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UNTEN LINKS

In den vergangenen Tagen erreichten uns mehrere Studien zum Leseverhalten in Deutschland. Nein, nein, es geht darin nicht um die Weinlese, nicht um das Auflesen von Scherben und nicht um das Ablesen des Stromzählers. Im Vorfeld der Buchmesse wollten die Auftraggeber wissen, wie es um die Beziehung der Menschen zum geschriebenen Wort steht. Nicht gefragt wurde vorsichtshalber nach der Fähigkeit, me...

ndPlusOlaf Standke

Zerrissenes Land

»Mörder Erdogan« skandierten am Sonntag Tausende im Zentrum Istanbuls. Für viele in der Türkei steht fest, dass der Präsident federführend für politische Zustände sorgt, die am Ende ihr ganzes Land zerreißen könnten.

SPÖ kann sich in Wien klar vor der FPÖ behaupten

Wien. Bei der österreichischen Landtagswahl in Wien gab es offenbar doch nicht das erwartete Parteien-Duell: Laut der ersten Hochrechnung hatte die SPÖ die Wien-Wahl klar gewonnen. Sie kommt demnach auf 39,5 Prozent (-4,9). Die FPÖ erreicht 30,9 Prozent (+5,1), die Grünen 11,6 Prozent (-1,1). Die ÖVP kommt auf 9,5 Prozent (-4,5), die liberale NEOS auf 6,2 Prozent. Die Abstimmung in Wien, bei der 1...

Attentat in Ankara verschärft politische Krise

Istanbul. Drei Wochen vor der Parlamentswahl in der Türkei hat der bislang schwerste Anschlag in der Geschichte des Landes die politische Krise dort verschärft. In Ankara gedachten am Sonntag Tausende Menschen der Opfer des Doppelanschlags auf eine regierungskritische Friedensdemonstration am Vortag. In Sprechchören beschimpften sie Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan als »Mörder«. Mindestens 95 ...

250 000 Mal Nein zu TTIP

Berlin. Unter dem Motto »TTIP & CETA stoppen! Für einen gerechten Welthandel« haben am Sonnabend in Berlin rund 250 000 Menschen gegen die Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA sowie Kanada protestiert. »Gemeinsam verteidigen wir unsere Demokratie und gehen für gerechten Handel auf die Straße«, teilten die Veranstalter, ein breites Bündnis aus Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden, ...

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Haidy Damm

Winkekatze für den Freihandel

Als hätten sie geahnt, dass die Demonstration gegen die Abkommen TTIP und CETA viele Menschen auf die Straße bringen, haben sich auch die Befürworter am Wochenende in Position gebracht. So warnte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer, ein Scheitern der Verhandlungen wäre ein »fatales Signal«, und appellierte an die Gewerkschaften, »zu Sachlichkeit, Differenziertheit und Weitblick zurückzufinden«. Die B...

ndPlusHaidy Damm

Tango gegen TTIP

Es wurde die größte Demonstration seit Jahren. Rund 250 000 Menschen kamen am Sonnabend in die Bundeshauptstadt und forderten: Stopp TTIP und CETA. Für das Bündnis ein überwältigender Erfolg.

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»Es war ein ganz, ganz schwarzer Tag«

Eine tiefe Traurigkeit umhüllt sie. Ruhig und gefasst antwortet sie auf die Fragen. Nur zwei Mal huscht ein leichtes Lächeln über ihr Gesicht, in der nächsten Sekunde bereits verflogen, so als schäme es sich, in eine Welt des Schmerzes eingedrungen zu sein. Ensaf Haidar ist die Frau des saudi-arabischen Bloggers Raif Badawi, der 2012 verhaftet und zwei Jahre darauf wegen Apostasie, »Beleidigu...

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ndPlusHaidy Damm

Mit Blick aufs Nachbartransparent

Rechte Positionen im bürgerlichen Gewand - mit diesem Vorwurf konfrontiert ein »Spiegel«-Kolumnist die Gegner der Freihandelsabkommen TTIP und CETA. Auf der Demonstration wurde das mit Empörung zurückgewiesen.

Kurt Stenger

Die schaffen das!

