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UNTEN LINKS

Eines der letzten Geheimnisse dieser Zeit ist noch immer das Briefgeheimnis. In welchen Kasten hat Varoufakis die Finanzpost nach Brüssel geworfen? Und was genau stand drin und hat er auf dem Weg zum Postamt nicht doch noch schnell einen Satz dazu geschrieben? Bedenkt man, wie lange so eine Ansichtskarte aus dem Kreta-Urlaub nach Berlin benötigt, muss die griechische Post als Beförderin in dies...

Bundestag beschließt Zahlung von Ghetto-Renten

Berlin. Auch Menschen in Polen, die während der NS-Zeit zur Arbeit in einem Ghetto gezwungen wurden, haben künftig Anspruch auf eine Rente aus Deutschland. Der Bundestag stimmte am Donnerstagabend mit den Stimmen aller Fraktionen einem Abkommen zwischen Deutschland und Polen zu, das die Zahlung ermöglicht. Bislang konnte wegen anderslautender Regeln in Polen lebenden ehemaligen Ghetto-Beschäfti...

Es rollt

Jetzt geht die Debatte über Griechenland und die europäische Krisenpolitik los. Wie bitte: Jetzt erst? Genau. Was bisher geschah, wird später einmal nur als jene kurze Phase erinnert werden, in der die Dinge ins Rollen kamen.

Ultimatum im Gasstreit mit Kiew

Moskau. Vor Gasverhandlungen in Brüssel hat Russland der Ukraine im Streit um unbezahlte Rechnungen ein Ultimatum gestellt. Sollte Kiew bis Montag dahin keine Vorauszahlung für März leisten, werde Dienstag der Gashahn zugedreht, warnte Energieminister Alexander Nowak am Freitag. Die EU-Kommission hat die Konfliktparteien für diesen Montag nach Brüssel eingeladen, um über die Umsetzung des Ende ...

Vincent Körner

SYRIZA schaltet Sender ERT wieder an

Die Regierung Athen will den öffentlich-rechtlichen Sender ERT wieder ans Netz bringen. Der Bundestag stimmte derweil der Verlängerung des Kreditprogramms für Griechenland zu.

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René Heilig

Anwürfe statt anständige Arbeit

Der Thüringer Landtag hat einen neuen NSU-Ausschuss eingesetzt. Gut so. Doch mit der Aufklärung hapert es nicht nur in Hessen. Wenn sich da ein Staatsanwalt über Inszenierungen ärgert, kann man nur den Kopf schütteln.

ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Clapper weiß, was Russen wollen

Ein US-Geheimdienstdirektor ist sich sicher, die Russen warten bis zum Frühling dann greifen sie an. Mit seinen Worten gießt er ganz bewusst Öl ins Feuer. Ein Mann wie er sollte aber wissen und nicht behaupten oder glauben.

Markus Drescher

Betroffenheit auf Zeit

Viele Juden fühlen sich in Deutschland nicht mehr sicher. Berlins Bürgermeister Michael Müller (SPD) nimmt »das nicht so wahr«. Und wie kommt er zu dieser Einschätzung, fragt sich Markus Drescher in seinem Kommentar.

Christian Klemm

Anwalt für Menschenrechte

Christoph Strässer ist in schwieriger Mission nach Mittelamerika gereist. Der Bundesbeauftragte für Menschenrechte hatte vermutlich Probleme, die richtigen Worte zu finden, als er den Eltern der vor Monaten getöteten Studenten am Mittwoch seine Aufwartung machte. Denn bei dem Massaker sollen Waffen aus dem Hause Heckler & Koch aus Baden-Württemberg zum Einsatz gekommen sein. »Ich habe die A...

ndPlusMartin Leidenfrost

Vergrabene Waffen

Ich fahre in den Donbass. In das ostukrainische Kohlerevier, ins Verwaltungsgebiet Donezk, in Richtung Front. Ich fahre mit Unbehagen. Gerade die Städte, an die mich starke Erinnerungen binden, scheinen mir unzugänglich.

