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Flugzeugentführung endete unblutig

Valletta. Die Entführung eines libyschen Flugzeugs mit mehr als 100 Menschen an Bord ist in Malta ohne Gewalt zu Ende gegangen. Die zwei Entführer ergaben sich am Freitag maltesischen Sicherheitskräften. Sie seien durchsucht und festgenommen worden, teilte der maltesische Regierungschef Joseph Muscat mit. Zuvor hatten die Männer bereits alle 109 Passagiere und die Crewmitglieder freigelassen.Über ...

Rückkehr in das zerstörte Aleppo

Aleppo. Nach der vollständigen Einnahme von Aleppo durch die syrische Armee sind Regierungssoldaten und Zivilisten in die zerstörten Bezirke der Metropole zurückgekehrt. Soldaten begutachteten am Freitag die Stadtteile Ansari und Maschdad, in denen sie zuletzt Mitte 2012 waren. Die Soldaten suchten nach versteckten Sprengsätzen und untersuchten Wohnhäuser, bevor Zivilisten dorthin zurückkehrten, w...

Impfstoff gegen Ebola entwickelt

Genf. Erstmals gibt es eine Impfung, die Menschen erwiesenermaßen gegen das Ebola-Virus schützt. Ein letzter Feldversuch habe die hohe und schnelle Wirksamkeit eines in Kanada entwickelten Impfstoffs bestätigt, erklärte eine Mitarbeiterin der Studie, Marie-Paule Kieny von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), am Freitag in Genf.Nach Angaben Kienys will der Hersteller, die US-Firma Merck, bis Ende...

ndPlusMarkus Drescher

Zur Besinnung kommen

Ist zu diesem Weihnachtsfest die Zeit gekommen, da Innehalten und Insichgehen die Dinge zum Besseren wendet? Uns auf ein weniger schreckliches kommendes Jahr hoffen lässt? Dazu ist schon ein Weihnachtswunder nötig.

Frohe Botschaft

Berlin. Weihnachten ist die Zeit der frohen Botschaft. Doch selbst was die dafür sinnbildlichen Geschenke am Heiligabend angeht, zeigt sich, dass der Gleichheitsgrundsatz nicht einmal ansatzweise das Bestreben der himmlischen Verantwortlichen ist. Und im Handeln der Menschen findet dies seine Parallelen. Abgesehen von Arm und Reich - in der Debatte über die Flüchtlinge nahm der Eigennutz eine domi...

ndPlusRené Heilig

Attentäter von Berlin ist tot

Der mutmaßliche Weihnachtsmarkt-Attentäter von Berlin Anis Amri ist bei einer Schießerei in Mailand getötet worden. Die Ermittlungen gehen weiter.

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Klaus Joachim Herrmann

Kremlbilanz

Russland ist Ende 2016 militärisch und strategisch gestärkt, bei europäischen Turbulenzen demonstrativ neutraler Beobachter und wirtschaftlich langsam aus dem Schlimmsten raus - Jahresbilanzen können schlechter ausfallen.

ndPlusHermannus Pfeiffer

Ruhe vor dem Sturm

Die Strafe trifft die Deutsche Bank hart, denn für alle noch offenen Rechtsstreitigkeiten hat man »nur« rund 6 Milliarden zurückgelegt. Und mit dem US-Deal ist es längst nicht getan.

Fabian Lambeck

Nachrichten-TÜV statt Abwehrstelle

Das Bundesinnenministerium will nun eine beim Kanzleramt angesiedelte Abwehrstelle für Falschmeldungen schaffen. Der Vorschlag offenbart das instrumentelle Verhältnis, das die Politik zu Medien pflegt.

Hendrik Lasch

Amtsanmaßend

»Nicht in jedem Talar steckt ein Pfarrer.« Den Satz schrieb Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, nach einer Demonstration, die nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche von der AfD vor dem Kanzleramt organisiert wurde. Mit dabei: Ein Mann im Talar. Der ist, wie Bedford-Strohm klarstellte, kein Pfarrer - zumindest nicht ...

Hendrik Lasch

Die Amtsanmaßung des Thomas Wawerka

Thomas Wawerka wurde nicht in den regulären Pfarrdienst übernommen. Dass er dennoch etwa bei AfD-Demonstrationen Amtskleidung trägt, ruft nun die Evangelische Kirche auf den Plan. Dazu sei er nicht berechtigt.

