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UNTEN LINKS

Derzeit versucht ein Lehrer, vor einem Gericht sein Recht durchzusetzen, eines der berühmtesten Gemälde der Welt, Gustave Courbets »Der Ursprung der Welt« aus dem Jahr 1866, auf Facebook zu posten. Das Kunstwerk zeigt den Unterleib einer Frau, d.h. nackte Haut und Schambehaarung. Nacktheit aber ist pfuibäh bzw. igitt, sagt der Konzern Facebook und argumentiert damit ungefähr so intelligent wie ...

Amann: Korruption war Mehdorn seit langem bekannt

Berlin. In der neuen Korruptionsaffäre am Hauptstadtflughafen hat der frühere Technikchef Horst Amann Vorwürfe gegen den scheidenden Geschäftsführer Hartmut Mehdorn erhoben. Amann erklärte im BER-Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses am Freitag, Mehdorn habe bereits im Sommer 2013 durch ein anonymes Schreiben von dem Schmiergeld-Verdacht erfahren. »Ich habe gesagt: Das ist ein ...

Ines Wallrodt

Durch die Decke

Es ist alles richtig: Die beschlossene Frauenquote ist ein lächerliches Quötchen, nur für Aufsichtsräte, nicht für Vorstände, wo die Musik spielt, erkauft mit absurden Gleichsetzungen.

Ines Wallrodt

Aufsichtsräte werden weiblicher

Zwei Tage vor dem Frauentag wirkt das Gesetz wie ein Geschenk, dabei ist es ein hart erkämpfter Fortschritt, der ausdauernden Quotenbefürworterinnen zu verdanken ist.

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Irrsinn in Irsching

Das Gaskraftwerk Irsching in Bayern ist eines der modernsten, effizientesten und saubersten seiner Art in Deutschland. Trotzdem möchten es die Betreiber stilllegen, denn es lässt sich derzeit nicht wirtschaftlich betreiben.

Halbherzige Reue

Peer Steinbrück neigt zuweilen zur Milde - sich selbst gegenüber. Gut erinnert man sich der Tränen, die er in einer Gesprächsrunde zurückhalten musste angesichts der Anwürfe, denen er als Kanzlerkandidat ausgesetzt war.

Eine Frage der Konsequenz

Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel steht am Wochenende in Riad auf dem Prüfstand. Saudi-Arabien ist der Bundesrepublik einer wichtiger Wirtschaftspartner, zumal im Energiebereich, und zugleich Verbündeter im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat.

Stephan Fischer

Eisbrecherin für China

Als das norwegische Nobelpreiskomitee 2010 den Friedensnobelpreis an den chinesischen Systemkritiker Liu Xiaobo verleiht, hat Karin Cecilie Kullmann Five die Entscheidung »von ganzem Herzen mitgetragen«. Das versicherte die 63-Jährige jetzt in Oslo kurz nachdem sie den bisherigen Vorsitzenden Thorbjørn Jagland als Vorsitzenden des unabhängigen Gremiums abgelöst hat. Die Konservative Five hat di...

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Aert van Riel

Unabhängigem Institut droht Abwertung

Die Zeit drängt. Politiker der Große Koalition wollen möglichst bald ihren seit Monaten andauernden Konflikt über die Zukunft des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR) beilegen. Wenn es nicht gelingen sollte, dessen Arbeit auf eine gesetzliche Grundlage zu stellen, droht dem Institut ein Verlust des sogenannten A-Status, der Beteiligungsrechte bei den Vereinten Nationen garantiert. Das ...

ndPlusVelten Schäfer

Die belächelten Menschenrechte

Seit fast genau 50 Jahren gibt es die sozialen Menschenrechte in der EU-Sozialcharta, seit 1966 im Sozialpakt der UN. Doch erst allmählich entsteht eine Dynamik zu ihrer Umsetzung in handhabbares Recht.

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ndPlusFabian Lambeck

Fernverkehr auf dem Abstellgleis

Sinkende Fahrgastzahlen und gestrichene Nachtzugverbindungen: Der Fernverkehr bleibt Sorgenkind der Bahn. Doch die Koalition sieht keinen Handlungsbedarf.

