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UNTEN LINKS

»Linke Grüne«, so liest man, sehen ihre Partei »nach rechts abdriften«. Eine Aussage, wie sie verstörender kaum sein könnte. Hat man etwa je von atheistischen Katholiken gehört, die befürchteten, ihre Religion laufe Gefahr, in den Aberglauben »abzudriften«? Schon bei der Formulierung »linke Grüne« handelt es sich um das rhetorische Stilmittel der »contradictio in adiecto«, gebildet aus einem Ad...

Ermittlungen gegen Abgeordnete

Leipzig. Nach Blockadeaufrufen gegen einen rechten Legida-Aufmarsch ermittelt die Staatsanwaltschaft Leipzig gegen die Politikerinnen Monika Lazar (Grüne) und Juliane Nagel (LINKE). Beiden Frauen wird vorgeworfen, während einer Pressekonferenz zur Verhinderung der Demonstration am 21. Januar in der Messestadt aufgefordert zu haben. Dies erfülle den Straftatbestand der öffentlichen Aufforderung ...

ndPlusTom Strohschneider

Umwege gehen

Wer den Konflikt um dass Kreditprogramm für Griechenland verfolgt hat, konnte nicht anders, als das Agieren des Bundesfinanzministers für den Versuch zu halten, SYRIZA zur Kapitulation zu zwingen:Punkt!

Zehn Extra-Meilen an der roten Linie

Berlin. Vor dem Sondertreffen der Eurogruppe zur Verlängerung des Kreditprogramms für Griechenland haben sich auf europäischer Bühne Skepsis und leichter Optimismus die Waage gehalten. Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis erklärte vor den Gesprächen, die am Freitag mehrfach nach hinten verschoben wurden, »hoffentlich kommen wir mit etwas weißem Rauch heraus«. Die SYRIZA-geführte Regier...

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Markus Drescher

Staat und Nazis Hand in Hand

Nicht nur Pegida, Legida und Co. und die berühmt berüchtigten Nazi-Aufmärsche in Dresden machen den AntifaschistInnen in Sachsen das Leben schwer. Auch die »Sächsische Justiz« macht den Antifas das Leben schwer.

Grit Gernhardt

Hausbau auf Koalitionsart

Das Wohngeld wurde erhöht. Das erste Mal seit 2009. Das ist eine klare Besserung. Doch um ein mieterfreundliches Haus daraus werden zu lassen, reicht eine einfache Erhöhung nicht, da müsste noch viel mehr passieren.

Olaf Standke

Pyrrhussieg in Paris

Das Misstrauensvotum in Frankreich ist gescheitert. Manuell Valls hat damit nicht nur die das Votum überstanden. Er hat damit auch seine Reformen zu mehr Liberalisierung durchsetzen können.

ndPlusHans-Gerd Öfinger

NS-Experte

Wenige Wochen vor dem 70. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus präsentiert sich die KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora mit neuer Spitze. Am Freitag stellte die von Bund und Freistaat Thüringen unterstützte Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora den Historiker Stefan Hördler als neuen Leiter des am Rande von Nordhausen gelegenen Lern- und Gedächtnisorts vor. 1943 hatte da...

ndPlusMartin Leidenfrost

Kischinau, im Februar

Martin Leidenfrost will Mitglied des Verbandes moldawischer Schriftsteller werden. Unbedingt. Er hat da neben Wein, gutem Cognac und bunten Fingernägeln viele gute Gründe. Doch will er auf ganz ehrlichem Weg Mitglied werden.

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Vorwürfe statt Dank vom Innenminister

Der Staat macht Fehler, auch beim Thema Asyl. Dass Thomas de Maizière das Kirchenasyl ablehnt, ist befremdlich. Pastorin Dietlind Jochims ist sich sicher: Mit dem Kirchenasyl werden Menschenrechts- verletzungen verhindert.

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Berlin und das »trojanische Pferd« Athens

Am Tag danach sollten es freundlichere Töne sein. Über die Linie, die Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit seinem Nein zum Antrag auf Verlängerung des Kreditprogramms für Griechenland gezogen hatte, wollte die Kanzlerin aber nicht gehen. Sie teile Schäubles Einschätzung, sagte Angela Merkel am Freitag - bewerte das Schreiben aber durchaus als »gutes Signal« und Ausgangspunkt für weitere V...