Von der serbisch-albanischen Liebe

Am Beginn meines Jugowesterns stand eine kaum zu glaubende Nachricht: Obwohl Serben und Albaner eine Erzfeindschaft pflegen und obwohl der Kosovokrieg noch keine achtzehn Jahre zurückliegt, haben inzwischen viele hundert serbische Bauern aus dem südserbischen Sandschak Albanerinnen geheiratet. Ich fuhr auf das Hochland Pešter, auf dem diese serbisch-orthodoxen Kuhhirten noch ausharren. In den Gege...

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ndPlusHelge Meves

Heilige Nacht im Futtertrog

Ein Termin wie Weihnachten lässt Zeit, sich zu besinnen, darauf vorzubereiten, etwas Besonderes zu arrangieren, ein Fest, Geschenk oder Geschichten zu erzählen. Er ist aber auch eine rückwärts laufende Uhr.

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Attentate vereitelt

Melbourne. Die australische Polizei hat nach eigenen Angaben Terroranschläge auf Tourismusziele in der Großstadt Melbourne zu Weihnachten vereitelt. Nach Angaben von Polizeichef Graham Ashton vom Freitag wollten die Tatverdächtigen am ersten Weihnachtsfeiertag unter anderem auf dem Bahnhof Flinders Street und in der Paulus-Kathedrale zuschlagen. Dabei sollte auch Sprengstoff eingesetzt werden. »We...

Hinweise auf Anschlag in Oberhausen

Duisburg. Wegen der möglichen Vorbereitung eines Anschlags auf das riesige Einkaufszentrum Centro Oberhausen hat die Polizei zwei Männer festgenommen. Nach einem Hinweis aus Sicherheitskreisen drangen Spezialeinheiten in der Nacht zum Freitag in eine Wohnung in Duisburger Stadtteil Marxloh ein. Die beiden Verdächtigen, zwei im Kosovo geborene Brüder im Alter von 28- und 31 Jahren, kamen in Gewahrs...

ndPlusRené Heilig

Endstation Mailand

Das italienische Innenministerium hat am Freitagvormittag den Tod des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri bestätigt. Er soll auch anhand von Fingerabdrücken identifiziert worden sein.

Martin Kröger

Berlin wappnet sich für große Silvesterparty

Berlin verschärft nach der Attacke seine Sicherheitsvorkehrungen. Im Abgeordnetenhaus wurden am Freitag bei einer Sondersitzung neue Details zu den Hintergründen des Terroranschlags dargelegt.

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ndPlusIrina Wolkowa, Moskau

Russischer Aufschwung

Die Jahrespressekonferenz des Präsidenten hat Tradition - und Überlänge. Verkündet wurden das Ende der Rezession und andere Erfolge.

Olaf Standke

Trumps »Hexengebräu«

Als Unterzeichnerstaaten des Atomwaffensperrvertrages sind Russland und die USA zur nuklearen Abrüstung verpflichtet. Von Trump und Putin kommen nun aber andere Töne.

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Deutsche Bank zahlt Strafe in Milliardenhöhe

Frankfurt/Main. Mit einer Strafzahlung und Entschädigungen von insgesamt 7,2 Milliarden Dollar legt die Deutsche Bank in den USA einen Rechtsstreit um faule Hypothekenpapiere bei. Wie das Kreditinstitut am Freitag bekanntgab, verpflichtet es sich in dem Vergleich mit dem US-Justizministerium zu einer Strafzahlung von 3,1 Milliarden Dollar. Darüber hinaus müsse sie 4,1 Milliarden Dollar für Entschä...

Susanne Götze

Weiße Weihnacht - nur im Traum?

Grün-graue statt weiße Weihnachten - auch dieses Jahr. Das sechste Mal in Folge liegt während der Feiertage in Deutschland kein Schnee. Ist das noch »normal« oder schon Folge der globalen Erwärmung?

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Maestro auf allen Ebenen

Der international renommierte österreichische Cellist und Dirigent Heinrich Schiff ist tot. Er starb im Alter von 65 Jahren in einem Krankenhaus in Wien in der Nacht zum Freitag. Dies bestätigte ein enger Freund der österreichischen Nachrichtenagentur APA.Dem in Gmunden am Traunsee geborenen Künstler war mit zeitgenössischer Musik früh der Durchbruch gelungen. 1978 brachte ihm seine erste Schallpl...

ndPlusJürgen Amendt

Wir sind Jesus

Nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt zu Beginn dieser Woche fand Bundespräsident Joachim Gauck in den Tiefen seines pastoralen Wortschatzes diese Worte: »Dies war ein Angriff auf unsere Mitte, auf unsere Art zu leben.« Doch wer ist dieses »unser« und wie sieht dessen Art zu leben aus? Leider hat Gauck darauf keine Antwort gegeben. Sie wäre auch wenig hoffnungsvoll ausgefallen. Denn...

