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UNTEN LINKS

Heute vor 85 Jahren starb Wilhelm Bartelmann. Was, das sagt Ihnen nichts? Dann sind Sie vermutlich gerade im Gebirge, unter Tage oder auf Balkonien - bzw. hatten noch gar keinen Urlaub. Denn wären Sie an Ost- bzw. Nordsee, wüssten Sie den teuren Verblichenen durchaus zu schätzen. Bartelmann war nämlich der Erfinder des bis heute beliebten Strandkorbes. Er soll 1882 für eine rheumakranke Dame das e...

Flüchtlinge in überfüllten Zentren

Genf. Mehr als 100.000 Flüchtlinge sind nach UN-Angaben seit Beginn des Jahres auf dem Seeweg in Griechenland angekommen. Griechenland sei das europäische Mittelmeerland, in dem 2015 bislang die meisten Bootsflüchtlinge registriert worden seien, sagte der Sprecher des Hilfswerks UNHCR, Adrian Edwards, am Freitag in Genf. Das vom Staatsbankrott bedrohte Land brauche dringend mehr Hilfe von der Euro...

Berliner CDU-Basis gegen Ehe für alle

Berlin. Die Mitglieder der Berliner CDU lehnen eine Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der klassischen Ehe mehrheitlich ab. In einer Befragung des Landesverbandes votierten 45 Prozent gegen die Gleichstellung, 35 Prozent sprachen sich dafür aus. 4700 der rund 12 500 Mitglieder hatten sich beteiligt, 4501 gültige Stimmen wurden gezählt. Die CDU sei in gesellschaftspolitischen Fra...

Roland Etzel

Die türkische Staatsräson

Nach der Ankündigung des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu, hart gegen Extremisten vorzugehen, ist Vorsicht geboten. Und zwar für die Unterstützer der Opfer von Suruc, für Linke und für Kurden.

Ramelow spendet für Kalikumpel

Bischofferode. Eine Spende von 20.000 Euro übergaben am Freitag der Ministerpräsident von Thüringen, Bodo Ramelow (LINKE), sowie Claus Weselsky, Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), an den Thomas-Müntzer-Kaliverein in Bischofferode. Weitere 10.000 Euro gingen an den Blinden- und Sehbehindertenverband Eichsfeld. Das Geld hatte Ramelow als Honorar für die Vermittlung im Arbeitskamp...

ndPlusRoland Etzel

Ankara legt sich mit Dschihadisten an

Die Türkei hat am Freitag Stellungen des Islamischen Staates in Syrien angegriffen und ist im Lande selbst gegen »Extremisten« vorgegangen. Dies sei Anti-Terror-Kampf.

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ndPlusAert van Riel

Unbequeme Wahrheit

Torsten Albig hat eine für seine Partei unbequeme Wahrheit ausgesprochen. Die Chancen der SPD, nach der nächsten Wahl den Kanzler zu stellen, stehen schlecht. Deswegen schließt der schleswig-holsteinische Ministerpräsident nicht aus, dass die Sozialdemokraten als Ziel ausgeben sollten, erneut Juniorpartner der Union zu werden. Zahlreiche Genossen sind nun wütend auf Albig. Aber auch sie wissen, da...

Velten Schäfer

Aufruf zum Verfassungsbruch

»Wenig hilfreich«, so Katrin Göring-Eckardt, sei des Migrationsamtschefs Idee, Flüchtlingen vom Westbalkan ans »Taschengeld« zu gehen. Tatsächlich ist dessen anhaltendes Plädoyer, »Chancenlose« von Anfang an einer Sonderbehandlung zu unterwerfen, ein nonchalanter Aufruf zum Verfassungsbruch durch eine Bundesbehörde. Zynisch genug, diese Staaten als »sicher« einzustufen, weil die Sinti und Rom...

ndPlusIngolf Bossenz über eine angebliche Prophezeiung Fidel Castros von 1973

Nicht ist unmöglich

Wahrlich, wahrlich ich sage euch: »Die USA werden wieder mit uns verhandeln, wenn es in Washington einen schwarzen Präsidenten und in der Welt einen lateinamerikanischen Papst gibt.« So sprach - nein, nicht Jesus und nicht Nostradamus - Fidel Castro 1973 im Interview mit einem britischen Journalisten. Pünktlich zur Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Kuba geistert di...