Kurt Stenger

Akute Geldsorgen in Athen

Der griechische Staat zahlt IWF-Kredite zurück, hat inzwischen aber offenbar Probleme, alle öffentlich Bediensteten zu entlohnen.

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ndPlusMarian Krüger

Bayern will Kosovaren-Index

Bayern sorgt für anhaltend schrille Töne in der Flüchtlingsdebatte. In den Bundesrat brachte die Landesregierung einen Antrag ein, der weitere Balkanländer zu sicheren Herkunftsstaaten erklärt.

Aert van Riel

Massive Beschneidung des Asylrechts

Die umstrittene Reform des Bleiberechts und der Aufenthaltsbeendigung wurde erstmals im Bundestag diskutiert. Oppositionspolitiker warnten vor scharfen Einschnitten.

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Attacke in Jerusalem

Attacke eines Palästinensers in Jerusalem, die PLO kündigt die Sicherheitskooperation mit Israel auf. Nahost kommt nicht zur Ruhe.

Kultur im Visier der IS-Vandalen

International wächst die Besorgnis über den kulturzerstörenden Feldzug der Dschihadisten gegen die Archäologiezentren in Irak.

ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Ukraine-Konflikt im Niemandsland

Trotz Schüssen und Wortgefechten werden die Vereinbarungen von Minsk II erfüllt. Sichtbar werden aber in der EU und den USA unterschiedliche Konzepte.

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ndPlusBengt Arvidsson, Stockholm

Eine Jury für die Regierung in Oslo

Der Vorsitzende des norwegischen Nobelpreiskomitees Jagland wurde durch die Konservative Five ersetzt. Der historische einmalige Beschluss spiegelt eine tiefere Strukturkrise des Gremiums wieder.

Hanna Penzer, Brüssel

Jobkiller Freihandel

Die Verhandlungen zwischen EU und USA zu dem umstrittenen Handelsabkommen TTIP laufen. Eine Konferenz der Linksfraktion im EU-Parlament sinnierte über potenzielle Folgen des Projekts.

Olaf Standke

Tauziehen unterm atomaren Schutzschirm

Nach Gesprächen über das Atomprogramm Irans in Montreux und Riad wird US-Außenminister John Kerry am Samstag mit wichtigen EU- Amtskollegen in Paris über die weiteren Verhandlungen beraten.

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ndPlusHans-Gerd Öfinger

Toter Vogel mit CDU-Parteibuch

Wer ist schuld an der Milliardenklage der Energiekonzerne gegen Bund und Länder? Das konnte auch am Freitag in Wiesbaden nicht geklärt werden - CDU-Politiker bezichtigen sich gegenseitig.

Anna Maldini, Rom

Ratingagenturen vor Gericht

2011 wurde Italien abgewertet. Vom vereinbarten Strafgeld profitierte eine Großbank. Nun soll ein Prozess Ungereimtheiten aufklären.

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Massernwelle auf Höchststand

In Berlin hat die Masernwelle einen neuen Höchststand erreicht. Allein für die laufende Woche wurden bis Freitagvormittag 111 neue Fälle gemeldet. Beim aktuellen Ausbruch sind das so viele wie noch nie in einer Meldewoche. Der bisherige Spitzenwert lag Ende Januar bei 88 Fällen pro Woche. Insgesamt seien damit seit Beginn der Welle im Oktober 724 Menschen an Masern erkrankt, sagte Silvia Kostner, ...

CDU will schnell abschieben

Im Ton vergriffen hat er sich nicht. Geschickt formuliert hat der brandenburgische Landtagsabgeordnete Danny Eichelbaum (CDU) seine Auslassungen zur steigenden Zahl von Asylverfahren. Konsequent zu Ende gedacht sind seine Thesen zur Asylpolitik dennoch flüchtlingsfeindlich. Das Oberverwaltungsgericht hatte am Freitag informiert, die Zahl der eingehenden Asylfälle sei 2014 am Berliner Verw...

LINKE will »Straße der Befreiung«

Die Linksfraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg will sich für die Rückbenennung der Straße Alt-Friedrichsfelde in »Straße der Befreiung« einsetzen, so wie sie von 1975 bis 1992 schon einmal hieß. »Die Umbenennung der Straße der Befreiung im Jahr 1992 war eine geschichtsvergessene Entscheidung der damals Regierenden. Das sollte mit Blick auf den 70. Jahrestag der Befreiung korrig...

ndPlusChristin Odoj

»Jede Schule braucht einen Sozialarbeiter«

Jugendsozialarbeiter an Berliner Schulen sind begehrt und nicht nur an Schulen mit schwieriger Schülerschaft gefragt. Bei den kommenden Haushaltsverhandlungen will der Bildungssenat aufstocken.