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat mal durchrechnen lassen, ob die großen AKW-Konzerne den Atomausstieg samt Folgekosten wuppen können. Aber der größte Teil der Rücklagen existiert nur auf dem Papier.

ndPlusWolfgang Hübner

Bayrische Türsteher

Nachdem sie doch nicht den Friedensnobelpreis bekommt, droht Angela Merkel auch noch die Höchststrafe von der Schwesterpartei: Die CSU erwägt angeblich, die Kanzlerin nicht zu ihrem nächsten Parteitag einzuladen.

Anna Maldini, Rom

Kein Politiker

»Die Nachkommen müssen das schwierige Urteil fällen.« So lautet ein italienischer Spruch, und er trifft auch auf Roms Bürgermeister Ignazio Marino zu, der nach einem Skandal um veruntreute Steuergelder zurückgetreten ist. Die Nachkommen werden darüber urteilen müssen, ob der weltbekannte Chirurg, der zwei Jahre lang das Amt im Kapitol bekleidete, denn gut oder schlecht gearbeitet hat. Auf der Habe...

ndPlusMatthias Dell

Er war einer von uns

Das wäre der Reiz dieses »Tatort« gewesen: eine kluge Erzählung zu finden für etwas, das so schwer zu greifen und doch so mächtig ist, dass es Angst und Paranoia bis hin zum Mord produziert.

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Streit um Vertuschung von Straftaten

Erfurt. Im Streit um eine angebliche Vertuschung von Ausländerkriminalität hat Ministerpräsident Bodo Ramelow die Polizei aufgerufen, Straftaten auch von Asylbewerbern konsequent zu ahnden. Alles andere sei Strafvereitelung im Amt, schrieb der Linksparteipolitiker am Samstag auf Facebook. »Wenn ein Beamter davon Kenntnisse hat und nicht zur Anzeige bringt, dann macht er sich mitschuldig. Ich habe ...

Johannes Richter

Pegida will mit Orban feiern

Die Pegida-Bewegung hat die Republik und vor allem Sachsen verändert. Zum einjährigen Jubiläum der Demonstrationen will Mitbegründer Lutz Bachmann Ungarns Regierungschef Victor Orban nach Dresden holen.

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Anstieg der Altersarmut

Berlin. Die Altersarmut droht in den nächsten Jahren einer Studie zufolge vor allem in Ostdeutschland stark anzusteigen. Das berichtet die »Bild am Sonntag« mit Verweis auf eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung. Demnach sind Frauen, Alleinstehende und Geringqualifizierte sowie Migranten über 65 Jahre besonders gefährdet. Die Autoren der Studie haben Daten des Mikrozensus von vor zwei Jahren u...

Waffen für Golfstaaten

Essen. Deutsche Rüstungsfirmen haben einem Bericht zufolge im ersten Halbjahr dieses Jahres Waffen im Wert von mehr als zehn Millionen Euro in die Golfstaaten geliefert. Deutschland habe alleine im Juni Rüstungsgüter im Wert von rund 11,5 Millionen Euro nach Katar exportiert, schrieben die Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Sie beriefen sich auf eine Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf ei...

Matthias Krauß

Perle und Puppenstube

14 Bezirksstädte gab es in der DDR. »nd« hat nachgeschaut, wie es ihnen nach 25 Jahren geht.

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»Die AKP führt Krieg und will Tote«

Wer hat die Demonstration in Ankara organisiert und was waren die Forderungen der Demonstranten? Der Marsch wurde vor allem von Gewerkschaftsdachverbänden organisiert. Er war selbstverständlich auch mit der linken, pro-kurdischen Demokratischen Partei der Völker, der HDP, abgesprochen, die ebenfalls mobilisierte. Das taten auch viele andere linke Parteien und Vereinigungen. Meiner Einschätzun...

Jan Keetman

Viele Tote, viele »Wahrheiten«

Wer steckt hinter dem blutigen Attentat in Ankara? Während die absurdesten Versionen präsentiert werden, versucht der Staat, den Opfern Schuld zuzuweisen.

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Weitere Tote bei Vorfällen in Nahost

Jerusalem. Internationale Friedensappelle haben die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten am Wochenende nicht stoppen können: Bei einem israelischen Luftangriff im Gaza-Streifen wurden am Sonntag nach Angaben von Ärzten eine 30-jährige Schwangere und ihre zweijährige Tochter getötet. An einem israelischen Kontrollposten im Westjordanland zündete eine 31-jährige Palästinenserin offenbar einen für ei...

