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Unten links

Endlich gibt es eine Erklärung, warum die Presse in diesem Lande so nachhaltig in Verruf geraten ist. Weil eben nicht vorrangig in Redaktionsstuben edle Federn zum Einsatz kommen - sondern im Bundestag. Die sogenannte Montblanc-Affäre tobt dort schon fast acht Jahre. Und, wie es aussieht, wird sie die Parlamentarier auch noch weiterhin beschäftigen. Denn immer noch sind die Namen der 115 Bundestag...

Mexiko: Polizei tötet willkürlich

Mexiko-Stadt. Die Bundespolizei soll in Mexiko bei einem Einsatz im vergangenen Jahr 22 Menschen willkürlich getötet haben. Wie die Menschenrechtskommission CNDH laut der Zeitung »La Jornada« am Donnerstag (Ortszeit) bekannt gab, sind auch Fälle von Folter und Misshandlungen dokumentiert. Insgesamt wurden im Mai 2015 im Bundesstaat Michoacán 42 Menschen getötet. Die Regierung erklärte, es handele ...

VW will Zulieferung erzwingen

Braunschweig. VW will offenbar hart gegen die Zulieferfirmen vorgehen, die durch ihre Lieferstopps die Produktion bei dem Autokonzern beeinträchtigen und teils bereits zu Kurzarbeit geführt haben. Der Konzern sei gezwungen, die »zwangsweise Durchsetzung der Belieferung vorzubereiten«, teilte VW mit. Dazu würden alle rechtlich möglichen Mittel genutzt. Das Braunschweiger Landgericht erklärte am Fre...

ndPlusOlaf Standke

Todeszone Mexiko

Seit Beginn der Amtszeit von Mexikos Präsident Peña Nieto Ende 2012 sind fast 100.000 Menschen getötet worden. 98 Prozent der Verbrechen blieben ungeahndet. Diese Schreckensbilanz ist Folge eines desaströsen politischen Versagens.

Geister und Phantome

Berlin. Der Eindruck einer Neuauflage des Scharfmacher-Wahlkampfes von Roland Koch liegt nicht fern: Ende der 1990er Jahre gewann der CDU-Hesse mit einer Unterschriftenaktion gegen die doppelte Staatsbürgerschaft die Landtagswahl. Die Aktion war aber eine Idee der gesamten Union, die damit gegen Pläne der rot-grünen Bundesregierung zur Reform des Staatsbürgerschaftsrechts Front machte. Nun bringen...

ndPlusRené Heilig

Kiew will COBRAS kaufen

Die Ukraine bittet um westliche Waffen. Doch Deutschland, das den OSZE-Vorsitz inne hat, hält sich bedeckt und setzt auf Diplomatie.

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ndPlusSimon Poelchau

Erste Opfer

Schon lange warnen Ökonomen, dass der Ausgang des Referendums in Großbritannien auch hierzulande Folgen haben könnte. Natürlich ist man neun Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise abgestumpft, was Hiobsbotschaften anbelangt. Zu häufig wurde seitdem in einem kurzen Stocken der Wirtschaft bereits der Beginn der nächsten großen Krise gesehen. Doch diejenigen, die zu optimistisch in die Zukunft ...

Hermannus Pfeiffer

Die Blase, die keine war

Bislang gab es keine Immobilienblase - für die Öffentlichkeit. Doch plötzlich merken Banken und Bundesregierung hörbar auf. Dabei geht es um mehr als um bezahlbare Mieten: Bedroht ist die Stabilität des Finanzsystems in Deutschland und Europa. Während die USA nach 2007 ihre Hausaufgaben gemacht haben, ist in Europa der Goldrausch ausgebrochen. Für ein Häuschen in den Speckgürteln von Hamburg oder ...

ndPlusGrit Gernhardt

Über Gebühr unsozial

Die Europäische Zentralbank ist schuld daran, dass bei der Postbank bald mehr Menschen als bisher Gebühren für ihre Girokonten zahlen müssen. So lautet die offizielle Nachricht. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Simon Poelchau

Reformerin

Als sie nach Berlin kam, lag die Arbeitslosenquote in der Hauptstadt noch bei 11,1 Prozent. Nun ist sie seit Mai erstmals seit der Wende in der Hauptstadt einstellig und liegt derzeit bei 9,5 Prozent. Auch wenn dies wohl nicht allein das Verdienst der Regionaldirektorin Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit (BA), Jutta Cordt, war, so ist es sicherlich ein Argument für eine wichtige Perso...

