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Unten links

Pünktlich zum Fest ist es Forschern des Münchener Max-Planck-Instituts für Erogene Physik gelungen, erstmals den weihnachtlichen G-Punkt aufzuspüren, zu isolieren und sichtbar zu machen. »nd« ist in der glücklichen Lage, als erste Zeitung weltweit das Ergebnis präsentieren zu dürfen und den Leserinnen und Lesern damit zu einem perfekten Heiligabend zu verhelfen: . Wenn Sie ...

Wieder Todesopfer in der Ägäis

Athen. Beim Untergang eines weiteren überfüllten Flüchtlingsbootes vor einer griechischen Ägäis-Insel sind mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen. 15 weitere Insassen des Bootes, das in der Nacht zum Mittwoch vor der Insel Farmakonisi kenterte, wurden nach Angaben der griechischen Hafenpolizei gerettet. Die Organisation Pro Asyl verwies am Mittwoch unter Berufung auf Zahlen des Flüchtlings...

Paris besiegelt Ausnahmezustand

Paris. Die französische Regierung hat eine Reform auf den Weg gebracht, um den Ausnahmezustand in der Verfassung zu verankern. Das Vorhaben sei am Mittwoch im Kabinett beschlossen worden, sagte Premierminister Manuel Valls am Mittwoch. Damit die Verfassungsänderung in Kraft tritt, muss sie nun noch von der Nationalversammlung und dem Senat verabschiedet werden. Staatschef François Hollande ha...

Neuer Streit über Gesundheitskosten

Berlin. Die steigenden Krankenkassenbeiträge haben den Streit über die Finanzierung des Gesundheitswesens angeheizt. Während Gewerkschaften und der Arbeitnehmerflügel der CDU auf die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der Krankenkassen pochen, stellen die Unternehmen die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall aus ihrer Tasche infrage. »Wenn die Politik die paritätische Finanzierung wieder einführe...

ndPlusJörg Meyer

Ungesund

Gesundheit ist teuer. So teuer, dass mehrere Krankenkassen zum 1. Januar die Zusatzbeiträge erhöhen. Das benötigte Geld holen sich die Kassen alleinig bei den Beschäftigten. Ungerecht? Aber nicht doch! Das sichert Arbeitsplätze, lautete die Argumentation von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), als er 2013 den Arbeitgeberanteil einfror. Doch nun fordern selbst CDU-Politiker die Wiederein...

Das ist doch utopisch!

Berlin. Vor 500 Jahren erfand Thomas Morus die »Utopie«: Er kombinierte 1516 im »U« zwei altgriechische Präfixe: »eu«, das »Gut« und »ou«, das »Nicht« bedeutet. Dies verband er mit dem Wort »Topos«, das »Ort« heißt. U-topie ist also der gute Ort, der (noch) an keiner Stelle existiert. Er ist eine Fantasie der Verbesserung. Für die gesellschaftliche Linke waren Utopien immer auch ein Stoff zum...

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ndPlusStefan Otto

Integration von klein auf

Es war die zweite mahnende Stimme binnen einer Woche: Nachdem die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckhardt auf umfangreiche Investitionen für Kitas drängte, wies nun auch der Städte- und Gemeindebund darauf hin, dass deutlich mehr Betreuungsplätze als vom Bundesinnenministerium angedacht nötig seien, um Flüchtlingskinder aufnehmen zu können. Schätzungen zufolge sind in diesem Jahr m...

ndPlusKurt Stenger

Geht doch, Vattenfall

Und es hat gar nicht wehgetan: Zu Weihnachten hat Vattenfall den Braunkohletagebau Cottbus-Nord endgültig stillgelegt. Wer aber glaubt, dass in der besinnlichen Jahreszeit bei den Stromkonzernen Einsicht in die energie- wie klimapolitischen Notwendigkeiten einkehrt, sieht sich freilich getäuscht: Zehn Tagebaue werden in Deutschland weiter betrieben, davon vier in der Lausitz von Vattenfall. L...

Elsa Koester

Na immerhin

Das Gesetz ist ein nicht zu unterschätzender, quasi revolutionärer Schlag gegen die reaktionäre Herrschaft der Kirche und der Wertkonservativen. Es beendet eine Praxis »der Rückständigkeit und der Schande«.

Fabian Lambeck

Kimperator

Es wird eng für Kim Dotcom. Nach einem fast vier Jahre dauernden Verfahren hat ein neuseeländischer Richter entschieden, dass der Hacker in die USA ausgeliefert werden darf. Gerade das aber will der 1974 in Kiel als Kim Schmitz geborene Internetunternehmer verhindern, drohen ihm dort doch bis zu 20 Jahre Haft. Es geht um Urheberrechtsverletzungen im großen Stil. Und da hört bei den US-Amerikanern ...

Martin Leidenfrost

Bei der Counterpropaganda

Seit die EU eine Task Force zur Abwehr russischer Propaganda gründete, fieberte ich diesem Besuch entgegen. Wenn man ein in Europa vernarrter Russophiler ist, beutelt einen nichts so wie diese Neuauflage des Kalten Krieges.

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Unschuldiges Weiß - künstlich erzeugt

Ein Blick nach Garmisch-Partenkirchen zwei Tage vor Weihnachten: Dem Vernehmen nach soll die Vierschanzentournee zum Jahreswechsel stattfinden wie jedes Jahr. Dabei wird es immer mehr zum Kraftakt, in den heimischen Mittelgebirgen überhaupt noch genügend Schnee zu erzeugen, damit wenigstens die Loipe gleitfähig ist. Die Schneekanonen dürften über die Feiertage auf Hochtouren laufen, während ringsh...

