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UNTEN LINKS

In den USA kommt jetzt ein Erzeugnis ins anrollende Weihnachtsgeschäft, das eine fast schon vergessene Kulturtechnik - das Gespräch - in die frühkindliche Erziehung zurückbringen soll. Die neue Barbie könnte den nahtlosen Übergang von der sprachlosen Babyphase in die sprachlose Smartphonephase durchbrechen. Wenn die Kinder schon nicht mit ihren Eltern sprechen, und umgekehrt, dann wenigstens mit d...

Friedensnobelpreis für Tunesier

Oslo. Für ihre gemeinsamen Bemühungen um Demokratie bekommen vier Organisationen in Tunesien den Friedensnobelpreis. Die norwegische Jury vergab die wichtigste Auszeichnung der Welt am Freitag an das Quartett für den nationalen Dialog, das in dem nordafrikanischen Land einen friedlichen politischen Prozess vorangebracht hat: den Gewerkschaftsverband (UGTT), den Arbeitgeberverband (UTICA), die Mens...

Keine Eile im Streit um Tarifeinheit

Karlsruhe. Im Streit um das Tarifeinheitsgesetz haben Gewerkschaften in Karlsruhe einen Rückschlag erlitten. Das Bundesverfassungsgericht lehnte die Eilanträge von drei Gewerkschaften gegen die umstrittene Novelle ab. Diese soll die angeblich zu große Macht kleiner Beschäftigtenvertretungen einschränken, bedroht aber nach Meinung vieler Kritiker und Experten das Streikrecht und die Organisationsfr...

Syrien: US-Training von Rebellen endet

Berlin. Die US-Regierung unter Präsident Barack Obama hat das 500-Millionen-Dollar-Programm des Pentagons zur Ausbildung und Bewaffnung syrischer Rebellen beendet, berichtet die »New York Times« unter Berufung auf Regierungskreise. Das offizielle Ende des Programms wird nach Angaben der Zeitung am Freitag verkündet, wenn das Treffen zwischen US-Verteidigungsminister Ashton B. Carter und seinem bri...

Tom Strohschneider

Überfrachtet

Der diesjährige Friedensnobelpreis ist sicher eine Ermutigung: Mit dem tunesischen Dialog-Quartett sind jene ausgezeichnet worden, die in einem Land am Rande des Bürgerkrieges die Chance auf inneren Frieden wahrten. Es ist auch ein Preis für den »arabischen Frühling«, der in Tunesien begann, Diktaturen zu Fall brachte - aber vielerorts in einem Winter aus Terror, Reaktion und Konflikt erstarrt ist...

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ndPlusFabian Lambeck

Wettlauf am rechten Rand

Für die CSU gilt offenbar immer noch die Prämisse ihres langjährigen Vorsitzenden Franz-Josef Strauß, wonach es rechts von den Christsozialen keine demokratisch legitimierte Partei geben darf.

Olaf Standke

Chaostage in Washington

Speaker of the House, das klingt erst mal nicht besonders prätentiös. Zuletzt war der Posten in der Hand der Republikaner. Doch richtig glücklich wurde der noch amtierende Sprecher John Boehner in diesem Amt nicht

ndPlusChristian Baron

Der Patriot

Auf den großen Sieg folgte die hässliche Seite des Triumphs. Die Qualifikation zur Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien war für Kroatien durch ein 2:0 gegen Island gerade geschafft, da griff am 19. November 2013 ein Spieler des Heimteams zum Mikrofon und brüllte der jubelnden Menge im Zagreber Maksimir-Stadion etwas zu. Etwas, »das ich schon mein ganzes Leben lang tun wollte«, wie er später ...

Martin Leidenfrost

Popen und Priester

Pope rammt Priester Kreuz in Rücken, in Messe stürmender Pope verflucht Priester, Gläubige prügeln sich vor Kirche: Im westukrainischen Transkarpatien, vom ostukrainischen Sezessionskrieg weitestmöglich entfernt, ist seit Jahren Religionskrieg. Während im großen Rest der Ukraine orthodoxe Christen des Moskauer und des Kiewer Patriarchats aufeinander schießen, raufen in Transkarpatien Orthodoxe des...

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ndPlusHelmut Scholz

Europa wird zum Bittsteller

Bei der Demonstration in Berlin gegen TTIP, CETA und TiSA und gegen die ganze Strategie dahinter geht es darum, wie wir künftig leben wollen, um unsere Art der Produktion und der Konsumtion, um unseren Alltag.

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Länder fordern mehr Lehrer für Flüchtlinge

Berlin. Für die Integration von Flüchtlingskindern ins deutsche Schulsystem gehen die Bundesländer von Mehrausgaben in diesem Jahr in Höhe von 2,3 Milliarden Euro aus. Bundesweit werde mit 325 000 zusätzlichen Kindern und Jugendlichen an den Schulen gerechnet, sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die sächsische Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU), am Freitag in Berlin. Dazu müssten...

Edathy-Affäre endet im Unfrieden

Berlin. Der Untersuchungsausschuss des Bundestags zur Edathy-Affäre übt in seinem Abschlussbericht deutliche Kritik an der Generalstaatsanwaltschaft in Celle. Die SPD-Spitze, die schon vor der Durchsuchung beim damaligen Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy (SPD) vom Kinderpornografie-Verdacht gegen ihn erfahren hatte, kommt in dem mehr als 1200 Seiten umfassenden Bericht dagegen sehr glimpflic...

ndPlusAert van Riel

Warnung vor Demokratieverlust

Wegen des drohenden Abbaus von Sozial- und Umweltstandards ist der Widerstand gegen TTIP und CETA groß. Ein Entgegenkommen der politisch Verantwortlichen ist aber bislang nicht zu erkennen.