Sarah Liebigt

Dann ist der Termin tot

Der ehemalige Technikchef Horst Amann sagte im BER-Untersuchungsausschuss aus. Die Koalition wies die Vorwürfe zurück.

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Andreas Fritsche

Prozess zum Palast der Republik

Das Oberverwaltungsgericht verhandelt am 23. April die Klage gegen 4,3 Millionen Euro Sondernutzungsgebühr für die Abrissbaustelle.

ndPlusSamuela Nickel

Mall of Shame ...

Arbeitnehmer, die beim Bau eines Einkaufszentrums in Mitte beteiligt waren, wollen weiter um ausstehende Löhne verhandeln.

ndPlusAndreas Fritsche

Garnisonkirche kein Tabu

Die Fördergesellschaft für den umstrittenen Wiederaufbau der Garnisonkirche ist nicht auf Kompromisse eingestellt. Das zeigt ein internes Schreiben des Vorsitzenden.

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Sig-Sauer-Laptop verschwunden

Diebe stahlen bereits im August 2014 ein Beweismittel aus den Ermittlungen der Kieler Staatsanwaltschaft gegen den Waffenhersteller Sig Sauer.

ndPlusHagen Jung

Ruhebänke sorgen für Unruhe

Ein Zeitungsbericht fragt, ob Kaufleute in Niedersachsens Landeshauptstadt mit nicht liegetauglichen Bänken Obdachlose vergraulen wollen. Die Händler weisen das zurück.

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Prokrastinationsambulanz

Münster. An der Universität Münster gibt es eine Prokrastinationsambulanz, die den Studenten unter die Arme greift und seit 2004 forscht, um Behandlungsmethoden zu optimieren. Rund 700 Studenten haben die Psychologen bereits geholfen, die Aufschieberitis zu überwinden. Laut Diplom-Psychologin Anna Höcker kennen rund 98,5 Prozent der Studierenden das Gefühl des Aufschiebens. Doch dabei handele es s...

Bürgermeister unter Polizeischutz

Magdeburg Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) steht wegen Morddrohungen, die mit Nazisymbolen versehen sind, unter Personenschutz. Dieser Schritt erfolge auf Grund einer umfangreichen Gefährdungsanalyse, sagte eine Sprecherin des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt am Freitag. Trümper selbst sagte dem Mitteldeutschen Rundfunk, dass drei an ihn gerichtete Schreiben im Abstand von etwa...

ndPlusThomas Blum

Zweieinhalb Minuten Glück

Totale heile Welt, unzerstörbare Harmonie zwischen Mann und Frau, die vollständige Leugnung und Verdrängung von Sexualität, eine pumperlg’sunde keimfreie Natur - das sind einige Merkmale, an denen man bis heute ein Produkt der konfektionierten deutschen Volksmusik erkennt. Ein Kontrastprogramm dazu sind die vor über 35 Jahren entstandenen Songtexte der britischen Band The Buzzcocks. In deren...

Marion Pietrzok

Mit Charakter

Was für Menschen sind das, was geht in ihnen vor, was haben sie erlebt, fragt man sich beim Anblick der Gesichter, die so schmal sind, dass die Köpfe, aus Ton geformt und gebrannt, kaum mehr als das Gefüge jeweils des rechten und linken Profils sind. Ihre markanten Züge, scharf modelliert, weisen sie als starke Charaktere aus. Einen starken Auftritt haben sie in der Galerie gräfe art.concept in de...

