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Linke Kontroverse um SYRIZA

Paris. Frankreichs Parti de Gauche fordert, die griechische Regierungspartei SYRIZA aus der Europäischen Partei der Linken (EL) auszuschließen. In einem Kommuniqué nach seiner Sitzung am Mittwochabend teilte der Vorstand der französischen Linkspartei mit, für die von Jean-Luc Mélenchon gegründete und bis 2014 von ihm geführte Partei sei es »unmöglich« geworden, mit den griechischen Linken weiter i...

264 Millionen Kinder ohne Schule

Berlin. Mehr als eine Viertelmilliarde Kinder hat nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF aufgrund von Armut, Krieg oder Krisen keinen Zugang zu Bildung. »Kinder brauchen nicht trotz Krieg Bildung, sondern gerade deswegen«, sagte der deutsche UNICEF-Vorsitzende Jürgen Heraeus am Freitag in Berlin, wo die Organisation den »Report 2018 - Die Chance auf Bildung« vorstellte. Das Kinderhilfswerk fo...

Länder wollen NPD-Finanzen kappen

Berlin. Der Bundesrat hat den ersten Schritt zum möglichen Ausschluss der NPD von der staatlichen Parteienfinanzierung gemacht. Einstimmig beschloss die Länderkammer am Freitag in Berlin einen Antrag zur Einleitung eines entsprechenden Verfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht. Die gesetzliche Grundlage mit der Möglichkeit, der NPD den Geldhahn zuzudrehen, wurde erst im vergangenen Jahr geschaff...

Unten links

Die Linkspartei meldet neue Mitglieder. Die Grünen melden neue Mitglieder. Und die SPD kann sich derzeit vor neuen Mitgliedern kaum retten. Der Trend ist klar: Rot-Rot-Grün ist nicht aufzuhalten. Das ist folgerichtig, denn die Parteien, die die Welt verändern wollen, leben von der Aktivität ihrer Anhänger. Fehlt nur noch eine Kleinigkeit: die Mehrheit bei Wahlen. Umfragen lassen kaum Grund zu über...

Jürgen Amendt

Kooperation light

Sollte es zu einer Neuauflage der Koalition aus Union und SPD kommen, dann könnte das Kooperationsverbot fallen, das dem Bund kategorisch untersagt, in die Schulpolitik der Länder hineinzuregieren. Dann würde sich der Bund zum Beispiel stärker finanziell beim Betrieb der Ganztagsschulen engagieren; bislang durfte er dies nur im Rahmen von Sonderprogrammen. Sollte, könnte, würde … Der Konjunkt...

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Uwe Sattler

Hauen, stechen, verlieren

Neu ist es nicht, das Problem für die Linken: Wie geht man damit um, wenn man in politische Verantwortung kommt, gar in Regierungsverantwortung? Neu ist indes, dass dieser ewige Streit nun auch offen auf europäischer Ebene ausgetragen wird.

Simon Poelchau

Selbst schuld

Deutsche-Bank-Chef Cryan will den Schwarzen Peter an Trump abschieben. Die US-Steuerreform sei schuld, dass die Bank auch 2017 ein Minus machte. Doch müsste Cryan eigentlich wissen, die Großbank für ein Minus selbst die Verantwortung trägt.

Sebastian Bähr

Blutige Abschottung

Die EU ist abgeschottet - auf den ersten Blick hat sie ihr Ziel erreicht. Die verschiedenen Routen sind mehr oder weniger dicht, eine grundsätzliche Reform des ungerechten Dublin-Systems wurde vertagt, das Resettlement-Programm der UNO nicht umgesetzt. Kurz: Die Asylzahlen sinken. Was die EU zum Erreichen dieses Ziels tun musste, ist jedoch eine Schande. Autokraten und Diktatoren kaufte man sich a...

Jörn Boewe

Verhandler

»Mehr Geld fürs Nichtstun wird es nicht geben« - mit diesem markigen Spruch schwor Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger im Dezember seinen Verband auf die aktuelle Tarifrunde mit der IG Metall ein. Am Freitag sendete er nun eher versöhnliche Signale aus: »Wir werden natürlich im Dialog bleiben« , sagte er dem »Handelsblatt«, und hoffentlich »so schnell wie möglich noch mal in gute Gespräche finden...

Leo Fischer

Liste »BIOGOLD« und andere innovative Politikbündnisse

Sind Parteien noch zeitgemäß? Leo Fischer hat ein paar Ideen für Listen, die neue Milieus in unserer Gesellschaft, wie das urbane Biobürgertum, besser abbilden könnten. Auch für das Ehepaar Wagenknecht/Lafontaine hat er einen Vorschlag.