Klaus Joachim Herrmann

Wahlverbot

Petro Simonenko, Vorsitzender der Kommunistischen Partei der Ukraine (KPU) und bis zur Wahl 2014, bei der sie den Einzug in die Werchowna Rada verfehlte, auch ihrer Fraktion, ist nicht mehr wählbar. Der 62-jährige braucht gar nicht erst anzutreten, wenn es in Kiew nach der Demokratie geht, die sich auf dem Maidan kämpferisch auf den Weg zu den Werten der Europäischen Union machte. Denn nach d...

ndPlusMartin Leidenfrost

Das georgische Kommando

Als der ukrainische Präsident Poroschenko den georgischen Ex-Präsidenten Saakaschwili im Juni zum Gouverneur der Region Odessa ernannte, wurde mir schwindlig. Saakaschwili bringt zwar aus Georgien Referenzen mit - unbestechliche Polizisten und Bürgerservicezentren zur Bündelung von Amtswegen. Doch an Georgiens Schwarzmeerstrand verpulverte er Unsummen für unbenutzbare phallusförmige Wolkenkratzer,...

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Wolfgang Gründinger

Wir sind jung und brauchen das Geld

Wer es als Mensch unter 30 wagt, sich Gedanken über die Zukunft zu machen, dem schallt oft genug entgegen: Jammert doch nicht, euch geht es gut! Und es stimmt ja auch: Meine Generation ist in materiellem Wohlstand aufgewachsen. Ich musste nie hungern, hatte immer ein Dach über dem Kopf, und Internet, seit ich 15 bin. Sogar der Arbeitsmarkt scheint es inzwischen gut mit uns zu meinen, denn die Juge...

Die Türkei und der IS

De Telegraaf, Niederlande Erst auf internationalen Druck Der IS scheut offenbar nicht mehr vor blutigen Anschlägen in der Türkei zurück, also muss Ankara stärker gegen die Terrororganisation vorgehen. Zugleich spürt die Regierung den heißen Atem des bewaffneten Teils der kurdischen PKK im Nacken. Dieser große Gegner des IS hat nach dem Anschlag in Suruc zwei türkische Polizisten getötet....

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ndPlusHendrik Lasch, Chemnitz

Ein Eiffelturm im Liegen

Einst sächsisches Manchester, heute nur dritte unter den drei Großen in Sachsen: Chemnitz hat viel einstige Größe eingebüßt, ringt aber um den Erhalt von deren Zeugnissen.

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ndPlusAert van Riel

Albig sorgt für Unruhe in der SPD

Seit Monaten drücken die Wahlumfragen auf die Stimmung der Sozialdemokraten. Aktuelle Erhebungen sehen die SPD bei 24 bis 25 Prozent. Die Union liegt mit 41 bis 42 Prozent vorne. Das entspricht etwa dem letzten Bundestagswahlergebnis. Angesichts dieser schwierigen Lage, in der sich die SPD befindet, hat der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig nun öffentlich das ausgesprochen, w...

Rudolf Stumberger, München

Mit wehendem Fähnchen in Untersuchungshaft

Bayern will das Versammlungsgesetz verschärfen. Doch schon heute ist Protestieren im Freistaat für Linke eine heikle Angelegenheit. Montag wurde ein Teilnehmer einer Anti-Pegida-Kundgebung in Untersuchungshaft geschickt.

ndPlusVelten Schäfer

Hetze und Sorge um Flüchtlinge

Während Experten eine soziale »Enthemmung« diagnostizieren, fordern Politiker und Offizielle weiter Gesetzesverschärfungen. Derweil werden hastig Notunterkünfte für Flüchtlinge errichtet - nicht nur in Dresden.

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Ralf Streck, San Sebastián

Denkzettel für Pablo Iglesias

Der Urwahlprozess der linken spanischen Partei Podemos zur Bestimmung der Landesliste für die kommenden Parlamentswahlen verlief ernüchternd: Nur 16 Prozent beteiligten sich.

Hermannus Pfeiffer

Griechenland als Einfallstor für Privatisierungen

Die Zeit für eine Privatisierungswelle in der Eurozone ist reif, findet die Finanzindustrie. Und listet schon mal auf, wo überall staatliche Betriebe in private Hände übergehen sollten.

ndPlusAnke Stefan, Athen

Alles schwer zu überblicken

Die Gläubigerauflagen bestimmten in dieser Woche wieder den Alltag der Griechen: Sparauflagen traten in Kraft, weitere wurden im Parlament verabschiedet und die Institutionen kehrten nach Athen zurück.

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Jan Keetman

Erdogans Aufmarsch an zwei Fronten

Türkische Kampfjets haben am Freitag erstmals Stellungen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat in Syrien angegriffen. Parallel ging der türkische Staat mit Razzien gegen Islamisten und linke Kurden vor.

