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UNTEN LINKS

Für alle, die beharrlich das Gegenteil behaupten: Gott existiert und wohnt im Himmel. Als sich nämlich der philippinische Präsident Rodrigo Duterte dieser Tage in der Nähe von dessen Residenz befand, in Flughöhe zwischen Japan und den Philippinen, nahm Gott ihn sich zur Brust. Denn der kann bekanntlich vor allem eines nicht leiden: wenn jemand allzu unflätig herumflucht. Also jagte er Duterte eine...

Dschihadisten morden in Mossul

Genf. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat nach UN-Angaben in den vergangenen Tagen im Gebiet der nordirakischen Stadt Mossul mehr als 250 Menschen hingerichtet und fast 8000 Familien entführt. Wie das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte am Freitag mitteilte, will der IS die entführten Zivilisten offenbar in Mossul als menschliche Schutzschilde missbrauchen. »Der IS hat Zehntausend...

Wallonen sagen Ja zu CETA

Namur. Das Regionalparlament der Wallonie hat der belgischen Regierung erlaubt, den Handelspakt CETA mit dem ausgehandelten Kompromiss zu unterschreiben. Die Abgeordneten stimmten am Freitag in Namur mit 58 Stimmen dafür. Es gab fünf Gegenstimmen, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtete. Die Sozialisten und Christdemokraten votierten gemeinsam mit den oppositionellen Liberalen dafür....

Zwei AfD-Stadträte in Berlin gewählt

Berlin. In sieben Berliner Bezirken stehen der AfD Stadtratsposten zu. Zwei von ihnen wurden am Donnerstagabend gewählt. Sebastian Maack in Reinickendorf erhielt erst im zweiten Wahlgang die notwendige Anzahl der Stimmen. Seine Aufgabengebiete sind künftig Bürgerdienste und das Ordnungsamt. Erst im dritten Anlauf erhielt der Kandidat Bernd Geschanowski in Treptow-Köpenick die notwendigen Stimmen. ...

Olaf Standke

Harte Währung der Macht

Die Atombombe ist eine harte internationale Währung der Macht. Deshalb wuchs die Zahl der Nuklearmächte in den vergangenen Jahren, deshalb wehren sie sich so vehement gegen alle Bemühungen, diese Waffen zu ächten.

Das ist nicht lustig

Berlin. Das Phänomen der so genannten Horrorclowns hat die Politik erreicht. Für einen großen Schreck sorgte am Freitag jedenfalls Linksfraktionschef Dietmar Bartsch mit dem Vorschlag, die bestehende rot-rot-grüne Mehrheit im Bundestag dazu zu nutzen, Kanzlerin Angela Merkel abzuwählen. CDU-Generalsekretär Peter Tauber reagierte darauf folgerichtig mit den Worten, Bartsch solle den Leuten »nicht m...

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ndPlusSteffen Schmidt

Ein wenig Schutz für Meerestiere

Wichtige Umweltverbände wie der WWF feiern die Einigung auf das neue Schutzgebiet als »historisch«. Für viele Fischarten und Meeressäuger in der Antarktis wird es jedoch nur wenig Verbesserung bringen.

ndPlusTom Strohschneider

Bilaterale Politrhetorik

Bartsch hat erklärt, was seit langem bekannt und oft Gegenstand der bilateralen Politrhetorik ist: den Hinweis, dass es im Bundestag seit 2013 eine rot-rot-grüne Mandatsmehrheit gibt. Eine unwirksame.

Uwe Kalbe

Letzte Chance zur Panik

Die Warnungen vor Altersarmut haben die CDU erreicht, scheint es. Doch sie stoßen auf Ungläubigkeit. Wie der Sozialexperte Jens Spahn vor dem Unionsgipfel verriet, versteht er die ganze Aufregung nicht.

ndPlusGabi Kotlenko

Aus der Hölle

Mit Nadia Murad Basee und Lamija Adschi Badschar werden am 14. Dezember zwei Frauen mit dem Sacharow-Preis für Menschenrechte geehrt. Die Auszeichnung wird vom Europäischen Parlament verliehen. »Die beiden Frauen sind die Stimme der zahllosen Opfer des Menschenhandels, eine Stimme die ein Ende solcher Gräueltaten fordert«, sagte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz in Strasbourg. Die Frauen g...

