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Unten links

Vulpes Vulpes Berolina ist der charmante Rotfuchs, der früher als Wohnungsloser im Berliner Tiergarten herumstrich und heute in einer architektonisch preisgekrönten Menschenhütte mit der Bezeichnung Bundeskanzleramt haust. Direkt vor seinem Tiergarten errichteten sie vor Jahren den 500 Millionen Euro teuren Riesenbau, in dem vermutlich alle Füchse dieses Landes Platz gehabt hätten. Eingezogen sind...

Hunderttausend Metaller im Streik

Berlin. Mehr als hunderttausend Metaller haben am Freitag für einen Lohnzuschlag Druck gemacht. Sie versammelten sich teils schon in der Nacht vor den Werkstoren von hunderten Betrieben zu Warnstreiks und Kundgebungen. Die meisten Beschäftigten traten in Baden-Württemberg in den Ausstand. Dort verliehen bis zum Nachmittag rund 35 500 Metaller ihrer Lohnforderung Nachdruck. In Nordrhein-Westfalen g...

ndPlusAert van Riel

Viel Wachstum, wenig Profiteure

Wenn sich die Gewerkschaften in nächster Zeit am Verhandlungstisch nicht durchsetzen sollten, ist eine Ausweitung der Streiks dringend notwendig. Sie sind das geeignete Mittel, um etwas mehr Gerechtigkeit zu erzwingen.

Der Kampf geht weiter

Berlin. »La lutte continue«, der Kampf geht weiter - was auf den ersten Blick nach historischer Reminiszenz klingt, ist in Wahrheit hoch aktuell. Zwischen den Demonstrationen im Pariser Mai 1968, als die Parole zum Spruch einer Revolte wurde, und den Auseinandersetzungen um die Rechte von Beschäftigten und Geflüchteten heute liegen zwar Jahrzehnte. Die Gründe, auf die Straße zu gehen, sind aber ni...

Gabriele Oertel

Baustopp im Bundestag

Das kommt nicht allzu häufig vor: Die Koalition verschiebt die Abstimmung über eines ihrer Vorhaben - die Ankurbelung des Mietwohnungsbaus - und erntet dafür nicht nur Schelte.

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Simon Poelchau

Unheilvolle Allianz

Gerne versucht sich die Deutsche Bank als ein Konzern darzustellen, der sich vom Saulus zum Paulus gewandelt hat. So richtig in Bild passt der Rücktritt des Aufsichtsratsmitglieds Georg Thoma da nicht. Der hat das Handtuch geworfen, weil seine Kollegen um Aufsichtsratschef Paul Achleitner eine unheilvolle Allianz gegen ihn gebildet hatten. Denn Thoma war für die Aufklärung der vielen Skandale...

ndPlusChristian Klemm

Anspruch auf den Klassenprimus

Kaufen die Bayern mit böser Absicht die besten Spieler der Bundesliga auf? Diese Frage wird seit Bekanntwerden der Wechselabsichten von Mats Hummels von Borussia Dortmund zu Bayern München (wieder mal) diskutiert. Natürlich tun sie das - und das mit Recht! Denn der deutsche Rekordmeister hat nicht nur den Anspruch, der Klassenprimus in Deutschland zu sein. Er will auch international - sprich: in d...

Martin Ling

Maduro im Zugzwang

Manche Beobachter in Lateinamerika wie der mexikanische Professor Miguel Angel Ferrer sehen Parallelen zur Destabilisierung Salvador Allendes Chile Anfang der 70er Jahre. So weit muss man nicht zwingend gehen, aber sicher ist, dass sich Venezuelas Präsident Nicolás Maduro an mehreren Fronten herausgefordert sieht: Proteste auf den Straßen, Strommangel und Wirtschaftskrise, potenzielles Abwahlrefer...

ndPlusRoland Etzel

Der Ruhestifter

»Viele kleine Schritte sind wichtiger als wenige große Worte.« Das darf wohl als Lebensmaxime und Erfolgsrezept des kubanischen Kirchenmannes Jaime Lucas Kardinal Ortega y Alamino gelten. Häufig sind ja die besten, weil erfolgreichsten Diplomaten jene, deren Wirken ohne Rampenlicht auskommt; die vermitteln, ohne auf Meriten zu schielen; deren Respektiertheit daraus erwächst, dass sie sich von kein...