Hendrik Lasch, Torgau

Handschlag trotz Krise

Am 25. April 1945 trafen sich in Torgau sowjetische und US-Soldaten. Auch der 70. Jahrestag wird gefeiert - wenn auch wegen der Krise in der Ukraine weniger spektakulär.

ndPlusLarissa Lee Beck, Düsseldorf

Hausarbeit statt Hausarbeit

Aufgeschobene Hausarbeit? Viele Studenten wissen oft nicht, wie sie anfangen sollen. In der »Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten« wurde ihnen geholfen.

ndPlusErika Richter

Das Erzählen als Heilung

»Es schneit im April: eine Passion und ein Osterfest« - unter dieser poetischen Überschrift beginnt das Gorki-Theater am 7. März ein 40-tägiges Gedenken an den 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern. Das Theater begeht die Erinnerung an eines der schlimmsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts in Form eines Multimediaprojektes: mit Videoinstallationen, Ausstellungen, Konzerten, Performances, ...

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Berichtigung

Im nd-Feuilleton vom 6.3.15 hieß es in dem Beitrag »Neues vom Russen«, die Zeitung »Christ & Welt« werde von der evangelischen Kirche herausgegeben. Das trifft nicht zu. Die Wahrheit ist: »Christ & Welt« ist ein Druckerzeugnis, das von der vor einigen Jahren eingegangenen katholischen Wochenzeitung »Rheinischer Merkur« übriggeblieben ist. Wir bitten um Entschuldigung....

Hommage an Georg C. Lichtenberg

Eine Hommage an den Göttinger Universalgelehrten Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) zeigt das Museum für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch in Hannover. Lichtenberg, berühmt geworden durch seine »Sudelbücher«, gilt als einer der Mitbegründer der deutschsprachigen Satire. Seine gepflegt-boshaften Aphorismen begeistern und inspirieren Künstler bis heute. Das Museum in Hannover ze...

Nicht zurück an die Erben

Österreich darf den berühmten »Beethovenfries« von Gustav Klimt behalten. Der staatliche Kunstrückgabebeirat empfahl am Freitag in Wien, das Gemälde nicht an die Erben der früheren jüdischen Besitzer zurückzugeben. Die hatten das 34 Meter lange monumentale Gemälde zurückgefordert. Der Fries war der Besitzerfamilie Lederer einst von den Nazis geraubt worden. Nach Ende des Zweiten Weltkrieg...

Sieg des Verzichts

»Eklat. Andreas Kümmert schlägt Sieg aus!« - so titelte gestern eine bekannte große deutsche Boulevardzeitung. Der Sänger aus dem unterfränkischen Schaipach hatte den deutsche Vorentscheid zum Eurovision Song Contest in Wien gewonnen, überließ anschließend aber den Sieg der Zweitplatzierten. Er habe, so heißt es in besagter Zeitung weiter, »das Ticket abgelehnt«. Die Kulturindustrie lebt ...

ndPlusGeorg Leisten

Kaputt für die Ewigkeit

Manche Erinnerungen wiegen schwer. Schwer wie Blei, das Lieblingsmaterial von Anselm Kiefer. Er formt daraus abgeschossene Kampfflugzeuge oder gestrandete U-Boote, verdellte Bildgründe und vor allem Buchobjekte. Keiner hat sich so radikal wie der gebürtige Badener die erdrückende Last der jüngeren deutschen Vergangenheit auf die künstlerischen Schultern gepackt. An diesem Sonntag feiert der Mal...

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ndPlusDorothea Hülsmeier

300 Millionen Dollar für einen Gaugin

Der weltweite Kunstauktionsmarkt ist 2014 nach Angaben des Kunstinformationsdiensts Artprice auf ein neues historisches Hoch katapultiert worden. Der Umsatz der Auktionen habe weltweit bei 15,2 Milliarden Dollar (13,7 Mrd. Euro) gelegen - das entspreche einer Steigerung um 26 Prozent gegenüber 2013, heißt es im neuen Jahresbericht. Grund sei eine »überschäumende Mischung aus Investmentlogik, Sp...

Florian Schmid

Die Krise, das Morden

Was passiert eigentlich, wenn eine Romanfigur mit der ihr zugedachten Rolle unzufrieden ist? Sie beschwert sich heftig beim Autor, der sie erfunden hat, und setzt ihm so lange zu, bis Abhilfe geschaffen ist. So funktioniert das jedenfalls in der irischen Literatur. Das gab es schon 1939 in Flann O’Briens legendärem Buch »In Schwimmen- zwei-Vögel« und auch in dem gerade erschienenen Roman »Absol...