Martin Leidenfrost

Europa im Herbst

Die letzte Oktoberwoche an der türkischen Riviera. 29 bis 30 Grad, am Ende einer miserablen Saison. Dies wird eine Skizze von Gesamt-Europa im Herbst, denn in Alanya lebt die größte europäische Kolonie.

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ndPlusSebastian Friedrich

Die AfD hat sich festgebissen

Sollen Linke sich dafür einsetzen, dass Funktionäre der AfD keine höhere Beamtenlaufbahn einschlagen dürfen? Alle Strategien, die auf eine kurzfristige Bekämpfung der Partei abzielen, sind zum Scheitern verurteilt.

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MAI und Widerstand

 1995 begannen auf Ebene der OECD die Geheimverhandlungen.  Das Abkommen wollte u.a. Auflagen verbieten, einheimische Arbeitnehmer zu beschäftigen.  Auch Mindestquoten für den Export von Gütern oder Verpflichtungen zum Technologietransfer sollten untersagt werden.  Sozial- und Umweltabgaben sollten als »Enteignungen« nur bei Kompensation gestattet sein.  Interessenvertretu...

ndPlusVelten Schäfer

Hören Sie jetzt auf zu lachen

Wenn sich inzwischen sogar der »Dachverband Clowns in Medizin und Pflege« zur Distanzierung genötigt sieht, dann muss etwas sehr falsch laufen im Pappnasenwesen. Ein Sicherheitshinweis zu Halloween.

ndPlusVelten Schäfer

Eine Offensive für Stillstand und Rollback

Das MAI hätte Deregulierung und Liberalisierung zum Völkerrecht erhoben. Es erwies sich aber auch als Ausgangspunkt neuer Formen zivilgesellschaftlicher Vernetzung, die teils bis heute fortwirken.

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Die Rente wird Wahlkampfthema

Der rentenpolitischer Sprecher der LINKEN, Matthias W. Birkwald, warnt im »nd«-Interview, verschiedene Bevölkerungsgruppen gegeneinander auszuspielen. Er erklärt, wie das Rentenniveau in Zukunft wieder steigen könnte.

ndPlusHermannus Pfeiffer

Der (un-) soziale Staat

888,2 Milliarden Euro oder knapp 30 Prozent der Wirtschaftsleistung machten 2016 die Ausgaben für Soziales aus. Woher kommt das viele Geld?

ndPlusJörg Meyer

Programm ohne Präferenz

Auf einem Kongress hat die größte DGB-Einzelgewerkschaft in Berlin ihre Forderungen zur Bundestagswahl 2017 diskutiert.

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Barbara Barkhausen, Sydney

Weltgrößte Meeresschutzzone

Fünf Jahre waren die Verhandlungen erfolglos. Doch am Freitag einigten sich 24 Länder und die EU in Australien schließlich darauf, die weltgrößte Meeresschutzzone in der Antarktis zu schaffen.

Elke Windisch, Moskau

Putins riskantes Poker im US-Wahlkampf

Wohlwollende sprechen von einem weiteren außenpolitischen Sieg Wladimir Putins: Russland spielt im US-Wahlkampf, der sonst von innenpolitischen Themen dominiert wird, eine herausragende Rolle.

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David Graaff

Kolumbiens holpriger Weg zum Frieden

Wenige Stunden vor der offiziellen Eröffnung der Friedensgespräche mit der ELN sagt Präsident Juan Manuel Santos die Veranstaltung ab. Grund: Ein Gefangener in Händen der ELN kam nicht wie geplant frei.

Werner Birnstiel

Der Himmel ist hoch im Reich der Mitte

Viel wurde bereits erreicht in Sachen Armutsbekämpfung. Jetzt will die KP Chinas bis 2021 weitere 55 Millionen Menschen aus ihrer absoluten Armut befreien.

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ndPlusHans-Gerd Öfinger

Licht aus bei Zumtobel

Zwei Monate dauerte der Arbeitskampf beim Leuchtenhersteller Zumtobel. Die Mitarbeiter wollten die Folgen der Betriebsschließung abmildern. Nun steht der Sozialtarifvertrag.

ndPlusAndreas Knudsen

Wale ohne Schutz

Seit Jahren versuchen einige Länder, den Walfang einzuschränken. Doch vor allem die größte Walfangnation Japan verhindert das. Auch diesmal scheiterte der Antrag auf eine Schutzzone.