Piräus kann Chinas Tor in die EU werden

Seit ein paar Wochen sind drei Schiffe der 18. chinesischen Flottille an Europas Küsten unterwegs. Bei Freundschaftsbesuchen in Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden und Frankreich waren zumeist Chinas Botschafter die ranghöchsten politischen Gäste an Bord. In dieser Woche machte der Verband in Piräus fest - und siehe da, der Ministerpräsident Griechenlands höchstselbst enterte das Flag...

Anke Stefan, Athen

Kleine Raten für kleine Leute

Obwohl die neue Regierung Griechenlands bisher eher mit Worten als mit Taten glänzt, hält ihr die Bevölkerung fest die Stange. Nach jüngsten Umfragen stützen ganze 80 Prozent den Kurs der Regierung.

ndPlusRudolf Walther

Groteskes Identitätstheater

Die Frage "Wer soll das bezahlen?" ist falsch gestellt, eigentlich müsste man fragen wieso es der BRD wirtschaftlich so gut geht. Der Autor Rudolf Walther über die Großmachtambitionen Berlins.

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ndPlusKlaus Joachim Herrmann

»Wer sind die?«

Zwischen dem 18. und dem 20. Februar 2014 starben fast 100 Menschen auf dem Maidan. Bis heute sind die Täter nicht identifiziert. Theorien wer an den Schüssen beteiligt gewesen sein könnte, gibt es umso mehr.

Manfred Schünemann

Die Ukraine in der tiefsten Krise

Der vor einem Jahr eingeleitete Kurswechsel führte nicht zu der erhofften Stabilisierung der seit Jahren von Auseinandersetzungen und Krisen gekennzeichneten innenpolitischen Lage der Ukraine.

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Paris: Kein Votum gegen die Regierung

Paris. Die sozialdemokratische Regierung Frankreichs hat wie erwartet einen Misstrauensantrag der konservativen Opposition überstanden. Bei einer Abstimmung in der Nationalversammlung in Paris verfehlte der Antrag am Donnerstagabend die notwendige absolute Mehrheit von 289 Stimmen deutlich. Für den von der konservativen UMP und der Zentrumspartei UDI eingebrachten Misstrauensantrag stimmten 234...

Dschihadisten töteten in Irak 150 Gefangene

Bagdad. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat im Westen Iraks 150 Gefangene getötet. Bei den Opfern handele es sich vor allem um Angehörige eines Stammes, der an der Seite der Armee gegen die sunnitischen Extremisten kämpfe, sagte der Vorsitzende des Ortsrates der Stadt Al-Bagdadi, Mallallah al-Obeidi, am Freitag. Unter den Toten seien auch Kinder. Die IS-Extremisten liefern sich in der Gegen...

Maduro greift durch

Caracas. Venezuelas Geheimdienst Sebin hat den oppositionellen Oberbürgermeister von Caracas, Antonio Ledezma, wegen mutmaßlicher Verschwörung festgenommen. Er solle sich wegen seiner »Vergehen gegen die Verfassung und gegen den Frieden im Land« vor Gericht verantworten, sagte Venezuelas Präsident Nicolás Maduro am Donnerstagabend (Ortszeit) in einer TV-Ansprache. Ledezma hatte vor einigen Tagen e...

ndPlusThomas Roser, Belgrad

Getrübte Feierstimmung

Der Aderlass aus Kosovo ist in den letzten Tagen spürbar versiegt. Doch beim siebten Geburtstag des Staatenneulings machte sich nur gedämpfte Freude breit.

Wolf H. Wagner, Florenz

Mit Kalkül und Charisma

Das italienische Parlament tut sich schwer mit den Reformen, die Regierungschef Renzi durchpeitschen will. Die Abschaffung des Senats kommt nur mit Mühe voran. Berlusconi rüttelt an der Regierung.

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Staatsanwalt offenbar ein Maulwurf

Der Generalstaatsanwalt Frank Lüttig soll das Leck gewesen sein, durch das interne Ermittlungsdetails in den Fällen Wulff und Edathy an Journalisten geflossen sind.