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Der ultimative Gottesbeweis: Geld

Ob in der Tat »alle Wege« nach Rom führen, sei dahingestellt. Aber zeitweise führten alle Wege nach Limburg - jedenfalls, wenn es um das Finanzgebaren der christlichen Großkirchen ging. Um die Öffentlichkeit zu beruhigen, ist der bombastische Bischofssitz in der hessischen Kreisstadt nun für Veranstaltungen geöffnet worden. Den Bauherrn, den inzwischen geschassten Bischof Franz-Peter Teba...

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Greif zum Wörterbuch!

Dass eines der sogenannten Euro-Krisenländer vor EU-Autoritäten nicht kuscht, ist für manchen ein ganz neues Gefühl. Der neue griechische Premier Alexis Tsipras jedenfalls hat - im Vergleich etwa zu seinem vom Westen ausgeguckten Vorgänger Samaras - schon im Auftreten einen Stilbruch vollzogen. Er rutscht nicht auf Knien nach Brüssel und zurück, er erinnert sich und andere an seine Wahlversprechen...

Kritik am ersten Schritt

Aus Regierungskreisen in Athen hieß es, der Kompromiss mit den europäischen Gläubigern sei »ein Schritt in die richtige, der bisher verfolgten Politik entgegengesetzten Richtung«. Nicht alle SYRIZA-Mitglieder sehen das so.

Aert van Riel

Eine Frage der Solidarität

Alle Abgeordneten der LINKEN betonen, dass sie auf der Seite der griechischen Bevölkerung stehen. Über die Verlängerung des Athenpakets stimmten sie im Bundestag allerdings unterschiedlich ab.

ndPlusAnke Stefan, Athen

Regierung startet Kampf gegen Korruption

Die SYRIZA-geführte Regierung hat angekündigt, der in Griechenland grassierenden Korruption den Garaus machen zu wollen. Damit ist sie nicht die Erste. Was wollen Tsipras und sein Kabinett anders machen?

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8500 Firmen auf einen Streich

Am 1. März 1990 beschloss die Modrow-Regierung in der DDR die Gründung einer »Anstalt zur treuhänderischen Verwaltung des Volkseigentums«. Es ging darum, die Kombinate durch Umwandlung in Kapitalgesellschaften den sich verändernden Gegebenheiten anzupassen. Dann kam die Volkskammerwahl und die CDU übernahm die Regierung. Das Mitte Juni beschlossene Treuhandgesetz gab mit Blick auf den Einigungs...

Hendrik Lasch, Hettstedt

An einem unendlichen Strang

In Hettstedt wird seit 100 Jahren Kupfer verarbeitet. Auch die Wende überstand das Werk - weil man sich der Treuhand widersetzte.

Die Westkonkurrenz stand Schlange

Christa Luft war 1989/1990 Wirtschaftsministerin der Modrow-Regierung. Zuvor hatte sie als Wirtschaftsprofessorin an der Hochschule für Ökonomie in Berlin gelehrt. Von 1994 bis 2002 war sie Bundestagsabgeordnete der PDS und gehörte später dem Vorstand der Rosa- Luxemburg-Stiftung an. Mit der langjährigen »nd«-Kolumnistin sprach Kurt Stenger.

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Demonstration gegen Krieg vor Reichstag

Berlin. Am heutigen Samstag um 14 Uhr soll vor dem Berliner Reichtagsgebäude eine Kundgebung gegen den Kurs der Bundesregierung in der Ukraine-Krise stattfinden. Mobilisiert wird dazu vornehmlich im Internet. Auf einer Facebook-Seite hatten am Freitag mehr als 4000 Nutzer ihr Kommen angekündigt. »Nie wieder Krieg. Keine weiteren Forderungen. Deutschland raus aus dem Ukraine-Krieg«, heißt ...

Meike Stolp, London

Pegida in Newcastle unwillkommen

An diesem Samstag wird die erste Pegida-Demonstration in Großbritannien stattfinden. In Newcastle fühlt sich die Bewegung unterstützt. 2000 Gegendemonstranten wollen diesem Eindruck begegnen.

ndPlusSebastian Haak, Erfurt

Raus aus der Anonymität

Wurde versucht, die Wahl des ersten linken Ministerpräsidenten in Thüringen mit kriminellen Mitteln zu verhindern? Die Staatsanwaltschaft schweigt, dennoch kursieren Namen und führen zu Dementis.

