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UNTEN LINKS

Tja, liebe Bundesrepublik: Es ist wohl bald Schluss mit Dir. Der Grund dafür sind jetzt ausnahmsweise mal nicht die bösen Kondensstreifen. Sondern es ist Dein selbstspalterischer Technikgebrauch. Eine Umfrage hat uns die Augen geöffnet: Die Berliner schalten morgens zuerst das Smartphone an, die Thüringer den Wasserkocher. Im Nordosten laufen nach dem Hahnenschrei die meisten Tablets, im Nordweste...

ndPlusMarkus Drescher

Gefährliche Proteste

Die Entscheidung, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren, darf nicht davon abhängen, dass man bereit ist, sich tausenden martialisch ausgerüsteten Polizisten und schon im Vorfeld absehbarer Repression auszusetzen.

Belgien lässt Spionage des BND untersuchen

Brüssel. Die belgische Regierung hat Untersuchungen wegen mutmaßlicher Spionageaktivitäten des Bundesnachrichtendienstes (BND) eingeleitet. Falls der deutsche Auslandsgeheimdienst tatsächlich die Online-Kommunikation in Belgien »in großem Maße« ausgespäht haben sollte, müsse die Bundesregierung sich dazu erklären, erklärte Telekommunikationsminister Alexander De Croo. Medienberichten zufolge half ...

180 000 Iraker aus Ramadi geflohen

Genf. Mehr als 180 000 Menschen sind seit Anfang April nach UN-Angaben vor der Gewalt rund um die irakische Stadt Ramadi geflohen. Die Kämpfe zwischen der Terrormiliz Islamischer Staat auf der einen Seite sowie Regierungstruppen und mit ihnen verbündeten Gruppen auf der anderen Seite drohten weiter zu eskalieren, warnte ein Sprecher des Flüchtlingshilfswerks UNHCR am Freitag in Genf. Viele der Gef...

G7 unter Blaulicht

Berlin. Bayern will ein »Zeichen der Gastfreundschaft« setzen und lässt das Schloss Neuschwanstein ab Samstag eine Woche lang täglich für eine halbe Stunde in den Landesfarben der G7-Staaten erstrahlen. Die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden westlichen Industrienationen, die sich ab 7. Juni auf Schloss Elmau treffen, sind dem Freistaat willkommen. Das gilt ganz und gar nicht für...

Migrationskonferenz: Myanmar am Pranger

Das Elend Tausender Flüchtlinge hat Südostasien erschüttert. Myanmar, Herkunftsland vieler, weist jede Kritik zurück. Und legt sich auch mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk an.

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Olaf Standke

Botschaft aus Büchel

Büchel ist nicht nur ein Fliegerhorst der Bundeswehr, Büchel ist auch Symbol für eine absurde »Sicherheitspolitik«. Aus Berlin aber kommen nach wie vor nur vage Versprechungen, keine wirklichen Abrüstungsinitiativen.

Klaus Joachim Herrmann

Doppelt pleite

Ihre Androhung macht einige Schlagzeilen, doch die Pleite der Ukraine ist längst offenkundig. Nicht nur dem Donbass verweigert die Zentralmacht jedes Geld - von Renten bis zu den Scheinen in den Bankautomaten. Den Bergleuten beglich Kiew erst nach deren Aufbegehren monatelange Lohnrückstände - aus dem Vorjahr. 46 Banken des Landes stürzten in nur zwölf Monaten in den Bankrott. Über eine »Umsc...

ndPlusMartin Kröger

Selbstbedienungsladen BER

Schlimmer geht immer! Für die unendliche Geschichte des geplanten Hauptstadt-Airport BER gilt das erst recht. Nachdem es eine kurze Periode gab, in der es schien, als könne das vom zurückgetretenen Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn angepeilte »Terminband« für die Eröffnung des Flughafens im zweiten Halbjahr 2017 tatsächlich gehalten werden, gerät jetzt erneut alles ins Wanken. Denn sollten die Berich...