Aert van Riel

Basis-Grüne warnen vor Rechtskurs

Basismitglieder haben sich wegen ihrer Sorge um die Entwicklung der Grünen in einem offenen Brief, der »nd« vorliegt, an die Führung von Partei und Fraktion gewandt. Darin fordern sie einen grundlegenden Kurswechsel. Denn die Grünen hätten in der jüngsten Vergangenheit wichtige Themen vernachlässigt. »Die Sozialpolitik wurde bei uns - zumindest in den öffentlichen Kampagnen, aber auch auf der l...

ndPlusSusann Witt-Stahl, Hamburg

Die Rückkehr der Schill-Seilschaft

Mit Krawallrhetorik hat es die rechte AfD knapp geschafft, in die Hamburger Bürgerschaft einzuziehen. Funktionäre, die einst in der Schill-Partei waren, können mit der AfD-Elite kaum etwas anfangen.

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NSA hört auf dem Handy mit

Washington. Die Geheimdienste der USA und Großbritanniens können einem Medienbericht zufolge die Verschlüsselung von vielen SIM-Karten in Mobiltelefonen knacken. Die NSA und sein britisches Pendant GCHQ hätten die Verschlüsselungscodes des führenden SIM-Karten-Herstellers Gemalto gestohlen, berichtete das Investigativ-Portal »The Intercept« am Donnerstag. Dadurch könnten die Geheimdienste sowohl H...

ndPlusBasil Wegener

Wildwuchs bei Kliniken gefährdet Patienten

Krebspatienten können Glück haben und an eine Klinik mit hohen Standards geraten. Bei vielen anderen Krankheiten ist laut AOK die Wahrscheinlichkeit aber höher, in eine schlechte Klinik zu kommen.

Grit Gernhardt

Reform oder Reförmchen?

Ab 2016 sollen mehr Menschen Wohngeld erhalten und der Auszahlbetrag steigen. Verbände und Opposition kritisieren die geplante Höhe und eine unzureichende soziale Wohnungspolitik.

ndPlusKurt Stenger

Der fahrende Computer

Kein Unternehmen verfügt über ähnlich hohe Barmittel wie der Computerkonzern Apple. Das sorgt für hochtrabende Pläne. Nach iPhone und Co. könnte Apple nun in den Bereich der Automobilbranche wechseln.

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Im Ghetto von Mainz

Der deutsch-türkische Schriftsteller Feridun Zaimoglu (50) wurde am Freitag in sein Amt als neuer Mainzer Stadtschreiber eingeführt. Zaimoglu (»Kanak Sprak«, »Hinterland«) ist der 31. Träger des von ZDF, 3sat und der Stadt Mainz gestifteten und mit 12 500 Euro dotierten Literaturpreises. Zur Begründung erklärte die Jury, der in der Türkei geborene Autor kenne sich in den »Ghettos der Großstädte eb...

»Wir wollen Hitler umzingeln«

Das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) will seine kommentierte Ausgabe von Adolf Hitlers »Mein Kampf« voraussichtlich Anfang Januar 2016 veröffentlichen. Ende 2015, gut 70 Jahre nach Hitlers Tod, laufen die Urheberrechte aus, die der Freistaat Bayern als Rechtsnachfolger des nationalsozialistischen Franz-Eher-Verlages innehat. Bis zu 2000 Seiten lang soll die zweibändige Ausgabe sein, wie der stell...

Hans-Dieter Schütt

Nichts vorbei

Von Johannes R. Becher gibt es eine treffliche Definition für Begabung: Es sei die Fähigkeit, in gesellschaftlich aufschlussreiche Situationen zu geraten. Tagebau, Bühne, Armee, Stasi, Umschulungswerkstatt - Orte für gesellschaftlich sehr aufschlussreiche Situationen. In denen Gerhard Gundermann als Erfahrungssüchtiger lebte, ständig in Bewegung zwischen künstlichem Freiraum und wirklicher Lage. E...

