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UNTEN LINKS

Dass der Konzern C&A, nicht anders als seine Konkurrenten, die von ihm vertickte »Frühjahrs Kollektion«, bei der offenbar auch schon der Lektor eingespart wurde, von bedauernswerten Teenagern zu Witzlöhnen in schmutzigen Hinterhofslums in Bangladesh zusammenklöppeln lässt, dürfte kein allzu fest gehütetes Geheimnis sein. Das ist nun mal in unserem System so üblich und auch erwünscht. »Aufst...

Laubenglauben

26 Jahre - unwiderrufliche Frist, bis die Abwicklung der DDR-Verhältnisse auch die Laubenpieper erreicht. Abgeschafft wird das Recht auf sorgloses Nutzen von Immobilieneigentum auf Grund und Boden, der einem nicht gehörte.

Schonfrist für Datschen läuft aus

Das rot-rot regierte Brandenburg hatte sich für einen weiteren Kündigungsschutz der ostdeutschen Datschen ausgesprochen - vergeblich. Der Bundestag lehnte die Initiative ab.

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Steinbachs Druck

Es ist eine gute Nachricht, dass das Deutsche Institut für Menschenrechte eine gesetzliche Grundlage erhält und damit wichtige Mitwirkungsrechte im UN-Menschenrechtsrat behalten kann. Nach dem Kabinettsbeschluss und der nun erfolgten Beratung im Bundestag steht einer Verabschiedung des Gesetzes nichts mehr im Weg. Für die Verzögerungen waren einige Politiker um Erika Steinbach verantwortlich. D...

ndPlusOlaf Standke

In der Schlussrunde

Entscheidende Phasen in den Verhandlungen um das iranische Atomprogramm wurden schon häufiger beschworen. Dieses Mal jedoch steht schon der beschlossene Zeitplan für eine solche Einschätzung. Bis Ende des Monats muss man eine politische Grundsatzvereinbarung erzielen - Voraussetzung für jenes umfassende Abkommen, das dann bis Ende Juni ausgearbeitet werden und den zwölfjährigen Streit beenden s...

Zuerst das Personal

Bisher gibt es eigentlich nur Spekulationen, was die Konzernchefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen mit der Deutschen Bank vorhaben. Doch die Lage ist offenbar so ernst, dass die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di es zu ihrer Priorität erhoben hat, ihnen für die mehr als 12 000 Mitarbeiter der Postbank eine Verlängerung des Kündigungsschutzes bis zum 2020 Jahr abzuringen. Keine Frage: Jain u...

Grit Gernhardt

Wirtschaftssozial

Über Geld zu reden - damit hat An- drea Nahles (SPD) kein Problem. In einem ganzseitigen Interview in der »Süddeutschen Zeitung« plauderte die 44-jährige Bundesarbeitsministerin über gute deutsche Weine, unbequeme Lamborghinis und das eigene Pferd. Nun ist die studierte Germanistin und Politikwissenschaftlerin bisher nicht durch übermäßigen Hang zum Luxus aufgefallen - ganz im Gegensatz zu ihre...

Im Bibelgürtel

Den niederländischen Bibelgürtel suchte ich, weil ich an seine Existenz nicht glauben konnte. Da soll sich quer durch ein mehrheitlich konfessionsloses Land, in dem nur noch 16 Prozent dem seinerzeit staatstragenden Protestantismus anhängen, ein Siedlungsband streng calvinistischer Gemeinden ziehen?

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Auch die EZB hat Schuld an dem Desaster

Trifft die Kritik der Blockupy-Aktivisten an der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht zu, wie viele Kommentatoren nach dem Aktionstag in Frankfurt zu bedenken gaben? Für »taz«-Chefredakteurin Ines Pohl beispielsweise ist der Fall klar. Für sie ist die EZB »das falsche Ziel. Denn sie hat in den vergangenen Jahren wenig falsch und viel richtig gemacht.« Und Jan Seidel aus dem ARD-Hauptstadtstudio...

