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Unten links

In regelmäßigen Abständen wird vorgeschlagen, das Bargeld abzuschaffen. Bevor es nichts mehr wert ist, ein paar Tipps, wo man es lässt. Oder besser nicht. In der Offenbar werden Sie es immer und überall los. In der Unnahbar bedient Sie leider niemand. Kommen Sie in die Scheinbar bloß nicht mit Münzen, anscheinend mag man die dort nicht. Gleich daneben in der Unscheinbar sind die kein Problem, aber...

Olaf Standke

Breschen im Bollwerk

Der frühere US-Präsident Bill Clinton nannte Panmunjom einmal den »furchterregendsten Ort der Erde«. Stacheldraht, Elektrozäune und Gräben prägen dort und über rund 240 Kilometer das Bild einer der am schärfsten bewachten, am stärksten verminten, einer der militärisch wie politisch gefährlichsten Grenzen der Welt. 65 Jahre nach Krieg und Teilung haben mit Kim Jong Un und Moon Jae In am Freitag end...

Karlelujah!

Ganz aus der Mode ist Marx nie gekommen, aber so gegenwärtig wie derzeit war er schon lange nicht mehr. An seinem 200. Geburtstag kommt kaum jemand vorbei. Das »nd« will es auch gar nicht und bietet an diesem Wochenende die volle Dröhnung Marx-Lektüre.

Nord- und Südkorea sprechen von Ära des Friedens

Beim historischen Korea-Gipfel am Freitag im Grenzort Panmunjom unterzeichnete Kim mit Südkoreas Präsident Moon Jae eine gemeinsame Erklärung, die eine »neue Ära des Friedens« einläuten soll.

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Simon Poelchau

Das Zuckerbrot danach

Griechenland soll also kurz vor Abschluss des dritten Kreditprogramms ein paar Erleichterungen beim Schuldendienst bekommen, damit es ab August ohne Hilfe auf dem freien Kapitalmarkt bestehen kann. Ende gut, alles gut? Nein. Acht Jahre lang stand das Krisenland unter der Fuchtel der internationalen Geldgeber. Auch wenn die Wirtschaft langsam wieder wächst und der Staat - ohne Berücksichtigung...

Nicolas Šustr

Schluss mit dem Ausverkauf

Der verhinderte Verkauf des Dragonerareals in Berlin-Kreuzberg an einen privaten Grundstücksverwerter im Jahr 2016 war ein zäher und langer Kampf. An der grundsätzlichen Ausrichtung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat sich trotz der Beteuerungen Berliner Politiker von SPD und sogar der CDU bis heute nichts geändert. Das auferlegte Wirtschaftlichkeitsgebot fördert bei der Immobilienabteilu...

Grit Gernhardt

Weniger Gift im Honig

Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam – für viele Menschen werden diese Namen neu sein, auch wenn sie von den betreffenden Substanzen wohl schon einige Mikrogramm gegessen haben. Wer sich Honig aufs Sonntagsbrötchen schmiert, isst die Schadstoffe mit, die die Insekten über Blütenpollen aufnehmen. Die drei Insektizide aus der Gruppe der Neonikotinoide wurden jahrelang verwendet, bis auch EU-B...

Lee Wiegand

Aktivist und Regisseur

In der Redaktion hätten wir beinahe vergessen, dass es noch andere Preise in Deutschland gibt als Echo, Echo, Echo. Alle Newsticker waren voll davon, die Meldung, dass der Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor, Produzent UND Professor Hark Bohm am Freitagabend eine Ehren-Lola verliehen bekommen soll, ist fast untergegangen. Aufgewachsen mit dem immertrüben Nordseewetter auf der Insel Amrum n...

Leo Fischer

Too much information

Macht doch bitte jemand das Licht aus! Muss unbedingt das Elend von Medienmenschen von der Straße zu sehen sein? Leo Fischer über zu viel Glas, zur Schau gestellte Harmlosigkeit und Reflexe aus der Zeit, als wir Spitzmäuse waren.

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Samer Masouh

Ansichten eines Flüchtlings

Wer zu der in Deutschland lebenden Flüchtlingsgemeinschaft Kontakt hat, und zwar hauptsächlich zu den syrischen Flüchtlingen, bemerkt schnell, dass beim Gebrauch des Wortes »Flüchtling« vor allem unter den Intellektuellen eine gewisse Empfindlichkeit herrscht. Statt Flüchtling zu sagen, bevorzugen sie den Gebrauch anderer Wörter wie Neuankömmling. Das wirft Fragen auf. Kennt derjenige, der da...