Martin Ling

Burundis Präsidentschaftswahlen befrieden nicht

Burundis Präsident Pierre Nkurunziza wurde zum Wahlsieger erklärt. Oppositionsführer Agathon Rwasa fordert eine Regierung der Nationalen Einheit, um die Gefahr eines erneuten Bürgerkriegs zu bannen.

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»Flash-Crash« beim Gold

Als an diesem Montagmorgen die Börse im chinesischen Schanghai öffnete, ging es blitzschnell: Ein Investor warf knapp fünf Tonnen Gold auf den Markt, was einem Fünftel des täglichen Gesamtumsatzes mit dem Edelmetall in Schanghai entspricht. Der Goldpreis reagierte sofort und fiel um vier Prozent auf 1086 Dollar pro Feinunze (à 31,10 Gramm). Das war der tiefste Sturz seit über fünf Jahren. Wer...

Meike Stolp, London

Der Sieger ist Nikkei

Die Medienbranche digitalisiert und globalisiert sich. Neuestes Beispiel ist der Kauf der »Financial Times« durch einen japanischen Medienriesen.

ndPlusChristian Mihatsch

Kurz vor dem Ziel gestolpert

Mehr als 50 Milliarden Euro könnte die IT-Branche durch den Wegfall von Zöllen sparen. Doch entsprechende WTO-Verhandlungen gerieten kurz vorm Ziel ins Stocken.

ndPlusBarbara Barkhausen, Sydney

Krieg ums Eisenerz

Was die großen Stahlkonzerne freut, wird immer mehr zu einem Problem der Rohstoffkonzerne: Der Preis für Eisenerz fällt ins Bodenlos. Die australischen Bergbaukonzerne verschärfen die Lage zusätzlich.

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Ehrung für Moshe Kahn

Der Paul-Celan-Preis für herausragende Übersetzungen ins Deutsche geht in diesem Jahr an Moshe Kahn. Das teilte der Deutsche Literaturfonds, der den mit 15 000 Euro dotierten Preis alljährlich vergibt, am Freitag in Darmstadt mit. Kahn werde mit dem Preis für sein Gesamtwerk ausgezeichnet, das Übersetzungen aus dem Italienischen und Französischen umfasst. Kahn lebt im Elsass sowie in Marokko und B...

Eröffnung mit »Tristan«

Mit großer Neugierde blickt die Klassikwelt ab diesem Samstag auf die diesjährige Neuproduktion bei den Bayreuther Festspielen. Denn Festivalchefin Katharina Wagner inszeniert selbst Wagners »Tristan und Isolde«, es ist ihre zweite Regie-Arbeit am Grünen Hügel nach »Die Meistersinger von Nürnberg« im Jahr 2007. Die musikalische Leitung hat Christian Thielemann inne, er war vor wenigen Wochen zum M...

Gendergerecht

Im deutschen Fernsehen sind seit einiger Zeit sogenannte Retro-Werbespots zu sehen. Die alten Slogans von damals, das wissen die Firmen, wirken in einer Zeit, in der durch Begriffe wie »Flüchtlingsströme«, »Grexit«, »Rentenlücke«, »Klimakatastrophe« Existenzängste geweckt werden, deshalb so gut, weil sie bei den Zuschauern das Gefühl erzeugen, man habe vor 30 oder 40 Jahren in einem Wohlfühlkapita...

ndPlusThomas Blum

Leben in der Holunderblütensiruphölle

Mit genauem Blick erzählt Anke Stelling vom Scheitern eines Milieus. Der desillusionierende Roman über ein „alternatives Wohnprojekt" zeigt die Abgründe des grün-pseudolinksliberalen Lebens, das einmal ein befreites sein wollte.

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Fatih Akin übernimmt Regie

Regiewechsel bei »Tschick«: Fatih Akin wird Wolfgang Herrndorfs Bestseller verfilmen. Kinostart ist am 15. September 2016, wie die Agentur Just Publicity am Freitag in Berlin mitteilte. Ursprünglich sollte David Wnendt (»Feuchtgebiete«) die Regie übernehmen. Produzent Marco Mehlitz und Wnendt hätten sich entschieden, nicht mehr gemeinsam an dem Projekt zu arbeiten. Nähere Details gab es dazu nicht...