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Ljubomir Milasin, Rom

Umsiedlung begann mit 19 Eritreern

Rom. Die beschlossene Umsiedlung von 160 000 Flüchtlingen innerhalb der Europäischen Union hat am Freitag mit einer kleinen Gruppe begonnen: 14 Männer und 5 Frauen aus Eritrea stiegen in Rom in ein Flugzeug Richtung Schweden, wo sie ihr neues Leben beginnen sollen. Italiens Innenminister Angelino Alfano sprach am Flughafen Ciampino vom »Sieg eines solidarischen Europas«. Die Sprecherin des Flüchtl...

ndPlusSebastian Haak, Erfurt

Unfrieden in der Thüringer Koalition

Der Asylkompromiss führt zum Regierungsstreit in Thüringen. Aus der SPD wird sogar mit Koalitionsbruch gedroht. Schuld daran sind auch die neuen Medien.

Fabian Lambeck

Länder fühlen sich überfordert

Die bayerische Landesregierung droht der Bundesregierung mit Konsequenzen - und nennt das "Notwehr". Die Mehrheit der Länder ist zwar vorsichtiger im Ton, will aber ebenfalls weniger Flüchtlinge aufnehmen.

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ndPlusManfred Maurer, Wien.

Wien steht vor einem Rechtsruck

Der mehr als einen Kilometer lange Wohnblock in Wien-Döbling ist nach einem Mann benannt, der für viele Revolutionen den ideologischen Unterbau geliefert hat. Im Karl-Marx-Hof wird die Tradition des Roten Wien hochgehalten, hier herrscht noch so etwas wie sozialdemokratisches Klassenbewusstsein, zumindest in vielen der rund 1300 Wohnungen.Doch am 85. Jahrestag der Eröffnung dieses proletarischen S...

Ralf Streck, San Sebastián

CUP ziert sich als Königsmacher

Die linksradikale CUP fordert eine radikale Wende in der katalanischen Sozialpolitik, um die Regierungsbildung des Unabhängigkeitsbündnisses »Junts pel Si« mitzutragen.

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Olaf Standke

Nobels Vermächtnis

Selbst fragwürdige Entscheidungen in den vergangenen Jahrzehnten konnten nicht verhindern, dass der Friedensnobelpreis noch immer als weltweit wichtigste politische Auszeichnung gilt. Vergeben wird er nicht wie die anderen Nobelpreise in Stockholm, sondern in Oslo. Der 1896 verstorbene schwedische Dynamit-Erfinder und Industrielle hatte das norwegische Parlament beauftragt, jährlich bis zu drei Pe...

ndPlusMirco Keilberth, Tunis

Leuchtturm des Arabischen Frühlings

Tunesien hat als einziges Land des Arabischen Frühlings die Demokratisierung geschafft. Doch die Gesellschaft leidet unter Terrorangst und kriselnder Wirtschaft. Der Friedensnobelpreis soll Mut machen.

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Ruf nach Reform der Erbschaftsteuer

Berlin. Dem deutschen Fiskus sind infolge der Steuervergünstigungen für Unternehmenserben in den Jahren 2009 bis 2014 rund 45 Milliarden Euro an Einnahmen entgangen. Unternehmensvermögen in Höhe von 171 Milliarden Euro seien zum Großteil als Schenkungen steuerfrei übertragen worden, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung am Freitag mitteilte. »Die hohe Ungleichheit bei der Vermögensver...

ndPlusUlrike Kumpe, Thessaloniki

Solidarität auf Olivenölbasis

Vollversammlungen, Kollektiventscheidungen und fehlende Betriebshierarchie: Vio.Me ist eine etwas andere Fabrik in Griechenland. Und ist auch deshalb auch internationale Unterstützung angewiesen.

Knut Henkel

Die bittere Seite der Orange

Auf Brasiliens Orangenplantagen werden Arbeitsrechte und ökologische Mindeststandards ignoriert. Eine Folge der Dumpingmentalität, für die deutsche Supermarktketten mitverantwortlich sind.

John Dyer

»Ich fühle mich selber betrogen«

Der US-Chef von VW hat sich am Donnerstag vor dem US-Kongress für den Einsatz von Betrugssoftware in Dieselmotoren von VW entschuldigt. Von Unregelmäßigkeiten wusste er seit Langem. Dazu musste er Stellung nehmen.

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Von Obama enttäuscht

Der US-Filmemacher Oliver Stone (»Platoon«) ist vom aktuellen US-Präsidenten enttäuscht. »Barack Obama hat nichts Entscheidendes verändert«, sagte der 69-Jährige am Freitag. »Der Überwachungsstaat ging weiter, der Kampf gegen den Terror wurde ausgeweitet.« Auch Afghanistan erscheine ihm verloren, sagte Stone, dessen Buch »Amerikas ungeschriebene Geschichte: Die Schattenseiten der Weltmacht« Ende S...

Martin Hatzius

Reim auf die Woche

Im traurigen Monat Oktober war’s, Die Abgase stanken zum Himmel, Da sah man im Fernsehn die Kanzlerin Im Islamisten-Fummel. Der Vorsprung durch Technik, kaum ist er verspielt, Schon lasten die Vorwürfe bleiern Auf »Fremden«. Was Deutschland zum Abgrund treibt, Das gilt es nun rasch zu verschleiern. Wohin unsre Leistung durch Leidenschaft führt, Sobald wir die Zuwandrer dulden, Da...

