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UNTEN LINKS

Bei der Evaluierung der Olympischen Spiele aus deutscher Sicht wird endgültig zu klären sein, ob es skandalöser war, dass Diskuswerfer Christoph Harting auf dem Siegerpodest herumhampelte oder dass die Hahner-Zwillinge strahlend und Hand in Hand als 81. und 82. beim Marathon ins Ziel einliefen. Zu uncharmant oder zu charmant, zu wenig werbewirksam oder zu viel, das darf alles nicht sein! Falsches ...

Produktion des Golf eingeschränkt

Berlin. Der Streit zwischen Autobauer VW und zwei sächsischen Zulieferunternehmen führt zu massiven Produktionseinschränkungen beim Spitzenmodell, dem Golf. Nach Medienberichten stehen ab Montag Produktionslinien in mehreren Werken und andere Bereiche still. Nach nd-Informationen wird die Beantragung von Kurzarbeit in Wolfsburg, Zwickau, Braunschweig, und Kassel bei der Arbeitsagentur vorbereitet....

Wieder Hitlergruß in Heidenau

Heidenau. Im sächsischen Heidenau ist am Sonntag an die rassistischen Ausschreitungen gegen Flüchtlinge vor einem Jahr erinnert worden. Unter dem Motto »Das Schweigen brechen« demonstrierten etwa 150 Anhänger linker Gruppen durch die Kleinstadt bei Dresden, wo im vergangenen Jahr ein rechter Mob gegen die Unterbringung von Asylsuchenden in einem früheren Baumarkt tobte. Die linke Demonstration wur...

Olympische Spiele in Rio beendet

Rio de Janeiro. Am Sonntagabend gingen die ersten Olympischen Spiele in Südamerika mit der Schlussfeier zu Ende. Für Thomas Bach war Rio ein voller Erfolg - die vielen Probleme klammerte der IOC-Präsident in seiner Bilanz einfach aus. »Die Brasilianer waren großartige Gastgeber, vereinigt hinter den Olympischen Spielen. Mit ihrer Lebensfreude haben sie sie zu einer Party für alle gemacht«, sagte e...

Roland Etzel

Erdogans Quarantäne

Bei Erdogan überlegt, wie Ankara seinen Status einer politischen Quarantänestation loswerden könnte. Nicht überraschend: Der Wechsel von der Schimpf- zur Schmeichelkanonade wird zuerst an Deutschland exekutiert.

Wegmarken des Wahnsinns

Berlin. Spitzhacken, Stahlstangen und Vorschlaghämmer; aber auch Sprengstoff und Bulldozer: Es gibt der Möglichkeiten und Instrumente viele, Werke und Zeugnisse, die Menschen vor Jahrhunderten und Jahrtausenden schufen, in Staub und Trümmer zu verwandeln. Wegmarken dieser Wahnsinnstaten: die zerschlagenen Buddha-Statuen von Bamiyan in Afghanistan, die im Norden Iraks zerschmetterten Jahrtausende a...

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Sagenumwobenes Timbuktu

Der fast magische Name steht für einen entlegenen Ort am Ende der Welt: Timbuktu. Doch die Wüstenstadt im Norden von Mali war im 15. und 16. Jahrhundert ein Zentrum des Karawanen-Handels, der durch die Sahara führte. Und sie war eine Blüte der weltoffenen Gelehrsamkeit. Ihre Universität mit 20 000 Studenten war in der islamischen Welt und weit darüber hinaus berühmt. »Die Schätze der Weisheit sind...

ndPlusOlaf Standke

Umstrittenes Gericht in Den Haag

Premiere in Den Haag: Erstmals verfolgt das Weltstrafgericht die Zerstörung von Kulturgütern. Diese, schrieb die UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova unlängst im Online-Magazin »International Criminal Justice Today«, sei eine neue »Kriegstaktik, um Angst und Hass zu verbreiten«, um »den Stoff, aus dem die Gesellschaften sind, in Fetzen zu reißen«. Es ist auch der erste Prozess wegen Kriegsverbrec...