Fabian Lambeck

Terrorhelfer

Eine Bilanz des politischen Lebens von Heiner Geißler zu ziehen, fällt schwer. Der als Heinrichjosef Geißler am Neckar geborene »Grenzgänger«, inszeniert sich seit Jahren als das linke Gewissen der CDU. Dabei war er in seiner Zeit als Generalsekretär der CDU von 1977 bis 1989 ein rechter Scharfmacher. Das hängt wohl auch mit seiner Prägung durch die katholischen Jesuiten zusammen, an deren Kolleg ...

ndPlusMartin Leidenfrost

Der Traum vom reichen Zwergstaat

In meiner Serie über europäische Separatismen komme ich zu der leisen Spielart, die mir als Österreicher besonders nahe liegt. Die »Bewegung Freies Triest« redet mir bei meinem Besuch so lange, bis ich selbst fast an ihr Ziel glaube.

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Butterweich

Über 45 Grad im Schatten, Tag für Tag: Südasien leidet unter einer monströsen Hitzewelle. Am schlimmsten betroffen ist der südliche Bundesstaat Andhra Pradesh, doch auch in Delhi schmilzt der Asphalt wie Butter und kreiert bizarre Muster. Für viele Menschen ist die Hitze mörderisch: Wie die Behörden mitteilten, starben bereits mehr als 1500 wegen der seit Tagen andauernden Rekordtemperaturen....

Erfolg von Podemos

Neue Zürcher Zeitung, Schweiz Nun muss paktiert werden Mariano Rajoys konservative Volkspartei hat enorm an territorialer Macht verloren. Die Konservativen müssen nun Koalitionen eingehen, um sich an der Macht halten zu können, werden aber in zahlreichen Städten und Regionen von Linksbündnissen übertrumpft. Die von Podemos unterstützten Bündnisse haben spektakuläre Erfolge erzielt, vor a...

Wolfgang Storz

Unterschätzte Revolution

Industrie 4.0. Es geht um weit mehr als die »vierte industrielle Revolution«. Dieses Mal wird sich alles verändern: bei weitem nicht nur Produkte, Produktion, Vertrieb und Arbeit in der Industrie, sondern auch Arbeit.

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Simon Polechau

»Merkel ist noch die Fortschrittlichste«

Greenpeace-International-Chef Kumi Naidoo setzt beim kommenden G7-Treffen im Kampf gegen die Erderwärmung auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie könne als Gastgeberin "ein wichtiges Zeichen setzen".

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Simon Poelchau

Merkel kommt Briten entgegen

David Cameron kommt nach seinem Wahlerfolg selbstbewusst nach Berlin. Seine Forderung: Änderung der EU-Verträge. Kanzlerin Merkel will ihm entgegenkommen.

ndPlusSebastian Haak, Eisenach

Burschis wieder auf Kuschelkurs

Etwa drei Jahre lang wurde der Riss in der Burschenszene tiefer und tiefer. Nun, pünktlich zum 200. Geburtstag der Ur-Burschenschaft, gibt es Signale, die auf eine erneute Annäherung hindeuten.

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Chile: 150 000 für bessere Bildung

Santiago. In Chile haben am Donnerstag (Ortszeit) mehr als 150 000 Demonstranten kostenlose öffentliche Bildung gefordert. Auf Kundgebungen verlangten Studenten, Schüler, Gewerkschaften und ihre Unterstützer eine tief greifende Reform des Bildungssystems. Ebenso richteten sich die Proteste gegen Polizeigewalt. Vor einer Woche war ein Jugendlicher bei einer Demonstration schwer verletzt worden, als...

Steinmeier im Land, dem die Pleite droht

Kiew. Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat die Ukraine zur vollständigen Einhaltung der Friedensvereinbarungen von Minsk aufgefordert. Bei einem Besuch in Kiew mahnte Steinmeier am Freitag, Voraussetzung für eine Lösung sei, »dass sich beide Konfliktparteien an den Tisch setzen und auch am Tisch bleiben«. Der SPD-Politiker äußerte sich unzufrieden über die Umsetzung der Vereinbarungen. Steinm...

ndPlusMathias Peer, Bangkok

Keine Lösung für Südostasiens Flüchtlinge

In Asiens Flüchtlingskrise gerät Myanmars Regierung unter dem Vorwurf einer schlechten Behandlung der Rohingya zunehmend in Bedrängnis. Auf einem Gipfeltreffen in Thailand wehrt sie sich.

ndPlusOliver Eberhardt, Kairo

Kein Frieden und keine Gespräche zu Jemen

Bei einem Luftangriff auf Stellungen der Huthi-Milizen in Jemen sind mindestens 40 Rebellen getötet worden. Die Friedensgespräche in Genf wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. Von Frieden ist das Land weit entfernt.

