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Blogger Badawi im Hungerstreik

Kairo. Der inhaftierte saudische Blogger Raif Badawi ist nach Angaben seiner Ehefrau in einen Hungerstreik getreten. Er habe die Aktion am Dienstag begonnen, nachdem er in ein abgelegenes Gefängnis außerhalb der Stadt Dschidda im Westen Saudi-Arabiens verlegt worden sei, sagte Ensaf Haidar der dpa am Freitag. Dies bedeute, das sein Fall abgeschlossen worden sei. »Seine Stockhiebe könnten jederzeit...

Unten links

Womöglich, verehrte Überlebende, wären wir jetzt alle gar nicht mehr da gewesen, und die Erde mit Universum ringsrum auch nicht mehr: Der Weltuntergang, für diesen Herbst mehrfach vorausgesagt, hätte uns alle hinweggerafft. Er ist aber aus bisher ungeklärter Ursache ausgefallen (was er mit dieser oder jener Berliner S-Bahn gemeinsam hat), ebenso wie der Rücktritt von Wolfgang Schäuble, der Dritte ...

Bahnwerk für einen Euro zu verkaufen

Berlin. Das Land Brandenburg prüft den Kauf des bedrohten Bahninstandhaltungswerks Eberswalde. Die Deutsche Bahn (DB) bot der rot-roten Regierung am Freitag die Übernahme für einen Euro zum 1. Januar 2016 an. »Das ist nicht die beste Nachricht, die wir hier mitgebracht haben«, sagte Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) nach einem Spitzengespräch in der DB-Konzernzentrale in Berlin. Man werde ...

Gabriel nicht mal in der SPD beliebt

Berlin. Die SPD hat Sigmar Gabriel bei der Wiederwahl zum Vorsitzenden abgestraft. Der Vizekanzler erreichte bei seiner Wiederwahl am Freitag beim SPD-Bundesparteitag in Berlin nur 74,3 Prozent der Stimmen. Das ist das schlechteste Ergebnis seiner bisher vier Wahlen. 2013 hatte er noch 83,6 Prozent erreicht. »Jetzt ist mit Drei-Viertel-Mehrheit in dieser Partei entschieden, wo es langgeht - und so...

Grit Gernhardt

Schlaflos in Paris

Im Schlussspurt scheinen sich die von Beginn an absehbaren Konfliktlinien beim Weltklimagipfel noch zu verschärfen - und die wichtigsten Fragen bleiben auch nach einer weiteren durchverhandelten Nacht ungeklärt.

Heiße Phase beim Klimagipfel

Berlin. Die Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen in Paris gehen einen Tag in die Verlängerung: Für Samstagmorgen hat Frankreichs Außenminister Laurent Fabius die endgültige Fassung des neuen Klimavertrages angekündigt, an dem in den vergangenen zwei Wochen fieberhaft gearbeitet wurde. Den Planungen zufolge soll der Text am Mittag von den 196 Verhandlungspartnern angenommen werden. In ein...

Fabian Lambeck

Union streitet um Obergrenze für Flüchtlinge

In der CDU wächst der Druck auf Parteichefin Angela Merkel, den Zuzug von Flüchtlingen zu bremsen oder ganz zu unterbinden. Der Streit könnte auch den anstehenden Parteitag überschatten.

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ndPlusAndreas Fritsche

Zum Privatisieren verstaatlichen

Statt es für einen sechsstelligen Betrag an einen privaten Investor zu verkaufen, will die Deutsche Bahn (DB) das Instandhaltungswerk Eberswalde für einen symbolischen Euro an das Land Brandenburg abstoßen. Das kann es ja dann weitergeben. Dieser Umweg - einen derzeit quasi bundeseigenen Betrieb erst komplett zu verstaatlichen und dann zu privatisieren - ist ein durchsichtiges Manöver. LINKE und G...

Aert van Riel

Warnung für Gabriel

Bei der SPD hat man zuweilen den Eindruck, als würde es sich um zwei Parteien in einer handeln - beim Berliner Bundesparteitag sind nun Vertreter dieser beiden Flügel heftig aneinandergeraten.

Klaus Joachim Herrmann

Zurückgetreten

Mit Präsident Poroschenko hätte der Abgeordnete Oleg Barna im Kiewer Parlament mehr Mühe gehabt. Doch der ukrainische Premier Jazenjuk ist von weit schmächtigerer Gestalt und gehört ja auch nicht der eigenen Partei »Blok Poroschenk«, sondern der verbündeten »Volksfront« an. So ließ er sich in der Werchowna Rada flott vom Rednerpult wegtragen. Weil der Premierminister nicht selbst zurücktreten woll...