Spaniens Wahl

El País, Spanien Ein bedeutender Wandel Die konservative Volkspartei erringt trotz enormer Verluste einen knappen Sieg, die Sozialisten behaupten sich als zweitstärkste Kraft, erzielen aber ihr schlechtestes Ergebnis in der jüngeren Geschichte. Der Wahlausgang bedeutet keine Revolution, wohl aber einen bedeutenden Wandel. Die Spanier verlangen von den Politikern Verhandlungen und Konsens...

Yasar Aydin

Gute Gründe, mit der Türkei zu verhandeln

In den vergangenen zehn Jahren kamen die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei kaum voran, weil Ankara viele Vorgaben nicht umsetzen wollte. Jetzt will die EU den Prozess vorantreiben. Es wäre eine Chance.

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Nur das Recht setzt dem Dialog Grenzen

Pegida in Dresden polarisiert durch offen rassistische Bekenntnisse. Abseits der montäglichen Demonstrationen setzen sich die Bemühungen um einen Bürgerdialog mit den Dresdnern fort, zuletzt vor einer Woche in der Dresdner Kreuzkirche. Frank Richter, Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung und einer der Moderatoren, ist wegen seines Dialog-Konzepts umstritten. Im Gespräch mit Stefan Kleie zieht er Bilanz.

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Wieder mehr Spätaussiedler registriert

Friedland. Die Zahl der neu in die Bundesrepublik einreisenden deutschstämmigen Aussiedler hat sich im dritten Jahr in Folge erhöht. Im bundesweit einzigen Aufnahmelager Friedland bei Göttingen trafen 2015 nach vorläufigen Zahlen rund 6000 Aussiedler ein. Dies seien noch einige Hundert mehr als im Vorjahr, als 5674 Aussiedler ankamen, sagte der Leiter der Einrichtung, Heinrich Hörnschemeyer. 2013 ...

Marcus Meier

Die Welt ging nicht unter

Am 1. Januar besteht die Regelung zum gesetzlichen Mindestlohn seit einem Jahr. Zu Massenentlassungen führte er nicht. Doch er hat auch wichtige Probleme des Arbeitsmarktes nicht beseitigt.

ndPlusRené Heilig

Erst Rosinen-, dann Atombomber

Die George-Washington-Universität veröffentlichte am Dienstag eine Studie über die atomare Zielplanung der US Air Force in den 50er Jahren. Die US-Regierung hat die Dokumente kürzlich freigegeben.

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Russisches TV: Fälschte das ZDF eine Putin-Doku?

Der Russische Fernsehsender Rossija 1 hat dem ZDF massive Fälschungen in der Dokumentation »Machtmensch Putin« vorgeworfen. Die vergangene Woche ausgestrahlte Sendung sei eine »Schmieren-Komödie«.

ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Bedroht von NATO und Cyberkrieg

Als »Grundsatzdokument für die strategische Planung« bezeichnet Nikolai Patruschew, Koordinator des Nationalen Sicherheitsrates, den Entwurf einer neuen Strategie der nationalen Sicherheit.

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Julian Bartosz,Wroclaw

Polnische Bürgerbewegung gegen Demokratieabbau

Mit zwei großen Demonstration im Dezember in Warschau sowie in 21 polnischen Städten zieht das polnische »Komitee zur Verteidigung der Demokratie« (KOD) zunehmend die Aufmerksamkeit auf sich.

»Die Versöhnung kommt nicht automatisch«

Der kolumbianische Kongressabgeordnete Iván Cepeda vermittelte im Rahmen der Friedensverhandlungen in Havanna zur Opferentschädigung und Übergangsjustiz zwischen FARC-Guerilla und der kolumbianischen Regierung. Über das Ergebnis sprach mit ihm nd-Mitarbeiter 
David Graaff.

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ndPlusMarcus Meier

Tausende Risse im AKW-Behälter

Belgien macht einen Rückzieher vom Atomausstieg. Alte Reaktoren werden trotz erheblicher Sicherheitslücken wieder hochgefahren. Im grenznahen Aachen bereitet man sich schon auf den Ernstfall vor.

Hotelportale beschränken Wettbewerb

Berlin. Das Bundeskartellamt geht gegen einen weiteren Anbieter von Hotelbuchungen im Internet vor: Die Behörde verbot dem Portal Booking.com die sogenannten Bestpreisklauseln, wie sie am Mittwoch in Bonn mitteilte. Bis zum 31. Januar müsse der Betreiber die Klauseln »vollständig« streichen. Diese beschränkten den Wettbewerb, erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Dem Wettbewerber HRS h...

Ralf Klingsieck, Paris

Willkür war rechtskonform

Menschenrechtsaktivisten sind entsetzt wegen der Aushebelung von Grundrechten in Frankreich. Die Regierung will den Ausnahmezustand nun sogar in der Verfassung verankern. Aktivisten ziehen vor den Europäischen Gerichtshof.

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Heidi Diehl

Stern der Hoffnung für die Welt

Christian David hat in seinem Leben schon viele Bäume geschlagen, doch der, den er am 17. Juni 1722 fällt, ist ein ganz besonderer: Für den Zimmermann und die anderen neun Männer, Frauen und Kinder bedeutet er das gute Ende einer langen Flucht aus ihrer mährischen Heimat, wo sie wegen ihres protestantischen Glaubens verfolgt wurden. Dieser Stamm ist der erste für ihr neues Zuhause, das sie auf dem...

