Seite 1

Unten links

Eine der grausamsten Aufgaben Erziehungsverpflichteter besteht darin, dem Nachwuchs die Illusion zu rauben, Märchen seien wahr. Es empfiehlt sich, die Tränen der Tochter in Eimern aufzufangen, während man ihr erklärt, dass der Osterhase ein Nutztier in Käfighaltung ist. Der Inhalt der Eimer kommt zum Einsatz, wenn es die flammende Wut des Sohnes zu löschen gilt, der Opa den angeklebten Weihnachtsm...

Wolfgang Hübner

Ein Vermächtnis

Er war Galionsfigur, Prellbock, Idol, Hassobjekt, Zugpferd, Stimmungskanone und Zuchtmeister seiner Partei. Die LINKE ohne Gregor Gysi an vorderster Front - an diesen Gedanken müssen sich Freund und Feind wohl erst noch gewöhnen.

Erdogan will die ganze Macht

Istanbul. 56,6 Millionen Türken waren am Sonntag dazu aufgerufen, die 550 Abgeordneten der Großen Nationalversammlung in Ankara zu bestimmen. Es war die erste Parlamentswahl seit dem Amtsantritt von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan im vergangenen August. Das Wahlkampfende wurde von schwerer Gewalt überschattet. Bei einem Sprengstoffanschlag auf eine HDP-Veranstaltung in der Kurdenmetropole Diy...

Jain und Fitschen verkrümeln sich

Frankfurt am Main. Paukenschlag im Doppelturm von Deutschlands größter Bank: Die Co-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain haben am Sonntag überraschend ihren Rücktritt angekündigt. Jain wird zum 30. Juni 2015 zurücktreten und bis Januar als Berater der Bank zur Verfügung stehen, teilte das Institut in Frankfurt mit. Fitschen soll bis zur Hauptversammlung im Mai 2016 im Amt bleiben, um einen geordne...

Rote Fahnen vor der Berghütte

Berlin. Mehr als 20 000 Polizisten wurden an Ort und Stelle gebracht, der Tagungsort war bereits Tage vorher hermetisch abgeriegelt, Südbayern hatte sich für das globale Event rausgeputzt, dazu das herrliche Alpenpanorama: Alles war angerichtet, als am Sonntag der G7-Gipfel in Schloss Elmau, etwa zehn Kilometer Luftlinie von Garmisch-Partenkirchen entfernt, begann. Bundeskanzlerin Angela Merkel be...

ndPlusAert van Riel, Bielefeld

Gysi tritt nicht erneut als Fraktionschef an

Im Herbst wird Gregor Gysi nicht erneut für den Fraktionsvorsitz der LINKEN kandidieren. Seine Partei rief er zu mehr Kompromissbereitschaft auf, um auch im Bund regieren zu können.

Seite 2

Optionen für die LINKE

März 2016: Sachsen Anhalt Rechnerisch dürfte eine erste echte rot-rote Koalition in Magdeburg möglich werden – doch die SPD-Spitzenkandidatin Katrin Budde hat die Wahl eines Ministerpräsidenten der Linkspartei ausgeschlossen. Als deren Spitzenkandidat geht Wulf Gallert ins Rennen – und er könnte vor Budde ins Ziel kommen. Bei der letzten Wahl 2011 lag die LINKE mit 23,7 Prozent vor der SPD (21,5 ...

Aert van Riel, Bielefeld

Riexinger kontra Kipping

Wie groß die Differenzen zum Bedingungslosen Grundeinkommen in der LINKEN sind, zeigte sich bei einer Podiumsrunde auf dem Bielefelder Parteitag. Auf der Seite der Befürworter stand Linksparteichefin Katja Kipping, auf der Seite der Gegner der Ko-Vorsitzende Bernd Riexinger.

ndPlusAert van Riel und Tom Strohschneider, Bielefeld

Besser leben ohne Merkel

In einigen ostdeutschen Bundesländern könnte die LINKE bald neue Bündnisse mit SPD und Grünen bilden. Auch im Bund ruft sie die beiden Parteien zur Zusammenarbeit auf, stellt aber harte Bedingungen.

