Seite 1

UNTEN LINKS

Nach der Amokfahrt von Nizza ist es angebracht, einmal ernsthaft über ein Verbot von Lastkraftwagen nachzudenken. Denn dass es sich bei diesen tonnenschweren Monstern um Schläfer handelt, die jederzeit zuschlagen können, hat das Attentat an der Côte d’Azur grausam unter Beweis gestellt. Ihre Janusköpfigkeit tarnen die geräderten Kolosse damit, dass sie jahrein, jahraus Vollkorntoastbrote oder Wasc...

Nizza-Attentäter schnell radikalisiert

Paris. Der Attentäter von Nizza hat sich nach Erkenntnissen der französischen Polizei womöglich erst kurz vor der Tat dem radikalen Islam zugewandt. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Polizeiquellen. Bis zu dem Massaker vom Donnerstag war Mohamed Lahouaiej-Bouhlel nicht als Islamist aktenkundig. Frankreichs Premierminister Manuel Valls erklärte, die Ermittlungen hätten erg...

DGB-Chef gegen Roboter-Steuer

Berlin. Gewerkschafter und Ökonomen lehnen eine Steuer für den Einsatz von Robotern ab. »Die Debatte um die Robotersteuer lenkt von den zentralen Herausforderungen ab«, sagte der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, der »Welt am Sonntag«. Der rasante Wandel der Arbeitswelt müsse offensiv angegangen werden. Dazu gehörten mehr Investitionen in Weiterbildung, in die Gestaltung der...

Keine Lösung

Er führt Bürgerkrieg gegen die Kurden, er unterdrückt die Opposition und die freie Presse, er hat die Türkei auf einen Weg der Islamisierung gezwungen, er will die Verfassung in ein Instrument seiner Herrschaft verwandeln - es gibt nicht den geringsten Grund, den Präsidenten Recep Tayyip Erdogan politisch in Schutz zu nehmen. Mancher mag sogar kurz daran gedacht haben, ob im Aufstand der Militärs ...

Erdogan putscht zurück

Berlin. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nutzt die Gunst der Stunde. Nachdem der am Freitagabend von Militärkreisen gestartete Putsch am Samstag niedergeschlagen war, setzte Erdogan postwendend zum Gegenschlag an: Mehr als 6000 Menschen wurden verhaftet, darunter zahlreiche Militärs und sogar zwei Verfassungsrichter, fast jeder fünfte Richter in der Türkei wurde entlassen. Gegen Anhäng...

Seite 2

Wer ist Erdogans Erzfeind Gülen?

Erdogan hat die Bewegung des Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch in der Türkei verantwortlich gemacht. Gülen, der jede Verantwortung dafür zurückwies, ist seit einem Zerwürfnis 2013 ein Erzfeind Erdogans.

René Heilig

Ausgeputscht

Seit Freitagnacht ist die zweitgrößte NATO-Armee im Ausnahmezustand. Der Putschversuch türkischer Militärs gegen Erdogan kann der militärischen Allianz nicht willkommen sein. Wohl aber dem Islamischen Staat.

Seite 3
ndPlusJan Keetmann

Die Angst vor dem Sieger

Der Schock des Putschversuchs in der Nacht von Freitag auf Samstag sitzt vielen noch in den Knochen. Ein Bekannter, dessen Wohnung sich im Istanbuler Stadtteil Ortaköy unter einer vom Militär zuerst besetzten Bosporusbrücke befindet, berichtete aufgeregt: »Ein Panzer hat mit der Kanone geschossen, Flugzeuge kamen im Tiefflug. Bis zum Morgen waren Schüsse zu hören, von den Minaretten wurde beständi...

Tom Strohschneider

Aufgeputscht

Viele Theorien ranken sich um die Frage, warum der Staatsstreich in der Türkei so schnell beendet werden konnte. Gewiss ist allerdings: Der Präsident führt bereits den Gegenputsch.