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Zuschüsse für Sozialmieter

Berliner Sozialmieter können ab 1. Januar Zuschüsse beantragen. Das regelt das unter dem Druck des Mietenvolksentscheids zustanden gekommene Wohnraumversorgungsgesetz. Grundsätzlich werden nach Antrag Zuschüsse gezahlt, wenn die Nettokaltmiete mehr als 30 Prozent des anrechenbaren Haushaltsgesamteinkommens beträgt. In besonders schlecht gedämmten Gebäuden reduziert sich die Grenze schrittweise auf...

Wohnhilfe für Flüchtlinge

Die vom Bezirksamt Mitte geplante Sozialkommission »Wohnbegleitung für Flüchtlinge« wird im Januar ihre Arbeit aufnehmen. Das teilte Sozialstadtrat Stephan von Dassel (Grüne) mit.Ehrenamtliche sollen dabei Flüchtlinge bei Wohnungssuche und -besichtigung und dem Einzug in die neue Wohnung unterstützen. Darüber hinaus geht es auch um die Hilfe bei der Anmeldung von Strom- und Telefonanschluss, der B...

Andreas Fritsche

Asyl im alten Landtag

Den Landtagsabgeordneten war die alte SED-Bezirksleitung auf dem Potsdamer Brauhausberg nicht mehr fein genug. Sie gaben das als Bruchbude oder Kreml bespöttelte Parlament auf, zogen vor zwei Jahren um in ein neu gebautes Landtagsschloss. Schon früh tauchte die Idee auf, den Brauhausberg zum Asylheim umzufunktionieren. Doch da hieß es zunächst abwehrend, das trutzige Gemäuer, das in den Jahren 189...

Petition gegen Turnhallen für Flüchtlinge

Der Berliner Landessportbund (LSB) hat Vertretern des Berliner Senats die problematische Lage des Breitensports in der Flüchtlingskrise bei einem Treffen geschildert. Am späten Montagabend trafen sich im Olympiapark LSB- und rund 150 Vereins-Vertreter mit dem Staatssekretär Andreas Statzkowski (CDU) sowie Harald Bösch-Soleil von der Senatsverwaltung. »Bei dem Treffen ging es um eine Bestandsaufnah...

Sarah Liebigt

Flüchtlingsrat warnt vor Chaos nach Feiertagen

Über die Feiertage werden in Berlin ankommende Flüchtlinge nicht registriert. Initiativen rechnen deswegen mit erneutem Stress nach Weihnachten. Sorge bereite die Unterbringung und medizinische Versorgung während der Feiertage.

ndPlusJosephine Schulz

Weihnachten für Bedürftige

Die Läden zu, die Straßen leer und alles ist so besinnlich. Aber auch in dieser Zeit engagieren sich Freiwillige - manchmal, weil sie selbst einsam sind. An Ehrenamtlichen fehlt es vielen großen Einrichtungen nicht.

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Grüne Weihnacht

Der Weihnachtsmann dürfte ins Schwitzen kommen - und nass werden: Auch über die Feiertage bleibt es in Berlin und Brandenburg mild und vergleichsweise warm. Eine Südwestströmung bringe warme Luft aus Spanien und Portugal in die Region, wie ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Mittwoch sagte. Die Temperaturen steigen demnach bis auf 13 Grad an Heiligabend und den Tagen bis zum 27. ...

Spreepark öffnet bald wieder

Der Spreepark mit seinen verwilderten Kulissen hat einen ganz eigenen morbiden Charme. Bald können Besucher ihn wieder legal erkunden.

nic

Neue Gebiete im Programm Soziale Stadt

Einige Gebiete fallen aus dem Städtebauförderprogramm »Soziale Stadt«, andere werden erweitert und vier neue kommen hinzu. Das hat der Senat am Dienstag bekanntgegeben.Voraussichtlich im zweiten Quartal 2016 nehmen Quartiersmanager ihre Arbeit auf in Hellersdorf rund um den Boulevard Kastanienallee, rund um die Badstraße in Gesundbrunnen, im Umkreis der Reinickendorfer Auguste-Viktoria-Allee sowie...

Tomas Morgenstern

Ausgekohlt

Die Verstromung von Braunkohle ist eine der größten Lasten für das Weltklima, doch in der Lausitz hängen an der Kohlewirtschaft Tausende Arbeitsplätze. Bis 2040 wird das Land noch daran festhalten.

Jeanette Bederke

Klassische Musik im Tausch gegen frische Eier

Luise und Götz Bernau bringen klassische Musik ins Oderbruch. Der einstige erste Konzertmeister der Berliner Symphoniker ist jetzt Kirchenmusiker und Stehgeiger weitab der Großstadt.

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»Ist mein Schreibtisch aufgeräumt?«

Magdeburg. Sachsen-Anhalts Staatskanzlei kann jetzt auch virtuell besucht werden. Im Internet wurden auf dem Landesportal von Sachsen-Anhalt 18 Panoramabilder für eine Rundum-Ansicht von innen und außen zusammengestellt. Bei der Präsentation am Dienstag war Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) dabei, ihn interessierte besonders: »Ist mein Schreibtisch aufgeräumt?« Die Macher gaben Entwarnung: V...

Und plötzlich ist Weihnachten

Dresden. Handschlag zum Abschied: Die 581. Auflage des Dresdner Striezelmarktes geht Heiligabend um 14 Uhr zu Ende. In diesem Jahr hatte der Markt - wie viele andere auch - deutlich weniger Besucher als 2014. Wie die Stadt am Mittwoch mitteilte, kamen seit Eröffnung Ende November 2,2 Millionen Besucher - zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Vor allem das Wetter habe den Organisatoren einen Strich ...

