Seite 1

Besserverdienende zog es an die Urnen

Gütersloh. Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ist der Anstieg der Wahlbeteiligung laut einer Studie vor allem auf die Mobilisierung der Mittel- und Oberschicht zurückgegangen. Nach einer Auswertung der Bertelsmann-Stiftung profitierten davon vor allem CDU und FDP. Nichtwähler aus schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen blieben im Vergleich zur Landtagswahl 2012 dagegen deu...

Unten links

Die größte Hexenjagd in der Geschichte der USA erregt die Weltöffentlichkeit. Präsident Donald Trump versuchte mit einem Dekret in letzter Minute vergeblich, die Hexenverfolgung auf alte Frauen mit schwarzen Vögeln auf der Schulter zu begrenzen, wenn diese Hillary Clinton heißen. Die Verordnung ging vor Gericht jedoch überraschend in Flammen auf. Nun wird ein Sonderermittler herausfinden, welcher ...

Ermittlungen gegen Assange eingestellt

Stockholm. Die schwedische Staatsanwaltschaft wird die Ermittlungen wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange beenden. Das teilte die Behörde am Freitag in Stockholm mit. Seit 2012 lebt Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London, um sich der Auslieferung zu entziehen. Eine spätere Wiederaufnahme der Ermittlungen wird nicht ausgeschlossen. Dafür müsste As...

Athen: Rente wird erneut gekürzt

Athen. Mit der nunmehr 15. Rentenkürzung hat die griechische Regierung im Ringen mit den Gläubigern einen weiteren Kraftakt hinter sich gebracht. Auch eine starke Senkung des Steuerfreibetrags wurde beschlossen. Auf die Bevölkerung kommen nun noch härtere Zeiten zu - wobei die Maßnahmen im Umfang von 4,9 Milliarden Euro erst ab 2019 umgesetzt werden sollen. Das Parlament in Athen hatte das Paket i...

Rad und Tat

Berlin. Das Fahrrad wird 200. Vom einst exotischen, belächelten Gefährt ist es längst zum Alltagsfahrzeug, Kultgegenstand, Politikum geworden. Heute gilt es als Symbol für eine ökologische Verkehrswende. Die fahrradfreundlichste unter Deutschlands Städten ist nach wie vor Münster. Das ergab eine Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs unter 120 000 Radlern in 539 Städten, die am Freitag vo...

Uwe Kalbe

Assanges Gefängnis ist längst nicht geöffnet

Die Erleichterung war Assange anzusehen. Die Einstellung der Ermittlungen in Schweden verringert das Gewicht seiner Probleme. Doch seine Lage in den Räumen der ecuadorianischen Botschaft in London erleichtert sie nicht.

Seite 2
Stefan Otto

LINKE holt die Leute nicht von den Sofas

Den Trend, dass die Nichtwähler-Hochburgen auch die sozialen Brennpunkte sind, gibt es seit Längerem, das ist ein bundesweites Phänomen. Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen zeigt aber, dass sich dieser Zustand zuspitzt.

René Heilig

Das alles deckende Tuch

Bislang tat die NATO so, als ginge sie der Streit um die deutschen Luftwaffensoldaten in der Türkei nichts an. Und formal ist das so, denn der Einsatz der »Tornados« und des Tankers als Teil der Anti-IS-Streitmacht läuft nicht unter ihrem Befehl. Doch ganz so einfach ist das nicht. In der Türkei ist auch ein fliegender AWACS-Gefechtsstand stationiert - als direkter und sichtbarer Beitrag der NATO ...

Martin Ling

Temer muss weg

In funktionierenden Demokratien wäre es keine Frage: Brasiliens Präsident Michel Temer müsste zurücktreten. Doch die Proteste der Bevölkerung werden Temer nicht zum Rücktritt bewegen. Die Bevölkerung interessiert ihn nicht.

Martin Kröger

Chefaufklärer

Wenn irgendjemand Zweifel an der Unabhängigkeit oder Kompetenz von Bruno Jost gehabt haben sollte, so wurde er in dieser Woche eines Besseren belehrt. Der Sonderermittler des Senats in Berlin, geboren 1949, leitet die Untersuchung des Behördenhandelns im Fall des islamistischen Terroranschlags auf den Breitscheidplatz. Bereits ein paar Wochen nach seiner Einsetzung hat er in dieser Woche mit der A...