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Holger Politt, Warschau

Polens geteilter Himmel

Der Ausgang der polnischen Präsidentschaftswahlen im Mai verdeutlichte einmal mehr die tiefe Spaltung des Landes, wenn es um Wählerpräferenzen für die beiden großen Parteien geht.

ndPlusChristina Palitzsch, Athen

Hochkonjunktur nur für Solidaritätsnetzwerke

Griechenland steckt nun auch wieder offiziell in der Krise - das nationale Statistikamt Elstat bestätigte am Freitag den Rückfall in die Rezession. Doch die Menschen rücken weiter zusammen.

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Ermittlungen gegen Areva

Paris. Neben seinen Finanzproblemen bekommt Frankreichs Atomkonzern Areva nun auch Ärger mit der Justiz: Drei Untersuchungsrichter haben die Nachforschungen zu dem umstrittenen Aufkauf der kanadischen Minengesellschaft Uramin durch Areva im Jahr 2007 übernommen, wie die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag aus Justizkreisen in Paris erfuhr. Es handelt sich um zwei unterschiedliche Stränge: Einmal ...

ndPlusSimon Poelchau

Kommunen driften auseinander

Über ein Drittel aller Kommunen kommt nicht mehr aus der Schuldenfalle heraus. Dies hat vor allem negative Folgen für die In-frastruktur.

Bengt Arvidsson

Oslo wird das Risiko zu groß

Der Finanzausschuss des norwegischen Parlamentes hat beschlossen, dass die Kohlebeteiligungen des Staatsfonds verkauft werden sollen. Umweltschützer sind erfreut, denn Kohleverbrennung treibt den Klimawandel an.

ndPlusHendrik Lasch, Leipzig

Volle Autos und Jedermann-Taxis

Geteilte Autos, gemeinsame Fahrten - die Ökonomie des Teilens verändert den Transportbereich. Das könnte den Städten und dem Klima nutzen. Alteingesessene Unternehmen aber wehren sich.

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Doppelt missachtet

Ein riesiges Teppich-Portal der Künstlerin Nezaket Ekici vor dem Dresdner Landgericht ist gut eine Woche nach dem Aufbau mit einer islamfeindlichen Parole besprüht und dann von der Feuerwehr teildemontiert worden. Ekici sei über den »doppelten Akt der Missachtung der künstlerischen Integrität« ihres Werkes entsetzt, sagte Kurator Thomas Eller am Freitag in Dresden. Die deutsche Performancekünstler...

Verfehlung, Erfüllung

Zum 250. Geburtstag von Goethes Freundin und Frau Christiane Vulpius (1765-1816) zeigt Weimar ab Montag eine Sonderausstellung im Kirms-Krackow-Haus. Die Kabinettausstellung beschreibe die 28 Jahre dauernde Liebesbeziehung mit Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) anhand von Skulpturen, Zeichnungen, Briefen und anderen Zeitdokumenten, teilte die Klassik-Stiftung am Freitag mit. Die langjährige B...

Korruption bei der FIFA: Wie alles begann

Korruption ist ein hässliches Wort. Niemand möchte gerne als korrupt gelten. Auch die Funktionäre der FIFA nicht. Wer korrupt ist, dem wird ein schwacher Charakter unterstellt, der zu gewissen Dienstleistungen nur bereit ist, falls man ihm kleine oder größere finanzielle Geschenke macht. Für Korruption gibt es ein anderes, schöneres Wort: Geschenkkultur. Diese Geschenkkultur aber ist älter als der...

Tobias Riegel

Sensibler Brutalo

Man könnte nun kübelweise Häme ausschütten: über »Dirty Harry«, »Mit Vollgas nach San Fernando« oder »American Sniper«. Man könnte auch spaltenweise peinlich-markige Inspector-Callahan-Sprüche zitieren, wie etwa »Noch so’n Text und ich werd’ Ihnen die Ohren absägen, verstanden?«. Oder man könnte einen merkwürdigen »Dialog« thematisieren, den Clint Eastwood vor einigen Jahren im Wahlkampf für die U...

ndPlusChristian Baron

Trauma des Zusammenpralls

»Blasphemische Gedanken«: Slavoj Žižek analysiert den Islamismus – und die Rolle der radikalen Linken. Ihnen wirft er vor, nicht mehr gegen die politisch vereinnahmte religiöse Ideologie zu kämpfen.