Velten Schäfer

Der Diskrete

Über Gerhard Conrad ist nicht viel bekannt - außer der Möglichkeit, dass er gar nicht so heißt. Der Mann ist ein Topagent des Bundesnachrichtendienstes und führt eine Existenz im Konjunktiv. Nun soll er als neuer Koordinator des »Intelligence Analysis and Situation Centre« (INTCEN) gewissermaßen oberster Geheimer der Europäischen Union werden. Dies ist keine leichte Aufgabe. Denn die seit 199...

ndPlusMartin Leidenfrost

Die schlimmsten Fahrer

Die letzten Jahre fahre ich viel mit dem Wagen, zwischen Atlantik und Schwarzem Meer, auf dem Zentralrumpf unserer vielgliedrigen asiatischen Halbinsel. Überall höre ich Behauptungen darüber, wo die schlimmsten Autofahrer zu Hause wären.

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Le Pens Durchmarsch

Nesawissimaja, Russland Rechtsradikale Systempartei Die Franzosen rebellieren gegen die Elite. In der ersten Runde der Regionalwahlen haben rund 30 Prozent der Wähler für die ultrarechte Front National gestimmt. Die Kandidaten der Partei von Marine Le Pen haben die Konservativen und die Sozialisten überholt und in 6 von 13 Regionen die meisten Stimmen gewonnen. Marine Le Pen hat die Fron...

Ein hippokratischer Eid für Programmierer

R2G: Das Kürzel steht für Rot-Rot-Grün. Auf Bundesebene gibt es Gespräche seit einigen Jahren, auch gemeinsame Papiere liegen vor. Doch auf Bundesebene ist die Umsetzung gemeinsamer Positionen in weite Ferne gerückt.

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ndPlusAert van Riel

Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Für Sigmar Gabriel ist der Berliner Bundesparteitag nicht sonderlich erfreulich verlaufen. Bei seiner Wiederwahl erhält der SPD-Chef so wenige Stimmen wie nie zuvor.

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Randale bei der Ankunft

Gelebtes Anti-Willkommen: Zwei Zwischenfälle in Sachsen veranschaulichen einmal mehr den offenbar weit verbreiteten Hass auf Flüchtlinge in dem Freistaat.

Hendrik Lasch, Dresden

»Erstmals geht es nicht um Abwanderung«

Politiker der LINKEN in Sachsen haben sich ein Bild vom Umgang mit Zuwanderung im Freistaat verschafft - und appellieren, diese als Chance zu begreifen.

ndPlusRobert D. Meyer

Kein Kiez für Nazis

Der alternative Leipziger Stadtteil Connewitz will den rechtsradikalen Gruppen nicht die Straße überlassen. Linke Gruppen und zahlreiche Einrichtungen haben insgesamt acht Gegendemos angemeldet.

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Bujumbura von Explosionen erschüttert

Bujumbura. Mehrere Explosionen und stundenlang andauerndes Gewehrfeuer haben das Leben im Zentrum von Burundis Hauptstadt Bujumbura praktisch zum Stillstand gebracht. Viele Menschen wagten sich am Freitag nicht zur Arbeit und blieben in ihren Häusern, viele Schulen blieben geschlossen. Es handelte sich um den schlimmsten Gewaltausbruch in Bujumbura seit Beginn der politischen Krise in dem ostafrik...

Oliver Eberhardt, Jerusalem

Minischritt auf dem Weg aus dem Mittelalter

Saudi-Arabien wählt an diesem Samstag Kommunalparlamente; erstmals dürfen Frauen teilnehmen. Selbst dieser kleine Fortschritt gilt vielen in Königshaus und Klerus als »moralisches Übel«.

Ralf Klingsieck, Paris

Endspurt an der Urne

Nach dem beispiellosen Erfolg der Front National, die beim ersten Durchgang der Regionalwahl in 6 von 13 Regionen die meisten Stimmen bekam, ist am Sonntag beim zweiten Wahlgang fast alles offen.

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Putin: »Mit aller Härte« in Syrien

Moskau. Russlands Staatschef Wladimir Putin hat den russischen Truppen in Syrien befohlen, fest entschlossen auf jegliche Bedrohungen zu reagieren. »Ich ordne an, mit aller Härte zu handeln«, sagte Putin am Freitag im russischen Fernsehen. »Sämtliche Ziele, die russische Einheiten oder Infrastruktur bedrohen, sollen umgehend zerstört werden.« Putin äußerte sich zwei Wochen nach dem Abschuss eines ...

Malte Daniljuk und 
Jonas Holldack, Caracas

Nach dem bösen Erwachen

In der Woche nach der Wahlniederlage erkennt die chavistische Bewegung langsam das ganze Ausmaß der politischen Katastrophe. Die Linke verlor am Sonntag in fast allen Regionen Stimmen.