Hans-Dieter Schütt

Anker, in die Luft geworfen

Hübner erzeugt mit seinen Miniaturen eine Spannung des Lauerns darauf, welche Antworten sich wohl ergäben, wenn man neue Fragen an alte, festgeschraubte Worte und Wendungen stellt. Das Wortspiel als Klopfzeichen, das die Macht von Befangenheit und Erstarrungen in Sprache und Denken aufbricht. So entstehen Einübungen in den Reichtum des Staunens, der Verfremdungen und Gegenschnitte. Mosekund lehrt:...

ndPlusTheodora Becker

Stahlwurzel

Dass man aus Versehen auch mal »Die Zeit« aufschlägt und aus Versehen einen Artikel von einem gewissen Bernd Ulrich liest, kann schon mal passieren. Was man bei der Lektüre lernt, ist, dass die Deutschen Europa keineswegs dominieren - dieser Gedanke sei »abwegig«. Im Gegenteil werde Deutschland »mehr Führung abverlangt als je zuvor«, was den Deutschen - naturgemäß - schwer falle. Außerdem wer...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Ein Lachen am Morgen

Bescheiden, wie er ist, beansprucht Herr Mosekund nur wenige Zeilen montags im »nd«-Feuilleton. Als ob er zurücktreten wollte hinter all dem Wichtigen, das aus der Ausgabe ruft und schreit. Weltbewegendes, Bedrückendes, ja Angsteinflößendes, Skandale lösen einander ab; dazwischen will ein Quäntchen höherer Geistigkeit die eigene Vertiefung. Vielleicht auch, weil es schnell geht, lese ich oft den »...

Volkmar Draeger

Wie der Tod ekstatisch das Leben feiert

Wind pfeift, mit Donner grellt ein Blitz auf, dann falten aus dem Orchester der Deutschen Oper Scheinwerfer bühnenhoch einen Lichtfächer auf. Gigantisch wie ein Rockkonzert beginnt das Gastspiel des Béjart Ballet Lausanne mit »Ballet for Life«. Als der Strahlenfächer transparent wird, liegen unter weißen Tüchern die Tänzer auf einem Leichenfeld wie eben Bestattete. Allmählich richten sie sich auf,...

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Ronny Blaschke

Wichtiger als die Champions League

Am kommenden Dienstag werden in der Berliner Waldbühne die ersten Europaspiele jüdischer Sportler auf deutschem Boden seit dem Holocaust eröffnet: die Makkabi-Spiele. Es geht um Zusammenhalt und neue Normalität.

»Leidenschaft bringt die Welt voran. Nicht das Geld«

Was hat Ihnen bisher am besten an dieser Tour gefallen? Ich denke sofort an den Grand Départ in Utrecht, die Begeisterung am Start, aber auch die Stadt selbst. Ich konnte dort all meine Wege zu Fuß oder mit dem Rad erledigen. Es gab in der Stadt keinen Lärm. Das war das erste Mal, dass mir so etwas bei der Tour passierte. Das Rad für den Alltag und das Rennrad der Profis zusammenzubringen ist...

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ndPlusStephan Fischer

Gedränge hinter dem Ligakrösus

Am Wochenende startet die 2. Bundesliga in die neue Saison. RB Leipzig gilt als Aufstiegsfavorit, dahinter warten viele Gegner auf Ausrutscher des finanzstärksten Klubs.

Alexander Ludewig

Zwischen Faszination und Risiko

Nach dem Aufstieg des 1. FC Magdeburg und dem Abstieg von Erzgebirge Aue treffen sich gleich acht ehemalige DDR-Oberligisten in der 3. Liga. So sehr die Ostklubs das Bild der 3. Liga prägen, die Siege feiern meist andere.

ndPlusSarah Liebigt

CDU Berlin stimmt gegen Ehe für alle

Soll es noch einen Unterschied zwischen Ehe und homosexueller Partnerschaft geben oder nicht? Das hat die Berliner CDU ihre Basis gefragt. 45 Prozent votierten mit Nein, nur 35 Prozent waren dafür.

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Familie geht auch anders

Ab kommendem Dienstag wirbt das Bündnis gegen Homophobie im gesamten Stadtgebiet mit dem Slogan »Bei uns geht’s auch nicht anders zu« für die Akzeptanz und die Gleichberechtigung von Regenbogenfamilien. Das ist die Bezeichnung für Familien, in denen Kinder bei zwei gleichgeschlechtlichen Partnern als eine Familie leben. Auf den zwei Kampagnenmotiven werden ein lesbisches und ein schwules Paar mit ...

Christian Baron

Alter Schlawiner

Putzig ist es ja schon, wie verzweifelt die CDU nach Wegen sucht, bei weltoffenen Wählern zu punkten, ohne ihre stockkonservative Kernklientel zu verschrecken. Als großen Coup verkaufte Unionschef Frank Henkel im Juni seine Idee einer Mitgliederbefragung zur »Ehe für alle«. Er selbst machte nie ein Hehl aus seinem Wunsch, die Vermählung zwischen Mann und Frau »weiter zu privilegieren«. Durch den i...