Seite 4
ndPlusKlaus Joachim Herrmann

Im eigenen Interesse

Im syrischen Aleppo sollen am Wochenende erneut Zivilisten gestorben sein, doch die von Russland und den USA auf den Weg gebrachte Waffenruhe scheint wieder näher zu rücken. »Konkrete Schritte« seien vereinbart worden.

ndPlusSilvia Ottow

Anstecken oder heilen

Egal, ob es die Schuld raffgieriger Pharmakonzerne, ungeschickter Politiker oder sturer Patienten ist, wenn das bewährte Prinzip Impfen in Frage gestellt wird: Ärzte könnten helfen, diesen fatalen Irrtum aufzuklären.

Aert van Riel

Trittin als Einzelkämpfer

Nach vielen Jahren in der Opposition wollen die Grünen auf Bundesebene bald wieder mitregieren. Doch der Partei fällt eine Neuorientierung schwer, seit ein Bündnis mit der SPD keine Mehrheit mehr hat. Bislang wollten die Grünen auf Eigenständigkeit setzen. Aber es ist fraglich, ob dieser Kurs von den Wählern honoriert wird. Denn die Partei wäre dann sowohl für eine Koalition mit der nach rechts au...

Velten Schäfer

Mr. Unmöglich

Bundesweit bekannt wurde Mike Pence im vergangenen Jahr. Der Republikaner, seit 2013 Gouverneur des US-Bundesstaats Indiana, verfügte: »Religiöse« Geschäftsbetreiber dürfen für schwul oder lesbisch erachtete Personen einfach nicht bedienen! Ein Aufschrei folgte, Firmen drohten mit Boykott. Am Ende herrschte ihn selbst die konservative Presse des Staates im »Bibelgürtel« an wie einen dummen Jungen:...

Heike Hänsel

Militär statt Entwicklung

Die Militarisierung der EU schreitet weiter voran. Eine Verwicklung von Entwicklungs- und Militärpolitik ist nicht nur aus friedenspolitisch abzulehnen. Sie ist brandgefährlich, weil humanitäre Helfer ins Visier geraten.

Seite 5
ndPlusMartin Ling und Julia Macher

Erinnerungskultur ist eine Sache der Linken

Erst als Reaktion auf den neofranquistischen Kurs von Premier José María Aznar (1996-2004) entstand eine kollektive Erinnerungsbewegung, die die Schrecken des Franco-Regimes öffentlich thematisiert.

Julia Macher, Barcelona

Mutige Verteidiger der Republik

Antoni Cànovas, Jahrgang 1920, und sein älterer Bruder Alfons, Jahrgang 1917, gehören zu den wenigen, die noch aus der Zeit des Spanischen Bürgerkriegs erzählen können.

Seite 6

Mit wem regieren?

Berlin. Die Grünen sind gut ein Jahr vor der Bundestagswahl noch uneins über ihre strategische Ausrichtung. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann warnte eindringlich davor, auf eine rot-rot-grüne Koalition nach der Wahl zu setzen. Offen zeigt er sich für ein Bündnis seiner Partei mit der CDU, wie in der eigenen Landesregierung. Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin riet davon hin...

ndPlusRené Heilig

565 von einst fünf Millionen

Fünf Millionen sowjetische Soldaten gerieten während des Zweiten Weltkrieges in deutsche Kriegsgefangenschaf. Rotarmisten, die das überlebten, können einen Antrag auf symbolische Anerkennung ihres Leidens stellen.

Seite 7

Rettung der Waffenruhe in Syrien

Moskau. Die USA und Russland haben sich auf »konkrete Schritte« zur Rettung des Waffenstillstands in Syrien geeinigt. US-Außenminister John Kerry wollte nach einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow am Freitagabend in Moskau aber keine Einzelheiten der Vereinbarung nennen. Dies solle die Fortführung der Arbeit für eine friedliche Lösung abseits der Öffentlichkeit erlauben, sagte ...

Ralf Klingsieck, Paris

Attentäter von Nizza gibt Rätsel auf

Drei Tage nach dem blutigen Anschlag von Nizza rätseln die Ermittler, die Medien und die Öffentlichkeit immer noch über die Motive und die Persönlichkeit des Täters.

ndPlusMax Böhnel, Cleveland

Die Trumps treffen sich: Shit Show in Cleveland

Ein Parteitag der US-Republikaner beginnt am Montag in Cleveland (Bundesstaat Ohio). Erwartet wird die offizielle Nominierung von Milliardär Donald Trump als Präsidentschaftskandidat. Und ein "ziemlich weißer" Konvent.