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Bahnbrechender Reiseverkehr

China ist das Land, in dem es von allem viel gibt. Zwar gibt es auch dort nur ein Neujahrsfest - der Beginn des Jahres des Erd-Hundes fällt auf den 16. Februar. Aber zu diesem Anlass unternehmen viele Chinesen viele Reisen. Viele Züge werden zu viele Sonderfahrten starten, um die Massen zu befördern. Knapp drei Milliarden Fahrten werden während der 40 Tage um das Frühlingsfest erwartet. Und dafür ...

Tobias Singelnstein

Das Blenden der Kriminalstatistik

Die öffentliche Debatte über Kriminalität - aktuell etwa über Straftaten von Geflüchteten - orientiert sich meist an der Polizeilichen Kriminalstatistik. Dabei geht sie von falschen Voraussetzungen aus.

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Jörn Boewe

Knackpunkt »Kurze Vollzeit«

Rund eine halbe Million Beschäftigte aus knapp 280 Betrieben der Metall- und Elektroindustrie haben sich seit Mittwoch an den ganztägigen Warnstreiks der IG Metall beteiligt. Wie geht es nun weiter?

Sebastian Bähr

Sterben ohne Retter

Italienische Behörden ermitteln gegen den Berliner Verein »Jugend rettet« wegen vermeintlicher Schlepperei. Bis heute gibt es jedoch keine Anklage gegen die Lebensretter auf hoher See.

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Fabian Lambeck

GroKo-Gegner in der SPD fordern Gehör

Im Vorfeld des SPD-Mitgliederentscheids drängen die Gegner einer Neuauflage von Schwarz-Rot darauf, ihre Argumente in die parteiinterne Debatte einbringen zu können.

Uwe Kalbe

Ein Mann, ein Amt?

Die Verhandlungen über eine Große Koalition kommen voran, auch wenn die Ergebnisse umstritten bleiben. Nun wird es spannend: Wer wird Minister? Besonders auf Martin Schulz richten sich die Blicke.

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Christiane Sternberg, Nikosia

Wirtschaft wichtiger als Wiedervereinigung

Die Zyprer leiden noch immer unter den harten Sparmaßnahmen infolge der ökonomischen Krise von 2013. Die Kandidaten der Stichwahl wollen Gespräche zur Wiedervereinigung der Insel aufnehmen.

Nelli Tügel

Mays Tanz ums goldene Brexit-Kalb

Die Woche begann mit einem EU-Beschluss zur Übergangsphase nach dem Brexit, der May alt aussehen lässt. Auch ihre Chinareise half nicht weiter, denn daheim sorgte eine verheimlichte Studie für Unmut.

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Olaf Standke

Trump-Attacke gegen das FBI

Donald Trump hatte schon im Wahlkampf schwere Angriffe gegen das FBI gefahren und liegt seit seinem ersten Tag im Weißen Haus im Clinch mit der Bundespolizei. Zuletzt schmiss Vizedirektor Andrew McCabe, seit langem in der Schusslinie von Trump, vorzeitig hin. Nun will der Präsident ein umstrittenes, bislang geheimes Memorandum veröffentlichen lassen; laut Regierungskreisen möglicherweise noch am F...

Ulrich Brand

»Ein Ja mit Bedingungen«

Am Sonntag stimmen die Menschen in Ecuador darüber ab, ob der Verfassungsartikel zur unbegrenzten Wiederwahl des Präsidenten annulliert werden soll. Das Referendum hat zu einer Spaltung der seit elf Jahren regierenden Bewegung Alianza País geführt.

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Digitalisierung gibt Wirtschaft Rätsel auf

Frankfurt am Main. Der IT-Verband Bitkom hat vor einem Verlust von Jobs in großem Stil durch die Digitalisierung gewarnt. Nach Einschätzung befragter Unternehmen könnten Millionen Jobs wegfallen, weil Roboter und Algorithmen die Arbeit übernehmen, zitierte die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« am Freitag aus einer Bitkom-Umfrage, deren Kernergebnisse Ende November vorgestellt worden waren. Jedes vi...

Reimar Paul

Tierversuche mit Geld der VolkswagenStiftung

Die VW-Stiftung fördert Studien, bei denen an Tieren experimentiert wird. Die Studien seien grausam und unnötig, meint eine kritische Ärzteorganisation. Die Stiftung sieht indessen kein Problem.

