66-Jährige aus Poschiavo im Süden des Schweizer Kan...