10 000 Euro für Milo Rau

Der Regisseur, Theaterautor und Essayist Milo Rau erhält den in diesem Jahr erstmals verliehenen Konstanzer Konzilspreis für europäische Begegnungen und Dialog. Rau präge mit aufsehenerregenden Inszenierungen das politische Theater in Europa, hieß es in einer Mitteilung der Stadt Konstanz. Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung soll am 5. November überreicht werden. Laudator ist der Schriftstel...

Eigentlich kannst Du mir vertrauen, eigentlich ...

Die VW-Krise hat bereits schwerwiegende Folgen. Familien wie die Quandts oder Schaefflers verloren durch den Kurssturz der VW-Aktie Milliarden Euro an fiktivem Kapital. Hiermit sei den Betroffenen unser aufrichtiges Mitgefühl übermittelt. Eigentlich, denn andererseits profitiert das Gemeinwesen auch von der Aufdeckung der Betrügereien des VW-Konzerns, der Diesel-Fahrzeuge mit einer manipulierten S...

ndPlusJan Freitag

Wahrheit und Dichtung

Große Ereignisse, sagt man, werfen ihre Schatten voraus. Doch das Sprichwort wegweisenden Weltgeschehens muss dringend erweitert werden. Denn mehr noch als Schatten werfen große Ereignisse Drehbücher voraus, Vorlagen künftiger Spielfilme, die - das zeigen zuletzt gleich zwei Filme zum Fall Hoeneß - nicht mal mehr den Ausgang des Ereignisses abwarten. Der Prozess gegen Beate Zschäpe etwa nahm erst ...

Jan Freitag

Wahrheit und Dichtung

Wenn Fernsehen mit Rückgrat, Leidenschaft, Wahrheitsliebe gemacht ist, hat es noch immer die Kraft zur Veränderung. Braune Bullen und krimineller Korpsgeist - nur Drehbuch. Aber ein fotorealistisches.

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ndPlusStefan Ripplinger

Heimarbeit

Chantal Akerman widerfuhr ein Unglück, das andere vielleicht für ein großes Glück halten würden. 1975, mit 25 Jahren, drehte sie einen der größten Filme des Kinos. Aber was kann eine danach noch tun? Der Film heißt, nach der Adresse der Frau, von der in ihm erzählt wird, »Jeanne Dielman, Quai du Commerce Nr. 23, 1080 Brüssel«. Jeanne Dielman, gespielt von Delphine Seyrig, setzt Kartoffeln auf...

ndPlusLilian-Astrid Geese

Der Krieg der Dschinns

Vermutlich war es unser Planet, der auf den Abgrund zutrieb. In der Zeit der Seltsamkeiten, nach dem großen Sturm, war nichts mehr wie zuvor. Menschen schwebten mehrere Zentimeter über dem Boden, agierten böse, überraschend, unverständlich, hatten, so scheint es, die Kontrolle über sich und ihren Planeten verloren. Im Rückblick auf jene Epoche entdecken amerikanische Wissenschaftler schließlich de...

Guido Speckmann

Der Carl Schmitt der Berliner Republik

„Die Zeit“ nannte ihn einen „Ein-Mann-Think-Tank“, „konkret“ einen „Denkpanzer“. Der Politologe Herfried Münkler wird nicht müde, mit immer neuen Büchern für die Enttabuisierung des Militärischen zu werben.

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ndPlusJana Lange, Potsdam

»Wir sind am Boden«

Einst eilte Turbine Potsdam von Titel zu Titel, doch in der Abschiedssaison von Trainerurgestein Bernd Schröder ist das Team nach einem miserablen Saisonstart am Tiefpunkt angelangt.

Alexander Ludewig

Das Gute und der FIFA-Präsident

Joseph Blatter und Michel Platini, beide von der FIFA-Ethikkommission suspendiert, gingen ihren Weg meist gemeinsam. Nur: Gegen Blatter ermittelt die Bundesanwaltschaft, Platini wurde als »Auskunfsperson" vernommen.

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Keine Olympia-Euphorie

Am Donnerstag stellte Hamburg sein Finanzkonzept für Olympia 2024 vor, in dem der Bund sechs Milliarden Euro übernehmen soll. Beim Innenministerium reagiert man verhalten.

»The Normal One«

Jürgen Klopp verspricht Liverpool Tempofußball mit Emotionen. Sich selbst stellt er mit den Worten vor: »I am the Normal One«. Liverpool sei die »vielleicht die größte Herausforderung im Weltfußball«.

ndPlusMaik Rosner, Dublin

Das nächste Endspiel

Nach der 0:1-Niederlage in Irland kommt es für die deutsche Nationalelf am Sonntag im Endspiel gegen Georgien um die direkte EM-Qualifikation vor allem darauf an, nicht noch einmal zu sorglos zu agieren.

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Bauplan für Mauerpark beschlossen

Am Mauerpark werden rund 700 neue Wohnungen gebaut. Das Abgeordnetenhaus beschloss einen entsprechenden Bebauungsplan am Donnerstag. Die Opposition übte scharfe Kritik. Einwände der Bürger seien nicht berücksichtigt, Fragen in den Parlamentsausschüssen nicht beantwortet worden. »Der Plan ist Murks«, kritisierten die Piraten. Das Wohnviertel soll am nördlichen Rand des Mauerparks entstehen. Üb...

ndPlusSebastian Bähr

Kinder sollen mehr meckern

Susi findet den neuen Spielplatz in ihrem Kiez ziemlich blöd. Und bei dem gelangweilten Deutschlehrer, der während des Unterrichts immer nur Zeitung liest, macht das Lernen keinen Spaß. Wer ihr bei den Problemen helfen kann, weiß sie nicht. Eine am vergangenen Donnerstag in Lichtenberg von der landesweiten Koordinierungsstelle »Drehscheibe Kinder- und Jugendpolitik Berlin« organisierte Fachta...

