Seite 1

UNTEN LINKS

Die Welt ist schlecht, grausam und überhaupt in einer Verfassung, die täglich jede noch so ausgewachsene Höflichkeit auf eine harte Probe stellt. Und so hat uns auch diese Meldung mit unserem inneren Kavalier kämpfen lassen: Jung und Alt sollen sich laut einer Studie darin einig sein, dass die Deutschen früher höflicher waren. Galant könnte man sagen: Es gibt also noch generationenübergreifende...

ndPlusFabian Lambeck

Die deutsche Abwehr steht

Deutschland diktiert der Europäischen Union nicht nur die Finanz-, sondern auch die Flüchtlingspolitik. Und diese ist ganz auf die Abwehr von unliebsamen Migranten ausgerichtet. Siehe »Mare Nostrum«.

Überlebende von Auschwitz fordern Gerechtigkeit

Berlin. Die Überlebenden des Nazi-Vernichtungslagers Auschwitz erhoffen sich von dem am heutigen Dienstag in Lüneburg beginnenden Prozess gegen einen früheren SS-Mann zumindest späte Gerechtigkeit. Angeklagt ist der heute 93-jährige frühere SS-Unterscharführer Oskar Gröning. Er war für das Gepäck der Verschleppten auf der Bahnrampe von Auschwitz mit zuständig, verbuchte das Geld, das den Todgeweih...

Postbank: Konflikt spitzt sich zu

Berlin. Der Tarifkonflikt bei der Postbank spitzt sich zu: In mehreren Bundesländern blieben am Montag zahlreiche Filialen geschlossen. In Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Teilen Brandenburgs traten rund 600 Mitarbeiter in den Streik und verliehen in Berlin ihrer Forderung nach Kündigungsschutz Nachdruck, wie eine Sprecherin von ver.di mitteilte. Weitere Arbeitsniederlegungen sollen folgen. ...

Banger Blick ins Ungewisse

Berlin. Ob die Geschichte des Krieges in Syrien, der jetzt bereits über vier Jahre andauert, überhaupt einen Sieger haben wird und wer dies dann wäre, weiß derzeit niemand zu sagen. Um so sicherer kennt man die Verlierer, und es werden täglich mehr. Mehr als 200 000 ließen schon ihr Leben. Wer sich rettete, tat das millionenfach auf Kosten von Haus und Heimat. Inzwischen sind es Millionen, die der...

Uwe Kalbe

EU schießt sich auf Schlepper ein

Die EU verfällt angesichts des Massensterbens im Mittelmeer in gleichermaßen hilflose wie hektische Betriebsamkeit. Neue Hiobsbotschaften begleiteten eine Ministerrunde in Luxemburg.

Seite 2
Anna Maldini, Rom

Die Pflicht der Kapitäne

Es war ein portugiesischer Frachter, der vergangene Sonntagnacht zuerst bei dem Flüchtlingsboot ankam, auf dem wohl 950 Migranten zusammengepfercht waren, die zum größten Teil ertrunken sind. Es lief so ab, wie es im Mittelmeer seit Monaten fast immer geschieht: Ein Flüchtlingsboot setzt einen SOS-Ruf ab, der von der Küstenwache aufgenommen wird. Die lokalisiert dann anhand von Karten Schiffe, die...

Deutschland ist nicht überfordert

»Jeder Mensch ist willkommen«, ist ein Eckpunktepapier überschrieben, das die beiden Sozialministerinnen von Brandenburg und Thüringen, Diana Golze und Heike Werner, am Montag vorgelegt haben.

Aert van Riel

Geheuchelte Humanität

Die schwarz-rote Bundesregierung debattiert über Maßnahmen gegen das Flüchtlingssterben auf dem Mittelmeer. Einig ist man sich, stärker gegen Schlepper vorzugehen. Europa wird sich weiter abschotten.

Seite 3

Palästinenser in der Zwickmühle

Einst Heimat für mindestens 160 000 Palästinenser, war die Einwohnerzahl des Viertels Jarmuk im Süden der syrischen Hauptstadt Damaskus aufgrund der seit Sommer 2013 anhaltenden Blockade durch die Armee auf zuletzt 16 000 bis 18 000 Bewohner gesunken. Insgesamt leben in Syrien eine halbe Million Palästinenser, die nach der Gründung Israels im Jahr 1948 und der nicht zustande gekommenen gl...