Seite 8

Geheimpapiere zu 9/11 veröffentlicht

Washington. Die US-Behörden haben nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 keine Beweise für eine Verbindung der Attentäter zur saudi-arabischen Regierung gefunden. Das geht aus Dokumenten eines Untersuchungsausschusses von 2002 hervor, die erst am Freitag veröffentlicht wurden. Laut den Papieren hatten die US-Geheimdienste damals Anhaltspunkte für den Verdacht, konnten eine Verbindung zur...

ndPlusAnne Gonschorek, Kapstadt

Ein Pastor macht Mugabe zu schaffen

Die Simbabwer haben genug. Angesichts der kollabierten Wirtschaft werden immer mehr Stimmen gegen den 92 Jahre alten Präsidenten Robert Mugabe laut. Die lauteste Stimme ist Pastor Evan Mawarire.

Seite 9
Eric Breitinger

Pullover aus Milch

Was ist gewonnen, wenn Rennautos mit Rapsöl fahren, fragt die Autorin eines Buches über Alltagsprodukte aus biologischen Stoffen. Ihr Fazit: Bioökonomie hat Grenzen.

Preiskampf auf dem Fernbusmarkt

Nach Recherchen eines norddeutschen Fernsehteams gehen die günstigen Preise für Überlandbusfahrten zu Lasten der Sicherheit.

ndPlusHermannus Pfeiffer

Steuergeschenk in der Patentbox

Die Bundesregierung will Steuerschlupflöcher für Großunternehmen schließen. Der Patentboxen beim geistigen Eigentum wird man wohl nicht Herr werden. Viele Länder locken hier mit Geschenken - etwa Liechtenstein.

Seite 10

Die Roboter kommen

Nehmen uns Maschinen die Arbeit weg? Nicht auf absehbare Zeit. Folgen hat die Automatisierung aber dennoch. Experten haben dazu unlängst im Bundestag Stellung genommen.

Seite 11

Stadt für alle Besucher

Eine Frage blieb in der sechsteiligen Tourismusserie unterbelichtet: Inwieweit sind die touristischen Angebote auch für Menschen mit Behinderungen nutzbar? Rund zehn Prozent der Bevölkerung sind auf barrierefreie Angebote angewiesen, sie sind aber auch hilfreich für Reisende mit Kinderwagen oder ältere Menschen und komfortabel für alle. Wichtig für Reisende mit Handicaps ist vor der Buchung d...

ndPlusNicolas Šustr

»Rigaer 94« bleibt heißes Thema

Viele Freunde hat Innensenator Henkel außerhalb seiner Partei nicht. Neun Abgeordnete, von LINKEN und Grüne bis SPD, haben eine Sondersitzung des Innenausschusses beantragt - wegen der illegalen Räumung der Rigaer.

Seite 12

Viele Ärzte aus dem Ausland

Der palästinensische Arzt Haythem Masry bei der Arbeit im Klinikum in Frankfurt (Oder). In Brandenburg hatten Ende 2015 von den rund 9500 bei der Landesärztekammer gemeldeten Medizinern 1100 ausländische Wurzeln. Vor sechs Jahren gab es hier erst 600 ausländische Ärzte. Die Zahl der ausländischen Mediziner in Krankenhäusern stieg von 510 auf 910. Bei den niedergelassenen ausländischen Ärzten gab e...

Steuerzahler zu Ehrlichkeit aufgerufen

Potsdam. Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski (LINKE) hat zu mehr Steuerehrlichkeit aufgerufen. »Wir alle durften jüngst im Kontext der sogenannten Panama-Papers wieder einmal feststellen, in welch gewaltigem Umfang mit bisweilen hoher krimineller Energie weltweit Gelder an den Finanzbehörden vorbei geschleust und Milliarden dem Gemeinwohl vorenthalten werden«, sagte Trochowski am Sonnabend b...