Manfred Maurer, Wien

Das Haus des Friseurs

Nach dem Zweiten Weltkrieg vertriebene Deutsche erhalten in Serbien ihr Eigentum zurück oder werden entschädigt. Die ersten Verfahren von Donauschwaben sind abgeschlossen.

ndPlusThomas Berger

Oppositionsallianz ohne Islamisten

Zwischen den wichtigsten Gegnern der malaysischen Regierung ist das Tischtuch zerschnitten. Die Islamische Partei (PAS) will der neuen Oppositionsallianz noch nicht beitreten.

Ralf Klingsieck, Paris

Steuergeschenke für Konzerne

Der von der Regierung verabschiedete Etatentwurf 2016, den die Nationalversammlung jetzt debattiert, ist die letzte Chance für Präsident Hollande, seine Wirtschafts- und Sozialpolitik zu korrigieren.

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ndPlusDaniela Wiegmann, München

Der smarte Preis

Digitale Preisschilder ersetzen in immer mehr Einzelhandelsketten das Papier-Etikett. Verbraucherschützer warnen vor Preisschwankungen wie an der Tankstelle.

Anne Gonschorek, Kapstadt

Die dunkle Seite der Schokolade

Verbraucher in Kalifornien haben eine gemeinsame Klage gegen Nestlé, Mars und Hershey’s eingereicht. Sie werfen den Schokogiganten vor, auf Kakaobohnenplantagen Sklavenarbeit von Kindern zuzulassen.

Tim Braune

Atomkonzerne bestehen Stresstest

Die vier großen Stromkonzerne in Deutschland können nach Einschätzung der Bundesregierung die Milliardenkosten des Atomausstiegs zusammen bewältigen. »Die Vermögenswerte der Unternehmen decken in Summe die Finanzierung des Rückbaus der Kernkraftwerke und der Entsorgung der radioaktiven Abfälle ab«, sagte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) am Samstag. Er hatte im Juni bei Wirtschaftsprüfern e...

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Anne Steckner

Willkommenskultur ist eine Klassenfrage

Wirksame Umverteilung braucht Druck von unten. Im Kämpfen sind viele der Geflüchteten reich an Erfahrungen. Und der Moment ist günstig. Das ist die Chance, die die Ankommenden uns bieten.

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75 Hinweise: Polizei sucht Flüchtling

Berlin erwartet diese Woche laut Senat jeden Tag einen Sonderzug mit 350 bis 450 Flüchtlingen aus Bayern. Die ankommenden Menschen werden von Berlin und Brandenburg gemeinsam aufgenommen. Wie die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales am Sonntag mitteilte, hat allein Berlin seit dem 5. September gut 18 000 Flüchtlinge untergebracht. Am Sonntag sollten rund 190 mit dem Zug ankommende Menschen...

Herzzentrum schließt Betrug aus

Rund ein Jahr nach dem Bekanntwerden von Manipulationen bei der Organvergabe am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) dauern die Ermittlungen an. Eine Prüfkommission der Bundesärztekammer hatte Ende September 2014 bekannt gegeben, dass Ärzte in den Jahren 2010 bis 2012 mehr als einem Dutzend Patienten durch systematische Manipulationen bessere Plätze auf den Wartelisten für Spenderorgane besorgt hab...

Christin Odoj

Ausgeflirtet

Für die Berliner Grünen wird das kommende Wahlkampfjahr hart. Sie wollen, und das ist die eindeutige Botschaft des vergangenen Landesparteitages, wieder zurück zu dem, was vor der Erfindung der Großen Koalition mal ihre Kernthemen waren. Moderne Familienpolitik, saubere Gewässer, Radwege so breit wie achtspurige Stadtautobahnen und Humanismus, sprich, eine Flüchtlingspolitik, die die Würde des Men...

ndPlusJosephine Schulz

Grüne gegen stumpfe Spießer

Zum Parteitag oder auf die Straße? Viele Berliner Grüne waren am Samstag hin- und hergerissen. Denn während in Wedding diskutiert wurde, verpassten die Delegierten die größte Anti-TTIP-Demonstration aller Zeiten.