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ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Tödliche Waffen für die Ukraine

Während die Diskussion über die Lieferung »tödlicher Waffen« durch NATO-Staaten an die Ukraine anhält, füllt diese längst ihre Arsenale. Dies geht aus ukrainischen Medienberichten vom Freitag hervor, laut denen es Lieferungen aus mehreren Staaten gebe. Das habe Oleg Gladkowski, Erster Vize-Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates, erklärt. Bei »Interfax-Ukraina« hieß es, dass man im Sicherheits...

ndPlusAndreas Knobloch, Mexiko-Stadt

Mexiko kommt nicht zur Ruhe

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer, weilt auf Stippvisite in Mexiko. Menschenrechtsverletzungen sind dort an der Tagesordnung.

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Robert D. Meyer

Entscheidung für ein neutrales Netz

Die US-Aufsichtsbehörde FCC hat nach langer Debatte strikte Regeln für die Neutralität im Internet beschlossen. Die Entscheidung dürfte auch Auswirkungen auf die Diskussion in Europa haben.

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Aufgetaucht

Ein seit mehr als zehn Jahren vermisstes Gemälde von Pablo Picasso ist in einer Paketsendung in New Jersey aufgetaucht. Wie die »New York Times« am Donnerstag berichtete, wurde das Werk »La Coiffeuse« (»Die Friseurin«) aus dem Jahre 1919 im Dezember mit einem Paketdienst von Belgien nach New York verschickt. Es wurde als »Kunst/ Handwerk/Spielzeug« im Wert von 37 Dollar (33 Euro) deklariert. Zölln...

Kämpferisch

Trotz des Beschlusses der Rostocker Bürgerschaft zu weitreichenden Strukturveränderungen am Volkstheater hat das Ensemble die Hoffnung auf den Erhalt des renommierten Hauses nicht aufgegeben. Die Mitarbeiter seien aber zunächst sehr betroffen, sagte der kaufmännische Geschäftsführer des Volkstheaters, Stefan Rosinski, nach einer Betriebsversammlung am Donnerstag. Daran nahmen rund 180 der insge...

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ndPlusHans-Dieter Schütt

Linker Lord

Diesem Schauspieler gelang eine wunderbare Einheit - die zwischen Kopf und Seele. Beides sehr fein. Im schwebenden Spiel wie im trittfesten Leben. Also auf der Bühne und in der Kantine. Klaus Piontek - vor achtzig Jahren geboren, 1998 gestorben - war er sechsunddreißig Jahre am Deutschen Theater Berlin. Spielte bei Besson, Dresen, wurde ein Wesentlicher in Inszenierungen von Thomas Langhoff. Fü...

Volker Trauth

Sinnsuchende in einer kalten Welt

Die Zahl der Präsentationsformen neuer deutscher Dramatik hat in den letzten Jahren zugenommen. Zwei Veranstaltungsreihen sind in diesem Monat im Hans-Otto-Theater Potsdam und am Deutschen Theater Berlin hinzugekommen. In Potsdam wurden drei Inszenierungen von nur unwesentlich gekürzten Texten gezeigt - gespielt von Schauspielern des Hans-Otto-Theaters und von Studenten der Berliner Universität...

Thomas Blum

Alles in die Tonne treten

Rap bedeutet homophobe Texte von aufgepumpten Mackern mit einem politischen Wissen, welches Grundschulniveau selten verlässt? Muss nicht sein. Zugezogen Maskulin überzeugen mit politischem Witz.

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Nico Ihle will aufs Podest sprinten

Im Sommer hat Eisschnellläufer Nico Ihle im Kraftraum geschwitzt wie nie. Der Lohn: vier Podestplätze im Weltcup. Doch krönen würde die Saison für ihn nur eine WM-Medaille.

ndPlusFrank Kastner, Winterberg

Die letzte Fahrt genießen

Noch einmal mit 140 Stundenkilometern durchs Eis, dann ist Schluss. Nach der WM in Winterberg beendet Cathleen Martini ihre von Höhen und Tiefen geprägte Karriere - nach 15 Jahren.