Christa Schaffmann

Weltkulturerbe in Mali bekommt juristischen Beistand

Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag eröffnet zum ersten Mal ein Verfahren wegen der Zerstörung von Kulturerbe. Der Al-Quaida-nahe Islamist Ahmad al Faqui al Mahdi muss sich verantworten.

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ndPlusJirka Grahl, Barra

Drastischste Kürzungen seit 56 Jahren

Nach Olympia ist vor den Paralympics. Doch auch das Weltsportfest der Menschen mit Behinderung, das am 7. September in Rio de Janeiro eröffnet werden soll, muss im chronisch klammen Rio de Janeiro improvisieren, nachdem das Organisationskomitee nun noch einmal drastisch sparen musste. Sir Philip Craven, Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), sprach am Freitag von der schwieri...

Jirka Grahl, Rio de Janeiro

Das kleine und das große Dorf

Rio hat 23 Olympische Dörfer: Eines für die 11 000 Athleten aus aller Welt und 22 sogenannte Vilas Olímpicas, die die Stadtverwaltung in Rio de Janeiros Armenvierteln betreibt. Denen fehlt es am Nötigsten.

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ndPlusAlexander Ludewig

Bilder ohne Kraft

Rio de Janeiro geht es nicht gut. Stadt und Bundesstaat drücken Schulden, die sie nicht bezahlen können. Leiden müssen darunter vor allem die Ärmsten. Kurz vor Olympia rief die Gastgeberstadt sogar den Notstand aus. Verbessern wird das mehr als zehn Milliarden Euro teure Großereignis diese Situation auf jeden Fall nicht. Armut, Gewalt, Korruption und Wirtschaftskrise - diese Probleme hat nicht nur...

ndPlusIngolf Bossenz

Dürftige Dimensionen

Sind die Deutschen von allen Geistern des Guten verlassen? Immerhin sprachen sich in einer als »repräsentativ« apostrophierten Umfrage zum Thema Migration und Sicherheit 85 Prozent für »schnellere Abschiebemöglichkeiten« aus. Schneller als was? Als die Polizei erlaubt? Doch gemach. Hölderlin hatte recht: »Wo aber Gefahr ist, wächst. Das Rettende auch.« Den befürchteten Absturz ins dunkle Deut...

Jörg Meyer

Ohne Schirm

Ein so international agierendes Unternehmen wie VW nimmt keine Rücksicht auf Belegschaften, sondern blickt auf die Bilanzen und den schnellen Profit. Bittere Realität: Die Gewerkschaft kann dem nicht viel entgegensetzen.

Tobias Riegel

Die Unbequeme

Die türkische Schriftstellerin und Journalistin Asli Erdogan sagte 2008 der »FAZ«, dass sie deshalb so viel über die Zustände in den Gefängnissen ihres Heimatlandes schreibe, weil sie dort sein wolle, wo die menschlichen Tragödien am dunkelsten seien. Sie sagte: »Denn dort herrscht die größte Stille.« Nun befindet sie sich wieder an solch einem furchtbar stillen Ort - aber diesmal nicht als Berich...

ndPlusMatthias Dell

Rache, Gewalt und so

Dieser »Tatort« gibt Auskunft über die laufenden Modernisierungsarbeiten an der Traditionsreihe: Gelungen ist ein Kriminalfilm, wenn er schön aussieht. Aber hoch liegt die Latte nach »Durchgedreht« nicht.

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Der NPD steht das Wasser bis zum Hals

Karlsruhe/Schwerin. Im Kampf um den Erhalt ihrer bundesweit letzten Landtagsmandate in Mecklenburg-Vorpommern sehen Experten die rechtsextreme NPD in der Zwickmühle. »Die moderateren Positionen besetzt die AfD«, sagt der Dresdner Politologe Steffen Kailitz. »Und mit Blick auf das Verbotsverfahren kann sich die NPD auch nicht als radikale Alternative präsentieren.« Das Verbotsverfahren - es schwebt...