Martin Leidenfrost

Im dritten Frühling

Ich fahre im Schlafwagen durch die Ukraine. Es ist der dritte Frühling seit dem Sieg des Kiewer Maidans, die dritte Saison des »russischen Frühlings« für Separatisten im Donbass. Ich sollte aus acht zufällig zusammengewürfelten Gesellschaften in Bahnabteilen keine Statistik ableiten, aber dem geselligen Teil von weißem Speck und Wodka trauere ich bereits hinterher. Stattdessen Handyglotzer und Kli...

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Tom Strohschneider

Die AfD ist es nicht

Die Schwäche der Linkspartei ist älter als das Phänomen AfD – wenn sie nach Antworten auf schwache Wahlergebnisse suchen und daran etwas ändern will, müsste sie zunächst die richtigen Fragen stellen.

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Simon Poelchau

Ein unmarxistisches Manuskript von Marx

Die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt ist ein Prozess, den die frühen Operaisten bereits erfassten. Bei ihrer theoretischen Arbeit half ihnen ein lange verschollener Text von Karl Marx.

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Keine Vollbeschäftigung in Sicht

Über die Kontroverse um gewerkschaftliche Strategien zu Löhnen und Arbeitszeit, die richtige Beschäftigungspolitik und eine goldene Regel sprach Hermannus Pfeiffer mit dem Arbeitsmarktexperten Fritz Helmedag.

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ndPlusHans-Ulrich Dillmann, Santo Domingo

Haiti sucht einen neuen Präsidenten

Die unendliche Geschichte um die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen in Haiti geht weiter: Statt am 24. April wird sie nun wohl erst Ende Oktober stattfinden. Ohne Proteste geht das nicht ab.

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Muslime laden AfD-Chefin zum Gespräch

Osnabrück. Der Zentralrat der Muslime hat AfD-Chefin Frauke Petry zu einem Treffen eingeladen. »Wir wollen wissen: Warum hassen Sie uns Muslime?«, sagte der Zentralrats-Vorsitzende Aiman Mazyek der »Neuen Osnabrücker Zeitung«. In einem Schreiben sei Petry deshalb zur nächsten Vorstandssitzung eingeladen worden, um mit Zentralratsvertretern über die »Flüchtlingskrise«, aber auch über Islamfeindlich...

Kay Wagner, Brüssel

Neue EU-Spielchen mit Griechenland

»Money makes the world go round«, sang die große Liza Minelli einst in dem Film »Cabaret«. Die Griechen dürfte dieser Song in der aktuell sehr schwierigen Situation allerdings nicht zum Tanzen bringen.

ndPlusRené Heilig

Doppelte Rückversicherung

Das Militärbündnis NATO verstärkt seine Ostflanke. Der nächste Bündnisgipfel, der vom 8. zum 9. Juli in der polnischen Hauptstadt Warschau stattfindet, wird einen größeren deutschen Beitrag fordern.

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Festpreis auch für E-Books

Wie für gedruckte Bücher ist künftig auch für E-Books ein fester Ladenpreis gesetzlich vorgeschrieben. Der Bundestag beschloss am Donnerstag in Berlin mit großer Mehrheit einen entsprechenden Gesetzentwurf des Wirtschaftsministeriums. Es gab keine Gegenstimmen, die Linken enthielten sich. Wirtschaftsstaatssekretär Uwe Beckmeyer (SPD) begründete die Entscheidung mit der rasanten digitalen Entwicklu...

