Seite 1
Martin Hatzius

Unten links

Noch in der gestrigen Spätsitzung konnten wir hier in der Redaktion keinen Anhaltspunkt dafür ausfindig machen, Ihnen in dieser Ausgabe endlich mal wieder eine positive Nachricht überbringen zu dürfen. Aber jetzt ist uns doch etwas aufgefallen: Die Knospen der Kastanienbäume sind aufgesprungen. Alle mit einem Mal. Über Nacht. Plopp; es wird Frühling. In diesen dunkelgrauen Zeiten, in denen alles d...

ndPlus

Schule in Syrien bombardiert

Beirut. Ein Luftangriff der US-geführten Militärkoalition in Syrien hat in einer Flüchtlingsunterkunft mindestens 33 Zivilisten getötet. Wie die syrischen Regierungsgegnern nahestehende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch mitteilte, traf der Angriff im Norden des Landes eine Schule, in der Binnenflüchtlinge untergebracht sind. Die Koalition für den Kampf gegen die Dschihadis...

ndPlusStefan Otto

Ein Bekenntnis

Der Gesetzentwurf des Justizministers, der eine Rehabilitierung von verurteilten schwulen Männern vorsieht, ist richtig. Doch solange Schwulen und Lesben Schikane und Mobbing droht, braucht es weitere Bekenntnisse.

ndPlus

Zeichen des Rechtsstaats

Berlin. Razzien der Sittenpolizei in den Bars und Kneipen, die als Schwulentreffpunkte galten, waren in der Nachkriegszeit berüchtigt. Tausende landeten im Gefängnis, einzig und allein wegen ihrer sexuellen Orientierung - gleichgeschlechtlicher Sex zwischen Männern war nach dem Paragraf 175 des Strafgesetzbuches verboten. Bei einer Verurteilung erhielten die Männer oftmals eine mehrjährige Haftstr...

Tote und Verletzte bei Anschlägen mitten in London

London. Bei zwei mutmaßlichen Terroranschlägen in London sind nach Medienberichten mindestens eine Frau getötet und mehrere Menschen zum Teil schwer verletzt worden. Das berichtete die Nachrichtenagentur PA am Mittwoch unter Berufung auf medizinisches Personal im Londoner Krankenhaus St Thomas’. »Wir behandeln dies als einen terroristischen Vorfall«, teilte Scotland Yard auf Twitter mit. Das briti...

Fabian Lambeck

Weniger deutsche Waffen für die Türkei

Die Bundesregierung genehmigt offenbar nicht mehr jeden Waffendeal mit der Türkei. Das stimmt aber nicht ganz: Den elf abgelehnten Anträgen steht eine ganze Reihe von Genehmigungen gegenüber.

Seite 2
Hermannus Pfeiffer

Ebbe im Auftragsbuch

Viele deutsche Werften warten auf Aufträge. Große Hoffnungen setzt die Branche auf die Neuausstattung der Marine.

ndPlusFolke Havekost und Volker Stahl

Kürzungen scheibchenweise

Die Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss will viele Stellen abbauen und die Löhne kürzen. Rüstungsaufträge sollen das angeschlagene Unternehmen wieder profitabel machen.

Seite 3
Ulrich Gineiger

Das Schweigen der Familien

Wenn in den Familien nicht über Schuld und Verstrickungen in der Nazizeit gesprochen wird, dann leiden auch die folgenden Generationen noch darunter - bis heute.

Seite 4
Fabian Lambeck

Endlich die Regeln anwenden!

Anders als Gabriel suggeriert, gibt es die Instrumente zur Beschränkung von Waffenausfuhren bereits - man muss sie nur konsequenter anwenden. Etwa die politischen Grundsätze der Regierung für den Export von Kriegswaffen.

Olaf Standke

Gegenwind

Da müssen Donald Trump ganz schön die Ohren geklungen haben. Sein Kandidat für den vakanten Richterposten am Obersten Gericht sparte bei den Senatsanhörungen nicht mit Kritik am Präsidenten. »Demoralisierend« und »entmutigend« sei dessen Zweifel an der Integrität eines Bundesrichters, so Neil Gorsuch, bekannt als strammer Konservativer. Und natürlich stehe niemand über dem Gesetz, auch nicht der U...

Simon Poelchau

Mehr Inflation, höhere Löhne

Das mit der Inflation ist so eine Sache: In Maßen ist sie für die Wirtschaft gut. Denn weil das Geld morgen bereits weniger wert ist, geben die Menschen es lieber heute aus und kurbeln damit die Konjunktur an. Doch was für die Wirtschaft gut ist, ist für die Angestellten meist schlecht. So ist es auch bei der Inflation. Denn die frisst die mühsam errungenen Lohnzuwächse wieder auf. Wie am Mit...

ndPlusFabio Angelelli

SelfieBaschar

Diejenigen, die ein Selfie mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad vorweisen können, lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen. Das soll auch dem italienischen Senator Antonio Razzi eingefallen sein, als er diese Woche zusammen mit europäischen und russischen Abgeordneten nach Damaskus flog, um den Friedensprozess in Syrien zu unterstützen. Der 69-jährige Politiker ließ sich die Gelege...

ndPlusKatja Kipping

Den Perspektivwechsel befördern

Zwei Dinge sollten Linke im Alltag vermeiden: zum einen Beschimpfung von Menschen, die nicht 100-prozentig politisch korrekt sprechen. Zum anderen, Verständnis heischend rassistische Deutungsmuster zu bestätigen.

Seite 5
ndPlusHans-Gerd Öfinger

Doch dienstlich unterwegs?

Hat Verfassungsschützer Temme den Bundestag belogen? Neue Dokumente sollen Belege dafür liefern - und könnten noch einmal Schwung in den Fall bringen. Die hessische LINKE erstattete deshalb Strafanzeige.

Stefan Otto

Späte Gerechtigkeit

Schwule Männer, die nach 1945 wegen ihrer Sexualität verurteilt wurden, sollen rehabilitiert und entschädigt werden. Das Bundeskabinett hat einen entsprechenden Entwurf auf den Weg gebracht.

Seite 6
Reimar Paul, Göttingen

Niedersachsen darf Gefährder abschieben

Für eine Strafverfolgung reichten die Beweise zwar nicht, dafür werden zwei als Gefährder eingestufte Männer nun abgeschoben - mit höchstrichterlichem Segen.

ndPlusHendrik Lasch, Leipzig

In der Uniform des Gegners

Dass im Oktober 1990 mit NVA und Bundeswehr zwei zuvor verfeindete Armeen verschmolzen, gilt als historisch einmalig. Eine Ausstellung in Leipzig blickt zurück.

Seite 7

Für Hungernde in Afrika fehlt es an Hilfen

Blutige Konflikte haben im Südsudan, in Somalia, in Nordost-Nigeria und im Jemen schwere Hungerkrisen verursacht. Doch die Weltgemeinschaft lässt viele Notleidende dort im Stich.

ndPlusOliver Eberhardt

Israel will Angriffe in Syrien fortsetzen

Nach den israelischen Luftangriffen in Syrien hat Russland Israels Botschafter einbestellt; die syrische Regierung fühlt sich bestätigt. Doch Premier Netanjahu stellt klar: Die Angriffe werden weitergehen.

Roland Etzel

Kein günstiges Klima für Genf

Am heutigen Donnerstag sollen die neuen Syrien-Gespräche in Genf beginnen. Opposition und Regierung haben ihre Teilnahme zugesagt. Ansonsten sind die äußeren Zeichen nicht unbedingt gut.