Martin Leidenfrost

Im Inzestzentrum

Seit 1968 wurden beinahe alle Werte besonders der Sexualmoral umgewertet, nur das Inzestverbot schien sich zu halten. Zwar geht international eine leichte Tendenz zur Entkriminalisierung von Inzest, doch geschieht dies verschämt.

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ndPlusFabio Reinhardt

Czajas Tiefschlaf kann für Berlin teuer werden

Missstände bei der Unterbringung von Flüchtlingen gibt es nicht nur in den Heimen, die PeWoBe betreibt. Berlin hat eine ganze Reihe von dubiosen Vertragspartnern, die ihr Geschäft mit besonders Hilfebedürftigen machen.

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Wie Gewalt entsteht

Heidenau. Ein Jahr nach den Krawallen vor einer Flüchtlingsunterkunft in Heidenau haben Politiker mehrerer Parteien ein entschlossenes Vorgehen gegen Fremdenhass angemahnt. Darin waren sich Vertreter von CDU, Linken, SPD und Grünen am Freitag einig. Die Bewertung des damaligen Geschehens fiel allerdings unterschiedlich aus. Grüne, Linke und auch die SPD warfen der Union vor, das Thema Rechtsextrem...

Tim Zülch

Schleppende Verfahren und einseitige Ermittlungen

Noch immer ermittelt die Polizei oft einseitig im Falle rechter, rassistischer Übergriffe, Gerichte verschleppen Verfahren. Aber die Situation bessert sich allmählich. Das hat auch der Fall Heidenau gezeigt.

ndPlusMax Zeising

Das Schweigen nach den Nazi-Krawallen

Ein Jahr nach den Ausschreitungen von Heidenau hat sich die politische Lage nicht beruhigt. In der Region steckt der Nationalismus in vielen Köpfen - Antifaschisten demonstrieren deshalb zum Jahrestag der rassistischen Vorfälle.

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SPD legt im Nordosten wieder zu

Schwerin. Knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 4. September befindet sich die SPD im Aufwind. In einer am Freitag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks kommt die Partei von Ministerpräsident Erwin Sellering auf 26 Prozent. Seit Ende Juni konnten die Sozialdemokraten damit um vier Prozentpunkte ...

ndPlusJindra Kolar, Prag

Rechtsextreme kontrollieren slowakische Züge

Milizien der rechtsextremen Partei "Unsere Slowakei" patroullieren in Zügen und auf Bahnhöfen. Was die Staatsbahn toleriert, will die Regierung nun per Gesetz verbieten. Die Rechten sind in der Slowakei im Aufwind.

Fabian Lambeck

Union will Gesicht zeigen lassen

Mit der »Berliner Erklärung« wollen die Unions-Innenminister das Tragen von Burkas an bestimmten Orten untersagen. Dabei gibt es solche Verbote bereits. Die LINKE warnt vor einem »Law-and-Order-Rausch«.

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Syrien: Assad bombardiert Kurdengebiete

Damaskus. Die syrische Luftwaffe hat erstmals Stellungen in kurdischen Autonomiegebieten im Nordosten des Bürgerkriegslandes bombardiert. Bei Luftangriffen und Kämpfen zwischen kurdischen Einheiten und regimetreuen Milizen in der Stadt Hasaka sei eine unbekannte Zahl von Zivilisten verletzt worden, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Zahlreiche Bewohner seien vor der Gewalt...