Martin Leidenfrost

Schweigen auf dem Bilderberg

Ich wollte mich ohnehin nach Weltkunst, Weltdichtung und Weltherrschaft im Oberengadin umsehen, da fuhr eine verspätete Nachricht wie der Blitz in mich ein: Im Sommer 2014 sollen erstmals Kunstwerke aus einer »Bilderberg Collection« gezeigt worden sein, im Engadiner Dorf Samedan. Niemand hätte je davon gehört, dass Teilnehmer der abgeschirmten Bilderberg-Konferenz eine Kunstsammlung gestiftet hätt...

Seite 3

Iran entscheidet

Für die Iranerinnen und Iraner stand am Freitag einiges auf dem Spiel: Sie hatten bis zum späten Abend im ersten Wahlgang zu entscheiden, ob ihr Land in den nächsten vier Jahren von einem eher weltoffenen oder von einem streng konservativen Präsidenten regiert wird. Der reformorientierte Amtsinhaber Hassan Ruhani bekam ernsthafte Konkurrenz durch den islamischen Hardliner Ebrahim Rais. Medien beri...

Katharina Nocun

Kollateralschaden in Zeiten des »Cyberkriegs«

Der Trojaner »WannaCry« hat vor einigen Tagen eine Reihen von Großkonzernen und Unternehmen angegriffen. Das Ziel war es, Geld zu erpressen. Dabei hat er auch nicht vor zivilen Einrichtungen Halt gemacht. Ein Kommentar.

Seite 4
Susanne Götze

Öko-Promi wird Minister

Er war immer mittendrin. Seit 30 Jahren engagiert sich Nicolas Hulot für den Umweltschutz in Frankreich - hofiert von rechten und linken Präsidenten, respektiert von Unternehmern, geliebt und gehasst von der Umweltbewegung. Ein Rockstar der Umweltbewegung. Nun kann sich Emmanuel Macron als erster Präsident die Marke »Hulot« anheften: Am Mittwoch ernannte Macrons Premier Edouard Philippe Hulot zum ...

Velten Schäfer

Ausverzaubert

Im Handumdrehen vom «Heiland» zum Schmarotzer: Was deutsche Medien in den vergangenen Wochen über den französischen Präsidenten schreiben, drehte sich zuallererst um Deutschland.

Ralf Klingsieck, Paris

Elf Männer, elf Frauen, elf Politiker, elf Zivilisten

Ausgewogen sollte seine Regierung sein, ein Zeichen der Erneuerung und vor allem überzeugend für die anstehenden Parlamentswahlen. Kann Emmanuel Macrons Kabinett die Ansprüche tatsächlich erfüllen?

Seite 5

Washington straft venezolanische Richter ab

Caracas. Die Vereinigten Staaten haben Sanktionen gegen acht oberste Richter Venezuelas verhängt. Das Vermögen der betroffenen Juristen in den USA wird eingefroren. Zudem wird den Richtern, unter ihnen der Vorsitzende des Gerichtshofes, jeglicher Geschäftskontakt zu US-Bürgern untersagt, wie das US-Finanzministerium am Donnerstag (Ortszeit) mitteilte. Die Sanktionen werden mit parteilichen Urteile...

Oberstes Gericht ermittelt gegen Temer

Die massiven Korruptionsvorwürfe gegen Präsident Michel Temer haben Brasilien in eine schwere politische Krise gestürzt. Der Oberste Gerichtshof hat am Donnerstag ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Seite 6

Prozess gegen Neonazis vor dem Aus

Koblenz. Nach dem spektakulären Platzen des fünfjährigen Neonazi-Prozesses in Koblenz erwägt das Landgericht die Einstellung des Verfahrens. Die Kammer prüfe dies »wegen des Verfahrenshindernisses der überlangen Verfahrensdauer« nach Paragraf 206a der Strafprozessordnung, sagte Gerichtssprecherin Tanja Becher am Freitag. Die Prozessbeteiligten hätten Stellungnahmen übermittelt. Die Staatsanwaltsch...

Grundstein für bessere Kitas

Quedlinburg. Bund und Länder wollen gemeinsam die Qualität in der Kindertagesbetreuung verbessern. Entsprechende Eckpunkte für ein Qualitätsgesetz beschloss die Jugend- und Familienministerkonferenz am Freitag. Mehr Fachkräfte, Gebührenfreiheit und eine weiter entwickelte Kindertagespflege gehören laut Bundesfamilienministerium zu den Zielen des Gesetzes. Das Gesetz soll die unterschiedlichen Entw...