Ronald Sprafke

Der Silberschatz vom Spargelfeld

Als das Metallsuchgerät anschlug, fanden sich mitten im Spargelfeld 70 Silbermünzen dicht unter der Erdoberfläche. Am Ende kamen 502 ganze und 80 halbe Geldstücke aus dem 13. Jahrhundert ans Licht.

Seite 13

Stuttgarter wollen raus aus der Grube

Stuttgart. In Stuttgart haben Tausende gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 protestiert. Nach Angaben der Polizei nahmen am Samstag 2500 Menschen an der Kundgebung auf dem Schlossplatz und am anschließenden Zug zum Bahnhof teil. Nach Angaben der Veranstalter kamen 4000 Teilnehmer zu der Veranstaltung unter dem Motto »Raus aus der Grube« in die Innenstadt. Ein Sprecher der Parkschützer forderte den U...

Direkter Draht zu den Kommunen

Beschwerden per Internet: In einigen Kommunen im Land Sachsen-Anhalt können Bürger ihre Verwaltung so über Probleme informieren. Das Interesse ist groß.

Ralf Hübner, Dresden

Bauleute übernehmen die Regie

Wenn die Letzten in die Ferien entschwunden sind, rücken in vielen Schulen die Bauleute an. Dresden investiert in den Sommerferien rund 13,5 Millionen Euro. Der Speisesaal der 108. Grundschule wird etwa bis September für 470 000 Euro erneuert. An neun Schulen werden zum Teil bis Oktober die Sanitäranlagen saniert. In weiteren sechs wird für mehrere Millionen Euro der Brandschutz verbessert. Auch g...

ndPlusHans-Gerd Öfinger, Wiesbaden

Sinkflug eines Leuchtturmprojekts

Mit dem »House of Logistics and Mobility« (HOLM) ist erneut ein Großprojekt der hessischen Regierung ins Schlingern geraten. Der Landesrechnungshof spricht von Verlusten in zweistelliger Millionenhöhe.

Seite 14

Rechte Hetze gegen Politiker

Wiesbaden. Bundesweit werden Politiker im Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik beleidigt, bedroht oder angegriffen. 202 Fälle zählte das Bundeskriminalamt in den ersten sechs Monaten dieses Jahres, 45 gab es allein in Sachsen - und zwar nur im ersten Quartal. Halbjahreszahlen liegen beim zuständigen Operativen Abwehrzentrum (OAZ) in Leipzig noch nicht vor. »Im Jahr 2016 setzt sich mit bereits 4...

Castorf bleibt Berlin erhalten

Kulturstaatssekretär Tim Renner hat erneut die Wahl des Belgiers Chris Dercon als Nachfolger des scheidenden Volksbühnen-Intendanten Frank Castorf verteidigt. Renner räumte in einem Beitrag für die »Berliner Morgenpost« (Sonntag) jedoch ein, dass die Nachfolge-Diskussion nicht fehlerfrei abgelaufen sei. »Man kann nicht sagen, dass es uns gut gelungen ist, diese Änderung des Modells zu kommuniziere...

Volker Stahl, Hamburg

Kleinberg aus bunten Muscheln

Wenn der Name des wohl schönsten Hamburger Stadtteils fällt, springt wohl bei jedem Hamburger, aber auch bei vielen Zugereisten, das Kopfkino an. Prächtige Villen, imposante Gärten und dörfliche Gemütlichkeit, denken die einen, während den anderen Begriffe wie «Schnösel» oder «Geldadel» in den Kopf schießen. Letztere wurden in jüngster Vergangenheit durch den «rabiaten Protest» von Anwohnern am Bj...

Berlin ist immer noch geteilt

Berlin-Touristen sind bemitleidenswerte Kreaturen. Dies gilt umso mehr, wenn sie sich nur für kurze Zeit in der Stadt aufhalten und ihre eng bemessene Zeit mit der Besichtigung jener »Sehenswürdigkeiten« vergeuden, die ihnen die Reiseführer als Highlights vorgaukeln. Tatsächlich aber hat diese Stadt nicht nur ein Zentrum oder zwei, sondern Dutzende. Berlin mag zwar nicht mehr in der Mitte geteilt ...

