Seite 1

Autozulieferer scheitert mit Union Busting

Brighton. Die US-amerikanische Automobilarbeitergewerkschaft United Auto Workers (UAW) hat die Gewerkschaftswahl beim deutschen Automobilzulieferer Eberspächer in Brighton, Michigan, gewonnen. Bei der Abstimmung am Donnerstag stimmten nach Angaben der UAW 223 der insgesamt 373 Beschäftigten für die Anerkennung der Gewerkschaft, 98 dagegen. Das Unternehmen hatte in den letzten Wochen massiv Druck a...

Leck in der Keystone-Pipeline

Amherst. Bei einem Leck in der Keystone-Pipeline sind im US-Bundesstaat South Dakota rund 795 000 Liter Öl ausgetreten. Das teilte die Betreiberfirma TransCanada am Donnerstag (Ortszeit) mit. Der betroffene Abschnitt sei innerhalb von 15 Minuten isoliert worden. Ein Krisenteam sei vor Ort, um die Lage zu beurteilen, hieß es in der Stellungnahme weiter. Die Ursache des Lecks war zunächst unklar. De...

Sparkassenchef tritt zurück

Berlin. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, tritt wegen der Steueraffäre zurück. Im Einvernehmen mit dem Verband lege er sein Amt zum 24. November nieder, teilte der DSGV am Freitag mit. »Die verspätete Abgabe meiner privaten Steuererklärungen war falsch«, sagte Fahrenschon zu seinem Rückzug.Übergangsweise wird der DSGV dann von Vizepräsident Thomas...

Unten links

Während der Winter auf sich warten lässt, ist der Anbruch der Weihnachtszeit nicht zu übersehen. Seit Wochen harren in den Kaufhallen Heere rot bemäntelter Hohlkörper ihres Einmarschs in die heimeligen Stuben, nebenan türmt sich die Marzipankartoffelernte. Auch der Aufbau der Weihnachtsmärkte ist vielerorts in vollem Gange. Vom mannigfach beschworenen Untergang des Heiligabendlandes kann in diesen...

Uwe Kalbe

Opferbereit

Der Familiennachzug für Kriegsflüchtlinge ist ein der kritischen Themen bei den Jamaika-Sondierungen. Dabei überdeckt die Familienzusammenführung, was offenbar bereits besiegelt ist: die weitere Verschärfung des Asylrechts.

Meilenweit entfernt vom Ziel

Berlin. 8443 Kilometer Luftlinie sind heutzutage keine Entfernung - wenn man sich in Berlin ins Flugzeug setzt und, sagen wir, nach Kingston, der Hauptstadt von Jamaika, fliegt. Da die politische Reise in Richtung schwarz-gelb-grünes Jamaika aber kein Urlaubstrip ist, gibt es keinen zügigen Transfer. Im Gegenteil, es ist eine mühsam vorwärtstastende Expedition, bei der es - geografisch betrachtet ...

Sven Eichstädt, Leipzig

Freund, Helfer, Hitlergrüßer

Ein Polizist, der seine rechtsextreme Weltanschauung durch Tattoos nach außen trägt, darf kein Beamter sein. Das hat das Bundesverwaltungsgericht am Freitag entschieden.

Seite 2
Aert van Riel

Koalition der Besserverdienenden

Der Soli wurde einst mit den Kosten für den Aufbau Ost begründet. Jetzt steht er vor dem Aus. Sinnvoll wäre nun eine Neuregelung zur Förderung strukturschwacher Regionen in Ost und West. Die scheint mit Jamaika aber nicht machbar.

René Heilig

Jingle-bells-Alarm

Das Außenamt in Washington warnte in dieser Woche alle US-Bürger vor Reisen nach Europa. Zu gefährlich an Weihnachten, schließlich lauern die Männer und Frauen von Al Qaida und dem Islamische Staat überall. Ein Kommentar.

Susanne Götze

Neue Allianzen und alte Konflikte

Bisher gab es vor allem Staatenbündnisse, um Klima-Verhandlungen voranzubringen, oder bewährte Ländergruppen wie die G77. Heute schließt man sich dagegen für konkrete Klimaschutzaktionen zusammen. Das ist gut so.

Sebastian Weiermann

Mister Lobby

Lange war es ruhig um den ehemaligen Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfaktion Friedrich Merz. Von der politischen Bühne hatte er sich 2009 verabschiedet. Wegen »parteiinterner Differenzen« legte er damals eine »Politikpause« ein. Diese Pause ist nun vorbei. Die schwarz-gelbe Landesregierung in Nordrhein-Westfalen ernannte Merz zum »Brexit-Beauftragten«. Außerdem soll er den Vorsitz des ...