Gabriel will Soldaten aus Türkei abziehen

Washington. Im Streit um die Bundeswehrtruppen in der Türkei hat Außenminister Sigmar Gabriel auch mit einem Abzug deutscher Soldaten aus einem NATO-Verband gedroht. Bei einem Besuch in Washington erklärte er, dass es in der Auseinandersetzung mit Ankara um ein Besuchsverbot für Bundestagsabgeordnete nicht nur um die in Incirlik stationierten »Tornado«-Aufklärungsflugzeuge der Bundeswehr, sondern ...

Markus Drescher

Koalition der Mobilisierer

CDU und FDP konnten in Nordrhein-Westfalen bei der Landtagswahl vor allem gebildete und gutverdienende Nichtwähler erreichen, sie können auf Klientelpolitik hoffen. Die SPD konnte weniger Nichtwähler für sich gewinnen.

Seite 7

Trump-Tour: 1. Halt in Riad

Washington. Inmitten einer Kette innenpolitischer Skandale brach US-Präsident Donald Trump am Freitag zu seiner ersten Auslandsreise auf. Sie führt ihn zuerst nach Saudi-Arabien, zur Geburtsstätte des Islam. Dann geht es weiter nach Israel und in die Palästinensischen Autonomiegebiete, nach Italien und zum Vatikan sowie ins Brüsseler NATO-Hauptquartier. Riad, die erste Station, ist den USA ein kom...

Fabian Köhler

Keine Entwarnung: Saudische Frauen behalten den Vormund

In Saudi-Arabien brauchen Frauen keinen männlichen Vormund mehr. Diese Meldung verbreiteten Medien weltweit und übernahmen damit kritiklos die Propaganda des Königshauses. Denn das stimmt so leider nicht.

Seite 8
Sabine Hunziker

Halbherziger Vorstoß für den Atomausstieg

Alternative Energien fördern und keine neuen Atomkraftwerke: Das will das revidierte Energiegesetz. Umweltschützer kritisieren, dass die Vorschläge zu lasch sind. Gegner fahren eine Angstkampagne.

Ulrike Henning

Gesundheit als exklusives Gut

Wenn sich wie vergangene Woche die G20-Gesundheitsminister treffen, gibt es stets Kritik. Nichtregierungsorganisationen werfen dem Gremium vor, die Interessen der Entwicklungsländer zu missachten.

Seite 9

Abschied und Willkommen

Ein neues Literaturportal bietet geflüchteten Schriftstellern unter dem Titel »Weiter Schreiben« die Möglichkeit, ihre Werke in Deutschland zu veröffentlichen. Dabei bilden sie mit deutschen Autoren jeweils ein Tandem, um gemeinsam an den Texten und Übersetzungen zu arbeiten. Beteiligt sind etwa Svenja Leiber, Tanja Dückers, Monika Rinck und David Wagner.Getragen wird das von Annika Reich und Ines...

Liebe deinen Nächsten

Der mit 25 000 Euro dotierte Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis geht an die türkische Journalistin und Schriftstellerin Aslı Erdoğan. Die 50-Jährige wird vor allem für ihr Werk »Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch« geehrt, wie die Stadt Osnabrück am Freitag mitteilte. Es enthält Essays, die derzeit in der Türkei nicht erscheinen können. Ihre erzählerischen Texte seien »seismographisch für d...

Vorsicht Hacker!

Die digitale Technik hat uns viele neue Worte beschert. Das Deutsche ist um eine Vielzahl von Termini und Sprechweisen reicher geworden, doch wer kein Englisch kann wie manch ältere Deutsche könnte die missverstehen.

Heinz-Dieter Winter

Frühling der Freiheit im Gottesstaat?

Stehen Iran und der Westen an der Schwelle zu einer neuen Epoche? Dies fragt sich Henner Fürtig, Direktor des renommierten German Institute of Global and Area Studies (GIGA), ein unabhängiges Forschungsinstitut mit Sitz in Hamburg. Und nicht nur er stellt sich wohl diese Frage. Eine mögliche Antwort liegt im Ergebnis der Präsidentschaftswahlen an diesem Freitag. Wird das 2015 abgeschlossene Atomab...