Martin Hatzius

Alles vorbei

Als Gerhard Gundermann 18 war, wollte er Politoffizier werden und ging an die Offiziershochschule, freiwillig! Kein Berufswunsch hätte mir fremder sein können, als ich 20 Jahre später im selben Alter war - und seine Lieder rauf- und runterhörte. Die Partei, deren Mitglied Gundermann war, bevor sie ihn rausschmiss, hieß schon nicht mehr SED, als ich diesen Sänger Anfang der 90er für mich entdeck...

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Hans-Dieter Schütt

Klassik und Rote Kapelle

Überbrüht mich! Ich bin eine Teekanne!« Diese Sätze zu sprechen, das könnte für einen Schauspieler ein Vernichtungsurteil sein, eine Verbannung ins Dämliche. Horst Drinda hat das Zitierte über 600 Mal gesagt, es klang infantil glücklich, triumphierend befehlsgeberisch - und es war höchste Kunst. Der schizophrene Bürgermeister in Jewgeni Schwarz’ Märchenkomödie »Der Drache« ist Gutteil jenes ...

ndPlusJan Freitag

Überleben in der Krise

Von John de Mol ist man einiges gewohnt. Mit seinen Formaten für den Fernsehmarkt, wie Big Brother ist er sehr erfolgreich. Nun will er ein ganzes Dorf errichten lassen und die Bewohner überwachen.

Irmtraud Gutschke

Die Gespenster der Zukunft

Selbstporträt mit Flusspferd« - aber ein Selbstporträt des Autors aus früheren Zeiten ist es nicht, denn im Fernsehen werden die Olympischen Spiele in Athen übertragen und die Nachrichten aus Beslan, als im September 2004 nordkaukasische Terroristen in einer Schule über 1100 Kinder und Erwachsene in ihre Gewalt brachten. Jene Geiselnahme, die in einer Tragödie endete, führt dem Ich-Erzähler nur ei...

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Thomas Juschus, Paris

Vier Räder für ein Halleluja in Paris

Der deutsche Bahnvierer ist zurück in die Weltspitze gefahren. Bei der Rad-WM in Saint-Quentin bei Paris gab es mit Platz vier das beste Ergebnis seit 13 Jahren.

ndPlusAlmut Kipp, Hamburg

Ist Olympia willkommen?

Auf dem Weg zu Olympia begann in Hamburg und Berlin eine weitere wichtige Etappe. Einen Monat vor der Entscheidung über die deutsche Bewerberstadt ist die Meinungsumfrage angelaufen, mit der der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) die Zustimmung für die Spiele 2024 messen lässt. Dies sagte DOSB-Vorstandschef Michael Vesper am Donnerstag beim Wirtschaftsforum in Hamburg. »Es ist in beiden Städt...

ndPlusGerald Fritsche und Eric Dobias, Falun

Rydzek läuft zum WM-Titel

Ein Freudensschrei hallte heute durch die Winterlandschaft: Alle hatten Eric Frenzel auf der Rechnung, wenn es um Gold ging. Doch als der Olympiasieger Probleme bekam, sprang Johannes Rydzek in die Bresche.

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ndPlusJörg Soldwisch und Dominik Kortus, Wolfsburg

Bas Dost reicht es noch lange nicht

Er ist nicht besonders schnell, alles andere als elegant und hat Plattfüße - doch Bas Dost hat einen Lauf. Und was für einen. Mit seinem Doppelpack beim 2:0 (0:0)-Hinrundensieg in der Zwischenrunde der Europa League am Donnerstagabend im Heimspiel gegen Sporting Lissabon schraubte der formstarke Stürmer des VfL Wolfsburg seine Torquote auf neun Treffer in fünf Rückrundenpielen. Davon kann selbst W...

Max Zeising, Leipzig

Träumen von der großen Bühne

In der Messestadt wird erfolgreicher Frauenfußball gespielt. Doch der FFV Leipzig kämpft um jeden Zuschauer und das sportliche Überleben. Der Verein erwägt daher eine Kooperation mit RB Leipzig.

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Martin Kröger

Linksfraktion zieht sich zur Klausur zurück

Auf ihrer Tagung in Potsdam wollen die Sozialisten ihre Oppositionsprojekte weiter vorantreiben. Der Zoff aus dem vergangenen Jahr ist offenbar nicht gänzlich ausgestanden.