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Noch mehr geheime Absprachen in Stuttgart

Vor einem Monat wurden zum ersten Mal Nebenabsprachen von Grün-Schwarz bekannt. Nun lösen weitere geheime Vereinbarungen vor allem zu konkreten Sparzielen erneut Empörung aus.

Jörg Meyer

Verhandlungen im Teilestreit

Das Ringen geht weiter. Mit einem Gerichtsurteil in der Tasche, dass man Teile auch beschlagnahmen könne, geht VW am Montag in neue Verhandlungen mit zwei Zulieferbetrieben.

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Was habt ihr zu verlieren?

New York. Angesichts seiner schlechten Umfragewerte hat der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump gezielt die afroamerikanischen Wähler angesprochen. »Ihr lebt in Armut, eure Schulen sind schlecht, ihr habt keine Arbeit, 58 Prozent eurer Jugendlichen sind arbeitslos. Was habt ihr zu verlieren, wenn ihr etwas Neues wagt?«, sagte Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Michigan. Zuvo...

Iran führt neue Luftabwehrraketen vor

Teheran. Der iranische Präsident Hassan Ruhani und Verteidigungsminister Hussein Dehghan haben neue Luftabwehrraketen vom Typ Bawar 373 vorgeführt, die nach offiziellen Angaben Marschflugkörper, Drohnen, Kampfflugzeuge und ballistische Raketen zerstören können. Die staatlichen Medien zeigten am Sonntag Bilder der beiden Politiker bei der Präsentation des Abwehrsystems in Teheran. Die Entwicklung d...

ndPlusReiner Oschmann

Fällt der Vorhang vor dem Finale?

Trump denkt gar nicht daran, sich zu mäßigen. Viele US-Republikaner stellen sich mittlerweile die Frage: Ist der Schaden noch reparabel, den sich Kandidat Trump mit Provokationen und Beleidigungen zugefügt hat?

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Philippinen drohen mit UN-Austritt

Manila. Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte hat nach Kritik an seiner rigorosen Art zur Bekämpfung der Drogenkriminalität mit einem Austritt seines Landes aus den Vereinten Nationen gedroht. Er warf den UN und ihren Experten Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Philippinen vor. »Ich will euch nicht beleidigen, aber vielleicht werden wir einfach entscheiden müssen, uns von den Ve...

»Wer eine anfasst, fasst alle an«

In Peru steigt die Gewalt gegen Frauen. Inzwischen regt sich breiter Widerstand: Mitte August demonstrierten Zehntausende in Lima gegen Frauenmorde und Vergewaltigung. Interview mit einer Menschenrechtlerin.

Irina Wolkowa, Moskau

Streit um Wasser und Energie

Der Uralt-Konflikt zwischen den zentralasiatischen Republiken Usbekistan und Tadshikistan eskaliert wieder einmal. Zündmittel sind diesmal Energie und Wasser.

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Christian Mihatsch, Chiang Mai

Zeit zur Klimarettung wird knapp

Das Paris-Abkommen aus dem vergangenen Jahr gilt als historisch, weil sich darin alle Länder zum Schutz des Klimas verpflichten. Die Zeit drängt: Viele Staaten wollen den Vertrag noch 2016 ratifizieren.

John Dyer

Trump und Clinton erteilen Freihandel eine Absage

US-Präsident Barack Obama befürwortet Freihandelsabkommen. Doch sein Nachfolger wird eine andere Politik verfolgen. Beide Kandidaten stehen dem Abkommen ablehnend gegenüber - selbst die ehemalige Befürworterin Clinton.

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Schwarz-grüne Harmonie

Man mag es kaum glauben. Ausgerechnet die Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) und CDU-Sozialsenator Mario Czaja finden eine sehr kreative Lösung im langen Ringen um die Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule: Der Bezirk verzichtet einstweilen auf Mieteinnahmen, dadurch sinken die Kosten und die Bedürftigen können endlich die seit Janu...