Seite 10

Leinwand versus Stream

Ein Zusammenspiel aus einem schwelenden Streit zwischen dem Filmfestival in Cannes und dem Streamingdienst Netflix einerseits und technischen Pannen andererseits hat am Freitagmorgen zu Tumulten bei einer Filmvorführung geführt. Gezeigt wurde die erste jemals in Cannes präsentierte Netflix-Produktion: »Okja« des innovativen südkoreanischen Regisseurs Bong Joon Ho (»Snowpiercer«) wurde schon nach f...

Mario Pschera

Eine Traumfabrik eigener Art

Das Kino ist eine Traumfabrik. Das frühe sowjetische Kino ist eine Traumfabrik ganz eigener Art. Nicht die bunter Seifenblasen à la UFA oder etwa der Albträume eines Fritz Murnau. Der Traum heißt hier Kommunismus, er heißt Befreiung aus dem Elend einer vormodernen Gesellschaft, wo der Wohlstand der Oberschicht mit Hunger, Dreck und Verwahrlosung der anderen erkauft wurde. Auf zwei DVDs versammelt ...

Christian Baron

Mit der besten aller Waffen in der Hand

Gerhard Haderers Figuren bewegen sich knapp jenseits des Naturalistischen. Der Maestro stilisiert markante Eigenschaften und zwingt auch in seiner neuen Schau das Publikum zum Innehalten, um über den Subtext nachzudenken.

Seite 11
ndPlusRonny Blaschke

Fassade der Fürsorglichkeit

Ein Netz aus Stiftungen und Sozialprojekten umspannt den Fußball. Hilfsbereitschaft und Heuchelei liegen dabei aber oft nah beieinander. Wie kann der Fußball sich sinnvoll fürs Gemeinwohl einbringen?

Kurznachrichten:

Seite 12
Carsten Lappe und Kristina Puck, Köln

Der Heilsbringer ist müde

In nur drei Spielen demonstrierte NHL-Star Leon Draisaitl bei der Heim-WM seinen Sonderstatus. Für seine Mitspieler ist der 21-jährige Star des deutschen Eishockeys aber eigentlich zu gut.

Seite 13
Berliner Mieten: Qualifizierter Wahnsinn
Nicolas Šustr

Berliner Mieten: Qualifizierter Wahnsinn

Berlin wird bald zu München aufgeschlossen haben, meint Nicolas Šustr. Mieterorganisationen können gegen den Anstieg der Mieten nicht viel machen, nur der Bund könnte dagegen wirklich erfolgreich vorgehen.

Martin Kröger

Opferanwalt fordert 100 Millionen Euro

Im Fall Amri wird nach dem Bekanntwerden eines möglichen Fehlers bei der Kripo über Entschädigungszahlungen diskutiert. Innenausschuss tritt zu einer Sondersitzung zusammen.

»Rot-Rot-Grün muss erfolgreich sein«
ndPlusJérôme Lombard

»Rot-Rot-Grün muss erfolgreich sein«

Die Juso-Landesvorsitzende Annika Klose sieht sich als linke Sozialdemokratin und erhofft sich vom SPD-Landesparteitag an diesem Wochenende linke Impulse. Im Interview erläutert sie ihre bisherige Bilanz von rot-rot-grün in Berlin.

Seite 14
Felix Knorr

Kleingärtner mit Zukunftsängsten

Immer mehr Kleingärten droht das Aus durch Wohnungs- und Straßenbau. Die Gärtner verweisen auf die soziale und ökologische Funktion, die ihre Kolonien haben.

Seite 15

Frühling im Rattenfänger-Land

Hameln. Erinnerung an eine Sage: Eine Gruppe wandert über einen Feldweg vorbei an blühenden Rapsfeldern bei Hameln. Das Marketing der niedersächsischen Stadt ist sehr auf die Sage vom Rattenfänger ausgerichtet, die wohl auf dem Auszug der »Hämelschen Kinder« im Jahre 1284 beruht. Als historischer Hintergrund wird angenommen, dass es Hamelner Jung-Bürger gewesen sind, die von adligen Territorialher...

Wohnungsbau in Thüringen boomt

Erfurt. Im Jahr 2016 sind in Thüringen so viele Wohnungen entstanden wie seit 14 Jahren nicht mehr. Die Bauaufsichtsbehörde meldet insgesamt 5484 bezugsfertige Wohnungen, wie das Thüringer Landesamt für Statistik mitteilte. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl um 44,5 Prozent.Die meisten Wohnungen (3583) entstanden im Neubau. Den höchsten Zuwachs verzeichnete die kreisfreie Stadt Jena mit 742 N...