Wachsender Zustrom auf Inseln in der Ostägäis

Athen. Griechenland verzeichnet wieder einen wachsenden Zustrom von Flüchtlingen und anderen Migranten, die mit Booten von der Türkei auf Inseln in der Ostägäis übersetzen. Zwischen Donnerstag- und Freitagmorgen seien 261 Menschen angekommen, teilte der Stab für die Flüchtlingskrise in Athen am Freitag mit. »Wir gehen davon aus, dass die erhöhten Ankünfte mit dem sehr guten Wetter zusammenhängen, ...

ndPlusKarin Leukefeld, Damaskus

Fahl schimmert Hoffnung in Aleppo

Eine wöchentliche humanitäre Waffenruhe von 48 Stunden könnte Aleppo neue Hoffnung geben. Die Regierungen in Russland und Syrien stimmen der Forderung des UN-Sondervermittlers für Syrien zu.

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Ivan Couronne, Charlotte

Trump äußert sein Bedauern über Wortwahl

Nach der Neuaufstellung seines Wahlkampfteams mäßigt US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump den Ton. Auf einer Kundgebung in Charlotte im Bundesstaat North Carolina äußerte der Rechtspopulist sein Bedauern über rhetorische Entgleisungen. »Ich bedaure das - insbesondere in den Fällen, in denen das möglicherweise persönlichen Schmerz verursacht hat.« Der angeschlagene Kandidat hielt die Rede einen...

Es wird neu über die britische Wirtschaft gesprochen

Wie erklären Sie sich selbst das Phänomen »Momentum« und seinen Erfolg? »Momentum« ist im innerparteilichen Wahlkampf gegründet worden - aus der spontanen Unterstützung vieler Labour-Mitglieder und Parteiloser für die Kandidatur von Jeremy Corbyn. Wir wollten die vielen neuen Aktiven bei der Partei halten, aber das Ziel ist natürlich auch weiter gefasst, nämlich die politische Großwetterlage ...

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Gratiskonto nur noch für wenige

Bonn. Viele Kunden der Postbank müssen künftig für ihr Girokonto Geld bezahlen. Die größte Privatkundenbank Deutschlands kündigte am Freitag zum 1. November 2016 eine Neuausrichtung ihrer Kontolandschaft und ein verändertes Preismodell an. Hintergrund seien die niedrigen Zinsen, die auf die Ergebnisse drückten. Das Marktumfeld mache es immer schwerer, mit dem Girokonto Geld zu verdienen, begründet...

Hermannus Pfeiffer

Banken warnen vor Immobilienblase

Erstmals geben Kreditinstitute zu, dass sie eine neue Spekulationsblase fürchten. Die Regierung zögert noch, energisch einzugreifen.

Sebastian Weiermann, Köln

Mit Klappstuhl oder Krawatte

Auf der Gamescom heißt es vor allem warten. Auf den nächsten freien Platz vor dem Computer oder die nächste freie Virtual-Reality-Brille. Die Hersteller machen während der langen Schlangen gute Geschäfte.

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ndPlusTobias Riegel

Momentaufnahme

Die Emotionalisierung von politischen Debatten durch tragische Einzelfälle ist immer schäbig. Grotesk wird es aber, wenn einem Einzelbild unterstellt wird, es würde »die Geschichte des syrischen Krieges erzählen«, wie uns dies zahlreiche große Medien dieser Tage in Bezug auf den hier abgebildeten Omran aus Aleppo weismachen wollen. Denn das Gegenteil ist der Fall: Das (zugegeben: berührende) Foto ...

Kurt Pätzold ist tot

Sein letzter Text im »nd« liegt nur wenige Monate zurück: Es war ein Rückblick auf den Beginn des »Krieges ohne Beispiel« und auf den deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941. Wenn man so will: das Lebensthema des Historikers Kurt Pätzold. Die Zahl seiner Publikationen über den Faschismus ist schier unüberschaubar. 1975 kam seine »Studie zur politischen Strategie und Taktik des faschistischen d...

ndPlusTobias Riegel

Über Geld spricht man nicht!

Linke könnten sich vom deutsch-migrantischen Ganster-Rap inspirieren lassen, um eine neue Ästhetik vom »Ende der Bescheidenheit« zu entwickeln. Das Recht auf Gier gilt (wenn schon) für alle.