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Land reduziert Ausbau der Erstaufnahme

Wünsdorf. Angesichts sinkender Flüchtlingszahlen macht das Land Brandenburg Abstriche an seinen Plänen für die Erstaufnahmeeinrichtung in Wünsdorf (Teltow-Fläming). »Die Außenstelle in Wünsdorf wird vorerst nicht auf 1700 Plätze ausgebaut. Wir belassen es dort bis auf Weiteres bei rund 1000 Plätzen«, sagte Innenstaatssekretärin Katrin Lange in Potsdam. Brandenburg wird diese Plätze voraussichtlich...

Nicolas Šustr

Streit um Neubauten in Friedrichshain-West

Auf Parkplätzen und Freiflächen rund um die Karl-Marx-Allee sollen Häuser entstehen. Anwohner fühlen sich nicht berücksichtigt.Von Nicolas Šustr»Wir haben den Eindruck, dass wir als Bürger nicht für voll genommen werden«, platzt es aus Heidemarie Wienert heraus. Sie ist Sprecherin des »Aktionsbündnisses Lebenswertes Wohnen in Friedrichshain-West«. Stein des Anstoßes sind Pläne der landeseigenen Wo...

ndPlusFabian Albrecht und
Georg-Stefan Russew

Polizist schießt auf Verdächtigen

Ein Mann bedroht auf einer Kreuzung Passanten mit einem Motorradkettenschloss. Wenig später wird er von einem Polizisten niedergeschossen. Die Umstände des Falles bleiben mysteriös.

Henry-Martin Klemt

Was blinkt, verkauft sich besser

Mit dem Eisenhüttenkombinat Ost (EKO) baute die DDR ab 1950 für die Stahlwerker die erste »sozialistische Stadt«. Am Reißbrett entworfen, stellte sie das benachbarte Fürstenberg fortan in den Schatten.

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Zeit für vollmundige Abgänge

Neustadt. Der Herbst macht das Weinjahr, heißt es bei den Winzern. Damit der neue Jahrgang ein Erfolg wird, hoffen die Winzer in den nächsten Wochen auf sonniges und trockenes Wetter. Mit der Ernte der ersten Trauben für Federweißen beginnt an diesem Montag offiziell die Weinlese in Deutschland. Der bundesweite Auftakt wird nach Angaben des Deutschen Weininstituts im rheinland-pfälzischen Neustadt...

ndPlusStephan Köhnlein, Darmstadt

Wenn die Glocken zu laut läuten

Bald schweigen nachts die Kirchenglocken im Darmstädter Paulusviertel. Es ist eine der besten Wohngegenden der Stadt - mit streitbaren und lärmempfindlichen Bürgern. Ein Neubau des Fußballstadions am nahegelegenen Böllenfalltor scheiterte kürzlich an Lärmschutzauflagen und den Bedenken einiger Anwohner. Nun sorgten deren Beschwerden dafür, dass die evangelische Kirchengemeinde den Uhrschlag ab dem...

Sebastian Bähr

Connewitz gegen das Imperium

Unter den Organisatoren des Leipziger Kampfturniers »Imperium Fighting Championship« sollen Hooligans und Neonazis sein. Antifaschisten mobilisieren gegen das Event, erste Sponsoren sind bereits abgesprungen.

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Thikwa Jubiläum

Das Theater Thikwa in den romantischen Kreuzberger Mühlenhaupthöfen feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum. Zum Auftakt der Jubiläums-Spielzeit, die am 31. August beginnt, wird in »Homescape - Thikwas Zeltstadt« das Thema Heimat untersucht. Mit einer großen Theaterreise. Dazu wird das ganze Theater in eine Zeltstadt verwandelt. Dort können die Zuschauer erkunden, wie sich »zu Hause« anfüh...

Bauboom freut Archäologen

Der Berliner Landesarchäologe Matthias Wemhoff erwartet wegen der vielen Bauprojekte in der Stadt noch zahlreiche archäologische Überraschungen. »Der Bauboom führt zu einer Vielzahl neuer Fundplätze, die alle untersucht und begutachtet werden müssen«, sagte Wemhoff. »Wir stehen vor großen Herausforderungen, unsere Aufgaben explodieren.« Besonders im Blick haben die Experten die historische Mi...

Brauner Fleck auf weißer Sachsenweste?