Thomas Blum

Gar furchtbar labert Opapa

Die U-Bahn in Berlin ist voll mit Werbung. Wo man hinschaut, hängen Plakate, flimmern Filmchen. Doch den Ansagen Prominenter in der U2 kann man leider auch mit geschlossen Augen nicht entgehen.

ndPlusBernd Kammer

Showdown beim Flughafen

Am Freitag beriet der BER-Aufsichtsrat über die Nachfolge von Hartmut Mehdorn. Es lief auf eine Kampfabstimmung hinaus.

ndPlusCelestine Hassenfratz

Kein Herz für Biker

Fahrradfahren in Berlin ist Krieg. Mangelnde Sicherheit und viel zu oft schmale Fahrstreifen für Radfahrer: Als fahrradfreundliche Stadt kann sich Hauptstadt Berlin wahrlich nicht bezeichnen.

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Christin Odoj

Zusammen jubeln

Was als Studentenprojekt begann, soll sich bald zur dauerhaft gelebten Willkommenskultur entwickeln: Sportvereine und Kulturveranstalter spenden Eintrittskarten für Flüchtlinge in Berlin.

ndPlusAndreas Fritsche

»Ich wähle Sie sowieso«

In sieben von neun Fällen scheiterten Landratsdirektwahlen in Brandenburg an der zu geringen Beteiligung. An diesem Sonntag wird in Oberhavel abgestimmt.

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Morgners Farbwunder

Bremen. Eine Mitarbeiterin der Museen Böttcherstraße in Bremen schaut sich in der neuen Sonderausstellung das Gemälde »Die Steinbrecher« des deutschen Malers Wilhelm Morgner (1891-1917) an. Die Ausstellung »Ungeheuerliche Farbwunder« ist noch bis zum 14. Juni in Bremen zu sehen und geht auf das Werk Morgners in der Zeit von 1910-1913 ein. Obwohl die Schaffenszeit des Expressionisten - er starb im ...

Keine Leute, keine Leute

Wenn Lehrer krank werden, bleibt vielen Schulen in Sachsen-Anhalt nichts anderes, als Unterricht ausfallen zu lassen. Reserven fehlen.

Markus Heffner, Stuttgart

Neustart oder Fehlstart

Auf den Fluren der gemeinnützigen Neustart GmbH in der Stuttgarter Rosenbergstraße geht noch alles seinen gewohnten Gang. Jeden Tag treffen sich die Bewährungshelfer des freien Trägers hier im Schnitt mit vier Klienten zum Gespräch. Doch ob die Sozialarbeiter auch künftig noch straffällige Männer und Frauen an einem der neun Standorte im Land betreuen können, ist ungewiss. Bundesweit ist dieses...

ndPlusThomas Schwandt, Rostock

»Das wissen auch die Touristen«

Mecklenburg-Vorpommern treibt den Ausbau der Windenergie zu Land und auf der Ostsee voran. Doch das führt zu wachsender Spannung zwischen Wirtschaft und Tourismus. Gelingt ein Kompromiss?

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Arno Geiger mit Flusspferd in der AdK

Zur Buchpremiere von Arno Geigers »Selbstporträt mit Flusspferde« lädt die Akademie der Künste am Pariser Platz am kommenden Dienstag, 20 Uhr, ein. In seinem ganz persönlichen, unverwechselbaren Ton erzählt Geiger von der Schwierigkeit des Erwachsenwerdens in einer unverständlichen Welt, von der Suche nach einem eigenen Platz. Und er nutzt dabei die Distanz der Perspektive des Älteren, um seinen F...

Erkundungen zwischen Berlin und Brandenburg

So großartig kann es aussehen, wenn man vom Potsdamer Neuen Garten zur vier Kilometer entfernten Berliner Pfaueninsel blickt, vorausgesetzt die Sonne spielt mit - wie auf dem Foto von Hans Bach, der u.a. für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg arbeitet und zu diesem Thema schon mehrere Bildbände veröffentlicht hat. Dieser nun, »Neuer Garten Pfaueninsel«, ist bei Edition...