Seite 8

Wiederaufbau von Gaza droht zu scheitern

Tel Aviv. Die internationale Hilfsorganisation Oxfam hat fast drei Jahre nach dem Gaza-Krieg vor einer gefährlichen Krise bei der Wasserversorgung und sanitären Lage in dem Palästinensergebiet gewarnt. Ein von den Vereinten Nationen organisiertes Verfahren zum Wiederaufbau des Küstenstreifens stehe vor dem Scheitern, hieß es in einem am Mittwoch veröffentlichten Oxfam-Bericht.Der Aufbauplan habe z...

ndPlusOlaf Standke

Atomwaffen ächten!

Mit einer Mahnwache wollen am Donnerstagvormittag Friedensaktivisten der Ärzteorganisation IPPNW und des ICAN Deutschland (International Campaign to Abolish Nuclear Weapons) vor dem Auswärtigen Amt in Berlin die Bundesregierung auffordern, sich an den bevorstehenden UN-Verhandlungen über ein Atomwaffenverbot zu beteiligen. Eine Delegation verschiedener Gesundheitsorganisationen wird rund 3500 Unte...

ndPlusPeter Stäuber, London

May geht auf Beschwichtigungstour

Bevor Premierministerin May den EU-Austritt offiziell auslösen wird, tourt sie durch das Land, um mit Walisern, Schotten und Nordiren über den Brexit zu sprechen.

Thomas Roser, Chaskowo

Borissows dritter Versuch

Zwei Mal scheiterte er im Amt. Dennoch hofft vor den Parlamentswahlen am Sonntag in Bulgarien Ex-Premier Bojko Borissow auf eine dritte Regierungsmission.

Seite 9
Ralf Klingsieck

Prozess gegen Tierquäler im Schlachthof

Am Donnerstag beginnt erstmals in Frankreich ein Prozess gegen Beschäftigte eines Schlachthofs, die Tiere unnötig grob behandelt oder gequält haben sollen. Vor dem Gericht im südfranzösischen Alès müssen sich drei Arbeiter des Bio-Schlachthofs von Vigan verantworten. Mitangeklagt ist der Kommunalverband von Vigan als Träger des Betriebs, weil er seiner Weisungs- und Aufsichtspflicht nicht nachgeko...

ndPlusFabio Angelelli

Von Luther bis zur Agenda 2010

»Reform« ist zu einem Machtwort geworden, das viele fürchten - und das keinen Widerspruch zu erlauben scheint. Doch seit wann ist das eigentlich so?

Grit Gernhardt

Sparen unter neuem alten Label

A+, A++ oder doch lieber A+++? Derzeit herrscht eine verwirrende Vielfalt an Energielabels, die den Verbrauchern die Kaufentscheidung erschweren. Nun soll endlich eine lange geplante Reform kommen.

Seite 10
ndPlusUlrike Henning

Zeitumstellung und andere Schlafräuber

Am nächsten Wochenende, in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag, werden die Uhren wieder auf Sommerzeit umgestellt. Viele Menschen haben Probleme, sich der zeitlichen Verschiebung anzupassen.

Anke Nussbücker

Für Menschen und Gänse

Bellis perennis, das Gänseblümchen, ist als Elixier, Salbe oder Tee hilfreich - gegen Rheuma, Gicht, Akne und Frühjahrsmüdigkeit.

Seite 11

976 Container entstehen in Tempelhof

Bis Juli sollen auf dem ehemaligen Tempelhofer Flugfeld drei Containerdörfer mit insgesamt 976 Containern entstehen. Diese sollen 1120 Geflüchteten Platz bieten. Der Senat kalkuliert mit Kosten in Höhe von 16,2 Millionen Euro. Das geht aus der Antwort der Senatsverwaltung für Integration auf eine Schriftliche Anfrage der Linkspartei hervor. Sobald das Containerdorf fertiggebaut ist, sollen dort in...

ndPlus

Zurückhaltung bei den Diäten

Mit der Statistik ist es immer so eine Sache. Einerseits hat die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns dazu geführt, dass weniger Menschen darauf angewiesen sind, ihre Einkünfte aufzustocken, indem sie sich zusätzlich Stütze vom Staat holen. Andererseits haben sie dadurch dann nicht unbedingt mehr Geld zur Verfügung. Außerdem: Der Durchschnittswert wird durch unanständig hohe Einkommen beeinf...

ndPlusNicolas Šustr

Hausbesetzer und Klientelpolitik

Wie hält es die Koalition mit Hausbesetzern, wollte die CDU wissen. Dadurch wurde es im Stadtentwicklungsausschuss etwas absurd.

ndPlusJérôme Lombard

Noch lange nicht Klimahauptstadt

Bis 2030 will Berlin aus der Kohle aussteigen. Zu spät, kritisieren Umweltschützer. Sie fordern das Abschalten aller Kohlekraftwerke bis 2020, um die Pariser Klimaschutzziele einzuhalten.

Nicolas Šustr

Kampf gegen Verdrängung

Rückschlag für den Mieterschutz in Milieuschutzgebieten. In mindestens einem Fall hat der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg auf sein Vorkaufsrecht für Wohnhäuser verzichtet. Das behauptet zumindest eine Berliner Anwaltskanzlei.

Seite 12
ndPlus

Gedämpfte Diäten

Potsdam. Die Diätenerhöhung für die Landtagsabgeordneten könnte deutlich niedriger ausfallen als geplant. Nach einem Bericht der »Märkischen Oderzeitung« (Mittwoch) liegt jetzt ein Vorschlag auf dem Tisch, wonach die Diäten um 1,9 Prozent auf 8117 Euro steigen. Eine offizielle Bestätigung dafür war zunächst nicht zu erhalten. Von der CDU-Fraktion hieß es, man befinde sich in der Abstimmung. Die Gr...

Energiesparen ist leider Luxus

Über den Energieverbrauch entscheidet auch die Ausstattung mit modernen sparsamen Geräten. Für Einkommensschwache sind solche Geräte oft Luxus.

ndPlusPeter Kirschey

Sturz mit tragischen Folgen

Wäre der Unfall zu verhindern gewesen, hätten zwei Pfleger die Aufgabe übernommen, eine behinderte Seniorin umzusetzen? Der Fall wurde vor dem Amtsgericht Tiergarten verhandelt.

Felix von Rautenberg

Wackelpartie unter der Spree

Lückenschluss zwischen den U-bahnlinien 5 und 55 - am Mittwoch wurde die Trennmauer der neuen Tunnelanlagen am «Brandenburger Tor» mit ein paar Jahren Verspätung durchbrochen.

Tomas Morgenstern

Mehr Gewalt von rechts und links

Um zehn Prozent haben politisch motivierte Delikte in Brandenburg 2016 zugelegt, und die Gewaltbereitschaft steigt. Schwerpunkt ist die rechte Szene, die sich zunehmend gegen Asylbewerber richtet.

Seite 13

»Tag gegen Rassismus« im Drachenboot

Sport verbindet: Mit gemeinsamen Wettkämpfen sollen in Rostock Kontakte zwischen Migranten und Deutschen geknüpft werden. In der Neptun-Schwimmhalle fand der »Tag gegen Rassismus« statt.

Elke Silberer, Jülich

Diese Sonne scheint nicht vom Himmel

Treibstoffproduktion mit Sonnenlicht - für die Entwicklung von Techniken dafür haben Forscher eine große künstliche Sonne gebaut. Die braucht zwar Strom aus der Steckdose, ist aber berechenbarer.

Seite 14

Grenzen als System

Das Konstrukt des Nationalstaates hat sich so tief ins heutige Denken eingeschrieben, dass andere Formen politischer Organisation kaum mehr vorstellbar scheinen. Die Veranstaltung »Jetztzeit der Monster« widmet sich Erscheinungsformen nationalstaatlichen Ordnungsgefüges und stellt die entscheidende Frage: Was ist jenseits des Nationalstaats denkbar? Internationale KünstlerInnen, TheoretikerInnen u...