Jarmuk im Kreuzfeuer der Milizen

Ohnmächtig und tief gespalten reagieren die Palästinenser auf das brutale Los ihrer Landsleute, die in der syrischen Hauptstadt in einem Flüchtlingslager zwischen die Fronten des Bürgerkriegs geraten.

Seite 4
Uwe Kalbe

Heimatschusstauglich

Dass die Bundeswehr zur Selbstverteidigung ins Ausland reisen müsse, kann nur behaupten, der meint, dass die Sicherheit Deutschlands am Hindukusch verteidigt wird. Wer dies nicht tut, muss das G 36 gut finden, so wie es ist.

René Heilig

Ersaufen kostet keinen Profit

Im Mittelmeer sind ständig mehrere Dutzend Kriegsschiffe unterwegs. Warum setzt keiner die High-Tech-Flotten unter nationalem Kommando ein? Weil das tausendfache Ersaufen von Flüchtlingen keine Profite gefährdet?

ndPlusOlaf Standke

Tödliche Fehler

Das FBI, das längst zum Inlandsgeheimdienst mutiert ist, hat für ein Albtraumszenarium gesorgt: Mitarbeiter hätten bei der Haaranalyse unter dem Mikroskop und der Erstellung von Laborberichten jahrzehntelang Fehler gemacht.

Hilmar König, Delhi

Generalsekretär

Die KP Indiens (Marxistisch) hat seit Sonntag mit Sitaram Yechury einen neuen Generalsekretär. Zum Abschluss des 21. Parteitages in Vishakhapatnam wählte das Zentralkomitee den 62-Jährigen einstimmig. Er ist der fünfte Generalsekretär der 1964 gebildeten Partei, die sich von der 1925 gegründeten KP Indiens abgespalten hatte. Yechury, einer der jüngsten linken Spitzenpolitiker des Landes, folgt Pra...

ndPlusKathrin Gerlof

»Diese Menschlichkeit müssen ...

Tröglitz ist nicht überall, es gibt eine Menge blinder Flecken und daran will die Regierung etwas ändern. Der Bürgerdialog hat eine Überschrift bekommen, die lautet »Gut leben in Deutschland - was uns wirklich wichtig ist«.

Seite 5
ndPlusRené Heilig

Beihilfe zu Mord in 300 000 Fällen

Er soll Spuren der Massentötung verwischt haben, in dem er Gepäck verschleppter Menschen wegschaffte. Nun steht der 93 ehemalige SS-Unterscharführer vor Gericht. Es könnte einer der letzten NS-Kriegsverbrecherprozesse sein.

Für Auschwitz-Täter galt ein Sonderrecht

Jahrzehnte lang ist nichts passiert. Jetzt steht ein Auschwitz-Täter vor Gericht. Wie konnte es dazu kommen, dass die Staatsanwaltschaft erst jetzt tätig wurde? Ein Gespräch mit Prof. Cornelius Nestler.

Seite 6

Gysi weist Lammerts Vorstoß zurück

Berlin. Der Vorstoß von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), den Einfluss des Bundesverfassungsgerichtes einzuschränken, stößt bei der LINKEN auf Ablehnung. Linksfraktionschef Gregor Gysi betonte gegenüber »neues deutschland«: »Es ist schon erstaunlich, wie Konservative immer wieder ins Recht eingreifen wollen, wenn ihnen eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts nicht gefällt. Wenn di...

Hagen Jung

Gedenken mit »Betroffenheitskitsch«

Bei Feiern, die an die Befreiung vom Hitlerfaschismus erinnern, fehle oft die kritische Auseinandersetzung mit Deutschlands NS-Vergangenheit. Das bemängelt die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten.

ndPlusVelten Schäfer

Das V-Wort wird nun doch benutzt

Zwischen 1915 und 1917 wurden im Osmanischen Reich gut eine Million Armenier umgebracht. In der mit der Türkei verbündeten Bundesrepublik war das lange tabu. In der Gedenkstunde im Bundestag wird nun doch von »Völkermord« die Rede sein.