Robert D. Meyer

Das Smartphone ist keine Banane

Mit dem »Fairphone« gibt es seit drei Jahren den Versuch, höhere soziale und ökologische Standards auch im Smartphonemarkt zu etablieren. Doch wirklich »fair« ist auch dieses Mobiltelefon noch nicht.

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Vorurteile abbauen

Mit dem Down-Syndrom beschäftigt sich eine neue Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle. Die nach Angaben der Veranstalter erste Schau dieser Art gibt Einblicke in das Leben, die Träume und Probleme von Menschen mit Down-Syndrom. »Es ist keine Inklusionsausstellung«, betonte der Intendant der Bundeskunsthalle, Rein Wolfs, am Freitag. Vielmehr verknüpfe sie auf bislang einzigartige Weise Kunst, ...

Unfassbares darstellen

Das am Donnerstag uraufgeführte Theaterstück »Point Of No Return« hat das auf die Bühne der Münchner Kammerspiele gebracht, worüber die Bewohner der bayerischen Hauptstadt in der jüngsten Vergangenheit mutmaßlich am meisten gesprochen haben. Regisseurin Yael Ronen zeigt nur drei Monate nach dem schrecklichen Amoklauf, bei dem David S. im Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen und sich selbst erscho...

Schließung abwenden

Der Deutsche Bühnenverein hat die Debatte um eine Schließung des Düsseldorfer Schauspielhauses kritisiert. »Es ist unvorstellbar, dieses Denkmal nicht als Theater zu erhalten«, sagte der Direktor des Bühnenvereins, Rolf Bolwin, in einer Mitteilung. An seinem Standort in der Innenstadt boome der Kommerz, »da muss es auch einen Ort der Reflexion und des Innehaltens geben«. Für den neuen Intendanten ...

Versöhnt euch!

Die Frage, ob Kunst Waffe sein könne und solle, sei hier einmal hintangestellt. Uns interessiert an dieser Stelle vielmehr, ob sich mit Hilfe der Kunst die Waffen niederlegen lassen. »Aghet« ist Armenisch und heißt Katastrophe. »Ağıt« ist das türkische Wort für Klagelied. Unter dem Titel »aghet - ağıt« haben die Dresdner Sinfoniker 2015 in Berlin ein Programm über den, ähm, Völkermord von 1915 ura...

ndPlusTom Strohschneider

Die »Blätter« und ein vierter Weg

Als was hat man diese Zeitschrift nicht schon alles bezeichnet. Als »eine Insel der Vernunft in einem Meer von Unsinn« sah der Theologe Karl Barth die »Blätter für deutsche und internationale Politik« in den 1950er Jahren. Als »bevorzugtes Medium der orthodoxen Linken in Westdeutschland« beschrieb sie der später zum Verfassungsschützer gewordene Historiker Udo Baron. Der CSU galt sie als »Zentralo...

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Stille Nacht?

Der Dresdner Kreuzchor wird nun doch ein Adventskonzert im Dynamo-Stadion geben. Erst vor wenigen Wochen hatten die Veranstalter den Auftritt am 22. Dezember wegen einer »Finanzierungslücke« abgesagt. Dass es nun doch stattfindet, ist Sponsoren zu verdanken. Unter dem Motto »Danke, Dresden!« hatte es erstmals 2015 ein Konzert des Knabenchors auf dem Fußballrasen gegeben, etwa 12 500 Besucher kamen...

Gerd Kaiser, Moskau

Die letzte Adresse

Vor zwei Jahren startete in Russland das Projekt »Posledny adres« (Die letzte Adresse). Es ähnelt der Aktion »Stolpersteine« hierzulande. Allerdings werden die Erinnerungsmale an zur Zeit Stalinscher Herrschaft gewaltsam zu Tode gekommene Menschen dort nicht in das Straßenpflaster eingelassen, sondern an die Außenfront des Wohnhauses angebracht, in dem die Betroffenen vor ihrer Verhaftung und Ersc...

Thomas Klatt

Um 1500 geht die Post ab

Lassen sich 500 Jahre Ideengeschichte in sechs 52-minütigen Dokumentarfilmen erzählen? Regisseur und Autor Wilfried Hauke hat es versucht. Das Ergebnis wird an diesem Wochenende bei Arte im Fernsehen ausgestrahlt.

ndPlusIrmtraud Gutschke

Das verfluchte Ferienhaus

Wer meint, Daniel Kehlmann habe für seine neue Erzählung von Stephen King und Edgar Allan Poe abgekupfert, liegt nicht ganz falsch. Doch seine Story entwickelt ihre literarische Größe aus ganz eigenen Quellen.