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Sebastian Weiermann

»Die AfD tritt nach unten und buckelt vor den Mächtigen«

Die LINKE kämpft um das Ruhrgebiet: Am Sonntag wird in Bochum eine Stadtteilkonferenz stattfinden. Der arme Ruhrpott biete »ein enormes Potenzial für linke Politik.« Das Revier ist aber auch eine Hochburg der AfD.

Velten Schäfer

Für ein paar Prozent mehr

Wer noch glauben sollte, Markus Söder sei ungeschickt, wird gerade eines besseren belehrt. Die aktuelle Debatte über christliche Symbole in bayerischen Behörden ist eine Provokationsstrategie der CSU.

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Fabian Lambeck

Was ist heute noch normal?

Was nützt die schönste Theorie, wenn sie keinen Praxisbezug hat? Insofern stand die Tagung »Initiative für ein neues Normalarbeitsverhältnis«, die die Rosa-Luxemburg-Stiftung am Freitag in Berlin ausrichtete, von Anfang an im engen Kontakt zur Praxis. Denn vor dem Konferenzgebäude am Franz-Mehring-Platz hatten die Beschäftigten eines Tochterunternehmens der Berliner Vivantis-Kliniken an diesem Fre...

Robert D. Meyer

Rechte spielen Arbeiterführer

Die AfD entdeckt den 1. Mai zunehmend als Anlass für eigene Veranstaltungen. Besonders im Osten der Republik sind Kundgebungen geplant. Auch Neonazis marschieren wieder auf. Heikel könnte es in Chemnitz werden.

Sebastian Bähr

Normale Leute, die Tee trinken

Die Solidarität von deutschen Linken mit der kurdischen Befreiungsbewegung hat Tradition - ebenso die Repression gegen Kurden und Unterstützer. Der staatliche Umgang mit der PKK wird in Deutschland »immer wieder benutzt, um Grundrechte abzubauen«.

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Olaf Standke

Premiere für Pompeo

Fast hätte es am Freitag in Brüssel eine doppelte Premiere gegeben: Unmittelbar nach seiner Vereidigung ist der neue US-Außenminister Mike Pompeo erstmals zu einem NATO-Treffen mit seinen Amtskollegen nach Brüssel gereist. Nur der neue futuristische Sitz der Allianz, der nach langen und teuren Bauverzögerungen nun 4000 Mitarbeitern und Diplomaten Platz bietet, stand dann doch noch nicht zur Verfüg...

Klaus Joachim Herrmann

Wie kommt Putin in den Kreml?

Der Kreml rüstet zur Amtseinführung des Präsidenten, die russische Regierung befindet sich derweil in Wartestellung. Sie absolvierte am 26. April ihre letzte Sitzung.

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Katja Herzberg

»Absurd, menschenverachtend und falsch«

7000 Geflüchtete harren derzeit in einem Flüchtlingscamps auf Lesbos aus. Das ist keine große Zahl, »wenn wir sie als europäische Aufgabe sehen«, sagt Ska Keller. Und kritisiert, dass Staaten wie Griechenland von Europa allein gelassen werden.

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Athen soll Schuldenerleichterung bekommen

Eurogruppen-Chef Mario Centeno hat Griechenland weitere Schuldenerleichterungen in Aussicht gestellt. Das hoch verschuldete Land ist seit 2010 auf internationale Kredite angewiesen. Zuletzt verzeichnete Griechenland aber wieder Wirtschaftswachstum.

Peter Eßer, Brüssel

Ende für drei Bienenkiller

Es war eine knappe Entscheidung, aber am Ende beschloss der zuständige EU-Ausschuss ein Verbot drei der bienenschädlichsten Insektizide. Doch damit sind keineswegs alle Probleme gelöst.

Guido Speckmann

Gegen das ewige Wachstum

Der 1968 gegründete Club of Rome trug mit seiner ersten Veröffentlichung »Die Grenzen des Wachstums« zum Aufkommen der Umweltbewegung bei. Dabei waren ihm seine ersten Aussagen bald zu radikal.