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ndPlusAlexander Ludewig

Im Wüstensande verlaufen

Wer mir folgt, gewinnt. Das Prinzip von FIFA-Präsident Joseph Blatter funktioniert bestens - und wird auch die Verlegung der WM 2022 in den Winter überstehen.

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Andreas Fritsche

Garnisonkirche: Alles auf Anfang

Linksfraktionschef Hans-Jürgen Scharfenbergs Bemühungen um Verständigung haben sich offensichtlich gelohnt. Im Streit um den geplanten Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche ist für die Befürworter zwar noch gar nichts verloren, und für die Gegner noch gar nichts gewonnen. Dennoch kommt eine nicht mehr für möglich gehaltene Bewegung in die Angelegenheit. Denn Oberbürgermeister Jann Jakobs (S...

ndPlusSarah Liebigt

Tausend Tage, tausend Probleme

Die Zusammenfassungen des BER-Debakels anlässlich seines 1000-Tagejubiläums waren abgeschlossen, da werden weitere Korruptionsvorwürfe bekannt. Und schon wieder wartet Arbeit für den Untersuchungsausschuss.

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Säuglinge sollen zu Hause bleiben

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte schlägt wegen der hohen Zahl der Masernfälle in Berlin Alarm: »Wir raten Eltern davon ab, mit Säuglingen in Berlin in die Öffentlichkeit zu gehen«, sagte Sprecher Sean Monks am Freitag. Die Ansteckungsgefahr sei im Moment zu groß. Für Säuglinge, die Masern bekommen, bestehe das Risiko an einer chronischen Maserngehirnhautentzündung (SSPE) zu erkranken....

ndPlusFelix Firme

Hunde zu Tisch, bitte

Neues Hundegesetz, Auslaufverbote z.B. an der Krummen Lanke. Für Berlins Vierbeiner wird es langsam ungemütlich. Anders im Hunderestaurant im Grunewald.

Andreas Fritsche

»Es fährt kein Bus, Arschkarte«

Darf eine Klasse aus 30 Kindern bestehen und wer passt an der Haltestelle des Schulbusses auf? Fragen an Politiker der Linkspartei.

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Morgenland im Abendland

Dresden. Fotobeweis aus der Elbestadt: Die Islamisierung Dresdens ist längst weiter fortgeschritten als allgemein wahrgenommen - hier ein Blick auf das als Moschee gestaltete ehemalige Fabrikgebäude der Zigarettenfabrik Yenidze, errichtet in den Jahren 1908/09. Dahinter - klar abgedrängt im Morgenrot und deutlich kleiner - die Frauenkirche und die katholische Hofkirche (l.) sowie der Schlosstur...

Preisfrage: Wie viel kostet ein Parlamentssitz?

Soll ein Abgeordneter in Bremen auf einem Stuhl für 2000 Euro sitzen? Der Plan, neue Stühle als Ersatz für die fast 50 Jahre alten Sitzgelegenheiten in der Bürgerschaft anzuschaffen, hat für viel Kritik gesorgt.

Feuerwehr nur noch mit Teilkasko

Eisenach. Ihre Finanznot zwingt so manche Thüringer Stadt oder Gemeinde inzwischen dazu, auch kleinere Ausgaben zu streichen. Das ist trotz der relativ geringen Summen wegen der Folgen oft problematisch. Nach Gutachten von Wirtschaftsprüfern soll die Stadt Eisenach beispielsweise die Vollkaskoversicherung für ihre Feuerwehrfahrzeuge teilweise kündigen, sagte eine Sprecherin der Stadtverwaltung ...

Hendrik Lasch, Magdeburg

Die 50-Prozent-Lawine

In Sachsen-Anhalt müssen Eltern vielerorts deutlich mehr für die Kinderbetreuung zahlen. Die Landespolitik sucht nach Lösungen - und wittert ein Wahlkampfthema.