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Protest gegen Regenwaldabholzung

Berlin. Vor dem Ende des UN-Klimagipfels in Paris warnen Umweltpolitiker aller Bundestagsparteien Brasilien vor einer Ausweitung der Regenwaldabholzung. Es stelle sich die Frage, »ob die geplanten Gesetzesänderungen mit der bislang erfolgreichen Zusammenarbeit der Bundesrepublik mit Brasilien zum Erhalt tropischen Regenwalds in Form von Naturschutzgebieten und Indigenen-Territorien in Einklang ste...

Fabian Lambeck

Vorteil für Fernbusse

Erstmals diskutierte am Donnerstag ein Fernbus-Unternehmer mit der Bahnlobby. Dabei kamen überraschende Fakten zu Tage.

»Es ist eine Risiko-Risiko-Abwägung«

Reimund Schwarze ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Klimaexperte in der Abteilung Ökonomie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig. Seine Forschungsschwerpunkte sind ökonomische und juristische Untersuchungen zur Klimapolitik. Über 1,5- und 2-Grad-Ziele und die grundsätzlichen Schwierigkeiten einer Begrenzung der Erderwärmung sprachen mit ihm Verena Kern und Benjamin von Brackel.

Marcus Meier

Antwort auf Energiewende gefunden

Die Aufspaltung des Energieriesen RWE ist beschlossen, am Freitag stimmte der Aufsichtsrat zu. Bei der Beschäftigungssicherung haben Vorstand und Gewerkschaften offenbar aneinander vorbei geredet.

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Ausgezeichnet

Die tatarische Schriftstellerin Gusel Jachina ist für ihr Romandebüt »Suleika öffnet die Augen« mit dem wichtigsten russischen Buchpreis ausgezeichnet worden. Sie erhielt den Hauptpreis des Wettbewerbs Bolschaja Kniga (Großes Buch). Jachinas Roman erzählt vom Schicksal einer tatarischen Bäuerin in der sibirischen Verbannung. dpa/nd...

Martin Hatzius

Reim auf die Woche

Doch, es hat sie sehr verdrossen, Und sie brauchte ein Glas Sekt, Schleunigst in ein Glas gegossen, War da wieder wer verreckt. Mannestreue Frauen neigen Selbst im Zustand höchster Wut, Nun einmal zum Stilleschweigen, Wenn der Liebste Unrecht tut. Und sie fütterte die Glatzen Und wenn sie gestaubsaugt hatt’, Streichelte sie sanft die Katzen, Und sie zog das Tischtuch glatt. ...

Suhrkamp mit neuem Chef

Der Suhrkamp Verlag hat einen endgültigen Schlussstrich unter seinen jahrelangen internen Machtkampf gezogen. Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz zog sich ein halbes Jahr nach dem Tod ihres Widersachers Hans Barlach am Donnerstag wie geplant aus dem operativen Geschäft zurück und wechselte an die Spitze des Aufsichtsrats. Neuer alleiniger Vorstandschef des Traditionshauses wird der bisherige Gesch...

Ver-rückte Phantasien und Sehnsüchte

Es war kurz nach den wendebewegten Zeiten vor 25 Jahren. Wir jungen, kaum 25-jährigen Westlinken fuhren gen Osten, um nachzuholen, was wir 40 Jahre lang versäumt hatten: einmal von dem sagenumwobenen DDR-Ampelmännchen über die Straße geleitet zu werden. Meldungen hatten die Runde gemacht, dass das Männchen, das bei der Grünphase zu sehen war, an einen im Stechschritt Marschierenden erinnere. Das h...

ndPlusGuido Speckmann

Auf der Suche nach Zukunft und Sinn

Er war der Star der Literaturjahres. Karl Ove Knausgårds radikal-autobiografischen Bücher sind in 30 Sprachen übersetzt. Doch ist sein Erfolg nur Ausdruck unserer neuen Biedermeier-Epoche? Und ist das überhaupt Literatur?

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Thomas Grossman

Texte wie Rettungsseile

John Trudell war ein engagierter junger Indianer - sein Vater ein Santee-Dakota und seine Mutter Indianerin aus Mexiko -, als er 1969 mit anderen amerikanischen Ureinwohnern die berüchtigte Gefängnisinsel Alcatraz vor San Francisco besetzte. 19 Monate lang beanspruchten die »Indianer aller Stämme« die Insel. Trudell wurde ihr Sprecher und führte auch ihre Sendung »Radio Free Alcatraz«. Dann, im Fe...

ndPlusRoberto Becker

Das Kanzleramt: ein Nobelsanatorium

Sie wollen etwas und kriegen es nicht hin. Irgendwie fehlt was. Also widmen sie sich mit Hingabe ihren Macken und Vorlieben und der Pflege der Klischees vom jeweils Anderen. Das klingt nach dem »Projekt Europa« und seinem gegenwärtigen Zustand. Das klingt aber auch nach Rossinis »Reise nach Reims« von 1825. Da will eine illustre Gesellschaft zur Krönung von Karl X., bleibt aber im Gasthof zur »Gol...