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Schuldig

Im ersten bedeutenden Urteil wegen sexueller Übergriffe seit Beginn der MeToo-Bewegung ist der US-Entertainer Bill Cosby schuldig gesprochen worden, wie die Staatsanwaltschaft in Montgomery County mitteilte. Damit droht Cosby eine lange Haftstrafe - er könnte den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen. Zahlreiche Stars begrüßten das Urteil. »Endlich etwas Gerechtigkeit für seine Opfer. Mögen s...

Geschichte des Jahres

Harvey Weinstein hat viele Oscar-prämierte Filme gedreht, nun wird der wegen zahlreicher Missbrauchsvorwürfe in Ungnade gefallene Produzent selbst zum Thema eines Films: Die Produktionsfirma von Brad Pitt hat die Rechte für den Film über die Enthüllungen zum Fall Weinstein erworben, wie die »New York Times« bestätigte. Der Film wird demnach nicht nur auf die mutmaßlichen Vergehen Weinsteins eingeh...

Terror? Ach was: nur Hass auf Frauen!

Wie nennt man es, wenn jemand Menschen umbringt, weil er eine bestimmte Gruppe von diesen hasst? Es kommt - so zynisch muss man das leider sagen - darauf an, welche Menschen von wem und warum für todeswürdig gehalten werden. Geht es um Opfer von Tätern, die sich in einem weltweiten Krieg gegen »Kreuzritter« wähnen und im Tatzusammenhang in fremden Zungen »Gott ist groß« rufen, ist es Terrorismus. ...

Jürgen Große

Der Tonfall gekränkter Erzieher

Ein Freund in der ostdeutschen Provinz, Historiker wie der Autor, fand lange keine Anstellung. Nun arbeitet er für eine Stiftung, die das Wort »Aufarbeitung« im Namen trägt. Er ist eine sensible Natur und leidet unter der Eintönigkeit des Liedes, das er für sein Brot zu singen hat. So hält er sich nach Feierabend schadlos. Da liest er die russischen Antiwestler des 19. Jahrhunderts, schwärmt von d...

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Symbiose

Das P.E.N.-Zentrum Deutschland behält seinen Sitz in Darmstadt. Die Schriftstellervereinigung werde Anfang 2019 in ein Haus im Fiedlerweg umziehen, teilte Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) mit. Die derzeitige Unterbringung in der Kasinostraße werde den wachsenden Anforderungen an ein Literaturhaus nicht mehr gerecht.Das Haus im Fiedlerweg 20, das sich unmittelbar an den Osthang der Mathilde...

Realitäten

Der erste kenianische Film, der jemals beim diesjährigen Festival in Cannes gezeigt wird, ist in Kenia verboten. Die Regisseurin des Streifens über eine Liebe zwischen zwei Frauen teilte die Entscheidung der Behörden mit. »Ich bedauere es sehr, ankündigen zu müssen, dass unser Film ›Rafiki‹ in Kenia verboten wurde«, schrieb Wanuri Kahiu am Freitag auf Twitter. »Wir glauben, erwachsene Kenianer sin...

Jan Freitag

Albtraum Traumrolle

Mario Adorf spielt den Mann, den er schon immer verkörpern wollte: Karl Marx. Das macht er gut, doch leider ist der Film das, was den Zuschauern andauernd vorgesetzt wird: melodramatisches Historytainment ohne Tiefgang.

Barbara Thalheim

Das Fahrrad von Deng Xiaoping

Kurz vor meiner Weiterreise nach Noisy-le-Grand fällt mir auf: Da steht ein Bronze-Chinese in Lebensgröße auf der Place du Patis. Eine Skulptur des chinesischen Bildhauers Li Xiao Chao, wie sich herausstellt, der Stadt Montargis gestiftet. Ich frage eine mit Einkaufstaschen bepackte Frau, wer das sei. Sie zuckt die Schultern, sagt im Weitergehen: »Vielleicht ein früherer Bürgermeister, keine Ahnun...

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Michael Müller

Jeder siegt hier - mindestens über sich selbst

Am 28. Mai ist wieder Rennsteiglauf, dieser Massencross erfreut sich weiterhin größter Beliebtheit. Als Ehrenkapitän der nd-Lesermannschaft wird diesmal Bernd Schröder fungieren.