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Aert van Riel

EU-Kommission will Pkw-Maut prüfen

In der Bundesregierung ist der Streit um die Pkw-Maut beendet worden. Union und SPD haben sie mit ihrer großen Mehrheit im Parlament beschlossen. Doch es bleiben europarechtliche Bedenken.

ndPlusMarian Krüger

Dobrindt fällt im Bundesrat durch

Soviel Einmütigkeit gab es lange nicht im Bundesrat - mit Pauken und Trompeten fiel das Regionalisierungsgesetz von Bundesverkehrsminister Dobrindt durch. Nun bleibt der Vermittlungsausschuss.

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ndPlusUwe Kalbe

LINKE folgt Grünen-Antrag zu Ruanda

Die LINKE wird die Debatten über ihre außenpolitische Positionierung im Falle internationaler Konflikte nicht los. Jüngstes Beispiel ist ein Antrag, den die Grünen Ende April in den Bundestag einzubringen plant und dem sich die Linksfraktion anschließen will, wie eine Abstimmung der Fraktion am Dienstag ergab. 26 Abgeordnete befürworteten die Mitzeichnung, 20 stimmten dagegen, sieben enthielten si...

Dieter Hanisch, Lübeck

Lübecker Gipfelwahn

Lübeck wird vor dem G7-Außenminister-Gipfel im April auf den Ausnahmezustand vorbereitet, die Gipfel-Gegner werden kriminalisiert. Und Bürger sind genervt, weil ihre Freiheit eingeschränkt wird.

Airlines verschärfen Cockpitregeln

Der Copilot des verunglückten Airbus steht im Verdacht, das Flugzeug zum Absturz gebracht zu haben. Nach Angaben der Behörden war er krankgeschrieben.

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68 Flüchtlinge gerettet

Thessaloniki/Palermo. Die griechischen Behörden haben 68 Flüchtlinge aus Syrien gerettet, die von ihren Schleppern auf einer Insel im griechisch-türkischen Grenzfluss Evros ausgesetzt worden waren. Wie am Freitag aus griechischen Polizeiquellen verlautete, waren die Flüchtlinge vor Tagesanbruch in zehn Schlauchboten am türkischen Ufer gestartet. Wegen starken Regens und Überschwemmungen hätten sie...

Islamisten rücken vor

Die syrische Regierung läuft Gefahr, eine weitere Provinzhauptstadt an Freischärler zu verlieren. Präsident Assad sucht das Gespräch mit Washington.

ndPlusMirco Keilberth, Tunis

Terror ist Thema auf dem Weltsozialforum

Die derzeitigen Besucherzahlen in der tunesischen Hauptstadt sind beeindruckend. Das 12. Weltsozialforum hat 50 000 Teilnehmer von 4000 Organisationen aus 120 Ländern in Tunis zusammengebracht.

Saudisches Bündnis bombt weiter

Saudi-Arabien und seine Verbündeten setzten ihre Luftangriffe auf die schiitischen Huthi-Rebellen fort. Das sunnitische Bündnis gibt sich kampfentschlossen.

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ndPlusDetlef D. Pries

Der alarmierte Preisträger

Das Deutsch-Russische Forum hat den »Architekten der Ostverträge« Egon Bahr ausgezeichnet. Die Dankesrede wurde - so der Forums-Vorsitzende Matthias Platzeck - eine »Lehrstunde der Außenpolitik«.

Anke Stefan, Athen

SYRIZA-Kompromisse mit der Kirche

Ob Militärparaden oder Umgang mit der mächtigen Griechisch-orthodoxen Kirche - SYRIZA modifiziert frühere Positionen.

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Hellas in die Rezession gelotst

Düsseldorf. Die staatlichen Ausgabenkürzungen haben die griechische Wirtschaft einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung zufolge einstürzen lassen. Ohne diese Kürzungen in den vergangenen Jahren oder mit einer langgestreckten Konsolidierung ginge es dem Land heute besser, heißt es in einer Untersuchung des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), die am Freitag ve...

John Dyer, Boston

Neuland Krankengeld

Die US-Regierung will die Zahlung von Krankengeld durchsetzen, tut sich aber schwer mit einem Gesetz. Nun prescht Microsoft vor und fordert seine Partner zur Lohnfortzahlung auf.