Chemnitz. Der Chemnitzer Extremismusforscher Tom Thieme sieht Anzeichen für einen Wandel im Umgang mit Rechtsextremismus in Sachsen - hin zu klaren Worten. »Verschweigen und Runterspielen war lange Zeit die Linie der Landesregierungen. Nicht aus Sympathie und Nähe zu Rechtsaußenpositionen, sondern aus Sorge um den Imageschaden des vermeintlichen Vorzeigelandes«, sagte der Politikwissenschaftler vo...

Robert Rescue

Ich frage ja nur

»Geht’s oder soll ich helfen?« Ich habe ihr ein paar Minuten zugeschaut, wie sie sich abmüht, den Koffer auf dem Gepäckträger zu befestigen. Ich habe dabei eine Zigarette geraucht und überlegt, ob ich meine Hilfe anbieten soll oder nicht. Ich müsste es tun, weil ich ja ein Mann bin und Männer bieten Frauen immer Hilfe an. Oder, um die altbackenen Rollenbilder mal wegzulassen - ich bin ein and...

ndPlusMartina Rathke, Zinnowitz

»Essen schmeckt. Wetter gut!«

Die Postkarte gilt heute nicht mehr als ultimativer Beweis, an einem attraktiven Ort gewesen zu sein. Obwohl ihr SMS und WhatsApp langsam den Rang ablaufen, hat sie im Sommer Hochkonjunktur.

ndPlusAlice Bachmann, Bremen

Klein, aber kein Krake

Im September soll ein Staatsvertrag zur Vertiefung der Zusammenarbeit in der Metropolregion unterzeichnet werden. Politiker pochen gegenüber Hamburg auf die Vorteile des Nordwestens.

Monika Melchert

Französischer Geist in Berlin

In Berlin eine französische Buchhandlung zu gründen, war ein kühner Gedanke, so bald nach dem Ersten Weltkrieg, als sich Deutschland und Frankreich als Erzfeinde gegenüberstanden. Françoise Frenkel aber überwindet alle bürokratischen Hürden und eröffnet 1921, zusammen mit ihrem Mann Simon Raichenstein, »La Maison du Livre«, die erste französische Buchhandlung. Sie braucht dann auch nicht nur Mut u...

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Wolfgang Hübner

Mosekunds Montag

»Ich glaube«, raunte Herr Mosekund einem Nachbarn zu, »die Straße vor unserem Haus wird schon wieder aufgerissen.« - »Woher wollen Sie das denn wissen?«, fragte der Nachbar. »Ich habe es gesehen«, antwortete Herr Mosekund, »erst gestern fuhr hier ein Auto von der Stadtverwaltung vorbei, und der Beifahrer machte sich Notizen.« - »Der kann doch alles Mögliche aufgeschrieben haben«, sagte der Nachbar...

Flucht und Poesie

Flucht, Vertreibung, Migration und Integration sind in diesem Jahr die bestimmenden Themen beim Erlanger Poetenfest. »Das beschäftigt im Moment unglaublich viele Schriftsteller und wir versuchen, das widerzuspiegeln«, sagte Veranstalter Bodo Birk. Das 36. Poetenfest vom 25. bis zum 28. August werde »sehr aktuell und politisch«. »Wenn das Wetter passt, erwarten wir etwa 12 000 Besucher«, sagte Birk...

Halle als Hauptstadt?

Eine Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2025 will Halle vor allem aus eigener Kraft finanzieren. »Wenn wir uns bewerben, werden wir einen Weg finden, die nötigen Mittel im Haushalt und mit Hilfe von Sponsoren einzustellen«, sagte Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) der »Mitteldeutschen Zeitung«. Das Land hatte am Freitag eine Unterstützung der Stadt abgelehnt. Der Koalitionsvertrag seh...

ndPlusManfred Weißbecker

Gegen den Zeitgeist

Es gelang nicht, was in den Wendezeiten versucht worden war: Kurt Pätzold verstummte nicht. Im Gegenteil. Noch deutlicher als zuvor, noch intensiver und umfangreicher trat er in Erscheinung. Ein Nachruf.