Seite 3
Tom Strohschneider

Trübe Brühe, roter Pfeffer

Die Frage, wie man es mit der SPD hält, ist ein Grundton auch dieses Parteitags der Linken in Bielefeld. Auch Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch stimmen mit an. Sie sind die Wunschnachfolger von Gregor Gysi.

Tom Strohschneider

Da die Zeit gekommen ist

Gregor Gysi tritt nicht mehr als Fraktionschef an. In seiner Bielefelder Rede beschreibt er eine Linke, wie er sie gern hätte. Im Kern steht, was Gysi als notwendigen Ausdruck der Geschichte der Partei ansieht - und als seinen Erfolg.

Seite 4
Kurt Stenger

Von der Vergangenheit überholt

In der sogenannten Aktionärsdemokratie geht es bisweilen laut zu, aber am Ende gibt es fast immer prozentuale Mehrheiten der Marke 90+. Dass die Führungsspitze der Deutschen Bank bei der jüngsten Hauptversammlung kaum über 60 Prozent kam, war daher mehr als ein Schuss vor den Bug. So kommt es nicht überraschend, dass sich die Doppelspitze Anshu Jain/Jürgen Fitschen nacheinander zurückziehen wird. ...

Katja Herzberg

Rot-blauer Burgfriede

Eine Koalition bedeutet Zusammenarbeit auf Zeit. Die wird im Fall des ersten rot-blauen Bündnisses in Österreich manchem nicht schnell genug vergehen. Die nächste Wahl könnte schon das erste Urteil für die Zusammenarbeit der Sozialdemokraten mit der nationalistischen FPÖ bereithalten. Während der burgenländische Ministerpräsident Hans Niessl macht, was allein er für richtig hält, droht seiner SPÖ ...

René Heilig

G7 plus mindestens zwei

Es stimmt, auch weltweit sollte es ein Versammlungs- und Koalitionsrecht geben. Freilich nur, wenn man damit nicht Rechte anderer Nationen beschädigt. Doch genau das tun die G7 mit ihrem elitären Club.

ndPlusKurt Stenger

Wunderkind

Die (wenigen) Guten ins Töpfchen, die (vielen) Schlechten ins Kröpfchen: In der digitalen Kreativwirtschaft geht es fast wie im gar nicht märchenhaften Märchen zu. Viele Softwareprogrammierer und Minifirmengründer klagen über (Selbst-)Ausbeutung und miese Einkommen. Doch es gibt auch Glückskinder, die über Nacht zu Multimillionären werden. Dazu zählt nun Christian Reber, der zusammen mit fünf Mits...

Matthias Dell

Und Achtung wegen der Ming-Vasen

Der Wiener »Tatort: Gier« ist von der subversiven öffentlich-rechtlichen ARD ziemlich neckisch programmiert worden: am Abend des ersten Tags des G7-Gipfels auf Schloss Elmau, pünktlich zum Bergfest des Politikertreffens sozusagen.

Seite 5
ndPlusOlaf Standke

Trügerisches Gipfel-Idyll

Angela Merkels Ehemann hatte die Gattinnen der Gipfelteilnehmer zu einer Kutschfahrt durch die Landschaft rund ums Luxushotel Schloss Elmau geladen, die Kanzlerin selbst machte mit US-Präsident Barack Obama einen Ausflug in die bayerische Kultur von Weißwurst und Brezn - der Gipfel-Sonntag begann geradezu idyllisch. Doch ob die angesichts der Spähaffäre um NSA und BND realitätsvergessene demonstra...