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WADA beklagt Pannen bei Rio-Spielen

Montreal. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA beklagt Pannen bei den Kontrollen während der Olympischen Spiele im August in Rio de Janeiro. Die Dopingkontrollen standen dort unter der Aufsicht des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Die WADA veröffentlichte am Donnerstag (Ortszeit) im kanadischen Montreal den Bericht ihres unabhängigen Beobachterteams, das »ernste Mängel« beim Einsammeln der...

ndPlusJörg Mebus

Die Idee von einer Gewerkschaft

Ein Hauch von Revolution weht durch »Sportdeutschland«: Deutschlands Spitzenathleten wollen sich vom Deutschen Olympischen Sportbund emanzipieren und planen die Gründung einer Art Gewerkschaft.

Klaus Weise

In Frauenhand

Die Tischtennisspielerinnen des TTC Eastside sind auf der Jagd nach neuen Rekorden. 2016 war der Verein Meister, Pokalsieger und Champions-League-Sieger. Man will mehr.

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ndPlusAlexander Isele, Jena

Thüringer Höhenweg

Mit 29 Punkten aus elf Spielen gelang dem FC Carl Zeiss Jena ein Traumstart in die vierte Liga. Doch der andauernde Streit mit dem Investor setzt dem Verein zu. Dabei hoffte der Verein, endlich Ruhe zu finden.

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Grüner Bürgermeister in Mitte

Das neue Bezirksamt in Mitte ist fast komplett. An der Spitze steht Stephan von Dassel von den Grünen. Bei der Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung am 18. September siegte sie mit nur 156 Stimmen gegen die SPD. Die Sozialdemokraten erhalten im Gegenzug ein Megaressort: Ephraim Gothe (SPD) ist stellvertretender Bürgermeister und Stadtrat für Stadtentwicklung, Soziales und Gesundheit. »Das gibt mi...

Invasion der Spaßmacher

Ich gehöre zu den Berlinern, die miterlebt haben, wenn im Zentrum der DDR-Hauptstadt meist aus offiziellen Anlässen der Auto- und Busverkehr lahmgelegt wurde. Ich kam vom Stadtrand mit der S-Bahn, mich hat’s nicht sehr gestört. Ob Liebknecht-Luxemburg-Ehrung oder 1. Mai und Republikgeburtstag am 7. Oktober - für mich ging das eigentlich in Ordnung. Zumal sich den Demonstrationen im Frühjahr und He...

ndPlusJohanna Treblin

Zwei Bezirke wählen AfD-Stadträte

In allen Bezirken konstituierten sich am Donnerstag die Bezirksverordnetenversammlungen nach der Wahl. Nur fünf wählten einen Bürgermeister. In zwei Bezirken sind Stadträte der AfD gewählt worden.

Ellen Wesemüller

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Evrim Sommer (LINKE) wäre eine der ersten Bürgermeisterinnen mit Migrationshintergrund. In drei Wochen wird die Feministin wohl gewählt - bereits jetzt muss sie sich gegen Angriffe der AfD wehren.

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Auf den Spuren der Reformation

 JÜTERBOG (Teltow-Fläming) - Der Mönch Johann Tetzel (um 1460-1519) predigte hier, betrieb einen schwunghaften Ablasshandel und schürte damit die Angst vor dem Fegefeuer. Von hier kam der Anstoß zu Luthers 95 Thesen gegen den Ablasshandel. Tetzel antwortete mit 106 Gegenthesen. HERZBERG (Elbe-Elster) - Herzberg, das sich der Reformation schnell anschloss, zählt zu deren Geburtsstätten. Im 16. Ja...

Tim Zülch

Kleine Wohnungen mit Balkon

Preiswert und schnell sollen möglichst viele Wohnungen neu gebaut werden. Wie dabei trotzdem Qualität herauskommen soll, diskutierten Architekten.

Wilfried Neiße

Huldigung in Wort, Ton und Plastik

Für den 500. Jahrestag des Reformationsbeginns sieht sich Brandenburg gut gerüstet. Zum Auftakt der Feierlichkeiten präsentierte die Kulturministerin in Potsdam den Veranstaltungszyklus für 2017.