Reportage zu Afghanistan ausgezeichnet

Die »Spiegel«-Story über Unregelmäßigkeiten bei der WM-Vergabe an Deutschland 2006 ist am Donnerstag mit dem Nannen-Preis in der Kategorie »Investigation« ausgezeichnet worden. »M29« der »Berliner Morgenpost« wurde als beste Web-Reportage ausgezeichnet. Mit dem »Egon Erwin Kisch-Preis« wurde Jan Christoph Wiechmann ausgezeichnet. Seine »Stern«-Reportage »Drei Krieger« porträtiert einen Bundeswehr-...

ndPlusJürgen Amendt

Sarrazins Scheitern

Man tut Sarrazin einen Gefallen, ihn einen Rassisten zu schimpfen. Damit lenkt man vom neoliberalen Kern seiner Thesen ab, der wiederum für die Abkehr der SPD vom Versprechen des gesellschaftlichen Aufstiegs steht.

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Reim auf die Woche

Läuft er batteriebetrieben? Setzt der Wind ihn unter Strom? Donald Trump! Die Leute lieben Ihn, der strahlt wie ein Atom. Unter seinem dunklen Sakko, Das aus Ärmelschloten raucht, Steckt gewiss kein Öko-Akku, Wie das E-Mobil ihn braucht. Sollte er einst explodieren - Denn es fehlt ihm ein Ventil -, Würde das die Welt schockieren Wie der GAU in Tschernobyl. Noch in vielen Hundert Jah...

ndPlusChristin Odoj

Empfindsam befehlen

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hatte am Mittwochabend in Berlin Frauen eingeladen, die es einst in der Hand hatten und noch haben. Frauen, die erklären sollten, wie sie sie erlangt und es mit ihr ausgehalten haben, Macht.

ndPlusTobias Riegel

Die Titten des Chuck

Ein Leitfaden zum frühen »Äkschn-Genre« und den Softsexfilmklassikern auf VHS-Kasette ist Clemens Meyers und Claudius Niessens neues Buch “Zwei Himmelhunde – irre Filme, die man besser liest”.

Velten Schäfer

Ein alter Schlawiner hofft auf Bewährung

Zwölf Tage lang muss sich der Kapitalismus, vom Dichter und Sänger Peter Licht so schön der »alte Schlawiner« genannt, im Kapitalismustribunal für seine Taten verantworten. Weit mehr als 200 Klagen liegen vor.

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Oliver Kern

Das Milliardenspiel der Ausbeuter

Hochschulsport ist ausnehmend populär in den Vereinigten Staaten. Millionen Fans sorgen für Milliardeneinnahmen der Universitäten. Doch die Stars auf dem Spielfeld sind vom Geldsegen ausgeschlossen.

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ndPlusMichael Müller

Eine Legende startet beim Rennsteiglauf

Helden, kleine wie große, hat der GutsMuths-Rennsteiglauf so viele wie Teilnehmer. Richtig aktive Stars sind indes kaum darunter. Der Grund ist so profan wie erfreulich: Es gibt beim Rennsteiglauf traditionell weder Antritts- noch Siegprämien - allein die Ehre zählt. Diese ist dann manchem Ex-Profi mitunter schon wieder etwas wert. So tritt der Erfurter Nils Schumann, 800-Meter-Olympiasieger von S...

Jirka Grahl, Lauchhammer

Volle Power für Geflüchtete

Anlässlich der nd-Sportlerwahl 2015 hatte die Jury den Sonderpreis »Engagement für Flüchtlinge« dem Verein »Powerlifting Lauchhammer« verliehen. Am Donnerstag überreichten wir den Pokal vor Ort.

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Elsa Koester

Gern mit ein bisschen Pathos

Das mit dem 1. Mai ist so eine Sache. Um kaum ein Datum wird in der radikalen Linken so viel gestritten, gezerrt, gezetert und genörgelt. »Mit dem 1. Mai ist kein Blumentopf zu gewinnen«, sagte einmal ein Aktivist. Schon klar: Die einen latschen morgens verantwortungsbewusst ihre gewerkschaftliche Pflichtroute ab, die anderen zerstreiten sich über Sinn und Unsinn revolutionärer Militanz auf den St...