Martin Leidenfrost

Everybody hates Catholics

Die Nachkommen der irischen Auswanderer in Schottland leiden unter »antiirischem Rassismus«. Selbst im Fußballstadion war das zu spüren. Unser Autor hat sich in Glasgow umgesehen. Ganz wohl war ihm dabei nicht.

Seite 3
Yücel Özdemir

Eine andere Presse ist möglich - und nötig

Seit dem Putschversuch ist die Demokratie in der Türkei nur noch Makulatur. Darunter hat auch die kritische Presse zu leiden. Sie wird gegängelt und drangsaliert, wo es nur geht. Solidarität mit der »anderen Presse« ist geboten.

Seite 4

Liebe Leserinnen und Leser!

Mit 50 Euro 1000 Setzlinge für eine Teekooperative in Indien finanzieren, mit 100 Euro, eine Getreidewaage in Mosambik erwerben, für 150 Euro einen mutmachenden Film im südlichen Afrika zeigen. Die Soliaktion von »nd«, SODI, INKOTA und WfD kann helfen, wenn Sie sich beteiligen.

Erfahrung teilen
Stefanie Wurm

Erfahrung teilen

Das südliche Afrika ist die Region mit der jüngsten Bevölkerung weltweit. Armut, schlechte Bildungschancen, Arbeitslosigkeit und Umweltzerstörung bedroht oft ihre Lebensgrundlagen. STEPS will ihnen eine Stimme geben.

Vielfalt teilen
Patricia Schulte

Vielfalt teilen

Wer von Tee in Indien spricht, spricht meist über Darjeeling von den Hängen des Himalaya. In den Nilgiris-Bergen wird ebenfalls Tee angebaut. Inzwischen sind die Böden aber ausgelaugt. Doch von SODI kommt jetzt Hilfe.

Christine Wiid

Saatgut teilen

Xitonga, Mukadzi, Raposta und Kenha sind die Namen lokaler Maissorten in Mosambik. Geht es nach dem Willen der Regierung, verschwinden diese bald zu Gunsten patentierten Saatguts. Dagegen regt sich Widerstand.

Seite 5

Wut auf Siemens

Berlin. Die Pläne von Siemens, trotz zuletzt hoher Gewinne weltweit 6900 Stellen abzubauen, haben bei der Berliner Belegschaft Wut und Unverständnis ausgelöst. Rund 1300 Beschäftigte am Standort Berlin beteiligten sich nach Angaben der IG Metall am Freitagmorgen an einer Kundgebung auf dem Firmengelände. »Wir werden die Stadt und die Politik mobilisieren, für den Erhalt aller Siemens-Arbeitsplätze...

Aert van Riel

Sondierer gehen in die Verlängerung

Die Grünen haben Union und FDP einen Kompromissvorschlag in der Verkehrspolitik vorgelegt. Fraglich ist allerdings, ob sich Schwarz-Gelb dafür nun in den Sondierungen bei anderen Themen bewegt.

Jörn Boewe

Schwäbische Gewerkschaftshasser

Laut hiesiger Gewerkschaften ist das Union Busting bei deutschen Firmen im Ausland verbreitet. Die Bundesregierung nutzt Einflussmöglichkeiten nicht.

Seite 6
Olaf Standke

Deutlich mehr Geld für das US-Militär

Die Rüstungsausgaben der USA sollen um rund 15 Prozent über jenen im Haushaltsjahr 2016 liegen, dem letzten in der Ägide Barack Obamas. Das sind sogar noch einmal 26 Milliarden Dollar mehr, als das Weiße Haus ursprünglich gefordert hatte.

Nelli Tügel, Göteborg

Letzte Chance für eine sozialere EU

Beim ersten Sozialgipfel seit 20 Jahren verspricht die EU ihren Bürgern Mindeststandards und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Das weckt Erwartungen - allerdings sehr unterschiedliche.

Ralf Klingsieck, Paris

Macrons »En marche« verliert Mitglieder

Die Bewegung La République en marche will am Sonnabend ihren Vorsitzenden wählen. 100 Mitglieder kritisieren in einem Offenen Brief einen Mangel an Demokratie und erklären ihren Austritt.