Gerhard Schweppenhäuser

Nennen wir es Krieg

Wir befinden uns im Krieg - so sagte, sinngemäß, der französische Staatspräsident nach den Terroranschlägen in Paris und Nizza. Ähnlich äußerte sich jetzt ein ranghoher saarländischer Landespolitiker nach dem Terroranschlag in Berlin. Nein, schallt es ihm aus der liberalen Presse entgegen: Dieser Anschlag war kein kriegerischer Akt. Der Täter, heißt es, war kein Kombattant, sondern ein Mörder. Wie...

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Auf Sparflamme

Die Bonner Schauspieldirektorin Nicola Bramkamp wird ihren Vertrag nicht verlängern und das Haus 2018 verlassen. Ihren Abschied begründete sie auch mit der anhaltenden Sparpolitik. Die »stetig fortschreitenden Kürzungen im künstlerischen Bereich« machten eine Fortführung ihres Konzeptes nicht mehr möglich, teilte sie mit. Bramkamp ist seit 2013 Schauspieldirektorin am Theater Bonn.Generalintendant...

Brecht und das Heute

Rund zwei Monate vor dem Brechtfestival 2017 steht das Programm des Augsburger Kulturfestes. Der neue Chef des Festivals, Patrick Wengenroth, will das Werk Bert Brechts aktuellen Debatten beispielsweise zum Feminismus entgegenstellen. Da das historische Augsburger Theater vor wenigen Monaten kurzfristig aus Brandschützgründen geschlossen werden musste und die nächsten Jahre nicht zur Verfügung ste...

Ingolf Bossenz

Der franziskanische Bodensatz

Es ist zweifellos einer der originellsten ersten Sätze der Weltliteratur - der erste Satz des ersten Bandes der Winnetou-Trilogie von Karl May: »Immer fällt mir, wenn ich an den Indianer denke, der Türke ein; dies hat, so sonderbar es erscheinen mag, doch seine Berechtigung.« Ebenso hat es seine Berechtigung, dass mir immer, wenn ich an den heiligen Franz von Assisi denke, das Berliner Hotel »Adlo...

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Oliver Kern

Für Doping muss gelten: Strafe statt Schutz

Zu lange hat Russland den Dopingkontrolleuren die Tür vor der Nase zugeschlagen. Jetzt schließen die Funktionäre selbst ab und lassen Putin sagen, dass es »in Russland nie ein staatliches Dopingsystem gegeben« habe.

Sebastian Bähr

»Stürze gehören zum Geschäft«

Fans waren schockiert. Eine schwedische Skicrosserin stürzte im Training und liegt seitdem im Koma. Kollegen erklären: Ursache war ein individueller Fehler. Die Sportgemeinschaft lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.

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ndPlusChristoph Ruf, Plauen

Eingezwängt zwischen Chemnitz, Zwickau und Aue

Die große Fußballwelt - das sind im sächsischen Plauen Spiele gegen Dresden oder Aue. Der VFC selbst spielte bis zur Insolvenz 2014 sogar drittklassig, mit viel Mühe und Idealismus gelang der Neustart.

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Kaum Berliner Flüchtlinge in Brandenburg

Trotz der weiterhin angespannten Lage hat Berlin bislang kaum die Möglichkeit genutzt, Flüchtlinge auch in Brandenburg unterzubringen. Nach Angaben des Potsdamer Innenministeriums vom Freitag hat die Erstaufnahme-Außenstelle Wünsdorf im Landkreis Teltow-Fläming bis Freitag erst 64 Asylsuchende aus Berlin aufgenommen. Brandenburg hatte sich bereiterklärt, bis zu knapp 1000 Flüchtlinge aus Berlin zu...

Die Kinderlein kamen

Das ist eine gute Nachricht. »Ihr Kinderlein kommet«, heißt es in einem kirchlichen Weihnachtslied. In einem weltlichen Krankenhaus, der Universitätsklinik Charité, kommen sie tatsächlich. 5300 Geburten gab es dort im laufenden Jahr. Das ist ein Rekord. Die Zahl für ganz Berlin liegt noch nicht vor. Aber der Trend scheint sich fortzusetzen. Die Zahl der Geburten ist seit 2006 kontinuierlich von 29...

Nicolas Šustr

Streit um Videoüberwachung

Eigentlich ist sich Rot-Rot-Grün einig, dass keine neuen Überwachungskameras kommen sollen. Doch der für markige Forderungen bekannte Tom Schreiber will das nicht einsehen.

ndPlusTim Zülch

Flüchtlinge verlassen Turnhallen

900 Flüchtlinge konnten bis zu diesem Freitag aus Turnhallen in geeignetere Unterkünfte umziehen. An der Charlottenburger Heerstraße liegt einer der neuen Standorte.