Schulen müssen Vielfalt sichtbar machen

In der Landespolitik tobt eine Diskussion um die »Ehe für alle«. Die Berliner CDU hat sogar ihre Mitglieder zum Thema befragt. Wie beurteilen Sie die Debatte? Wäre es nicht so traurig, würde ich es eine Lachnummer nennen. Allein der Fragebogen, der für die Entscheidung der Mitgliederbefragung entwickelt wurde: Warum enthielt er sieben Antwortmöglichkeiten? Entweder ist man dafür oder dagegen....

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Bernd Kammer

Die Stadt nicht verbauen

In einem Offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister fordern Bürgerinitiativen die Bewahrung von Grün- und Freiflächen.

ndPlusCharlotte Gerling

Berliner FKK-Fans zieht es nach Brandenburg

In Berlin gibt es immer weniger Menschen, die nackt baden wollen. Dabei hat das Nacktbaden in der Hauptstadt Tradition. Fans traditioneller Freikörperkultur scheint es fortzuziehen - etwa nach Brandenburg.

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Sonnenanbeter in Sachsen

Wehlen. Ein Sonnenblumenfeld bei Wehlen in Sachsen: Bereits die Azteken verehrten die Sonnenblume, die Priesterinnen ihrer Sonnentempel wurden mit Sonnenblumen gekrönt. Spanische Seefahrer brachten die Pflanze mit nach Europa. Dort merkte man bald, dass die Sonnenblume auch eine nützliche Pflanze ist. Bereits im 19. Jahrhundert wurde sie in Russland und bald in ganz Osteuropa zur Ölgewinnung angeb...

20 000 Anrufe beim Erfurter Giftnotdienst

Wenn falsche Medikamente verabreicht werden oder versehentlich ein unbekannter Pilz im Topf landet, kommt der Giftnotruf in Erfurt ins Spiel. Vor allem nachts wartet viel Arbeit auf die Experten.

Die Crux mit den Behördenbriefen

Wenn der Bürgerbeauftragte des Landes nachfragt, geht mancher Verwaltungsakt plötzlich schneller. Darauf hoffen auch viele Bürger im Nordosten und wenden sich mündlich oder schriftlich an ihn.

Hagen Jung

Eine Mauer quer durch Oldenburg

Vier Meter hohe Lärmschutzwände auf beiden Seiten der Bahnlinie, die mitten durch Oldenburg verläuft, werden die 160 000-Einwohner-Stadt nahe Bremen »wie geteilt« erscheinen lassen: Das meint die »Interessengemeinschaft der Bahnanlieger Oldenburg« (IBO) mit Blick auf den geplanten Ausbau der Strecke zum Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven, Deutschlands einzigem Tiefseehafen. Dieser Ausbau hat bereits...

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Hallervordens Theater mit Jugendtruppe

Dieter Hallervordens Schlosspark Theater in Berlin bekommt ein Jugendensemble. Die Amateur-Schauspieler zwischen 16 und 25 Jahren werden sich Klassikern widmen. Auf dem Spielplan stehen beispielsweise »Mirandolina« von Carlo Goldoni, »Der zerbrochene Krug« von Heinrich von Kleist und »König Lear« von William Shakespeare, wie die Bühne ankündigte. Leiter Stefan Kleinert arbeitete mit dem YAS-Ensemb...

Immer mehr Familien und Schulklassen

Weimar. Thüringens Jugendherbergen haben im ersten Halbjahr mehr Übernachtungsgäste gezählt. In den landesweit 19 Einrichtungen des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) gab es 119 758 Übernachtungen und damit fast sieben Prozent mehr als gleichen Zeitraum im Vorjahr, sagte Ullrich Walter vom DJH-Landesverband der dpa. Bei Familien habe es einen Zuwachs von fünf Prozent gegeben. Jede fünfte Buchung ...

Aufregung im Schtetl

Gebrochene Versprechen, ungestillte Leidenschaften und vorzeitige Tode: Zwei Familien werden in ein tragisches Labyrinth spiritueller Besessenheit verstrickt. 1917 verfasste der russisch-jüdische Schriftsteller Salomon Anski das Theaterstück »Der Dibuk«. 20 Jahre später wurde das Thema in Polen als Musical verfilmt, komplett auf Jiddisch und unter Mitwirkung der größten jüdischen Talente des polni...