Seite 7

Erster Auftritt von Mugabe nach Putsch

Harare. Nach dem Einschreiten des Militärs in Simbabwe ist Präsident Robert Mugabe am Freitag zum ersten Mal wieder öffentlich aufgetreten. Gekleidet in einen blauen Talar besuchte der 93-Jährige die Abschlussfeier einer Universität in der Hauptstadt Harare. Mugabe hatte die Übergabe der Abschlusszeugnisse in der Vergangenheit persönlich übernommen. Seine Teilnahme am Freitag könnte auf eine Locke...

Russland gegen Mandat für C-Waffen

New York. Nach dem Scheitern von zwei UN-Resolutionsentwürfen zur Untersuchung von Chemiewaffeneinsätzen in Syrien bleibt Russland bei der Suche nach einem Kompromiss hart. Der Weltsicherheitsrat wollte noch am Freitag über einen neuen Entwurf abstimmen, den Japan eingebracht hatte. Wenn der Alternativvorschlag allerdings so aussehe wie der vorherige US-Entwurf, dann gebe es keine Aussichten auf E...

David Graaff, Medellín

Justiz schwächt Friedensprozess

Der Friedensprozess in Kolumbien steht vor einem herben Rückschlag. Grund sind ein Urteil des Obersten Verfassungsgericht sowie Entscheidungen des Kongresses zur Regelung der Übergangsjustiz.

Seite 8

Kreditswaps für Venezuela werden fällig

New York. Die Internationale Derivateorganisation ISDA hat dem staatlichen venezolanischen Ölkonzern PDVSA einen Zahlungsausfall bescheinigt und damit dem Land einen weiteren Rückschlag im Kampf gegen die Staatspleite beschert. In drei Fällen sei das Unternehmen Zahlungsverpflichtungen an Investoren nicht nachgekommen, teilte die in New York ansässige Organisation am Donnerstag mit. Eine detaillie...

Simon Poelchau

Leck bei Keystone-Pipeline

Die Keystone-XL-Pipeline ist in den USA heftig umstritten. Schließlich kommt es bei den Ölleitungen in den Vereinigten Staaten immer wieder zu Lecks, die Böden vergiften.

Susanne Götze, Christian Mihatsch und Susanne Schwarz, Bonn

Neue Sachlichkeit in der Klimadiplomatie

Der 23. Klimagipfel der Vereinten Nationen wird nicht als Meilenstein in die Geschichte eingehen. Dennoch zeigen die vergangenen zwei Wochen, dass langsam eine stabile Klimaschutz-Gemeinschaft heranwächst.

Seite 9

Eröffnung

Nach jahrelanger Verzögerung wird am 1. Dezember in Leipzig die Aula und Universitätskirche St. Pauli der Öffentlichkeit übergeben. Bis zum Universitätsgeburtstag am 4. Dezember werde es ein Programm zur Eröffnung des sogenannten Paulinums geben, teilte die Hochschule mit.Der Nachfolgebau der vor 49 Jahren gesprengten Universitätskirche St. Pauli sollte ursprünglich bereits zur 600-Jahr-Feier der ...

Fusion stockt

Die geplante Fusion der Theater- und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz (TOG) und des Theaters Vorpommern zum Staatstheater Nordost gerät ins Stocken. Die Gewerkschaften der Beschäftigten haben die Verhandlungen über einen Fusionstarifvertrag abgebrochen. Die Forderungen der Arbeitgeberseite seien inakzeptabel, teilten die Künstlergewerkschaften DOV, GDBA und VDO am Freitag mit. Erwartet we...

Schlimm ist das nicht

Am Freitag war es wieder so weit. Wie jedes Jahr lasen sich in ganz Deutschland Menschen etwas vor. Dieser sogenannte Vorlesetag ist, wie die die Unionsfraktion im Bundestag am Tag vor dem epochalen Ereignis mitteilte, »gelebte kulturelle Bildung«. Man müsse in Deutschland künftig »den Fokus wieder stärker auf das Verständnis von Texten lenken«, so der medienpolitische Fraktionssprecher in einer P...

Helge Buttkereit

Lernen von Rechts

Der Protest ist deutlich. Viel wird darüber geschrieben, dass die AfD vor allem aus Protest gewählt wird. Sie ist, das zeigte sich nach den Landtagswahlen nun auch bei der Bundestagswahl, die neue Protestpartei in West wie Ost. Damit hat sie den Staffelstab von der Grünen in den 1980er Jahren und zuletzt der LINKEN übernommen. So beschreibt Fabian Stepanek die politische Lage in Deutschland.Der Be...