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Auszeichnung für Adam Zagajewski

Der polnische Autor Adam Zagajewski (69) ist Träger des diesjährigen Heinrich-Mann-Preises. »Seine Gedichte, Erzählungen und Essays haben einen unverwechselbaren Ton, einen Ton der Sehnsucht und der Resonanz, in dem Wahrnehmung und Erinnerung, Außenwelt und Innenwelt lange nachhallen«, urteilte die Jury vor der Verleihung am Freitag in Berlin. Auf Deutsch sind seine Bücher im Carl Hanser Verlag er...

ndPlusMichael Saager

Feiner Stachel

Nacktheit führt gewiss nicht zurück in einen paradiesischen Zustand menschlicher Unschuld, den gab’s ja sowieso nie. Aber ursprünglich, befreiend, natürlich (was das auch immer in einer vom Menschen gemachten Welt heißen mag) kann sie sich schon anfühlen, so eine Nacktheit.

ndPlusHans-Dieter Schütt

Messer in den Frauen

Von Hans-Dieter SchüttWir fürchten uns, am Tische Platz zu nehmen, wo das Leben mit Behagen seine eigenen Herzstücke verspeist. Wir kleben lieber Treueherzen. Wir ekeln uns vor dem Hauch des Giftigen, das unseren Bestrebungen nach Güte und Glauben entweicht. Gift, das uns den Atem nimmt - der doch nur so tut, als sei er frei. Die Kunst hat Namen für das, was wirklich Freiheit wäre, gefährlichste F...

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Journalist und Lehrer

Der langjährige nd-Korrespondent in Moskau, Günter Raue, ist tot. Der Journalist und Hochschullehrer verstarb am 25. März in Leipzig im Alter von 76 Jahren. Raue arbeitete von 1965 bis 1977 als Korrespondent dieser Zeitung in Moskau und als Wirtschaftsredakteur. Von 1977 bis 1990 lehrte er in der Sektion Journalistik der Karl-Marx-Universität Leipzig. Ab 1990 arbeitete er als freischaffender Journ...

Länder einigen sich auf Entwurf

Die Ministerpräsidenten der Länder haben sich geeinigt, wer künftig im Fernsehrat des ZDF vertreten sein soll. Die Regierungschefs haben dazu am Donnerstag einem entsprechenden Entwurf zur Änderung des ZDF-Staatsvertrags zugestimmt. Der neue ZDF-Staatsvertrag solle auf der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz am 18. Juni unterzeichnet werden. Das rot-rot-grün regierte Thüringen kündigte an, dass ...

Ein Pferd! Mein Königreich für ein Pferd!

Die Welt der Kultur ist voller Missverständnisse und Fehldeutungen. Richard III., dem englischen König, der nur 26 Monate regierte und 1485 auf dem Schlachtfeld von Bosworth bei Leicester fiel, wird nachgesagt, er habe, als sein Schimmel gemeuchelt wurde, voller Panik gerufen: »Ein Pferd, mein Königreich für ein Pferd!«. Möglicherweise aber sagte er auch »Ein Pferd. Ein Königreich für ein Pferd!«....

ndPlusGunnar Decker

Wellness mit Gott

Warum erinnern wir uns an eine spanische Nonne aus dem 16. Jahrhundert? Vielleicht weil es die Zeit war, wo es unmodern wurde, ins Kloster zu gehen. Luther, der entlaufene Augustiner-Mönch, hatte mit Katharina von Bora gerade vorgemacht, wozu Nonnen auch gut sind: zum Heiraten! Und die katholische Kirche war neben den protestantischen der Reformatoren Luther, Calvin und Zwingli plötzlich eine unte...