Neues über die Himmelscheibe

Halle. In Sachsen-Anhalt gab es in diesem Jahr etwas weniger archäologische Grabungen als 2014. Insgesamt gab es 475 Grabungen und damit 61 weniger als 2014, sagte der Landesarchäologe Harald Meller der dpa. Das entspreche der normalen Schwankungsbreite. »Wichtig sind die Schwerpunkte, und da war 2015 ein sehr erfolgreiches Grabungsjahr.« Es habe etwa einen großen Schub für die Forschung rund um d...

Wer greift sich Nürnbergs S-Bahnnetz?

Nürnberg. Erstmals soll ein Privatunternehmen ein großes regionales S-Bahn-Netz in Deutschland betreiben. Der bisherige Betreiber DB Regio will das verhindern und hat am Dienstag erneut die Vergabekammer Südbayern eingeschaltet. Beantragt wurde, die Überlassung des Netzes an den privaten Bahn-Konkurrenten National Express (NX) aus Großbritannien nochmals zu überprüfen. Damit soll nach Angaben eine...

Heidrun Böger, Leipzig

Mit Freude aufs Land

70 Prozent der Lehrer, die sich in Sachsen für dieses Schuljahr um eine Anstellung bewarben, wollten in Dresden oder Leipzig arbeiten. Ein Stipendium soll nun mehr Lehrer in ländliche Gegenden bringen.

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Berlinale lädt Geflüchtete ein

Der Chef des Berlinale-Filmfestivals, Dieter Kosslick, hat die Aufnahme von Flüchtlingen als »historische Verpflichtung« Deutschlands bezeichnet. Zugleich kündigte er an, Asylbewerber auf der kommenden Berlinale als Gäste und Mitarbeiter einzuladen. »Dass so viele Menschen zu uns kommen, ist für die deutsche Gesellschaft eine ganz große Chance, unser Verhältnis zu unserer Geschichte aktiv zu überd...

An eine Oma aus Pankow

Liebe Unbekannte,ich weiß nicht einmal Ihren Namen, denn auf dem Adresszettel Ihres wundervollen kleinen Päckchens, das mich am Mittwoch in der Redaktion erreichte, ist als Absender nichts anderes vermerkt als »Eine Oma aus Pankow«. Damit mein Wunsch, Ihnen zu danken, trotzdem nicht unerfüllt bleibt, wähle ich den Weg dieses offenen Briefs - um den Preis, dass Ihre Bescheidenheit nicht unter uns b...

ndPlusDieter Hanisch, Kiel

Ministerstreit um verwaisten Adlerhorst

Bevor sich die schleswig-holsteinische Landespolitik in die Weihnachtsferien verabschiedete, zündete Umweltminister Robert Habeck (Grüne) einen vorsilvesterlichen Böller im Kabinett: Er attackierte Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) harsch und öffentlich. Gegenstand des Streites ist ein verwaister Horst des streng geschützten Seeadlers im Kreis Steinburg an der geplanten Trasse für die Weiterfü...

Thomas Blum

Zwei Bratwürste im Gespräch über die Wirtschaftskrise

»Zwei Bratwürste standen an einem herrlichen Frühlingstag auf und wollten sich über die große Wirtschaftskrise unterhalten. Es ging nicht.« Also unterhalten sich die beiden Bratwürste, die natürlich auch Namen haben - »Marco C.« und »Lisa P.« - , eben über andere Dinge, etwa über das eigentümliche Verhalten der Menschen insgesamt, die oft schreckliche Dinge tun, beispielsweise etwas, das sie »Golf...

ndPlusManuela Lintl

Die Schattenseiten der Seefahrt

Hinter dem titelgebenden sanften Gruß, »Tender Salute«, steckt in Wahrheit ein Koloss des Meeres, ein über 95 000 Tonnen schweres, 234 Meter langes Frachtschiff, das 2010 vom Stapel lief. Seitdem durchkreuzt der unter der Flagge der Marshallinseln registrierte Handelsfrachter die Weltmeere. Dass es das Schiff wirklich gibt, lässt sich schnell auf der Internetseite www.marinetraffic.com überprüfen:...

Christoph Driessen, Köln

Nachts im Bauch des Walfischs

Tagsüber wird der Kölner Dom von vielen tausend Menschen besucht, doch in der Nacht ist er leer. Auch ein Erlebnis: Je dunkler es ist und je weniger man vom Raum sieht, desto besser kann man ihn spüren.

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Teuerster Talmud

Sotheby’s meldet einen Weltrekord für Judaica: Ein fast 400 Jahre alter Talmud ist am Dienstag in New York für 9,3 Millionen Dollar (8,5 Millionen Euro) versteigert worden. Geschätzt war der sogenannte Bomberg-Talmud auf nur etwa sechs Millionen Dollar. Das sei das teuerste Stück Judaica, das je versteigert worden sei, hieß es vom Auktionshaus.Der Bomberg-Talmud ist so etwas wie die Gutenberg-Bibe...

Martin Hatzius

Reim auf die Woche

Und es begibt sich aber zu der Zeit, Dass alle Welt hinfort zieht in die Ferne, Geschätzt zu werden unter gutem Sterne; Gemeint ist hier der Stern der Christenheit. Das Abendland und die Barmherzigkeit, Das heißt: ein Haufen Leute mit Laterne, Der Weihnachtslieder singt, recht unmoderne, Steht allerdings zum Geben nicht bereit. Sofern das Heer von Amazon nicht streikt, Steht er be...

Papst ausgezeichnet

Papst Franziskus erhält für seine ermutigenden Worte über Europa den Karlspreis 2016. Das katholische Kirchenoberhaupt sende in einer Zeit, in der die Europäische Union Krisen durchlebe, eine hoffnungsvolle Botschaft, erklärten das Karlspreisdirektorium und die Stadt Aachen am Mittwoch. Der Papst sei eine »Stimme des Gewissens«, die mahne, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Und die daran ...