Seite 10
Hans-Dieter Schütt

So schwer, so zart

Der schwitzend zarte Ulrich Wildgruber kam nur scheinbar daher wie ein Gewaltiger. Er setzte den krachenden Schritt federnd, als sei Gehen einzig ein Ausdruckt der Anmut. Manchmal war er ein fauchendes Tier, manchmal ein gottbeglänzter Mensch. Er prüfte, was der Mensch sei, so ewig zwischen Tragödie und Komödie. Die Übergänge zwischen beiden bildeten das Wunder seines Spiels.Toll! In Abständen, fü...

Florian Schmid

Kriegsbeile ausgraben

Die Bücher des italienischen Autorenkollektivs Wu Ming erfreuen sich hierzulande gerade großer Beliebtheit. Die Neuauflage ihres Romans »Q« über die Kämpfe von Häretikern und Revolutionären zur Zeit der Reformation - passend zum Lutherjahr -, den sie Ende der 1990er noch unter dem Pseudonym »Luther Blisset« verfasst hatten, wurde gerade erst von Thomas Ebermann und Berthold Brunner auf die Bühne g...

Sabine Neubert

Wer Glück hat, besitzt einen Höhlengott

Kürzlich fällt mir ein altes Reclamheft mit der Erzählung »Die Höhle« des russischen Schriftstellers Jewgeni Samjatin (1884 - 1937) in die Hände. »Die Höhle« ist eine dunkle, mit Symbolbildern und -gestalten angereicherte Erzählung. Es ist eine Schilderung, die von den ersten Sätzen an fesselt und zugleich frösteln, nein, frieren lässt. Eigentlich ist es nur eine bitter-realistische Alltagsgeschic...

Seite 11

Seltene Pleite für die Löwen

Hamburg. Europameister Hendrik Pekeler war angefressen. »Das war eine Katastrophe«, schimpfte der Kreisläufer der Rhein-Neckar Löwen. Die überraschende Pleite bei der MT Melsungen hatte nicht nur beim Nationalspieler deutliche Spuren hinterlassen. Die Mannschaft wirkte erschöpft, der deutsche Meister war beim 26:29 phasenweise überfordert. Und die Konkurrenz aus Flensburg und Berlin nutzte den Pat...

Christopher Köster und Thomas Weitekamp, Innsbruck-Igls

Alles auf Anfang

Mit dem Weltcup in Innsbruck beginnt für die Rodler die Olympiasaison. Felix Loch musste zunächst die enttäuschende Vorsaison aufarbeiten, um im Februar nach seinem dritten Einzelgold zu greifen.

Lars Becker

Jetzt passt alles

Vierschanzentournee, Heim-Weltmeisterschaft und Olympische Spiele. Diese Skisprungsaison ist wahrlich nicht arm an Höhepunkten. Die Chance für Andreas Wellinger, sich schon mit 22 unsterblich zu machen.

Seite 12
Jonas Giesenhagen, Krefeld

Uerdingen 05 greift an

Michael Wiesinger schätzt die Tradition. Dem langjährigen Nürnberger und Münchner Bundesligaspieler wird daher beim Anblick seines neuen Arbeitsplatzes warm ums Herz. »Wenn man in die Grotenburg geht, die Katakomben und Kabinen sieht, dann riecht es nach Geschichte, und man spürt die Begeisterung«, schwärmt der Trainer vom altehrwürdigen Stadion im Krefelder Stadtteil Uerdingen.Das ist zwar schon ...

ndPlusMichael Kummer

Identitätskrise

So viele Mitglieder wie noch nie - und dennoch steckt Fußballdrittligist Rot-Weiß Erfurt mitten in einer sportlichen, finanziellen und auch in einer Identitätskrise. Folge 126 der nd-Serie »Ostkurve«.

Seite 13

FDP gegen Vorkaufsrecht der Bezirke

Die FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus will das Vorkaufsrecht der Bezirke bei Immobilien abschaffen. Mit dem dafür vorgesehenen Geld werde keine einzige neue Wohnung gebaut, sagte die FDP-Abgeordnete Sibylle Meister am Donnerstag. Wohneigentum werde verstaatlicht. Der Senat hatte im Sommer beschlossen, stärker auf ein staatliches Vorkaufsrecht für Wohnhäuser zu setzen, um der Verdrängung von Mietern...