Jan Schröder, Florian Lütticke und Manuel Schwarz, München

Tränen, Titel und Transfers

Red Bull München bleibt die Eishockeymacht in Deutschland. Nach ihrem dritten Titel aber stehen die Bayern vor tiefgreifenden Umwälzungen. Bei Vizemeister Berlin steht der Trainer vor dem Abgang.

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Florian Brand

Mucksmäuschenstill

Am Wochenende fällt in Berlin die Entscheidung in der Schachbundesliga. Der Gastgeberverein Schachfreunde Berlin macht aus der Schlussrunde der Liga ein Schachfestival. Nur an Frauen mangelt es.

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Jérôme Lombard

Polizei rüstet ordentlich auf für den 1. Mai

5300 Einsatzkräfte sollen auch in diesem Jahr am 1. Mai bei Demonstrationen und Festen eingesetzt werden. Innensenator Geisel rief die Berliner dazu auf, den Tag friedlich und politisch zu begehen.

Hakan Taş

Nein zur Diskrminierung

Hakan Taş meint, das Tragen eines Kopftuches sage nichts darüber aus, ob eine Frau emanzipiert ist oder nicht. Wird es allerdings wie mit dem Neutralitätsgesetz verboten, ist dies eine Diskriminierung, die die LINKE nicht mittragen wollen.

Michael Grunst

Religionsfreiheit schützen

Der Bezirksbürgermeister von Lichtenberg fordert, das Berliner Neutralitätsgesetz gegen alle Versuche, Religions- und Weltanschauungsfragen von oben zu diktieren und mit Religion Politik zu machen, zu verteidigen.

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Andreas Fritsche

85 786 Brandenburger arbeitslos

Die Zahl der Arbeitslosen und auch die der Langzeitarbeitslosen ist gesunken. Trotzdem gibt es Menschen, die von keiner Firma eingestellt werden, obwohl sie arbeiten möchten.

Marie Frank

Bibliotheken platzen aus allen Nähten

Berlins Bibliotheken sind völlig überlaufen. Auch das Nutzungsverhalten hat sich durch die Digitalisierung stark verändert. Daten zum Bedarf gibt es bislang jedoch nicht. Das wollen die Grünen ändern.

Nicolas Šustr

Staatsland in Privathand

Ein Filetgrundstück sieht anders aus. Nachdem der Senat eine Marzahner Gewerbefläche nicht wollte, geht sie an einen Investor. Die Neuausrichtung der Liegenschaftspolitik ist dringend angesagt.

Andreas Fritsche

Nichts verraten, nichts gewusst

Im Juli 2000 enthüllte der »Spiegel«, Nazi Carsten Szczepanski sei ein V-Mann. Von ihm hatte das Nachrichtenmagazin das nicht, beteuert Minister Stefan Ludwig im NSU-Ausschuss des Landtags.

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Ein Stück Burgenland

Freyburg. Hoch überm Wein: Blick auf Schloss Neuenburg im Burgenland im Süden Sachsen-Anhalts. Das Schloss ist eine Höhenburganlage am Ostufer der Unstrut - und eine Station an der Straße der Romanik. Unterhalb der Burg liegt das Winzerstädtchen Freyburg. Die Anlage war einst wohl eine der wichtigsten Burgen der Landgrafen von Thüringen. Mit dem Aufstieg der Ludowinger zu einem der mächtigsten Für...

Stimmungstest in Thüringen - Runde II

Erfurt. Die Rathäuser der großen Thüringer Städte sind umkämpft. Bei der zweiten Runde der Kommunalwahlen am Sonntag entscheidet sich, wer dort in den nächsten sechs Jahren das Sagen hat. Erstmals besteht die Möglichkeit, dass ein Kandidat der AfD Oberbürgermeister wird. In Thüringens drittgrößter Stadt Gera steht AfD-Mann Dieter Laudenbach, der bei der ersten Runde der Kommunalwahlen vor zwei Woc...

Joachim Mangler, Rostock

Paparazzi warten in den Wäldern

Wildkameras sind heute kaum aus der Forschung wegzudenken. Doch sie werden längst nicht mehr nur im Wald und auf Wiesen eingesetzt. Mecklenburg-Vorpommerns Datenschutzbeauftragter Heinz Müller rief dieser Tage zu mehr Sorgfalt im Umgang mit Wildkameras auf. »Ihre Verwendung im öffentlich zugänglichen Raum ist so ohne Weiteres nicht zulässig. Und der Wald ist ein öffentlicher Raum«, sagte Müller de...