Hans-Dieter Schütt

Besondere Requisitte

Der diskrete Charme der Bourgeoisie: Keiner verkörperte ihn so verführerisch wie er. Faszination und Verfall einer egozentrischen Gediegenheit; Lockruf und Lasterlächeln einer saturierten Intelligenz; Adel und Aasgeruch der Freiheit. Die Verwandlungskraft eines wirklichen Stars: Ein eher grober, schlächtiger Typ wird auf der Leinwand zur Attraktion. Wie er sich eine Zigarette anzündete, wie er an ...

ndPlusChristin Odoj

Er ist wieder weg

Gehörsturz als göttliches Zeichen: Nach dem Burnout pilgert Komiker und Entertainer Hape Kerkeling auf dem Jakobsweg, um sich und vielleicht die Offenbarung zu finden. Ein Bestseller 2006, ab Donnerstag im Kino.

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ndPlusIrmtraud Gutschke

Schutzgeister

Rosel sprang aus ihrem Grab, schwebte in die Höhe, und Georg rannte ihr nach. Bei Vollmond, so wusste er, hatte sie eine Menge zu tun - und er würde ihr zu helfen versuchen. Das hatten sie verabredet, als er die dritte Nacht neben ihr geschlafen hatte ... Man kennt Nikolaus Heidelbach vornehmlich durch seine phantasievollen Kinderbuchillustrationen, für die er bereits mehr als ein Dutzend Pre...

Hans-Dieter Schütt

Mach’s wie Gott!

Wie stark würde sich ein Volk verändern müssen, »wenn es sich auf die Lehre von Schuld, Erlösung und ewigem Leben einließe«? Fragt Martin Mosebach. Die Geburt des Kindes in der Krippe, so Mosebach, löste eine »Revolution der Empfindung« aus; es war eine seltsame Geburt, schreibt Michael Krüger, »das Unerhörte, Unwahrscheinliche, ja Skandalöse« dieses Zurweltkommens »bleibt selbst gläubigen Mensche...

Ingolf Bossenz

Letzte Ölung für den Teufel?

Keine Zweifel plagten Arnold Schwarzenegger. »Ich glaube an Gott. Also glaube ich auch an den Teufel«, sagte der Hollywoodstar und spätere Gouverneur von Kalifornien in einem Interview 1999 anlässlich seines Millennium-Thrillers »End of Days«. Ungeachtet solch verblüffend-dialektischer Logik arbeiten sich Theologen seit Jahrhunderten an der Frage ab, warum Gott das Böse zulässt. Die Antworten und ...

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Christian Baron

Sehnsucht und ständige Ungewissheit

Fans und Verantwortliche der »Eisernen« wollten dem politisch bedingten Chaos nicht länger zusehen und selbst helfen. Darum leben nun im Fanhaus von Union in Berlin-Köpenick 114 Geflüchtete.

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Gefahr durch Drohnen

Ganz knapp hinter dem österreichischen Slalomfahrer Marcel Hirscher schlug am Dienstagabend in Madonna di Campiglio eine abgestürzte Drohne in den Schnee. »Eine absolute Frechheit. Man darf gar nicht nachdenken, was da passieren kann!«, sagte er, nachdem er die Bilder von der unmittelbar hinter ihm zerschellten Flugkamera gesehen hatte. Der Ski-Weltverband kündigte eine umfassende Aufklärung an. ...

ndPlusFelix Lill, Tokio

Das große Schenken

Im kaum christlichen Japan ist Weihnachten eines der beliebtesten Feste des Jahres. Freunde und Eltern schenken, was das Zeug hält, abends gibt es Fastfood. Besuch bei einem aufrichtigen Kommerzspektakel.

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Sieben Tage, sieben Nächte

Vom Theologen Paul Tillich stammt der schöne Satz: »Mensch sein heißt Utopien haben.« Thornton Wilder fand, es sei heutzutage »kaum etwas realistischer als Utopien«. Und der Filmkomiker Jerry Lewis sagte einmal, »manches, das am Morgen noch Utopie gewesen ist, ist zu Mittag bereits Science-Fiction und am Abend schon Wirklichkeit.« Also alles gut in Utopia? Eher nicht. Und zugleich auch wieder...

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Und künstliche Intelligenz?

Es ist nicht lange her, da wurde Künstliche Intelligenz für eine unerreichbare Utopie gehalten, selbsttätig denkende Maschinen seien doch eher unerreichbare Zukunftsideen. Das hatte durchaus einen Grund: Bei Forschung und Entwicklung haperte es gewaltig. Davon ist nun keine Rede mehr, 2015 sei das Jahr des Durchbruchs gewesen, befand unlängst das Wirtschaftsmagazin »Bloomberg«. Nicht nur große Int...

ndPlusJürgen Amendt

Getrocknete Pilze und Ameisen

In der FAZ wurde im Sommer dieses Jahres eine für fast 99 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen beunruhigende Frage gestellt: »Dürfen nur Veganer zum Mars reisen?«, lautete die Überschrift eines Artikels, der sich mit den Ernährungsaspekten der modernen Raumfahrt beschäftigte. Taugen also nur die vollständig auf tierische Nahrungsmittel verzichtenden 1,1 Prozent Veganer in Deutschland für d...

ndPlusFlorian Schmid

Neue Utopien? Aber sicher.

Die Utopie hat gerade angesichts der krisenhaften Zuspitzung im kapitalistischen System nach wie vor große Aktualität - ganz im Sinn der globalisierungskritischen Forderung: Eine andere Welt ist möglich.