Seite 7

»Merkel will den Prozess, Schäuble die Entscheidung«

"Ein drittes Hilfspaket würde nur die Wahnsinnspolitik fortsetzen, die sich als gescheitert herausgestellt hat", sagt Jorgo Chatzimarkakis. Der frühere FDP-Politiker ist noch bis Anfang Mai Sonderbotschafter Griechenlands. Ein Gespräch.

Seite 8

Prozess gegen Partei Chrysi Avgi vertagt

Ist die rechtsextremistische Partei Chrysi Avgi eine kriminelle Vereinigung? Soll ihre Führung ins Gefängnis? Die Suche der griechischen Justiz nach Antworten könnte sehr lange dauern.

ndPlusBengt Arvidsson, Helsinki

Suomi nach rechts gedrückt

Nach der finnischen Parlamentswahl zeichnet sich in Helsinki ein Regierungswechsel ab. Die wertkonservative Zentrumspartei könnte mit Rechtspopulisten und Sozialdemokraten koalieren.

ndPlusArmin Osmanovic, Johannesburg

Zulu-Herrscher unter Verdacht

Weiter Übergriffe auf Ausländer in Südafrika: Im Johannesburger Township Alexandra wurde ein Mosambikaner, Emmanuel Sithole, auf offener Straße vor unzähligen Passanten niedergestochen.

Seite 9
Reimar Paul

Viel länger, viel teurer

Die Entsorgung wird Jahrzehnte dauern, die Kosten steigen weiter - die Folgen der Atomenergie wiegen noch schwerer als gedacht.

»Die Hinterbliebenen warten«

Im September 2011 starben in dem Gebäude des Unternehmens Ali Enterprise rund 260 Menschen in Pakistan. Über ihre Eindrücke einer Reise sprach Caren Lay (Die LINKE) in einem nd-Interview.

Seite 10
Martin Ling über die Forderungen aus den Krisengebieten

Marshall-Plan für Westafrikas Ebola-Länder

Es waren auch die Strukturanpassungsprogramme des IWF, die in den drei von Ebola hauptbetroffenen Ländern das öffentliche Gesundheitssystem auf ein Niveau schleiften, das einer Sonderbelastung nicht standhalten konnte.

ndPlusNeeta Laleffrey Moyo, Harare

Tausende Säureangriffe pro Jahr

Die Tendenz ist nahezu ungebrochen: Säureangriffe zerstören das Leben Tausender indischer Frauen. Ihre »Vergehen«: Verweigerung arrangierter Ehen oder sexueller Avancen.

Karl-Ludolf Hübener, Montevideo

Da singt kein Vogel

»Ohne Erinnerung wird Lateinamerika seine Identität und seinen eigenen Weg nicht finden.« Lateinamerika wird künftig die Stimme Eduardo Galeanos vermissen, aber ihn sicher nicht vergessen.

Seite 11

Mall of Berlin: Arbeiter erneut vor Gericht

Am Montag waren die sieben Arbeiter, die nach wie vor ihren Lohn für Arbeiten am Shoppingtempel »Mall of Berlin« einfordern, wieder vor Gericht erschienen. Ein weiterer Gütetermin vor dem Arbeitsgericht in Charlottenburg stand an. Den Arbeitern waren ein Stundenlohn in Höhe von fünf Euro und ein Arbeitsvertrag versprochen worden. Beides haben sie nie erhalten. Nun schalteten sich die Anwälte des S...

ndPlusMartin Kröger

Tollhaus Innenausschuss

Natürlich geht es im Parlament häufig zur Sache. Das soll so sein. Im Plenum beispielsweise machen die Abgeordneten durch laute Zwischenrufe auf sich aufmerksam. Wenn es allzu bunt wird, schreitet der Präsident des Abgeordnetenhauses ein, um für Ruhe zu sorgen. Schlagfertigkeit ist gefragt, als Redner und auf den Parlamentsbänken gleichermaßen. In den Ausschüssen dagegen findet die parlam...

Polizei will sich Analysesoftware anschauen

Die Berliner Polizei prüft noch, ob sie künftig eine Analyse-Software zur Kriminalitätsvorhersage nutzen wird - zum Bekämpfen von Einbruchsserien. Es gebe eine »gewisse Treffergenauigkeit«, sagte Innensenator Frank Henkel (CDU) am Montag im Innenausschuss. Zur Zeit erkunde die Polizei noch den Markt und werte die Erfahrungen anderer Bundesländer aus. Es sei bisher weder eine Entscheidung gefallen,...