Hagen Jung

Buga nun in Rostock?

Die für 2025 in Schwerin geplante Bundesgartenschau fällt aus, sie scheitert an Geldmangel. Doch schon ist Rostock als alternativer Buga-Standort im Gespräch.

Sönke Möhl, Waldshut

Kleinstadt lehnt eine Million Euro ab

Wer würde eine Million Euro ablehnen? Waldshut-Tiengen an der Schweizer Grenze macht es. Waldshut-Tiengen ist eine Doppelstadt ganz im Süden Baden-Württembergs mit knapp 24 000 Einwohnern, finanziellen Nöten - und zwei Freibädern, die beide saniert werden müssen. Geschätzte Kosten: je vier Millionen Euro. Geld ist kaum für ein Projekt da, also entscheiden die Gemeinderäte: Das Freibad in Tiengen w...

Hendrik Lasch, Magdeburg

Schnellstarter mit Angriffslust

Die LINKE in Sachsen-Anhalt könnte zum ersten Mal einen Altmärker als Landeschef bekommen. Er ist zudem Bürgermeister, Ex-Betriebsrat - und ein Mann klarer Worte.

Seite 16

Film für Brechtianer

Die letzte Klappe zu dem in Berlin gedrehten und spielenden Kinofilm »Brechts Dreigroschenfilm« ist gefallen. Die Dreharbeiten liefen seit 3. März. Autor und Regisseur Joachim Lang versammelt für seine Neuinterpretation des Stoffs unter anderem Lars Eidinger, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung, Joachim Król, Robert Stadlober und Max Raabe vor der Kamera. Erstmals werden die »Dreigroschenoper«, das ...

Architektur für Gestrige

US-Stararchitekt Daniel Libeskind hat den Wettbewerb für das Museum der Moderne als »dubios« kritisiert. »Der öffentliche Diskurs, den es für exzellente Kulturbauten braucht, fehlte«, sagte der 71-jährige New Yorker dem sogenannten Nachrichtenmagazin »Focus«. Den Wettbewerb für das neue Museum hatte im vergangenen Jahr das Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron gewonnen. »Das sind gute Archi...

Luther für Atheisten

Eine Sonderausstellung des britischen Künstlerduos Gilbert & George ist ab Samstag in der St. Matthäuskirche zu sehen. Thema der Schau mit dem Titel »Scapegoating Pictures« (Sündenbock-Bilder) sind Krieg und Religionskonflikte, Fundamentalismus und Terrorgefahr sowie das urbane Nebeneinander westlicher und muslimischer Werte. Die als religionskritisch geltenden TurnerPreisträger Gilbert & George s...

Umsatz als Argument reicht nicht

Leipzig. Zur Begründung verkaufsoffener Sonntage reichen rein konsum- oder umsatzbezogene Interessen von Kunden und Händlern nicht aus. Das entschied in dieser Woche das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Stattdessen müsse ein gewichtiger Sachgrund benannt werden. Das könnten beispielsweise am selben Tag stattfindende Messen oder große Märkte in der jeweiligen Stadt sein, sagte ein Gerichtssprec...

Hans-Dieter Schütt

Außer Rand, nicht Band

Die Münchener Inszenierung kann in Berlin nur als Video gezeigt werden. Lohnt es sich auch? Diese Räuber wollen jedenfalls die Welt verändern und lernen den Kern der Natur kennen: Leben ist Laufen und Leiden zum Tode hin.

Doris Weilandt, Jena

»Wir betrachten uns als sozialen Zirkus«

Beim Kinder- und Jugendzirkus Momolo im thüringischen Jena vermischen sich verschiedene Kunstformen zu einer Geschichte. Es gibt keine einzelnen Nummern, auch Tiere sind passé.

Lucía Tirado

Wilde Stadt, wildes Tempo

Ungestüm, geradezu fiebrig gab sich Berlin am Anfang der 30er Jahre. Die Einwohnerzahl der Spreemetropole war auf über vier Millionen Menschen gewachsen. Von überall her strömten sie in die Stadt, um - anders als heute - die Mentalität von Dorf und Kleinstadt hinter sich zu lassen. Proletariat, Geldadel, Avantgarde ließen sich auf den rastlosen Rhythmus einer der damals größten Städte der Welt ein...

Petra Albers, Köln

Wenn die Angst vorm Steuer kommt

Wer jahrzehntelang kein Auto fährt, wagt sich trotz Führerscheins manchmal nicht mehr ans Steuer. Einige nehmen erneut Fahrstunden, andere verzichten dauerhaft. Ein Bericht aus Nordrhein-Westfalen.