Seite 6

Kein Ausstieg aus Hartz IV

Berlin. Für fast drei Millionen Menschen ist der Bezug von Hartz IV zum Dauerzustand geworden: 2,79 Millionen Hartz-IV-Betroffene seien schon vier Jahre oder länger auf die staatliche Unterstützung angewiesen, berichtet die »Welt am Sonntag« unter Berufung auf eine neue Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Das seien rund 46 Prozent aller Langzeitarbeitslosen. 64 Prozent erhalten länger als zwei...

Deutschland schiebt mehr Flüchtlinge ab

Berlin. Die Behörden schieben seit Jahresbeginn deutlich mehr Asylbewerber aus Deutschland ab. In den meisten Bundesländern ist die Zahl der »Rückführungen« in den ersten Monaten des Jahres gestiegen, in einigen sogar um ein Vielfaches, wie eine Umfrage der Deutsche Presse-Agentur ergab. So wurden in Bayern bis Ende Mai 1216 Ausländer abgeschoben, mehr als im Gesamtjahr 2014 mit 1007. Betroffen wa...

ndPlusMarcus Meier

Nachwirkungen des Dortmunder Rathaussturms

Ein Jahr nach ihrem Sturm auf das Dortmunder Rathaus hoffen die Nazis jetzt auf »mutige Urteile« zu ihren Gunsten. Der Rechtsanwalt und LINKE-Politiker Gregor Gysi will das verhindern - er steht einer Lokalpolitikerin bei.

René Heilig

Die Flüchtlinge und das Weißbuch

Am Sonntag endete der evangelische Kirchentag. Ein Thema: Flüchtlingspolitik. Unterdessen haben Rettungskräfte am Wochenende im Mittelmeer abermals Tausende Flüchtlinge in Sicherheit gebracht.

Seite 7

In Nahost wächst Sorge vor neuer Konfrontation

In Nahost wächst die Sorge vor einer neuen Konfrontation zwischen Israel und der Hamas. Radikale Splittergruppen im Gazastreifen schießen Raketen ab. Aber Israel macht die Hamas verantwortlich.

Katja Herzberg

Gläubiger fordern neue Liste aus Athen

Nun erhöht auch der in der Öffentlichkeit bislang wohlwollend aufgetretene EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker den Druck auf die griechische Regierung. Beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau in Bayern warf der Konservative Premier Alexis Tsipras vor, er habe in den vergangenen Tagen Fristen zur Einreichung neuer Reformvorschläge verstreichen lassen. Laut Juncker hatte Tsipras versprochen, bis zu...

David Graaff

Kolumbien hofft auf Wahrheit

Mit der Einrichtung einer Wahrheitskommission signalisieren die FARC-Guerillakämpfer und die kolumbianische Regierung Fortschritte bei den Friedensgesprächen. Doch die wichtigste Frage bleibt noch offen.

Seite 8

Malis Tuareg-Rebellen für Abkommen

Algier. Die wichtigsten Tuareg-Rebellengruppen im Norden Malis haben die Unterzeichnung eines Friedensabkommens mit der Regierung in Bamako zugesagt. Das Bündnis Koordination der Bewegungen des Azawad (CMA), in dem mehrere Tuareg-Rebellengruppen unter Führung von Bilal Ag Acherif zusammengeschlossen sind, kündigte am Wochenende in Algier an, das Abkommen am 20. Juni zu unterzeichnen. Das CMA-Bündn...

Tödliche Drohnen am Hindukusch

Kabul. Bei dem Einsatz einer US-Drohne sowie Kämpfen mit den Taliban und Bombenanschlägen sind in Afghanistan fast 60 Menschen getötet worden. Im Osten des Landes sei eine von der Drohne abgeschossene Rakete in eine Trauergemeinde bei der Beerdigung eines Taliban-Kommandeurs eingeschlagen, sagte der Vize-Gouverneur der Provinz Khost, Abdul Wahed Pathan, am Samstag. Dabei seien mindestens 34 Mensch...

ndPlusBengt Arvidsson

»Gucci-Helle« will es wissen

Helle Thorning-Schmidt steckte jahrelang im Umfragetief. Doch kurz vor der vorgezogenen Parlamentswahl am 18. Juni hat Dänemarks viel kritisierte sozialdemokratische Ministerpräsidentin aufgeholt.