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Martin Hatzius

Halte dich tapfer am Rand

Auf den ersten Blick scheinen die Namen auf dem Buchdeckel überhaupt nicht zusammenzupassen. Ein Briefwechsel zwischen Antje Vollmer, der Grünen-Politikerin aus dem Westen, und Hans-Eckardt Wenzel, dem Liedpoeten aus dem Osten, liegt hier vor, eine Korrespondenz, die wen? Fassbinder! zum Gegenstand hat. Aber genau darum geht es den beiden, die einander offenbar seit Jahren in einer Art skeptischer...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Hirnhöllenbilder, Ganzkörperkopfweh

Seine Welt hieß Deutschland und lag – zwischen Hitler und RAF – immer im Herbst. Am Sonntag wäre Rainer Werner Fassbinder 70 Jahre alt geworden. Er starb 37-jährig und hinterließ mehr als 40 Filme.

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ndPlusAlexander Ludewig

Mehr als ein Pokalfinale

Zwei Gegner, ein Ziel: Borussia Dortmund und der VFL Wolfsburg kämpfen nicht nur um den DFB-Pokal, sondern auch um ihren Status im deutschen Fußball. Wer kann sich als erster Bayern-Jäger etablieren?

Andreas Frank, Hamburg

Hamburger SV redet sich selbst stark

Noch drei Tage: Der erste Abstieg aus der Bundesliga rückt für den Hamburger SV nach dem 1:1 im Relegationshinspiel gegen den Zweitligadritten Karlsruher SC immer näher.

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Oliver Eberhardt, Tel Aviv

FIFA verhindert Eklat zwischen Palästina und Israel

Palästina wollte in Zürich die Suspendierung von Israels Fußballverband erreichen, zog den Antrag dann jedoch zurück. Die Blockade von palästinensischen Fußballern will die FIFA aber dennoch beobachten.

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Christin Odoj

Das Taschengeld reicht nicht

Brennpunktschule - das klingt nach Schlägerei, Drogen und frustrierten LehrerInnen. Es wird auch nicht besser, wenn man weiß, dass sich das Bonusschulprogramm u.a. Heinz Buschkowsky ausgedacht hat.

ndPlusMartin Kröger

Verdacht zu Korruption am BER erhärtet sich

Der in Bau befindliche Großflughafen rückt erneut in die Schlagzeilen. Medien berichten über neue Probleme. Darüber hinaus hat sich wohl ein Korruptionsverdacht gegen einen ehemaligen Bereichsleiter erhärtet.

ndPlusChristin Odoj

Stempel Brennpunktschule

Zurzeit werden 218 Brennpunktschulen in Berlin unterstützt. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) will 28 neue Schulen hinzunehmen. Die Haushaltsverhandlungen dazu werden wohl »hartnäckig«.

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1400 Ferkel bei Feuer verendet

Ein Schweinestall in Ruhlsdorf nahe Marienwerder (Barnim) ist ausgebrannt, das Dach eingestürzt. Bei dem Feuer in der Mastanlage sind rund 1400 Ferkel verendet. Der Sachschaden beträgt mehrere zehntausend Euro. Die Ursache für den Brand war am Freitag noch unklar. »Wir müssen abwarten, was die Untersuchungen ergeben«, sagte ein Polizeisprecher. Zwischen 50 und 60 Feuerwehrleute waren im Einsatz. I...

Rainer Balcerowiak

Mieterverein ruft zur Prüfung auf

75 Prozent aller Wohnungsangebote lagen in den letzten vier Jahren über den jetzt gültigen Kappungsgrenzen. Mieter sollen nun ihre Verträge überprüfen.

ndPlusPeter Nowak

»Alles ist kaputt«

Roma in Schöneberg beschuldigen ihren Vermieter, sie bedroht zu haben, um ihren Auszug zu erpressen. Sollte es einen weiteren Räumungsversuch geben, wollen sie vor dem Bezirksamt protestieren.

Wilfried Neiße

Jedes vierte Kind ist arm

Als arm gilt eine Familie mit zwei Kindern, wenn sie netto weniger als 1873 Euro im Monat hat. 84.000 minderjährige Brandenburger leben in einer ähnlichen Situation. Mit einem Runden Tisch soll das Problem angegangen werden.