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ndPlusHans-Dieter Schütt

Es gilt das gebrochene Wort?

Am heutigen Montag ist wieder »Tag der Fische«. Alljährlich ein Aktionsdatum, das zum Schutz der Wassertiere aufruft. Kein Appell, der nicht uns selber meint. Wir Haie und kleine Fische. Großes Maul, kein Talent zum Schweigen. An Fische denken heißt: die Kunst der Stille beschwören. Totenstille gibt es als Wort, Lebensstille nicht. Wohlweislich. Denn bliebe der Lärm aus, wären wir allein mit uns -...

Matthias Biskupek

Der Zeitungs-Dichter

Vor siebzig Jahren wurde unter dem Titel »Suppe kochen 46« eine Glosse gedruckt, voller grimmigem Humor. Es war ein Kabinettstück, führte vor, wie man in der Nachkriegszeit versuchte, den Hunger zu stillen. Verfasst hatte dies der damals sehr dünne und sehr junge Lothar Kusche. Die Geschichte begann: »Ich bin tot, und das kam so.«So flapsig, mit einem Anflug von schwarzem Humor, darf man wohl nur ...

Ein Solitär für Zeitgenössisches

Herr Lunghi, was ist aus Ihrer Sicht in den vergangenen zehn Jahren gut gelungen?Das MUDAM war für viele Luxemburger kein Lieblingsort. Der Hauptgrund war, dass dieses Kunstdomizil begleitet von harten Polemiken entstanden ist. Das hat sich inzwischen geändert. Die meisten Luxemburger sind jetzt stolz auf das Museum. Sind die Luxemburger fokussiert auf das Gebäude von Ieoh Ming Pei, das internatio...

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Oliver Rath gestorben

Der Fotograf Oliver Rath ist im Alter von 38 Jahren gestorben. Das bestätigte sein Management der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Demnach starb Rath in der Nacht zum Freitag, er hinterlässt zwei Kinder und seine Partnerin. Zu den Umständen seines Todes wollte sich die Familie laut »Bild« nicht äußern.Rath wurde 1978 in Heidelberg geboren, seit vier Jahren hatte er in Berlin-Mitte seine eigene...

Kaminer meidet Russland

Der Bestsellerautor Wladimir Kaminer (»Russendisko«) traut sich derzeit nicht, in seine Heimat Russland zu reisen. »Die Russen übersetzen zwar sehr wenig ausländische Medien, aber ich habe mal etwas Kritisches über Russland geschrieben, und ausgerechnet das haben sie übersetzt. Seitdem bin ich der erklärte Feind dieses Landes! Ein Regimegegner«, sagte Kaminer einer Zeitung. In Russland seien in le...

Pädophile in Onlinespielen

Das Bundeskriminalamt (BKA) warnt vor zunehmenden Aktivitäten von Pädophilen in sozialen Netzwerken und in Onlinespielen. Das BKA gehe beim Phänomen des »Cyber Grooming«, also der Kontaktaufnahme von Tätern zu ihren minderjährigen Opfern über Internetplattformen, »von einer steigenden Tendenz aus, die alleine schon aufgrund der steigenden Nutzerzahlen bei den Sozialen Medien entstehen dürfte«, sag...

ndPlusJan Freitag

Schleichwerbung unterhaltsam

Am Dienstag geht das Existenzgründertribunal bei Vox in die dritte Staffel und wird dabei Zuschauer anlocken, von denen man nicht recht weiß - wollen sie die Kandidaten scheitern oder reüssieren sehen?

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Neymar erlöst Brasilien - Horst Hrubesch macht Schluss

Als der goldene Elfmeterschuss saß, gehorchte ihm sein Körper nicht mehr. Immer wieder fiel Neymar bäuchlings auf den Boden, von Weinkrämpfen geschüttelt, unfähig zu jubeln. »Ab heute will ich nicht mehr Kapitän der Selecao sein«, verkündete der erst 24-Jährige. Es war gerade erst eine Stunde her, dass er das Fußballland Brasilien und sich selbst beim 5:4 im Elfmeterdrama gegen Deutschland vor ein...

ndPlusAlexander Isele, Babelsberg

Eine lehrreiche Begegnung

Nach durchwachsenem Ligastart hat der SV Babelsberg 03 Spaß dabei, nach sechs Jahren wieder im DFB-Pokal zu spielen. Der überlegene Gegner SC Freiburg gewinnt 4:0, lässt aber ein Gastgeschenk in Potsdam.