»Der 1. Mai ist für alle da«

Hannah Schuster, David Fischer und Marko Lorenz über den Revolutionären 1. Mai, die Gewerkschaften und die Frage, ob sich der Arbeiterkampftag zum popkulturellen Event ohne Verstetigung entwickelt hat.

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ndPlusWilfried Neiße

Barocker Rahmen für DDR-Kunst

Es hätte in Potsdam geschehen können, dass ein DDR-Interhotel für die Präsentation von DDR-Kunst abgerissen wird. Aber dazu hat es der Milliardär Hasso Plattner dann doch nicht kommen lassen.

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129 Mal Bildung

Die häufigsten Stiftungszwecke in Sachsen-Anhalt sind: Bildung und Erziehung (129), Kunst, Kultur und Denkmalschutz (124), mildtätige Zwecke (109), Kinder- und Jugendhilfe (108), Altenhilfe und Altenpflege (100), kirchliche Zwecke und Förderung der Religion (78) sowie Wissenschaft und Forschung (71). dpa/nd...

Nur noch 73 Habilitationen

Kamenz. An den Hochschulen und Universitäten im Freistaat Sachsen sind im vergangenen Jahr weniger Habilitationen abgeschlossen worden. 73 Wissenschaftler legten die Prüfung zur Lehrbefähigung ab, wie das Statistische Landesamt in Kamenz mitteilte. Im Jahr 2014 waren es noch 92. Fast die Hälfte dieser Verfahren gab es im Bereich Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften. Die meisten Habilitanden zähl...

Wohnungsnot in der Bankenstadt wächst

Große Städte sind wieder »in«: Der kontinuierliche Zuzug in die Rhein-Main-Region verschärft dort die Wohnungsnot. Wo es am schlimmsten ist, hat jetzt eine Untersuchung herausgefunden.

Datenschutz an Schulen hat große Lücken

Schwerin. Bei der Nutzung des Internets im Schulalltag gibt es offenbar ernste Lücken beim Datenschutz. Die Auswertung einer landesweiten Umfrage und stichprobenhafte Kontrollen an 18 Schulen in Mecklenburg-Vorpommern ließen den Schluss zu, dass die Umsetzung der Datenschutzbestimmungen an den meisten Schulen »als kritisch einzuschätzen ist«, sagte der Landesdatenschutzbeauftragte Reinhard Dankert...

Dörthe Hein, Halle

Anzahl der Bürgerstiftungen steigt

Privates Geld für einen gemeinnützigen Zweck einsetzen - Stiftungen sind eine Möglichkeit dafür. In Sachsen-Anhalt spielen Bürgerstiftungen zunehmend eine wichtige Rolle - etwa in Halle oder Stendal.

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Im Zweifel

Der Thüringer Rechnungshof hat Zweifel daran, dass die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Thüringen in ihrer derzeitigen unternehmerischen Aufstellung mit dem Haushaltsrecht des Landes vereinbar ist. Die Landesregierung müsse für alle Geschäftsbereiche der LEG immer wieder sehr ernsthaft prüfen, »ob für die Wahrnehmung der einzelnen Aufgaben dieses Unternehmens jeweils ein ›wichtiges Landesinter...

Volkmar Draeger

Verkettete Benzolringe

Auf den ersten Blick scheinen die beiden Stellwände auf der Szene des HAU2 Pfauenmotive zu schmücken. Dann assoziiert man verzierte Bienenwaben, bis man, eingedenk des Stücktitels, auf verkettete Benzolringe kommt. Eng wie die drei Grazien stehen außermittig in Kampfanzügen mit stilisiertem Benzolmuster die Akteure. Selig indes wirken sie nicht, denn zu surrendem oder heulendem, knackendem, summen...

ndPlusMartin Hatzius

Es ist herrlich zu leben in Berlin

So sie noch lebten, hätten die Wilmersdorfer Witwen Grund zum Feiern: An diesem Sonnabend geht die 1723. Vorstellung des Stücks im Grips-Theater am Hansaplatz über die Bühne. Dreißig Jahre nach der Uraufführung von »Linie 1«.