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Menschen, Planten, Tauben

Hamburg. Schwatz auf der Parkbank: Zwei Männer sitzen in einer Hamburger Grünanlage in der Sonne. Die Hansestadt verfügt nicht nur über reichlich Wasserflächen, sondern bietet mit knapp 1400 Parkanlagen auch abseits von Elbe und Alster viele Plätze zur Erholung. Einer der bekanntesten Parks ist »Planten un Blomen«, 47 Hektar groß und im Herzen von Hamburg gelegen. Der Name ist plattdeutsch und bed...

Rote Laterne für Sachsen-Anhalt

Schwerer Start ins Tourismusjahr 2015: Während in allen anderen Bundesländern mehr Übernachtungen gebucht wurden, hat Sachsen-Anhalt ein Minus verzeichnet.

ndPlusKai Böhne, Göttingen

Dämmen mit Popcorn

Die Nachfrage nach Rohholz ist in den vergangenen Jahrzehnten beständig gestiegen. Industrie und Wissenschaft suchen nach alternativen Rohstoffen zur Herstellung von Möbeln, Bodenbelägen, beim Fahrzeugbau und in anderen Bereichen. Forstwissenschaftler der Universität Göttingen machten eine für diese Problemstellung originelle Entdeckung. Am Büsgen-Institut, einer wissenschaftlichen Einrichtung der...

ndPlusIris Leithold, Schwerin

Gesellschaft unter Wegwerfzwang

Zigarettenschachteln auf dem Rasen, Plastiktüten im Gebüsch, Bauschutt im Wald: Müll in der Landschaft ist auch in Mecklenburg-Vorpommern häufig ein Ärgernis. Und die Entsorgung kostet viel Geld.

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ndPlusUlrike Krenzlin

Lebens Lauf

»Des Lebens Lauf« - unter diesem Motto verknüpft Komponist und Dirigent Matthias Georg Kendlinger im neuesten Sinfoniekonzert seiner K&K-Philharmoniker zwei eigene Werke mit Carl Orffs »Carmina Burana«. Zuerst kam am Donnerstag im Konzerthaus die Ouvertüre zu »Der Priester«, der ersten Kendlinger-Oper. Danach folgte das Klavierkonzert Nr.1 in C-Dur op.7 »Larissa«. Nach der Pause dann als Höhep...

Stephan Fischer

Anonym in RAL 1015

»Sie sind Kurzstrecke, vier Euro, das erkenne ich sofort. Sie wollen ihre Pflanzen nach Hause transportieren, 20 Euro. Und Sie fahren einfach nur aus Langeweile Taxi. 50 Euro.« Das Spiel beginnt bereits, bevor die sechs Berliner Taxen (Farbton klassisch: Hellelfenbein, RAL 1015) auf einem Parkplatz am Moritzplatz in Kreuzberg zu sehen sind. Die Fahrgäste im Theaterprojekt »Hellelfenbein« machen de...

Peter Nowak

Die Spur führt zur Bakuninhütte

Fast stünde sie heute nicht mehr, die Bakuninhütte bei Meinigen in Thüringen. Doch jetzt gibt es sogar eine Ausstellung, welche die Geschichte des früheren Anarchisten-Treffpunkts beleuchtet.

Kein »fränkisch-zänkisch« mehr

Sie sollte die Kooperation der Kommunen verbessern, kleineren Firmen mehr Schlagkraft verleihen, Kunst und Kultur vernetzen. Nun feiert die Metropolregion Nürnberg ihr zehnjähriges Bestehen.

Kathrin Zeilmann, Ahorntal

Letzter Anruf vor fünf Jahren

Dank des Handys braucht fast niemand mehr eine Telefonzelle. Aber was ist mit ländlichen Regionen ohne Netzabdeckung? Auch da ist das öffentliche Telefon aus der Mode gekommen. Ein Bericht aus Bayern.

ndPlusKlaus Hammer

Deformierte Wirklichkeit

Wolfgang Petrick gehörte in den 1960er Jahren der (West-)Berliner Künstlergruppe »Großgörschen 35« an, aus der dann eine Nachkriegskunstrichtung, der »Kritische Realismus«, hervorgegangen ist. Der »kritische Realist« Petrick wandte sich sowohl gegen die Vormachtstellung der Abstraktion im Westen als auch gegen die proletarische Erzählhaltung und die neoklassizistische Tradition im Osten und gab in...