Guido Speckmann

Die K-Fragen

Holen wir etwas weiter aus, um die Bedeutung dieses Buches zu ermessen. Was ist der »Westen«? Werte wie Demokratie, Menschenrechte, Presse- und Meinungsfreiheit fallen einem dann meistens ein. Und es ist ja auch richtig. Das Bürgertum hat im Ringen mit feudal-klerikalen Kräften in einem längeren Prozess diese liberalen Werte in den Verfassungsrang heben können. Doch bereits in der wichtigsten b...

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Auszeichnung für Hannah Collins

Die diesjährige Auszeichnung »Spectrum« für internationale Fotografie geht an Hannah Collins. Die Britin erhält am Freitagabend im Rahmen der Eröffnung ihrer Ausstellung im Sprengler Museum ein Preisgeld in Höhe von 15 000 Euro. Der Preis wurde bereits zum neunten Mal vergeben und gilt als einer der weltweit wichtigsten für Fotografen. »Es ist für mich eine große Ehre, diesen Preis heute entgeg...

Unbekanntes Porträt van Goghs

Die Kunsthalle Bremen hat entdeckt, dass ein bisher nicht identifiziertes Porträt von Emile Bernard (1868-1941) dessen Künstlerkollegen Vincent van Gogh zeigt. Die etwa postkartengroße Federzeichnung befinde sich in einem Album von Bernard, teilte die Kunsthalle mit. Das Album mit insgesamt 858 bisher unveröffentlichte Zeichnungen ist in der Ausstellung »Emile Bernard - Am Puls der Moderne« bis...

Debüt für die Seychelen

Die Kunstbiennale von Venedig präsentiert in diesem Jahr Arbeiten von 136 Künstlern aus 53 Ländern. 88 von ihnen sind zum ersten Mal dabei, wie Biennale-Präsident Paolo Baratta am Freitag in München bei der Vorstellung des Programmes sagte. Die Länder, die ihr Biennale-Debüt geben, sind Grenada, Mauritius, die Mongolei, Mosambik und die Seychellen. Im 120. Jahr ihres Bestehens trägt die B...

Volker Trauth

Trag in Dresden nicht die Kippa!

Selten ist die Aktualität eines Theatertextes in so auffälliger Weise durch das politische Geschehen außerhalb des Theaters bestätigt worden. Im Kleinen Haus des Staatstheaters Dresden lief die Premiere des auf Interviews mit jüdischen Bürgern basierenden Stücks »Mischpoke« - und auf den Straßen der Elbestadt fanden sich Tausende von Demonstranten zu einer Kundgebung gegen Fremdenhass und Antis...

Deutsche Theatralik, dänische Liberalität

Bei Mikkelsen denken viele schnell an Mads, der es als Bond-Bösewicht in die erste Riege des internationalen Films geschafft hat. Dass sein Bruder Lars Mikkelsen ähnlich erfolgreich ist, wird da rasch vergessen. In Dänemark ist der 50-Jährige ein Superstar und dank Serien wie »Borgen« oder »Sherlock« auch weltweit geschätzt. Jetzt spielt er die Hauptrolle in der europäischen Koproduktion »The Team« und ist darin das, was seine Landsleute oft verkörpern: der melancholische Ermittler einer krassen Mordserie. Mit ihm sprach Jan Freitag.

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Soukalova strahlt nach WM-Titel

Kontiolahti. Ohne ihr wasserfestes Make-up würde Gabriela Soukalova nie an den Start gehen. Und so stand die Tschechin kurz nach dem Zieleinlauf trotz der Qualen auf »der härtesten Strecke meines Lebens« am Donnerstagabend schon perfekt geschminkt vor den Fernsehkameras und konnte ihr Glück kaum fassen. »Das ist so ein großer Moment für unsere Mannschaft«, sagte die 25-Jährige, nachdem sie mit ...

Oliver Kern

Die dunkle Seite der Transparenz

Was muss eine Olympiastadt dem IOC garantieren? Wie viel Geld bekommt sie im Gegenzug? Wichtige Fragen, die jedoch vor einem eventuellen Bürgerentscheid in Berlin nicht mehr beantwortet werden.