Laternen gegen hohe Miete

Mehrere hundert Menschen haben am Donnerstagnachmittag gegen die Verdrängung sozialer Einrichtungen demonstriert. Unter dem Motto »Monstermäßiger Laternenumzug« zogen sie durch Kreuzberg 36. »Soziale Einrichtungen wie Kitas, Seniorenräume, Mädchentreffs, Bildungseinrichtungen, Beratungsstellen oder Wohnungslosenhilfen bangen unter dem Druck der Immobilienspekulation um ihre Existenz«, hieß es in d...

Nicolas Šustr

Alte Zöpfe sind hartnäckig

Steigende Mieten ist für immer mehr Menschen in Berlin ein Problem. Die rot-rot-grüne Regierung ist angetreten, dem etwas entgegenzusetzen. Passiert ist in der Stadtentwicklung bisher nicht wirklich viel.

Nicolas Šustr

Sozialwohnung mit Verdrängungsgarantie

Mit juristischen Tricksereien sollen Mieter offensichtlich aus ihren Sozialwohnungen verdrängt werden. Sie kämpfen, auch weil sie nicht wissen, wohin sie umziehen sollten. Denn die Mieten in der Hauptstadt steigen unaufhörlich.

Seite 14
Slava Wagner

Tauziehen um Milieuschutz

Eine Studie soll die soziale Situation im Weitlingkiez in Berlin-Lichtenberg bestimmen. Anschließend soll geklärt werden, ob das Gebiet unter Milieuschutz gestellt werden soll. Dann könnten zum Beispiel Luxussanierungen verhindert werden.

Marie Frank

Grüne Freiräume gefährdet

Während Berlin und Brandenburg über die Sicherung und Weiterentwicklung von Frei- und Grünräumen in der Region beraten, sehen sich Berlins urbane Gärten in ihrer Existenz bedroht.

Andreas Fritsche

Griechenland - die Rechnung bitte!

Es ist Solidarität mit einer linken Regierung, aber auch einfach vernünftig, dass Brandenburgs Finanzressort Griechenland unterstützt, so die Meinung von Staatssekretärin Daniela Trochowski (Linkspartei).

Seite 15

Knallbuntes Graffiti-Haus statt langweiliges Grau

Aurich. Das Motiv, das Elke Lenks Haus seit kurzem ziert, ist typisch ostfriesisch: grüne Wiese mit Kuh und Windmühle. Trotzdem gibt es eine Menge Wirbel um das knallbunte Graffiti-Bild mitten in der Altstadt von Aurich. Das hat es in der Kleinstadt noch nicht gegeben. Zahlreiche Schaulustige kamen, um das Bild zu bestaunen. Die Lokalmedien berichteten. Doch die Stadt ist alles andere als begeiste...

Nur in Leipzig bleiben die Preise stabil

Leipzig. Höhere Kosten für Personal und Sachleistungen sowie rückläufige Studentenzahlen lassen die Preise an Hochschulen und Universitäten in Sachsen steigen. So erhöhen sich die Kosten für Essen und Mieten sowie die Semesterbeiträge, wie aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur hervorgeht. Diese Abgabe muss von allen Studenten einer Hochschule vor jedem Semester an das jeweilige Studentenw...

Hagen Jung

Wählen verboten - Spitzeln erlaubt

Jugendliche dürfen im Nordosten noch nicht wählen, aber für die Polizei spitzeln. Die Landtagsmehrheit hat den Antrag der LINKEN abgelehnt, den Einsatz von Minderjährigen als Informanten zu verbieten.

Seite 16

Bambis verliehen

Tränen bei Diane Kruger, eine schmissige Dankesrede von Fatih Akin und Auftritte von Helene Fischer: In Berlin ist am Donnerstagabend zum 69. Mal der Medienpreis Bambi verliehen worden. Heino Ferch und Alicia von Rittberg wurden mit dem Preis in der Schauspiel-Sparte ausgezeichnet.Ferch bekam das goldene Rehkitz für seine Rollen in »Allmen« und den Thriller »Spuren des Bösen«. Von Rittberg freute ...

Leander Sukov

Keine (Selbst-)Zensur

Eine Preisverleihung mit dem Journalisten Ken Jebsen wurde in dieser Woche vom Kino Babylon abgesagt - nach einer Intervention von Kultursenator Klaus Lederer (Linkspartei). Das stieß im »nd« auf Kritik. Eine Replik darauf.