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Herr der Oscars

Der kanadische Filmregisseur Arthur Hiller ist tot. Der einstige Präsident der Oscar-Akademie starb in dieser Woche in Los Angeles im Alter von 92 Jahren wie die Academy of Motion Picture Arts and Sciences mitteilte. Der im kanadischen Edmonton geborene Filmemacher feierte mit dem Drama »Love Story« seinen größten Erfolg. Der Film brachte ihm eine Oscar-Nominierung ein. Von 1993 bis 1997 leitete H...

Lesen gegen Angst

Die Stadt Dresden hat sich auf besondere Weise um Lesernachwuchs engagiert und erhält deshalb einen Preis der Stiftung Lesen. Wie die Stiftung am Freitag mitteilte, wurde Dresden zur »Außergewöhnlichsten Vorlesehauptstadt 2015« gekürt. Die sächsische Landeshauptstadt hatte auf vielfältige Weise etwa 2000 Kindern mit Büchern die Themen Toleranz und Weltoffenheit nahegebracht. Einwohner der Stadt la...

Regionale Befindlichkeit

Sollte sich neben Magdeburg auch Halle um den Titel der Kulturhauptstadt Europas 2025 bewerben, kann die Saalestadt nicht mit der Unterstützung des Landes rechnen. Kulturminister Rainer Robra (CDU) wies am Freitag in einer Mitteilung auf den Koalitionsvertrag hin, wonach Sachsen-Anhalt die Bewerbung Magdeburgs unterstützen wird. «Das Land ist schlicht nicht in der Lage, eine weitere parallele Bewe...

ndPlusSteffen Schmidt

Der Schöpfer im Hintergrund

Dass sein Tod erst nach über einem Monat bekannt wurde, steht in gewisser Weise für sein Leben. Lothar Dräger, der 89-jährig bereits am 9. Juli in Potsdam verstarb, blieb über Jahrzehnte ein Schöpfer, den kaum einer als solchen kannte. Er war ab 1957 Texter und Ideengeber des DDR-Comics »Mosaik«. Er blieb es bis 1990. Lothar Dräger wurde am 19. Januar 1927 in Schwennenz (heute Ortsteil von Grambow...

Norbert Suchanek

Die wahren Olympioniken

Die italienische Fotografin Miriam Di Domenico zeigt jene, die im Schatten von Olympia und nicht auf einem Siegertreppchen stehen. Sie porträtiert die Helden des Alltags von Rio de Janeiro.

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ndPlusFelix Lill, Rio de Janeiro

Geschlecht und Gerechtigkeit

Mit der Abschaffung von Testosterongrenzen für Frauen stellen sich Fragen über die Definition von Geschlecht und Gerechtigkeit. Werden nur noch Frauen mit hohen Hormonwerten siegen können?

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Jubel, Frust und Trauer

Ein jähes Ende der Medaillenparty hat für Verstimmung bei den deutschen Hockeyspielern gesorgt. Nach dem spannenden 4:3-Sieg im Penaltyschießen gegen die Auswahl aus den Niederlanden und dem Gewinn von Olympiabronze hatten Moritz Fürste und Co. ausgelassen gefeiert. Ganz plötzlich, gegen vier Uhr morgens, war die Party dann vorbei: Im Deutschen Haus ging das Licht an. »Das war einmal GAR NICHTS @D...

ndPlusJirka Grahl

Irren ist Silber

Fehler sind bei Olympia keineswegs nur den Athleten vorbehalten, sie unterlaufen gerne auch den Reportern. Eines Abends an der Gewichtheberhalle beispielsweise auch mir: Es ist schon spät, als ich mit einem Kollegen noch schnell in den Medienbus springe, der an der Arena »Carioca 2« wartet. Der Bus, der uns ins Medienzentrum bringen soll, ist brechend voll, im Türbereich stehen lauter Funktionäre ...

Tom Mustroph

Doping für die Nerven

Einige Olympiastarter berichten von Wunderdingen: Neuartige Kopfhörer sollen ihnen helfen, bessere Sportler zu werden. Verboten ist die Methode der Elektrostimulation noch nicht, umstritten aber schon.