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Regina Stötzel

Sieben Tage, sieben Nächte

Als sich etwa Olaf Scholz kürzlich bei seinen Hamburger »Wählerinnen und Wählern« bedankte, waren die heruntergeleierten Wortendungen nur zu erahnen. Wäre ja seltsam, wenn er zweimal dasselbe sagen würde. Und immerhin gehört es in weiten Teilen der Öffentlichkeit inzwischen zum guten Ton, jenseits von »Meine Damen und Herren« zwei Geschlechter anzusprechen. Nur wird es manchmal undeutlich im Ei...

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Sarah Liebigt

Mutter allein zu Haus

Ben, eigentlich Benedikt, hat Zahnschmerzen, den ganzen Vormittag schon, und muss nun doch aus der Kita abgeholt werden. Sophia (36) arbeitet seit einer Weile wieder Vollzeit, ist noch mitten in der Probephase. Probephase meint: Zwei Kinder und 40-Stundenjob wieder unter einen Hut bringen. Lilja bekommt bald ihr Halbjahreszeugnis, Ben bleibt seit rund drei Monaten den ganzen Tag in der Kita. »W...

ndPlusChristin Odoj

Eltern zu dritt

Jetzt sind sie zu dritt, Marie, Jörg und Cora. Dass sie keine alte Mutter werden wird und möglichst bald ein Kind bekommen will, war Marie, 26, schon kurz vor Ende ihres Studiums klar. »Bis ich mich im Job etabliert habe, wäre ich ungefähr 36 Jahre. Das ist mir zu spät für das erste Kind«, sagt sie. Die kleine Laura liegt auf ihrem Schoß, die Haut, dünn wie Papier, ganz rot. Die Ärmchen greifen...

ndPlusRegina Stötzel

Geld ist Zeit

Feierabend? Nach der Lohnarbeit muss ein Kind von der Kita, eines vom Hort abgeholt werden, die Oma wartet auf einen Kurzbesuch, ein Kind will zum Kindergeburtstag - ist das Geschenk schon besorgt? -, eines zum Sport; einkaufen, bevor alle wieder eingesammelt werden, kochen, essen, Kinder ins Bett bringen, Wäsche waschen, etwas mit dem Partner/der Partnerin besprechen, noch eine Kleinigkeit für...

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Sarah Liebigt

Glückskleeblatt

Johanna und Florian, beide 29, sind seit acht Jahren zusammen, seit fünf Jahren verheiratet. »Kinder waren nie Teil meines Lebensplanes«, sagt Johanna. Töchterchen Dshamila, kräht prompt nach Aufmerksamkeit. Gerade drei Wochen alt ist das zweite »ungeplante Wunschkind«. So nennt die Tierärztin ihre zwei Kinder. Sohn Vincent ist anderthalb und ebenso »ungeplant« wie seine Schwester. Darin,...

Marcus Meier

Familienhilfe von unten

14 Frauen und ein Mann sitzen an diesem Montagmorgen im März im Büro der Stadtteilmütter in einem Haus des Diakonischen Werks Dortmund und berichten einander von ihren jüngsten Erfolgen und Ärgernissen. Von der armenischen Familie, die »plötzlich weg« sei. Von dem arabischen Jungen, der von der Schule zu fliegen drohe trotz all der Bemühungen. Vom ewigen Papierkrieg. Von den immer neuen Problem...

ndPlusStefan Otto

Hälfte, Hälfte

Franziska Heitmeyer* und Alina Buchheister* müssen nicht im Laufschritt durchs Leben hetzen. »Wir sind durchaus privilegiert, das wissen wir«, sagt Franziska. Sie hätten gute Voraussetzungen gehabt, konnten studieren und stehen jetzt im Berufsleben - Franziska (40) arbeitet als Fundraiserin bei einer Nichtregierungsorganisation, Alina (32) ist als promovierte Ingenieurin in der Wissenschaft tät...

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ndPlusBarbara Kirchner

Nacktes und Wahres

Wie soll man eine Medienumwelt ertragen, die selbst etwas so interessantes wie Erotik zum Fallbeispiel der allgemeinen Langeweile erniedrigt, die davon, dass man sie aufgeregt bis hysterisch darbietet, ja nicht weniger langweilig wird? Es ist immer dasselbe: Der nach einem Bestseller gleichen Namens gedrehte Film »50 Shades of Grey«, der angeblich das Liebesleben von Männern und Frauen elektris...