Sarah Liebigt

Von 200 auf 400 in 1,6 Sekunden

Dass ein Generalmusikdirektor sich generell um die Musik kümmert, ist natürlich völlig selbstverständlich. Vermutlich wird man in Fachkreisen (in der Oper Sydney, in der Mailänder Scala und vor allem in der Hamburger Philharmonie) auch bestätigend nicken, wenn Daniel Barenboim zum zwölften Mal irgendwelchen Laien (Untersuchungsausschussmitgliedern, Denkmalpflegern, usw.) erklärt, dass die Decke de...

Bernd Kammer

Vier Meter für die Musik

Im Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses zur Staatsoper ging es um Nachhall, Deckenhöhen und den Einfluss der Politik.

ndPlusSebastian Bähr

Machterhalt statt Homo-Rechte

Am Samstag findet an über 130 Orten die »Lange Nacht der Familien« statt. Über das "Regenbogenfamilienzentrum" des Lesben- und Schwulenverbands Berlin spricht Sebastian Bähr mit Leiterin Constanze Körner.

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Berlins neuer Babyboom

In Berlin kommen immer mehr Kinder zur Welt. Im vergangenen Jahr waren es 37 400, knapp sieben Prozent mehr als im Vorjahr, wie aus Zahlen des Amts für Statistik vom Freitag hervorgeht. Weil gleichzeitig die Zahl der Todesfälle leicht auf 32 300 sank, fiel der Geburtenüberschuss mit 5100 so groß aus wie seit Jahren nicht. Damit trägt sich das Bevölkerungswachstum in der Stadt stärker selbst - der ...

Innenbehörde: Salafisten werben für sich

Islamisten suchen nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes in Berlin immer wieder Kontakt zu Flüchtlingen. Es habe mehrere Fälle gegeben, in denen »Personen aus der salafistischen Szene« im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften Werbung für ihre Sache gemacht hätten, teilte die Behörde mit. »Es steht zu befürchten, dass diese Kontaktversuche auch der Gewinnung neuer Anhänger und Unterstützer dienen ...

Mordkommission sucht Vierjährigen

Im Fall des vermissten vierjährigen Flüchtlingsjungen Mohamed J. schließt die Polizei ein Verbrechen nicht aus. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilten, übernahm eine Mordkommission des Landeskriminalamtes die Ermittlungen, da eine Straftat nicht ausgeschlossen werden könne. In diesem Zusammenhang fahndet die Polizei derzeit nach einem Mann, der das Kind verschleppt haben könnt...

Wilfried Neiße

Abgeordneter gibt Mandat ab

Mit dem Rückzug des Landtagsabgeordneten Andreas Kuhnert (SPD) gibt es nur noch einen, der seit 1990 ununterbrochen im Brandenburger Parlament sitzt.

ndPlusSarah Liebigt und Bahar Oghalai

Überlastung am LAGeSo dauert an

Das Parlament stritt über den Umgang mit Flüchtlingen, währenddessen fordert die CDU weiterhin schnellere Asylverfahren. Die Initiative Moabit Hilft ruft zur Demonstration für Flüchtlinge und ihre Unterstützung.

ndPlusAndreas Fritsche

Vom Güter- zum Geisterbahnhof

Es gibt noch Güterbahnhöfe, beispielsweise in Seddin und Senftenberg. Doch der klassische Güterbahnhof ist nach Ansicht von Klaus-Dieter Zentgraf Geschichte.

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Gespeichertes Licht

Seelig. Seltsames Spiel der Farben: verfärbtes Laub bei Seelig, einem Dorf im bayerischen Landkreis Bayreuth. Die Farbe des Herbstlaubes kann der Hobbygärtner beeinflussen: Denn wenn die Blätter im Sommer viel Sonne bekommen, leuchten sie im Herbst intensiver. Daher sollten Bäume und Sträucher mit dekorativem Herbstlaub von vorn herein an einen entsprechenden Standort gesetzt werden. Welche Farbe ...

Kleine Zwiebeln, große Feste

In der Klassikerstadt Weimar in Thüringen dreht sich wieder alles um die Zwiebel. Eins der bekanntesten Volksfeste des Ostens stellt sich auf einen Besucheransturm ein.

Wilfried Neiße

Abgeordneter gibt Mandat ab

Mit dem Rückzug des Landtagsabgeordneten Andreas Kuhnert (SPD) gibt es nur noch einen, der seit 1990 ununterbrochen im Brandenburger Parlament sitzt.

ndPlusAlice Bachmann, Bremen

Wahlwirren und ein böser Verdacht

Die Kommunalpolitik Bremerhavens, der kleineren der beiden Schwesterstädte, die das Bundesland Freie Hansestadt Bremen bilden, gleicht derzeit einem Schiff in schwerer See. Die Anfechtung des Wahlergebnisses zur Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung im Rahmen der Bremer Bürgerschaftswahl vom Mai und der über Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) schwebende Verdacht der Vertuschung v...

Martina Rathke, Stralsund

Gefährliche Bugwelle in der Ostsee

Das Wasser- und Schifffahrtsamt in Stralsund ist die Autobahnmeisterei der südlichen Ostsee und der Flüsse. In den 25 Jahren seines Bestehens kamen viele neue Aufgaben hinzu - bei weniger Personal.