Christian Baron

Vor siebzig Jahren begann die Befreiung

Die sowjetischen Truppen standen schon in Berlin, trotzdem ermordete die SS in den letzten Apriltagen 1945 einen 17-jährigen Deserteur in der Uhlandstraße, für den jetzt eine Gedenktafel errichtet wird.

Martin Kröger

Innenrevision prüft Abschiebungen

Der Fall der unrechtmäßig abgeschobenen Türkin Banu O. wurde am Montag im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses behandelt. Die Opposition forderte eine Überprüfung der Abschiebepraxis der Behörden.

Seite 12
Steffi Bey

Generation mit Freiräumen

Alle Jugendfreizeiteinrichtungen Marzahn-Hellersdorfs sind seit 2014 in Freier Trägerschaft. Im Sommer soll es eine fachgerechte Bewertung dieser Situation geben.

ndPlusChristian Thiele und 
Lukas Schulze

Flaschensammeln für den Urlaub auf Madeira

Wenn Menschen in Städten leere Flaschen aufsammeln, denkt man: Sie sind bedürftig. Das stimmt nicht immer. Ein Rentner aus Berlin geht auf Flaschenfang, um in den Urlaub zu fliegen. Funktioniert das?

Seite 13

Brandstiftung

Dresden. Bei einem Feuer in einem Asylbewerberheim im sächsischen Dippoldiswalde sind vier Menschen verletzt worden. Wie die Polizei am Montag in Dresden mitteilte, gehen die Ermittler von Brandstiftung aus. Die Hintergründe oder ein mögliches Motiv waren einem Polizeisprecher zufolge zunächst unklar. Die rund 60 Bewohner des Flüchtlingsheimes wurden in einer anderen Unterkunft untergebracht. Nach...

Rühren für den Frühstücksbrunch

Erfurt. Die Nachwuchsköche Georg (l.) und Ida von der Evangelischen Grundschule Erfurt in Thüringen probieren sich an einer Speise für den Frühstücksbrunch. Im Rahmen einer Aktion des Projektes »Kochen macht Schule« ging es dieser Tage darum, gemeinsam mit der Thüringer Sterneköchin Maria Groß, Küchendirektorin des Restaurants »Clara« im Erfurter Kaisersaal, ein ausgewogenes und schmackhaftes Früh...

Schulfonds für Gedenkstätten wenig genutzt

Schwerin. Seit Jahren werden in Mecklenburg-Vorpommern die Landeszuschüsse für Schülerbesuche in Gedenkstätten zum Naziterror, Stalinismus oder zu Opfern des DDR-Regimes nur etwa zur Hälfte in Anspruch genommen. Obwohl 100 000 Euro zur Verfügung standen, wurden mangels Nachfrage 2014 lediglich 42 000 Euro erstattet - ein neuer Tiefstand. 2013 waren immerhin rund 66 000 Euro und 2012 gut 52 000 Eur...

Stadt unter der Stadt

In Oppenheim können Besucher gleich zwei Kellerlabyrinthe erkunden. Treppauf, treppab geht es durch ein Jahrtausend Geschichte.

Volksbegehren in Sachen Windkraft

Penzlin. Das landesweite Aktionsbündnis von Windkraftgegnern »Freier Horizont« startet mit seinem Volksbegehren. Es fordert in erster Linie größere Abstände von Windparks zu Wohnhäusern. Vertreter der mehr als 40 Bürgerinitiativen im Land wollen in den kommenden Monaten Unterschriften gegen den nach ihrer Meinung unkontrollierten Ausbau von Windenergieanlagen sammeln. 120 000 Unterschriften sind e...

Andreas Fritsche

Gemeinsam gelitten

Fast zwei Jahrzehnte lang wurde um einen würdigen Gedenkort KZ-Außenlager Klinkerwerk gerungen. Seit Montag gibt es ihn endlich.