Sebastian Haak, Erfurt

Spagat in der Wünsch-Dir-was-Fabrik

Thüringens Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) war oder ist an etlichen Projekten beteiligt, die in die Negativschlagzeilen gerieten. Doch ist die Kritik angemessen?

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Sieben Tage, sieben Nächte

Redaktionsbesichtigungen gehören nicht nur in unserem Hause zum Alltag. Dass die Leser von »neues deutschland« am vergangenen Wochenende zum 70. Geburtstag ihrer Zeitung dazu gleich mehrfach Gelegenheit hatten, versteht sich von selbst. Wie läuft ein Zeitungsbetrieb, wie funktioniert das Archiv, woher kommen die Fotos, wer baut die Seiten, wer erfindet die Schlagzeilen und warum schlägt der Fehler...

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Kerstin Ewald

Mobilisierung der Gemüsearbeiter

In den andalusischen Gemüsegemeinden leben bis zu 40 Prozent Migranten. Seitdem in Spanien die Arbeitslosigkeit auf über 20 Prozent geklettert ist, kommen Einheimische wieder in Tagelöhnerjobs zurück, die jahrelang Migranten, meist Afrikanern und Afrikanerinnen, überlassen worden waren. Entsprechend gibt es Spannungen zwischen den einheimischen und den zugewanderten Communities. In den andalusisch...

ndPlusWladek Flakin

Nicht nur weiße Blümchen

In einem normalen Jahr ist der 1. Mai in Frankreich seinem deutschen Pendant ganz ähnlich: Die Gewerkschaften mobilisieren einige Zehntausende Menschen zu einem Umzug vom Pariser Place de la République zum Place de la Nation. Folklore im Dienste der Klassenversöhnung. Der faschistische Statthalter Philippe Pétain hatte in der ersten Hälfte der 1940er Jahre alles daran gesetzt, aus dem Kampftag der...

Katja Herzberg

Kampftag in Europa

Ob in Paris, Berlin, Genua oder Istanbul - ihre Fahne weht im Wind, in Reden wird sie beschworen - das Mantra der Solidarität gehört zum 1. Mai wie die rote Nelke. Der Solidaritätsgedanke wird zwar an vielen anderen Tagen des Jahres viel mehr mit Leben gefüllt, am Arbeiterkampftag ist er jedoch die beliebteste symbolische Waffe gegen eine neoliberale Wirtschaftslogik, Ausbeutung und Abbau von hart...

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ndPlusIsmail Küpeli

Der Taksim-Platz bleibt gesperrt

Die traditionellen 1. Mai-Demonstrationen am symbolträchtigen Taksim-Platz in Istanbul wurden in diesem Jahr vom Gouverneur untersagt. Er lässt den Platz mit Metallzäunen sperren. Schon seit 2013 finden an diesem Tag dort keine Demonstrationen oder Kundgebungen mehr statt. Recht lange hatten die Gewerkschaften debattiert, ob sie ihre Demonstrationen verlagern oder dem Verbot trotzen. Aber angesich...

Anke Stefan

Erst Osterfeier, dann Generalstreik

Weil der 1. Mai in Griechenland dieses Jahr mit dem Orthodoxen Ostersonntag zusammenfällt, wurde der Kampftag der Arbeiterklasse kurzerhand verlegt. Laut Beschluss der Regierung ist er als gesetzlicher Feiertag auf den darauffolgenden Dienstag, also den 3. Mai, verschoben worden. Die traditionellen Demonstrationen allerdings werden erst am 8. Mai stattfinden. Dies ist zwar ein Sonntag, aber gestre...

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Nachrufe

Arne Elsholtz 1944 - 26. 4. 2016 Jetzt kann das Rauchverbot in den deutschen Synchronisationsstudios durchgesetzt werden. Denn neben Otto Sander (verstorben 2013) war der Synchronsprecher, Synchronregisseur und Drehbuchautor mit Schauspielausbildung Arne Elsholtz der Einzige, der sich die Glimmstengel selbst in der Aufnahmekabine anstecken durfte, wie Gefährten berichten. Sehr viele Deut...