Samuela Nickel

Weihnachten, auch ohne Wohnung

Einmal im Jahr wird die Heilig-Kreuz-Kirche zum Ort, an dem Wohnungslose einen Abend im Warmen miteinander verbringen, feiern und der Einsamkeit auf der Straße etwas entgegen setzen können.

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Tomas Morgenstern

Krankenhäuser modernisieren ihre Strukturen

Das System der Gesundheitsversorgung im Land steht 2017 vor neuen Herausforderungen. Ihnen stellen sich die Krankenhäuser mit Modernisierung, Spezialisierung und fähigem Personal.

Fundierter Einblick in ein Leben

Frau Neuwirth, was geschah bisher mit den Basdorfer Fundstücken, nachdem Herr Bergner sie Ihnen übergeben hatte?Ich war selbst noch vor Ort und habe mich nach weiteren Dokumenten umgesehen. Die Fotos, Urkunden und die vielen weiteren Schriftstücke kamen zunächst einmal in Quarantäne. Das ist notwendig, um einen Befall mit Schimmel auszuschließen, der sich auf andere Dokumente bei uns im Archiv übe...

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Ausflug zur Bushaltestelle

Viehle. Mehr ein Kultort als eine Bushaltestelle: das Wartehäuschen im niedersächsischen Viehle. Ein Bus hält hier nur Wochentags, um ein Schulkind aus dem 24-Einwohner-Dorf an der Elbe abzuholen. Zur Adventszeit schmückt die Familie Meyer seit Jahren das Buswartehaus weihnachtlich. Erst nach dem 6. Januar wird der Schmuck wieder eingesammelt. Dann bereiten Meyers den nächsten Höhepunkt vor: Zu Os...

Schöne Bescherung: 50 000 räumen Wohnung

Augsburg. Rund 50 000 Einwohner des Augsburger Stadtteils Jakobervorstadt müssen sich auf ein unruhiges Weihnachtsfest einstellen. Nach dem Fund einer riesigen Fliegerbombe soll der Sprengkörper ausgerechnet am Sonntag, dem ersten Weihnachtsfeiertag, entschärft werden, wie die Stadt mitteilte. Die Entschärfung macht eine großräumige Evakuierung nötig. Dazu müssen ab 8 Uhr morgens Bereich der Innen...

28,7 Eier pro Henne - nur im September

Erfurt. Zahlen müssen nicht langweilig - das bewiesen die Thüringer Statistiker, als sie kürzlich ihr Datenwerk vorlegten. So erfährt etwa der Bratwurst-Interessent im neuen Statistischen Jahrbuch für den Freistaat, dass im Land im vergangenen Jahr statistisch gesehen alle 29 Sekunden ein Schwein geschlachtet wurde. Diese Menge an Fleisch verarbeitet als Bratwurst ergibt eine beachtliche Länge: Ei...

Harald Lachmann

Selbst am City-Tunnel läuft es gut

Steigende Einwohnerzahlen, wachsende Beschäftigung und nicht zuletzt ein zunehmend attraktiveres Verkehrsangebot sorgen in Leipzig derzeit für gute Stimmung. Auch neue Straßenbahnen soll es geben.

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Realitäten

Nur die Deutschen und die Russen unterscheiden zwischen Realität und Wirklichkeit, bei Engländern oder Franzosen wird beides mit einem Wort bezeichnet. Die Deutschen wie die Russen wissen, dass die Wirklichkeit größer und vielschichtiger ist als jede Realität. Wladimir Kaminer versucht in Texten den Unterschied zwischen beidem zu vermessen. nd24.12., ab 21 Uhr, Volksbühne, Rosa-Luxemburg-Platz, Mi...

Spur der Bären

Bären für alle Lebenslagen: Die 67. Berliner Filmfestspiele (9.-19. Februar 2017) werben in ihrer nächsten Ausgabe mit dem Wappentier der Hauptstadt. In sechs Bildmotiven drehen die Bären ihre Runden durch das nächtliche Berlin, wie die Veranstalter in dieser Woche mitteilten. »Berlin ist groß und auch in diesem Jahr folgen wir der Spur der Bären zu einigen typischen Hauptstadtecken«, erklärte Fes...