Simon Poelchau

Cryan steckt im Minus fest

John Cryan versucht die Deutsche Bank mit Filialschließungen und Massenentlassungen wieder profitabel zu machen. Doch die hoch bezahlten Investmentbanker tätschelt er und zahlt ihnen wieder Boni.

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Abgehängt

Eine Kunstgalerie in Manchester hat ein Gemälde aus dem 19. Jahrhundert entfernt. »Hylas and the Nymphs« (1896) von dem englischen Maler John William Waterhouse zeigt eine Szene aus der antiken Mythologie, in der ein junger Mann von mehreren nackten Nymphen in einen Teich in den Tod gelockt wird. Kuratorin Clare Gannaway von der Manchester Art Gallery will eine Debatte auslösen, wie solche Bilder ...

Unstimmig

Die erst seit zwei Jahren amtierende Chefredakteurin der »Bild«-Zeitung, Tanit Koch, verlässt das Blatt auf eigenen Wunsch Ende Februar. Das gab der Axel-Springer-Verlag am Freitag bekannt. Koch war eine enge Vertraute des langjährigen »Bild«-Chefredakteurs und -Herausgebers Kai Diekmann, dessen Nachfolge sie 2016 antrat. Die 40 Jahre alte Journalistin war die erste Frau an der Spitze des Boulevar...

jam

Neues aus dem Semantikerstadl

Der Schriftsteller Franz Werfel meinte einmal, dass neben dem Geschlechtstrieb kein Bedürfnis das Handeln des Menschen so sehr bestimme wie die Sehnsucht nach moralischer Überlegenheit. Was Werfel vor vielen Jahrzehnten formulierte, ist bis heute gültig. Diese Sehnsucht ist dabei eng mit den gesellschaftlichen Zuständen verknüpft; in Zeiten, die von vielen als unsicher empfunden werden, in denen m...

Christian Baron

Die Möglichkeit einer Liebe

Wer Literatur nicht von einem politischen Pamphlet unterscheidet, hat ein Urteil über Michel Houellebecq schnell gefällt: rechts, islamophob, frauenverachtend. Ein neues Buch versucht jetzt, dem Autor wirklich nahe zu kommen.

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Künstlerbrief an Merkel

Seit dem 20. Januar beschießt die türkische Armee die Grenzregion Afrin in Syrien. Bei der Offensive der Türkei gegen die Kurden kommt auch deutsche Militärausrüstung zum Einsatz. In einem Offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) haben am Freitag mehr als 90 Kulturschaffende, Künstler und Wissenschaftler gegen die ihrer Ansicht nach passive Haltun...

hds

Die Stille der Kraft

Er war der Prototyp des Redlichen, des bedächtig Einfühlsamen. Mit allerdings wunderbar vertrackten Wechseln ins plebejisch Komische. Hilmar Baumann, seit 1968 am Maxim-Gorki-Theater Berlin, war auch in über 80 DEFA- und TV-Filmen präsent, er spielte in »Die Leiden des jungen Werthers«, »Der geteilte Himmel«, »Lotte in Weimar«, »Märkische Forschungen«, »Levins Mühle«.Seltsamerweise erinnere ich mi...

Helen Roth

Ausbruch aus dem System

Jetzt kannst du unter Menschen gehen, ohne dass es gefährlich ist«, sagt die Mutter zu ihrer 14-jährigen Tochter, »Gott wird dich noch mehr lieben.« Noch freut sich Rana Ahmad über diese Worte. Zum ersten Mal sieht sich die junge Frau, beinahe noch ein Kind, komplett verschleiert im Spiegel. Das Einzige, was noch an ihr Gesicht erinnert, sind ihre dunklen Augen, die zwischen einem schmalen Schlitz...

Stefan Ripplinger

Fahrt ins Finstere

In der finstersten Zeit des vergangenen Jahrhunderts, in den vierziger Jahren, verlangte es die Franzosen und die US-Amerikaner nach finsteren Filmen. Zu den wichtigsten Repräsentanten des im harmoniesüchtigen Deutschland unbekannten »Film noir« gehört, als Schauspielerin wie als Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin, Ida Lupino.Lupino, die aus einer sehr alten britischen Schauspielerfamili...

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Franko Koitzsch, Hamburg

In Hamburg wurde der Aufstand geprobt

Der neue Trainer brachte Hoffnung. Nach einem Remis zum Auftakt der Ära Hollerbach will der Hamburger SV gegen Hannover nachlegen. Schlagzeilen macht aber ein Putschversuch.