Christin Odoj

Gegenwind gewohnt

Im besten Fall, so hatte er gehofft, würden seine Werke zur Völkerverständigung beitragen. Das mag kitschig klingen. Für jemanden, wie Marc Sinan, der für seine musikalischen Mammutprojekte durch die Welt reist, traditionelle Musik und ihren Künstlern nachspürt, ihre Musik aufnimmt, sie konserviert und mit nach Europa bringt und in seine zeitgenössischen Partituren einarbeitet, ist es das Wesen se...

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ndPlusMario Candeias

Den »dritten Pol« wieder sichtbar machen

Auch wenn große Teile der Bevölkerung häufig die Positionen der Linken teilen, auch viele 
weitergehende 
Forderungen, bringt die richtige Forderung oder 
Argument noch keine 
automatische Perspektive der Durchsetzung.

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Uwe Stolzmann

»Der Dämon des Krieges lebt unter uns«

Vor Jahren war ich in Mosambik gewesen, ein Reisender aus Europa, unterwegs zu bedrückend schönen Orten. Mitte der Achtziger lag das Land in Anarchie. Sechzehn Jahre Bürgerkrieg, eine Million Tote, Opfer mit abgehackten Ohren ... Beim nächsten Besuch, 1999, waren die Blutbäder im Busch nur noch Gerüchte. Die Krieger von einst trugen Anzüge und bekriegten sich in der Arena des Parlaments, manierlic...

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ndPlusCarsten Prien

Das Was und das Wie

Nach dem Besuch bei dem Philosophen schrieb Dutschke in sein Tagebuch: »Die 20er Jahre, die für uns dazu dienen sollten, mit der Gegenwart zurande zu kommen, waren für Lukács voll abgeschlossene Perioden.«

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Folge 79: Willkommensklassen, die; Plural

In Willkommens- oder auch Vorbereitungsklassen sollen Flüchtlingskindern grundlegende Deutschkenntnisse erwerben, die sie für den Regelunterricht benötigen. Solche Klassen sieht beispielsweise der Schulentwicklungsplan 2014-2018 für Berlin vor. So sollen im Bezirk Mitte Kinder im Grundschulalter 36 Wochen diese Klassen besuchen, bevor ihre Integration in Regelklassen beginnt. Grundsätzlich sollen ...

ndPlusJürgen Amendt

Stunde der Pragmatiker

Die Zuwanderung von hunderttausenden Flüchtlingen im vergangenen Jahr hat die Kommunen getroffen wie der sprichwörtliche Blitz aus dem heiteren Himmel - scheinbar, denn in Wirklichkeit ist manche Gemeinde, manche Stadtverwaltung, mancher Bildungsdezernent froh über den Zuwachs an Bevölkerung. Im niedersächsischen Sumte etwa profitieren die rund 100 Einwohner von der nahe gelegenen Unterkunft, in d...

ndPlusLena Tietgen

Separate Klassen sind nur ein Notbehelf

Die derzeitige Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), die Bremer Senatorin für Kinder und Bildung Claudia Bogedan, hat »Bildung in der Zuwanderungsgesellschaft« zu einem ihrer Schwerpunkte erklärt. Auf kmk.org formuliert Bogedan: »Die aktuell größte Aufgabe ist die Integration von Flüchtlingen und Asylsuchenden in unser Schul-, Ausbildungs- und Arbeitssystem. Eng damit verbunden sind die S...

Thomas Gesterkamp

Von der Resterampe zum Vorbild der Integration

Gelsenkirchen, in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg die florierende »Stadt der tausend Feuer« mit fast 400 000 Einwohnern, hat sich in den letzten Jahrzehnten vor allem mit dem eigenen Schrumpfen auseinandergesetzt: Arbeitsplätze wurden gestrichen, die Steuereinnahmen brachen ein, Leute zogen weg. Doch seit 2013 geht es wieder aufwärts. 265 000 Menschen leben derzeit in der Ruhrgebietskommune, 1...