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Am Schopf gepackt

Algermissen. Starker Zug: Ein Landwirt erntet mit Hilfe eines Klemmbandroders Bio-Möhren auf einem Feld bei Algermissen in Niedersachsen. Durch die warme und trockene Witterung im Spätsommer hat die Möhrenernte laut Landwirtschaftskammer Niedersachsen je nach Region später begonnen, die Erträge sind nur mäßig. Die Spezialmaschinen wurden extra für die Möhren entwickelt und sollen eine schonende Er...

ndPlusDörthe Hein, Magdeburg

Ganze zehn Bewerbungen

In Sachsen-Anhalt fehlen Ärzte, vor allem auf dem Land. Kostenfreie Studienplätze an einer renommierten Privatuni sollten eigentlich Nachwuchs locken. Dort ist selbst der Abi-Schnitt nicht entscheidend.

Lernmittel frei? Von wegen!

Kiel. Ein Schulbesuch ist eine kostspielige Angelegenheit. Das geht aus einer in Schleswig-Holstein erhobenen Studie hervor, die den im Schulgesetz verankerten Begriff der Lernmittelfreiheit als eine völlig irreführende Bezeichnung erscheinen lässt. Denn pro Schuljahr zahlen Eltern durchschnittlich knapp 1000 Euro - für Klassenreisen, Unterrichtsmaterialien, Sportbekleidung, Verpflegung in der Sch...

ndPlusMartina Rathke, Sassnitz

Erste Rohre für Nord Stream 2

Nord Stream 2 schafft Tatsachen: Für die umstrittene Ostseepipeline Russland - Deutschland wurden umfangreiche Aufträge ausgelöst. Auf Rügen in Mecklenburg-Vorpommern steht jetzt viel Arbeit an.

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Die Markthalle der Moderne

Man hätte den Vorgang kaum stärker aufladen können: Auf dieses Projekt schaue »die ganze Welt«, hatte Kulturstaatssekretärin Monika Grütters (CDU) verkündet - vor Beginn der Ausschreibung zum am Kulturforum geplanten neuen Museumsbau, dem »Museum der Moderne«. »Hier werden wir daran gemessen, wie Deutschland mit Architektur umgeht.« Über 400 der renommiertesten Architekturbüros der Welt sind Grütt...

Miriam Schönbach, Bautzen

Geduld für den »Dickkopf«

Der Duft frischer Brötchen liegt über der Backstube. Der Ofen verströmt die herbere Note des Dinkelbrots, das ganz langsam dunkler wird. Der Bautzener Bäckermeister Lutz Neumann greift nach einem Sack Mehl. »Dickkopfweizen« steht auf dem Etikett, darüber leuchtet das Logo der Rätzemühle Spittwitz mit ihrem Sitz wenige Kilometer entfernt von der sächsischen Spreestadt. »Regional wird immer wichtige...

ndPlusStefan Amzoll

Scheußliches Rührstück

Die Berliner Singakademie ist ein famoser Klangkörper mit langer Geschichte. Sie reicht zurück in Epochen, da Friedrich Zelter, Carl Löwe und ihre Mitstreiter die großchörige Praxis mit Laien und Profis auf den Schild hoben und Felix Mendelssohn-Bartholdy Bachs Matthäus-Passion in Berlin erstmals zu Gehör brachte. Geschichtliche Taten bürgerlicher Musikkultur, als diese aufstrebte und der Wind der...

ndPlusDoris Weilandt, Jena

Quantensprung für die Jenaer Kunstsammlung

Von der klassischen Zeichnung bis zur konzeptionellen Plastik - eine spektakuläre Sammlung aus Westdeutschland ging als Geschenk an die Kunstsammlung Jena. Die kann so ihr Spektrum stark erweitern.

ndPlusOliver von Riegen, Mainz

Der Farbton macht die Musik

Gibt es charakteristische Farben für Städte? Ein Mainzer Forscher ist für die Antwort quer durch Europa gereist. In Deutschland haben die Städte durchaus Einfluss darauf, wie bunt es dort ist - oder auch nicht.

Sebastian Loschert

Treff der Tresenphilosophen

Eine ganz normale Absturzkneipe, könnte man meinen. Wäre da nicht die außergewöhnliche literarische Produktivität, mit der der »Hahn« von sich reden gemacht hat und die ihm den Namen »Literaturraststätte« einbrachte.