Liu Xias rätselhafte Puppen

Die Fotografin Liu Xia zählt zu den interessantesten Künstlerinnen des gegenwärtigen China. Erstmals würdigt sie der Martin-Gropius-Bau in Berlin mit einer Ausstellung, die 44 großformatige Schwarz-Weiß-Fotos zeigt. Ergänzt wird die Schau durch einige Gedichte der vielseitigen Künstlerin. Die meisten Aufnahmen gehören zu einer zwischen 1996 und 1999 entstandenen Serie, die sie »Ugly Babies« (»Häss...

»Wenn meine Verse Flügel hätten«

Zu einem französischen Liederabend laden Sängerinnen und Sänger des Rundfunkchores Berlin im Rahmen des dritten KammermusikPodiums des Chores am Sonntag um 17 Uhr ins Schloss Friedrichsfelde ein. Christine Lichtenberg gestaltet gemeinsam mit ihren Kollegen Gesine Nowakowski und Young Wook Kim eine Soirée nicht nur aber im Besonderen für Freunde der französischen Musik.»Si mes vers avaient des aile...

Volkmar Draeger

Virtuelle Körperwelten

Mit »MatchAtria« präsentiert sie derzeit in den Sophiensaelen eine multimediale Tanzinstallation, die auf poetische Weiseden Matcha der Teezeremonie mit dem Herzen, genauer seinem Vorhof Atria verknüpft.

ndPlusJasper Rothfels, Haßloch

Bei den Vorkostern der Republik

In Haßloch entscheiden Bürger im permanenten Test, ob noch nicht eingeführte Produkte auf dem Markt eine Chance haben. Zehn bis 15 neue oder veränderte Produkte kommen pro Jahr auf den Prüfstand.

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Tom Strohschneider

Sieben Tage, sieben Nächte

Wer in Berlin gezwungen ist, doch einmal das Auto zu benutzen, macht Erfahrungen wie diese: Wirft man am Parkautomaten Geld ein und kommt doch später zurück, als der Zeitaufdruck auf dem Zettelchen erlaubt, bezahlt man bei Erwischtwerden 25 oder 30 Euro. Stellt man hingegen die Kiste ab und lässt die Sache mit dem Parkschein ganz, machen es die freundlichen Menschen vom Ordnungsamt bei Entdecku...

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ndPlusMax Böhnel , New York

Zornig gegen Rassismus

Er war ein Botschafter der afroamerikanischen Bevölkerung und ein Symbol der Hoffnung auf radikale Veränderungen in den USA zu Zeiten des Vietnamkriegs. Malcolm X. 1965 wurde er getötet. W"as ist sein Vermächtnis.

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Christian Baron

Revolutionär mit Widersprüchen

Bunt sieht er aus, dieser heruntergelassene Rollladen eines Bekleidungsgeschäfts, an dem sich vor Jahren ein politisch ambitionierter Künstler verwirklicht hat. In kurvig-roten Lettern begrüßt ein Schriftzug die Gäste in jenem New Yorker Viertel, das als Zentrum afroamerikanischer Kultur gilt: »Welcome to Heavenly Harlem« (»Willkommen im himmlischen Harlem«). Inmitten des Bildes schwebt der eng...

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Nachrufe

Karl-Heinz Kurras 1. 12. 1927 - 16. 12. 2014 »Wie starb Benno Ohnesorg, Student in Westberlin, kein Held - wird man sagen über ihn und wird in die alten Städte einziehen, die neu sind ...« Die Liedzeile vom »Oktoberklub«, dem Singeklub der FDJ, wird vermutlich auch anderen wieder in den Sinn gekommen sein, als diese Woche die Nachricht Verbreitung fand, dass sein Mörder schon im Dez...

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Guido Speckmann

War Marx ein Grüner?

Vor über 100 Jahren wurden Gedanken formuliert, die erst heute ihre ökologische Relevanz offenbaren. Engels beschrieb Beispiele für ökologische Auswirkungen menschlicher Handlungen. Waren Marx und Engels Grüne?

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Governance
Leo Fischer

Governance

Es sieht ja kaum noch einer fern, außer die ganz alten Leute und die, die das beruflich tun müssen und beispielsweise bei »Spiegel online« diese grässlich ranschmeißerischen Twitter-Live-Kommentare für den »Tatort« verfassen - falls die alten Leute beim Fernsehen noch launige Sprüche auf dem Handy lesen wollen. Aber wenn man’s dann mal doch tut und, einem Hinweis folgend, Maybritt Illner ...