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Wochen-Chronik

29. April 1916 Der am Ostermontag, den 24. April, in Dublin begonnene Aufstand irischer Freiheitskämpfer, der Irish Volunteers, wird von britischen Truppen unter dem Oberbefehlshaber Sir John Maxwell brutal niedergeschlagen. Dessen 5000 Soldaten, ausgestattet mit gepanzerten Fahrzeugen und Artillerie, benötigten 28 Stunden, um knapp 200 Rebellen zu besiegen. Der Osteraufstand gilt als Wendepun...

Victor Grossman

Harriet hätte sich nicht instrumentalisieren lassen

Die Macht des US-Dollar ist in der Finanzwelt mitunter umstritten. Nicht zu bestreiten ist, dass auf den US-Scheinen noch nie das Konterfei einer Frau zu sehen war. Auf D-Mark und DDR-Mark gab es sie, in Frankreich ist es Marianne, Ikone der Republik, nach dem berühmten Gemälde von Eugène Delacroix von 1830 »Die Freiheit führt das Volk«. Auf allen britischen Pfundscheinen darf man die Queen bewund...

Sabine Kebir

Selbstbewusste Junggesellinnen

Die Popularität von Elfriede Brüning (1910 - 2014) beruhte darauf, dass sie die sozialistische Frauenpolitik nicht einfach nur illustrierte, sondern ihr stets voraus war. Ihr literarisches Werk basierte auf umfangreicher Reportertätigkeit, auf Umfragen und der Auswertung ihrer Leserbriefe. Dass sie auch im »Neuen Deutschland« Artikel veröffentlichen konnte, die zur Dynamisierung der Frauenpolitik ...

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ndPlusSteffen Schmidt

Die Schere schließt sich - teilweise

Armut macht krank. Und Reichere Menschen leben häufig länger. Dieser Eindruck ist inzwischen durch Untersuchungen in vielen Industrieländern belegt. Doch wie eine aktuelle Studie des Volkswirts Hannes Schwandt von der Universität Zürich und Janet Currie von der Princeton University nahelegt, folgt die Entwicklung der Sterblichkeit nicht ganz so direkt der Einkommensentwicklung. Denn während d...

ndPlusReinhard Renneberg

CRISPR-verrückt

Hongkong. Der Chemie-Hörsaal meiner geliebten Uni platzt am 11. April 2016 aus allen Nähten, wir ziehen in den größten Hörsaal um. Trotzdem müssen noch viele Studenten auf den Treppen des Saales sitzen. Der ewige Traum von der Massenwirksamkeit von Wissenschaft - hier scheint er Wirklichkeit! Selbst der sonst so hochmütige CNN-Korrespondent steht vor der Tür und bittet demütig um ein Interview mit...

Frank Ufen

Ist Dummheit gesund?

Ein leistungsfähiges Gehirn ist sehr nützlich. Trotzdem bringt die Evolution immer wieder Lebewesen hervor, die sich mit einem winzigen Denkapparat begnügen müssen. Schlimmer noch: Bei manchen Fledermaus-Arten ist es sogar zu einer Schrumpfung des Gehirns gekommen, weil sie sich an eine Umgebung angepasst haben, die an sie geringere kognitive Anforderungen stellt. Große Gehirne haben allerdings ei...

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ndPlusGert Lange

Zwischen Polareis und Atmosphäre

Am 14. Februar 1976 startete von der Eiskante des atlantischen Sektors der Antarktis ein Transportzug mit vier mächtigen russischen Zugmaschinen, zwei kleineren Kettentraktoren und elf Lastschlitten. Alles, was zum Aufbau einer polaren Forschungsstation nötig war, sollte über das Schelfeis hundert Kilometer bis zur Küste des Kontinents geschleppt werden. Ziel war die Schirmacher-Oase, ein eisfreie...