Seite 9

Niederlage für Argentinien

New York. Im Schuldenstreit mit zwei US-amerikanischen Hedgefonds hat Argentinien eine weitere Niederlage einstecken müssen. Der US-Richter Thomas Griesa urteilte, dass Buenos Aires neben den beiden Fonds auch noch rund 500 weitere Gläubiger mit Forderungen von insgesamt 5,2 Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro) beim Schuldendienst vorrangig berücksichtigen müsse. Damit nimmt der Druck auf das s...

Felix Lill

Der seltene Reallohnanstieg

Beim G7-Gipfel geht es um Minimalstandards beim Arbeitsschutz, nicht aber um gute Löhne. Bei diesen hat auch Teilnehmer Japan wenig zu bieten, denn lange ging das Reallohnniveau in dem Land nach unten.

ndPlusSimon Poelchau

Ignorierte Umweltschutz-Bedenken

Im Umweltausschuss des Bundestages werden am Montag Experten bei einer Anhörung zum letzten Mal die Möglichkeit haben, Einwände gegen Fracking zu äußern. Die Mehrheit der Bundesbürger will ein komplettes Fracking-Verbot.

Seite 10
ndPlusFrank Deppe

Die Macht der Einheit

Nicht nur der Streit um das Tarifeinheitsgesetz hat gezeigt, wie groß die Konflikte im DGB sind. Ein Plädoyer dafür, die weitere Erosion des Prinzips der Einheitsgewerkschaft aufzuhalten.

Seite 11

Es wird mehr abgeschoben

In Berlin ist die Zahl der abgeschobenen Flüchtlinge in diesem Jahr deutlich gestiegen - um 19 Prozent. Wurden im vergangenen Jahr laut Berliner Innenverwaltung von Januar bis April noch 211 Personen in ihre Heimatländer zurückgeschickt, so waren es in den ersten vier Monaten 2015 schon 261. Insgesamt waren es im vergangenen Jahr 602 Abschiebungen. Die Hauptherkunftsländer, in die abgeschoben wurd...

Bernd Kammer

Senatsfehler

Eigentlich könnten sich S-Bahn-Fahrgäste entspannt zurücklehnen: Die langwierigsten Bauarbeiten sind abgeschlossen, die nächsten Lokführerstreiks noch längst nicht in Sicht, und die S-Bahn-Krise mit der Stilllegung ganzer Strecken liegt Jahre zurück ... Jahre zurück? In den vergangenen Tagen fielen wieder vermehrt Fahrten aus, und Züge fuhren mit weniger Wagen als vorgesehen. Doch im Gegensat...

S-Bahn mit Schwächeanfall

Die Berliner S-Bahn hat aus Sicht des Fahrgastverbands mit schwerwiegenden Problemen zu kämpfen. »Es ist zwar keine Krise wie 2009, aber es ist ein heftiger Schwächeanfall«, sagt Jens Wieseke, der Vizechef des Berliner Fahrgastverbandes IGEB. Nun müssten die Kunden Versäumnisse der früheren S-Bahn-Führung und des Senats ausbaden. Hintergrund ist der neue Fahrzeugmangel, durch den täglich einzelne ...

ndPlusJudith Rakowski

Gewinner: Toleranz und Vielfalt

Das Sportfest fand zum zehnten Mal statt. Mehr als 100 Teams mit mehr als 1000 Teilnehmern traten in verschiedenen Sportarten im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark unter dem Motto »Zeig’ Respekt für Lesben und Schwule« an.

ndPlusJosephine Schulz

Bücherarmut ist nicht sexy

Ein Kreuzberger Lehrer hat eine Petition gegen das »Büchervernichten« gestartet. 12 000 Menschen haben schon unterschrieben.