Jirka Grahl

Knien sie oder knien sie nicht?

Die New England Patriots gehen als Favorit in den Super Bowl gegen die Philadelphia Eagles. Vorher wird gespannt beobachtet, ob es Spieler gibt, die bei der Hymne knien und gegen Rassismus protestieren.

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Alexander Ludewig

Der F.C. Hansa muss nach oben

Hansa Rostocks neuer Trainer Markus Thiele über die veränderte Wahrnehmung des Klubs, erste Veränderungen unter ihm im Verein, Aufstiegsdruck und warum der Wechsel auch eine Chance für ihn selbst ist.

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Kundgebung gegen rechte Gewalt geplant

Nach zwei Brandanschlägen auf die Autos eines Buchhändlers und eines LINKEN-Politikers in Neukölln haben mehrere Gruppen für Samstag um 12 Uhr vor dem Bezirksrathaus zu einer Solidaritätskundgebung gegen rechte Gewalt aufgerufen. Aufgerufen dazu haben unter anderem die Neuköllner Bezirksverbände der LINKEN, Grünen und der SPD, Gewerkschaftsverbände und mehrere Anti-Rechts-Bündnisse, darunter die l...

Rechte Gefahr ist real

Brandanschläge, herausgerissene Stolpersteine, eingeschlagene Scheiben und neonazistische Schmierereien. Dass Rechtsextremisten in Neukölln Terror ausüben können, ohne dass die Polizei die oder den Täter zu fassen bekommt, ist skandalös. Schließlich laufen die Attacken bereits seit Jahren, und angesichts der überschaubaren rechten Szene müsste es doch möglich sein, die Täter auszumachen, möchte ma...

Martin Kröger

253 Straftaten 2017 gegen Geflüchtete

Laut einer vorläufigen Polizeistatistik gibt es in Berlin weiter viele Fälle von Straftaten gegen Flüchtlinge und deren Unterkünfte. Die LINKE warnt vor der Gewaltbereitschaft der Rechten und fordert eine verstärkte Zusammenarbeit der Beamten.

Johanna Treblin

»Die Menschen retten ihr Leben«

Die Zahl der Obdach- und Wohnungslosen hat in Berlin stark zugenommen. Viele von ihnen kommen aus Osteuropa. Über Lösungsmöglichkeiten für das Problem sprach nd-Redakteurin Johanna Treblin mit Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (LINKE).

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Kutschenverbot tritt in Kraft

Die umstrittenen Pferdekutschen dürfen den Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor nicht mehr anfahren. Ein neues Verbotsschild auf dem Platz zeigt ein Pferd samt Wagen. Es untersagt die Durchfahrt und den Aufenthalt von Pferdekutschen im Bereich östlich des Brandenburger Tores, wo sich die meisten Touristen aufhalten. Um die derzeit neun Kutschen gibt es schon lange Streit zwischen Tierschützern ...

Lebenslange Haftstrafe nach Dreifachmord

Der Mann hat seine Großmutter, die ihn in ihrem Haus aufgenommen hatte, getötet und auf der anschließenden Flucht an einer Sperre zwei Polizisten tot gefahren. Jetzt wurde er verurteilt.

Marie Frank

Hebammen arbeiten am Limit

Die hohe Anzahl von Geburten in der Hauptstadt konnten die Kliniken zuletzt kaum bewältigen. Um die Engpässe zu beheben, hat der Runde Tisch Geburtshilfe einen Maßnahmenkatalog beschlossen.

Andreas Fritsche

Alle für einen - den kranken Nick

Nick hat Blutkrebs. Ein genetischer Zwilling könnte sein Leben retten. Nun werden in Hohen Neuendorf Stammzellenspender gesucht und Spenden gesammelt.

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Ein ehrwürdiges Denkmal

Magdeburg. Blick über die Elbe die alte Hubbrücke in Sachsen-Anhalts Hauptstadt Magdeburg, dahinter der Dom: Die eingleisige Bahnbrücke, die seit 1848 die Elbe bei Stromkilometer 325,47 überspannt, ist eine der ältesten und größten Hubbrücken Deutschlands und steht unter Denkmalschutz. Im April 1945 wurde sie von deutschen Truppen gesprengt, 1946 war sie wieder hergestellt. Weil die südlichere Ste...