»Der tut nichts«

Der »Vater« des erzgebirgischen Nussknackers ist Wilhelm Friedrich Füchtner. Der Zimmermann aus Seiffen, dessen Nachfahren noch immer in der Branche tätig sind, fertigte 1870 aus Fichtenholz die ersten jener Figuren, die heute weltweit bekannt und allein in den USA bei rund 1000 organisierten Sammlern begehrt sind. Sie lassen sich auch von den oft grimmigen Gesichtern nicht abschrecken. Vermutlich...

AdK zeigt sich erfreut

Die Berliner Akademie der Künste hat als Bewahrerin zahlreicher Manuskripte, Tagebücher, Briefe und Fotografien des ungarischen Literatur-Nobelpreisträgers Imre Kertesz (1929-2016) die geplante Schaffung eines Kertesz-Museums und -Instituts in Budapest begrüßt. »Der schriftliche Nachlass von Imre Kertesz befindet sich auf Wunsch des Schriftstellers seit 2002 im Archiv der Akademie der Künste in Be...

ndPlusFriederike Marx 
und Jörn Bender, Frankfurt am Main

Dreizehn Milliarden D-Mark werden noch immer vermisst

Sie schlummern in Schubladen und Schränken, in Badezimmern oder Einmachgläsern. Weiterhin sind D-Mark-Scheine und Münzen im Milliardenwert im Umlauf. Ein Teil wird auch im Ausland vermutet.

Stefan Amzoll

Das Kollektiv ist keine schnurgerade Reihe

Vielleicht das musikalische Ereignis in den vorweihnachtlichen Tagen in Berlin - diese Aufführung im Berliner Dom am Lustgarten. Sämtliche Bänke waren besetzt, die Kirche gut geheizt. Und hoch inspiriert das Ensemble. Ein Drama erstand, kompositorisch ersonnen von dem 1892 in Le Havre geborenen Schweizer Arthur Honegger, um 1920 Mitglied der avantgardistischen »Groupe des Six«. »Le Roi David« ist ...

Hendrik Lasch, Neuhausen

Eine harte Nuss selbst für Nussknacker

Schon vor 2400 Jahren gab es Nussknacker. Ausgereift ist die Technik aber nicht, sagt ein Tüftler aus Freiberg. Inspiration holt er sich in Europas größter Sammlung von Nussknackern, die im Erzgebirge steht.

ndPlusAnita Wünschmann

Alles auf Anfang für die Zukunft

»Jetzt haben wir den Schlamassel«, hat meine Großmutter immer gesagt, wenn irgendeine halbherzige Idee Realität geworden war. Seit Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) im November 2014 die Initiative für den Neubau ergriffen hatte und 200 Millionen Euro Bundesmittel für einen Erweiterungsbau der Neuen Nationalgalerie zugesagt wurden, halten sich Ablehnung und Befürwortung eines solchen Bau...

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Sieben Tage, sieben Nächte

Bevor die Hauptpost des belagerten Sarajevo zerstört wurde, stand auf die Fassade des Gebäudes gesprüht: »Das ist Serbien!« - und als Antwort darunter: »Das ist die Post, du Idiot!« Wüsste man es nicht besser, so könnte man meinen, der Angriff habe dem Satz gegolten, der nicht nur Humor in finsteren Zeiten, sondern auch die politische Weigerung ausdrückte, den nationalistischen, ethnischen und rel...

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»Lache nie über die Dummheit der anderen. Sie ist deine Chance.« (Winston Churchill)

Wie oft sich Theresa May diesen Satz im Sommer dieses Jahres aufgesagt hat, kann niemand mit Bestimmtheit sagen. Doch als am 23. Juni die Briten mit 51,89 Prozent für den EU-Austritt stimmten, überall in Europa das große Gezeter ausbrach und Premier Cameron pfeifend von dannen zog, begann für die 60-Jährige ihre ganz ganz große Karriere: Die Parteivorsitzende der Conservative Party ist seit dem 13...

ndPlusRobert D. Meyer

Und was sagt eigentlich der »Föhrrer« dazu?

Oliver Kalkofe? Den Namen des Satirikers verbindet man mit Parodien auf Kosten von Personen, deren unerschöpflicher Geltungsdrang sie ins Fernsehen trieb. Doch der Satiriker zeigt uns auch: Wir sollten über Rechte lachen.

Kathrin Gerlof

Soll das ein Witz sein?

Dieser Text könnte Twitterlänge haben. Höchstens 140 Zeichen. Linke haben keinen Humor. Punkt. Noch nie gehabt, ließe sich anfügen. Immer noch Twitterlänge. Humor kann haben, wer die Welt in Ordnung findet. Das tun Linke ja nun mal per se nicht. Kein vernünftiger Mensch sollte die Welt in Ordnung finden. Wer es doch tut, ist kein Linker und auch keine Linke. Das ist vertrackt. Seit jeher ist Linke...