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»Chicago« kehrt nach Berlin zurück

Nach über 15 Jahren Pause kehrt am Sonntag (11. Oktober) das Musical »Chicago« zurück nach Berlin. Die Show feiere damit zum dritten Mal Premiere im Theater des Westens, teilte das Haus mit. Caroline Frank übernimmt die Rolle der Velma Kelly, Carien Keizer verkörpert die Tänzerin Roxie Hart. Für die Musik sorgt laut Veranstalter ein 15-köpfiges Orchester. Viele prominente Gäste werden zur Premiere...

ndPlusEsteban Engel

Wer war Nazi?

Nach 1945 hatten die Alliierten die wichtigsten Kriegsverbrecher vor das Nürnberger Tribunal gebracht. Sie stellten aber auch die Zivilbevölkerung auf den Prüfstand. Millionen Fragebögen wurden verteilt. Wer eine Arbeitsstelle bekommen wollte, musste sich dem Verfahren stellen und Auskunft über die eigene Regimetreue geben. Es waren 131 Fragen - und die Antworten konnten über den weiteren Lebenswe...

ndPlusBirgit Zimmermann,
Wermsdorf

Jagdtraining mit Schwarzkittel

Wildschweine richten in der Landwirtschaft erhebliche Schäden an. Zugleich vermehren sich die Tiere auch in Sachsen kräftig. Jäger und gut ausgebildete Hunde sollen da helfen.

Tom Mustroph

Das ProblemLöser-Spiel

Kollaboration ist das Zauberwort unserer Tage. Einübungen in solche Verfahrensweisen bietet derzeit das Game-Performance-Kollektiv machina eX mit ihrer neuen Produktion »Toxik«. Zuschauer werden auf der Probebühne des HAU3 zu Teilnehmern bei dem Versuch, drei Mordfälle aufzuklären. Interessant sind dabei nicht in erster Linie die Erzählstränge, obwohl sie in diesem Falle dank der Mitarbeit des Spi...

Kunststoff nach Maß aus Schkopau

Vom Polymer zum Bauteil nach Maß - in der Heimat der »Plaste und Elaste« wird seit vielen Jahren am perfekten Kunststoff geforscht. Bis 2018 soll der Standort in Schkopau (Sachsen-Anhalt) weiter wachsen.

Hans-Gerd Öfinger

Gleisanschluss für die Schwarzwaldklinik

Bahnpersonal gibt es nicht mehr, aber Ferienwohnungen zum Verkauf: Am höchstgelegenen Bahnhof im DB-Normalnetz ist nicht viel los. Ein Besuch in Feldberg-Bärental.

Anita Wünschmann

Der Botticelli-Gestus

Die Venus von Botticelli ist das meist zitierte Bild. Aber wie sieht denn die »Schaumgeborene« von Alessandro di Mariano Filipepo (1445-1510) aus? Berühmt wurde der Florentiner Maler mit seinem Beinamen Botticelli, das Fässchen. Und seine vor gut 500 Jahren gemalte Liebesgöttin trug den Namen ihres Meisters bis in die Gegenwart. So sieht man sie und noch vor dem Beschreiben steht die Frage, die au...

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Merkel-Wochen

Die vergangenen sieben Tage waren eine Merkel-Woche wie selten zuvor. Die begann mit den Feierlichkeiten zum 25. Einheitsjubiläum und endet mit einem Jahrestag ihres persönlichen Triumphes: Am 10. Oktober vor zehn Jahren hatten SPD, CDU und CSU eine gemeinsame Vereinbarung veröffentlicht, wonach Angela Merkel die künftige Kanzlerin sein sollte. Und passend dazu das von Tag zu Tag lauter werdende G...

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ndPlusSilvia Ottow

Heute Nacht kommt was rein aus dem Westen

Der Mann im Hafen von Kloster ist unterwegs wie alle Hiddensee-Touristen. Auf dem Rücken trägt er einen abgewetzten Rucksack und hinter sich her zieht er einen dieser typischen zweirädrigen Karren fürs Gepäck, ohne die auf der autofreien Ostseeinsel gar nichts geht. Man hängt sie ans Rad oder schiebt sie vor sich her. Für Koffer, Kinder, Einkäufe, Möbel oder auch mal ein krankes Schaf. Und wenn ma...

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Steffen Schmidt

Alles genau gemessen

Die Prognose für das Wochenendwetter versprach Mitte der Woche für den Osten Deutschlands überwiegend sonniges, wenn auch kühles Wetter. Bestenfalls bei der Temperatur wichen die Prognosen des staatlichen Deutschen Wetterdienstes (DWD) von denen privater Anbieter geringfügig ab. Die Übereinstimmung ist auch kein Wunder. Zwar besitzt etwa die MeteoGroup in Deutschland eine größere Zahl eigener Mess...

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Nachrufe

Erich Drechsler 30. 6. 1934 - 1. 10. 2015 Die Wende stellte den Jenaer Leichtathletiktrainer Erich Drechsler vor die größte Herausforderung seiner Karriere: Seine Schwiegertochter Heike, Weltklasse-Weitspringerin und Sprinterin, hatte just am 9. November 1989 ihr erstes Kind zur Welt gebracht und wollte, dass er sie künftig trainiert. Drechsler zögerte: Bis dahin hatte er Hochspringer be...

ndPlusHarald Lachmann

Der illegale Priester

Seit 44 Jahren ist Klaus Metsch Diener Gottes, fast die Hälfte davon im Untergrund. Denn seine Weihe zum katholischen Priester erhielt er 1971 in einer Wohnung im tschechischen Brno. Ordiniert wurde er von Jan Blaha, einem Geistlichen, der als Geheimbischof in die Annalen der Kirche einging. Hatte doch die Staatsmacht gerade in der CSSR und Ungarn ab 1945 die römisch-katholischen Strukturen zersch...