Martin Kröger

Ausgebeutet und im Stich gelassen

Nicht nur im Kino Babylon gibt es Arbeitskonflikte: Mit einem Brief haben sich jetzt Beschäftigte des »Kühlhauses« an Kulturstaatssekretär Tim Renner gewandt. Der erklärte sich für nicht zuständig.

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Millionendefizit für die Buga

Die Bundesgartenschau der Havelregion endet mit deutlich weniger Gästen als geplant und einem Millionen-Defizit. In den vergangenen 177 Tagen hatte die Schau etwas mehr als 1,05 Million Besucher, wie die Veranstalter am Sonntag in Havelberg mitteilten. Damit blieb sie deutlich unter der erwarteten Marke von 1,5 Millionen Gästen. Dadurch ist nach Angaben der Veranstalter ein Defizit von rund zehn M...

Mauerkunst auf dem Berliner Dom

Seit vergangenem Freitag sind wieder viele Wahrzeichen, historische Orte, Straßen, Plätze, Szeneviertel und prägnante Orte der jüngsten Berliner Geschichte für zehn Tage in spektakuläre Lichtinstallationen gehüllt, darunter das Brandenburger Tor, der Berliner Dom, der Potsdamer Platz, das Palais am Festungsgraben oder die Humboldt-Universität und das Berliner Schloss. Das Festival of Lights findet...

Jeanette Bederke

Mord in der Scheune

Obwohl er im Ruhestand ist, lassen den ehemaligen Kriminaltechniker Wolfgang Raeke Mord und Totschlag nicht los. Tatort ist inzwischen eine Scheune in Treplin.

Steffi Bey

Friedrichshagener Gesichter

Nachbarn vor die Kamera holen: Das macht gerade Fotograf Frank Odening in Friedrichshagen. Die Porträts sollen Menschen zeigen und etwas über den Ort erzählen.

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Radeln auf der Schnellstraße

Rambin. Wer in der Saison mit dem Pkw nach Rügen kommt, steht häufig gleich nach der Rügenbrücke von Stralsund auf die Insel erst einmal eine Weile im Stau. Ein neues Teilstück der Bundesstraße 96 - die B 96n - zwischen Rambin und Samtens soll das ab Jahresende verhindern. Dann soll das etwa 20 Kilometer lange Straßenstück freigegeben werden. Die Kosten werden auf rund 96,5 Millionen Euro beziffer...

Velten Schäfer

Kretschmann und die Unbekannten

Mit 97 Prozent Zustimmung haben die Grünen in Baden-Württemberg am Samstag den amtierenden Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann erneut zum Spitzenkandidaten erhoben. Der inzwischen 67-Jährige soll beim Urnengang am 13. März 2016 seine Position verteidigen und die bundesweit einmalige grün-rote Koalition an der 2011 nach dem Atomunglück im japanischen Fukushima überraschend errungenen Macht hal...

Kirchen kontra Kommunen

Kirchen zu erhalten, kostet viel Geld. Doch wer zahlt dafür - die öffentliche Hand oder auch die Gemeinden? Das soll nun höchstrichterlich entschieden werden.

ndPlusAndreas Fritsche

Vom Güter- zum Geisterbahnhof

Es gibt noch Güterbahnhöfe, beispielsweise in Seddin und Senftenberg. Doch der klassische Güterbahnhof ist nach Ansicht von Klaus-Dieter Zentgraf Geschichte.

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Büste von Abbado enthüllt

Eine Bronzebüste des ehemaligen Chefdirigenten Claudio Abbado (1933-2014) ist am Sonntag im Foyer der Berliner Philharmonie enthüllt worden. Der Italiener war 1989 als Nachfolger des legendären Herbert von Karajan an die Spitze der Philharmoniker gewählt worden und blieb bis 2002 Chefdirigent. Danach war er jedes Jahr in Berlin zu Gast. Sein Auftritt galt als ein Höhepunkt der Philharmoniker-Saiso...

Restauratoren treffen sich in Berlin

Fast 500 Restauratoren aus 30 Ländern treffen sich von Montag an in Berlin zum Kongress der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Archiv-, Bibliotheks- und Graphikrestauratoren (IADA). Auf dem viertägigen Programm stehen bis Donnerstag insgesamt 70 Fachvorträge von Referenten unter anderem aus Japan, Guatemala, Kanada, den USA, Armenien, Griechenland und den Niederlanden, wie die Berliner Staats...