Hans-Gerd Öfinger

Die Wahltruppe formiert sich

Zum vierten Mal in Folge will Hessens LINKE in den Wiesbadener Landtag einziehen. Und das möglichst mit einer vergrößerten Fraktion, weshalb die nun zu beschließende Wahlliste ziemlich lang ist.

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Hagen Jung

Homann-Werke bleiben vor Ort

Erleichterung bei Homann-Feinkost: Die Produktion wird nicht nach Sachsen verlagert, die bestehenden Werke werden nicht geschlossen. Die gute Nachricht verkündete der Theo-Müller-Konzern, zu dem Homann gehört, am Mittwochmittag auf einer Betriebsversammlung im Stammwerk im niedersächsischen Dissen. Allein dort und in der nahen, ebenfalls im Kreis Osnabrück gelegenen Produktionsstätte Bad Essen-Lin...

Seit Tagen völlig außer Atem

Was erwarten Sie sich vom Gallery Weekend? Beate Baumholzer: Natürlich, dass wir gesehen werden, dass Leute vorbeikommen und sich die Arbeiten anschauen. Wir hoffen auch auf ein gutes Feedback. Und ein paar Verkäufe würden wir uns auch wünschen. Vor allem aber geht es um Kontakte. Warum haben Sie ausgerechnet die »coGalleries« gewählt, in der doch fast schon vollständig gentrifizierten B...

Alexia Angelopoulou, Stuttgart

Lob der Tretmühle

Seit die Steuervorteile für Dienstwagen auf Fahrräder ausgeweitet wurden, besorgen sich immer mehr Mitarbeiter günstig Räder über ihren Arbeitgeber. Und das nicht nur bei Bosch in Baden-Württemberg.

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200 Jahre, 200 Lenze

Daß uns Pastor und Kantor, Küster und Balgentreter; Barbier und Nachtwächter, Flurschütz, Totengräber usw. das neue Jahr eingratulieren, ist eine ebenso alte wie stets sich erneuende Sitte, die uns gleichgültig läßt. Allein das Jahr 1849 begnügt sich nicht mit dem Herkömmlichen. Seinen Eintritt bezeichnete es mit Niedagewesenem, mit einer Neujahrsgratulation des Königs von Preußen. Es ist ein...

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ndPlusFrançois Melis

Als Sektenprediger ungeeignet

Wie Karl Marx vor 170 Jahren seinen 30. Geburtstag am 5. Mai 1848 feierte, wissen wir nicht, zumal seine Frau Jenny mit den drei kleinen Kindern noch in Trier bei ihrer Mutter weilte und sein engster Freund Friedrich Engels, der dem Wein gern zusprach, abwesend war. Dafür ist dokumentiert, was Marx am folgenden Tag unternommen hat. Zusammen mit seinem zukünftigen Mitarbeiter bei der »Neuen Rheinis...

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Der Kampf um mehr Frei-Zeit von der Arbeit

»Ist Wochenschluss bereits am Freitag, dann ist der ganze Samstag Frei-Tag« - mit diesem Bonmot beginnt ein Werbefilm des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) aus dem Jahr 1956 für die Fünf-Tage-Woche. »Fragt nun mancher, wie verbringst du diese schönen Tage, das ja, das ist jetzt die Frage. Nun, da gibt es viele Sachen, die nützlich sind und Freude machen. Hauptsache ist, man spannt mal aus!«Denn ...

Simon Poelchau

Die Außenseiter-Marxisten

»Wir waren immer Außenseiter-Marxisten«, erzählt der linksradikale Vordenker Karl Heinz Roth. Ihm ging es nicht darum, Dogmengebäude zu erbauen, sondern Marx geistiges Erbe als Steinbruch für ihre revolutionäre Praxis zu nutzen.

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ndPlusJudith Dellheim, Lutz Brangsch, Michael Brie und Dieter Klein

Was tun? Wer tut es?