Stoff als Provokation

Das Jüdische Museum Berlin widmet sich vom 31. März an in einer Ausstellung der Verhüllung der Frau. Unter dem Titel »Cherchez la femme. Perücke, Burka, Ordenstracht« gehe die Schau der Frage auf den Grund, wie viel sichtbare Religiosität säkulare Gesellschaften heute vertragen, kündigte das Museum am Dienstag an. Auffallende religiöse Kleidung von Frauen gelte oft als Provokation und sei verbalen...

Marketingidee Luther

Die kommerzielle Vermarktung und politische Instrumentalisierung des Reformators Martin Luthers steht im Mittelpunkt einer Sonderausstellung des Berliner Museums Nikolaikirche. Die Exponate zeugten vom Bedeutungs- und Wertewandel einer ganzen Epoche und der glühenden Verehrung, mit der Luther zur Kultfigur verklärt wurde, teilten die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz u...

Nationalpark feiert den Start in die Saison

Zingst. Unter dem Motto »MeerWildnis« startete der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft am Mittwoch in die Saison 2017. Mit dieser Themenwahl möchte der Park die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass mehr als 80 Prozent der Parkfläche mit Wasser bedeckt sind. Und auch der Teil sei dringend schutzbedürftig, sagte eine Nationalparksprecherin. Der Nationalpark besteht aus zwei Teilen: Einen Teil ...

ndPlusDieter Hanisch

Vorwurf der unerlaubten Wahlwerbung

Haben zwei SPD-Minister in Schleswig-Holstein mit Briefen unerlaubte Wahlwerbung betrieben? Der Wissenschaftliche Dienst des Kieler Landtages sieht Anzeichen dafür. Nun wird es eine Prüfung der Vorwürfe vor dem Landesverfassungsgericht geben. Ein von der CDU beantragter Missbilligungsantrag scheiterte am Mittwoch aber an der Koalitionsmehrheit.Vor einem Wahltermin herrscht ein Mäßigungsgebot, was ...

ndPlusRobert Meyer

Wenn Sprache und Wirklichkeit kollidieren

Die Welt und die Beschreibung dieser - ganz bestimmt nicht immer ein leichtes Unterfangen. Zuweilen beißt sich das sogar, vor allem dann, wenn die Welt hauptsächlich idealistisch gedacht wird und man sich selbst dabei gerne in der Rolle des großen Weltretters sieht. Was aber, wenn man dieser Vorstellung nicht ganz gerecht wird? So ergeht es Menschen ganz unterschiedlicher Couleur, die sich einmal ...

Miriam Schönbach, Bautzen

Gottes Wort in der Muttersprache

Martin Luther bezeichnete die Wenden als »die schlechteste aller Nationen«. Die Übersetzung seiner Schriften brachten den Sorben in der Ober- und Niederlausitz jedoch ihre Schriftsprache.

ndPlusStefan Amzoll

Unerhört lebendig

In der Konzertreihe »2 x hören« wird ein Musikstück zunächst gespielt, dann fachkundig erläutert und dem Publikum anschließend erneut zu Gehör gebracht. Diesmal war dabei der Organist Maximilian Schnaus am Werk.

Seite 15

Auserwählte

Die Auswahlkommission des Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm ist komplett. Als sechstes Mitglied wurde die Filmjournalistin Carolin Weidner berufen, wie die Festivalleitung bekanntgab. Die studierte Filmwissenschaftlerin ist seit diesem Jahr Vorstandsmitglied des Verbandes der deutschen Filmkritik. Vorsitzender der Auswahlkommission ist der Filmpublizist Ralph Eue. Außerdem geh...

Unterstützung überall

Die Leipziger Buchmesse hat ihre Solidarität mit verfolgten und inhaftierten Schriftstellern in der Türkei erklärt. »Demokratie und Freiheit sind in Europa wieder unter einen Druck geraten, den man sich vor Jahren nicht mehr vorstellen konnte«, sagte Buchmesse-Direktor Oliver Zille am Mittwoch vor der Eröffnung der Bücherschau. »Als Messe haben wir uns entschieden, alles zu unterstützen, was Solid...

ndPlus

Verfallen

Das Geburtshaus der Schriftstellerin Brigitte Reimann (1933-1973) in Burg bei Magdeburg soll abgerissen werden. Weil das Gebäude akut einsturzgefährdet sei, gebe es keine andere Möglichkeit, teilte das zuständige Landratsamt am Dienstag mit. »Der Verfall ist in den letzten Wochen rapide vorangeschritten«, erklärte der Landrat des Jerichower Landes, Steffen Burchhardt. Der Landkreis müsse zum Schut...

ndPlus

Zweite Staffel geplant

Amazon Prime Video setzt seine erste deutsche Serie fort: Nach einem erfolgreichen Start sei für »You are wanted« mit Matthias Schweighöfer eine zweite Staffel in Auftrag gegeben, teilte der Streamingdienst am Mittwoch in München mit. Das erste deutsche Amazon-Original habe »das stärkste Startwochenende einer Serie in der Geschichte von Amazon Prime Video in Deutschland« gefeiert. Konkrete Abrufza...

Tobias Riegel

Der letzte Linke

Jean Ziegler, so wird in einer neuen Dokumentation deutlich, ist ein vor Allüren keineswegs gefeiter Star und ein sturer Bock – er ist aber auch ein geschickter Politdarsteller und gewiefter Stratege.

Seite 16
ndPlusIrmtraud Gutschke

»Eine Art Cloud?«

Ein moderner Schelmenroman voller Sprachphantasie und Komik, so lobt die Jury. Es stimmt und klingt doch, als hätte man sich um etwas Wesentliches herumlaviert. Was ich in gewisser Weise auch tun werde. Denn es gibt Bücher, die verlieren ihren Zauber, wenn man sie öffentlich auseinanderpflückt. »Aber ich habe die Hoffnung, einem Detektiv in die Hände gefallen zu sein«, heißt es auf der ersten Seit...

Werner Jung

Nichts ist, wie es scheint

Ihren Tübinger Poetik-Vorlesungen von 2011 hat Brigitte Kronauer den ebenso schlichten wie tiefgründigen Titel »Wirkliches Leben und Literatur« gegeben. Darin erzählt sie von einem Spaziergang, den sie als Neunjährige mit Vater und Bruder unternommen hat. Auf einer Wiese glaubt sie, eine Schlange gesehen zu haben, die sich, wie der prosaisch-väterliche Einsatz eines Stocks dann zeigt, als »eine we...

Seite 17
ndPlusFokke Joel

Die vergessenen Zwangsarbeiter

Natascha Wodin wurde 1945 im fränkischen Fürth geboren. Ihre Eltern waren ukrainische Zwangsarbeiter, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland geblieben waren. Über ihr Leben in der Sowjetunion hatten sie nie gesprochen. Über ihre Mutter, die sich 1956 das Leben nahm, wusste die Schriftstellerin und Übersetzerin wenig mehr, als dass sie aus Mariupol am Asowschen Meer kam. Alle späte...

ndPlusMartin Hatzius

Das gibt es nicht gibt’s

Neue Lyrik hat es schwer bei den Lesern, und es ist leicht zu erraten, warum: Sie macht es ihnen schwer. »Aus dieser Tüte krümeln Fäuste - Pudel./ Was Text hergibt - Affekte, Phantasmen -/ das Set virtueller Gehirnbuchsen schnarcht/ in Airbags verunfallter SUVs, Ichs.« Vier Zeilen aus Steffen Popps Gedicht »Füllhorn«, die veranschaulichen mögen, was Jan Wagner über die Dichtung mitzuteilen hat: Si...