Lucía Tirado

Unbarmherziges Geräusch

Kopfhörer auf. »Stadt (Land Fluss)« in den Sophiensaelen hört jeder für sich allein. Bei der vom Hauptstadtkulturfonds geförderten Koproduktion von Daniel Kötter und Hannes Seidl mit dem Künstlerhaus Mousonturm und den Sophiensaelen setzt sich das Publikum einem Experiment aus. Es geht um eigenwilliges Stadtgeräusch, um das, was man als Bewohner des Urbanen für gewöhnlich zeitweise ausblendet wie ...

Hans-Gerd Öfinger

Solidaritätsbesuch aus Brüssel

Die drohende Schließung der Coca-Cola-Abfüllanlage in Weimar hat eine Protest- und Solidaritätsbewegung ausgelöst, der sich Gewerkschafter anderer Branchen sowie Politiker angeschlossen haben.

Christian Baron

Konkurrenz und Ausbeutung zum Totlachen

Die Berliner Schaubühne führt Brechts vielleicht wichtigstes Stück werkgetreu auf – und tritt es dennoch in die Tonne. Die Figuren werden zu Pappkameraden entstellt, die Kapitalismuskritik geht unter in der Comedyshow.

Hendrik Lasch, Leipzig

Die Odyssee der Leipziger Grabtafeln

Am 1. Dezember wird das neue Paulinum der Leipziger Universität eröffnet. Es steht am Ort der 1968 gesprengten Unikirche. Die Geschichte der von dort geretteten Grabtafeln erzählt jetzt eine Ausstellung.

Seite 17
Wolfgang Hübner

Die Leidenschaft, die meistens Leiden schafft

Auch in der nd-Redaktion schlagen Herzen für den Fußball. Trotz der Millionen Euro, die dabei umgewälzt und verdient werden. Immerhin fliegen die meisten Sympathien Klubs zu, die es schwer haben, ganz oben mitzuhalten.

Seite 18
Ann Esswein

Wer um Almosen bittet, ist in Not

Warum betteln Menschen in einem Sozialstaat? Über gefühlte, »statistische« und absolute Armut 
in der Bundesrepublik und die Frage: Wer 
sind die Personen, die durch das Raster fallen?

Seite 20

Nachrufe

Waleri Rosow 26. 12. 1964 - 11. 11. 2017 Er war der berühmteste Vertreter jener kleinen Schar der Basejumper, die mit ihren waghalsigen Sprüngen von Felswänden oder Wolkenkratzern die Leute faszinieren. Und auch der Beste: In seinem Spezialanzug (Wingsuit) segelte der Moskauer Waleri Rosow durch den Krater eines Vulkans auf Kamtschatka, so selbstverständlich, wie er auch von Felskanten d...

Aert van Riel

Abkehr vom Pazifismus

Wenn die Gespräche über eine neue Bundesregierung abgeschlossen sind, könnte für Kellner nach gut vier Jahren im Amt des Bundesgeschäftsführers bald der nächste Karriereschritt anstehen.

Seite 21
Thomas Schmidt

Freiheitsberaubung als Freundschaftsdienst

Der Haftbefehl im Fall des katalanischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont und der Haftbefehl gegen den deutschen Schriftsteller Dogan Akhanli haben schlagartig die fragwürdige Nutzung des Strafrechts für politische Verfolgung deutlich gemacht. Im Fall Dogan Akhanli hat die spanische Regierung nicht gezögert, der Türkei einen Freundschaftsdienst zu erweisen. Der Schriftsteller wurde aufgr...

Seite 22
Paula Irmschler

Nostalgie

Das gute alte »Früher«: Da gab es noch die D-Mark, kein Internet, Deutschland war noch wer und Ehefrauen konnten straffrei vergewaltigt werden! Solche Nostalgiker erinnern an den Naziopa, der nicht begreifen will, dass seine Idee nicht überleben wird.

Wolfgang Schmidbauer

Das gebrochene Schweigen

Als Psychoanalytiker bin ich Mitglied eines Berufs und in gewisser Sicht auch einer Bewegung, die dem Schweigen, besonders dem Schweigen in sexuellen Dingen kritisch gegenüber steht. Freud hat von der heilsamen Wirkung der »talking cure« geschrieben und seine Zeitgenossen herb kritisiert, weil sie die Realität der Erotik und die Gefahren des sexuellen Missbrauchs verleugneten. In einer seiner Vorl...