Martin Hatzius

Wer war Herr Rigaer?

Ein vernachlässigter Aspekt in der Berichterstattung über die Rigaer Straße ist deren Benennung. Wer zum Teufel war Herr Rigaer? Und: wer war dann Frau Rigaer?

ndPlusElke Silberer, Kamp-Lintfort

Blumenmeer statt Kohle

Radikaler als in Kampf-Lintfort kann der Abschied von der Steinkohle kaum sein. Bei allem Optimismus ist aber klar: So viele Jobs wie in der Kohlezeit gibt es an dem Zechenstandort nicht mehr.

Jörg Aberger, Kühren

In Kühren dreht sich (fast) alles um Elefanten

Vor 40 Jahren wurde im sächsischen Kühren ein Betonelefant aufgestellt, der an ein Stück Heimatgeschichte erinnern sollte. Heute steht praktisch der ganze Ort im Zeichen des Elefanten.

ndPlusKlaus Hammer

Vom Sichtbaren ins Unsichtbare

»Gegenüber & anderswo« ist der Titel ihrer Ausstellung in der Pankower degewo-Galerie Remise - Stadtlandschaften, Berlin betreffend oder andere Großstädte, vor allem New York, haben es ihr angetan. Seit drei Jahren arbeitet Sibylle Meister in einem Atelier in Schöneweide an der Spree, hat die Frankfurter, Stralauer oder Puschkinallee vor ihrem geistigen Auge oder setzt aus Skizzen und Erinnerungen...

Seite 15

Zwei Häuser in Stuttgart

Nach zwei vergeblichen Anläufen sind zwei Häuser der Stuttgarter Weissenhofsiedlung des Stararchitekten Le Corbusier zum Weltkulturerbe ernannt worden. Die Unesco nahm am Sonntag in Istanbul Bauten Le Corbusiers in sieben Ländern auf die Liste des Welterbes auf, wie die Kulturorganisation der Vereinten Nationen mitteilte. Ursprünglich sollte die Entscheidung bereits am Samstag fallen. Das Welterbe...

Wolfgang Hübner

Mosekunds Montag

»Ich weiß nicht, was ich tun soll«, beklagte sich ein Freund bei Herrn Mosekund, »das Geld rinnt mir durch die Hände.« - »Deponieren Sie es doch bei mir«, schlug Herr Mosekund vor. »Gut«, willigte der Freund ein, »probieren wir es mit 100 Euro.« - »Sie überweisen mir lediglich pro Monat zwei Euro«, sagte Herr Mosekund. »Ist das etwa dieser dubiose Negativzins?«, fragte der Freund misstrauisch. »Wa...

Hans-Dieter Schütt

Absturz ist ein Höhenflug

In großen Lettern stand es über der Szene: HUNGER! Bald fiel ein Buchstabe herab: UNGER! Aus Hauptmanns »Webern« waren Ostdeutsche, aus proletpolternden Träumen der Weltveränderung waren Wünsche geworden, die das Reisebüro »Unger« besser erfüllen konnte. Unterschicht mit Oberwasser, das an Mallorcas Strände schwappt. Frank Castorfs Volksbühnen-Inszenierung von 1997 schuf eine bezaubernd illusionsl...

Seite 16
ndPlusHans-Dieter Schütt

Erfahrung der Katzen

Das Mittelgebirge ist ein Diplomat. Es vermittelt zwischen Hochfels und flachsten Ufern. Es hat seinen klassischen Porträtisten gefunden - in Shakespeares Metapher von »Böhmen am Meer«: Alles ist möglich, was wir uns einbilden. Böhmen liegt am Meer, solange Poesie die einzige Vermessung der Welt bleibt. Der Grafiker, Maler und Illustrator Werner Schinko kam aus Böhmen, aus Wurzelsdorf (Koreno...

ndPlusKnut Henkel

»Sie sind hinter mir her«

Land und dessen Verteilung sind der Kern des kolumbianischen Konflikts, den Héctor Abad in den Mittelpunkt seines Familienromans »La Oculta« gestellt hat. Drei Kinder, Eva, Pilar und der nach New York emigrierte Antonio erzählen darin ihre persönliche Geschichte, die der Familie Ángel und die ihrer Farm. Vorsichtig hebt Eva an einer Stelle des Buches den Kopf aus dem Wasser, dreht sich um und...