Kultur des Erinnerns

Das Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin lädt im September zur Sommeruniversität »Antisemitismus und Erinnerungskulturen« ein. Die Veranstaltung am 7. und 8. September richte sich an Studierende, Fachpersonal aus den Bereichen Bildung, Sozialarbeit und Politik sowie an ein interessiertes Publikum, teilte die Universitätsleitung am Freitag mit. Zu einem Podiumsgespräch am 7. September ...

Doris Weilandt, Gera

Die Kellerkünstler laden ein

Das Höhlersystem aus alten Wirtschaftskellern ist eine touristische Attraktion der Stadt Gera in Thüringen. Früher lagerte dort Bier, heute sind die Höhler zum Kunstraum einer Biennale geworden.

Nico Pointner, Augsburg

Freiwillig rein in den Stau

Sommer, Süden - Stress im Stau? Wenn alles steht, stürzen sich die Motorradstreifen des Roten Kreuzes ins Getümmel. Sie sind Ersthelfer, betreuen Unfallbeteiligte, helfen Polizei und Rettungsdiensten.

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Wird Bosbach nun TV-Moderator?

Aber warum sollte Wolfgang Bosbach nicht einfach den Ausschussvorsitz im Bundestag gegen den Moderatorensessel bei Günther Jauch eintauschen? Er ist schließlich eh gefühlt jedes Mal in der Gesprächsrunde mit von der Partie.

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ndPlusThomas Fritz (Text) und Sylvio Hoffmann (Fotos)

Das nächste große Ding

Die Leipziger Eisenbahnstraße genießt nicht den besten Ruf – zu dreckig, zu viel Kriminalität, zu viele 
Drogen, heißt es. Gleichzeitig zieht die Magistrale im Osten der Stadt immer mehr junge Leute an, 
die Freiräume und günstige Mieten schätzen. Aber auch Investoren und Spekulanten sind schon da.

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Dieter Moebius

Demnächst soll das Gesamtwerk der lange Zeit so gut wie vergessenen deutschen Gruppe Harmonia neu erscheinen, auf Vinyl und CD. Die Musik des Duos Cluster (bzw. Kluster) ist bereits vor einigen Jahren wiederveröffentlicht worden. Beide Bands bekommen - anders als etwa deren Zeitgenossen von Can, Tangerine Dream oder Kraftwerk - hierzulande erst heute die Anerkennung, die sie verdienen. Dabei haben...

Gennadi Selesnjow

Nicht zuerst seiner Präsidentschaft über Russlands Reitsportverband von 2005 bis 2010 verdankte Gennadi Selesnjow hohe Wertschätzung, obwohl er mit seiner Wahl die Milliardärin Jelena Baturina vom hohen Rosse stieß. Sicher eine nette Genugtuung für einen Kommunisten. Der brachte es in der Perestroika zum Chefredakteur der Komsomolskaja und nach dem Augustputsch 1991 der »großen« Prawda. Letztere w...

Reiner Oschmann

Exot, Außenseiter, Spitzenreiter

Barack Obama war 2008 der Spielverderber für Hillary Clinton. Diesmal könnte es, vorübergehend, Bernie Sanders werden. Ende April hat Bernard »Bernie« Sanders (73) seine Bewerbung für die Präsidentschaftskampagne 2016 angekündigt und für den Vorwahlkampf die Favoritin der Demokraten, Ex-First Lady, Ex-Senatorin und Ex-Außenministerin Hillary Clinton (67) ausgeguckt. Ihr will Sanders - als Parteilo...

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ndPlusRobert Cohen

Marxist ist man nicht allein

Im Lauf der Jahre habe ich dann und wann, und nicht ohne Unbehagen, mich gefragt, wie ich im Fernsehen (warum gerade im Fernsehen?) auf die Gretchenfrage antworten würde, ob ich Marxist sei. Ich mag die Frage nicht, ich mag mich nicht festlegen lassen, selbst da nicht, wo ich mich festgelegt habe. Außerdem hat die Antwort, wie immer sie ausfällt, für den Fragenden etwas Triumphalistisches: Aha, je...

Seite 22
ndPlusLeo Fischer

Das Heim

Für alte Disziplinierungsstätten wie in ehemaligen Schulen und Kasernen musste Michel Foucault noch eine ganze Soziologie der überwachten Gesellschaft entwickeln; im Deutschen gibt es dafür ein einziges Wort: das Heim.