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Rot-Rot-Grün setzt Zeichen gegen Gewalt

SPD, Grüne und Linkspartei haben sich am Freitag gemeinsam gegen zunehmende Gewalt im Wahlkampf positioniert. In dem »Konsens unter Demokratinnen und Demokraten: Gewalt ist kein Mittel der Auseinandersetzung« äußern sich die Landesgeschäftsführer der drei Parteien besorgt über die Attacken in den vergangenen Wochen. »Wir erleben in diesen Tagen eine Radikalisierung der Sprache und Taten«, erklären...

Lagerwahlkampf isoliert die CDU

Der Wahlkampf nimmt Fahrt auf. Nach dem Ausruf eines Lagerwahlkampfes durch den SPD-Spitzenkandidaten Michael Müller in dieser Woche mehren sich die Anzeichen, dass durch Müllers Schachzug die CDU am Ende tatsächlich fast allein in der rechten Ecke stehen könnte. Innensenator Frank Henkel (CDU) erklärte zwar am Freitag plötzlich, dass seine Forderungen zum Burkaverbot und dem Ende des Doppelp...

Marina Mai

Zukunft der PeWoBe-Heime ist ungewiss

Um auf der sicheren Seite zu sein, hat das Land Berlin nach den fristlosen auch fristgerechte Kündigungen an den umstrittenen Flüchtlingsheimbetreiber PeWoBe ausgesprochen. Doch viele Fragen bleiben.

ndPlusMaria Jordan

Wie viel Armut ist noch sexy?

Arbeitslosigkeit, Armut und prekäre Beschäftigung sind nach wie vor wichtige Problempunkte in Berlin. Was aber schlagen die Parteien für die kommenden Legislaturperiode in Sachen Sozialpolitik vor?

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Andreas Fritsche

Leser laufen durch den Grunewald

Die nd-Leserwanderung startet am 18. September am S-Bahnhof Grunewald. Ziel ist der »Alte Krug« in Dahlem. Die Strecken sind 7 und 14,6 Kilometer lang.

Philip Zeitner

Partizipation ist erwünscht

Wer sich noch nicht sicher ist, wem die Erststimme bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus gehören soll, der kann sich helfen lassen.

Tomas Morgenstern

Ernte beschert Bauern ein Minus

Brandenburgs Bauern sind kurz vor dem Ende der Getreideernte mit den Erträgen nicht zufrieden - vor allem das wechselhafte Wetter hat ihnen eine ähnlich gute Bilanz wie 2015 verdorben.

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Luftikusse

Föhren. Das größte Heißluftballon-Treffen in Rheinland-Pfalz begann am Freitag in Föhren bei Trier. Rund 80 Ballonfahrer aus mehreren europäischen Ländern haben sich zum Start bei der »Mosel Ballon Fiesta« angemeldet. Dabei heben Dutzende Ballons gleichzeitig ab, zwei Tage feiern Zehntausende Besucher das Himmelsspektakel. Das Festival geht zum zehnten Mal in Föhren über die Bühne. Für den Heißluf...

ndPlusPeter Zschunke, Mainz

Streit um kommunale Finanzen

Die Idee klingt simpel: Die Mittel für Städte und Dörfer in Rheinland-Pfalz werden so verteilt, dass ärmere Kommunen mehr bekommen als wohlhabende. Darin spiegele sich Solidarität zwischen den Kommunen, aber auch die Einsicht, »dass die vielen öffentlichen Aufgaben nur gemeinsam erfüllt werden können«, erklären das Innen- und das Finanzministerium. Dennoch gibt es massive Kritik und etliche Gerich...

Sebastian Haak, Behrungen

Nix mit Wohlfühl-Projekt

Die Umweltministerin will aus dem Grünen Band ein besonderes Naturschutzgebiet machen. In der Staatskanzlei fürchtet man, dass die historische Bedeutung vergessen wird - und übt Grundsatzkritik.