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Kasper, Siegfried, SED

Ein Cabaret in Ostberlin vor 25 Jahren: Wie im alten Jahrmarktsspiel prügeln sich Kasper und Gendarm. Nur, dass Kasper »Wir sind das Volk!« ruft und ein Transparent hochhält, auf dem ein Wort geschrieben steht, dass die SED-Oberen gar nicht gerne mögen: »Demokratie!« Ein Kasperltheater war die DDR aber auch schon in den Jahren davor. - Der Puppenspieler Peter Waschinsky blickt am Sonntag im Kin...

Ein Tag für Afrika

Anlässlich des 130. Jahrestages der sogenannten Berliner Konferenz laden Africavenir, das Goethe-Institut und die Kulturstiftung des Bundes am Samstag in die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Auf wissenschaftliche und künstlerische Weise soll an die koloniale Vergangenheit Deutschlands erinnert und eine ehrliche und respektvolle Afrikapolitik heute eingefordert werden. »130 Jahre Berlin...

Zauberer in Mannheims Geisterstadt

Der Abzug der Amerikaner hinterlässt in manchen Städten Baden-Württembergs riesige Freiflächen. In Mannheim steht der Verkauf der bundesweit größten ehemaligen US-Wohnsiedlung an.

ndPlusDoris Weilandt

»Der Stoff schrie nach einem Drama«

»Der Fall Hodler. Krieg um ein Gemälde 1914-1919« heißt ein Drama um den größten Kunstskandal des deutschen Kaiserreichs. Im Zentrum stand damals das berühmteste Gemälde der Jenaer Universität.

ndPlusVolkmar Draeger

Selbst die Toilette wird bespielt

Auch wenn schon vernehmlich das Sterbeglöcklein läutet: Noch einmal zeigt das Festival des Freien Theaters bis zum Sonntag rund 120 Produktionen, in denen junge Aktive aus Theater, Tanz und Performance ihre, unsere Zeit kritisch kommentieren. Drei Spielstätten - Hebbel am Ufer, Sophiensaele und Ballhaus Ost - beherbergen die Vorstellungen und nutzen dafür alle Auftrittssorte, ob Bühne, Foyer, H...

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ndPlusWolfgang Hübner

Sieben Tage, sieben Nächte

»Bild« hetzt wieder mal. Man soll dieses hässliche Wort ja nicht inflationär benutzen, aber in diesem Fall ist es kein bisschen übertrieben. Das obskure Druckerzeugnis aus dem Springer-Verlag, das den Begriff Zeitung in seinem Titel nicht verwendet, hatte sich für die Donnerstagausgabe entschlossen, sein übliches Niveau noch einmal brutalstmöglich zu unterschreiten. »NEIN!« hatten die Blattmach...

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Wir sind die Arbeiterklasse

Wie denken Arbeiter über die Krise und ihre persönliche Zukunft? Fühlen sie sich von Politikern repräsentiert und was kann man besser machen? Wir haben drei Arbeiter dazu befragt.

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Rachat Alijew

Leben und Tod des Kasachen Rachat Alijew bieten jenen Stoff, aus dem Thriller gemacht werden. Beteuern auch alle Offiziellen der österreichischen Justiz in Wien einmütig, dass er in der Justizanstalt Wien-Josefstadt am Dienstagmorgen ohne Fremdeinwirkung und von eigener Hand in seiner Einzelzelle starb, bleiben doch allzu viele Fragen. Vielleicht ganz besonders jene, wie der Ex-Schwiegersohn un...

Hans Haberhauffe

Hans Haberhauffe war dabei, als dem DDR-Sport einer der legendären Siege in einem innerdeutschen Sportduell gelang: In Basel spielte der gebürtige Schönebecker in jener DDR-Nationalmannschaft mit, die vor 40 000 Zuschauern im St.Jakobspark Weltmeister im Feldhandball wurde - mit einem Finalsieg gegen die westdeutsche Auswahl. Das »nd« vom 10. Juni 1963 pries die »beispielhafte Gemeinschaftsarbe...

ndPlusGabriele Oertel

Haudegen des Gestrigen

Die Meldung hatte etwas Mitleid erheischendes: »Schäuble wirbt in Koalition für Griechenland-Hilfen«. Und das, obwohl der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis bis zum letzten Moment nicht aufhörte, seinen deutschen Amstkollegen zu reizen und ihn ein ums andere Mal »fassungslos« zu machen. Jedenfalls dürfte die Vorstellung, wie der in Brüssel beinhart als europäischer Besitzstandswahrer a...