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Axel Berger

Die Verdammten dieser Erde

Mitte September vermeldetet Indiens drittgrößte Tageszeitung »The Hindu«, dass in der nordindischen Stadt Lucknow auf 368 ausgeschriebene Stellen als Laufbursche in der Verwaltung 2,3 Millionen Bewerbungen eingegangen seien. Man könnte meinen, dass der Job, auf den sich auch 222 000 Ingenieure und sogar 255 promovierte Wissenschaftler beworben haben sollen, überaus lukrativ wäre. Weit gefehlt...

Seite 22
ndPlusLeo Fischer

Kanzlerinterviews

Das war nicht schlecht, das war doch wirklich recht erfreulich! Merkels Will-Interview beziehungsweise Wills Merkel-Interview hat das Zeug, in der Geschichte gut geführter Gespräche einen Logen- oder wenigstens Fensterplatz einzunehmen, womöglich im Ruhe- oder gar Raucherbereich.

»Ich raufe nun mal gern«

Sie wurde als Tochter eines Ingenieurs in der Nähe von Hannover geboren. Ihre Vorfahren waren sowohl mütterlicher- als auch väterlicherseits jüdische Kaufleute aus Russland, die sich als Bewunderer der Aufklärung einst in Königsberg niedergelassen hatten. Dorthin kehrten auch ihre Eltern zurück, als sie drei Jahre alt war. Nach dem Tod des Vaters wurde sie von ihrer sozialdemokratisch eingest...

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»Uns wird die Souveränität geraubt«

»Noch vor nicht allzu langer Zeit fand sich eine linkskritische Intellektualität, die sich gegen die Hegemonie des Ökonomischen über unsere Lebenswelt auflehnte. Mittlerweile sind deren Geistesverwandte selbst die führenden Ökonomen der Gegenwart - Piketty, Stiglitz, Krugman - und betreiben unter linkem Vorzeichen eine nächste Hegemonie der Ökonomie, nun der angeblich sozialverträglichen, aber auc...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Entgleiten, erklimmen

Der erste Satz: »Manchmal habe ich das Gefühl, nur bei den Ahnen noch unter Deutschen zu sein.« Botho Strauß betreibt Herkunftsbestimmung, Zukunftsbedenken - unter Bedingungen eines Flüchtlingsstroms, der groß ist, aber gigantisch werden wird. Der Schriftsteller skizziert einen Haltungsgrund, der seine Existenz seit jeher bestimmt: als Fortsetzer zu leben, als Gast bei »zahllosen schöpferischen Ge...

Thomas Blum

Vernebelt, verquollen

Weil er sein bereitwilliges Mitwurschteln im Kulturbetrieb gut verschleiert, indem er sich als der sich in der Uckermark verschanzende Hochleistungsgrübler und Einsiedler inszeniert, und weil diese clevere Selbstinszenierung von diensteifrigen Medien seit Jahr und Tag begeistert geglaubt und brav apportiert wird, gilt Botho Strauß, der oberste Rauner und Dichterpriester der deutschsprachigen Gegen...

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lgn

Bildungslexikon

Kritik, die; Substantiv, feminin. Der Begriff »Kritik«(Beurteilung, Bewertung, Besprechung und Beanstandung) wurde Ende des 17. Jahrhunderts dem französischen critique entlehnt. Dieses Wort geht wiederum auf das altgriechische kritikós (urteilsfähig) zurück. Im Altertum wurde das Wort überwiegend auf den Rechtsbereich angewandt. Dennoch gab es durchaus auch philosophische Abhandlungen; u.a. setzte...

Beschränkte Aussagekraft

1960 zählten die Universitäten in der Bundesrepublik knapp 300 000 Studierende. Schon damals gab es Stimmen, die vor einer Überfüllung der Hörsäle warnten. Im vergangenen Semester waren rund 2,7 Millionen Menschen an deutschen Hochschulen und Universitäten eingeschrieben. Allein die Zahl der Erstsemester betrug ca. 500 000 Studierende. Die Entwicklung ist nicht verwunderlich. Immer mehr werde...

ndPlusLena Tietgen

Emanzipation und Barbarei

Ausgangspunkt der »Kritischen Theorie« waren die Wissenschaftler Theordor W. Adorno und Max Horkheimer, die in den 1920er Jahren am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main lehrten und in Anlehnung an Hegel, Marx und Freud die Gesellschaft und ihre systemischen und historischen Bedingtheiten einer kritischen Analyse unterzogen. Bekannt ist die »Kritische Theorie« auch als Frankfurter Schu...

ndPlusStefan Kleie

Bürgerlicher Normalfall

Geistes- und Sozialwissenschaften werden oft in einem Atemzug genannt. Im Gegensatz zu den sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) handelt es sich in den erstgenannten Wissenschaftsdisziplinen um Interessensgebiete, denen der Normalbürger bestenfalls in der Freizeit nachgeht: Politik, Gesellschaft, Philosophie, Kunst und Literatur. Umgekehrt muss man bei den da...