Florian Schmid

Kampf um den roten Planeten

Hat der Mars als utopische Projektionsfläche ausgedient? Pünktlich zum 500. Jahrestag von Thomas Morus’ frühneuzeitlichem Roman »Utopia« scheint der rote Planet auf dem Weg zu sein, final im kapitalistischen Hier und Jetzt anzukommen. Das legen jedenfalls aktuelle Narrative in Literatur, Film und Medien rund um unseren Nachbarplaneten nahe. Der war lange Zeit Inbegriff des geheimnisvollen, womögli...

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Kutschenfisch und Concorde

Der letzte Schrei der Luftfahrt sah 1890 wie ein Kutschenfisch mit Bohrwerkzeug und Flügeln aus - und machte dabei gewissermaßen eine utopische Figur. Erst ein Jahr später sollte Otto Lilienthal mit dem Derwitzer Gleiter Flugweiten bis zu 25 Meter erreichen, Schwanzflosse am Flieger, Kettenantrieb und adrette Pilotenbekleidung gab es in der Realität noch nicht. Der Traum vom Fliegen gehörte aber d...

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Es war nicht alles schlecht - vor der Zeit

Es war nicht alles schlecht, so dachten auch die alten Griechen und erfanden eine leuchtende Vergangenheit: das Goldene Zeitalter. Kein Krieg, kein Laster, und eine Natur, die so etwas wie reine und damit bescheidene Bedürfnisse der Menschen befriedigte. Dann wurde es zivilisatorischer - und damit schlechter. Die Vorstellung, dass es eine ideale Urphase des Menschseins gegeben habe, noch unbefleck...

Markus Drescher

Ohne Jägerzaun gibt’s alles für alle

Lange Zeit galt als unumstößliche Wahrheit, dass die Erde eine Scheibe ist. Noch wesentlich zäher als der Aberglaube an die gottgegebene Absturzgefahr in Richtung Rand hält sich die Anbetung der menschengemachten Parzellierung des eben doch runden Planeten Erde. Ausweis weltweiter Huldigung der Göttin Grenze sind die Hausaltäre ihr zu Ehren: Jäger-, Latten-, Schmiede-, Maschendrahtzaun. Das Anzieh...

Plädoyer für poetisches Denken

Warum wollten Sie ein Magazin über »Utopie« gründen? Was bedeutet Utopie für Sie? Camilla Elle: Heute ist viel von der Krise die Rede, die als Wirtschafts-, oder seltener auch als politische Krise dargestellt wird, die aber aus unserer Sicht vor allem eine Krise des utopischen Denkens ist. Aus der Sehnsucht nach Utopie und nach Vorstellungswelten, die sich erheblich unterscheiden, haben wir das M...

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Der ausgestreckte Arm Richtung Utopia - oder wohin auch immer

Wo das Land Utopia liegt, darauf verweist in der Propaganda gern ein ausgestreckter Arm: Für je bedeutender eine zeigende Person gehalten wird, desto heller muss man sich die Zukunft am Ende der vom Zeigefinger ausgehenden Linie wohl vorstellen. In diesem Fall ist es Kim Il-sung, Gründer der Demokratischen Volksrepublik Korea, der seinem Sohn Kim Jong-il die Richtung vorgibt. Ob jenseits der Famil...

ndPlusTom Strohschneider

Kein Ende, nirgends

1967 hat der linke Philosoph Herbert Marcuse in Berlin eine Reihe von Vorträgen gehalten, einer davon widmete sich dem »Ende der Utopie«. Damit war nicht gemeint, dass es fürderhin obsolet sein solle, die Verhältnisse umzuwerfen und sich auf den Weg in eine bessere Zukunft zu machen. Marcuse ging es vielmehr um die Begrenztheit des für ihn »historischen« Utopiebegriffs, der doch in der Regel auf »...

Martin Hatzius

Zu viel versprochen

Das utopische Denken hat hängende Wangen und müde Augen. Es trägt Kostüme in Pastellfarben und fügt seine Hände zur Raute, wenn es zu den Menschen spricht. Das utopische Denken sagt in aussichtsloser Lage: »Wir schaffen das.« Zugegeben, es mag sich einigermaßen irrsinnig anhören, wenn einem ausgerechnet Angela Merkel als Personifizierung utopischen Denkens einfällt. War es nicht diese Frau - ...

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Dystopie und »Großer Krieg«

Mehr Dystopie geht kaum: Am 23. Oktober 2077 wird die Welt durch den »Großen Krieg« weitgehend zerstört. Jedenfalls ist das der Hintergrund der Computerspielserie »Fallout« - zwei Stunden Atomschläge zwischen der USA und China werden genügen, um eine Anti-Erde zu hinterlassen, die mit keiner positiven Utopie mehr zu retten scheint. Wenn es um Zukunftsentwürfe geht, sind negative Gegenbilder wie di...

Stefan Otto

Wer braucht schon Helden?

Schönhauser Allee in Berlin, die Gehsteige sind immer belebt, am Tag wie in der Nacht. An einer Mauer hängen vier Bronzetafeln, die alliierter Soldaten gedenken, die Berlin befreiten: »alle, die ihr ihr vorübergeht, erweist jenen die ehre, die gefallen sind, damit ihr leben könnt.« Die Tafeln sind voller Graffiti. Fast immer. Vielleicht ist es das Werk gedankenloser Sprayer - oder das von strammen...

ndPlusRené Heilig

Für immer Kampfstern?