Elisabeth Schlammerl, Rio de Janeiro

Das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben

Mit dem Gewinn der Goldmedaille durch die deutschen Fußballspielerinnen gelang Erfolgstrainerin Silvia Neid ein perfekter Abschluss ihrer großartigen Karriere.

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Ein perfektes Puzzle

Vier Mal Gold, sieben Medaillen insgesamt - die deutschen Kanuten fahren mit der besten Bilanz seit den Sommerspielen 2004 nach Hause … Ich bin sprachlos, kann gar nicht fassen, was speziell am letzten Tag hier in Rio passiert ist. Vier Medaillen in gut einer Stunde - das ist einfach Wahnsinn. Der Erfolg ist das Ergebnis von vier Jahren harter, konsequenter Arbeit. Wir haben in dieser Zeit na...

ndPlusChristoph Leuchtenberg und Dominik Kortus, Rio de Janeiro

Sieg mit schwerem Rucksack

44 Jahre nach Klaus Wolfermanns Triumph in München hat Thomas Röhler olympisches Speerwurf-Gold geholt. Für die deutschen Leichtathleten war Röhler das Beste, was passieren konnte.

Olympia in Zahlen

BadmintonEinzel, Frauen Gold: Marin (Spanien) Silber: Pusarla (Indien) Bronze: Okuhara (Japan) 14. Schnaase (Lüdinghausen) Einzel, Männer Gold: Chen (China) Silber: Wei Lee (Malaysia) Bronze: Axelsen (Dänemark) 14. Zwiebler (Saarbrücken)Doppel, Männer Gold: Fu/Zhang (China) Silber: Shem/Tan (Malaysia) Bronze: Langridge/Ellis (Großbritannien) 9. u. a. Fuchs/Schöttler (Saarbrücken)LeichtathletikFrau...

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Doppel

»Ich will jetzt einfach nach Hause und meine wundervollen Kinder sehen und ihnen meine Medaillen um den Hals hängen.« Mo Farah hat das zweite olympische Goldmedaillen-Double geschafft. Der 33-jährige Brite hatte am Samstag in Rio das 5000-Meter-Rennen gewonnen. Zuvor hatte er über 10 000 Meter die Konkurrenz hinter sich gelassen. Farah war bereits 2012 in London ein solcher olympischer Doppelsieg ...

Premiere

Kimia Alisadeh Zenoorin ist die erste olympische Medaillengewinnerin aus Iran. Die 18-jährige Ex-Juniorenweltmeisterin sicherte sich Bronze in der Taekwondo-Klasse bis 57 kg. Irans Präsident Hassan Ruhani gratulierte der Sportlerin via Twitter: »Meine Tochter Kimia. Du hast ganz Iran, besonders die Frauen, glücklich gemacht.« Bei der Siegerehrung war Alizadeh übrigens nicht die einzige Sportlerin ...

Fairness

Nikki Hamblin erhielt die selten vergebene Pierre-de-Coubertin-Medaille des IOC für Fairness. Im Halbfinale der Frauen über 5000 Meter war Hamblin (r.) gestürzt und hatte Abbey D’Agostino unfreiwillig zu Fall gebracht. D’Agostino zog sich dabei eine Knieverletzung zu. Die Neuseeländerin Hamblin half der US-Amerikanerin beim Weiterlaufen. Beide beendeten den Lauf schließlich weit abgeschlagen. Es w...

ndPlusJirka Grahl, Rio de Janeiro

Schöne Bilder, viele Probleme

Die ersten Spiele in Südamerika sind Geschichte: Der Olympische Sport bleibt trotz herausragender Leistungen vieler Athleten in der Krise, Rios Probleme bleiben auch.