Jürgen Amendt

Fremdling

Seit 1977 kürt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) jährlich das Wort des Jahres. 1979 fiel die Wahl auf den Begriff «Holocaust». Das war insofern bemerkenswert, als bis dahin kein Wort im Deutschen existierte, das den von Deutschen begangenen industriell betriebenen Massenmord an den europäischen Juden prägnant beschreiben konnte. Erst nach der Ausstrahlung der US-Fernsehsendung «Holocaus...

ndPlusHorst Nalewski

Hoffnung aus einer Niederlage?

Man stelle sich vor: Die Verleihung des Kleist-Preises 1928 steht an. Zuvor hatten ihn Brecht, Döblin, Frank, Zuckmayer und Zweig erhalten. Dem Komitee, das eine Entscheidung herbeizuführen hat, steht in jenem Jahr der Schriftsteller Hans Henny Jahnn vor. Er hat zu wählen unter 800 Manuskripteinsendungen - und entscheidet sich für die Erzählung der in diesem Moment noch ganz unbekannten Anna Seghe...

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Siege für Schempp und Hildebrand

Nach dem ersten Dreifach-Triumph seit fast fünf Jahren freuten sich die deutschen Biathletinnen auf den Sieges-Champagner. »Im Teamhotel trinken wir ein Schlückchen«, kündigte Franziska Hildebrand in Hochfilzen am Freitag nach ihrem ersten Weltcupsieg an. »Das ist wie ein Traum, ich kann es noch nicht glauben.« Die 28-Jährige aus Clausthal-Zellerfeld kam wie ihre Teamkolleginnen Maren Hammerschmid...

Das größte Potenzial seit 15 Jahren

Ist es schön, wieder in Berlin zu sein?Eigentlich ja. Ich komme gern in die Stadt zurück, nachdem ich in der vergangenen Saison im Team der BR Volleys stand. Auch das Spiel heute Abend war gut, auch wenn am Ende nicht mehr alles geklappt hat. Wir haben mit dem großen Favoriten lange mithalten können.Was fehlte zum Sieg?Mein Angriff war nicht so gut wie sonst. Das liegt aber auch an der starken Ver...

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ndPlusAlexander Ludewig

Rostock spielt um seine Zukunft

Zum Leben zu wenig, zum Sterben noch zu viel: Machtkämpfe und Misswirtschaft haben Hansa Rostock schon öfter an den Rand des Ruins gebracht. Auch jetzt muss der Klub wieder um seine Zukunft kämpfen.

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Volksbegehren für Radverkehr

Fahrrad-Fans wollen in Berlin ein Volksbegehren für besseren Radverkehr starten. Unter anderem fordern sie 200 Kilometer Fahrradstraßen und breite, asphaltierte Radwege an allen Hauptstraßen. Die 50 gefährlichsten Kreuzungen sollen entschärft werden und 200 000 neue, sichere Fahrrad-Parkplätze entstehen. Die Initiatoren wünschen sich auch »grüne Welle« bei Tempo 20 an mindestens 50 Straßenabschnit...

»Menschen Museum« ist Leichenschau

Eine herbe Niederlage für die Macher des »Menschen Museums«. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg entschied im Rechtsstreit zwischen der Plastinatenschau und dem Bezirk Mitte gegen die Ausstellung von toten Menschen. Der 12. Senat wies die Klage der Betreiberin des »Menschen Museums« ab, dass sie für die »Ausstellung plastinierter Exponate menschlicher Körper keiner Genehmigung bedürfe«. ...

ndPlusNicolas Šustr

Wowereits neue Bescheidenheit

Nein, einsame Entscheidungen habe er nie getroffen, sagte Klaus Wowereit (SPD) am Freitag vor dem Untersuchungsausschuss zur Staatsoper. Ihm sei auch nicht erinnerlich, dass es Alarmglocken gegeben hätte. Andererseits habe er Verständnis gehabt für die große Skepsis, die ihm die Verwaltung in Terminfragen entgegenbrachte. Vergesslichkeit scheint eine klassische Nebenwirkung von Untersuchungsa...