Ich kann den Krieg nicht leiden. Krieg kann doch nicht alles sein. Das ganze Militärische, alle Bereiche von Politik und der Wirtschaft hat es erfasst ...» Die verzweifelte Friedenssehnsucht, diese Klage gegen Unmenschlichkeit formulierte ein junger Mann, der als Herrscher Preußens drei Schlesische Kriege führen ließ und so das Land zur gefürchteten Großmacht in Europa erhöhte. Friedrich II. war g...

Seite 27

Ewige Gärten und Maschinenmenschen

Zwei Klassen. Produktionsapparaturen, deren Sinn den Arbeitern fremd ist. Eine reiche Kaste, die in paradiesischen »Ewigen Gärten« lustwandelt. Und dann auch noch Maschinenmenschen - Fritz Langs »Metropolis« von 1927 besticht durch eine Zeitlosigkeit, die dem Film zunächst aber keinen Erfolg bescherte. »Dem Regisseur schwebte scheinbar ein utopischer Film vor, der Tendenzen der Wirklichkeit enthal...

ndPlusGuido Speckmann

Das vergessene Paradoxon

Ist Technik in der Lage, uns aus dem Elend zu erlösen? Nein, meint nd-Redakteur Guido Speckmann. Er glaubt, dass es bestimmte Techniken sind, die das ökologische Elend beenden können.

Das vergessene Potenzial
Tom Strohschneider

Das vergessene Potenzial

Ist neue Technik in der Lage, uns aus dem kapitalistischen Elend zu erlösen? Das Potenzial zur Befreiung ist da, meint Tom Strohschneider - es kommt auf den gesellschaftlichen Umgang und also auf die Linke an.

Seite 28

Wie war es denn, das Leben?

Wie »Unser Leben« in der DDR wirklich war? Die Frage ist seit 25 Jahren Gegenstand kontroverser Diskussionen - und sie war es in der Zeit davor ebenso. Was Walter Womacka in dem gleichnamigen Mosaikfries am Berliner Haus des Lehrer zeigt, mag eine Antwort darauf sein, eine, in der die Vorstellung aufgehoben ist, eine andere, bessere Welt sei möglich. Doch zwischen Wünsch- barem, Machbarem und Erre...

Max Böhnel

Utopia, USA

Utopia? Keine Ahnung». Im New Yorker Viertel Utopia ist von der ursprünglichen Idee nichts übrig geblieben. Selbst mit der Namensgebung ihres Wohnortes können Einheimische nichts anfangen. Im Café-Restaurant Muscat an der 178th Street weiß niemand, woher der Name des Viertels kommt. Uri Tasloff, der gerade an einem Cappuccino nippt, schüttelt den Kopf. «In den USA gibt es viele merkwürdige Ortsnam...

Seite 29

Frieden ist Krieg und Freiheit ist Sklaverei

»Wenn Sie ein Bild von der Zukunft haben wollen, dann stellen Sie sich einen Stiefel vor, der auf ein Gesicht tritt - unaufhörlich.« George Orwells »1984« von 1948 ist in Zeiten von Postdemokratie und Überwachungsskandalen zu einer der beliebtesten Folien für Kritik an jener staatlichen Zudringlichkeit geworden. Von Freiheit ist zwar immer öfter die Rede, die da sprechen haben aber immer öfter kei...

»Wir können den Kapitalismus untergraben«

Eine andere Welt ist möglich - nur wie? Der US-Soziologe Erik Olin Wright im Gespräch über Strategien, den Kapitalismus zu untergraben. Es geht, sagt der linke Professor, im Kern um einen Kampf für Demokratie.

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Brause-Erfinder, Naturheilkundler und ...

Über Friedrich Eduard Bilz sollte man wissen, dass er ein Brause-Erfinder war. Auch als Naturheilkundler reüssierte der Sachse. Er publizierte Bücher in Millionenauflage und wurde 1922 neben seinem Freund Karl May begraben. Wie sich Bilz »Das Volk im Zukunftsstaat« vorstellte, ist in einem Buch mit dem ausführlichen Untertitel »Staatseinrichtung im Jahre 2000. Neue Weltanschauung. Jedermann wird e...

Stephan Fischer

Meer Utopie wagen

»Ich habe keine Lust mehr mich für das Gebaren von piraten zu rechtfertigen. Das ist nicht mehr zum aushalten.« So knapp begründete der Berliner Abgeordnete Martin Delius via Twitter seinen Austritt aus der Piratenpartei. Delius hatte sich vor allem als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses zum BER profiliert - ein zum Symbol des Versagens gewordener Flughafenbau. Flughäfen sind wie die r...

ndPlusMarc Engelhardt

Wahrhaftiger als der Tag

Der Schwarze, schwärzer als die Nacht, aber »wahrhaftiger als der Tag« - mit Zeilen wie diesen aus dem Gedicht »New York« kämpfte Léopold Sédar Senghor in den 1940er Jahren für ein neues Selbstbewusstsein der Schwarzen, die damals nicht nur selbstverständlich »Neger« genannt, sondern auch als primitiv und archaisch, geschichtslos und minderwertig diskriminiert wurden. Mit literarischen Mittel...

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Prozess wegen Vatikan-Enthüllungen

Rom. Im Vatikan hat ein Strafprozess wegen der Veröffentlichung vertraulicher Dokumente der Kurie begonnen. Angeklagt sind zwei italienische Journalisten und drei mutmaßliche Informanten. Die Justiz des Kirchenstaates wirft ihnen vor, unerlaubt Dokumente an sich gebracht und veröffentlicht zu haben. Die Journalisten Gianluigi Nuzzi und Emiliano Fittipaldi hatten Anfang November Bücher veröffentlic...