Christian Baron

Kind, Küche, Karriere

Selbst ein bebend betriebsamer Bahnhof in Berlin kann eine Stätte geistiger Anregung sein. Es ist Samstagabend, ich stehe an der Friedrichstraße und warte auf die mich zu einer Geburtstagsfeier bringende S-Bahn.

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Anke Stefan

Abwesenheit, aber kein Mangel

Beim SYRIZA-Bashing ist jedes Mittel recht: Auch Zeitungen, in deren Chefredaktionen es nicht gerade von Frauen wimmelt, griffen begierig eine Kritik der spanischen Empörten-Partei PODEMOS auf. Das mit SYRIZA solidarische Linksbündnis hatte beklagt, dass unter den 13 Ministern der neuen griechischen Regierung keine einzige Frau vertreten ist. Symptomatisch für den Umgang der Linkspartei mit dem...

ndPlusAnke Stefan

Moderne Amazonen

Dass mit der Linksregierung nicht Milch und Honig fließen werden, ist den Frauen bewusst. Man dürfe sich keine Illusionen machen: »Alle sollten wieder auf die Straße, um die Position von SYIRZA zu stärken.«

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ndPlusCelestine Hassenfratz

Frauenpower - Powerfrauen

Sich der eigenen Stärken bewusst werden und Interessen eigenmächtig und selbstbestimmt vertreten: Darauf zielt Empowerment, aus dem Englischen von Ermächtigung, ab. Doch wie kann das gelingen, im Alltag, in dem Frau* in patriarchalische Strukturen eingezwungen ist? Selbstermächtigung im Patriarchat zu erlangen und sich seiner Identität als Frau* bewusst zu werden ist das Ziel von Empowerm...

Jirka Grahl

Kreuzberger Mädchen sind stark

Montags, immer so gegen fünf, kommt Şame Dogan von der Arbeit zum Sportplatz Blücherstraße, der im Berliner Stadtteil Kreuzberg liegt. Auch wenn es unablässig nieselt wie an diesem Februarnachmittag, stellt sie sich an die Balustrade und sieht ihrer Tochter beim Fußballspielen zu. Zerina ist zehn, ein zierliches Mädchen in blauer Trainingsjacke, auf der »Türkiyemspor Berlin« steht. Ihr lan...

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Feminismus in den Wirtschaftswissenschaften

Feminismus heißt auch Gesellschaftsanalyse. Ist mit der feministischen Ökonomik der Feminismus nun in der wirtschaftswissenschaftlichen Lehre angelangt? Richtig. Erstaunlicherweise hat es etwas länger gedauert. Erst in den 1990er Jahren sind feministische Gedanken und Ideen mit Ökonomie und Wirtschaft zusammengebracht worden. Das ist nicht so selbstverständlich. Natürlich waren feministis...

Haushalt ist Männersache

Der Montag beginnt mit Rücken und Bauch. Acht Frauen kreisen zum Aufwärmen mit den Schultern, sanfte Musik kommt aus den Lautsprechern in der neu eröffneten »generationenübergreifenden Frauensporthalle Marzahn«. Neu ist die Halle genau genommen gar nicht. Wirklich neu ist nur der Inhalt. Seit einem Monat richten sich die Kurse von Sonntag bis Donnerstag ausschließlich an Frauen. Deshalb werden ...

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Die Konservierung der Backenbärte

Nein, nicht alles muss weg, wenn es soweit ist. Es kann nach der feministischen Revolution eventuell einer hübschen Zweitverwertung im Post-Patriarchat zugeführt werden. Wir haben da mal eine Auswahl zusammengestellt.

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Simon Poelchau

Die feministische Hure

Für Stephanie Klee fing alles mit der Frauenbewegung an. »Ich bin zu den ersten Demos gegangen, bei denen es um die Einrichtung von Frauenhäusern ging. Wir haben uns damals schon für sexuelle Selbstbestimmung eingesetzt«, erzählt die 53-Jährige. Erst später sei sie zur Prostitution gekommen. »Für mich war es dann eine logische Konsequenz, die Stärke, die ich in der Frauenbewegung gewonnen habe, au...

ndPlusCelestine Hassenfratz

PorYes statt PorNo!