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ndPlusRegina Stötzel

Ist Stephen King an allem schuld?

Sie tragen Masken, springen aus Gebüschen, manche schwingen Äxte oder Kettensägen: Gruselclowns beherrschen die Schlagzeilen. Der Wahnsinn trägt eine neue Maske. Oder, um es mit Loriot zu sagen: »Maske? Welche Maske?«

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ndPlusKatharina Bendixen

Deutschcolor und Quietschehunde

Militärfahrzeuge sind im Stadtbild Prištinas ebenso präsent wie ausrangierte Linienbusse aus Deutschland. Sie durchqueren die Straßenzüge der Hauptstadt Kosovos, in denen sich vielerorts politische Graffiti finden. Ein Besuch.

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René Heilig

Die Angst vor Streuobstwiesen

Es gibt Länder, in die möchte ich nicht mehr fahren. Um’s Verrecken nicht! Nie wieder - und doch war ich vor zwei Jahren in Kroatien. Doch schon der Anblick des ersten gemauerten Schornsteins, der hauslos in den Himmel ragte, schnürte mir die Kehle zu. Man trieb die Menschen aus dem Haus, stellte eine brennende Kerze auf den Tisch, drehte die Propangasflasche auf. Ethnische Säuberung zum Nulltarif...

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Nachrufe

Klaus Behnken 22. 1. 1944 - 18. 10. 2016 Ein Text muss eine Geschichte erzählen, sagte Klaus Behnken anlässlich einer Blattkritik bei der »Jungle World«. Über tote Texte fällte er ein gnadenloses Urteil, gerade wenn sie in der Zeitung zu lesen waren, die er selbst 1997 mit gegründet hatte und die zuerst in seiner Wohnung, der ehemaligen Ton-Steine-Scherben-WG am Tempelhofer Ufer in Berli...

ndPlusMichael Bartsch

Gegen die schweigende Mehrheit

Freital, nur vier Kilometer vom Dresdner Stadtrand entfernt, im Juni 2015. Nach Aufrufen einer Initiative »Nein zum Heim« blockieren mehrere hundert Einwohner das als Flüchtlingsunterkunft vorgesehene ehemalige Leonardo-Hotel. Die sich ihnen entgegen und schützend vor die Heiminsassen stellen, sind anfangs in der Minderheit. Angemeldet hat die Gegendemo eine damals 40-jährige schlanke Frau. »Das i...

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Ingolf Bossenz

Brüchige Brücken

Einer Taube auf dem Dach ist - folgt man der geläufigen Redensart - der Spatz in der Hand vorzuziehen. Doch das Dach, das die Taube auf obigem Bild erwählt hat, ist keine profane Gebäudeabdeckung. Es befindet sich in der mittelitalienischen Stadt Assisi, Geburtsort des Heiligen Franziskus (1181/82-1226). Das Foto entstand vor fünf Jahren, am 27. Oktober 2011. Papst Benedikt XVI. hatte an diesem Ta...

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Wir müssen Recht behalten!

Unsere hellsten als auch minder helle Köpfe haben zu jeder Zeit über die Kunst der Unterredung nachgedacht, bei der es, vernünftig betrachtet, bei divergierenden Meinungen um das Gewinnen einer Position höherer Art, also um tiefere Erkenntnis gehen sollte. Dialektik und Rhetorik, in Definition und Gebrauch inzwischen arg verwaschen, überfordern oft selbst die Redekünstler. Sie wollen, wie jeder an...

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Friedrich Dieckmann

Wer das Schwert nimmt ...

Marx, Engels und Luther - drei deutsche Denker, deren Werke die Jahrhunderte überdauert haben. So sehr sich auch ihre Ziele unterscheiden haben, sie verbindet das Wirken im Vorfeld einer tiefgreifenden Krise.

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Lena Tietgen

Wider den rechten Rollback

Als in den 1980er Jahren in der alten Bundesrepublik die ersten Männergruppen entstanden, wirkte das nicht nur auf das konservative Spektrum befremdlich, auch innerhalb der Linken waren die Gesprächskreise und Initiativen, die ein »neues Männerbild« wollten, umstritten. Die Diskurse um Geschlecht, Sexualität, Macht und Gewalt haben damals nur einen Teil der Bevölkerung erreicht. Zwischen den Debat...