15. April 2018, Berlin Verehrter Dr. Marx, bei jeder großen Krise der globalisierten kapitalistischen Produktionsweise wird ihr »Kapital« zitiert. Wie niemand sonst haben Sie die schöpferische Dynamik und krisenhafte Expansion der kapitalistischen Produktionsweise auf den Begriff gebracht. Sie haben uns den kategorischen Imperativ hinterlassen, alle Verhältnisse umzuwälzen, in denen Mens...

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ndPlusKarlen Vesper

Er ist immer noch da

Was sagen Sie zu dem Unbehagen bestimmter parteipolitischer Kreise gegenüber dem von »den Chinesen« gestifteten Marx-Denkmal in Trier? Es ist ein Geschenk der Volksrepublik an die Stadt. Selbstverständlich darf jeder Unbehagen äußern, wenn er solches verspürt. Das gehört zur politischen Kultur in unserem Land. Was kann uns Karl Marx heute noch sagen? Die Frage ist: Wer sind »Wir«? H...

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Der späte Marx

Marcello Musto ist Dozent für Soziologische Theorie an der York University in Toronto/Kanada. In seinem neuen Buch interpretiert der 42-Jährige die bislang unterbelichteten letzten Lebensjahre und spätesten Schriften von Karl Marx. Seine Forschungsinteressen umfassen auch die Geschichte des sozialistischen Denkens, Entfremdungstheorien und Wirtschaftskrisen. Seine Texte sind in 16 Sprachen erschie...

ndPlusMarcello Musto

Seine letzten, arbeitsamen Jahre

Im Winter war er oft müde und geschwächt. Das Alter begann, seine gewohnte Energie zu beschränken, und seine Frau hatte Grund, über seinen Gesundheitszustand zunehmend besorgt zu sein. Aber er war immer noch Karl Marx. Mit der gleichen Leidenschaft wie immer plagte er sich ab für die Sache der Emanzipation der Arbeiterklasse. Und er tat es mit derselben Methode, die er sich in seinen jungen Jahren...

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Marx und nochmals Marx

Kaum ein Quadratzentimeter in seiner Wohnung in Berlin-Marzahn ist unbesetzt. An den Wänden Poster, Fotos, Bilder, Grafiken, auf den Tischen und in Schränken Skulpturen, Büsten, Püppchen. Nein, nicht nur von Marx. Der Philosoph aus Trier als forsch voranschreitender Wandersmann wird flankiert von einer indischen Grazie, einer japanischen Geisha und einer ägyptischen Bauchtänzerin. Konterfeis des M...

Tom Strohschneider

Polierter Schädel, wallender Bart

Eine Gemeinde im Oderbruch hat eine besondere Beziehung zu Karl Marx: Über wechselnde Namen, mehrere Büsten, den Künstler Fritz Cremer und ein Dramolett, in dem der Philosoph aus Versehen ins New York der heutigen Zeit gerät.

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ndPlusJürgen Bönig

Der Vormarsch der Maschinen

Als das Manuskript des ersten Bandes des »Kapital« fertig war, brachte Karl Marx es persönlich zu seinem Verleger: Der Segelraddampfer John Bull trug ihn im April 1867 binnen zwei Tagen aus der Millionenmetropole London in die idyllische Hafenstadt Hamburg. Dort konnte er zu Otto Meissner in der Bergstraße 26 eine Pferdedroschke nehmen oder einen Omnibus, also ein Pferdefuhrwerk, das auf einer fes...

Seite 26
Peter Porsch

Selbstredendes Dasein

Dass es Marx und noch mehr Engels mit der Sprache und den Sprachen hatten, ist unbestritten. Zu Zeiten des »real existierenden Sozialismus« bemühten sich fleißige Menschen wie einst die mittelalterlichen Mönche, die »Heiligen Schriften« zu durchforsten und alle Belege für die Beschäftigung der beiden mit Sprache zu sammeln und dokumentieren. So entstand im Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK...

Seite 27
Karlen Vesper

Danke, China

Im fernen Äthiopien, in der Hauptstadt Addis Abeba, steht ein Karl-Marx-Denkmal - ein Geschenk der DDR. Wie viele Monumente weltweit an den deutschen Philosophen erinnern, ist nicht bekannt. Der Mühe, sie zu zählen, hat sich wohl noch keiner unterzogen. Während jedoch global nach dem Zerfall des sogenannten Realsozialismus kein bornierter Bilder- und Denkmalssturm erfolgte, hat Marx in Deutschland...