Michael Hametner

Nicht mehr an die Zukunft denken

Der Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss kennt die Prozedur einer Nominierung für einen Buchpreis. 2014 stand er mit »Koala«, dem Roman über den Freitod seines Bruders, auf der Shortlist für den Deutschen und später auch für den Schweizer Buchpreis, den er gewann. In »Koala« ist Bärfuss seinem toten Bruder in dessen Leben nachgegangen, in dem neuen und für den Leipziger Buchpreis nominierten Rom...

Seite 18
ndPlus

Filmstarts der Woche

Alles gut Regie: Pia Lenz. Im Spätsommer 2015 spalten drei Worte ein ganzes Land: Wir schaffen das. Einerseits engagieren sich Millionen Bürger für Asylbewerber. Andererseits brennen Flüchtlingsheime. Der Dokumentarfilm erzählt von zwei Kindern, die zu dieser Zeit mit ihren Familien nach Deutschland kommen. Bauer unser Regie: Robert Schabus. Die Doku will ungeschönt zeigen, wie es a...

Sebastian Bähr

Die Coolness fehlt im Subtext

In »Lommbock« wird wieder gebaut, was das grüne Zeug hält. Regisseur Zübert kann jedoch an den Kultstatus seines Originals nicht mehr anknüpfen. Er zitiert nur noch sich selbst und präsentiert verklemmte Witze.

Seite 19
Jan Schröder, Mannheim

Eisbären Berlin fordern den Meister heraus

Die Eisbären Berlin haben nach ihrem Coup von Mannheim nicht viel Zeit - geschweige denn den überraschenden Einzug ins Halbfinale der Deutschen Eishockey Liga ausgiebig zu feiern. »Wir müssen uns jetzt erst mal ausruhen. Wir wissen, dass auf uns ein sehr starker Gegner wartet«, sagte Trainer Uwe Krupp. Die Berliner treffen im Playoff-Halbfinale auf den deutschen Meister und Hauptrundenersten aus M...

Oliver Kern

Den großen Worten folgen endlich Siege

0:2 lagen die BR Volleys im Achtelfinale der Champions League zurück. Dann gewannen sie vier Sätze in Folge. Das lange postulierte Ziel des Managers wird endlich erfüllt. Nächster Gegner wird im April Dynamo Moskau sein.

ndPlusJirka Grahl

»Beim DFB rufen nicht alle Hurra«

Bernd Schröder hat immer wieder – und manchmal noch dazu sehr heftig – den Deutschen Fußball-Bund kritisiert. Am Montag erhielt der ehemalige Coach des 1. FFC Turbine Potsdam den 
Trainerpreis für sein Lebenswerk überreicht.

Seite 20

Restauriertes Heiligtum

Jerusalem. Engel schweben über dem Eingang, eine Jesus-Figur steigt in den Himmel auf, der Stein leuchtet in beige und rosa. Darüber sind Psalme und Gebete zu lesen. Die Restaurierung der Grabkapelle über dem Jesus-Grab in Jerusalem ist abgeschlossen. »Dies ist ein historischer Moment«, sagt Antonia Moropoulou, Chemieingenieurin und verantwortlich für die Arbeiten. »Dies ist ein einzigartiges Monu...

ndPlusChristoph Sator, Rangun

Tack-tack, tack-tack, rrrrring

In Europa ist das Geräusch von Schreibmaschinen fast vergessen. Aber in den Straßen von Rangun gibt es sie noch: Lohnschreiber, die auf ihnen tippen. Doch das Gewerbe stirbt.

Seite 21
ndPlusIrmtraud Gutschke

Brücken

Die Königin-Luise-Brücke (auch auf Russisch und auf Litauisch heißt sie so) verbindet die südlich der Memel gelegene Stadt Sowjetsk (bis 1946 Tilsit) mit Pagėgiai (Pogegen im einstigen Ostpreußen) auf der Nordseite. Und markiert heute zugleich eine Frontlinie. Stehen gar schon Bundeswehrsoldaten dort, wo einst die Preußen ihren Besitz behaupteten? Der litauische Staat plant, an der Grenze zur russ...

Seite 22
Karlheinz Kasper

Messias? Satan!

Nach »Kerzen im Wind« (auch unter dem Titel »Ewiger Sabbat«), »Ein Zicklein für zwei Groschen« und »Kaddisch für mein Schtetl« kommt jetzt mit »Die Freuden des Teufels« der vierte Roman Grigori Kanowitschs auf Deutsch heraus. Der Autor, 1929 in der Familie eines jüdischen Schneiders im litauischen Jonava geboren, gehört seit den 1970er Jahren zu den angesehensten Schriftstellern seines Landes. Er ...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Kafka tritt durch die Tür

Ein Lob den kleinen Verlagen, die Mut zu Entdeckungen haben, unabhängig erstmal von zu erwartenden Absatzzahlen. Der Guggolz Verlag Berlin ist jung, auch was den Verleger selbst betrifft. Sebastian Guggolz hat einige Jahre als Lektor gearbeitet und 2014, praktisch aus dem Nichts heraus, einen eigenen Verlag gegründet, der sich der Neu- und Wiederentdeckung vergessener Klassiker aus Nord- und Osteu...

Seite 23
Stefan Amzoll

Ohne jede Attitüde

»Wenn du Erfolg hattest, wächst dir auch eine Verantwortung zu. Ich will die Zuschauer erreichen, und ihre Erwartungen an meine Arbeit sind mir nicht gleichgültig.« Dies gelte grundsätzlich, und offenkundig auch für das vorliegende Buch. »Menschenskind« zieht Zwischenbilanz eines intensiven Künstlerinnen-Lebens, sagt Knut Elstermann, der es herausgegeben hat. Es sei Selbstvergewisserung so sehr wi...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Trauriges Los der Welterklärer: Sie altern sehr schnell

Gespräche mit einem Künstler sind - keine Kunst. Also: Das Reden etwa mit einem Maler gehört nicht zu dessen Werk. Das Werk steht, unantastbar durch Kommentar, höher und woanders. Jedes Werk hat ein Recht darauf, klüger und farbiger zu sein als sein Schöpfer. Soll das Werk also von sich selber sprechen. Und für sich selber. Für sich spricht ein Werk dann am besten, wenn es ihm gelingt, vor vielen ...

Seite 24
ndPlusSilvia Ottow

Vom Dorfbächlein ans Meer

Die Idee ist schlicht, aber bestechend: Die Autorin verfolgt die Lebenslinien dreier Menschen vom Kindergarten an. Wie sich ihre Wege kreuzen, ihre Pläne erfüllen oder verändern, ihre Ansprüche angepasst werden müssen. Wie sie das Leben zurechtstutzt, damit sie dessen bereitgestellte Schablonen ausfüllen. Wie sich Hoffnungen zerschlagen und wieder aufkeimen, was das Wichtigste im Leben ist. ...

Irmtraud Gutschke

Die Autorin als Allmächtige

»Die Welt der Unordnung« hieß Monika Helfers kleiner Roman von 2015. Eine Welt war gemeint, die viele übersehen, gar nicht wahrhaben wollen: die Realität der Verarmten, Ausgegrenzten. Die österreichische Autorin will, dass wir hinschauen. Wenigstens das, auch wenn man sich dabei oft hilflos fühlt. Denn es gibt eine Not, die umso schwerer zu lindern ist, weil sich darin Soziales mit Persönlichem ve...

ndPlusChristin Odoj

Momente, die alles ändern

Es gibt sie in jedem Leben, diese eigenartigen Augenblicke, die, man weiß es genau, etwas Altes in etwas Neues verwandeln. Das sind Tage, die einem passieren oder Momente, die selbstbestimmt sind. Sie ändern alles. Volkstümlich nennt man sie »Lostage«. Sie beschreiben das Moment, das entscheidet, wann die Ernte eingeholt oder die Saat aufs Feld gebracht wird. Tina Pruschmann: Lostage. Roman...