Samuela Nickel

Im Alltäglichen das Besondere entdecken

Auf der Friedrichshainer Seite des S-Bahnhofs Frankfurter Allee gibt es immer mehr sanierte Altbauten. Hier und da stechen aber noch Reminiszenzen an eine frühere Zeit wie Graffiti an verbrauchten Häuserwänden hervor. Auf der Lichtenberger Seite der Eldenaer Brücke hingegen fällt der Blick auf Plattenbauten. Kurz hinter der Brücke steht über blauen Spanplatten in großen Lettern »Villa Kuriosum« ge...

Seite 17
Tom Strohschneider

Sieben Tage, sieben Gänge

Ob das Fahrrad unter dem Namen Veloziped seine heutige Bedeutung erlangt hätte? Wir werden es nie erfahren und dieses Rad nicht mehr neu erfinden. Dafür gibt es zum Jubiläum allerhand Beförderndes zu erfahren.

Seite 18
ndPlusSimon Poelchau

Sportlich oder bequem?

Es war nicht nur ein Fahrrad, das Fixie. Es löste einst unter der weniger modebewussten Mehrheits-Fahrradfahrergesellschaft genauso viele allergische Reaktionen aus wie die Wiederentdeckung der Röhrenjeans. Man zerriss sich das Maul über diese neue Fahrradart: »Durchaus sehr schick, aber unpraktisch. Und überhaupt so viel Geld nur für einen Rahmen, zwei Räder, Pedale, einen Lenker und eine Kette, ...

ndPlusMartin Hatzius

Die Brille unter den Fernsehern

Die Fahrradgeschichtsschrei᠆bung ist eine umstrittene Disziplin. Nicht einmal darüber, dass die Mannheimer Jungfernfahrt des Karl von Drais auf seinem selbsterfundenen einspurigen Laufrad am 12. Juni 1817 als Geburtsstunde des Fahrrads anzusehen sei, herrscht Einigkeit. Das »Prinzip der zwei hinter einander laufenden Räder«, schreibt Eduard Bertz in seiner im Jahr 1900 erschienenen »Philosophie de...

Seite 19
Frank Ufen

Als der Hafer knapp wurde

Drais hatte das Pech mit seinen Erfindungen seiner Epoche entweder zu weit vorauszueilen oder oder ihr hoffnungslos hinterherzuhinken. Doch mit einer Innovation löste er umwälzende Veränderungen aus.

ndPlusVelten Schäfer

Von Köpenick nach Williamsburg

Der Mann, heißt es im »Hauptmann von Köpenick« über einen preußischen Bürokraten, sei ein echter Radfahrer: »Nach unten tritt er, nach oben buckelt er.« So fasste Carl Zuckmayer in seiner 1931 uraufgeführten Realgroteske das Wesen des eingefleischten Untertanen zusammen. Heinrich Mann hatte diesen Menschenschlag schon anderthalb Jahrzehnte zuvor in seinem gleichnamigen Roman vorgeführt; auch bei K...

Seite 20
ndPlusChristin Odoj

Freihändig

Das Fahrrad hat es in der Musik nie leicht gehabt. Von der Rockmusik wird es fast gänzlich ignoriert, weil es schlichtweg unmöglich ist, einen Fahrradausflug textlich zu etwas Heroischem auszuarbeiten. Kein Vergleich zu dem, was ein Motor und ein paar Räder hergeben. Röhriger Sound direkt aus der Hölle, verchromte Felgen, Ledersitze, Lederhose, Lederhaut nach innen wie außen. Einzige Ausnahmen vie...

ndPlusRegina Stötzel

Es handelt sich um ein Fahrrad

Bei kleinen Kindern fängt es schon an, dass sich ihre Fahrrädchen der Farbe des Regenmäntelchens oder des Strumpfhöschens anzupassen scheinen. Bei Erwachsenen meint man etwa, der ausgreifende Lenker des Herrenrades großer Herren schaffe schon den Raum für die wehenden Mantelschöße und gebe deren Linien vor. Rad und Radtaschen bei den Outdoortypen gehen optisch und funktional unmittelbar in die auf...