Michael Hametner

Eine Prager Kneipe als Überlebensort

Gleich dem legendären Schweyk ist auch Rudiš‘ Romanheld Vandam ein typischer tschechischer Charakter, der die bedrohliche Weltlage mit listigen und aufrührerischen Reden zu unterwandern sucht – vom Kneipentisch aus.

Seite 17

Opernkrimi

Der aus Krimis des schwedischen Autors Henning Mankell (1948-2015) bekannte Kommissar Wallander hat in Tübingen sein erfolgreiches Debüt auf einer Opernbühne gegeben. Im Festsaal der Universität gab es für die Krimi-Oper »W - The Truth Beyond« des Komponisten Fredrik Sixten und des Autors Klas Abrahamsson langen Applaus. Sechs Solisten, der Akademische Chor der Universität Tübingen und die Württem...

Kein großer Schaden

Der Schaden, den eine 90-Jährige mit einem Kugelschreiber an einem Kreuzworträtsel-Kunstwerk hinterlassen hat, hält sich in Grenzen. Er lasse sich gut beheben und habe »keine Größenordnung«, sagte eine Sprecherin des Neuen Museums Nürnberg der Zeitung »tz« (Samstag). Das Werk des Fluxus-Künstlers Arthur Köpcke ist mit 80 000 Euro versichert. Die Rentnerin hatte bei einem Museumsbesuch am Mittwoch ...

Siebtes Gebot

Die Regisseure Damir Lukacevic und Jens Schanze sind am Freitag in Berlin mit dem Dekalog-Filmpreis der katholischen Guardini- und evangelischen St. Matthäus Stiftung ausgezeichnet worden. In der Wettbewerbsrunde zum Siebten Gebot »Du sollst nicht stehlen« wurde beiden für ihre Filme »Transfer - Der Traum vom ewigen Leben« und »La buena vida - Das gute Leben« zu gleichen Teilen der erste Preis zue...

Hauptrolle für Oscar Isaac?

US-Schauspieler Oscar Isaac (37, »Star Wars: Das Erwachen der Macht«, »X-Men: Apocalypse«) möchte mit Steven Spielberg (69) ein Historiendrama drehen. Wie die Branchenblätter »Hollywood Reporter« und »Variety« berichteten, verhandelt er um eine Hauptrolle in dem auf einer wahren Geschichte beruhenden Film »The Kidnapping of Edgardo Mortara«, an dem Spielberg schon länger arbeitet.Die Geschichte ha...

ndPlusJan Freitag

Meisterwerk mit Aberwitz

Frauke Finsterwalders auf diversen Festivals gefeiertes Erstlingswerk läuft Dienstagnacht um 23 Uhr im Ersten. Und das ist nicht nur ungemein respektlos gegenüber Filmerin und Zuschauern, sondern schlichtweg Blödsinn.

Seite 18

Kanuverband sperrt Belarus und Rumänien

Lausanne. Wegen nachgewiesenen systematischen Dopings im Kanurennsport hat der Weltverband ICF am Samstag die Verbände aus Belarus und Rumänien bis auf Weiteres suspendiert. Beiden Verbänden droht eine einjährige Sperre und damit auch der Ausschluss von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (5. bis 21. August). Bei Kontrollen außerhalb des Wettkampfes war im April bei elf rumänischen Kanuten m...