Abschlussarbeiten der Ostkreuzschule

Die Vernissage am Freitag war lediglich der Auftakt für weitere Veranstaltungen, die die Ausstellung des 9. Abschlussjahrgangs der Ostkreuzschule für Fotografie begleiten (siehe auch die nd-Beilage vom Wochenende, die in Kooperation mit der Fotografenschule entstand). Am Dienstag diskutieren Maurice Weiss und Jörg Brüggemann die Frage, ob man zum Fotografieren weit reisen muss, oder ob auch direkt...

Jürgen Amendt

Berlin bleibt sauber

Woran erkennt man ein funktionierendes Gemeinwesen? Die meisten Bürger dieses Landes würden die Frage wahrscheinlich mit Hinweis auf ein gut ausgebautes Straßennetz, freundliches Servicepersonal im Dienstleistungsgewerbe oder ausreichend Mülleimer im Stadtbild beantworten. Das ist sicherlich alles wichtig, für den Durchschnittsberliner aber unbedeutend. Sätze wie »Deutschland ist ein sauberes Land...

ndPlusHans-Gerd Öfinger

Wohnungen, Nahverkehr, Finanzen

Fünf Monate vor den Kommunalwahlen im März 2016 rüstet sich die hessische LINKE. Ein Landesparteitag am Wochenende verabschiedete kommunalpolitische Eckpunkte für den Kampf um Mandate in Rathäusern und Kreistagen im Sechsmillionenland zwischen Rhein, Neckar und Werra. Als Orientierungsrahmen fordern die Eckpunkte ein Sofortprogramm für jährlich 10 000 neue Wohnungen. »Es darf nicht sein, dass viel...

Thomas Schöne, Eisleben

Nach dem Baukastenprinzip

Feuerwehrstiefel sind besondere Produkte. Im Ernstfall sind sie enormen Belastungen ausgesetzt und müssen das Leben des Trägers schützen. In Eisleben gibt es dafür Experten.

ndPlusWinfried Wagner, Hohenzieritz

Den Tourismus begrünt

An der Müritz waren vor 1990 viele Wälder Sperrgebiet. Dann kam der Nationalpark und wieder Sperrungen. Nach 25 Jahren haben sich Anwohner und Parkverwaltung miteinander arrangiert.

Hans-Dieter Schütt

Diese Blicke durch und durch

Diese Augen. Eine Provokation an Intensität. Eine Offenheit, die sich um nichts betrügen lassen will, was auf dieser Welt wahrnehmbar ist. Dieser Blick, der frech auffrisst, sanft ansaugt, ungehemmt staunt. Oder aber auf besondere Weise auf Durchgang schaltet: Er geht durch und durch, er geht durch die Zeiten - als gehe der Mensch, dem diese Auen gehören, durch einen Spiegel wie durch eine bittere...

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Wolfgang Hübner

Mosekunds Montag

Nach einigen unruhig verbrachten Nächten ging Herr Mosekund zum Schlaftherapeuten. Der hörte sich Herrn Mosekunds Klage an und schlug ihm vor, zum Zwecke einer aussagekräftigen Diagnose ein Schlafprotokoll zu führen. Einschlafzeiten, Aufwachzeiten, Länge der Schlafpausen, Träume - alles müsse exakt erfasst werden, erklärte der Arzt, dann könne er helfen. Am Abend ging Herr Mosekund mit Stift, Papi...

Asfa-Wossen Asserate ausgezeichnet

Als erster Deutscher afrikanischer Abstammung hat der Schriftsteller Prinz Asfa-Wossen Asserate den Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache erhalten. »Ich bin glücklich, weil die Brüder Grimm diejenigen waren, die mir das Deutsche schmackhaft gemacht haben«, sagte er am Samstag bei der Preisvergabe in Kassel. Asserate wurde in Äthiopien geboren und lebt seit 1972 in der Bundesrepublik, in Frankfurt am ...