Seite 12

Landtag beschließt den Haushalt

Drei Tage lang debattiert der Landtag den Doppelhaushalt 2015/2016. Im Fokus stehen Millionenkredite für den Flughafen BER, die den Etat angeblich gar nicht belasten.

ndPlusSteffi Prutean

Der Winnetou aus dem Osten

Was der gerade verstorbene Pierre Brice als Winnetou im Westen war, das verkörperte Gojko Mitic als DEFA-Indianer im Osten. 75 Jahre wird Mitic alt und sitzt noch immer fest im Sattel.

ndPlusPeter Nowak

Zehn Jahre »New Yorck«

Das einstige Bethanienkrankenhaus am Kreuzberger Mariannenplatz wurde zweimal besetzt. Heute ist es ein wichtiger Treffpunkt der linken Szene. Nun feiert das linke Hausprojekt Jubiläum.

Alexander Riedel

Zwischen Hollywood und Kaltem Krieg

Tom Hanks spielt einen Anwalt, der einfädelte, dass 1962 der sowjetische Kundschafter Rudolf Abel gegen den bei einem Spionageflug abgeschossenen Piloten Francis Gary Powers ausgetaucht wurde.

Sven Kames

Kein Durchkommen für Neonazis

600 Neonazis wollten am Sonnabend beim mittlerweile siebenten Tag der deutschen Zukunft durch das brandenburgische Neuruppin marschieren. Mehr als 2000 Menschen sorgten dafür, dass die Nazis nur 1100 Meter weit kamen.

Seite 13

Das UNESCO-Welterbe feierte sich am Rhein

Kaub. Ein Rheinschiff passiert die Burg Pfalzgrafenstein auf der Insel Falkenau im Rhein zwischen Oberwesel und Kaub (Rheinland-Pfalz). Die Zollburg wurde 1327 errichtet und später zur Schiffsform erweitert. Das knapp 700 Jahre alte Gemäuer auf dem Rheinfelsenriff liegt im Unesco-Welterbe »Oberes Mittelrheintal«. Drei der vier Welterbestätten in Rheinland-Pfalz beteiligten sich am UNESCO-Welt...

Verrat am Traum der Moderne

Beim evangelischen Kirchentag in Stuttgart hat der Jenaer Soziologe sich gegen die Wachstumsiodeologie der Kirche und für »ein Leben in Frieden« ausgesprochen. Der Traum der Moderne werde verraten.

Exporte gen Osten gehen zurück

Die Krise im Osten der Ukraine nimmt kein Ende. Gegen Russland wurden Sanktionen verhängt, was wiederum in der Thüringer Wirtschaft nicht ohne Folgen bleibt.

ndPlusAlice Bachmann

Zu viel Wasser, zu viele Becken

Bremen. Ein Baden-Verboten-Schild in einem Bremer Kleingartengebiet hätte bis vor kurzem für Irritationen gesorgt. Zwar gab es schon immer kleinere Teiche, aber deren Maße reichten nicht zum Baden - jedenfalls nicht für Menschen. Zudem war allen irgendwie klar, dass es Vorgaben für Teiche im Schrebergarten gibt. Schließlich gibt es einen »Landesverband der Gartenfreunde«, dem die meisten Laubenkol...

Seite 14

Volksbühne: Dercon will neue Sprache

Mit einem neuartigen Programm will der künftige Intendant der Volksbühne, Chris Dercon, gezielt internationale Besucher gewinnen. »In Berlin leben so viele hochgebildete junge Leute aus Israel, dem Libanon, Neuseeland oder Kanada, die kein Deutsch können«, sagte Dercon im Interview mit dem Nachrichtenmagazin »Focus« (Montag). Er arbeite mit seinem Team an einer neuen Art von Sprache. Mit »Wortense...