Bildungslexikon

Kopftuchverbot. Im März 2015 hob das Bundesverfassungsgericht das generelle Verbot des Tragens von Kopftüchern an öffentlichen Schulen auf. Es verstoße gegen die Glaubensfreiheit von Pädagoginnen, so die Richter. »Nur eine hinreichend konkrete Gefährdung des Schulfriedens oder der staatlichen Neutralität kann zum Anlass genommen werden, äußere religiöse Bekundungen zu verbieten«, hieß es in d...

ndPlusLena Tietgen

Kritisch und reflexiv

1985 gründeten sechs Studenten der Sozialpädagogik an der TU Berlin eine Männergruppe und später ein Kollektiv, das 1990 Träger des Berliner Vereins »Dissens - Institut für Bildung und Forschung« wurde. Der Name geht zurück auf ihr ursprüngliches Konzept »Der DISSENS mit der HERRschenden Männlichkeit«, das auf der Idee eines »Engagements von Männern gegen patriarchale Geschlechterverhältnisse in P...

Ellen Wesemüller

Mehr als ein Händedruck

Die AfD fordert, das Kopftuch an Schulen und Universitäten zu verbieten, um Mädchen und Frauen vor der Unterdrückung durch die eigene Religion zu schützen. Wie wollen Sie diese Verknüpfung von Sexismus und Rassismus lösen? Wir wollen Menschen, die in der Bildung arbeiten, in die Lage versetzen, Sexismus zu kritisieren, ohne zu sagen: Die Sexisten, die unsere Gleichstellungsideen zerstören, sind d...

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Martin Stolzenau

Erasmus von Rotterdam

Er hieß eigentlich Gerard Gerards, stammte aus Rotterdam und wirkte hauptsächlich in Deutschland, England, Italien und der Schweiz . Er war die wohl vielseitigste Geistesgröße seiner Zeit und »Haupt des europäischen Humanismus«. Trotz seiner Kritik am Papsttum und seiner Verfolgung durch den Klerus blieb er bis an sein Lebensende dem katholischen Glauben treu. Mehr noch: Er distanzierte sich von M...

ndPlusKarl-Heinz Gräfe

Die unerwartete Revolution

Unter der Losung »Polen zeigt uns, dass es geht« zogen am 23. Oktober 1956 in Budapest 10.000 Studenten zu den Denkmälern ungarischer Nationalhelden. Es war der Beginn eines kurzen Aufstands gegen den Stalinismus.

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Frank Ufen

Lesen in geschlossenen Büchern

Als der Vesuv im Jahre 79 nach Christus ausbrach, wurden die Städte Pompeji und Herculaneum unter meterdicken Schichten vulkanischer Asche begraben. Als man mehr als 1500 Jahre später damit begann, die Städte auszugraben, kamen auch Tausende weitgehend verkohlter Schriftrollen zum Vorschein. Seit der Entdeckung dieser Papyrusdokumente hat man immer wieder versucht, zumindest Teile der Texte zu ent...

ndPlusIris Rapoport , Boston und Berlin

Blaues Blut

Blut ist tatsächlich nicht bei allen Lebewesen rot und jene, die sich für blaublütig halten, befinden sich unversehens in Gesellschaft von Tintenfischen, Spinnen und Schnecken. Anders als beim Menschen hat die Evolution bei vielen Wirbellosen nicht Eisen, sondern Kupfer zur Bindung des lebenswichtigen Sauerstoffs erkoren. Kupfer bildet mit Proteinen einen stabilen Komplex. Das Ergebnis sind f...

ndPlusSteffen Schmidt

Risiko durch Unterlassen?

Ethische Probleme der Gentechnik werden schon lange diskutiert. Welche neuen Fragen stellen sich denn mit dem Genom-Editieren? Die besondere Herausforderung des Genom-Editierens besteht darin, dass Technologien, die in der Tat seit Jahrzehnten bekannt sind, nun auf eine hocheffiziente, kostengünstige und leicht lernbare Art und Weise durchführbar sind. Das eröffnet damit Felder, die man bisher zw...

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Werner von Siemens

Werner Siemens wurde am 13. Dezember 1816 in Lenthe bei Hannover als viertes von 14 Kindern geboren. Seine wissenschaftlich-technischen Interessen beim preußischen Militär richteten sich zuerst auf die Chemie. Ein missglücktes Experiment mit Zündern zerstörte sein rechtes Trommelfell. Auch seine technischen Unternehmungen waren anfangs wirtschaftlich nicht sehr erfolgreich. Erst der 1847 patentier...