Seite 25
ndPlusMonika Melchert

Mit der Musik gegen den Tod

Sein Cello rettete ihm das Leben. Was aber musste er dafür durchstehen, um am Ende, 1945, krank und verzweifelt, davongekommen zu sein? Der junge Cellist und Musikalienhändler Aaron Stern aus Hamburg hat alle bitteren Stationen des Holocaust durchlaufen: Beinahe war er mit seiner Ehefrau Leah auf dem Flüchtlingsschiff »St. Louis« schon in Kuba gerettet, als im letzten Augenblick die kubanische Reg...

Hans-Dieter Schütt

»Bin doppeldeutig«

Das ist die Erfahrung der Jahre: Man kommt ins Gespräch mit seinem immer ausführlicher werdenden Schatten, und von Stunde zu Stunde gewinnt das Alte seine Wahrheit zurück, dass es einem die Kehle zuschnüren kann. Christian Lehnert aber frohlockt: »Auf in die Wahrheit der Verluste!« Es ist ein Ruf, der ins Zentrum des Christentums führt - das nämlich nicht Institution ist, nicht »Volkskirche«, sond...

Seite 26
Florian Schmid

Verstörende Blicke in die nahe Zukunft

Wer hat Zugriff auf unsere Daten? Verändert die Digitalisierung unser Sozialverhalten, unsere Kultur? Und wie werden wir in einer noch weiter digitalisierten Zukunft leben? Faszinierende Antworten auf diese Fragen gibt der 1976 in Stuttgart geborene Schriftsteller Philipp Schönthaler in seinem Erzählband »Vor Anbruch der Morgenröte«. In sieben Texten stellt er unterschiedliche Aspekte der Digitali...

ndPlusPeter L. Zweig

Eine deutsche Chronik

Als 2008 »Wunderland«, der erste Kriminalroman um den Berliner Kommissar Dieter Knop erschien, ahnte wohl nicht einmal der Autor, dass er eines der interessantesten Projekte der deutschen Gegenwartsliteratur gestartet hatte, eine Art Langzeitstudie. »Wunderland« spielte im Herbst 1989. Die Mauer war gerade gefallen; Knop hatte einen komplizierten Fall zu lösen, der ihn - noch ganz inoffiziell - in...

Stephan Fischer

Dein Leben - ein anderes

»Er erinnerte mich an einen, den ich gar nicht kenne, der mir gleichwohl ein guter Freund ist, seit ich denken kann. Das kommt von seinen Geschich᠆ten ...« Christian Kuno Kunert stellt seinem Roman diese Bemerkung voran. Die den Leser gleichsam in die richtige Spur setzt und auf die falsche Fährte lockt. Wann beginnt die Geschichte eines Lebens? Wie viel davon gehört einem selbst? Und wer ist jene...

Seite 27
Alfons Huckebrink

Altersstörsinn

Jemand sei »jung geblieben« oder »alt geworden« … Jahrhundertelang schien die unterschiedliche Wertschätzung beider Lebensphasen zementiert zu sein. Erst in unseren Tagen, da die Alten zahlreicher, rüstiger und - hoffentlich - auch bissiger geworden sind, bedarf es einer Neubewertung dieser letzten Lebensphase. Eine Aufgabe, der sich nicht nur PR-Agenturen längst gestellt haben. Auch die kulturell...

ndPlusBjörn Hayer

Solange ich schreibe, lebe ich

Es ist ein Anschreiben gegen den Tod: »Jedes Wort war eines gegen das, was fort war, gegen die Lücke, das Nicht-mehr-da«. Als der Ich-Erzähler in Urs Faes’ neuem Werk »Halt auf Verlangen. Ein Fahrtenbuch« von seiner Krebserkrankung erfährt, fällt er buchstäblich in eine Sprachlosigkeit. Um nicht zu verdämmern, ja, die alltäglichen Bewährungsproben zu bestehen, gilt es alles festzuhalten - in lakon...

ndPlusChristian Baron

Rückkehr nach Mündendorf

Unter Tage duzt man einander. Auf dem »Pütt«, wie es am Rande des Ruhrgebiets heißt, sind alle Grubenarbeiter gleich. Ein junger Mann jedoch ist bei seinem ersten Besuch im Schacht leicht als Bergfremder zu erkennen. Darum siezen ihn auf Anhieb fast alle. Unbeholfen stapft er in seinen Kauenlatschen umher, nicht wissend, was an seinem Leib er wie herum anziehen muss und worin in dieser Tiefe der U...

Seite 28
ndPlusKlaus Bellin

Anders die Themen, anders der Ton

Bei der Münchner Zeitschrift »Akzente« war er im April 1954 gescheitert. Man gab ihm sein Manuskript zurück. Er wartete ein Jahr, dann, am 1. Juni 1955, schickte er auf Empfehlung Erich Arendts an die »sehr geehrten Herren« von »Sinn und Form« fünfzehn Gedichte. Er arbeitete als Lektor im Altberliner Verlag Lucie Groszer und war als Autor noch nie hervorgetreten. Peter Huchel kannte ihn nicht. Er ...

Martin Hatzius

Denken ohne Winkelmaß

»Beiläufige Prosa« sei in diesem Band versammelt. Das klingt kokett, denn der Untertitel suggeriert ja, der Autor habe diese gut zwanzig Texte, in denen sich Bildung ballt, in denen Sprache sprüht und Leidenschaft leuchtet, gleichsam im Vorübergehen geschrieben - gerade so, wie jemand einen Online-Kommentar in die Tasten haut. Oder ist hier etwas ganz anderes gemeint? Jan Wagner: Der versch...

Seite 29
Fokke Joel

Wer nichts zu verlieren hat ...

Hazal ist in der Tradition gefangen. Mit ihren aus der Türkei stammenden Eltern und ihrem Bruder wohnt sie in einer kleinen Drei-Zimmer-Wohnung in Berlin. Jeder Schritt wird von Eltern und Nachbarn überwacht, jedes Gespräch mit einem Jungen als »unsittlich« zu Hause gemeldet und geahndet. Eine soziale Kontrolle, die auch nicht aufhört, als Hazal 18 wird. Ihre Eltern interessiert ihre Volljährigkei...

ndPlusMario Pschera

Warten auf das Unheil

Ein Adlerschatten erhebt sich über dem Tal, eine Grille wird verspeist. Eine Schildkröte folgt ihrem Sexualtrieb, eine Schlange nähert sich einem Spatzennest, wieder der Adlerschatten. Jagen und gejagt werden. Fressen und gefressen werden. Mit Naturbeschreibungen beginnt der Roman des kurdischen Schriftstellers Yavuz Ekinci, und mit Naturbeschreibungen endet er auch. Nur dass die Tiere dann verbra...

ndPlusLilian-Astrid Geese

Um im Wohlstand anzukommen

Die deutsche Übersetzung überzeugt nicht, aber das Buch gehört erklärtermaßen zu den Highlights der US-amerikanischen Belletristik in jüngerer Zeit. Erklärtermaßen, denn die Autorin - selbst Immigrantin in den USA und durch die Finanzkrise 2008 arbeitslos geworden - setzte alles daran, einen erfolgreichen Roman zu schreiben. Jedenfalls einen, der sich verkaufen soll. Das ist gelungen. Imbolo Mbue ...