Schlaraffenland oder: Mit vollem Bauch tanzt es sich nicht gut

Als Pieter Bruegel der Ältere um 1567 sein Schlaraffenland malte, ahnte er gewiss nicht, dass die Darstellung eines umherlaufenden, durchgegarten Schweines mit einladendem Messer zwischen Nacken und Schulter auf sowohl tierschützerisch als auch essenspolitisch skeptische Blicke stoßen könnte. Die Vorstellung einer Welt ohne Hunger und Plackerei, in der das Nichtstun keine Überlebensgefahr bedeutet...

ndPlusIngolf Bossenz

Picasso, Papst und Pauperismus

Berlin, Hotel Adlon, März 2010. Ich bin zum Interview verabredet mit Gianluigi Nuzzi. Der italienische Journalist und Schriftsteller hat gerade sein erstes von inzwischen drei Enthüllungsbüchern über die monetären Machenschaften des Heiligen Stuhls veröffentlicht: »Vatikan AG«. Im Gespräch sagt mir Nuzzi, der sich als »optimistischer Katholik« bezeichnet, ungeachtet seiner Kritik an Geldwäsche, Ko...

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Blueser, Tramper, Hippies ...

Was in der DDR die Blueser, Tramper oder Kunden waren, waren im Westen die Hippies. Gemeinsam hatten sie eines - die traditionellen Mehrheitsgesellschaften fanden die Blumenkinder mindestens suspekt. Das Schimpfwort vom »Gammler«, mit dem jede jugendliche »Abweichung« von dem, was bei Musik, Frisur, Klamotten als Norm galt, diskreditiert werden sollte, deutet auf einen Generationenkonflikt hin: In...

Gabriele Oertel

Welt ohne Geld

Zugegeben, mit Utopien habe ich es nicht so. Vielleicht liegt es daran, dass der letzte, den ich aufrichtig für seine Fantasie bewundert habe, Towarischtsch Nagulnow hieß, in Kremjatschi Log in den 1930er Jahren die Kollektivierung in der sowjetischen Landwirtschaft vorantrieb, auf seinem Nachttisch stets einen Revolver zu liegen hatte, aber in seinen Träumen die Weltrevolution als friedlichen, fr...

ndPlusAlexander Amberger

Ideologie statt Utopie

Unter Konservativen werden Sozialismus, Utopie und Totalitarismus häufig gleichgesetzt. Was nicht der »marktkonformen Demokratie« entspricht, gilt als Teufelszeug. Beispielhaft sind die Äußerungen Joachim Fests, wonach das Scheitern des Realsozialismus die Praxisuntauglichkeit und totalitäre Gefahr der gesamten Gattung Utopie belegen soll. War die DDR eine Utopie? Dies kann man, trotz einiger...

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Erster Satellit und erster Mensch

Die Sowjetunion vermochte es nicht nur, den ersten Satelliten und den ersten Menschen ins All zu schicken - sie war vor allem auch ein Ort architektonischer Zukunftsbegeisterung. Das wird man nicht zum Wesenskern des Staat gewordenen Parteisozialismus erklären wollen, aber darüber hinwegzusehen hieße, eine großartige Tradition zu verschweigen. Was da an Sehnsucht und Optimismus in Stein gebracht w...

»Weltuntergang ging da gar nicht«

»Eine gute Science-Fiction-Story sollte nicht das Automobil vorhersagen, sondern den Verkehrsstau«, hat Frederik Pohl einmal gesagt. Und wie war das in der DDR mit dem Blick voraus? Ein Gespräch über die befohlene Zukunft.

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Hubots

Hubots sind ein im wahrsten Sinne des Wortes schönes Beispiel dafür, dass heutige Utopien nicht auf künftige Gesellschaften von Menschen beschränkt bleiben müssen: Wie eine Welt aussehen würde, in der Roboter nicht nur Kollegen, sondern auch Nachbarn, Mitbewohner, ja sogar Geliebte sind, lässt sich in der großartigen schwedischen TV-Serie »Äkta människor« beobachten, die als »Real Humans« auch im ...

Regina Stötzel

Am Abgrund der Zeit

Weder in der Realität noch in der Fantasie männlicher Autoren finden Frauen das, was ihnen fehlt, im Gegenteil: »Klassische Utopien der Männer sind für Frauen eher ein Ort von Unterdrückung und Bedeutungslosigkeit.«

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ndPlusSebastian Bähr

Roboterkommunismus

Die massenhafte Einführung von Robotern für unbeliebte Aufgaben, nur fünf Stunden Gesellschaftsarbeit am Tag, abwechslungsreiche und erfüllende Betätigungen ohne Geldsorgen - all das hat die jungen Menschen verwöhnt - ein Blick in die Zukunft

Alexander Isele

Sprich mit mir!

Vielleicht lachen Sie jetzt herzlich, wenn Ihnen mitgeteilt wird, dass Paare in Deutschland im Durchschnitt täglich nicht nur lediglich 15 Minuten miteinander reden, sondern wirklich verbal kommunizieren und einander zuhören.

ndPlusElsa Koester

Rub, bitch, rub!

Die sozialen Medien im Netz sind die Zukunft der Liebe. Wir verbringen nur noch 15 Minuten am Tag in Gesprächen mit dem Partner. Dafür fast drei Stunden mit unserem Smartphone. Das ist intensive Beziehungsarbeit!

Christian Baron

Hinein ins Sexwunderland

Im »Haus der Löcher«, so der Titel des 2012 erschienenen Romans von Nicholson Baker, geht es nicht um Geld, nicht um Macht, nicht um Intrigen, aber auch nicht um Romantik, sondern einzig und allein um richtig guten Sex.