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Nach dem Erdbeben

Mit seinem »Hubschrauber«, wie Europäer die Rikscha nennen, kutschierte der 53-jährige Ram Chandra bei Wind und Wetter Touristen durch Kathmandu. Seit den schweren Erdbeben in Nepal bleiben jedoch die Urlauber weg und damit auch die Einnahmen, die das arme Land so dringend braucht. Die Solidarität der Nepalesen ist infolge der gigantischen Schäden groß, aber noch immer warten Hunderttausende auf H...

Sieben Tage, sieben Nächte

Nichts ist älter als die Zeitung von gestern, lautet ein gern benutzter und gut gepflegter Leitsatz für Journalisten im Tageszeitungsgeschäft. Aber natürlich dient diese Devise nicht nur dazu, die Redakteure zu schnellem Arbeiten anzutreiben, sondern ist auch von einer gewissen Wehmut getragen. Denn tatsächlich ist das »Tagewerk«, in das mitunter viel Recherche, Zeit, Liebe zum Detail und im beste...

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ndPlusMichael Lenz

»Unser Leben wird hart«

Zwischen Dulikhel und Kuttal liegen acht Kilometer. Jedoch trennen Welten die Stadt am Araniko Highway zwischen Kathmandu und Tibet und das kleine Dorf in den hoch aufragenden Himalajahügeln. Die Fernstraße ist gut ausgebaut, Dulikhel verfügt von Geschäften, Märkten, Gewerbe bis zu Restaurants, Cafés und Hotels über die Annehmlichkeiten der modernen Welt. Kuttal ist eine kleine Ansammlung von Baue...

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Michael Lenz

Touristen verzweifelt gesucht

Sind Sie ein Tourist?« Der Engländer in dem Ausrüstungsladen für Bergwanderungen in Kathmandus Touristenviertel Thamel lacht und sagt: »Nein, ich arbeite für eine Hilfsorganisation.« Vor dem von Tauben umflatterten Tempel Jana Bahal in Kathmandus Altstadt steht ein junger, blonder Mann in einem bunten Hemd, das sehr nach Urlaub aussieht. Aber auch der Amerikaner entpuppt sich als Mitarbeiter einer...

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Mary Ellen Mark 20. 3. 1940 - 25. 5. 2015

Ein Mädchen steht in einem Kinderplanschbecken. In einer Hand hält es elegant eine Zigarette, aus seinem Mund entweicht Rauch. Körpersprache und Blick sagen ungefähr so viel wie: »Ich weiß Bescheid, Freundchen, also erzähl mir keine Scheiße.« Im Hintergrund, im Wasser sitzend und konsterniert blickend, die jüngere Cousine. »Amanda and Her Cousin Amy« lautet der Titel der vor 25 Jahren entstandenen...

Elisabeth Wiedemann 8. 4. 1926 - 27. 5. 2015

Wie hatte man sich in den 1970er Jahren im westdeutschen Fernsehen eine Frau vorzustellen, die die Verhältnisse durchschaut und dennoch das große Drama, das man Ehe nennt, geduldig erträgt; die ihrem Ehemann bezüglich Alltagstauglichkeit haushoch überlegen ist, ihn dies aber zu keinem Zeitpunkt spüren lässt; eine Frau also, die nicht heraus will aus dem knechtischen System, eben weil sie um den Vo...

ndPlusAert van Riel

Der sanfte Rebell

In der Bremer Bevölkerung ist Carsten Sieling für seine Praxistage bekannt. Seit vier Jahren besucht der SPD-Politiker karitative Einrichtungen und Firmen. Dort arbeitet er kurzzeitig als »Praktikant« mit. Sieling lässt sich dabei fotografieren, wie er Koffer am Flughafen schleppt oder Brote in einer Suppenküche schmiert. Letztere sind nicht nur in Bremen immer voller geworden, seit der Sozialstaa...

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Elmar Altvater

Fetischartigste Form

Schulden - da denkt man an schwäbische Hausfrau, Schuldenbremse, schwarze Null und an die Finanzkrise von 2008. Doch das ist nichts im Vergleich zum Schulden-Himalaya, der derzeit aufgetürmt wird.

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ndPlusLeo Fischer

Die Homo-Ehe

Wann kommt sie endlich in Deutschland? Die sogenannte Homo-Ehe? Die Antwort ist sehr einfach. Nie, never, jamais und niemals nicht; nicht jedenfalls in einem Deutschland des derzeitigen Zuschnitts.