Pirmin Closse, Hamm

Timo Boll ist wieder da

Seine Jagd nach einer olympischen Einzelmedaille hat Tischtennisass Timo Boll noch nicht beendet. Zumindest dieses Signal sendete der 35-Jährige mit dem Sieg am Samstag beim Testturnier im westfälischen Hamm an die Konkurrenz. Drei Wochen vor Beginn der Sommerspiele in Rio schlug Boll zunächst den griechischen Abwehrspezialisten Panagiotis Gionis (3:1), den Briten Liam Pitchford (3:0) und im Halbf...

ndPlusClaas Hennig, Hamburg

»Wir haben es selbst verbockt«

Geht da doch noch was für die deutschen Triathleten? Der Weltverband ITU versucht alles, damit Deutschland nicht nur mit Anne Haug in Rio vertreten ist.

ndPlusStefan Tabeling und
Wolfgang Jung

Ein Brief, der nicht warten konnte

An diesem Montag veröffentlicht die Welt-Antidoping-Agentur ihren Bericht zu womöglich vertuschten Dopingproben bei den Winterspielen 2014. Schon vorher wird ein Olympiabann Russlands gefordert.

Seite 19

Sprungdrama

Tragik in Monaco: Der Hallenweltmeister und Europameister im Hochsprung Gianmarco Tamberi hatte Italiens Landesrekord gerade auf 2,39 Meter gesteigert, als er sich beim Versuch an 2,41 am Knöchel verletzte. »Auf Wiedersehen, Rio. Bitte weckt mich aus diesem Albtraum!«, schrieb Tamberi bei Facebook, nachdem eine Untersuchung in Padua sein Olympiaaus bestätigt hatte. Tamberi war eine der olympischen...

Übersprung

»Das war wohl der perfekte Sprung. Ich kann es noch gar nicht fassen«, sagte Marie-Laurence Jungfleisch am Samstag. Die 25-jährige Hochspringerin vom VfB Stuttgart hatte gerade in Eberstadt zum ersten Mal die Zwei-Meter-Marke im Hochsprung überwunden. Nun hofft sie auf eine Medaille in Rio. Bislang sprang in diesem Jahr nur Chaunté Lowe aus den USA mit 2,01 Meter höher. Als erste Hochspringerin de...

Wellensprung

Rund 350 Sportler aus mehr als 50 Mannschaften nahmen bei stürmischem Wetter und starkem Wellengang am 20. Internationalen Cup der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) vor Warnemünde teil. Die deutsche Nationalmannschaft gewann den Wettstreit der acht Nationen und verteidigte ihren Titel aus dem Vorjahr. In der DLRG betreiben in Deutschland rund 60 000 zumeist junge Menschen den Rettungss...

ndPlusTom Mustroph

Pannenpolizisten

»Fin de Course« steht an dem Polizeifahrzeug. Wurde in früheren Jahren der Fahrzeugkonvoi der Tour de France mit dem Besenwagen abgeschlossen, so ist jetzt an seinem Ende ein Kleinbus der Polizei. Er ist wohl eher nicht dafür gedacht, überführte Doper oder Motorenbenutzer gleich aus dem Rennen in die Zelle zu befördern. Die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen bei der Tour nach dem Anschlag in Nizza f...

ndPlusTom Mustroph

Britannia herrscht und wackelt kaum

Chris Froome ist der Toursieg kaum zu nehmen. Auch außerhalb des Teams Sky sorgen britische Radprofis für Erfolge und dominieren diese 103. Tour de France. Doch die 15. Etappe holte sich mal kein Brite.

Seite 20
ndPlusGilbert Kolonko

Opfer des Schweigens

In Pakistan wurde in der Nacht zu Freitag die 26-jährige Bloggerin Fouzia Azeem ermordet. Unter den Namen Qandeel Baloch erlangte sie mit Internetveröffentlichungen aus ihrem Privatleben den Status eines Popstars in den »modernen« Kreisen Pakistans. In der Mittelklasse des Landes ist es nicht außergewöhnlich, dass man mit einer Flasche Gin in geselligen Runde sitzt und fast jeder jemanden kennt, d...

Michael Lenz

Teuer, aufwendig und zwanghaft

Hochzeiten sind das gesellschaftliche Ereignis im buddhistischen Königreich Kambodscha. Für das Fest gilt: je größer, je teurer, je lieber. Man zeigt, was man hat, oder tut wenigstens so.