Schmidbauer

Sokratische Kompetenz

Zum Wesen guter Ideen gehört es, dass sie immer wieder entdeckt werden. Vermutlich haben auch schon vor Sokrates kluge Menschen erkannt, wie kostbar und hilfreich es im Streit der Meinungen ist, zu wissen und zu gestehen, dass ich nichts weiß. In einer Zeitschrift für Organisationsberater tauchte jetzt diese sokratische Einsicht als »Kompetenzlosigkeits-Kompetenz« wieder auf. Sie wird als Fähigkei...

Martin Koch

Korrupte Wissenschaft

Wie die Kunst ist auch die Wissenschaft, sind Forschung und Lehre in Deutschland frei. Zumindest steht das im Artikel 5 des Grundgesetzes. Wobei nach einer Definition des Bundesverfassungsgerichts als wissenschaftliche Forschung jede Tätigkeit gilt, »die nach Inhalt und Form einen ernsthaften, planmäßigen Versuch zur Ermittlung der Wahrheit« darstellt. So viel Wertschätzung für die Wahrheitssuche ...

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ndPlusKlaus Walter

Bedroht von den roten Fluten des Weibes

Neben den Zillertaler Schürzenjägern sind die Böhsen Onkelz die erklärten Vorbilder von Frei.Wild. Nach der Auflösung der Onkelz haben Frei.Wild das entstandene Vakuum genutzt und sich von ihren deutschen Idolen emanzipiert.

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Vorsicht Sport!

Seit einigen Wochen läuft im Internet eine Petition zur Abschaffung der Bundesjugendspiele. Die jährlich an den Schulen in Deutschland abgehaltenen sportlichen Wettkämpfe, an denen alle Schüler unabhängig von ihrer körperlichen Konstitution und ihren sportlichen Ambitionen teilnehmen müssen, seien »nicht mehr zeitgemäß«, heißt es erklärend auf change.org. »Der Zwang zur Teilnahme und der starke We...

Lena Tietgen

Neoliberales Kürzungsdiktat

Immer wieder wird der gleiche Missstand beklagt: Im Hochschulsystem fehlt das Geld hinten und vorne, reichen die Ressourcen weder für eine anständige Lehre noch den Studierenden für die Lebensführung. Das sogenannte Crowdfunding, also die von Studentinnen und Studenten eigenständig organisierte Finanzierung von Teilen der Lehre, kann die Misere allerdings nur kurzfristig beheben. Spätestens bei de...

ndPlusLena Tietgen

Studieren und knapp bei Kasse

Was es bedeutet, während des Studiums über wenig finanzielle Mittel zu verfügen, dokumentiert zeit.de. Zu Wort kommen sowohl Studierende als auch deren Eltern. Beide zeichnen ein ernstes Bild. Da ist der 24-jährige Architekturstudent aus Dresden, der mit 672 Euro im Monat bei einer Miete von 282 Euro auskommen muss. In dieser Summe sind 142 Euro Bafög eingerechnet, der Rest kommt von den getrennt ...

ndPlusHendrik Lasch

Spenden für den Knochenbohrer

Wann setzt ein Medizinstudent eigentlich seine erste Spritze? Wann nimmt er erstmals Blut oder führt einen Ultraschall durch? »Sehr spät«, sagt Robert Bozsak - zumindest in Deutschland. »Das Studium ist sehr wissenschaftlich«, sagt der junge Mann, der im achten Semester an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden studiert. Gerade ist er von einem Auslandssemester in Frankreich zurückgekehrt. Dort...

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Rainer Holze

Privatisierung alternativlos?

»Wurden auch Fehler gemacht?« Diese Frage richtete »neues deutschland« an Wolfgang Schäuble in einem am 7. Oktober 2009 in der Zeitung veröffentlichten Interview, das die Treuhandprivatisierung in den neuen Bundesländern ansprach. Die Antwort: »Ich kenne keine ernsthafte Betrachtung, wie man es hätte anders machen können.« An dieser Einschätzung hält der Finanzminister noch heute fest und mit ihm ...

ndPlusKarlen Vesper

Der Deutsche wird nicht hungern

Als Vater Europas gilt Karl der Große. Die Stadt Aachen, in deren Dom dessen Gebeine ruhen, vergibt seit 1950 den Karlspreis an Persönlichkeiten und Institutionen, die sich um Europa und die europäische Einigung verdient gemacht haben. In diesem Jahr war es Martin Schulz, im Vorjahr Herman van Rompuy und 2012 Wolfgang Schäuble. Gewiss, der Potentat aus dem Hause der Karolinger, der sich Anno ...