Ein Leben im Jahrhundertschritt

Er wurde als Sohn eines zum Protestantismus konvertierten jüdischen Rechtsanwalts geboren. Im Hause seiner Eltern, in dem er in behüteten Verhältnissen aufwuchs, herrschte nicht nur eine anregende kulturelle Atmosphäre. Er fand dort auch eine Vielzahl von Büchern über Wissenschaft und Philosophie, in die er sich mit Leidenschaft vertiefte. Als er 16 Jahre alt war, verließ er vorzeitig die Sch...

Martin Koch

Von Vögeln und Menschen

Wie kaum eine andere technische Erfindung hat das Internet unsere Gesellschaft verändert. Neben vielen anderen Vorzügen versetzt es Menschen in die Lage, jenseits geografischer und kultureller Grenzen in Echtzeit miteinander zu kommunizieren. Diese Form des Gedankentransfers hat nicht nur prägenden Einfluss auf die soziale Kon-struktion von Wirklichkeit. Internet-Communitys sind überdies zu erstau...

Seite 23
Felix Bartels

Was erlaube Strunz?

In "Die Welt" hieß es kürzlich, Geisteswissenschaftler hätten hierzulande »für alles 
studiert, nur nicht für den Markt«. Studenten, »die Begriffe wie Marktangebot und -nachfrage zu spät begriffen« haben, brauche niemand.

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Bildungslexikon

eGovernment@School«, das; Substantiv, Neutrum. Mit dem Versprechen, dass die Schulen mehr Zeit für Pädagogik bekommen, begann 2009 die Berliner Senatsschulverwaltung mit dem Projekt eGovernment@School. Dies bestand aus der IT-Plattform egovschool-berlin.de, die u.a. Software für ein Abiturmodul, Anleitungen zum Export der Abiturdaten für verschiedene Software, Zeugnisformulare zur Verfügung stellt...

ndPlusJürgen Amendt

Der Mensch ist nichts, das System ist alles

Die Berliner Bildungsverwaltung hat ihr IT-Konzept für die Schulen gestoppt. Mit dem Projekt »eGovernment@school« sollte die Personalplanung der Schulen erleichtert werden. Doch das System kam nie richtig in Gang und die Server, die in den vergangenen Jahren von den Schulen aufgestellt werden mussten, sind mittlerweile veraltet. Also wird alles wieder auf Anfang gestellt. Das IT-Debakel ist s...

Lena Tietgen

Berliner Desaster

Einsturzgefährdete Bauten, chronischer Lehrermangel, Unterrichtsausfall und fehlende Schulplätze. Berlins Bildungspolitik lebt vom Drama. So berichtete tagesspiegel.de Anfang dieser Woche von den Missständen und erntet Sarkasmus in den Kommentaren. »Zuzug von Familien, mehr Kinder - zwar merkt man das auf dem Wohnungsmarkt schon seit Jahren nur bei der Schulverwaltung sind Arroganz und Wahrnehmung...

ndPlusRalf Hutter

Die ganze Gesellschaft im Blick

Wenn Markus Funck sagt: »Die wissenschaftlichen Kategorien, die wir in den Lehrveranstaltungen diskutieren, sollen auch für die Gegenwart fruchtbar gemacht werden«, dann ist das für einen Historiker ungewöhnlich. Doch sein Fachgebiet bringt es mit sich, dass es ständig Ereignisse gibt, auf die das von ihm erwähnte akademische Instrumentarium angewandt werden kann. Funck ist Koordinator des Masters...

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Hermann Klenner

Für Freiheit und Harmonie aller

Bewunderns- und beneidenswert, wer eine solche Ernte der eigenen wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit einzufahren vermag: Seit ihrer Dissertation vor sechzig Jahren hat sich Waltraud Seidel-Höppner, Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin, publizierend und edierend Wilhelm Weitling (1808-1871) und anderen deutschen und französischen Parteigängern des vormarxschen Sozialismus un...

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Dieter B. Herrmann

»Das interessiert mich«

Es war am 29. März 1914, als Albert Einstein sein Schweizer Domizil in Zürich aufgab und in die deutsche Reichshauptstadt übersiedelte. Gerade zum Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften gewählt, erwartete ihn in Berlin ein materiell sorgenfreies Forschen ohne irgendwelche Amtspflichten. Obwohl Einstein damals noch nicht als »Popstar« der Physik galt, kam in Berlin gleich die »Vossisc...

ndPlusHenriette Palm

Fahren oder gefahren werden?