Seite 21
ndPlusTom Strohschneider

Ritzelrauschen

Ich hab nicht viele Erinnerungen an den Mai 1980. Man könnte sagen: keine. Es gibt nur eine Ausnahme, aber für diese Ausnahme fehlt ein Wort. Also muss ich eins erfinden: Tttsssccchhrrr. Wahrscheinlich kennen Sie das auch, weil es aber kein Wort dafür gab, konnten wir uns bisher nie darüber unterhalten. Worum es geht, ließe sich etwas umständlich als Ritzelrauschen umschreiben. In meiner Erin...

ndPlusRené Heilig

Stärker als B 52-Bomber

Erleben Sie die Vielfalt Vietnams hautnah. Lassen Sie sich begeistern von einzigartigen Landschaften, begegnen Sie freundlichen Menschen, haben Sie teil am bunten Treiben in den Dörfern, begleiten Sie die Boote auf dem Mekong oder lassen Sie sich faszinieren vom Parfümfluss. Und das alles per Rad. So ähnlich klingen Werbetexte von Reiseveranstaltern, die freilich verschweigen, dass die Überlebensc...

Seite 22
Kurt Stenger

Das Auto muss Platz machen

»Die Stadt- und Verkehrsplanung hatte nur noch das Auto im Kopf, glaubte, dass das Fahrrad am Aussterben sei. Dabei hat es nicht ein einziges Jahr gegeben, in dem mehr Autos als Fahrräder verkauft wurden.«

Seite 23
ndPlusWolfgang Hübner

Zahlen rund ums Rad

15 Die Reise um die Welt in 15 Monaten - mit dieser Anlehnung an Jules Verne lässt sich das Abenteuer von Annie »Londonderry« Kopchovsky zusammen-fassen. Die gebürtige Lettin, als Kind mit der Familie in die USA ausgewandert, hatte schon selbst drei Kinder, als sie beschloss, als erste Frau die Erde auf dem Rad zu umrunden. Um die Fahrt zu finanzieren, machte sie Werbung die Mineralwassermarke...

Seite 24
ndPlusWolfgang Hübner

Alles, was auf Rädern rollt

Dreierlei ist Fußgängers Feind: Glatteis, Kniearthrose und alles, was sich auf Rädern bewegt. Dem Glatteis kann der Fußgänger ausweichen, indem er zu Hause bleibt oder sich Spikes unter den Fitnessschuh schnallt. Kniebeschwerden lassen sich behandeln, in Grenzen jedenfalls. Verkehrsteilnehmern auf Rädern jedoch ist der Fußgänger ausgeliefert. Lesen Sie auch die Kommentare »Gepflegte Feindsc...

Tom Strohschneider

Gepflegte Feindschaft

Radfahrer behagt die Tatsache nicht, dass es nach der Erfindung des Drahtesels eine weitere Innovation gab, die sich technisch als überlegen erwiesen hat. Den Automobilisten wiederum plagt das schlechte Gewissen.

ndPlusSimon Poelchau

Bis Euch der Sprit ausgeht!

Seit Anbeginn der Zeit herrscht ein Krieg David gegen Goliath, Schwach gegen Stark, Unten gegen Oben. Der moderne Goliath brettert auf 240 PS starken zwei Tonnen Stahl »Made in Germany« durch die Straßen, während sich der moderne David mit eigener Muskelkraft geschickt auf zwei Rädern durch den Großstadtdschungel manövriert. Denn Fahrrad und Pkw, das sind nicht nur zwei unterschiedliche Fortbewegu...

Seite 25
Alle Macht den Rädern!
Samuela Nickel und Johanna Treblin

Alle Macht den Rädern!

Pinke und türkise Taschen auf flinken Rädern prägen zunehmend das Stadtbild. Fahrradkuriere, die Waren transportieren, gibt es schon lange. Seit zwei Jahren wird mit Foodora und Deliveroo mehr Essen per Rad geliefert.

Seite 26
ndPlusMartin Kröger

Berlin ist die Hauptstadt der Fahrraddiebe

Die Zahl der Fotos geht in die Hunderte. Auf einer speziellen Internetseite präsentiert die Berliner Polizei all jene Fahrräder, die bei der Behörde verwahrt werden, ohne dass bislang ein Eigentümer informiert werden konnte. Alle Typen vom hochwertigen Fixie über Hollandräder, Rennräder, Straßenräder bis hin zu Lasten- und Elektrorädern finden sich. Die zahlreichen Fundräder zeigen eindrücklich, w...

ndPlusKerstin Ewald

Humpels Mahnmal

Wenn Jörg Humpel montags mit einer Tasse Tee durch seinen Garten geht, findet er regelmäßig zerstörte Fahrradschlösser. Diebe werfen sie achtlos über seinen Zaun, wenn sie wieder einmal ein Rad vom stählernen Parkbügel getrennt haben. Jenseits des Zaunes befinden sich die Fahrradstellplätze des Berliner S-Bahnhofes Rahnsdorf. Irgendwann hat Humpel angefangen die Schlösser aufzubewahren. Sie s...