Ein Problemvogel zum Jubeljahr

Rostock. Nach der Panne mit dem in Teilen giftigen Plüschtier »Greifi« sucht die Hansestadt Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) nun Regress bei dem beauftragten Künstler. Der Verwendungszweck und die damit verbundenen notwendigen Eigenschaften des Plüschtieres seien klar benannt worden, begründete ein Stadtsprecher das Vorgehen gegenüber dem Künstler, der Vertragspartner der Stadt sei. Klar sei aber ...

A. Cäcilie Bachmann

Blechen bis zum Jüngsten Tag?

Die Geschichte der Jacobs University, der umstrittenen Privat-Uni im Bremer Norden, ist seit jeher eine Problem-Geschichte. Doch jetzt wird es wirklich ernst: Nach langen Jahren der finanziellen Unterstützung durch das stets klamme Bremen bei gleichzeitiger Beteuerung, jede neue Finanzspritze sei wirklich die letzte, soll nun tatsächlich kein öffentliches Geld mehr fließen. Das jedenfalls erklärte...

Claudia Rometsch, Bonn

Die Retter und die Statistik

2016 wurden beim Malteser Hilfsdienst bei rund zwölf Millionen Fahrten 4450 Anzeigen wegen Gewalt gegen die Notfallsanitäter erstattet. Widerspiegelt eine solche Zahl die Situation der Hilfsdienste?

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Sinkender Zuspruch für duale Berufsausbildung

Gut die Hälfte aller Deutschen beginnt irgendwann im Leben eine duale Berufsausbildung. Allerdings verliert das Modell an Popularität. Die Quote sank von 2011 bis 2015 um 5,6 auf 52,4 Prozent. Auch absolut geht die Zahl der Lehrlinge zurück. Lag sie 2007 nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) noch bei 624 177, waren es im Jahr 2015 nur noch 516 639.Der deutsche »Durchschnittsleh...

Registrierkassen-Betrug kostet NRW eine Milliarde im Jahr

Düsseldorf. Schummeleien an Registrierkassen kosten den deutschen Staat jährlich bis zu zehn Milliarden Euro an Steuerausfällen. Die Politik hat das Problem schon länger auf dem Radar, kommt aber aus Sicht des nordrhein-westfälischen Finanzministers Lutz Lienenkämper (CDU) zu langsam voran. »Wir brauchen dringend möglichst einfache, praktikable, gut funktionierende Lösungen, damit wir dem Betrug m...

Nada Weigelt

Schreiben und Leben im Exil

Sie wollte, dass ihre Kinder ohne Bomben, Krieg und Gewalt aufwachsen. Deshalb floh Rasha Habbal vor drei Jahren unter Lebensgefahr aus ihrer syrischen Heimat. Jetzt ist die 35-jährige Autorin die erste, die das Stipendium «Torschreiber am Pariser Platz» für Schriftsteller im Exil« bekommt. »Das Brandenburger Tor ist das Symbol für die Freiheit schlechthin«, sagte Vorstand Pascal Decker von der St...

Frank Schirrmeister

Die Kunst der Annäherung

Ein neuer Bildband präsentiert Arbeiten namhafter Künstlerinnen und Künstler, die das Ensemble der Berliner Schaubühne fotografierten. Das fotografische Sein des Porträtierten wird dabei vom Bewusstsein des Fotografen bestimmt.

ndPlusHendrik Lasch, Plauen

Das Gegenteil von Frühblüher

Viele Firmen finden keine Jugendlichen mehr, die ihre Ausbildungsplätze besetzen. Sind Ältere eine Alternative? Modellprojekte gibt es; im Alltag sind Lehrlinge der Generation 50+ die absolute Ausnahme.

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Wolfgang Hübner

Wenn das Säbelrasseln ruht

Olympische Spiele sind ein Abbild ihrer Zeit. Kalter und heißer Krieg, Propaganda, Boykotte und Sanktionen, ungebremster Kommerz, Betrugs- und Dopingaffären begleiten sie unausweichlich. Wir schauen auf das Sportereignis, das trotz allem viele Menschen fasziniert.

Seite 18

1908

Die Geschichte der Frauen bei Olympischen Winterspielen ist in vielen Fällen eine nachholende. In zahlreichen Sportarten wurde es Frauen erst mit - teils jahrzehntelanger - Verspätung erlaubt, an den Start zu gehen. Eine frühe Ausnahme bildet das Eiskunstlaufen. Es gehört zu den Kuriositäten der Olympiahistorie, dass es Eiskunstlaufwettbewerbe schon gab, bevor 1924 überhaupt die ersten Olympischen...