Seite 30
Friedemann Kluge

»Die Bürste ist voll mit Haar ...«

Wenn es je eines Beleges bedurft hätte dafür, dass das ganze Leben im Grunde nur aus Vergangenheit besteht, so ist er hier zu finden. Malmquist schildert die tragische Geschichte eines Verlustes und konzentriert sich dabei im Wesentlichen auf das letzte Jahr vor diesem Verlust. Oder, noch enger, auf die letzten Wochen im Krankenhaus bis zum »Exitus um 06.31.« Tom Malmquist: In jedem Augenbl...

Florian Schmid

Agenten? Kriminelle Glücksritter!

In Denis Johnsons Roman »Die lachenden Ungeheuer« geht es wie schon in »Ein gerader Rauch«, seinem großen Wurf von 2007, um die Welt der Geheimdienste. Drehte sich jenes fast 900-seitige Epos um den Vietnamkrieg, so handelt das neue Buch in Afrika, wohin Johnson als Autor für das Magazin »Esquire« in den vergangenen 25 Jahren immer wieder Recherchereisen unternommen hat. Sein fiktiver Antiheld Rol...

ndPlusSabine Neubert

Fliegen, stürzen, weiterleben

»Das Vergangene ist ein Traum, und das Gegenwärtige verstehe ich nicht.« Dieser Satz stammt von dem norwegischen Schriftsteller Aksel Sandemose (1899 - 1965), er kann als eine Art Leitmotiv dieses Romans gelten und zum Verständnis seiner Todes-Thematik beitragen. Der Autor zitiert ihn, und es liegt nahe, eine Linie spezifisch skandinavischer Tradition, angefangen bei Dan Anderssons »Dunklen Ballad...

Seite 31
Mona Grosche

Unglaubliche Schicksale

Selja Ahava, den Namen sollte man sich merken, wenn man Lust auf unterhaltsame und dabei tiefsinnige Literatur hat. Sensibel und empathisch widmet sich die finnische Autorin in ihrem jüngsten Roman geradezu unglaublichen Geschehnissen, die das Leben ihrer Protagonisten in völlig neue Bahnen lenken. So geht es der achtjährigen Saara, die mit den Eltern in einem kleinen Haus mit Garten lebt. Die Mut...

Florian Schmid

Von Heiligen, Magiern und Mördern

Der 1977 in der nordmexikanischen Stadt Torreon geborene Vicente Alfonso, Sohn eines Minenarbeiters, ist hierzulande bisher ein völlig unbeschriebenes Blatt. Dabei wurde sein jetzt ins Deutsche übersetzter Roman »Die Tränen von San Lorenzo« in seiner mexikanischen Heimat bereits prämiert. Der gerade einmal gut zweihundert Seiten lange Roman ist eine wirklich gelungene Mischung aus Krimi, Milieustu...

ndPlusGunnar Decker

Realität, Fiktion, Fälschung

Wenn man gar nicht mehr durchblickt im Gestrüpp von Wahrheit und Fiktion, hilft in der Regel nur einer: Wolfgang Hildesheimer. Hat man einige Seiten in seinem »Marbot« oder dem »Paradies falscher Vögel« gelesen, weiß man wieder, dass es gar nicht anders sein kann. Erstaunlich ist nicht die Täuschung, sondern, dass wir sie so selten bemerken, wir Ahnungslosen am Gängelband digitaler Medien, die ein...

Seite 32
Werner Abel

Es schien alles möglich

Der Sinn einer wirklichen Revolution, vermerkte Hannah Arendt, ist Freiheit. Damit meinte sie u. a. das Entstehen eines öffentlichen Raums, in dem sich die Menschen zusammenschließen und handeln können. Ihr Revolutionsbegriff lehnt sich an den von Walter Benjamin an, der in Frage stellte, ob Revolutionen wirklich, wie Marx das annahm, Lokomotiven der Geschichte sind. Vielleicht sei es so, dass Rev...

ndPlusSabine Neubert

Frecher geht’s nicht

»Während Leo X. mit imperialem Prunk auf dem Stuhl Petri regiert und Rom, wie von seinem Vorgänger Nikolaus V. angekündigt, von den größten Künstlern seiner Zeit in die schönste und reichste Stadt der Welt verwandeln lässt, sorgt sich ein hagerer Intellektueller um die Zukunft der Religion, die er durch nichts mehr gefährdet sieht als durch das grundverkommene Papsttum«, schreibt Willi Winkler in ...

Seite 33
ndPlusKurt Stenger

Dialektik der Digitalisierung

Was unter dem PR-Schlagwort »Industrie 4.0« seine medialen Runden macht, sorgt auch unter Linken, speziell unter Marxisten, für Kontroversen. Die digitale Revolution, meinen Optimisten, mündet in den gesellschaftlichen Sozialismus oder schafft zumindest die technischen Voraussetzungen dafür. Manche Pessimisten denken in die entgegengesetzte Richtung: Die Digitalisierung - keine Revolution! - führt...

Hermann Klenner

Something like communism

Wer unter Utopie »Nirgendwo und Niemals!« versteht, der braucht Erik O. Wrights Essayband gar nicht erst anzufassen; es sei denn, er/sie/es liebt es, über Traumschiffe zu fantasieren, ohne sie jemals buchen zu können. Ebenfalls ungelesen lege das hier vorzustellende Werk beiseite, wer dem überlieferten Dogma huldigt, dass es für wissenschaftliche Sozialisten unmöglich oder unwürdig sei, über Ideal...

Seite 34
ndPlusFranziska Klein

Es ging nicht um Helena, sondern um Kupfer

Von moderner Völkerwanderung ist heute vielfach die Rede. Doch stimmt der Vergleich der heutigen Migrationsbewegung mit historischen Geschehnissen? Oder hinkt er vielmehr? Jörg Mull: Mythen und Metalle. Der Trojanische Krieg, die Seevölker und der Kulturbruch am Ende der Bronzezeit. Leipziger Universitätsverlag. 305 S., geb., 29 EUR Jörg Mull führt in seiner wissenschaftlichen Arbei...

ndPlusRobert D. Meyer

Gefangen in der Extremismuslogik

Im politischen Diskurs von Extremismus zu sprechen, erleichtert die oberflächliche Analysen: Extremisten - dies sind nach gängiger Vorstellung Menschen, die irgendwie an einem imaginären Rand der Gesellschaft stehen, weil ihre Ansichten mutmaßlich nicht mit jenen der Mehrheitsgesellschaft übereinstimmen. Menschen, die als extremistisch gelten, sollen durch den Vorwurf gesellschaftlich isoliert wer...

Stephan Fischer

Über Sachsen

Sachsen - spätestens seit dem Aufkommen von Pegida für viele Synonym für das »dunkle Deutschland«. Clausnitz, Freital oder Bautzen stehen als Chiffre für Feindlichkeit gegenüber Fremden, die auch vor Gewalt nicht zurückschreckt. Die Journalisten Heike Kleffner und Matthias Meisner haben mit »Unter Sachsen« einen Band herausgeben, in dem sich über 40 Autorinnen und Autoren der Frage widmen »Warum S...

Seite 35
Peter Nowak

Heute Sheriff, morgen Outlaw

Wie lässt sich Donald Trumps Aufstieg zum mächtigsten Mann der Welt erklären? Was kann man aus seinem Erfolg über Wesen und Formen populistischer Politik lernen? Wie ist es um die Zukunft der westlichen Demokratie bestellt? Diese Frage stellen sich derzeit Menschen weltweit. Und diesen Fragen nahm sich auch der Kulturkritiker Georg Seeßlen an. Er porträtiert Trump überzeugend als Produkt der Kultu...