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Daniel Leisegang

Vom Lesen der Leser

Bereits ein Viertel aller Bundesbürger liest regelmäßig E-Books, so das Ergebnis einer BITKOM-Umfrage im vergangenen Jahr. Und inzwischen bieten alle großen Verlage ihre Neuveröffentlichungen nicht nur gedruckt, sondern auch im digitalen Format an. Kurzum: Das E-Book hat auf dem deutschen Buchmarkt Fuß gefasst. Damit verändert sich allerdings nicht nur unser Leseverhalten, sondern auch da...

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Am Totpunkt: Fantasie

Das Thema Krankheit findet häufig literarischen Niederschlag. Für Peter Weiss waren 1970 Zusammenbruch und Zuckerkrankheit Folgen eines politisch und künstlerisch konfliktreichen Daseins. In »Rekonvaleszenz« schildert Weiss, dass er einen scheinbaren Endpunkt erreicht hat. Dabei zeigt dieses Tagebuch, dass der eigene gesundheitliche Niedergang nicht als Schicksal, sondern als Teil eines politis...

Dirk Werner

Intensivleben

Wenn du anderen sagst, du hättest jüngst vier Tage auf der Intensivstation gelegen, sperren sie Augen und Ohren auf. Dabei stimmt es nicht. Es waren nur dreieinhalb. Wenn du fortfährst, du würdest dort eine achtundvierzigstündige Multimediashow erlebt haben, feinst durchkomponiert und trefflich inszeniert, folgt erst recht Schweigen. Den Engeln war ich ganz nahe. Sagst du, worauf das Stummsein ...

Seite 23
Gerhard Schweppenhäuser

Falsche Zustände. Nur mit uns.

Das Wort »Ideologie« begegnet einem auf Schritt und Tritt. Der Architekturkritiker der »Süddeutschen Zeitung« spricht von der Ideologie des Eigenheims auf der grünen Wiese, »Spiegel Online« beobachtet den russischen Präsidenten im »ideologischen Kampf gegen den Verfall der Werte, gegen die Verweiblichung und Verweichlichung der Gesellschaft, kurz: gegen alles Unrussische«. Das Wort wird i...

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Konservative Einsicht

Keine Frage: Wenn es um Asyl geht, steht die CSU weit rechts von der Mitte. Das Vokabular, mit dem Horst Seehofer beim diesjährigen Politischen Aschermittwoch in Passau Stimmung gegen Einwanderer und Flüchtlinge machte, belegt das auf eindrucksvolle Art und Weise.

ndPlusLena Tietgen

Kinderverwahranstalten oder Kinderbetreuung?

Laut Statistischem Bundesamt machen Eltern zunehmend vom Recht auf einen Kitaplatz für unter Dreijährige Gebrauch. Vorreiter sind die ostdeutschen Länder, allen voran Thüringen mit 52,4 Prozent. Aber auch der Westen holt auf; dort liegt die Betreuungsquote der unter Dreijährigen mittlerweile bei 27,4 Prozent. Trotzdem wird die Debatte über das Für und Wider der frühkindlichen Betreuung außerhal...

ndPlusChristin Odoj

Gefangene im Föderalismus

Minderjährige Asylbewerber haben Anspruch auf eine Schulausbildung. In der Praxis wird ihnen diese aber allzu häufig verwehrt, wie das Beispiel des 15-jährigen Flüchtling Sultan zeigt.

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ndPlusMartin Stolzenau

Andreas Gottschalk

Den Konvertiten, Armenarzt und frühsozialistischen Arbeiterführer, der Karl Marx als einen »gelehrten Sonnengott« bezeichnete, kennt heute kaum jemand mehr. Geboren am 28. Februar 1815 in Düsseldorf als Sohn eines strenggläubiger Juden und Metzgers, wurde Andreas Gottschalk im streng religiösen Sinne erzogen, dem er sich jedoch alsbald entzog. Nach dem Umzug der Familie nach Köln begeisterte si...