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Shalva Buachidze, Tbilissi

Der Reformer auf dem Fußballplatz

Vor 20 Jahren, am 29. März 1995, spielte Georgien schon einmal gegen Deutschland - vor 110 000 Zuschauern. Der Außenseiter verlor 0:2 und will auch diesmal den Weltmeister so lange wie möglich ärgern.

ndPlusUllrich Kroemer

Integration spielend leicht gemacht

Vor einem Jahr begann es mit einem Besuch im Asylbewerbeheim. Nun ist der Leipziger Verein SV Lindenau für seine vorbildliche Arbeit mit Migranten ausgezeichnet worden.

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Schwerin spielt auf Sieg

Die Volleyballerinnen des Schweriner SC sind auf dem besten Weg, nach 37 Jahren wieder ein Europapokalfinale zu erreichen. Bei Bursa BBSK reichen am Sonntag zwei Satzgewinne.

ndPlusGabi Kotlenko

Die Volleyballwelt blickt nach Berlin

An diesem Wochenende gibt es in der Berliner Max-Schmeling-Halle ein Volleyballfest. Im Final-Four-Turnier spielen die BR Volleys, Kasan, Rzeszow und Belchatow um den Sieg in der Champions League.

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Kritik an Suche nach Zimmern

Berlins oberster Datenschützer Alexander Dix hält die flächendeckende Fahndung nach Ferienwohnungen mit einer Computersoftware für unzulässig. Mehrere Bezirkspolitiker hatten sich dafür eingesetzt, mit einer speziellen Software Angebote für Ferienwohnungen im Internet aufzuspüren. Das Programm soll Vermittlungsportale wie Airbnb auslesen. Der Einsatz einer Software zur Rekonstruktion der Adressen ...

Schlechte Zeiten für Berliner Kiffer

Ab dem kommenden Dienstag gilt für den Görlitzer Park in Kreuzberg »die überarbeitete Gemeinsame Allgemeine Verfügung (GAV) zur Umsetzung des § 31a BtMG«. Sie regelt die strafrechtliche Verfolgung von Besitz, Erwerb und Konsum von Cannabisprodukten auch dann, wenn es die sichergestellte Menge unterhalb der als Eigenbedarfsgrenze definierten von zehn Gramm liegt. In Berlin werden strafrechtliche...

Müller besucht Synagoge und Moschee

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat bei Besuchen in einer Synagoge und einer Moschee für Toleranz und ein friedliches Miteinander der Religionen geworben. »Die Weltoffenheit ist in unserer Stadt eine Selbstverständlichkeit, die trotzdem jeden Tag neu erkämpft werden muss«, sagte Müller am Freitag. »Das ist ein hohes Gut, das es zu verteidigen gilt.« Begleitet wurde Müller an...

Ostern bleibt der Laden zu

Für die Verkäuferinnen ist es eine schöne Überraschung, für die Stadt Potsdam eine böse. Ostern müssen die Geschäfte geschlossen bleiben und überhaupt darf die Stadt - wie jede andere in Brandenburg - nur sechs Sonn- und Feiertage im Jahr für die Ladenöffnung freigeben. Das hat das Oberverwaltungsgericht jetzt entschieden und das ist gut so. »Es sei daran erinnert, dass im Einzelhandel me...

Leben auf engstem Raum macht krank

Ein Asylbewerber aus der besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule steht seit Freitag vor Gericht. Er ist laut Anklage im Oktober letzten Jahres gewalttätig geworden.

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ndPlusAndreas Fritsche

LINKE kommt und hört zu

Statt je vier Regionalkonferenzen im Frühjahr und im Herbst veranstaltet die LINKE jetzt monatlich einen Regionaltag.

Andreas Fritsche

Vorwärts und »nd« nie vergessen

Am 19. April startet die nd-Frühjahrswanderung von 8 bis 11 Uhr am S-Bahnhof Wilhelmshagen. Sie führt zum Hotel Müggelsee Berlin.

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Sanierer in großem Stil

Schlösser und Parks sind Tourismus-Magneten in Mecklenburg-Vorpommern. In den Erhalt der landeseigenen Anlagen fließt in den nächsten Jahren noch einmal ein zweistelliger Millionenbetrag.