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»Aller Humor fängt damit an, dass man die eigene Person nicht mehr ernst nimmt.« (Hermann Hesse)

Wer sich selbst in Bezug auf die alten römischen Eliten als »Verschrotter« bezeichnet und seinen enthusiastischen Wählern zum Amtsantritt 2014 jeden Monat eine neue Reform verspricht, muss ganz im Hesseschen Sinne eine Menge Humor haben. Aber wahrscheinlich hat der italienische Regierungschef Matteo Renzi bei der von ihm angestrebten Verfassungsreform vor wenigen Wochen eher umgekehrt gedacht - un...

ndPlusFlorian Brand

Wie Tim Taylor, nur besser

Hör mal, wer da flext: Fynn Kliemann ist gelernter Designer, Youtuber, Heimwerkerking, Musiker, Autor, Skateboarder, Autodidakt und so weiter. Nun unterstützt ihn sogar der NDR dabei, seine eigene Utopie zu bauen.

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»Lachen bedeutet schadenfroh sein, aber mit gutem Gewissen.« (Friedrich Nietzsche)

Die Schadenfreude, die die Franzosen bisweilen über ihre Präsidenten ausschütten, hat zwar Tradition - aber eigentlich war Sozialdemokrat François Hollande in deutlicher Abgrenzung von seinem konservativen Vorgänger Nicolas Sarkozy angetreten, sein Amt als »normaler« Präsident auszuüben. Inwieweit er seit 2012 seine zahlreichen Pleiten und Pannen guten Gewissens absolvierte, ist nicht auszumachen....

Denis Trubetskoy

Bis zur Schmerzgrenze

Ukrainische Humoristen und Satiriker haben schon immer lokale Politiker und die Lage im Land bis zur Schmerzgrenze ausgelacht. Seit der Maidan-Revolution ist die Gesellschaft noch politischer geworden - und das gilt auch für den Humor. Oder, wie es Wolodymyr Selenskyj zusammenfasst: »In Zeiten, in denen es nichts zu Lachen gibt, wollen die Menschen genau darüber lachen, warum es so ist.«Selenskyj ...

ndPlusMartin Koch

Da lach ich doch drüber!

Vor dreieinhalb Jahren erhielt Janine Schmidt aus Berlin eine schockierende Diagnose: Lymphdrüsenkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Ohne Verzögerung begann die 31-jährige PR-Beraterin eine Chemotherapie. Und beschloss, mit innerer Kraft gegen den Tumor zu kämpfen, den sie fortan Henry nannte. Im Netz eröffnete sie den Blog fuckoffhenry und berichtete dort mit viel Witz über den Verlauf der Behand...

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»Schreibtafel her! Ich muß mir’s niederschreiben, daß einer lächeln kann und immer lächeln und doch ein Schurke sein.« (William Shakespeare)

Bis Donald Trump am 8. November die US-Wahlen gewann, hatte das weltweite Publikum einen Marathon an TV-Duellen zu absolvieren, die sich der auch in den eigenen Reihen nicht unumstrittene Kandidat der Republikaner mit der Demokratin Hillary Clinton lieferte. Bei denen lächelte der 70-Jährige mitnichten, sondern langte gegen Minderheiten und Frauen weit unter die Gürtellinie. Mit Dauerlächeln aller...

ndPlusJohanna Treblin

Wie ein guter Witz

Verschimmeltes Obst, Rauchen in der Notunterkunft – der Computeringenieur Ahmad Al-Tabbakh zeichnet Karikaturen über seinen Alltag. An der richtigen Stelle angebracht, lösen sie sogar Probleme.

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»Ein ewig heiterer Gesichtsausdruck ermüdet und auf die Dauer weit mehr als ständiges Stirnrunzeln.« (Oskar Wilde)

Viel Widerstand hat Barack Obama in den letzten acht Jahren einfach weggelacht. Aber zum Ende seiner Amtszeit dürfte dem ersten Afroamerikaner im Weißen Haus sein umwerfender Humor abhanden gekommen sein: Der nächste Präsident kommt nicht nur vom politischen Gegner - er will auch die ohnehin nicht zahlreichen sozialen und umweltpolitischen Erfolge des 55-Jährigen rückgängig machen. Als der Demokra...

Uwe Kalbe

Nicht lachen macht nichts

Wer über Politik lachen will, muss das Fernsehen einschalten. Satireformate im Fernsehen boomen. Aber was ist beispielsweise die »heute show?« Quatsch, Satire, Aufklärung? Oder gar alles gleichzeitig?