Gerd Fesser

Herrscher für hundert Tage

Wien, 7. März 1815. Um sechs Uhr morgens weckt ein Kammerdiener den österreichischen Außenminister Fürst Metternich und übergibt ihm eine Eildepesche. Metternich ist die graue Eminenz des Wiener Kongresses, auf dem Vertreter der Großmächte Russland, Großbritannien, Österreich, Preußen und Frankreich nach einem Vierteljahrhundert der Kriege und revolutionärer Umwälzungen die Verhältnisse in Euro...

ndPlusArmin Jähne

Operation »Frühlingsgewitter«

Im Dezember 1944 wird der junge Leutnant Wasil Bykow, später ein bekannter sowjetischer Schriftsteller, während der Kämpfe um Budapest verwundet und in ein Lazarett gebracht. Wieder genesen, gerät er im März 1945 in den Feuersturm der Operation »Frühlingsgewitter«, der letzten großen, von der faschistischen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg geführten Offensive. Nachdem am 13. Februar Budapes...

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Martina Rathke

Frostprogramm für Wendelstein

Nach jahrelangen Verzögerungen nähert sich das Kernfusionsprojekt »Wendelstein 7-X« in großen Schritten seiner Experimentierphase. Die Forscher des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik in Greifswald haben mit dem Herunterkühlen von 450 Tonnen Metall auf minus 270 Grad Celsius begonnen - Voraussetzung dafür, dass die Magnetspulen supraleitend werden, die später das bis zu 100 Millionen Grad hei...

Reinhard Renneberg

Mutig nur im Team

Mit »reifen Persönlichkeiten« beschreibt man eher selten jene unappetitlichen Krabbeltiere, auf die man täglich in Hongkong stößt. Persönlichkeit umfasst ein bestimmtes soziales Verhalten: hartnäckig, mutig, bezaubernd, bescheiden, aggressiv etc. Auf einige Wirbellose lässt sich das zweifellos anwenden: Bienen, Spinnen, Octopusse. Aber niemand hat bisher Küchenschaben darauf untersucht. Der Nam...

ndPlusMartin Koch

Härtetest für Einstein

Als Albert Einstein vor nunmehr 100 Jahren die Allgemeine Relativitätstheorie begründete, ging er von einem Gesetz aus, das in seinem Kern auf Galileo Galilei zurückgeht. Nämlich: Bei gleichem Anfangsort und gleicher Anfangsgeschwindigkeit durchlaufen alle Körper im Vakuum dieselbe Fallkurve. Oder kürzer formuliert: Alle Körper fallen gleich schnell. Um dies zu bestätigen, soll Galilei nach ein...

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Umbauziel: Lebenswerte Umwelt

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt inzwischen in Städten, Tendenz steigend. In Deutschland sind es zwei Drittel. Da wundert es nicht, dass Science-Fiction-Filme die Städte der Zukunft oft als Ansammlungen gigantischer Wolkenkratzer darstellen, die sich bis zum Horizont erstrecken. Doch die Probleme der Stadt werden sich nicht durch futuristische Architektur und Gigantomanie lösen lass...

ndPlusKlaus Oberzig

Sonnenfelder und Tauchsieder

Aus der Luft betrachtet lassen sich große Solaranlagen in Dänemark leicht mit den in Deutschland üblichen Photovoltaik-Parks verwechseln. Doch was da in großer Zahl am Rande von kleinen und mittleren Kommunen in der nordischen Sonne glänzt, sind stattdessen solarthermische Kollektorfelder. Sie liefern Wärme und keinen Strom. Solarstromanlagen sind im Land der Windräder vergleichsweise selten, S...