David Fischer, Köln

Wenn die Schulbank stinkt

Neue Möbel in Schulen sind zwar schön, können aber mancherorts in Deutschland auch erhebliche Nachteile haben: Manchmal geben sie giftige Gase in die Luft ab. Das ergibt eine TÜV-Untersuchung.

ndPlusAlice Bachmann, Bremen

Ho Chi Minh unterm Sonnendach

Vom Auftrag seines Lebens spricht der Bremer Schlosser Claus-Dieter Thalau. Und von der für ihn äußerst erfreulichen Tatsache, bereits im ersten Quartal zu wissen, dass der Umsatz in diesem Jahr mindestens um das Dreifache steigen wird. Denn Thalau verarbeitet gut 30 Tonnen Metall zu einem transportablen Sonnendach für das Ho Chi Minh-Mausoleum in Hanoi, Vietnam. Der Metallbauer hatte wenig Kenntn...

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Christiane Gläser, Sommerkahl

Ostern ab Weihnachten

In den Wochen vor Ostern boomt das Geschäft der Eierfärbereien. Doch die Saison hat für sie viel früher begonnen - ein Bericht aus Bayern.

Maerzmusik dehnt die Zeit

Wer sich noch immer nicht die Zeit für einen Besuch in Halberstadt genommen hat, braucht sich auch jetzt nicht zu beeilen. Vor vierzehn Jahren begann dort in der Burchardikirche die Aufführung von John Cages Stück »aslsp« - mit einer siebzehnmonatigen Pause. Mittlerweile ertönt der dreizehnte Orgelklang. Wer ihn hören will, hat dafür Zeit bis zum 5. September 2020, dann folgt der nächste. »As slow...

ndPlusKarsten Packeiser, Mainz

Das andere Internet kommt in Bedrängnis

Freifunkinitiativen träumen von einer vernetzten Welt für alle - ohne Zensur, Überwachung, Monatsgebühren. Eine geplante Gesetzesänderung im Bund könnte ihnen die Arbeit deutlich schwerer machen.

Manuela Lintl

Geschichte muss geschrieben werden, nicht konsumiert

»Die Klimakrise ist kein technisches, sondern ein politisches Problem.« »Konsumiert nicht Geschichte. Schreibt sie.« Die beiden Sätze stammen nicht aus einem politischen Flugblatt oder Traktat, sondern aus Filmen des Künstlers Oliver Ressler. Ressler bewegt sich an der Schnittstelle von (Film-) Kunst und Aktivismus. Manche sagen dazu auch politische Kunst, doch dann schwingt schnell der Vorbehalt ...

ndPlusHendrik Lasch, Dresden

Eine Lücke im Lieblingsradweg

Eine Dresdner Unternehmerin will Luxuswohnungen direkt an der Elbe bauen. Weil jedoch der Stadtrat nicht mitspielt, droht sie, ein Stück des Elbe-Radwegs abzubaggern.

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Sieben Tage, sieben Nächte

Irgendwo in der nd-Redaktion müssen sie noch stehen - die alten Lenin-Bände. Nur gut, dass wir nicht so voreilig waren wie andere, die sie vor 25 Jahren entsorgt haben. Wir werden sie nämlich noch brauchen. Jetzt ist es soweit: Lenin kommt wieder. Zumindest sein Kopf. Und der war schließlich das Wichtigste am großen Revolutionär und Theoretiker, der nicht erst im letzten Vierteljahrhundert viel...

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»Wenn ich heule, war’s Kunst«