Martin Koch

Die Elektrifizierung der Welt

Lenin hoffte einst: »Kommunismus ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes.« Auch wenn daraus nichts wurde, hat die Elektrifizierung die Gesellschaft global mehr verändert, als der Revolutionsführer ahnen konnte.

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ndPlusMike Mlynar

Spaß mit jungem Alter

Das Alter und gar das Altern sind ein schier unerschöpfliches Thema. Zumindest für Ältere. In jungen Jahren weniger. Vielmehr handelt es sich da ja eher um Nichtthemen. Sieht man mal von der weltmännisch-frühmännlichen Begrüßung »Hi, Alter!« ab oder von der entsetzten frühweiblichen Bemerkung, dass man mit der neuen, wohl etwa 35-jährigen Lehrerin »schon wieder einen Grufti« bekommen habe. Im jung...

Udo Bartsch

Albtraum

»Öffnet auf keinen Fall das Zauberbuch des Wahnsinns!«, wird den Zauberlehrlingen eingeimpft. Allerdings ist die Verlockung groß. Doch in dem Folianten sind etliche Monster eingesperrt. Oder genauer gesagt: Sie waren es. Jetzt springen sie heraus, und wir kleinen Deppen müssen zusehen, wie wir den Albtraumatlas bekommen. Um die zahlreichen Flüche abzuwehren, müssen die Spieler vereint Karten ...

Carlos García Hernández

Kleine Schritte zum Großmeister

Die Schacholympiade von Baku bescherte dem Deutschen Schachbund zwei neue Großmeister: Rasmus Svane (19), der aus Dänemark stammt, und Andreas Heimann (24), der in Grenzach-Wyhlen (Baden-Württemberg) zu Hause ist. Über Rasmus Svane hatten wir jüngst bereits berichtet (nd-Spielplatz, 27./28.8.2016). Hier nun einige Beobachtungen zu Andreas Heimann. Er war ein Frühstarter, dem der Großmeisterti...

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Bis ans Ende der Welt

Das Westerwaldlied kann man getrost in den Skat drücken, der Westerwald selbst aber ist einen Besuch wert. Das zumindest ist mein Fazit, nach dem Lesen des kürzlich im Gmeiner Verlag erschienenen Buches »WW wie Westerwald«. Die beiden Autoren, Alexander Richter und Markus Müller, erzählen dort von ihren 77 Lieblingsplätzen zwischen der Sieg im Norden, dem Rhein im Westen, der Lahn im Süden und der...

ndPlusKarsten-Thilo Raab

Wo Aphrodite dem Meer entstieg

Erstmals wird mit Páfos 2017 eine Stadt auf Zypern europäische Kulturhauptstadt. Die 30 000-Seelen-Gemeinde im Südwesten der Mittelmeerinsel kann mit einem reichen kulturellem Erbe auftrumpfen. Ein Pfund, das sicherlich auch mit den Ausschlag für den bevorstehenden Ritterschlag von Páfos gab, das sich den Kulturhauptstadttitel 2017 mit dem dänischen Aarhus teilt. Direkt am Hafen liegt das Wah...

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ndPlusHeidi Diehl

Nessie ist sein Beruf

Stundenlang schaut Steve Feltham jeden Tag durch sein Fernglas, den Blick konzentriert auf das schwarze Wasser von Loch Ness gerichtet: Irgendwo da draußen lebt Nessie. Und eines Tages wird er ihn finden. Davon ist er überzeugt. Manche halten ihn für einen Spinner, einige für ein großes Kind und andere bewundern ihn als Visionär. Ihn juckt es herzlich wenig, was die Leute über ihn denken, er lebt ...

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ndPlusJérôme Lombard

Irrfahrt mit offenem Ende

Ich brauche mal zwei Freiwillige von euch, die auch gut schauspielern können«, sagt Margrit Dürr und schaut erwartungsvoll in die Runde. In der Aula vor ihr sitzen in akkuraten Stuhlreihen rund 30 Schülerinnen und Schüler der ersten, zweiten, dritten und fünften Klasse der Hunsrück Grundschule im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Schwuppdiwupp schnellen die Finger potenzieller Freiwilliger in die Höhe...