Martin Koch

Individualität statt Anpassung

Wie aus entwicklungsbiologischen Studien hervorgeht, sind Kinder keine passiven Wesen, die sich durch die Umwelt beliebig formen lassen. Sie bestimmen ihre Entwicklung häufig selbst.

Seite 23
Leo Fischer

Gefährliche Würstchen

Man freut sich für die Autorin, aus einer widerlichen und brutalen Parallelwelt entronnen zu sein, und fragt sich doch, ob der Sprung, den sie da machte, wirklich so ein großer war.

Seite 24

Vielfalt und Einfalt

Die Notwendigkeit einer Lingua Franca unter globalen kapitalistischen Bedingungen führt zu einer Abnahme der Sprachenvielfalt und macht sie zugleich notwendig. Ein Dilemma. Gleichwohl greift auch die Digitalisierung tief ins Sprachgefüge. Sie forciert den globalen Austausch und führt zu einer Renaissance der Piktogramme und der gesprochenen Sprache. Auch wenn inzwischen der Umgang mit Emoticons un...

Lena Tietgen

Chinesisch bald auf Platz eins

Die sukzessive Einführung von Englisch als Lingua Franca in der Wissenschaft führt auch im akademischen Bereich zu Debatten. Die Universität Hohenheim hat auf didaktikblog.uni-hohenheim.de die Herausforderungen für Forschung und Lehre skizziert. Um keine Wettbewerbsnachteile zu bekommen - alle bibliometrischen Datenbanken und Rankingverfahren laufen im Wissenschaftsenglisch - müssen die Wissenscha...

ndPlusIsidor Grim

Sprache als Handelshemmnis

Jeder, der Kinder hat, weiß dass ein hoher Ausländeranteil die Qualität des Schulunterrichts senkt. Warum? Wegen der Lehrer! Ihrer sind zu wenige, und die Schulen sind heillos unterfinanziert. Und so kommt das Englischproblem an die Universitäten.

Seite 25
Bernd Schröder

Die Pleite mit den Fischtomaten

Erste gentechnische Gehversuche sollten vor Jahren der ursprünglich aus Mittel- und Südamerika stammenden Tomate zu höherer Toleranz gegenüber Umweltstressfaktoren verhelfen und beispielsweise ihre Frosthärte verbessern. Dazu wurde ihr das Anti-Frost-Gen der Winterflunder eingebaut. Im Fisch unterdrückt es das Auskristallisieren von Eis im Blutstrom. Die »Fischtomate« schaffte es letztlich nie in ...

ndPlusBernd Schröder

Der Speiseplan von morgen

Eines der Hauptargumente für die Eingriffe ins genetische Gefüge der Nutzpflanzen ist das Bevölkerungswachstum - für 2050 etwa wird mit fast zehn Milliarden Erdenbürgern gerechnet.

Seite 26

Bremsen auf dem Weg ins »postantibiotische Zeitalter«

Antibiotikaresistenzen werden zunehmend zum Problem, besonders auf den Intensivstationen der Krankenhäuser, aber auch bei der Behandlung der in vielen Ländern noch verbreiteten Tuberkulose. Zwar lässt sich das Ausmaß der Resistenzen nicht exakt beziffern, wie eine Umfrage von Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) unter Experten anlässlich...

ndPlusSusanne Aigner

Grüne Wälle und Küstenwälder

Seitdem der über die japanische Küste hereingebrochene Tsunami am 11. März 2011 viele tausende Todesopfer gefordert hatte, arbeiten japanische Ingenieure an einem verbesserten Schutz vor den Monsterwellen: Dämme und Schutzwälle, die immer höher, massiver und teurer werden. Zuletzt erregte der Bau eines 300 Kilometer langen Betondeiches mit bis zu 15 Metern Höhe (bezogen auf den Pegelstand in Tokio...