Fabian Kretschmer , Pyeongchang

Symbolische Friedensspiele

Dass Sportler aus Nordkorea nun doch an den Olympischen Winterspielen in Südkorea teilnehmen werden, finden längst nicht alle Südkoreaner gut. Nach einer Umfrage begrüßen dies nur 40 Prozent. Woran liegt das?

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1936

Skilanglauf stand schon seit 1924 auf dem olympischen Programm - freilich als reines Männerereignis. Erst 1954 wurde die Loipe für Frauen freigegeben - und auch nur für zehn Kilometer, während die Männer ganz selbstverständlich längst Distanzen bis zu 50 Kilometer zurücklegten. Erst später kam die Frauenstaffel dazu. Inzwischen beträgt die längste Strecke für Frauen 30 Kilometer. In dem verblieben...

Olympia 2018

Die XXIII. Olympischen Winterspiele werden im südkoreanischen Bergstädtchen Pyeongchang und der 40 Kilometer entfernten Küstenstadt Gangneung ausgetragen. In der Höhe sind die Loipen, Pisten, Schneeparks sowie die Bob- und Rodelbahn beheimatet, am Ostmeer die Hallen für Curling, Eishockey, Eiskunstlauf und Eisschnelllauf. Pyeongchang hatte sich zunächst erfolglos für die Spiele 2010 und 2014 bewor...

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Eva Roth

Der Lohn für harte Arbeit

Südkorea war in den 1960er Jahren eines der ärmsten Länder der Welt. In den folgenden Jahrzehnten ist die Wirtschaft rasant gewachsen: Anfang der 1960er Jahre betrug das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf noch 82 Dollar, berichtet Sang Chul Park, Politik- und Wirtschaftswissenschaftler an der Polytechnischen Universität Korea in Siheung. Inzwischen sind es mehr als 30 000 Dollar. Der Reichtum ist also ...

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1960

36 Jahre mussten vergehen, bis die Frauen den Männern auf die olympische Eisschnelllauf-Bahn folgen konnten. 1960 war es soweit: Auf Strecken zwischen 500 und 3000 Meter gingen die Frauen an den Start. Die Männer rannten schon seit Jahrzehnten bis zu 10 000 Meter. Heute traut man den Frauen maximal 5000 Meter zu. Gelaufen wurde damals noch unter freiem Himmel; die Bahn wurde mit Schneehäufchen mar...

ndPlusFelix Lill

Samsung ist überall

Im Frühjahr 1988 wurde in der Weltöffentlichkeit fast täglich diese Frage gestellt: Kann dieses Land friedliche Olympischen Spiele veranstalten? Südkorea, das erstmals die größte Sportveranstaltung des Planeten austragen sollte, erlebte gerade Proteste auf den Straßen und Gewalt gegen Demonstranten. Die Demokratie stand noch auf wackligen Füßen, erst neun Jahre zuvor war der Diktator Park Chung He...

Seite 23

1964

Dass die Frauen gleich bei der Olympiapremiere der Rennrodler 1964 bahnabwärts sausten, war keineswegs selbstverständlich. Erst nach längeren Verhandlungen kam es dazu - begünstigt wohl auch durch den Zeitverzug, weil die 1960 gastgebenden US-Amerikaner aus Kostengründen einfach keine Bob- und Rodelbahn gebaut hatten. Bis heute rodeln die Frauen nur im Einzel, die Männer dagegen im Einzel und im D...

ndPlusPeter Kirschey

Eigene Welten

Es war eine Sensation. Aus dem Munde ihres obersten Führers Kim Jong Un erfuhren die geschätzt 25 Millionen Nordkoreaner zum Jahreswechsel, dass das Jahr 2018 ein bedeutungsvolles für den Norden und Süden sein wird, »weil unser Volk den 70. Gründungstag der Republik als großes Fest begehen wird und in Südkorea die Olympischen Winterspiele ausgetragen werden«. Bis zu diesem Zeitpunkt dürfte die Meh...

Alexander Isele

Kims Propagandasieg

Kim Jong Un schickt 22 Sportler und Zuschauer zu den Olympischen Spielen. Nach all der Eskalationsrhetorik im vergangenen Jahr, wie steht es um den innerkoreanischen Dialog? Beide Seiten misstrauen einander, sind aber aus nationalistischen Gründen und wegen der Staatsräson am Kontakt interessiert. Nordkorea ist besorgt, dass zu viel Annäherung das System untergräbt, und auch Südkorea wappnet ...