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Hans-Arthur Marsiske

Kosmische Etikette

Auf Kepler-138b ist es wohl zu heiß. Mit der ungefähren Masse und Größe des Mars wäre der kürzlich entdeckte Planet, der einen 200 Lichtjahre entfernten roten Zwergstern im Sternbild Leier umkreist, zwar als Heimat für Lebewesen geeignet. Doch dieser »Exo-Mars« bewege sich auf einem so engen Orbit um den Zentralstern, sagt Jason Rowe vom kalifornischen SETI Institute, dass an seiner Oberfläche min...

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ak

Immer bei den Wurzeln geblieben

Im Gebiet des einstigen Königreichs Siam wird die Schach-Urspungsversion fast unverändert bis heute gespielt. Thailands »Makruk« hat nämlich die Revision der Regeln vor einem guten halben Jahrtausend - mit der ausgehend von Spanien die moderne Figur der Dame sowie die Läufer eingeführt worden sind - nicht mitgemacht. Stattdessen kommen zwischen Chiang Mai, Bangkok, Pattaya und Phuket ein kurzschri...

Denkspiellösung

Am 11. Juli war nach der optimalen Gewinnstrategie bei einem gedanklichen Zweikampf gesucht, der sowohl als (Übungs-)Modell für eine Alltagssituation, als auch für die große Verhandlungsdiplomatie stehen könnte. Die richtige Lösung: Spieler A gewinnt, wenn er anfangs nicht den Topf mit 62 Steinen auskippt (sondern den mit 57), und wenn er danach die 62 Steine so auf die Töpfe verteilt, dass beide ...

ndPlusMonika Salz

Kugelige Sache

In »Dimension« müssen verschiedenfarbige Kugeln über sechs Runden auf dem eigenen Tableau so angeordnet und gestapelt werden, wie es die Anweisungen auf den Aufgabenkarten vorgeben. Klingt einfach, aber ganz so einfach ist es nicht. Zum einen spielt man gegen die Zeit, zum anderen sind die Aufgaben knifflig, denn es liegen immer sechs verschiedene Anweisungen aus. Da die sich mitunter widerspreche...

ndPlusMike Mlynar

Sandige Optimierung

Neue Ufer, reelle wie ideelle, üben magische Anziehungskraft auf Menschen aus. So mancher riskiert(e) dafür Kopf und Kragen - und nicht nur die eigenen. Inspiration und Tollkühnheit allein führen selten zum Erfolg. Nötig ist vor allem, und zwar in ganz neutralem Wortsinne, Berechnung. Selten folgt aus ihr, den Stier spektakulär bei den Hörnern zu packen. Meistens zwingt sie zum geradezu demütigend...

Art Kohr

Auf den Spuren König Naresuans

Bauchige kleine Kegel stehen Spalier, wie aus dem Experimentierkasten eines Pagodenbaumeisters. Dazwischen die Köpfe stolzer Pferde, die sich gerade zu sammeln scheinen für den großen Aufgalopp. Hinweg über eine Reihe runder Stolpersteine, die eine vorgeschobene Frontlinie markieren. Gleich wird Bewegung kommen in dieses Stillleben, das unwillkürlich die Vision von entrückten Tempeln am Ufer des C...

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Michael Juhran

Handgemachtes Paradies

Rund um das Haus von Otto Mendez im costa-ricanischen La Tigra wähnt man sich in einem botanischen Garten. Überall sprießen Blumen, Sträucher und Bäume aus aller Herren Länder in den buntesten Varianten.

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ndPlusHeidi Diehl

Welch himmlisches Theater

Na, des glaub i ned. Des is ja wia dahoam.« Die Dame, die, wie nicht zu überhören, irgendwo jenseits des Weißwurstäquators »dahoam« ist, steht staunend mit offenem Mund in der Katholischen Stiftskirche St. Marien von Neuzelle und kann es kaum fassen. Solch eine barocke Pracht hätte sie in einer Kirche im östlichsten Zipfel Brandenburgs nie und nimmer vermutet: vollgestopft mit pausbäckigen, lesend...

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Von Ulrike Gramann

Denkräume größeren Ausmaßes

Drei Arbeiter in orangefarbenen Westen stehen vorm verschlossenen Chor der Erfurter Barfüßerkirche, reden, deuten auf das nur halb erhaltene Relief über der Tür. Ein bis auf Beine und Rumpf zerstörter Christus erhebt sich über das umgestürzte Kreuz, Gottvater schaut wohlwollend zu ihm, die Stifter, deren Köpfe fehlen, zeigen andachtsvolle Haltung. »Entschuldigung, waren Sie schon mal da drin?« Im ...