Die Bilder von Menschen in automatisch fahrenden Autos, in denen der Fahrer sich zum Small Talk den auf der Rückbank sitzenden Mitfahrern zuwendet, faszinieren viele Menschen. Verkehrspsychologen sehen die Entwicklung eher kritisch. «In der Fokussierung auf die Technik zeigt sich ein erschreckender Mangel an systemischer Denkweise», so Wolfgang Fastenmeier von der Psychologischen Hochschule Berlin...

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ndPlusSusanne Aigner

Die Landwirtschaft will hoch hinaus

Gut die Hälfte der Weltbevölkerung wird im Jahr 2050 in Städten leben. Dann könnte die Versorgung der Stadtbewohner zum Problem werden, befürchtet der Mikrobiologe Dickson Despommier. Schon heute legen frische Lebensmittel aus Kalifornien oder Arizona bis nach New York im Schnitt 5000 Kilometer zurück. Despommier will mit vertikalem Anbau das Ernährungsproblem von Großstädten lösen (www.verticalfa...

Seite 29
Udo Bartsch

Klein und pummelig

Sind das etwa Hobbits? Nein, ganz bestimmt nicht! Denn Hobbits auf dem Cover abzubilden kostet Lizenzgebühren. Das Geld lässt sich sparen, indem man... nun ja, etwas klein und pummelig geratene Abenteurer zeigt, die rein zufällig ein bisschen an Hobbits erinnern. Insbesondere da sie sich in einer riesigen Schatzhalle befinden, die von einem gefährlichen Drachen bewacht wird. »Drachenhort« wec...

ndPlusMike Mlynar

Mal das Rädchen stoppen

Richtig oder falsch, Lüge oder Wahrheit. Zwischen Pode und Antipode dieser beiden Begriffspaare pendeln Logik und Pragmatik. Doch sie unterscheiden sich gravierend. Das Richtige im Falschen ist eben auch falsch. Lüge und Wahrheit sind zwar semiotisch ebenso streng definiert, aber das Leben kennt viele Relativierungen: die Notlüge oder die große Verlogenheit, die halbe oder eben die ganze Wahrheit....

Carrom hält jung

Dieser Mann feiert sein Hobby in einer Hymne und wird bei allen Gleichgesinnten punkten, so lange sich noch zwei Menschen zu einem Match treffen. Arif Naqvi besingt das Carrom, denn schließlich ist er ein Mann vom Fach. Seit gut drei Jahrzehnten promotet er hierzulande jenes Spiel, das vor allem in Indien und Sri Lanka ein Volkssport ist. Der 81-Jährige ist Berliner und stammt aus Lucknow im nordi...

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ndPlusHeidi Diehl

Sehnsuchtsort - nicht nur für gekrönte Häupter

1991 bewarb sich 
Memleben um den Sitz der Bundeshauptstadt. Welcher Ort kann von sich behaupten, im frühen Mittelalter eines der favorisierten Reiseziele und Sterbeort mehrerer deutscher Kaiser und Könige 
gewesen zu sein?

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Von Felix Lill, Tokio

Wasserstoff statt Benzin

Hätte man das erwartet? Seit Jahren werben Hersteller von Elektroautos mit Umweltfreundlichkeit, aber der Absatz lahmt. Zu lange hängen sie an der Steckdose, sind aber zu wenig leistungsfähig, so lautet die häufigste Kritik. Nun aber hat der japanische Autobauer Toyota seit kaum einem halben Jahr den ersten in Serie produzierten Wasserstoffwagen auf dem Markt - und kommt mit der Produktion nicht h...

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ndPlusVolkmar Draeger

Stargards Lebenswerk

Ohne den Regisseur Joachim Stargard hätte die Skepsis gegenüber dem Theater den Spaß daran überwogen, sagt Manuel Rivera. Stargard setzte Rivera seit 1994 zwei Jahrzehnte in Produktionen ein. »Seine Exaktheit in der Arbeit habe ich übernommen«, fügt der im Umweltschutz tätige, promovierende Soziologe an. Dass Stargard die Theatertruppe über den Gesellschaftswandel hinweg mit berserkerhaftem Willen...