Seite 24

1992

Biathlon ist - wie könnte es anders sein - ein Ableger der Militärgeschichte und damit zunächst eine zutiefst männliche Angelegenheit. Deshalb liefen die Herren bis weit ins 20. Jahrhundert in Uniform durchs Gelände, und die Sache hieß lange Zeit Militärpatrouille. Bei der Olympiapremiere 1960 war die Uniform dann schon aus der Mode gekommen, aber von Frauen war weit und breit noch nichts zu sehen...

ndPlusAlexander Isele

Jujee daehan geulkkol

Will man als König zum »Großen« erklärt werden, braucht es eine Legende. König Sejong, vierter Herrscher der Koreanischen Chosŏn-Dynastie, die von 1392 bis zur Kolonialisierung durch Japan im Jahr 1910 regierte, strickte sich seine Legende selbst. Bis 1443 war Chinesisch die einzige Möglichkeit, schriftlich zu kommunizieren. Sejong störte sich daran: »Die Laute unserer Sprache unterscheiden sich v...

Tino Brömme

Bildung um jeden Preis

Yun Seung Hee hat keine Zeit für das olympische Theater. »Ich sehe mir die Clips hinterher an, wenn wir etwas gewonnen haben«, sagt die Gymnasiastin, deren Tagesplan keine großen Sprünge zulässt. Yun ist im letzten Jahr vor der Hochschulzulassungsprüfung. Das ist ein nationales Ereignis jeden November, es wird im Fernsehen übertragen und die fieberhaft erwarteten Ergebnisse der Schüler werden onli...

Seite 25

1998

Hätten die männlichen Schlaumeier der frühen modernen Sportära so etwas wie Freestyle- und Snowboard-Wettbewerbe gekannt, sie wären in Ohnmacht gefallen. Erst recht bei der Vorstellung, dass da auch Frauen zugange sein könnten. Denn die abenteuerlichen, waghalsigen Sprünge, Drehungen und Tricks hätten sie in allen vorsintflutlichen Vorurteilen bestärkt: dass Frauenkörper bei solcher Betätigung ver...

ndPlusOliver Kern

Der kreweldsche Jong

Der gebürtige Krefelder Martin Hyun betreut das olympische Eishockeyturnier, obwohl er seine sportliche Karriere schon vor Jahren beendete. Doch als Zweifel aufkamen, ob Südkorea ein so großes Turnier veranstalten kann, änderte der Sohn koreanischer Einwanderer seine Meinung.

Seite 26

1998

Kaum eine Sportart ist viele Jahrzehnte lang so stark von Männern dominiert worden wie Eishockey. Zwar sind Bilder schon aus den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts überliefert, die weibliche Teams zeigen, aber erst in den 80ern gab es ernsthafte Bestrebungen, einen Wettkampfbetrieb aufzubauen. Für die Frauenvariante des überaus ruppigen Spiels gibt es ein paar spezielle Regeln. Beispielswei...

Karlen Vesper

Tong-il heißt Wiedervereinigung

In den vergangenen Jahren reisten Wissenschaftler und Journalisten aus der einstigen DDR auf die koranische Halbinsel - dorthin eingeladen, um über das Prozedere der deutschen »Vereinigung« zu berichten, über geglückte und missglückte Entscheidungen und deren Folgen. In ihrer Bilanz dürfte das Negativsaldo überwogen haben. Gewiss nicht zur Abschreckung der Koreaner, gleiches zu wagen, sondern weil...

Rainer Werning

Als MacArthur durchdrehte

Sehnlichst hatten die Koreaner gehofft, das Ende des Zweiten Weltkrieges werde ihnen nach 36-jähriger japanischer Kolonialherrschaft endlich die Freiheit bescheren. Doch bereits vor Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde durch Japan am 2. September 1945 hatten sich die Siegermächte USA und Sowjetunion darauf verständigt, Korea entlang des 38. Breitengrads in zwei Besatzungszonen aufzuteilen und a...

Seite 27

2014

Dass die Frauen bei der Olympischen Winterspielen 2014 erstmals von der Schanze springen durften (90 Jahre nach den Männern), haben sie nicht zuletzt ein paar unerschrockenen Vorkämpferinnen zu verdanken. Ein gutes Dutzend Springerinnen hatte Jahre zuvor versucht, die Olympiateilnahme für 2010 juristisch durchzusetzen, war aber gescheitert. Immerhin erregte der Vorgang Aufsehen und erhöhte den Dru...