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Wochen-Chronik

10. Oktober 1945 Der US-Militärgouverneur in Deutschland hebt das Fraternisierungsverbot für die US-Soldaten auf. Die GIs dürfen nun auch Beziehungen mit deutschen »Frolleins« eingehen, während sie zuvor gewarnt wurden: »Fraternisierung heißt: sich Freunde machen, aber die Deutschen sind nicht unsere Freunde. Sie können nicht kommen und ihre Hand ausstrecken und sagen: Es tut uns leid. Es tut...

Martin Stolzenau

Paul Scheerbart

Der Schriftsteller und Kabarettist Hanns Heinz Ewers bezeichnete ihn als den »am wenigsten gelesenen Autor Deutschlands«. Doch Paul Carl Wilhelm Scheerbart erntete außer Spott und Ignoranz auch Zustimmung. Die beachtliche Reihe seiner Verehrer reichte von namhaften Expressionisten sowie Dadaisten über Walter Benjamin, der ihm mit dem Essay »Erfahrung und Armut« ein literarisches Denkmal setzte, so...

ndPlusWladislaw Hedeler

Wenn Politik Wissenschaft kreuzt

Dieses Buch sei jedem sich mit der DDR- und der sowjetischen Geschichte befassenden Historiker empfohlen. Es ist mehr als ein instruktives, informatives Handbuch zum Stand der Forschung. Es bietet nicht nur Einblicke in bisher erschlossene und einen Überblick über noch gesperrte Aktenbestände, berichtet nicht nur über neue Erkenntnisse, zugleich auf noch bestehende Defizite verweisend. In Anbetrac...

Kurt Laser

Aussichtsvoller Absatzmarkt

Vor 75 Jahren, am 12. Oktober 1925, unterschrieben in Moskau der deutsche Botschafter in der UdSSR Dr. Ulrich Graf von Brockdorff-Rantzau und der Wirkliche Geheime Rat Dr. Paul von Koerner im Namen des Deutschen Reichspräsidenten, der Stellvertretende Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten Maxim Litwinow und das Mitglied des Kollegiums des Volkskommissariats für Außenhandel Jakob Hanetzky i...

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Nobelpreis für Medizin

Eine Hälfte des Medizin-Nobelpreises geht an die Chinesin YouYou Tu (l.) für die Entwicklung einer neuen Malariatherapie. Die andere Hälfte teilen sich der Ire William C. Campbell und der Japaner Satoshi Ōmura (r.) für ihre Entdeckungen, die zu einem Wirkstoff gegen Infektionen mit parasitischen Würmern führten. Fotos: dpa/Xinhua/Jin Liwang; dpa/Trinity College Dublin; dpa/Kimimasa Mayama...

ndPlusMartin Koch

Geld, Gier und Nationalismus

Die Erfindung des Dynamits hatte dem schwedischen Chemiker und Industriellen Alfred Nobel ein Millionenvermögen beschert. Sowohl im Berg- und Straßenbau als auch in der Rüstungsindustrie fanden seine Sprengstoffe reißenden Absatz. Namentlich das von ihm 1887 aus Sprenggelatine entwickelte Ballistit, ein Pulver für Geschütze, das bei der Verbrennung wenig Rauch freisetzte, revolutionierte die gesam...

Martin Koch

Mit Beifuß gegen Malaria

In diesem Jahr wird der mit rund 850 000 Euro dotierte Medizin-Nobelpreis für ein klassisches Medizinthema vergeben: die Bekämpfung von Krankheiten. Eine Hälfte des Preises teilen sich der in Irland geborene William C. Campbell (85), der heute an der Drew University in Madison (US-Bundesstaat New Jersey) arbeitet, sowie der Japaner Satoshi Ōmura (80) von der Kitasato Universität in Tokio. Beide Wi...

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Nobelpreis für Chemie

Der Schwede Tomas Lindahl forschte zuletzt in Großbritannien am Clare Hall Laboratory, der US-Amerikaner Paul Modrich an der Duke University School of Medicine in Durham (Bundsstaat North Carolina) und der Türke Aziz Sancar an der University of North Carolina School of Medicine in Chapel Hill. Fotos: dpa/Facundo Arrizabalaga; AFP/UNC School of Medicine/Max Englund; dpa/Megan Morr...

Die Zeiten ändern sich

Um ein Haar wäre schon vor 58 Jahren die erste Chinesin zu Nobelehren gekommen: Chien-Shiung Wu, eine 1912 in Shanghai geborene Physikerin, die nach ihrem Studium an der Nationalen Universität in Nanjing in die USA ausgewandert war. 1944 wurde sie in das streng geheime Manhattan-Projekt zum Bau der US-Atombombe einbezogen und führte dort Arbeiten zur Isotopentrennung durch. Ab 1958 lehrte sie als ...

ndPlusSteffen Schmidt

Vom Landarzt zum Molekularbiologen

Mit dem, was viele auch heute noch unter Chemie verstehen, hat die Forschung der diesjährigen Nobelpreisträger nicht mehr viel zu tun. Ebensogut hätten sie dafür mit dem Medizinpreis geehrt werden können. Denn der Schwede Tomas Lindahl (77), der US-Amerikaner Paul Modrich (69) und der Türke Aziz Sancar (69) wurden für ihre Forschungen zu Mechanismen der DNA-Reparatur geehrt, wie es in der Begründu...

ndPlusMartin Koch

Kopfgeburt von Gewicht

Weil es so schien, als werde beim radioaktiven Betazerfall der Energieerhaltungssatz verletzt, hatte der Physiker Wolfgang Pauli 1930 ein neues Elementarteilchen postuliert: das Neutrino. Ganz wohl war ihm dabei nicht. »Ich habe etwas Schreckliches getan« sagte er gelegentlich. »Ich habe ein Teilchen in die Welt gesetzt, das nicht nachgewiesen werden kann.« Doch Paulis Pessimismus war unbegründet....