Natürlich kannte man die Kino-Eule. Es sprach sich herum, dass die Dame gnadenlos und sachkundig über Film und Kintopp schrieb. Und manche Leser fragten sich, ob die Kino-Eule einen Jagdschein habe oder geheime Verbindungen nach Oben. Was immer hinter Oben vermutet wurde. Wer heute über das Satiremagazin »Eulenspiegel« und die Rubrik Kino- Eule laut nachdenkt, informiert gewissermaßen auf der zweiten Spur über Kultur-, Alltags- und Presse- Geschichte der DDR. 1960 übernahm die 25-jährige Journalistin Renate Holland-Moritz die Filmkritiken des Satiremagazins und begann zumindest der DDR-Filmwelt das Fürchten zu lehren und dem gemeinen Kinovolk die Liebe zu guten Geschichten beizubringen. Irrtümer nicht ausgeschlossen. Bei meinem ersten Anruf bat ich sie um die Beantwortung einer Frage zur Wende. Das lehnte sie ab. Seitdem telefonierten wir gelegentlich: Quatschen bis der Akku streikt, über Zeiten und ihre Zeitungen, über talentierte Kollegen ohne Anstand, über anständige Kollegen mit und ohne Talente. Über Opportunismus damals und heute. Über politische Verhältnisse und warum sie anders werden müssen. Darin sind wir uns einig: Diese Welt ist aus den Fugen – und so geht das nicht weiter. Am Sonntag feiert sie ihren 80. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch. Renate Holland-Moritz wurde am 29. März 1935 in Berlin geboren. Die Autorin von 20 humoristischen und satirischen Büchern besetzt mittlerweile den Rang der weltweit dienstältesten Filmkritikerin. Ihre neueste Kino-Eule steht im »Eulenspiegel« Heft 4/2015. Der Titel: »Abschiedsvorstellung«.

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Uwe Kalbe

Mitleid mit den Irren

Hätte Blockupy nicht Frankfurt am Main gewählt, wäre wohl Berlin Protestzentrum geworden. Das war eine offene Frage vor den ersten großen Aktionen im Mai 2012. Dann müsste jetzt nicht Ulrich Wilken die Tiraden der Landtagsabgeordneten über sich ergehen lassen, sondern womöglich Klaus Lederer, der Berliner Landesvorsitzende der Linkspartei. Wo die Linkspartei umstürzlerischer Pläne bezichtigt od...

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ndPlusUwe Krüger

Alles dreht sich um Zentrifugen

Gegenseitige Drohungen und vertane Chancen kennzeichneten über ein Jahrzehnt die Atomverhandlungen mit Iran. Jetzt scheint eine tragfähige Lösung nahe. Doch es bleiben eine Menge Fragezeichen.

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Hans-Dieter Schütt

Wie viel Jenseits braucht das Diesseits?

Die Frau liegt nackt auf einem Felsen. Die letzte Form der Hingabe: Opfergabe sein. Hell strahlt der Körper - im Licht des Sterns Melancholia, der auf die Erde zurast.

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ndPlusFelix Bartels

Der lange Arm von Bitterfeld

In einem Medienbetrieb, der sich ohnehin schon vor allem für den Menschen hinter dem Werk interessiert, gerät unter den Voraussetzungen der Selbstvermarktung auch für den Autor das Werk zum Beiwerk.

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Bürgerwissenschaft,

Bürgerwissenschaft, die; Substantiv, feminin. Eine Verbindung von Wissenschaft und wissenschaftlich intressierten Laien gibt es schon lange. Während bisher aus der Wissenschaft Laien hinzugezogen und entsprechend geschult wurden, geht die Bürgerwissenschaft nun einen anderen Weg. Auf buergerschaffenwissen.de und citizen-science-germany.de laden wissenschaftliche Projekte alle ein, ihr Können un...

Neoliberale Begrenztheit

Die Spatzen pfiffen es vom Dach: Die Marktliberalisierung im Bildungsbereich wird auf diesen zurückschlagen. Doch die Politik wollte nicht hören. Die Universität Amsterdam steht mit ihren Geldproblemen und die dortigen Studenten mit ihrer Furcht vor einer weiteren Privatisierung ihrer Hochschule und den damit verbundenen steigenden Studienkosten nicht allein. Auch in Deutschland kriselt es im H...