Roberto Becker

Wortreich sprachlos

Ein Mann trifft auf seiner Dachterrasse eine Frau, die sich in die Tiefe stürzen will. Warum auch immer. Er rät ab. Weil er Gäste erwartet. Weil bei nur acht Stockwerken der Erfolg des Unternehmens nicht garantiert ist. Und überhaupt. Wenn schon, dann solle sie lieber eine Pistole nehmen, das wäre sicherer. Und er habe eine dabei. Was wie eine einfühlsame Ablenkung beginnt, wird zum Albtraum für d...

ndPlusStefan Amzoll

Ziel ist das Nirgendwo

Was wäre ein Dichter, würde er nicht der Liebe und der Dichtung wegen leiden? Jacques Offenbach hat den berühmten E. T. A. Hoffmann musikalisiert, auf den er die größten Stücke hielt, weil er dessen absonderlichen Traumgebilde, Feen und Legenden so liebte. Ihm wollte er mit »Les Contes d’Hoffmann« ein Denkmal setzen. Walter Felsenstein gewann, als er 1958 den »Hoffmann« inszenierte, der Dichter-Fi...

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ndPlusSabine Neubert

Den Bach runter

Der Künstler Lennard Salm, Protagonist des Romans, ist knapp fünfzig und damit in einem Alter, in dem ein Mensch schon einmal bilanziert, mithin über eigenes Leben, Gewesenes, Erreichtes und Nichterreichtes ebenso nachdenkt wie über Welt und Zeitläufe insgesamt, und da fällt sein Urteil nicht gerade ermunternd aus: »Die Welt geht den Bach runter«, denkt Lennard, während wir ihn zu Beginn an einem ...

Florian Schmid

Von linksradikal bis Finanzkapitalismus

Wie politisch die deutsche Gegenwartsliteratur ist oder sein sollte - in dieser Debatte ist vorliegender Roman von besonderem Interesse. Ulrich Peltzer verweist darin auf den Ausspruch des französischen Filmemachers Jean-Luc Godard: Es gelte »keine politischen Filme zu machen, sondern Filme politisch zu machen«. In literarischer Hinsicht gilt das für seinen Roman.Erzählt wird von zwei Männern und ...

Ines Wallrodt

Ein Professor entdeckt Afrika

Richard, ein emeritierter Professor für alte Sprachen, muss sich neu einrichten in seinem Leben als Pensionär. Mit Ausnahme von gelegentlichen Treffen mit Freunden ist niemand da, mit dem er reden könnte: Seine Frau ist gestorben, seine junge Geliebte hat ihn verlassen, Kinder hat er keine. Was soll er anfangen mit seiner vielen freien Zeit ohne Vorlesungen und Vorträge?Doch dann hört er in der Ab...

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ndPlusVelten Schäfer

Angefasst, abgekämpft, besudelt

Wer den Literaturbetrieb nicht verachtet, wird anerkennen: Gute Bücher erkennt man daran, dass sie rasch auch einschlagen. Außergewöhnliche Bücher dagegen zeichnen sich dadurch aus, dass es dauert, bis Beifall aufbrandet - und dieser sich durch Dauer statt Lautstärke auszeichnet. Frank Witzels »Die Erfindung der Rote Armee Fraktion durch einen manisch depressiven Teenager im Sommer 1969« fäll...

Martin Hatzius

Das Leben spielt mit

Wer sich von einem Roman erhofft, für die Dauer des Lesens in eine geschlossene Parallelwelt abtauchen zu können, die ihren eigenen Gesetzen gehorcht, den lässt Monique Schwitter in ihrem jüngsten Buch nicht nur einmal aufschrecken. Wiederholt rüttelt Schwitters Erzählerin, die eine Schriftstellerin ist, am Grenzzaun, den man so gerne zwischen Fiktion und Realität ziehen würde. Und so geschieht es...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Trotz. Schreiben

Einen Roman über eine kleinwüchsige Frau hat es schon voriges Jahr auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises gegeben. Thomas Hettches »Pfaueninsel« handelte im 19. Jahrhundert in Preußen. »Wie ihr wollt« von Inger-Maria Mahlke führt in die Regierungszeit von Elisabeth I., genauer ins Jahr 1571. Es ist nicht das, was man einen handlungsprallen historischen Roman nennt. Wir erleben nur, was sich i...

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ndPlusAlexander Ludewig

Ende mit Schrecken

Und noch ein tieferer Tiefpunkt. Rudi Völlers Kritik an der Kritik von Journalisten und Experten ist legendär. Turbine ist nach dem 0:1 vom Sonnabend gegen Leverkusen wohl an einem noch tieferen Tiefpunkt angekommen.