Seite 27

Wochen-Chronik

18. November 1932 Ein von Wjatscheslaw Molotow diktierter Beschluss des ZK der ukrainischen KP über »Maßnahmen der Getreidebeschaffung« löst durch die darin vorgesehenen restriktiven Naturalienstrafen den Holodomor (Hungerterror) in der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik aus. Millionen Menschen fallen dem Hunger zum Opfer. Seit der Unabhängigkeit 1991 bemüht sich die Ukraine um internat...

ndPlusGerd Kaiser

Bergsteiger

Über drei Jahrzehnte recherchierte Joachim Schindler in öffentlichen und privaten Bibliotheken und Archiven. Der passionierte Bergsteiger sprach zudem mit zahlreichen Zeitzeugen. Es hat sich gelohnt. Er hat nunmehr seine Trilogie zur Geschichte von Wandern und Bergsteigen in der Sächsischen Schweiz vollendet - eine opulente Chronik in Bild und Text. Behandelten die ersten beiden Bände die Jahre 18...

ndPlusOliver Eberhardt

Kesseltreiben gegen Mossadegh

Mythen ranken sich um die Ereignisse, und um den Politiker Mossadegh. Die Fakten indes waren nur teilweise bekannt: Denn die Akten selbst waren lange Zeit Verschlusssache.

Seite 29
gra

22 Mann, aber ohne Videobeweis

Weil ihm die auf dem Markt erhältlichen Mini-Fußballspiele nicht realistisch genug waren, griff der Engländer William Lane Keeling 1925 zu Pappe, Gummi, Draht und Schere - und geboren war der Prototyp des Tischfußballs, den sein Erfinder »Newfooty« nannte. Keelings Landsmann Peter Adolph modifizierte die Idee später, und unter dem neuen Namen »Subboteo« machte das Spiel international Karriere; in ...

mim

Denklösung »Gerecht«

Um »Gerecht im Zufall« ging es bei zwei Darts-Fragen am 4./5. November. Es folgten eine hohe Beteiligung, und fast nur richtige Antworten. In beiden Fragen ergab sich die »Gerechtigkeit« im Zufall aus dem Verhältnis der jeweils verschieden großen Zielflächen auf der Dartscheibe. »Die Trefferwahrscheinlichkeit ist proportional der Trefferfläche«, schreibt Sieghard Hammerschmidt aus Zerbst. »Somit m...

Carlos Garcia Hernández

Ein kleines Wunder

Man spricht von einem usbekischen Wunder, genauer: Schachwunder. Und es ist zwar schon richtig wundersam, aber offenbar noch enorm entwicklungsfähig: der Knabe Nodirbek Abdusattorov. Am 29. Oktober ist der Gymnasiast Internationaler Großmeister geworden - mit 13 Jahren, einem Monat und elf Tagen ist er der zweitjüngste der Schachgeschichte. Allein Sergei Karjakin (27; Russland) war jünger bei dies...

Mike Mlynar

Zahlenspielerei und Zahlenspielerei

Dem Begriff Zahlenspielerei hängt im Alltag etwas Windiges an, etwas von vorsätzlicher oder dümmlicher Täuschung. Benutzt wird er so völlig zu recht, wenn im privaten, geschäftlichen oder öffentlichen Disput Zahlen aus ursprünglichen Zusammenhängen gerissen und zu neuen »Beweisen« zusammengeklittert werden. Weit verbreitet sind da besonders in Politik und Medien induktive Fehlschlüsse mit verstümm...

Bonsai- Fußball

Subboteo - das hört sich nach allem Möglichen an - auf Tischfußball muss einer in diesem Zusammenhang erst mal kommen!Der Mann, ein Engländer namens Peter Adolph, der das Spiel 1947 zum Patent anmeldete, war von Beruf Ornithologe. Daher wohl die Namensinspiration: falco subboteo ist der Baumfalke.Die amtliche Sammelbezeichnung ist ja Sport-Tischfußball. Wie viel Sport ist da drin?Viel. An einem Li...

Seite 30
ndPlusCornelia Höhling

Haben’s die Römer erfunden?

Tief durchatmen! In Bad Essen, im Norden der Deutschen Fachwerkstraße am Wiehengebirge gelegen, sprudelt Europas mineralreichste Solequelle. Mit einem Salzgehalt, der höher ist als der des Toten Meeres.

Seite 31
ndPlusLilo Solcher

Im Schatten des Ararat

Jerewan ist eine der ältesten Städte der Welt - und eine junge Stadt. Am Abend, wenn am Platz der Republik die Fontänen nach der Musik tanzen, trifft sich viel junges Volk auf den Bänken und Mäuerchen um die Springbrunnen, um danach weiterzuziehen in die Kneipen der Stadt.

Seite 32
ndPlusRené Jo. Laglstorfer

Botschafter des Guten

Deniz, der in einer österreichisch-türkischen Familie aufgewachsen und katholisch erzogen wurde, wollte einen Beitrag leisten, damit »diese Grausamkeiten keinen Nährboden mehr erhalten und sich nicht wiederholen«.