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Reizende Oma

Roswitha Körper reizt gern. Und zwar schon seit mehr als einem halben Jahrhundert. Nun hat sie ihrer Leidenschaft die Krone aufgesetzt. Die 74-jährige mehrfache Großmutter aus dem unterfränkischen Marktheidenfeld ist jetzt in Paraguay Senioren-Skatweltmeisterin sowohl im Einzel- als auch im Teamwettbewerb geworden. »Das ist der krönende Höhepunkt. Das erreicht man nie wieder«, sagt die Unterfrä...

ndPlusCarlos García Hernández

Schachkolumne von Carlos García Hernández

Arkadij Naiditsch (Deutschland; 29) hat das, was Fußballer einen guten Lauf nennen. Er gewann das Zürcher Weihnachtsopen, das Basler Schachfestival, und beim Badener Chess Classic schlug er Weltmeister Magnus Carlsen (Norwegen; 24). Naiditsch, Arkadij (ELO: 2694)-Carlsen, Magnus (2862) [B06-Moderne Verteidigung], GRENKE Chess Classic 2015, Baden-Baden, 04.02.2015 (3.Runde) 1.e4...

Mike Mlynar

Geheimnis der Ringe

Berlin und Hamburg haben sich als Olympia-Bewerberstädte für 2024 oder 2028 ins Gespräch gebracht. Zwei Mal waren deutschen Versuche in den letzten zwei Jahrzehnten grandios in die Hose gegangen. Berlin wollte 2000 dabei sein, doch da bekam Melbourne den Zuschlag, Leipzig nahm Kurs auf 2012, aber London hatte die Nase vorn. Natürlich haben sich Pro- wie Kontra-Bewegungen in Berlin und Hamburg l...

Unterwegs nach Waterloo

So muss sich wohl Macbeth gefühlt haben, als es dereinst ziemlich eng wurde für ihn. Weil Shakespeares unglückseliger Held, vom Ausguck seiner Burg Dunsinane ins Dunkle spähend, schreckensbleich bemerkte, dass offenbar die Stunde einer irren Prophezeiung geschlagen hatte. Indem eben noch fest verwurzelte Baumreihen plötzlich in Bewegung gerieten und auf die Festung vorrückten. Und heute n...

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Heidi Diehl

Im Rausch der Farben

Keine Ahnung, was die Männer an diesem Nachmittag machen. Nur Frauen und Kinder sind auf dem Dorfplatz von Alsisar zu sehen. Und die haben alle Hände voll zu tun, schichten Unmengen von getrocknetem Kuhdung zu einem riesigen Haufen auf. Zum Sonnenuntergang soll er in Flammen aufgehen. Dann beginnt auch in diesem kleinen Dorf in Rajasthan das Frühlingsfest Holi und wird für die nächsten Tage Alt...

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Infos

Fremdenverkehrsamt Tunesien: www.tunesien.info, Tunesien auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin: Messegelände, 4.-8. 3., Halle 21, Touristeninformationen: www.tunesientourist.com, Literatur: Tunesien, Marco Polo, Ostfildern, mit Faltkarte und Reiseatlas, 2013, brosch., 136 Seiten, Star-Wars-Fanseite: www.facebook.com/StarWarsTunisia, ...

Michael Müller

Wassermusik in der Wüste

Eben beim Gespräch unten an der Treppe zur Bühne noch zu jedem Scherz aufgelegt, wirkt DJ Deena Abdelwahed kurz danach oben, als sie sich hinter der riesigen Mischpultmaschinerie die Kopfhörer überstülpt, hoch konzentriert und entrückt. »DJ zu sein, ist für mich zwar ein Riesenglück, aber eben nicht nur ein Gag«, hatte die 26-jährige Tunesierin dem Reporter an der Treppe gesagt. »Ich will mit m...

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ndPlusUlrike Gramann

In der Fremde sind Freunde Heimat

Gott schuf die Erde in sieben Stockwerken», beginnt die syrische Legende, von der mir Nerkiz Joli im Gedränge der Opernpause erzählt. In dieser Legende gleiche Damaskus mit seinen sieben Toren dem Paradies. Sieben Tore zu sieben Städten, von denen spricht «Janna», das Paradieslied. Ibrahim Khashush schrieb es 2011 im Flüchtlingslager: «Paradies … Paradies … Paradies/ Syrien ist unsere Heimat/ U...