Seite 27
ndPlusNicolas Šustr

Der clevere Wegeheld

In der Hauptstadt tobt der Verteilungskampf darüber, wie viel Raum Fußgängern, Radlern, Bussen und Bahnen sowie Autos künftig eingeräumt werden soll. Und zwar nicht mehr nur konkret täglich auf der Straße selbst, sondern auf politischer Ebene. Anfang April dieses Jahres hatte die Verwaltung von Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) die Eckpunkte eines Fahrradgesetzes vorg...

Seite 28
ndPlusKarlen Vesper

Homo mobile

Nicht selten in der Geschichte erfolgten Erfindungen und Entdeckungen zeitgleich in verschiedensten Regionen der Erde, was zu widersprechenden Angaben in der Literatur und in jüngerer Vergangenheit zuweilen zu Rechtsstreitigkeiten führte. Wer erfand als erster die Glühlampe oder das Telefon, und wer stellte erstmals ein Periodensystem der Elemente auf? Die Erleuchtung mit der Birne reklamiert...

ndPlusJürgen Amendt

Männer mit Haltung

Ohne Fahrrad keine Industrialisierung - und letztlich auch kein Auto. Wer also heute wie die Mehrheit der Deutschen motorisiert auf vier Rädern unterwegs zu seiner Arbeitsstätte ist - und das sind laut Statistischem Bundesamt knapp zwei Drittel aller Werktätigen - der sollte stets in Erinnerung behalten, dass alles mit dem unmotorisierten zweirädrigen Fortbewegungsmittel seinen Anfang nahm. Gottli...

Seite 29
ndPlusMichael Lenz

Velo statt Ferrari

Denis Loh ist ein Pionier des Fahrradfahrens in Singapur. Nur weiß der 50-Jährige im orangen T-Shirt das nicht und auch den Behörden ist Loh unbekannt. Dabei repräsentiert Loh exakt den radfahrenden Wunschbürger, wie ihn der Stadtstaat neuerdings gerne hätte. Aber der Reihe nach. Radeln war bisher die Domäne zweier gesellschaftlicher Schichten, sagt Erich Sollbock. »Radfahren war was für wohl...

ndPlusAndreas Behn

Einstürzende Radwege

Fahrradfreundlich? Von wegen!« Cristina schiebt ihr Rad auf dem Bürgersteig an zwei Autos vorbei, die auf dem Radweg parken. »Es ist eher eine Hindernisfahrt. Die Fahrradspuren sind schlecht gebaut, voller Kanten und Löcher. Und Ausweichen ist lebensgefährlich, denn die Autos und Motorräder rasen rücksichtslos vorbei.« Die Studentin ist vor zwei Jahren aufs Rad umgestiegen. Es sei billiger, a...

Seite 31
ndPlusMichael Müller

Löwenzahn im Schnee und Zittern in den Knien

Der Atem wechselt vom Hecheln ins Röcheln, der Puls rast nicht nur, sondern schießt hoch. 160, 170, 180 Watt. »Machen wir Schluss. Für die Energiestoffwechseldiagnostik reicht das erst einmal, bist ganz gut in Schuss«, lobt Wolfgang Sommer und lächelt freundlich. »Ob das auch für die Tour morgen so gilt, werden wir ja sehen.« Diese Anmerkung versucht der Chronist schnell zu verdrängen, doch e...

Seite 32
ndPlusJirka Grahl

Radeln, radeln, nochmals radeln

Dass die Critical-Mass-Bewegung in kein Schema passt, kann der Neuankömmling auf Anhieb erkennen. Unterschiedlicher könnten die Radlertypen kaum sein, die sich gleich vom Brandenburger Tor aus gemeinsam auf Tour begeben wollen: Fixiefahrer und Lastenradpedaleure begrüßen sich mit Handschlag, ein Klappradfahrer wartet neben zwei Liegerädern. Ein Touristenpärchen ist an diesem sonnigen Mainachmittag...