Karl-Heinz Gräfe

Unerfüllte Erwartungen

Er war als entwicklungspolitischer Berater in den baltischen Staaten tätig. Er kennt sich in der Region aus, die über ein Jahrtausend Objekt der Begierde verschiedener Nachbarn war. Esten, Letten und Litauer haben ihre kulturellen, nationalen Traditionen und Identitäten dennoch, trotz ständigen Wechsels der Herrscher, gewahrt. Elmar Römpczyk: Estland, Lettland, Litauen. Geschichte, Gegenwar...

ndPlusHans-Georg Schleicher

Reich und doch arm

Hedgefondsmanager überschlugen sich zeitweise mit euphorischen Prognosen zum Rohstoffpotenzial Afrikas. Der Kontinent ist tatsächlich reich an Rohstoffen und Ressourcen und ist gleichzeitig geplagt durch Kriege, Flucht, Armut und Elend. Auch deshalb spricht der ehemalige britische Afrika-Korrespondent Tom Burgis in seiner Momentaufnahme Afrikas Anfang des 21. Jahrhunderts vom »Fluch des Reichtums«...

Seite 36
Werner Abel

Zwischen den Stühlen

Am 14. Juli 1893 rekapitulierte Friedrich Engels in einem Brief an Franz Mehring: »Wir alle haben zunächst das Hauptgewicht auf die Ableitung der politischen, rechtlichen und sonstigen ideologischen Vorstellungen und durch diese Vorstellungen vermittelten Handlungen aus den ökonomischen Grundtatsachen gelegt und legen müssen. Dabei haben wir dann die formelle Seite über der inhaltlichen vernachläs...

ndPlusVolkmar Schöneburg

Vom Guten, das noch stets das Böse schafft

Michael, ein Musikstudent, sitzt wegen Drogenhandels und Schwarzfahrens im Gefängnis. Zusammengepfercht ist er mit sieben weiteren kleinen Straftätern in einem Wohn-, Ess- und Schlafklo, sprich einem Haftraum. In der Zelle spielen sich unterm Einfluss von Drogen und Alkohol Gewaltorgien ab, an deren Ende sich Michael auf Verlangen der anderen erhängt. Aus sieben kleinen Straftätern sind in Haft si...

Seite 37
ndPlusLudwig Watzal

Die Legende von Nine/Eleven

Jeder, der sich ernsthaft mit den mörderischen Anschlägen vom 11. September 2001 befasst, muss sich von der offiziellen Erzählung der US-Geheimdienste für dumm verkauft vorkommen. An dieser stimmt so einiges nicht. Welche Widersprüche und Ungereimtheiten es in der offiziellen Version gibt, listet Elias Davidsson detailliert auf. Das Wissen darum ist brisant für das Verständnis des bis heute andaue...

Frank-Rainer Schurich

Brennende Kreuze bei Königs Wusterhausen

Seit Jahrzehnten spukt der Ku-Klux-Klan in Deutschland, und der Staat nimmt diese Umtriebe nicht ernst. Er wird dem Geheimbund nicht Herr, manchmal war und ist er sogar selbst durch einzelne Beamte und V-Leute von Polizei und Verfassungsschutz in die Aktivitäten der Kapuzenmänner verstrickt - wie bei Neonazis und den NSU. Frederik Obermaier/ Tanjev Schultz: Kapuzenmänner. Der Ku-Klux-Klan i...

Seite 38
Adele Jung

Radikal und gewaltfrei

»Im Grunde ist ein jeder Mensch ein wenig Tolstojaner«, heißt es im Vorwort. Naja, ob das stimmt? Lew Tolstoi war schließlich ein Geistesriese, schuf Werke der Weltliteratur. Sein »Krieg und Frieden« ergreift heutige Leser ebenso wie zu seiner Zeit. Weil die Zeiten sich nicht sehr verändert haben. Am Lebensabend ist der Russe tief gläubig gewesen, wurde von der Kirche exkommuniziert, inspirierte a...

ndPlusFelicitas Liebermann

Vom Staat. Einfach so. An alle.

»Unser Sozialsystem ist am Ende. Reformieren lässt es sich nicht«, konstatiert der Hamburger Ökonomieprofessor Thomas Straubhaar. Er plädiert daher für ein Grundeinkommen, das alle Menschen, vom Säugling bis zum Greis, Frauen und Männer, arm oder reich, mit Familie oder allein lebend, gleichermaßen erhalten sollen. »Vom Staat. Ohne Gegenleistung. Einfach so. An alle.« Das klingt in der Tat gut, ab...

Peter Nowak

Ein Blick auf mögliche Zukünfte

Roboter vernichten Arbeitsplätze, Smartphones sorgen dafür, dass die Menschen sich nicht mehr zum Plausch treffen und Drohnen sind eine neue, besonders heimtückische Form der Kriegsführung. Tatsächlich hat der technische Fortschritt auch unter außerparlamentarischen Linken keine guten Ruf mehr. Paul Buckermann/Anne Koppenburger/Simon Schaupp (Hg.): Kybernetik, Kapitalismus, Revolutionen, eman...

ndPlusMartin Ling

Bewunderung und Abscheu

Sein Ruhm als Krimiautor mag seinen Ruhm als Historiker überstrahlen, aber es besteht kein Zweifel: Er ist in beiden Bereichen ein Meister seines Fachs. In Sachen Geschichte stellt er das nach seinen beiden Biografien über den argentinischen Revolutionär Che Guevara und den mexikanischen Revolutionär Pancho Villa mit seinem neuesten Werk erneut unter Beweis. Paco Ignacio Taibo II rekonstruiert anh...

Seite 39
ndPlusGünter Benser

Großmäulige Verheißungen

Dies ist ein Buch, das über seinen eigentlichen Gegenstand hinaus Aufmerksamkeit und hohe Anerkennung verdient, denn hier wird ein Tabubruch begangen. Die Auftraggeber der Delegitimierung der DDR und eine willfährige Gilde von DDR-Forschern haben den horizontal und vertikal eng verflochtenen historischen Prozess in eine Geschichte West und eine Geschichte Ost sowie eine Geschichte bis 1989/90 und ...

Jörg Roesler

Weckrufe für die Völker der Welt

Es war schon erstaunlich, dass sich für die US-Präsidentenwahlen vom November 2016 mit Bernie Sanders ein Kandidat meldete, der sich als »demokratischer Sozialist« bezeichnete, für seine Forderung nach mehr Sozialstaat Tausende von Anhängern mobilisieren konnte und innerhalb der Demokratischen Partei für die Kandidatin aus dem Establishment, Hilary Clinton, eine echte Herausforderung war. Erst die...

Seite 40
ndPlusNora Gold

Lokomotiven der Geschichte

Ob Friedliche Revolution, Orangene oder »Adopt a Revolution« - der Begriff »Revolution« ist zu einem Euphemismus für Restaurationen, Interventionen, Regime Changes verkommen, konstatiert Beate Landefeld zu Recht. Podemos in Spanien will eine »demokratische Revolution«, die deutsche Linkspartei eine »Revolution für soziale Gerechtigkeit«. Beiden geht es, so die Autorin, jedoch vielmehr um Reformen....

Karlen Vesper

Mord und Totschlag und viele tragische Helden

Das ist ein schönes und nützliches Buch. Auf dem ersten Blick schlichtes Paperback wird der Leser im Innern durch bezaubernde Illustrationen von Karen Dietrich zu Shakespeares Tragödien und vor allem reichhaltigen Informationen überrascht. Jenny Farrell: Shakespeares Tragödien. Eine Einführung Neue Impulse Verlag. 205 S., br., 12,80 €. Jenny Farrel stellt vier berühmte Werke des 156...