Volker Kluge

Selten nur Sonnenschein

Manchmal geschehen im Sport auch politische Wunder: Die am 20. Januar in Lausanne ausgehandelte Einigung zwischen Nord- und Südkorea über die Teilnahme an den Winterspielen von Pyeongchang 2018 ist ein Erfolg, auf den vor kurzem noch kaum jemand zu hoffen wagte. Die Vereinbarung sichert die Teilnahme einer nordkoreanischen Mannschaft und bietet die Garantie, dass die Winterspiele friedlich über di...

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mim

Lösung des Denkspiels

»Man sollte auch die Tochter fragen« hieß es am 20./21. Januar. Es ging um ein Gespräch zwischen Vater und Tochter, die eine Übungsaufgabe für ihr Referendariat entwickelte. Egal, ob schriftlich gelöst, wie es die angehende Lehrerin von den Schülern erwartete, oder flink per Kopf, wie es der Vater vorschlug: Das Kind war sechs Jahre alt.Schriftlich ging das so: Wenn das Alter zum jetzigen Zeitpunk...

gra

Andre Länder, andre Wippen

Baduk, wie Go in Korea genannt wird, Janggi und E-Sport prägen aktuell die koreanische Spielkultur. Doch auf der Halbinsel gibt es - siehe auch den Hauptbeitrag auf dieser Seite - weit mehr zu entdecken. Wer weiß beispielsweise schon, dass die Grundidee des weltweiten Dauerbrenners »Mensch ärgere Dich nicht« ihren ältesten Vorläufer im koreanischen Yutnori hat. Entstanden war das Spiel während der...

Carlos Garcia Hernández

Weltmeisterlich

Weltmeister Magnus Carlsen (Norwegen; 27) hat zum sechsten Mal das Tata Steel Turnier in Wijk aan Zee (Niederlande) gewonnen. Es gilt von der Besetzungswertigkeit her als das wichtigste Turnier der Welt. Einfach hatte es Carlsen allerdings nicht, denn er musste im Tiebreak letztendlich gegen Anish Giri (Niederlande; 23) »blitzen«.Das spektakulärste Ereignis dieses Turniers gab es aber nicht in den...

Mike Mlynar

Winterlich

So richtige Wintergefühle konnten bislang noch nicht aufkommen, weder wohlige noch frostige. Denn Winter war einfach noch nicht, zumindest nicht im weiten Umkreis der Gegend, wo immer wieder das »neues deutschland« entsteht. Statt Winter kommen wehmütige Erinnerungen hoch, an knackige Skiurlaube und an Kindertage mit Schlitten, Schneeballschlachten und nicht zuletzt mit Jack London, dessen Bücher ...

René Gralla

Wie K-Pop auf dem Brett

Vielleicht findet sich ja im virtuellen Netz der 90 Knotenpunkte doch die eine und entscheidende Schnittstelle? Nordkoreas Führung wacht bekanntlich streng über ihren Herrschaftsbereich, kontrolliert natürlich auch den Cyberspace. Und doch eröffnet sich gerade im digitalen Paralleluniversum eine versteckte Passage für überraschende bilaterale Kontakte. Das hat mit Janggi zu tun, diesem seit Jahrhu...

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ndPlusKlaus Dietsch

Wo die Zukunft Gegenwart ist

Es sei »kein unmöglicher Traum«, freute sich Südkoreas Präsident Moon Jae In vor Kurzem. »Stellen Sie sich vor: Menschen aus der ganzen Welt, die Sport und Frieden lieben, kommen in Pyeongchang zusammen«, schwärmte er: »Mein Herz erfüllt sich mit Freude, wenn ich nur daran denke, dass auch die nordkoreanischen Athleten zur Eröffnungszeremonie ins Stadion einlaufen, zu gemeinsamem nord- und südkore...

Seite 31
ndPlusKlaus Dietsch

Ein erster Schritt zur Öffnung?

Wer nach Nordkorea reisen will, wird schon gefragt, ob er noch ganz dicht ist. Tatsächlich kann man in dem Land nicht frei herumreisen, als Tourist ist man immer mit Begleitern unterwegs.

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ndPlusChristin Odoj

Ein kurzes Probeleben in Seoul

Familie Lie lebt seit vielen Jahrzehnten in Deutschland und gehört zu den 33.000 Menschen mit südkoreanischen Wurzeln im Land. Schon in den 1970er Jahren setzen sich Kyung-Taek und Soh-Eyn Lie für die Demokratisierung des Landes und eine Wiedervereinigung mit Nordkorea ein.