Gedenken an Vertriebene erst 2018

Die seit 2008 geplante Vertriebenen-Ausstellung im Deutschlandhaus in Berlin wird voraussichtlich erst 2018 öffnen. Wie ein Sprecher von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, ist die Übergabe des Gebäudes in der Nähe des Potsdamer Platzes derzeit für die zweite Hälfte 2017 geplant. Die Einrichtung der Gedenkstätte werde nach Einschätzung von Experten ...

Überlebensbunt

Die Galerie ART CRU ist seit 2008 Berlins einzige Galerie für sogenannte Outsider-Kunst: Kunst von Menschen mit geistiger Behinderung oder mit Psychiatrieerfahrungen. Mit den Werken des Berliner Tape-Art-Künstlers Marco Bukschat und des portugiesischen Malers José Fernando Chambel Marques (hier abgebildet dessen Werk »Geo.R.Gia«, 2013, Öl auf Leinwand) soll die besondere Wahrnehmung der Welt durch...

Vater unser, der du hängst im Schacht

Das hier ist zwar nicht das Wort zum Sonntag, sondern bloß die übliche Montagslitanei, was aber gesagt werden muss, wusste schon Günter Grass, das muss gesagt werden: Seit einer ganzen Woche steht in diesem Saftladen hier der gottverdammte Paternoster schon still, und ich habe aufgehört, die Rosenkränze zu zählen, die ich seitdem hoch- und runtergebetet habe, damit er herrgottnochmal endlich von d...

Frank Christiansen

Drohnen als Gefahr für den Verkehr

»Drohne knallt gegen Windschutzscheibe«, »Sänger Iglesias verletzt sich an Drohne«, »Drohne stürzt neben Kanzlerin Merkel ab« - die Meldungen über Zwischenfälle mit den unbemannten Flugobjekten häufen sich. Mit der wachsenden Beliebtheit von Drohnen nehmen auch die Unfälle zu. Sänger Enrique Iglesias (40) ist wohl das erste prominente Opfer eines zivilen Drohnenunfalls. Iglesias hatte bei ein...

Bernhard Sprengel

Transnationale Sozialarbeit nötig

Der EU-Binnenmarkt führt zu EU-Erwerbslosigkeit. Das Projekt »Plata« vermittelt europäischen Bürger, die auf der Suche nach einer neuen Existenz gescheitert sind, auch zurück in ihre Herkunftsländer.

Stefan Amzoll

Der Schüler wird zum Lehrer

Pascal Dusapin komponierte sein Werk „Disputatio" im Auftrag des RIAS-Kammerchors. Gemeinsam mit dem Münchner Kammerorchester brachte der Chor das Musikstück nun in der Berliner Philharmonie zur Uraufführung.

Seite 15

Augen auf

Unter dem Titel »Alles unter Kontrolle« startete am Sonnabend in Greiz die 8. Triennale der Karikatur. In 242 satirischen Zeichnungen setzen sich 78 Künstler aus Deutschland mit Überwachung, Kontrolle und der Vorratsdatenspeicherung auseinander. Mit der fünfmonatigen Ausstellung wird zugleich das 40. Jubiläum der Karikaturensammlung »Satiricum« begangen. dpa/nd...

Wolfgang Hübner

Mosekunds Montag

»Oh, frische Erdbeeren«, rief Herr Mosekund erfreut, als er einen Bekannten traf, der vom Einkauf kam. »Ich darf doch mal«, sagte Herr Mosekund und nahm drei der größten, prächtigsten Früchte aus dem Korb. »Nicht so viele, die sind vom Bauern«, sagte der Bekannte, »wissen Sie, was die gekostet haben? Zehn Euro das Kilo.« - »Zehn Euro?«, entgegnete Herr Mosekund. »Die bekommen Sie auf dem Markt inz...

Mehr Vielfalt

Die Kultusminister der Länder streben eine neue Strategie im Umgang mit den Unesco-Welterbestätten an. Auf einem Symposium in Markkleeberg diskutierten 150 Fachleute Empfehlungen, wie bei künftigen Welterbe-Bewerbungen vorgegangen werden soll. So sei darüber gesprochen worden, wie mehr transnationale Bewerbungen auf den Weg gebracht werden könnten, sagte Elke Harjes-Ecker. Ein Antrag, so die Koord...