Hendrik Lasch

Machtanspruch per Brandsatz

In Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt häufen sich die Angriffe auf linke Projekte und alternative Jugendliche. Beobachter sehen Zusammenhänge zum Zuzug rechtsextremer Aktivisten.

Seite 14

Wer hat die beste Idee?

Die Vorarbeiten für das in Berlin geplante Museum der Moderne laufen an. Im Mai beginnt ein internationaler Ideenwettbewerb, noch vor der Sommerpause soll die Freigabe der vom Bundestag bewilligten 200 Millionen Euro für das Prestigeprojekt beantragt werden. Das geht aus einem Bericht von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) an den Kulturausschuss des Bundestags hervor, der am Mittwoch ber...

Gefragte Gegend für Erstsemester

Dresden. Beliebter Treffpunkt für Studenten: die Elbwiesen gegenüber der Altstadt von Dresden. Den Experten des Statistischen Landesamtes zufolge steigt die Zahl der Studienanfänger in Sachsen. 21 395 Studenten lernten im Jahr 2014 erstmals an einer der 26 Hochschulen im Land - 790 mehr als im Vorjahr. Das entspreche einem Anstieg von knapp vier Prozent. Gleichzeitig sank die Zahl der Studierenden...

Steckt der weiße heterosexuelle Mann in der Krise?

»Über Jahrhunderte hinweg galt der heterosexuelle weiße Mann als Standard, ohne dass er sich selbst reflektieren musste.« Mit ihrer Produktion »Straight White Men« war die New Yorker Autorin und Regisseurin Young Jean Lee Namensgeberin für das Festival »Männlich Weiß Hetero - Ein Festival über Privilegien«. Ihre Arbeit zwingt die Besucher, sich selbst mit ihren eigenen Stereotypen auseinanderzuset...

Neue FSME-Risikogebiete in Sachsen erwartet

Bisher ist in Sachsen nur im Vogtland die Gefahr groß, sich mit FSME anzustecken. In anderen Landkreisen übertragen Zecken die Krankheit noch selten. Das könnte sich ändern.

Hajo Obuchoff

Konzert in der Kirche statt mp3

Nach zwei Stunden endlich hatte es das Publikum geschafft: Omega spielte als Zugabe »Gyöngyhajú lány« - das Lied über ein Mädchen mit Perlen im Haar. Es ist der Kultsong der ungarischen Methusalem-Rockband. Und etwa 700 Kehlen in der Apostel-Paulus-Kirche sangen mit - deutsch oder ungarisch. Immerhin wurde die deutsche Coverversion von Frank Schöbel unter dem Titel »Schreib es mir in den Sand« vor...

ndPlusLucía Tirado

Erfreuliche Verschwörung

Große Sprünge gab es gleich am ersten Tag des vom Theater o.N. in Berlin präsentierten internationalen Festivals »fratz« für jüngste Theaterbesucher. Bis zum 22. April ist Gelegenheit, an sieben Orten die Arbeiten von 35 internationalen Künstlern aus Polen, Frankreich, Australien, Russland, aber auch aus Hamm und Berlin zu erleben. Von hier ist neben der Bühne in der Kollwitzstraße das Grips-Theat...

ndPlusAlice Bachmann, Bremen

Was ist eine angemessene Vergütung?

In Bremen gibt es rund 300 Stiftungen, die zumeist in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Kultur, Soziales engagiert sind. Die vielfältigen Möglichkeiten, durch die Errichtung einer Stiftung Steuern zu sparen, sind für die Linksfraktion in der Bremischen Bürgerschaft Anlass zu einer »Kleinen Anfrage«. Im Mai stehen in Bremen Bürgerschaftswahlen an. Auf drei Seiten finden sich fast 30 Punkte, zu d...

ndPlusCarsten Hoefer, München

Geheimakte »Strahlende Wildsau«

Die Folgen von Tschernobyl sind essbar: Bayerns Wildschweine sind stärker verstrahlt als bekannt. Doch die Messdaten sind großenteils unter Verschluss. Der Jagdverband fürchtet Schaden für die Jäger.

ndPlusVolker Trauth

Ziemlich beste Freunde

Das Stück hat eine Vorgeschichte. 1974 hat es Volker Ludwig für das Grips geschrieben und dort auch inszeniert. In vielen Ländern ist seine Inszenierung gezeigt, in anderen ist der Text in den Schullesestoff aufgenommen worden. Es geht darin um Yannis, den Griechenjungen, der von seiner Klasse 4c gehänselt und beleidigt wird, nur im deutschen Mädchen Vera eine Verteidigerin findet und von ihr zum ...