Bernd Kammer

Märchen statt Oper

Der Zeitplan aus den Fugen, die Kosten explodiert: Im Untersuchungsausschuss Staatsoper konnte Klaus Wowereit auch nach einer dreistündigen Befragung wenig Erhellendes zu den Gründen beitragen.

Martin Kröger

LAGeSo: Gibt es für Geflüchtete 
eine Todesschlange?

Eine Bundesregelung führt dazu, dass es täglich offenbar rund 800 Vorsprachen im Landesamtes für Gesundheit und Soziales in der Turmstraße in Berlin-Moabit gibt. Nur 200 Menschen können tatsächlich bearbeitet werden.

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Jérôme Lombard

Wohlfühlinsel versus Finanzamt

Flüchtlingswohnungen, Künstlerräume und Sozialmieter: Das alles soll nach dem Wunsch eines Bündnisses am Alexanderplatz möglich werden. Ob der Senat da mitspielt, ist allerdings noch fraglich.

Andreas Fritsche

Durch Untiefen navigiert

Der Parteichef, drei seiner vier Stellvertreter, die Landesgeschäftsführerin und der Schatzmeister sollen im März in ihren Ämtern bestätigt werden - so der Plan des Vorsitzenden Christian Görke.

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Bankencity, etwas abgehoben

Frankfurt am Main. Hochhäuser in Frankfurt am Main, fotografiert hinweg über die spiegelnde Oberfläche eines Schreibtisches in einem Bürohochhaus. Im Mittelalter gehörte Frankfurt mit rund 10 000 Einwohnern noch zu den mittelgroßen deutschen Städten, erst etwa ab 1880 war es unter den größten zehn. Derzeit leben mehr als 717 000 Menschen in der hessischen Bankenmetropole, nach im Juni 2015 veröffe...

Gute Nachricht in Sachen Winterurlaub

München. In den Wintermonaten sollen Bayerns Autobahnen weitgehend zu baustellenfreien Zonen werden. Die meisten Brücken- und Fahrbahnarbeiten seien bereits in der Vorwoche abgeschlossen worden, andere Baustellen würden noch in dieser Woche abgebaut, berichteten die beiden Autobahndirektionen im Freistaat auf dpa-Anfrage. Der weihnachtliche Urlauberverkehr werde daher kaum noch von verengten Fahrs...

Schwarz-Rot korrigiert sich

Die Wahlperiode in Sachsen-Anhalt endet im März, doch die mittelfristige Finanzplanung geht weit in die Zukunft. Bis 2025 soll demnach die Zahl der Beschäftigten im öffentlichen Dienst weiter sinken.

Hendrik Lasch, Dresden

Noch alte Tassen im Schrank

Auf dem Striezelmarkt in Dresden gibt es dieses Jahr neue Tassen. Die alten sollten entsorgt werden - 10 000 Stück. In der Stadt regte sich Entrüstung. Nun dürfen die Tassen wohl doch weiter genutzt werden.

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Geflüchtete als Museumsführer

In Berlin werden Flüchtlinge jetzt zu Museumsführern ausgebildet. Das Pilotprojekt »Multaka: Treffpunkt Museum« startet mit 19 Flüchtlingen aus Syrien und Irak. Sie werden als Museums-Guides fortgebildet, um Landsleute in ihrer Muttersprache durch das Pergamonmuseum, das Bode-Museum und das Deutsche Historische Museum führen zu können, wie die Staatlichen Museen zu Berlin und das Deutsche Historis...

Rastlose Rentner

Erfurt. Immer mehr Senioren gehen in Thüringen einer stundenweisen Beschäftigung nach. Die Zahl der über 65-Jährigen, die sich zur Rente etwas hinzuverdienen, ist seit 2007 um fast 29 Prozent auf inzwischen knapp 22 000 gestiegen. Das geht aus einer Antwort des Sozialministeriums auf eine Anfrage der LINKEN aus dem Landtag hervor. Besonders stark sei der Anstieg der geringfügigen Beschäftigung bei...

Berlinale: erste Filme bekannt

Filme mit Stars wie Daniel Brühl, Nicole Kidman und Colin Firth gehen ins Rennen um den Goldenen Bären der 66. Berlinale. Die Internationalen Filmfestspiele Berlin (11. bis 21. Februar 2016) gaben am Freitag die ersten fünf Filme für den offiziellen Wettbewerb bekannt. Dazu gehört auch das mit Emma Thompson, Brendan Gleeson und Daniel Brühl verfilmte Drama »Jeder stirbt für sich allein«. Grundlage...

ndPlusGuido Speckmann

1000 Kilometer Potemkinsche Kulisse

Wie kann man 1978 durch Kambodscha reisen und nichts von dem Massensterben mitbekommen? Das ist die zentrale Frage der literarischen Reportage von Peter Fröberg Idling. „Pol Pots Lächeln“ wird jetzt am Theaerdiscounter inszeniert.