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gra

Weltrekord: 5,25 Sekunden

Der Zauberwürfel, 1974 vom Ungarn Prof. Ernik Rubik (71) entworfen, setzt sich aus 27 unterschiedlich gefärbten kleinen Würfeln zusammen. Es wird mit ihm solange drehend herumgeknobelt, bis jeweils eine Seite des Objekts nur noch eine Kolorierung aufweist. Um das Anordnungsproblem dieses dreidimensionalen Puzzles zu lösen, sind verschiedene Vorgehensweisen entwickelt worden, die nach ihren jeweili...

Denkspiellösung »Dart und Paul«

Als Vorletzter des Dartturniers kam Paul Trefflich auf den 15. Platz. So die Lösung der Frage »Wie trefflich (un)genau war Paul?« vom 2. Oktober. Es gab viele Einsendungen und darunter sehr viele richtige; die wenigen unrichtigen hatten aber immerhin einen Streubereich von 8 bis 47. Als formalen Lösungsweg schlug Wolfgang Pella aus Berlin diesen vor: Beginnend mit der Spieleranzahl 2 (nur ab ...

Udo Bartsch

Karriere

Seit jeher müssen die armen Lehrer, Politiker und Ärzte für Spott aller Art herhalten. Wer sich im Gesundheitswesen auskennt, weiß aber, dass »Hospital Rush« gar nichts anderes sein kann als Satire. Das Spiel will nämlich suggerieren, im Krankenhaus ginge es weniger ums Patientenwohl, dafür vor allem um Karriere. Der Mediziner mit dem größten Prestige gewinnt. Gelegentliche Bemühungen um eine...

ndPlusMike Mlynar

Mit Köpfchen ins Ziel

In einer der Debatten um die Schildbürgerbaustelle des Flughafens Berlin Brandenburg reduzierte ein Mathematiker das dort unlösbare Kernproblem kürzlich so: »Logistik und Kontrolle, bautechnisch ist dann alles nur Routine.« Kluger Rat eines Außenstehenden. Doch schon Altmeister Goethe wusste: »Die Schwierigkeiten wachsen, je näher man dem Ziel kommt.« So auch bei unserem heutigen sportlichen Logis...

Carlos García Hernández

Schach mit Carlos García Hernández

In dieser Partie gewinnt Arcangelo Ricciardi (37), ein mittelmäßiger italienischer Amateur, gegen den französischen Großmeister Nikolay Legky (60). Sensationell wäre hier noch tiefgestapelt. Denn der Leistungsunterschied laut ELO-Zahl ist zwischen beiden so wie zwischen 2. Kreisklasse und 1. Bundesliga. Doch die Sensation hielt nicht lange vor. Ricciardi wurde wegen Betrugs disqualifiziert. S...

100 Logarithmen im Kopf

Für Laien grenzt es natürlich an Zauberei, was Sie da mit dem Würfel immer veranstalten. Aber wird es Ihnen selbst mit der Zeit nicht auch ein bisschen langweilig? Nein. Bei jeder neuen Position, die von den Cubies eingenommen wird, überlege ich mir, wie ich noch effizienter ans Ziel gelangen kann. Und ich versuche, intuitiv einen besseren Weg zu finden. Nicht zuletzt auch, um meine eigene Be...

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Thomas Gesterkamp

Reise in eine unbekannte Welt

Rotterdam ist anders. Anders als die benachbarten niederländischen Städte, anders vor allem als die pittoreske Hauptstadt Amsterdam mit ihren Bürgerhäusern und historischen Grachten. Das liegt am Zweiten Weltkrieg, an der Bombardierung durch die deutsche Luftwaffe im Mai 1940, aber auch an den städtebaulichen Konzepten der Zeit danach. Rotterdam ist seither ein architektonisches Experimentierfeld....

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ndPlusMichael Müller

Ist der Ruf erst ruiniert ...

Berge, Hügel, Täler, Schluchten, Pässe, Hänge, Gipfel, mal rund mal schlank, mal anmutig jung, mal greisenhaft runzlig... Anderswo lockt so etwas Millionen Touristen aus aller Welt an. Wer aber in der Welt weiß schon von Albanien?« So die beiden tschechoslowakischen Weltreisenden Miroslav Zikmund und Jiri Hanzelka Anfang der 1960er Jahre in ihrem Reportageband »Der umgedrehte Halbmond - Balkan und...

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Liebe in Zeiten des Kapitalismus

Hat der Kapitalismus die Liebe verschlungen? Zeigt er uns das wahre Wesen der romantischen Illusion von zwischenmenschlicher Nähe? Volontärinnen und Volontäre des »nd« machen sich im weiten Feld der Liebe auf die Suche nach dem Kern dieses unordentlichen Gefühls. Mehr: dasND.de/liebeGrafik: 123rf [M]...

ndPlusFlorian Brand

Verliebt in ein Objekt

Als Kind war ich ein Einzelgänger. Ich hegte eine besondere Beziehung zu meinen Kuscheltieren, war sehr kreativ und hatte kaum eine Handvoll Freunde. Allerdings konnte ich mich wunderbar alleine beschäftigen, hatte meistens einen imaginären Freund dabei und wollte Gegenstände bestrafen, die mir unrecht getan hatten. Bei der Recherche zu diesem Thema erinnerte ich mich während eines Interviews...