Dr. Wolfgang Schmidbauer

Unbekümmert leben

Der erste Schultag ist ein wichtiger Schritt hinaus ins Leben. Die spitze Tüte wird mit süßem oder alternativ-gesundem Naschwerk gefüllt, das Kind tritt in eine neue Lebensphase. Es wird jetzt die Eltern loslassen. Die Gesellschaft übernimmt, verkörpert durch die gleichaltrigen Kameraden und die Lehrer. Lernen macht Freude, schlechte Noten machen Kummer. Gute Zensuren sind das wichtigste Mittel...

ndPlusMartin Koch

Die Sprache des Absurden

Jeder Mensch träumt, auch wenn sich nicht jeder am nächsten Morgen daran erinnern kann. Denn Träume werden in der Regel nicht vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis übertragen. Deshalb behalten wir einen Traum nur dann, wenn wir mittendrin oder kurz danach aufwachen und das im Kopf Geschehene noch einmal rekapitulieren. In ihren Träumen erleben Menschen oft die wildesten Abenteuer. Selbst w...

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Jörn Schulz

Mogeln für das Dogma

Wer sich historisch-kritisch oder auch unbefangen-naiv mit dem Koran und mit Mohammed befasst, könnte überrascht sein. Jahrtausende alte urbane Kultur vor allem Persiens und Indiens beeinflusste den Islam.

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Folge 49: Gemeinsame Wissenschaftskonferenz, die; Substantiv, feminin.

Auf Grundlage des Art. 91b GG wurde 2007 mit dem Verwaltungsabkommen zwischen Bund und Ländern die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) gegründet. Ihr Aufgabengebiet erfasst »alle Bund und Länder gemeinsam berührenden Fragen der Forschungsförderung, der wissenschafts- und forschungspolitischen Strategien und des Wissenschaftssystems«. Das Gremium setzt sich aus Vertretern von Wissenschaft un...

Guido Speckmann

Mehr Grundmittel!

Schön und gut. Auf »hochschulwatch.de« kann nun gezielt recherchiert werden, ob Konzerne, die auch mit Waffen Geschäfte machen, an deutschen Hochschulen Forschungsprojekte und Stiftungsprofessuren finanzieren oder Deutschlandstipendien an Studierende vergeben. Rheinmetall, Airbus und TyssenKrupp zum Beispiel tun das. Was sich aber hinter einer Stiftungsprofessur für Werkstoffwissenschaften an d...

ndPlusLena Tietgen

Zankapfel Drittmittel

Nachdem im letzten Jahr Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen Transparenz bei Drittmittelprojekten der Hochschulen im Hochschulgesetz festgeschrieben haben, folgen nun Bremen und Niedersachsen. Es geht um Darlegung von Art, Umfang und Budget von Forschungsprojekten, die extern in Auftrag gegeben werden. Die Hochschulen reagieren verschnupft. Laut spiegel.de sieht die Uni Bremen durch den Ge...

Guido Speckmann

Die Wirtschaft kauft sich ein

Es ist das am häufigsten genannte Beispiel: An der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS) müssen sich die Studierenden Vorlesungen in einem Hörsaal anhören, der nicht nur den Namen »Aldi-Süd« trägt, sondern vor dessen Eingängen auch unübersehbar das Logo des Lebensmittel-Discounters prangt. Die Fachhochschule lässt sich elf weitere Hörsäle von Firmen sponsern. So von Bosch, Brose, den Fränk...

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Wochen-Chronik

20. Februar 1810 Der Anführer des Tiroler Freiheitskampfes gegen Bayern und Frankreich, Andreas Hofer, wird auf Befehl Napoleons standrechtlich erschossen. Der verklärte, auch antiaufklärerische Züge aufweisende Aufstand begann am 9. April 1809 in Innsbruck. Franz Joseph I. ließ Hofer 1863 in die Liste der »berühmtesten, zur immer währenden Nacheiferung würdiger Kriegsfürsten und Feldherre...