Sebastian Haak, Erfurt

Thüringen verliert seine Studenten

Im laufenden Wintersemester sind weniger Studenten an Thüringer Hochschulen eingeschrieben als im Wintersemester 2014/2015. Insgesamt seien nach einer ersten Zählung mit Beginn des Wintersemesters 2015/2016 genau 50 167 junge Menschen an den Universität und Fachhochschulen des Landes eingeschrieben gewesen, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Damit sei die Zahl der Studenten binnen...

ndPlusJürgen Drewes, Rostock

Wildschweine bedrohen Deiche

Wildschweine breiten sich auch in Mecklenburg-Vorpommern immer weiter aus, auch in sensiblen Breichen. In Rostock wurden die Tiere mit Sendern bestückt und beobachtet - um sie gezielt zu jagen.

ndPlusJan-Nikolas Picker, Mainz

Unterwegs auf virtuellen Schienen

Lokführer können sich beim Fahren zurücklehnen? Von wegen. Im Fahrerraum ist einiges los, höchste Konzentration wird verlangt. Das zeigt sich auch im Übungssimulator. Einer steht in Mainz.

ndPlusStefan Amzoll

Rückkehr in die Heiligkeit

Mozarts Requiem ist schon allerlei angetan worden. Zahllose Tanzversionen kursieren, Filmwerke haben es zerpflückt. Selbst die Werbeindustrie profitiert vom Dunkel des »Rex tremendae« oder der aufsteigenden Süße des »Lacrimosa«. Nun eine weitere Version, die den Hauptteil des hier in Rede stehenden Konzerts ausmachte. Eine sehr ambitionierte, erstrangig musizierte, gleichwohl widersprüchliche Vers...

Alexander Isele

Mod-Punk im Maßanzug

Die dänische Mod-Band »The Movement« hat es sich zum Ziel gesetzt, ihre Hörer zum Widerstand zu ermutigen. 2002 von Lukas Sherfey gegründet, ist ihr Anspruch, »ein sauberes Leben unter schwierigen Umständen« zu führen.

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Die Geschenke der Koalitionäre

Als hätten nicht auch ganz große Koalitionäre in den letzten Tagen vor Weihnachten genug mit den Vorbereitungen der Bescherung zu tun, denken sie an uns alle und halten auch Überraschungen für ihre Wähler bereit.

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Fußfessel mit Nebenwirkungen
Stefan Otto

Fußfessel mit Nebenwirkungen

Elektronische Fußfesseln machen entlassene Straftäter zu ihrem eigenen Gefängniswärter. Als Überwachungsmittel hat sie unübersehbare Schwächen. Das Bundesverfassungsgericht könnte den Einsatz der Fesseln begrenzen.

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Nachruf

Als »Jule« Feicht auf die 90 zuging, sagte er von sich, dass er besser schwimmen als laufen könne. Kein Wunder in diesem Alter! Ja, das Schwimmen, es war sein Leben. Der gebürtige Berliner - in den Nachkriegsjahren einer der Wegbereiter beim Aufbau einer demokratischen Sportbewegung - gehörte zu den Pionieren des Schwimmsports in der DDR. Er war Leiter der Sparte Schwimmen im Deutschen Sportaussch...

Nachruf

»Vor allem zwei Dinge bereiten mir schlaflose Nächte«, sagte Yossi Sarid voriges Jahr im Gespräch mit Lesern der linkliberalen israelischen Tageszeitung »Haaretz«: »Die Besetzung der Westbank und die Ungleichheit in der Gesellschaft. Beide bedrohen die Existenz (des Staates Israel), nicht nur seine Qualität.« Solche Stimmen sind seltener geworden in der israelischen Politik und hierzulande hört ma...

Gabriele Oertel

Selbsternannter Weltretter

Die letzte »normale« Woche liegt hinter Hans-Werner Sinn. Am kommenden Montag geht für den 67-Jährigen das - wenn auch bis in den März 2016 andauernde - große Winkewinke los: mit einer Abschiedsvorlesung an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Der Präsident des renommierten ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung Prof. Dr. Dr. h.c. mult. wolle einen Rückblick »auf die ihm besonders in Erinn...

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Ingar Solty

Hui Buh und der Kommunismus

Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Kommunismus«, so beginnt einer der berühmtesten Texte der Welt: das Kommunistische Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels.