Hans-Dieter Schütt

Im Licht der Silberbüchse

Was erzählt uns Pierre Brice? Dass man mit jener Arbeit zu Erfolg kommen kann, die man zunächst mit allen Gemütsstacheln abwehrt. Dass ein Stereotyp sich erledigt – und doch unsterblich bleibt. Winnetou forever!

Walter Kaufmann

Der renitente Chronist

So, wie er sich selbst sieht - »renitent, unruhig, auf gedankliche Verunsicherung des Sicheren bedacht« - ist Chaim Noll auf den nahezu fünfhundert Seiten seines Buches zu erleben. Er schrieb es in der Gewissheit, sehr besonders gewesen und in einer Welt aufgewachsen zu sein, die es so nicht mehr gibt, in Zeiten der Berliner Mauer und des Kalten Krieges, die, wie er sagt, von »Absurditäten, Übergr...

Seite 16

2000 Worte

Der tschechische Schriftsteller Ludvic Vaculik ist am Sonnabend im Alter von 88 Jahren in Prag gestorben. Vaculic war der Verfasser des Manifests »Zweitausend Worte, gerichtet an Arbeiter, Landwirte, Beamte, Künstler und alle anderen«, das am 27. Juni 1968 in der Prager »Literaturzeitung« erschien. Den darin formulierten Aufruf zu einer durchgreifenden Demokratisierung hatten 70 Künstler, Wissensc...

Martin Hatzius

Ohne Jauch geht’s auch

Nach der Bekanntgabe des Fernsehmoderators Günther Jauch, seinen Vertrag mit der ARD nicht über das Jahresende hinaus zu verlängern, spekulieren die Kommentatoren über zwei Fragen: Was mögen die »beruflichen« und »privaten Gründe« sein, die Jauch nach viereinhalb Jahren endlich dazu bewogen haben, seine oft harsch kritisierte, nichtsdestotrotz gute Quoten einfahrende Quasselrunde aufzugeben? Und: ...

Lilian-Astrid Geese

Es blieb ein begrabener Aschenbecher

Marketing-Leute würden es Premium-Angebot nennen, als literarisches Genre ist es schlicht Fiktion: Frédéric Beigbeder hat ein neues Buch vorgelegt, das kluge Unterhaltung bietet und viel mehr. »Oona und Salinger« ist eine Hommage an seinen Lieblingsautor Jerome D. Salinger (1919-2010), der sich, nach dem unerwarteten Bestsellererfolg seines einzigen Romans »Der Fänger im Roggen« (1951) und wenigen...

Karlen Vesper

Die Prüfung einer Hundertjährigen

Als sie 1937 an der Hamburger Uni ihre Dissertation einreichte, verwehrten die Nazis ihr die Verteidigung. Fast 80-Jahre verspätet erhält die 102-jährige Medizinerin Ingeborg Rapoport nun ihren Doktortitel.

Seite 17
ndPlusTobias Riegel

Es gibt auch Väter

Gerade erst ließ die überraschende Fortschrittlichkeit der katholisch geprägten Iren das deutsche Establishment in Geschlechterfragen ziemlich alt aussehen. Jetzt sorgte ein Artikel im Film-Branchen-Dienst »Blickpunkt:Film« dafür, dass zumindest ein Teil der deutschen Fernseh-RedakteurInnen und -ProduzentInnen auf diesem Terrain geradezu greisenhaft erscheint. Das Geschlecht scheint hier keinen Sc...

ndPlusJan Freitag

Blatter, Streiks und Winnetou

Seit dem vergangenen Herbst besteht die Nachrichtenwelt nur noch aus Krisen. Die »Tagesschau« geriet so kriegerisch, dass Sprecherin Linda Zervakis entschloss, ab Juli den »Summer of Peace« bei Arte zu moderieren.