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»Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.« (Joachim Ringelnatz)

Manchmal sah es in diesem Jahr so aus, als wüsste die Kanzlerin nichts von jenem Knopf, der ihr die Dauerauseinandersetzungen in der Union erträglicher gemacht hätte. So spitzbübisch wie hier abgelichtet war Angela Merkel eher selten zu sehen. Insbesondere wenn sie mit CSU-Chef Horst Seehofer über die Flüchtlingspolitik debattierte und sich seinem Abgrenzungskurs zwar inhaltlich, aber nicht semant...

ndPlusAnna Maldini, Rom

Ein zur Politik verdammter Komiker

Ende der 70er Jahre hätte wohl niemand vorausgesagt, dass der damals 30-jährige Giuseppe Piero Grillo, genannt Beppe, der in Mailänder Kabaretts auftrat, eines Tages einer der wichtigsten Männer Italiens werden würde. In Genua 1948 als Sohn einer Pianistin und eines Unternehmers geboren, hatte er erst BWL studiert und später als Vertreter gearbeitet. Und dann ging plötzlich alles ganz schnell...

ndPlusWolfgang Hübner

Der twitternde Generalsekretär

Twitter zu DDR-Zeiten? Das hätte vielleicht weniger langatmige Reden, mehr griffige Argumente, weniger Kommuniques, dafür mehr Schlagfertigkeit bedeutet. Das bleibt nun Imitatoren vorbehalten.

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»Nichts ist kläglicher als Humor in zu engen Schuhen.« (Annette von Droste-Hülshoff)

Dass Sigmar Gabriel witzig sein kann, ist oft zu besichtigen. Allerdings hat der Humor des 57-jährigen SPD-Chefs, Wirtschaftsministers und Vizekanzlers ein rasches Verfallsdatum. Das mag an der Ämterfülle liegen - oder daran, dass der Mann im Unterschied zu manch anderem seiner Zunft auch Wert auf ein Privatleben legt. Gerade ist der Goslarer dabei, zum dritten Mal Vater zu werden. Vielleicht zöge...

Die siebte Stärke

Kann Humor aufklärerisch wirken? Und hängt er mit Intelligenz zusammen. Ein Gespräch mit Willibald Ruch, der zu Ironie, zu Clowns in Krankenhäusern und zur Persönlichkeit eines Klassenclown forscht

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»Weit impertinenter noch als durch Worte offenbart sich durch das Lächeln eines Menschen seiner Seele tiefste Frechheit.« (Heinrich Heine)

Das muss man neidlos anerkennen: Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer hat ein gewinnendes Lächeln. Ob er seinen ungeliebten Kronprinzen Markus Söder abwatscht, der Kanzlerin die Stirn bietet oder die Union in heftige Turbulenzen bringt - im Unterschied zum großen Vorbild Franz Josef Strauß entgleiten dem 67-Jährigen kaum die Gesichtszüge. Was nichts daran ändert, dass er in der Au...

Ingolf Bossenz

Der »Neue Mensch« hat nichts zu lachen

Pathetische Erhöhung, politisches Experimentieren, politkorrektes Räsonieren - der Neue Mensch hatte dabei zu keiner Zeit etwas zu lachen. Der »alte« Mensch aber erst recht nicht.

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»Menschen, deren Lachen stets affektiert ist und gezwungen, sind intellektuell und moralisch von leichtem Gehalt.« (Arthur Schopenhauer)

Dass sich Malu Dreyer von diesem Zitat leiten ließ, als sie sich im Frühjahr während des Landtagswahlkampfes in Rheinland-Pfalz in das Frauenduell mit Julia Klöckner von der CDU begab, würde die Sozialdemokratin sicher weit von sich weisen. Doch die 55-jährige Juristin deklassierte ihre immer etwas zu laute und gewollt fröhliche Konkurrentin mit ihrer natürlichen Freundlichkeit und offenem Visier....

ndPlusOliver Eberhardt

Ohne Humor nicht zu ertragen

Superman ist da. Stolzen Schrittes, das blaue Cape vom Winde verweht, auf dem Kopf die traditionelle arabische Kopfbedeckung, schreitet er, von Kindern umringt, durch die Menge aus verschleierten Frauen, Männern in traditioneller arabischer Kleidung: »Ich kandidiere«, ruft er, »kommt alle zur Wahl!« Die Leute schauen, als sei da ein Wesen aus einer anderen Welt mitten im Zentrum von Kuwait-Stadt a...