Zwölf EM-Starter noch gesucht

GRUPPE A: Island und Tschechien sind für die EM qualifiziert. Die Türkei (15 Punkte) wäre mit einem Punkt gegen Island am Dienstag für die Playoffs qualifiziert, weil sie den direkten Vergleich gegen die Niederlande (13) gewonnen hat.GRUPPE B: Belgien und Wales haben das Frankreich-Ticket gelöst. Dahinter gibt es einen Dreikampf um Platz drei mit Bosnien-Herzegowina (14), Israel (13) und Zypern (1...

Annette Birschel

»Das war’s dann wohl«

Ein Sieg und doch verloren: Die Erleichterung der Niederlande über das 2:1 in Kasachstan dauerte nicht lang. Die Türkei siegte in Tschechien. Damit ist die EM 2016 für Oranje weit weg.Von Annette Birschel, Amsterdam»O nee!«, jammerte der niederländische Fernsehkommentator fassungslos Stunden nach dem 2:1-Sieg von Oranje in Kasachstan. Gerade hatten die Türken in Prag zum 1:0 gegen die Tschechen ge...

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Optimistisch

Nach den Hiobsbotschaften der letzten Wochen über eine Verletztenmisere bei den deutschen Eissprintern klingen die neuesten Nachrichten sehr optimistisch. Der deutsche Meister und Olympiavierte Nico Ihle aus Chemnitz startete am Wochenende in Berlin über 500 Meter mit beachtlichen 35,25 Sekunden in die Saison. Und in Erfurt lief die einheimische Teamolympiasiegerin Stephanie Beckert über 5000 Mete...

Fragwürdig

Eine fragwürdige Personalrochade des Volleyball-Bundestrainers Vital Heynen löste bei der EM einen Eklat aus. Gegen die Niederlande schickte er ein B-Team aufs Feld, das mit 2:3 die zweite Niederlage kassierte. Heynen schonte bewusst seine Stars für das Gruppenfinale am Sonntag gegen Tschechien (n. Red.). Georg Grozer reagierte zwiegespalten: »Ich will immer gewinnen. Wenn man mich nicht aufs Feld...

Schockierend

Der Unfall des spanischen Piloten Carlos Sainz jr. beim Training in Sotschi schockierte die Formel-1-Szene und löste eine Sicherheitsdebatte aus. Das Auto des 21-Jährigen hatte sich beim Crash derart unter die speziellen TecPro-Barrieren gebohrt, dass jeglicher Kontakt zu ihm abriss und Sainz für 20 Minuten wie lebendig begraben schien. Nun wird debattiert, ob die TecPro-Barrieren künftig in den B...

ndPlusDagobert Kohlmeyer

Ein Festival der schnellen Brüter

Die Weltelite lockt bei ihrer Schnellschach-WM in Berlin massenhaft Zuschauer an. Dabei ist Norwegens Weltmeister Magnus Carlsen der Gejagte.

ndPlusFrank Hellmann

Auf Wolke 35

Jan Frodeno ist der neue »König auf Haiwaii«. Der Saarbrücker gewann die Ironman-WM in Kailua-Kona. Der Rostocker Andreas Raelert überraschte als Zweiter.

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ndPlusBirgit Reichert, Trier

Gut vorbereitet in den Tod

Ihren Grabstein hat sie bereits ausgesucht. «Er ist aus Marmor in einem warmen Braun», sagt die 90-Jährige. Als Urne hat sie ein Kupfermodell mit betenden Händen ausgewählt. Ihre 92 Jahre alte Schwester hat sich für eine Urne mit abgebildeten Flammen entschieden. «Wir wollen zusammen in ein Grab», sagen die Schwestern, die gerade ihre Bestattung planen. Auch an den Blumenschmuck und das Lokal für ...

Meike Stolp

Als der Kalte Krieg ins Weltall kam

Juri Gagarin statt Neil Armstrong: Eine Sonderausstellung im Londoner »Science Museum« zeigt Exponate zur Raumfahrt und bietet eine imposante Zeitreise in den Kampf ums All aus sowjetischer Sicht. Von Meike Stolp, London Der Weltraum, unendliche Weiten - doch es sind nicht die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, die im »Science Museum« in London noch bis zum 13. März 2016...