Rolf Hecker

Verrückt nach Marx

Einst würdigte Mao Zedong ihn als »das Geschütz der Oktoberrevolution«, heute stehen Chinesen in Trier Schlange, um die Marx-Ausstellungen zu seinem 200. Geburtstag anzuschauen: Der Ökonom erfreut sich in China großer Beliebtheit.

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ndPlusHermann Klenner

Die erste Diktatur des Proletariats

Nur 72 Tage hat sie gedauert, Frankreichs Pariser Kommune, und doch hat sie Spuren in der Menschheitsgeschichte hinterlassen, die auszulöschen bisher keinem gelungen ist. Das haben neben den Historikern - voran Prosper Lissagary, selbst Kommunarde (dessen bereits 1874 publizierte «Histoire de la Commune» von Marxens Tochter Eleanor ins Engliche übersetzt wurde) - vor allem die Dichter verhindert, ...

Seite 30

Sichern Sie sich Ihren Platz

So langsam kommt die Sache ins Rollen - einige sehr schöne Beiträge zum 16. nd-Lesergeschichten-Wettbewerb unter dem Motto »Lebe Deinen Traum!« sind inzwischen bei uns eingetroffen - lustige, nachdenkliche, besinnliche und auch traurige. Ihre ist dabei? Dann ist ja alles in Ordnung! Ihre noch nicht? Ja, dann sollten Sie sich nun aber langsam Gedanken darüber machen, wie Sie Ihre Geschichte beginne...

Dagmar Schwaab

Der See mit zwei langen Enden

Mein Vater war Geografielehrer und zeitweilig Schulleiter. Als ich fünf Jahre alt war, durfte ich ihn einmal in seinem Direktorzimmer besuchen. Dort beeindruckte mich am stärksten die große Wandkarte von Deutschland. Allein - ich konnte sie noch nicht deuten und fragte nach. Mein Vater erklärte mir: »So wird unser Land abgebildet. Die Ebenen mit den vielen Wiesen sind grün, die Gebirge mit ihren F...

Heidi Diehl

Dinner zu zweit unterm Sternenhimmel

Namen von Hotels sind manchmal unergründlich. Neulich erst schlief ich in einem, dessen Name zwei Buchstaben und eine Zahl waren. Was das bedeuten sollte, war beim besten Willen nicht herauszufinden. Auch als ich das erste Mal in einem Mövenpick-Hotel schlief, grübelte ich über die Bedeutung nach, doch was anderes, als dass eine Möve pickt, fiel mir nicht ein. Umso überraschter war ich, als ich er...

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ndPlusHeidrun Braun

Baronesse und Herzensjenny

Trier hat sich mit dem größten Sohn der Stadt immer etwas schwer getan. Die neun UNESCO-Welterbe-Römerbauten machten doch mehr her als der Philosoph mit seinen aus der guten alten Ordnung fallenden Ideen. So verstrich in der 200-jährigen Karl-Marx-Geschichte manches Jubiläum ohne allzu großes Engagement. In diesem Jahr allerdings zieht die Stadt alle Register - vier Ausstellungen in drei Museen gi...

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ndPlusChristin Odoj

Zwischen Sein und Werden

Die Karl-Marx-Straße in Berlin-Neukölln ist ein eigener Kosmos aus Wettbüros, Schnäppchenparadies und Handy-Shops. Sie bietet alles für Malocher, Studis, Glückssucher und Parkbanksitzer. Eine Straße für Nord-Neukölln eben.

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An den Wänden die Losungen
Matthias Nehls

An den Wänden die Losungen

Vom Pariser Mai ’68 künden heute Legenden, Zeitungen, Fotos, Fernsehmitschnitte, wissenschaftliche Abhandlungen oder gut ausgestattete Bildbände. Zur 50. Wiederkehr erinnert eine Plakatausstellung im FMP1 daran.

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Für eine lebendige Zeitung
Olaf Koppe

Für eine lebendige Zeitung

Aufmerksame Leserinnen und Leser werden registriert haben, dass wir am Mittwoch eine neue nd-Serie gestartet haben: »Leben trotz Studium?!« - über Leben, Wohnen und Arbeiten im studentischen »Kosmos«. Dieses bis Ende Juni laufende publizistische Angebot richtet sich nur vordergründig an die betreffende Zielgruppe, also junge Studierende und ihr Umfeld. Es ist mindestens genauso interessant für uns...