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»Die verborgene Quelle des Humors ist nicht Freude, sondern Kummer.« (Mark Twain)

Irgendwie hat man beim Berliner Regierenden Bürgermeister Michael Müller immer das Gefühl, als schwinge selbst in seinen fröhlichsten Momenten so etwas wie Wehmut, Unsicherheit und Misstrauen gegenüber dem Glück mit. Das muss nicht wundern. Der Sozialdemokrat, der gerade zwei Tage lang 50 Jahre alt war, als er 2014, als Nachfolger seines Genossen Klaus Wowereit, mitten in der Legislaturperiode auf...

Silvia Ottow

Sauerkrautfaktor & Rechtsregulat

Fermentation, »Redoxpotenzial« und Hauptsache ganz viel Bio: Wenn Medizinpräparate verkauft werden sollen, gehen die Pferde mit den Werbetextern durch. Und lassen dabei ziemlich viel Sprachmist zurück.

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ndPlusMonika Salz

Pfade des Feuers

Pfade des Feuers - sie jeweils für sich zu legen, ist die Aufgabe von zwei Teams. Eine durchgehende Verbindung aus Feuersteinen und Türmen muss jeweils entstehen. Gezogene Handkarten bringen die Türme aufs Brett, doch die Karten müssen farbig passen. Je höher die Türme, desto besser, doch sie können vom Gegenteam überbaut und somit kontrolliert werden. Mit Feuersteinen verbundene Türme sind indes ...

Carlos Garcia Hernández

Bühne für Pareidolien

Pareidolie bezeichnet «das Phänomen, in Dingen und Mustern vermeintlich Vertrautes» zu erkennen«. Deshalb erblicken viele Kinder in den Wolken Tiere und Gesichter. Und es soll Erwachsene geben, die so etwas dauernd in Ästen und auf Butterbrötchen, in Steinen oder in Dachfenstern fixiert sehen.Auch das Schachbrett ist manchmal Bühne für Pareidolien. So die Endstellung zwischen Richard Dineley (UK; ...

ndPlusmim & Mike Mlynar

Kleine Weihnachtsmusik

Kinder beschenken zu können, wärmt. Ergreifend ist es, von ihnen beschenkt zu werden. Vor allem wenn man ahnt oder weiß, wie emsig sie gebastelt haben, Taschengeld abzweigten oder gar selbst verdienten.Letzteres machten Theo, Leo und Kalle auch. In der belebten Einkaufsstraße ihrer kleinen Heimatstadt spielten die drei an den Dezembersamstagen Weihnachtslieder: mit Geige, Flöte und Trompete. Der G...

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Manfred Lädtke

Auf Flügeln der Fantasie

Hunderte Sterne erleuchten Weihnachten die krummen Gassen von St. Gallen. Halleluja, da müssen sich Engel ja heimisch fühlen. Überall sind sie zu sehen. Mehr als 600 Lichtgestalten bevölkern im Stiftsbezirk der ostschweizerischen Stadt prachtvolle Erker und Friese. No Angels? Für die 1000-jährige Stadt im Appenzellerland gilt das nicht. The Beach Boys, Klaus Hoffmann und Rammstein haben die ü...

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ndPlusHeidi Diehl

Der Noah von Seiffen

Dieses Haus ist ein einzigartiges Universum, ein ganz besonderes Zauberland: Kaum hat man die Schwelle des jahrhundertealten Erzgebirgshauses in Seiffen überschritten, muht, mäht, gackert, kreischt, miaut, bellt, schnattert, flattert, trampelt, kriecht, schwimmt und schleicht es einem entgegen. Freilich, hören können das nur Kinder und all jene Erwachsenen, die im Herzen ein Kind geblieben sind. D...

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»Ich halte das Lachen für eine der ernsthaftesten Angelegenheiten.« (Wilhelm Raabe)

Vermutlich würde Gregor Gysi dieser Auffassung energisch widersprechen. Und wenn es dem 68-jährigen LINKE-Politiker tatsächlich einmal Mühe bereitet haben sollte, bis sehr weit hinein in die politische Konkurrenz Lacher zu produzieren, dann hat er es glänzend zu verbergen verstanden. Mit dem Selber-Lachen hat er dagegen manchmal sichtlich Schwierigkeiten. Kunststück. Wohl kaum jemand ist in dieser...

ndPlusStephan Fischer

In unseren Safe Spaces werden wir ewig leben

Natürlich gibt es viele, die die Augen nicht verschließen, die ganz ohne ironische Distanz an der Welt nicht verrückt werden: diejenigen, die woanders hinschauen oder eben gerade andere Dinge zu tun haben.