Claus Dümde

«Das ist ja wohl klar»

Der Titel weist nicht nur auf die neue «Kleiderordnung» im Osten Deutschlands nach dem Ende des Nazireichs, sondern auch auf den Anspruch, die obrigkeitsstaatliche Klassenjustiz zu überwinden und durch einen «sozialistischen Rechtsstaat» zu ersetzen. Hans Bauer/Gudrun Benser (Hg.): Staatsanwalt ohne Robe Verlag Wiljo Heinen. 347 S., br., 18 €. So schilderte Else Weber, warum sie sic...

Seite 41
ndPlusPeter Nowak

Politisches Erwachen in Gefangenschaft

»Er wollte das NS-Unrecht aufdecken, seien es die in Neukölln jahrelang verschwiegenen Zwangsarbeitslager, die vergessenen SA-Folterstätten oder das verschmähte Erinnern des kommunistischen Widerstands.« Mit diesen Worten würdigt Hans Coppi, Vorsitzender der Berliner VVN-BdA, den Neuköllner Kommunisten Werner Gutsche. Bis zu seinem Tod 2012 hat sich jener unermüdlich gegen Rassismus und Rechtsradi...

ndPlusYunus Cetin

Die Grenzen grenzenloser Gier

Das Buchcover zeigt die »Trauernden Eltern« von Käthe Kollwitz auf dem deutschen Soldatenfriedhof im belgischen Vladslo. Dort liegt ihr Sohn Peter, der mit 18 Jahren im Oktober 1914 starb. Als Freiwilliger und Verführter hatte er wie Hunderttausend andere Grenzen überschritten. Er und seinesgleichen waren dem kaiserlichen Appell zur »Verteidigung des Vaterlands« gefolgt, der in Wirklichkeit ein Sc...

Karlen Vesper

Das weltgeschichtliche Kind

Nach dem Willen des Vaters sollte er der mächtigste Herrscher Europas werden. Tatsächlich starb er in jungen Jahren als Gefangener Metternichs. Als die Todesnachricht durch die Metropolen Europas ging, witterten viele einen Giftmordanschlag. Elf Jahre zuvor hatte sein Erzeuger, Napoléon Bonaparte, in Longwood House auf St. Helena im Südatlantik die Augen für immer geschlossen. Der Kaiser der Franz...

Seite 42
ndPlusMarion Dammaschke

»Das Wort Gottes muß unsere Waffe sein«

Ob das Gotteswort zu den Waffen einer Frau gehört, wie die sendungsbewusste Argula von Grumbach (um 1492-um 1568) in einer ihrer reformatorischen Schriften formulierte, ist Ansichtssache. Anzuerkennen ist, dass sie eine mutige Frau war, die sich speziell in Bayern entschlossen und im Sinn Martin Luthers für eine Reformierung des christlichen Lebens einsetzte. Vor allem wegen ihrer Klugheit und ihr...

ndPlusDaniela Fuchs

»Ich bleibe einer von euch«

»Wir schaffen das!«, sagte die Bundeskanzlerin am 31. August 2015 angesichts des Zustroms von Flüchtlingen. Leider wurde sie, was die Umsetzung betraf, nicht konkreter. Nach Wahlverlusten der CDU in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sowie den Erfolgen der AfD relativierte sie ihre Zuversicht. Hans Hopf: Flüchtlingskinder gestern und heute. Eine Psychoanalyse. Verlag Klett-Cotta. 237 S., ge...

Martin Koch

Als die Sonne sich verfinsterte

Von dem französischen Soziologen Émile Durkheim stammt der Satz: Soziales ist nur durch Soziales zu erklären. Das mag in den meisten Fällen zutreffen, allerdings gibt es Ausnahmen. Auch klimatische Umbrüche können den Verlauf der Geschichte äußerst nachhaltig beeinflussen. Philipp Blom: Die Welt aus den Angeln. Eine Geschichte der Kleinen Eiszeit von 1570 bis 1700 sowie der Entstehung der m...

Seite 43
ndPlusSilvia Becker

Eier ins Nest!

Heiliges Gesetz des Osterhasen: Eier ins Nest! Egal, wie viele Arbeitskräfte krank sind. Bei Weißfellchens Familie sind es leider alle, so dass ein kleiner Hase im Ostergeschäft ohne Hilfe herumhoppelt. Friedrich Wolf/ Erich Gürtzig: Das Osterhasenfell. Beltz Der Kinderbuch- Verlag. 36 S., geb., 9,95 €. Wer das Büchlein im typischen traditionellen Kinderbuchformat aus der DDR in der...

ndPlusTobias Riegel

... der hat Zähne

Haie, die bellen - beißen! So etwa der Schwellhai, der sich vor Feinden aufplustert. Wenn er die Luft ablässt, klingt er wie ein bellender Hund. Dieses Beispiel zeigt: Haie mögen eine extrem prominente Spezies sein, auch durch die Faszination, die sie auf die Popkultur ausüben. Und doch verfügen die meisten Menschen bestenfalls über Halbwissen, wenn es um die »Killer der Meere« geht. Owen D...

Sebastian Bähr

Gesprächsfetzen

Ein junges Mädchen, von seinen Freunden »Schmutzige Füße« genannt, spielt zur Mittagszeit gerne »Himmel und Hölle«. Dafür geht sie auf einen großen Platz, auf dem ein öffentliches Telefon steht. Migranten rufen von dort aus oft ihre Familien an, um über die neuesten Entwicklungen zu berichten. Auch wenn man es »Schmutzige Füße« nicht ansieht, so hört sie doch heimlich den vielen Menschen bei ihren...

Ines Wallrodt

Rauben und saufen

Der Esel ist das Akkordeon, die Katze das Bassetthorn, der Hahn ist die Trompete, der Hund das Schlagzeug und manchmal auch ein Waschbrett - zusammen sind sie die Bremer Stadtmusikanten, deren grausam-glückliche Überlebensgeschichte von Marko Simsa zu einem Kinderkonzert mit Bildern ausgearbeitet wurde. Die Kleinen können also nicht nur einer CD lauschen, sondern die Geschichte zugleich in einem p...

Silvia Ottow

Ratte mit Witz

Unter fast 580 000 Leipzigern dürfte es doch einige Altersgenossen geben, die als Freunde für Paul in Frage kommen. Doch zunächst trifft der Zugezogene in der neuen Stadt auf einen kleinen Pinselflitzer. So jedenfalls könnte man die possierlichen braunen Kletterkünstler mit dem buschigen Schwanz nennen, die im Clara Park in Leipzig umherwuseln. Baum rauf, Baum runter. Ehe es sich der Neuankömmling...

Seite 44
Jürgen Amendt

Zum Hauptgang »Mamma«

In jungen Jahren lebte ich Tür an Tür mit einer sizilianischen Familie. Die dreijährige Tochter Delicia war fast täglich bei mir zum Essen. Am liebsten aß sie Schwarzbrot. Ihrer Mutter gefiel das ganz und gar nicht, aber es half alles nichts, die Tochter bestand darauf, dass es auch zu Hause kein Weißbrot, sondern für sie nur noch »Pane tedesco« gibt. Ihre »Mamma« hat mir das übelgenommen; als es ...

ndPlusIrmtraud Gutschke

»Wir fürchten uns nicht mehr - nur ein kleines bisschen«

Angst auf hoher See bei Windstärke 9? Unsereins hat wahrscheinlich nur eine vage Vorstellung davon, wie das Meer toben kann, wie sich die Wellen überschlagen. Aber der Autor dieses Buches, Udo Hinnerkopf, dürfte es schon erlebt haben. Denn er ist Seemann, seit er 1976 beschloss, aus seinem Berufsleben auszusteigen. Mit seiner kleinen Yacht ist er drei Jahre lang von Amsterdam quer durchs Mittelmee...