Lena Tietgen

Und immer wieder grüßt Bologna

1998 verfassten die Bildungsminister aus Frankreich, Italien, Großbritannien und Deutschland die sogenannte Sorbonne Erklärung, die grundlegende strukturelle Veränderungen der Universitäten vorsah. Um die Mobilität Studierender und Wissenschaftler zu vergrößern, brauchte man die Kompatibilität der Abschlüsse. In Deutschland verband die Politik damit die Hoffnung, dass die hiesigen Hochschulen «...

ndPlusIsidor Grim

Selbstverwaltet in die Pleite

Studenten an der Uni Amsterdam protestieren gegen Privatisierungspläne ihrer überschuldeten Alma Mater- ein Aufstand mit gesamteuropäischer Dimension, denn die Missstände sind Folge des neoliberalen Umbaus des Hochschulwesens in ganz Europa.

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Gerd Fesser

Ein Meister der Alternativen

Nicht nur die Geschichtspublizistik, auch die Geschichtswissenschaft orientiert sich gern an runden Jubiläen. 2015 ist ein Bismarck-Jahr, und so sind zwei neue Biografien erschienen; weitere werden folgen. Hans-Christof Kraus (Passau) und Christoph Nonn (Düsseldorf) sind produktive Historiker der mittleren Generation. Beide sehen Bismarck durchaus kritisch. Kraus benennt als drei innenpolitische »...

ndPlusGerd Fesser

Mit rigider Hand regiert

Als Otto von Bismarck, damals noch preußischer Ministerpräsident, 1871 in Paris einritt - Frankreichs Truppen waren von deutschen besiegt -, trat ein Franzose auf ihn zu und schimpfte: »Canaille vulgaire - gemeine Kanaille!« Später danach befragt, warum er den wütenden Mann nicht hat arretieren lassen, antwortete Bismarck: »Der Mut des Mannes imponierte mir.« Diese Anekdote sei hier nicht als Komm...

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Reinhard Renneberg

Der Sensor, der aus dem Osten kam

Der Wert, mit dem man seit mehr als 100 Jahren die Qualität von Abwasser misst, heißt BSB5 - weil er den Sauerstoffbedarf beim Schmutzabbau über fünf Tage angibt. Doch schon 1978 fragte sich der Ostberliner Mikrobiologe Klaus Riedel, ob man den Wert nicht auch in 5 Minuten messen könnte. Riedel nahm den von Leland Clark jr. in den USA erfundenen Sauerstoffsensor und fixierte Abwassermikroben auf d...

ndPlusSteffen Schmidt

Das Erbgut »redigieren«?

Bisher verlief die Debatte zur Gentechnik in der Medizin meist so: Wissenschaftler verkündeten einen neuen Erfolg. Menschen, die dadurch Heilung für ihre Krankheiten erwarten konnten, schöpften Hoffnung, Gentechnikkritiker malten das Gespenst der Supermenschenzucht an die Wand. Im Ergebnis gab es dann in vielen Ländern mehr oder weniger strenge gesetzliche Regelungen, wie etwa das deutsche Embryon...

ndPlusGert Lange

Eiskeile als Klimaarchiv

Landschaften sind das Ebenbild ihrer Geschichte. Wer darin zu lesen versteht, kann den Wandel der Umweltbedingungen über die Jahrtausende verfolgen. Doch Berge und Böden, Senken und Seen haben ein unterschiedliches Gedächtnis; die einen speichern mehr, die anderen weniger Merkmale vergangenen Geschehens. Eines der Archive, die es ermöglichen, Umweltbedingungen und Klima zu rekonstruieren, sind Fro...

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Martin Koch

Segen und Fluch der Chemie

Pflanzen brauchen zum Wachstum Nährstoffe, die sie dem Boden entziehen: Stickstoff, Phosphor, Kalium, Magnesium, Schwefel, Kalzium. Gewöhnlich gehen diese Elemente im biologischen Kreislauf nicht verloren. Das heißt, wenn eine Pflanze abstirbt und verrottet, gelangen ihre organischen Reste zurück in den Boden und werden dort von Bakterien und Kleinstlebewesen zersetzt. Dadurch entsteht fruchtbarer...

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Kleine Regelkunde

Beim Tischfußball werden mit Hilfe von elf Spielerfiguren (»Puppen«), die an drehbaren Griffstangen befestigt sind, Bälle aufs gegnerische Tor geschossen. Auch die Kontrahenten bewegen elf Puppen, deren Anordnung der Aufstellung beim Fußball ähnelt.Grundregel: Bei einem Schuss dürfen beide Hände die jeweils benutzten Stangen, an denen eigene Minispieler hängen, nicht loslassen. Und es ist verboten...