Seite 18

Glücksmoment

Christine Sinclair verhalf Kanada mit ihrem Elfmetertor in der Nachspielzeit (Foto) zu einem Traumstart und entfachte nicht nur bei den 53 058 (!) Zuschauern im Commonwealth-Stadion von Edmonton Glücksmomente, sondern sorgte im Land des Eishockey-Weltmeisters für Fußballstimmung. »Es gibt nur eine Frau auf der Welt, die aufsteht und so etwas tun kann«, sagte Kanadas Nationaltrainer John Herdman mi...

ndPlusAlexander Ludewig

Der Spieler des Spiels

Er ist Weltmeister und zweimaliger Europameister. Am Sonnabend gewann Andrés Iniesta zum vierten Mal die Champions League, was bislang nur fünf Spielern gelang. Nach dem Sieg gegen Juventus Turin wurde der 31-jährige Mittelfeldspieler von der UEFA als Spieler des Spiels ausgezeichnet. Danach sprach er über seine Karriere, das größte Glück für einen Fußballer, den FC Barcelona und finale Momente, in denen man auch leiden muss.

ndPlusAlexander Ludewig

Dominanz und Demut

Der FC Barcelona feiert mit dem Triple eine »historische Saison«. Juventus Turin hätte dies auch gelingen können, aber die Italiener standen sich im Finale von Berlin selbst im Weg.

Seite 19

Tennisdiva

Serena Williams, 33-jährige Tennisdiva aus den USA, gewann zum dritten Mal nach 2002 und 2013 die French Open in Paris. Die Weltranglistenerste setzte sich im Finale gegen die Außenseiterin Lucie Safarova (Tschechien) mit 6:3, 6:7, 6:2 durch. Mit diesem Sieg hat sie nun 20 Titel bei Grand-Slam-Turnieren geholt und ist nur noch zwei Erfolge von der Rekordsiegerin Steffi Graf entfernt. »Es war der d...

Weltrekordlerin

Liu Hong (China) stellte in La Coruña (Spanien) mit 1:24:38 h einen neuen Weltrekord im Straßengehen über 20 km auf. Die 28-jährige WM-Dritte von 2013 war damit 24 Sekunden schneller als die Russin Jelena Laschmanowa (1:25:02) bei ihrem Olympiasieg 2012 in London. Die zuvor erzielten Bestzeiten der Russinnen Olimpiada Iwanowa (1:24:50) und Olga Kaniskina (1:24:54) waren nicht anerkannt worden, wei...

Ballermann

Robert Weber, Rechtsaußen vom Handball-Bundesligisten SC Magdeburg, ist der Ballermann der Liga. Der 29-jährige gebürtige Österreicher warf 271 Tore in 36 Spielen. Das ist der beste Wert seit 2009, als der Grieche Savas Karipidis 282 Mal traf - allerdings bei zwei Partien weniger. Weber spielt seit 2008 in der Bundesliga und seit 2009 beim SC Magdeburg. Bereits in der Saison 2010/2011 führte er di...

Franko Koitzsch und
 André Klohn

In Frack und Zylinder auf dem Rathausbalkon

Kieler Nächte sind lang. Am längsten, wenn der THW Kiel die Handballmeisterschaft gewinnt. Das hat er bereits zum 20. Mal. Rund 15 000 Fans feierten mit der Mannschaft auf dem Rathausplatz der Stadt.

Seite 20
ndPlusSusanne Steffen

Teetrinker leben länger

Eine neue Studie bestätigt die positiven Gesundheitseffekte des Matcha-Tees. Demnach senken seine Trinker ihr Sterberisiko erheblich.

Celestine Hassenfratz

Poseidons Zorn

Zum heutigen Welttag des Meeres legt die UN dieses Jahr den Schwerpunkt auf die Meeresverschmutzung durch Plastik. Bevor es für die Weltmeere zu spät ist.