Schon wieder Rein-Raus. Nächstes Fenster. Schon wieder eine Frau, die in sabbernder Erwartung vor einem Mann kniet. Sie will Flüssigkeiten, unbedingt und überall. Schau hin, Mann: Das ist es, was die Frauen wollen. Nächstes Fenster. Schon wieder Riesenbrüste, Riesenschwänze. Nächstes Fenster. Granny, Nanny, Tiny, Hairy. Schau hin, Frau: Das ist es, was die Männer wollen. Tiefer, dreifach, vierf...

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Katja Eichholz

Polierte Mamas

»Ungeduscht, das flusige Etwas auf meinem Kopf verdient den Namen Frisur nicht und vom Zustand der Wohnung ganz zu schweigen! Man ist übermüdet und bereit, wirklich alles für ein bisschen Schlaf zu tun. Stattdessen: ab in die Küche Frühstück machen, um es trotz des frühen Aufstehens irgendwie halbwegs sortiert pünktlich ins Büro zu schaffen.« Diese, meine Erfahrung im Alltag mit Kindern p...

ndPlusIngolf Bossenz

»Wir machen ihnen Angst«

Das waren noch Zeiten. Rund zwanzig Jahre lang wurde der Heilige Stuhl in der ewig-heiligen Stadt Rom von zwei Frauen beherrscht. Zwar konnten sie sich nicht realiter darauf niederlassen, wie es die - allerdings von keinerlei stichhaltigen Beweisen gestützte - Legende der »Päpstin Johanna« attestiert. Dafür bestimmten Theodora und noch weit mehr ihre Tochter Marozia im ersten Drittel des 10. Ja...

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Sarah Liebigt

Väterpreise und Zukunftsträume

»Zur Stärkung der Leistungsgesellschaft werden qualifizierte Frauen und Männer sowie Kinder benötigt. Voraussetzung der Vereinbarkeit von Elternschaft und Erwerbstätigkeit ist das praktizierte partnerschaftliche Ehe- und Familienmodell.« Mit diesen Worten begründet die Initiatorin den »Spitzenpreis für Spitzenväter«. Ulrike Detmers, Gesellschafterin und Mitglied der Unternehmensleitung der Groß...

ndPlusRalf Hutter

Die künftigen Diktatorinnen

Der UNO-Weltfrauentag ist ein Termin, an dem sich hierzulande Sozialdemokratie, Frauenlobbys und sicherlich auch einige männliche Liberale auf die Schultern klopfen können. In Deutschland sind Frauen in den meisten Spitzenpositionen unterrepräsentiert, aber seit neuestem tut die Bundesregierung per Gesetz etwas dagegen: mit einer Quote für einen Teil der deutschen Aufsichtsräte, immerhin. Die Q...

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ndPlusMarga Voigt

»Friede, dauernder Friede!«

Mit Inès Armand teilt Clara Zetkin im Januar 1915 die Ansicht, die proletarische Frauenbewegung müsse auch im Krieg um enge und regelmäßige Kommunikation bemüht sein, den Frauentag nutzen und eine internationale Konferenz gegen das Sterben an den Fronten einberufen. Am Schluss ihres Briefes muss sie die Genossin Armand jedoch rügen: »Sie sind sehr unvorsichtig gewesen, als Sie über diese Sache ...

Karlen Vesper

Das Absolute und das Andere

Irgendwo im Nirgendwo sind sie vereint, die großen Gestalten der Frauenemanzipation. Was würden sie über uns und zu uns sagen? Wie über sich und ihr Tun rückblickend urteilen? Das möchte man gerne wissen. Mit etwas Fantasie lässt es sich bewerkstelligen. Begeben wir uns ergo auf den weiblichen Olymp. Es sind lichte Höhen zu erklimmen. Wohl an, es sei gewagt! Am Anfang steht die Enttäuschu...

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ndPlusThomas Bruhn

Stille Koralle in bewegter See

Wer über die Insel Hiddensee streift, kommt früher oder später, unweigerlich, möchte ich behaupten, in Vitte an einem kleinen reetgedeckten Haus mit großem Schaufenster vorbei; vor der Tür Ständer mit Postkarten, linkerhand einer für Fahrräder, im Fenster Bücher. Der Blick durch die Scheibe bestätigt die Vermutung: Eine Buchhandlung. Doch etwas ist anders als anderswo. Der Spaziergänger i...