Seite 15

Norwegen gibt Ton an

Greifswald wird wieder zur Bühne für junge Kunst aus Nordeuropa. Die 24. Auflage des Festivals »Nordischer Klang« startet am 1. Mai eine elftägige Veranstaltungsreihe mit Konzerten, Ausstellungen und Lesungen von Künstlern aus Nordeuropa sowie Filmen und Vorträgen, wie die Veranstalter am Montag in Greifswald mitteilten. Im Mittelpunkt des »Nordischen Klangs« mit mehr als 30 Veranstaltungen steht ...

Tabus mutig angepackt

Den Lesern des »neuen deutschland« dürfte Günter Rosenfeld wohl bekannt sein, denn bis ins hohe Alter, solange es ihm eine tückische Krankheit erlaubte, hat er sich mit sachkundigen, klugen Beiträgen zu seinem Fachgebiet, der Osteuropageschichte, zu Wort gemeldet. Der am 2. September 1926 in Osterode/Ostpreußen geborene Geschichtsprofessor war über ein halbes Jahrhundert mit der Humboldt-Universit...

ndPlusTobias Riegel

Mörder oder Helfer?

Eine neue Ausprägung des absolut Bösen geistert dieser Tage durch einige große Medien: der Schlepper. Doch wäre 1941 ein Boot mit jüdischen Flüchtlingen gekentert – hätte man dann das »Schleuser-Unwesen« geißeln sollen?

Jan Freitag

40 Sekunden

Die Schweigeminute ist ein symbolischer Akt. Keine beschwiegene Tat wird durch die Minute Schweigens rückgängig gemacht, kein beschwiegenes Opfer wieder gesund, gar lebendig. Dass in der Kakophonie unserer Zeit 60 Sekunden kollektiv Stille herrscht, dient einzig und allein einem: dem Schweigenden. Das ist zwar ziemlich bürgerliche Augenwischerei, aber menschlich - wenn man denn schweigen lässt....

Seite 16

Räume renoviert

Das Dresdner Münzkabinett kann einziehen: Die Räume für die neue Dauerausstellung im Georgenbau des Schlosses wurden am Montag nach zweieinhalb Jahren Bauzeit übergeben. Eröffnet wird die Präsentation der größten Schätze der bedeutenden Sammlung am 7. Juni. Rund 4000 Exponate sollen dann von den Anfängen der Münzprägung in Sachsen zeugen, Anekdoten »Rund ums Geld« erzählen sowie das Geldwesen der ...

Das Lachen des Griechen

Er hatte die Knochigkeit eines Mannes, der mit großen, verwirrt und misstrauisch blickenden Augen aus gröberen Zeiten herüberzukommen schien. Blick und Spiel an einer vibrierenden Grenze zwischen Wildnis und Zivilisation. Anthony Quinn war Männlichkeit ganz aus der Tradition des Gegenangriffs, aber dies nicht brustoffen aufgereckt, sondern eher in einer Gefährlichkeit, die sich sprungbereit duckte...

Roberto Becker

Wagner wäre wütend

Dieser Siegfried sieht ziemlich albern aus in seinen Hochwasserhosen. Und doch kriegt er das Schwertschmieden mit reiner Gedankenübertragung hin. Genauso zerteilt er auch den Amboss. Er muss nur hingucken. Oder kann sich auf ein paar Gesten beschränken. Dafür steht er öfter nur rum wie ein Erstklässler bei einer Standpauke. Christian Franz entspricht optisch nicht dem, was die Phantasie oder die R...

Hans-Dieter Schütt

Keine Zukunft ohne die Toten

Gern verbindet der Mensch das Datum seiner Geburt mit der leichtfertigen Behauptung, er sei zur Welt gekommen. Als ginge das so schnell. Als dauere dies nicht lebenslang. Als stehe nicht fortwährend die Frage, wie man zur Welt und gleichzeitig zu sich selbst kommt. Durch die Welt hindurch? An ihr vorbei? Zur Welt zu kommen heißt, zur Vernunft kommen zu müssen - die dir unerbittlich dein traurigste...