Denkspiellösung

Am 14. März wollten wir wissen, um wie viele Tage langsamer ein mongolischer Botenreiter als ein schnellerer Kollege war, der ihn überholte. Es gab sehr viele Zuschriften, und die meisten stimmten: Der langsamere Reiter brauchte vom Zeitpunkt seiner Überholung noch acht Tage bis zum Ziel. Richtig hatte das auch Gernot Hawighorts aus Königs Wusterhausen, der für den Buchpreis ausgelost worden ist. ...

ndPlusMike Mlynar

Taschengeld-Tennis

Verhandlungsgeschick war einst die Domäne der Klugen und Gerissenen. Heute kann sich jeder im Internet verhandlungsfit machen. Beispielsweise gibt es Dutzende Anleitungen für Jugendliche, ihre Eltern zu einer Taschengelderhöhung zu nötigen. Ein Beispiel: »Meistens fragen Eltern warum und wozu. Denk Dir also vorher gute Gründe aus. Am besten sind solche, die auch Deinen Eltern nützen.« Verhandlungs...

ndPlusUdo Bartsch

Fiese Ferien

Sie heißen Slowhand Bill, Colonel Farsight oder Amelia Airhead und halten sich für tolle Hechte. Waschechte Abenteurer allerdings würden nicht so pingelig nach dem Stand der Ausrüstung fragen. Sie marschieren einfach los, und sollte es unterwegs mal brenzlig werden, schmelzen sie aus einer Rolle Lutschbonbons keimfreies Trinkwasser oder konstruieren einen Hubschrauber mit platten Autoreifen und zw...

René Gralla

Klack, tack, drin!

Jetzt ist er da, dieser Augenblick, der über alles entscheidet, bist du ein Loser oder bist du cool. »Zeig’ mir einen Schuss!«, hat Robih Mariam zu mir gesagt, und ich fixiere die Kugel, sie rollt gerade einem jener Plastikmännchen, die an langen Stangen hängen, direkt vor die Füße. Ein entschlossener Dreher, der Kunststoffkerl rotiert, mindestens dreimal um die eigene Achse, und klack-tack,...

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Nicolas van Ryk

Immer schön mit der Ruhe

In Söderköping gehen noch ein paar Passagiere an Bord. Von Stockholm ist das hundertjährige Dampfschiff entlang der Schärenküste in den Slätbaken-Sund bis nach Mem gefahren. Von dort hat sich die »Tham« in den Göta-Kanal gefädelt. Das ist der über 180 Jahre alte Wasserweg, der die Ost-West-Passage durch Südschweden erst ermöglicht und die Hauptstadt Stockholm an der Ostsee mit Schwedens zweitgrößt...

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ndPlusKatja Herzberg

Auf den Spuren der Partisanen

Ihre Fußspuren sind nach 70 Jahren nicht mehr zu erkennen. Aber in 1500 Metern Höhe, auf die grasbewachsenen Bergrücken blickend, wird die Geschichte der italienischen Partisanen auch ohne sie leicht erfahrbar. Hier oben, an den Hängen der Apenninen, deren Erhebungen bis über die Baumgrenze von der Ebene her oft nicht ansatzweise erkennbar sind, haben Tausende Männer und Frauen im Zweiten Weltkrie...

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Christina Matte

Opfer-Bereitschaft

Die Welt werde ein sicherer Ort? Niemand kann das angesichts des Irrsinns im dritten Jahrtausend noch hoffen. Die Gewalt eruptiert rund um den Erdball - erniedrigt, metzelt, vertreibt Hunderttausende Menschen. Doch wir, in der Noch-Komfortzone, diejenigen, die das Glück hatten, dass ihr selbsterhaltendes Urvertrauen nicht schon im frühen Kindesalter von Müttern oder Vätern zerstört wurde, wir w...

Das Blättchen Heft 20/18