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Mit dabei beim Zukunftschor

Die Literaturwerkstatt Berlin/Haus für Poesie ruft die BerlinerInnen dazu auf, sich anlässlich der Abgeordnetenhauswahl im September am Zukunftschor zu beteiligen. Seit Mitte Juli können Berlinerinnen und Berliner ihre Wünsche, die sie an und für Berlin haben, einsenden - von konkreten Veränderungen im Alltag bis zu den großen Visionen: Welche Entwicklungen sind erstrebenswert, was soll anders sei...

Die Welt als Kunstwerk

In Anbetracht von Phänomenen wie der zunehmenden Fremdenfeindlichkeit und dem Wiedererstarken rechter und rechtskonservativer Parteien in Europa erforscht das Schauspielensemble Theater.Macht.Staat zusammen mit diversen Gastkünstlern den Zusammenhang von Liebe und Krieg und macht sich auf die Suche nach einer Ästhetik des Widerstands. Am 20. August erklären die Künstler das Gelände der Brotfabrik ...

Unabwendbare Verzögerungen

Die Eröffnung des seit Jahren umstrittenen Dokumentationszentrums der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung verzögert sich bis 2018. »Der Eröffnungstermin 2017 ist laut Bundesbaudirektion wohl nicht zu halten«, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) der dpa. »Wegen der unabwendbaren Verzögerung bei der Fertigstellung des Baus kann und wird die neue Direktorin Gundula Bavendamm das g...

Tom Mustroph

Freiheit ist immer die Freiheit des Preisgeldgebers

Von Tom MustrophDie Ausstellung »Common Affairs - zeitgenössische Kunst in Polen« ist ein interessantes Beispiel für die Potenziale und die Gefahren der Verknüpfung von Wirtschaft und Kunst.Gesellschaftskritik ist Trumpf in der Ausstellung »Common Affairs«. Auf einer großen Leinwand sieht man arbeitslose Bergarbeiter ein kümmerliches Lagerfeuer anzünden und darüber sinnieren, wessen kaputte Gliedm...

Hendrik Lasch, Radebeul

Ein kleines Land auf vier Etagen

Ein Museum im sächsischen Radebeul illustriert Alltagsleben in der DDR. Doch ausbleibende Besucher und eine hohe Miete führten zur Insolvenz. Der Gründer hofft freilich, das Tief zu überwinden.

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Einsame Kanzlerin?

Merkel hatte in dieser Woche ein Heimspiel. Sie war an der Ostsee. Da ein Händeschütteln, dort ein gemeinsamer Gesang - nette Menschen eben. Es bleibt die Frage: Hat Merkel eigentlich eine Freundin? Oder einen guten Freund?

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ndPlusSusan Zimmermann

Die Lösung muss dem Kapital wehtun

Im Herbst 1997 haben Sie in einem nd-Interview die Lage der Linken in Ungarn und Osteuropa kritisch analysiert. Wie sehen Sie die Situation heute, mehr als 25 Jahre nach der Wende? Seit dem Systemwechsel von 1989/1991 haben in Ungarn und anderen osteuropäischen Ländern die politischen Regime zahlreiche Metamorphosen durchlaufen. Die Grundtendenz besteht dabei, so wie wir das vorausgesehen hab...

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Nachrufe

João Havelange 8. 5. 1916 - 16. 8. 2016 Am vergangenen Dienstag wehten die brasilianischen Nationalfahnen an allen olympischen Sportstätten in Rio auf Halbmast. Jean-Marie Faustin Goedefroid de Havelange war im Alter von 100 Jahren verstorben. Der Sohn eines belgischen Einwanderers war ein vielseitiger Olympionike: 1936 in Berlin vertrat er Brasilien als Schwimmer, 16 Jahre später als Was...

ndPlusIsmail Küpeli

Kein Held, nur ein Journalist

Noch vor wenigen Jahren hätte sich kaum jemand in der Türkei vorstellen können, dass sich der Kampf um die Presse- und Meinungsfreiheit so stark mit dem Namen Can Dündar verknüpfen würde. Ein Porträt.

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Johannes Simon

Von Los Angeles bis Milwaukee

Ein Rätsel: Gesucht ist eine US-amerikanische Stadt, in der schwarze Bürger in einigen Bezirken konzentriert sind, in denen exorbitante Armut herrscht. Theoretisch sind sie gleich vor dem Gesetz. Die Antwort ist ernüchternd.