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Michael Müller

»Kalosórisma!« und »Dobrodošli!«

Am Montag dieser Woche sind wir gerade aus Bulgarien zurückgekommen. Acht Tage lang sehen und hören, schmecken, riechen und fühlen eines fernen und uns doch so nahen Landes. So nah vor allem denjenigen Freundinnen und Freunden in der nd-Leserreisegruppe, die in der DDR aufgewachsen sind. Für sie war Bulgarien einst das ersehnte Schwarze-Meer-Urlaubsland, fast schon so exotisch wie Kuba. »Bis nunde...

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Heidi Diehl

Unkrautpesto à la Heidi

Jetzt, wo im Garten alles wächst und blüht, kann man mich mit stierem Blick durch den Garten laufen sehen. Ich bin auf der Suche nach den ersten Kräutern für eine besondere Frühlingsspezialität: Unkrautpesto! Was für manchen wie Igittigitt klingt, lässt mir vor Vorfreude das Wasser im Munde zusammenlaufen. Vogelmiere (sehr nussig), Bärlauch, Brenn- und Taubnesseln, Löwenzahn, Veilchen, Gänseblümch...

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Auch Hollywood fragte schon mal an
Heidi Diehl

Auch Hollywood fragte schon mal an

Eigentlich wollte Angela Wichmann Archäologin werden. Dass sie Jahre später als Leiterin des »nd«-Archivs ebenso in akribischer Kleinarbeit Fälle lösen und recherchieren wird, hätte sie selbst nicht für möglich gehalten.

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Heidi Diehl

Empfehlung

Ohne Bausteine wird man genauso wenig groß wie ohne Märchen. Diese Bausteine hier haben nicht nur eine lange Geschichte, sondern wachsen gewissermaßen auch mit. Das Besondere daran ist, dass sie sich verklammern lassen und so der Möglichkeit, Türme, Häuser und jederlei Fantasiegebäude zu bauen, keine Grenzen gesetzt sind. Die Verklammerung der zweifarbigen, aus massivem Buchenholz gefertigten Stei...

Heidi Diehl

Schöne Dinge und Selbstbewusstsein

Hoch konzentriert bohrt Holger Maahs Löcher in Vierkantstäbe. Jeweils zwei davon wird ein anderer Kollege mit Querhölzern verbinden, sodass am Ende eine kleine Leiter entsteht, die zu einem Spielhaus gehört. Nebenan in der Keramikwerkstatt verwandelt Maria Jäckel eine »nackte« Tonkugel in ein wolliges Schaf, das irgendwann mal ein Hingucker in einem Garten sein wird. Beide haben großen Spaß an ihr...

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Buchempfehlung

Ein farbiger Bewerber um das Amt des US-Präsidenten wäre ohne das, was Martin Luther King jr. vor über 50 Jahren vollbracht hat, heutzutage undenkbar. Wie kaum jemandem vor oder nach ihm, gelang es dem Bürgerrechtler, über ein Jahrzehnt lang die Politik eines ganzen Kontinents zu beeinflussen. Und obwohl Martin Luther King spätestens seit seiner Ermordung im April 1968 zu einer Legende geword...

Die Martin-Luther-King-Story

Sommer 1965: Das formal bestehende Wahlrecht für Afroamerikaner in den USA wird in der Realität des rassistischen Südens ad absurdum geführt. Schwarze sind Bürger zweiter Klasse und täglich Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt. Die Stadt Selma in Alabama ist einer der Orte, an denen sich der Widerstand formt. 1963 wurden bei einem Attentat auf die Baptistengemeinde in Birmingham in Alabama vier s...

I Am Not Your Negro

I Am Not Your Negro

Als der US-Schriftsteller James Baldwin im Dezember 1987 starb, hinterließ er ein 30-seitiges Manuskript für ein Buch, in dem er sich mit den Biografien dreier enger Freunde auseinandersetzen wollte, die alle bei Attentaten ermordet wurden: Martin Luther King, Malcolm X und Medgar Evers. Die persönlichen Erinnerungen an die drei großen Bürgerrechtler verknüpfte James Baldwin mit einer Reflexion de...