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ndPlusChristian Baron

Das Gefängnis 
im Kopf

Michel Foucault betrachtet das Gefängnis als Schwelle zur Modernität. Mit ihm sei der 
Übergang eingeleitet worden zu einer Strafform, die den Tagesablauf des Delinquenten einer kleinlichen Disziplin unterwirft.

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Im kritischen Zustand

In seinem aktuellen Buch »Der wunde Punkt. Vom Unbehagen an der Kritik« (Suhrkamp) diagnostiziert der Radiomoderator Thomas Edlinger, dass die Kritik in eine Sackgasse geraten ist. Mit ihm sprach Jonas Engelmann.

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Naives Hoffen auf die Stiftungen

Wissenschaftler, die nach vielen Jahren Studium und Forschung am Monatsende mit einem Gehalt nach Hause gehen, das vielfach kaum über dem Existenzminimum liegt; Promovierende, die auf Halbtagsstellen Vollzeit arbeiten und oftmals die Arbeit ihrer Professoren in der Lehre mit übernehmen müssen; Akademiker, die nach zehn Jahren Tätigkeit immer noch keine Festanstellung haben - das vor acht Jahren er...

ndPlusLena Tietgen

Die Unzufriedenheit bleibt

Am 2. Dezember 2015 befasste sich der Bundesausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung letztmalig mit dem Gesetzentwurf der Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes. (bundestag.de) Erwartungsgemäß wurde dem Entwurf von CDU/CSU und SPD zugestimmt. Dieser enthält einige Änderungen aufgrund der vom Bundesrat vorgebrachten Kritik, nicht aber jene Kritikpunkte, die die Bundestag...

Isidor Grim

Wachsweiches Hochschulgesetz

Neoliberale Meinungsführer betrachten Hochschulen gern als »unvollkommenen Markt«, den es bis zum Äußersten zu deregulieren gilt. Das trifft auch auf die außeruniversitäre Forschung an den Max-Planck-, Leibniz-, Helmholtz- und Fraunhofer-Instituten zu, die ebenfalls öffentlich finanziert sind und ebenfalls einen öffentlichen Auftrag zu erfüllen haben. Der Sektor ist durch und durch marktförmig org...

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ndPlusHellmut Kapfenberger

In Ehren die Pflicht erfüllt?

Vietnam hatte in diesem Jahr mehrfach Grund für feierliches Gedenken und ehrende Erinnerung. Am 30. April vor 40 Jahren marschierten Befreiungsstreitkräfte kampflos in Saigon ein. Die USA erinnerten ausgiebig.

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ndPlusReimar Paul

Das Ende der Salzlinie?

Eine neue Studie aus den USA könnte auch bei uns die Debatte über die Endlagerung radioaktiver Abfälle befeuern. Denn der Untersuchung zufolge können in bestimmte geologische Schichten aus Steinsalz entgegen der vorherrschenden Meinung Flüssigkeiten und Gase fließen. Atommüll, der möglicherweise in Salzstöcken eingelagert werden soll, darf aber keinesfalls mit Wasser in Verbindung kommen. Die...

Martin Koch

Streit um ein Bakterium

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein gehörte sie zu den am meisten gefürchteten Infektionskrankheiten in Europa: die Syphilis, im Volksmund auch »Lustseuche« genannt. Denn der Erreger, das Bakterium »Treponema pallidum« aus der Familie der Spirochäten, wird hauptsächlich bei sexuellen Handlungen übertragen. Prinzipiell kann jedoch jede Art von Schleimhautkontakt zu einer Ansteckung führen, also auc...

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Kurze Waldgeschichte des Schwarzwaldes

Seit dem Ende des sogenannten Würm-Glazials, der jüngsten Kaltzeit, vor etwa 10 000 Jahren ist der Schwarzwald von Wald bedeckt, davor war das Gebirge unbewaldet, der hohe Schwarzwald sogar bis in die Täler hinab vergletschert. Heute ist das 3650 Quadratkilometer große Mittelgebirge zu etwa drei Vierteln bewaldet. Die Wiederbewaldung nach der Würm-Kaltzeit setzte zunächst vor allem mit der Ki...

Die Nordmanntanne dominiert - nicht im Wald, aber zu Weihnachten

Von den zu Weihnachten 2014 insgesamt nachgefragten rund 24 Millionen Christbäumen in deutschen Haushalten entfielen 73 Prozent auf die Nordmanntanne, 10 Prozent auf die Blaufichte, 8 Prozent auf die Rotfichte sowie je 2 Prozent auf die Edeltanne und die Waldkiefer. Das ergab im Januar 2015 eine repräsentative Verbraucherbefragung im Auftrag des Bundesverbandes der Weihnachtsbaum- und Schnittgrüne...

ndPlusWalter Schmidt

O je, Tannenbaum!