Seite 17

Eine Blutspur durch Frankreich

Nach der Landung der Alliierten in der Normandie setzte sich 1944 die SS-Panzerdivision »Das Reich« in Bewegung mit dem Auftrag, die Résistance auszumerzen. Es kommt zu grausamen Massakern an Zivilisten. Die Doku zeichnet die Werdegänge von SS-Offizieren und das Schicksal von Widerstandskämpfern nach. Foto: Arte/Bildarchiv des BundesarchivsArte, 20.15 Uhr...

Der andere Junge

Die Familien von Robert Morell (Will Gerk, re.) und Paul Wagner (Tim Oliver Schultz, li.) sind eng befreundet. Was die Mütter und Väter der beiden jedoch nicht wissen: Robert wird von Paul ständig gedemütigt. Eines Tages dreht Robert durch und erschießt den sadistischen Paul. Für die beiden Familien beginnt ein Albtraum.Foto: NDR/Bernd Meiners3Sat, 20.15 Uhr...

Auszeichnung für deutsche Dokus

Mit zwei Auszeichnungen waren Produktionen des deutschen Fernsehens am vergangenen Wochenende beim diesjährigen Filmfestival in Houston (Texas) erfolgreich. Beim »48. Annual WorldFest« wurde die Dokudramaserie »14 - Tagebücher des Ersten Weltkriegs« und die Reportage »Im Visier der Hacker - Wie gefährlich wird das Netz?« ausgezeichnet. Das WorldFest Houston, gegründet 1961, ist das älteste unabhän...

Politiker wie Zombies

Der Wahlkampf-Experte Frank Stauss fordert Regeln, die Politikern in Zeiten von Twitter, Handy-Videos und Live-TV-Kanälen noch private Rückzugsräume ermöglichen. Mit Programmen wie der Live-Video-Streaming-App »Periscope« könne tatsächlich jeder seinen eigenen TV-Kanal eröffnen und selbst gedrehte Handy-Videos veröffentlichen, sagte der Organisator zahlreicher Wahlkampagnen in einem Interview der ...

Seite 19
ndPlusMichael Rossmann und
Peter Hübner, Hannover

Hannover entlässt Korkut

Die von ihm angeordnete Strafeinheit fand bereits ohne Tayfun Korkut statt. Bei strahlendem Sonnenschein mussten die Fußballprofis von Hannover 96 am sonst trainingsfreien Montag Laufrunden drehen, während Manager Dirk Dufner verzweifelt auf der Suche nach einem Nachfolger des beurlaubten Trainers war. Gefahndet wird nach einem Retter, der sich für die verbleibenden fünf Spiele zur Verfügung st...

Christian Kunz und Klaus Bergmann

Kamikaze ist nicht nötig

Ein Wunder braucht der FC Bayern gegen Porto nicht unbedingt. Doch den Münchnern droht ein schmerzhafter Champions-League-K.o. Für das nächste Halbfinale müsste eine Europapokal-Premiere glücken.

Seite 20

Explosion im Badezimmer

Bremen. Es begann als gemütliches Vollbad im Kerzenschein und endete in einer Explosion und der vollständigen Zerstörung einer Wohnung: Ein 39 Jahre alter Mann in Bremen verursachte dadurch nicht nur einen Sachschaden in Höhe von mehr als 20 000 Euro, wie die Polizei in der Hansestadt am Montag mitteilte. Er muss sich nun auch noch wegen fahrlässiger Brandstiftung verantworten.Der Mann wollte es s...

ndPlusFelix Lill

Majestäten auf vier Pfoten

Sonnenbrille, Strampelanzug, Zahnbürste: Japaner gönnen ihren Hundes eine Menge - im festen Glauben, dem Tier Gutes zu tun.Von Felix Lill, TokioAlice liegt ruhig da. Sie scheint es gewohnt zu sein, im Mittelpunkt zu stehen. Oder zu liegen. Um sie herum sammeln sich Kinder und junge Erwachsene, alle wollen mal streicheln. »Sie macht das wirklich gut«, sagt Sory Syota langsam und zieht einen Strich ...