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Denkspiellösung »Café + Klasse«

Am 9./10. April hatten wir Sie zu einem Denkspieldoppel eingeladen - mit erfreulicher großer Resonanz. Die Verlosung der Buchpreise lief selbstverständlich separat ab. Als erstes fragten wir Sie nach der Geschwindigkeit von Petras Auto. Wie auf 51 weiteren Einsendungen stand auf der von Peter Wick aus 24837 Schleswig, der als Sieger ausgelost wurde, richtig 48 km/h. Weil: Paul braucht 91+13=1...

Carlos García Hernández

Schach mit Carlos García Hernández

Kürzlich hatten wir bereits stark in Erwägung gezogen, dass der deutsche Mannschaft-Schachserienmeister OSG Baden-Baden diesmal leer ausgehen wird (nd, 2./3. April). Nun ist es soweit: Die SG Solingen hat es geschafft und die OSG Baden-Baden nach zehn Titeln in Folge gestoppt. Die Entscheidung fiel in der letzten Bundesligarunde. Solingen, an der Spitze liegend, musste gegen den SV Griesheim gewin...

Mike Mlynar

Schlimme Lösungswege

Das Leben ist kompliziert, und letztlich macht es sowieso was es will. Lernfähig wie Menschen ja mitunter sind, zerbrechen sich deshalb viele von ihnen nur ungern den Kopf. Sie bevorzugen lieber Lösungswege, die zwar definitiv nicht optimal, aber bequem sind. Dazu gehört beispielsweise die meist lebens- oder berufserfahren daher kommende Weisheit, etwas »mit Augenmaß« zu erledigen. Jeder Fünf...

ndPlusRené Gralla

Mit Punkrock um die Kurven

Gibt Manuel Radlinger richtig Gas, ist höchstens Fliegen noch schöner. Dann jagt die heiße Kiste los und beschleunigt auf unglaubliche 600 km/h. Allerdings relativ. Real ist der Flitzer des 27-jährigen Nürnbergers mit vergleichsweise bescheidenen 20 km/h unterwegs. Manuel Radlingers Maschine ist nämlich »nur« ein Modellrennwagen. Rechnet man dessen Spitzen allerdings auf den Formel-I-Realmaßstab h...

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ndPlusMichael Müller

Roter See, Blauer See und etwas Weltsicht

Kreisrund, etwa 600 Meter im Durchmesser, stürzt das rote Ufer kraterwandartig etwa 250 Meter tief bis zur Wasseroberfläche hinunter, und von der sind es dann noch weitere 300 Meter bis zum Seegrund.

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Und dann zogen Flüchtlinge in unsere WG

Vor zwanzig Jahren wurde in unserem Hochhaus die ehemalige Gaststätte im Erdgeschoss zur Senioren-WG umgebaut. Seit vier Jahren lebe ich dort. Es gibt fünf Einraumwohnungen und eine Zweiraumwohnung, ein gemeinsames Wohnzimmer, eine große Küche für alle, zwei rollstuhlgerechte Bäder, einen geräumigen Flur und ein Gartengrundstück mit Pavillon zum Grillen. Natürlich hat jede Wohnung ihr eigenes Dusc...

Eines Tages setzte ich mich zu ihm

Wie oft tauscht man sich im Alter in anregenden Gesprächsrunden Kindheitserinnerungen aus. Ich spreche dabei manchmal über ehemalige Mitschüler, einige mochte ich gern, und andere habe ich eher gemieden. Eine frühe Erkenntnis war es aber schon damals, dass diese von mir Verschmähten durch irgendein Erlebnis, in beklemmender oder freudiger Situation, später gute Freunde wurden, sogar auf lange Daue...

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Elsa Koester

Eine Hure ist 
eine Sexarbeiterin 
ist eine Arbeiterin

Normalerweise frage ich mich nicht, was meine Interviewpartnerin vor unserem Termin gemacht hat. Mir gegenüber sitzt nun aber Stephanie Klee. Eine Hure. Ein schneller Schluck Tee rettet mich vor dem beginnenden Kopfkino.