Noch immer wird es zu Weihnachten gern gesungen, das Lied vom Tannenbaum. Und mit der aus dem Kaukasus stammenden Nordmanntanne (Abies nordmanniana), benannt nach dem finnischen Biologen Alexander von Nordmann (1803-1866), stehen heute ja tatsächlich in fast drei von vier Fällen Tannen in deutschen Stuben - nur halt nicht die heimische Weißtanne (Abies alba). Offenbar geht das seit 1824 übliche Li...

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gra

Euler, Garns und »Nikoli«

Sudoku begeistert weltweit die Rätselfreunde, seitdem die japanische Zeitschrift »Nikoli« entsprechende Zahlenpuzzles Mitte der 1980er Jahre zu veröffentlichen begann. Sie erschienen unter der Überschrift »Suji wa dokushin ni kagiru«, übersetzt etwa: »Isolieren Sie die Zahlen; die Zahlen dürfen nur einmal vorkommen«. Damit ist das Prinzip beschrieben, das heute zumindest mit dem Gitternetz von 9 m...

Denkspiellösung »Logik an, aus«

Am 28./29.11. (»Wo Logik aussetzt und wo nicht«) ging es darum, Punkteverteilung und Spielverlauf von fünf Teilnehmern eines Federballturniers zu rekonstruieren. Alle Einsendungen waren richtig, sie lagen aber insgesamt bei etwa nur der Hälfte des übliche Schnitts von rund 45. Einigkeit gab es bei der Punkteverteilung: 1. Anja (A) 3, 2. Bert (B) 2,5, 3. Chris (C) 2, 4. Doreen (D) 1,5, 5. Elia...

Mike Mlynar

Die vertauschte Sechs

Wort und Zahl bilden die Mosaiksteine unseres Denkens. Mit ihnen beschreiben wir uns und die Welt; zumindest versuchen wir das immer wieder. Beide haben dabei ihre ganz spezifischen Vorzüge. Dass Worte nur Schall und Rauch seien, stimmt ebenso wenig, wie die Behauptung, dass Zahlen nie lügen würden. Dem Wort einerseits, der Zahl andererseits das erkenntnistheoretische Primat einzuräumen, ist ...

Per Kajak fit fürs Turnier

Was reizt Sie, mit Zahlen zu spielen? Vordergründig wird Sudoku von Zahlen geprägt. Aber eigentlich könnte man die Ziffern auch durch andere Symbole ersetzen; das hätte keinerlei Auswirkungen auf die innere Logik dieser Rätsel. Beim Sudoku sind es aber eben Zahlen... Ich mag herumknobeln und mich in die spezielle Mechanik des jeweiligen Problems reinfuchsen. Und wenn Sie das Di...

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ndPlusStephan Brünjes

Fluchen, hupen,(ver)kuppeln

Wohl in keiner anderen Weltstadt prägen Taxis das Stadtbild so prominent wie in New York - vor allem durch ihre Einheitsfarbe. Sie ist Standard seit genau 100 Jahren, eingeführt von John Hertz.

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Infos

Eine 15-tägige Rundreise nach Bots᠆wana, Namibia und Sambia bietet skr Reisen an. www.skr.de Beste Reisezeit: Vom April bis zum Oktober ist im Okawango-Delta normalerweise Trockenzeit und man kann besonders viele Wildtiere an den Flussläufen und an den Wasserlöchern antreffen. Impfungen: Die Malariagefahr ist gering, das Auswärtige Amt empfiehlt, Standardimpf...

Michael Juhran

Nur Elefanten riechen Wasser

Goldgelb sendet die Sonne ihre letzten warmen Strahlen über die karge Savannenlandschaft der Kalahari. Das Rotbraun, Gelb, Grau und Ocker trockener Pflanzen auf staubigem Boden dominiert die Flora, die auf das Einsetzen der Regenzeit wartet. Hier, in dieser scheinbar lebensfeindlichen Umgebung trifft man auf die Nachkommen der Urbevölkerung des südlichen Afrikas: die San. Einige von ihnen begleite...

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Alexander Isele

Süchtig nach Pornos

Drei Sekunden hat K. Zeit, wieder wegzuschauen, sollte er irgendwo ein Bild oder Film mit nackter Haut entdecken. Drei Sekunden sind ok, länger nicht. K. ist in einer Selbsthilfegruppe für Sex- und Pornosüchtige. Für sich selbst hat er definiert, dass das Betrachten von nackten Menschen für länger als drei Sekunden Konsum von Pornografie bedeutet. Ganz schön schwierig, wo Nacktheit doch allgegenwä...