Annelies Laschitza

Feliks Tych

Ich lernte Feliks Tych in den 1960er Jahren kennen. Als damaliger Direktor des Archivs der PVAP gewährte er mir in charmanter Zuvorkommenheit jedweden Quelleneinblick. Ich schätzte den polnischen Rosa-Luxemburg-Forscher als kenntnisreichen und kritischen Kollegen. Bereits 1962 hatte er mit Jadwiga Kaczanowska eine »Bibliografia pierwodruków Róża Luksemburg« veröffentlicht, die 1971 ergänzt...

ndPlusUlrich van der Heyden

Das große Grapschen nach Afrika

In den letzten Jahren wird von einigen sogenannten Aktivisten insbesondere in der deutschen Hauptstadt immer wieder der Vorwurf erhoben, dass hierzulande viel zu wenig über die kolonialen Verbrechen bekannt sei, man sich damit endlich kritisch auseinandersetzen müsse. Es sei an der Zeit, sich durch Rückgabe von in deutschen Museen gehorteten Beutegütern, vor allem der Human Remains, menschliche...

Seite 26
Michael Jäger

Knight Rider

Mit dem Einstieg des Internet-Giganten Google wird aus der Science-Fiction-Idee des selbststeuernden Autos womöglich in naher Zukunft Wirklichkeit. Damit können Risiken und mehr Kontrolle über unser Leben verbunden sein.

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ndPlusAndreas Göbel

»Die Straße ins Labor holen«

So futuristisch wie seine tägliche Forschungsarbeit mutet auch der Arbeitsplatz von Frank Wollenschläger an: Etwa so groß wie ein Volleyballfeld und neun Meter hoch ist die Halle der »virtuellen Straße« im Thüringer Innovationszentrum Mobilität (Thimo) in Ilmenau. Die Wände sind lückenlos mit riesigen, pyramidenförmigen Absorbern aus Polyurethanschaum verkleidet. Eine zusätzliche Beschichtung m...

Hans-Arthur Marsiske

Wie mit dem Fahrstuhl

Autonome Fahrzeuge sind schon seit Langem selbstverständlich - solange es auf und ab geht: Die Fahrtziele geben die Passagiere per Tastendruck ein, dann setzt sich das Gerät von selbst in Bewegung. Beim Erreichen einer Station ertönt ein akustisches Zeichen, die Kabine wird sanft abgebremst, die Türen öffnen sich. Einige steigen aus, andere steigen ein. Und weiter geht’s zur nächsten Etage. Man...

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Unterwegs im Unergründlichen
Jirka Grahl

Unterwegs im Unergründlichen

Schon mit der Anreise nach Rathen setzt Beruhigung ein: Nach kurvenreicher Serpentinenabfahrt wird das Auto linkselbisch abgestellt, in Oberrathen. Die schieren Ausmaße des halbbetonierten Parkplatzes verraten, welche Menschenmassen sich hier im Sommer tummeln - im trüben Februar indes reihen sich hier nur zwei Dutzend Autos aneinander. Motor aus, Türen auf, Durchatmen. Allein die Elbe is...

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Wie ein mahnender Zeigefinger
Heidi Diehl

Wie ein mahnender Zeigefinger

Über Menschenrechte reden heißt leider vor allem immer zuerst, über deren Verletzung überall auf der Welt zu sprechen. Wohl nirgendwo wird das umfassender und anschaulicher vor Augen geführt, als im Kanadischen Museum für Menschenrechte, das am 20. September des vergangenen Jahres in Manitobas Hauptstadt Winnipeg öffnete. Es ist nicht nur das einzige nationale Museum Kanadas außerhalb der Haupt...

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Von der Schul- an die Werkbank
Christina Matte

Von der Schul- an die Werkbank

Das graue Wetter schmeichelt der Stadt nicht. Sie hätte es nötig. Es soll hier schöne Ecken geben. Die, in die es uns verschlägt, wirken abweisend und schäbig. Kalte, heruntergekommene Straßenzüge, verlassene Villen, von denen der Putz bröckelt. In »Connys Imbiss« trinkt man schon früh um zehn Bier, das Speisenangebot ist überschaubar: Bockwurst, Bratwurst, Currywurst, Kartoffelsalat kostet 2,5...