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ndPlusBjörn Hayer

Wo ist die schöne Zukunft geblieben?

Nichts überstürzen, besser abwarten, abwägen oder ganz abwiegeln. Ernüchternd mutet derzeit eine Führungselite an, die administrativen Pragmatismus politischen Visionen vorzieht. Auf die drängenden Herausforderungen der nächsten Jahre reagiert die Politik auf europäischer Bühne mit Kleinklein und Gipfelhopping. Man ist routiniert im Abarbeiten von Krisen. Jenseits des technokratischen Problemlösun...

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Ivo Bozic

Karl Marx? Karl May!

Vor 20 Jahren starb Rio Reiser, der mit seiner Band Ton Steine Scherben die Stimme einer Generation von Revoluzzern im Westen war. Heute wird er von den Feuilletons gefeiert. Wie konnte es dazu kommen?

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Jürgen Amendt

Gebrochenes Versprechen

Zum 60-jährigen Bestehen der Bundesrepublik Deutschland 2008 rief Bundeskanzlerin Angela Merkel die »Bildungsrepublik Deutschland« aus. Der Ausbau des Bildungssektors sei notwendig, so die CDU-Politikerin damals, um »jedem die Chance auf Einstieg und Aufstieg zu ermöglichen«. Wohlfeile Worte, die von der Realität allerdings Lügen gestraft werden. Gemessen an der Wirtschaftskraft sind die Ausg...

ndPlusLena Tietgen

Eltern begehren auf

2016 hat der Bundeselternrat die Unterfinanzierung des deutschen Bildungssystem unter der Überschrift »Welche Bildung braucht unsere Gesellschaft?« zum Jahresthema gemacht. Entsprechend war die Frage »Bildungsfinanzierung zwischen Investitionsstau und Schuldenbremse - Woher nehmen wir das Geld?« Motiv seines Kongresses im Frühjahr. Zu häufig werde Bildung als »lästige Kostenstelle« gesehen, d...

ndPlusJens Wernicke

Entwicklungsland Deutschland

Herr Klinger, in der GEW-Studie »Bildungsfinanzierung der öffentlichen Hand - Stand und Herausforderungen« wird massiv Kritik am System der Bildungsfinanzierung in Deutschland geübt. 2014 wurde hierzulande allerdings mit 265,5 Milliarden Euro so viel in Bildung, Forschung und Wissenschaft investiert wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Warum dann diese Kritik? Während wir von d...

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Mario Pschera

Eiserne Faust

Die Türkei ist aufzugliedern in 1. Regionen, in denen eine Ansiedlung kulturell türkischer Bevölkerung erwünscht ist, 2. Regionen, in denen eine Besiedlung durch eine Bevölkerung, die in die türkische Kultur zu assimilieren ist, erwünscht ist, 3. Regionen, die aus militärischen, ökonomischen, politischen und Gründen der öffentlichen Hygiene zu evakuieren sind und deren Wiederbesiedlung verboten is...

ndPlusKarlen Vesper

Hexenjagd

Frau Dağdelen, was ist in die Türken gefahren? Warum stehen sie mehrheitlich hinter Erdoğan und heißen alle seine Schritte, die jeden Demokraten entsetzen, gut? Erdoğan hat sein Netz in Deutschland über viele Jahre ungestört aufbauen können. So kontrolliert er nahezu alle türkischsprachigen Medien, der Dachverband Ditib, in dem 900 Moscheevereine organisiert sind, ist ihm treu ergeben. Türkis...

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Iris Rapoport, Boston und Berlin

Vitaminmangel? Hier?

Deutschland ist kein Vitaminmangelland, liest man allenthalben. Im Prinzip richtig. Aber da es schon ausreicht, wenn nur einer dieser lebensnotwendigen Stoffe fehlt, ist die Aussage problematisch. Denn mit Folsäure, einem B-Vitamin, ist die Mehrheit in Deutschland deutlich unterversorgt. Schlimme Folgen kann das in der Schwangerschaft haben. Besonders in den ersten, meist unbemerkten Wochen, ...

Bengt Arvidsson

Eishaie werden über 400 Jahre alt

Es klingt unglaublich. Durch den Nordatlantik und das Nordpolarmeer schwimmen gegenwärtig Haie, die schon im 17. Jahrhundert aus ihren Eiern geschlüpft sind. Das Licht der Welt haben einige von ihnen somit im Dreißigjährigen Krieg erblickt. Die Rede ist vom bislang weitgehend unerforschten Eishai, auch Grönlandhai (Somniosus microcephalus) genannt. Ein Team aus dänischen und grönländischen Forsche...

ndPlusFrank Ufen

Die Sinne der Pflanzen

Pflanzen - behauptet der italienische Botaniker Stefano Mancuso - können wie Tiere und Menschen sehen, hören, riechen, schmecken und tasten. Zudem besitzen sie einen Schwerkraftsinn und das Vermögen, Giftstoffe im Boden aufzuspüren. Anscheinend reagieren sie sogar auf Veränderungen in ihrer Umwelt mit intelligenten Strategien. Und das alles ohne Nervenzellen oder Gehirn. Überdies können sie v...

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Es hat nicht dauernd gekracht

Ende September endet der Flug der Sonde »Rosetta« mit dem planmäßigen Absturz auf dem Kometen Tschurjumow/Gerassimenko. Haben die Daten der Sonde bisherige Theorien der Planetenentwicklung bestätigt oder müssen wir umdenken? Das grundsätzliche Modell, nach dem es da einen Urnebel gegeben hat, in dem sich durch Kondensation Festkörper bildeten, aus denen letztendlich die Planeten entstanden, d...

ndPlusDieter B. Herrmann

Planeten mit 
Migrationshintergrund

Wir haben uns längst daran gewöhnt, dass Experten bei jedem Start einer neuen Raumsonde in die Tiefen des Sonnensystems versprechen, sie würden damit die Herkunft der Erde erklären wollen. Gelungen ist dies allerdings bisher noch nicht. Kein Wunder - die Aufgabe ist nicht einfach. Wir müssen letztlich aus dem, was wir heute beobachten, auf Vorgänge schließen, die sich vor Jahrmilliarden abgespielt...

Seite 30
ndPlusMichael Juhran

Abwarten und Tee trinken, bis sich der Nebel verzieht

Zärtlich streicht Namrata Suntas über die zartgrünen Blätter eines Teestrauches, so als wolle sie den schmalen Trieben neuen Lebensmut geben. Gestern hat es einen Hagelsturm gegeben. »Die Eiskörner waren so groß wie Tennisbälle«, sagt Namrata noch immer fassungslos. Ein derartiges Gewitter hatte sie im Frühjahr noch nicht erlebt. In Darjeeling und Umgebung lebt die Mehrheit der Einwohner vom Tee, ...

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Michael Müller

«Andre Leit 
sint au Leit»

Klar zur Halse!« - »Ist klar!« Die »Santa Maria Loreto«, Nachbau eines mittelalterlichen Binnenlastenseglers, geht auf dem Großen Alpsee bei Immenstadt auf Gegenkurs. Nun liegt backbords das langgestreckte Nordufer im vormittäglichen Sonnenschein. Allgäuer Alpenvorland. Naturpark so weit das Auge reicht, markantester Punkt in Ufernähe ein prächtiges Gründerstilanwesen. Dort war kürzlich viel bunte...

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ndPlusFelix Lill

Bloß kein Maracanazo!

Thiago, sind die Stühle geliefert?« Der Mann mit Walkie Talkie nickt, fragt nach. »Und der Rollrasen, weißt du schon mehr?« Der sei angekommen und ausgelegt. »Danke. Aus.« Luiz Brum, der Stadionmanager, dreht einmal am Gerät, nach dem kurzen Check-up mit der Logistik fragt er bei den Tontechnikern nach. »Habt ihr den Lautsprecher über der Haupttribüne fertig?« Die letzten Tage klang der Sound nich...