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Deutlich mehr Abschiebungen in Maghrebstaaten

Berlin. Die Zahl der Abschiebungen nach Tunesien, Algerien und Marokko ist deutlich gestiegen. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bestätigte am Montag in Berlin einen entsprechenden Bericht der »Bild«-Zeitung. Demnach konnte inzwischen bei allen drei nordafrikanischen Ländern erreicht werden, dass die Identifizierung ihrer Staatsbürger »auf der Basis des Austauschs von biometrischen Daten in...

Unten links

Sollte sich Ihr Hamster einmal bei seinen akrobatischen Übungen im Laufrad ein Bein brechen, dann empfehle ich, ein wenig in der Legokiste zu wühlen. Suchen Sie sich - natürlich nach fachlicher Behandlung des Bruchs - einen Fensterrahmen, ein paar Steine und zwei Räder heraus. Und bauen Sie daraus einen Rollstuhl. So bleibt Ihr Hamster mobil, schont aber sein Bein. Sie meinen, es ist doch sehr unw...

Betrugsverdacht gegen Audi

Ingolstadt. Gegen den Autobauer Audi laufen im Zuge des Abgasskandals nun auch Ermittlungen wegen Betrugsverdachts in Südkorea. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München II am Montag erklärte, geht es dabei um falsch angegebene Fahrgestellnummern. Zuvor hatte die »Süddeutsche Zeitung« über die Vorwürfe berichtet. Demnach soll die Ingolstädter VW-Tochter jahrelang Fahrgestellnummern und Te...

Brasilien steht vor Rechtsruck

Rio de Janeiro. Brasilien steht vor einem Rechtsruck: Ex-Militär Jair Bolsonaro hat den ersten Durchgang der Präsidentschaftswahl mit deutlichem Vorsprung gewonnen und geht als Favorit in die Stichwahl. Sein Konkurrent Fernando Haddad von der Arbeiterpartei (PT) rief zur Verteidigung der Demokratie auf. Der Rechtsradikale kam am Sonntag nach Auszählung fast aller abgegebenen Stimmen auf 46,03 Proz...

Kurt Stenger

Klimaschutz ohne Plan B

Der Bericht des Weltklimarat soll den Entscheidungsträgern Dampf machen, könnte allerdings das Gegenteil bewirken. Erstmals legt die Wissenschaftler nahe, dass man ja gar nicht unbedingt die Emissionen drastisch mindern muss.

Zuschauen kostet die Welt

Incheon. Die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad wird zu einem Wettlauf mit der Zeit. Der Weltklimarat IPCC mahnte am Montag rasches Handeln in allen Feldern und eine Nachbesserung der nationalen Klimaschutzziele an, um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens doch noch zu erreichen. In einem IPCC-Sonderbericht warnen die Autoren zugleich davor, was schon bei einer Erwärmung um 1,5 Grad C...

Marie Frank

Studenten wohnen immer teurer

Immer mehr Studierende konkurrieren um immer weniger Wohnungen und müssen dafür tief in die Tasche greifen. Selbst die günstigsten Zimmer sind heute 70 Euro teurer als die teuersten Unterkünfte acht Jahre zuvor.

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Christof Meueler

»Der Markt regelt nicht alles«

Die kleinen Buchhandlungen und die traditionellen Verlage sterben. Aber die Frankfurter Buchmesse, die heute beginnt, wächst.

Johanna Reinicke und Harald Loch

«Es muss auch jemand im Land bleiben»

Erstes Gespräch (in einer Weinstube oberhalb der Stadt) Herr Kikodze, Ihr Roman «Der Südelefant» spielt in Ihrer Heimatstadt Tbilissi. Darin streifen Sie durch die jüngere Geschichte Georgiens. Wo wollen wir in Tbilissi darüber sprechen? Was schlagen Sie vor? Begleiten Sie mich am besten in eine kleine Kaffee- und Weinstube. Von hier oben sehen Sie auf meine Stadt: Tief unter uns fließt ...

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U.S.

Der Balkon Europas

Der Landesname stammt von Georgos, griechisch für »Ackermann«, oder vom Heiligen Georg (der dieselbe Namenswurzel hat). Das Land, genannt »Balkon Europas«, liegt auf der Grenze zwischen Europa und Asien. Nachbarn sind die Türkei, Armenien, Aserbaidschan und Russland. Im Norden liegt der Große Kaukasus, im Westen das Schwarze Meer. Das alte Georgien bestand aus Königreichen und Fürstentümern; im 19...

ndPlusUwe Stolzmann

Geschichten am Wegrand

Ganz egal, wohin man in dem Land im Kaukasus an der Grenze zwischen Europa und Asien fährt - überall trifft man auf die Überbleibsel der sowjetischen Geschichte.

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Nelli Tügel

Despoten unter sich

Wenn es gegen Geflüchtete geht, bringt Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán gern das Christentum in Stellung gegen eine angebliche Islamisierung Europas. Doch geht es um gute Beziehungen zum Regime von Recep Tayyip Erdoğan - maßgeblich verantwortlich für die reale Islamisierung der türkischen Gesellschaft - ist vom christlichen Bollwerk nicht viel übrig. Ebensowenig wie bei Polens rechter P...

Niklas Franzen

Mit einem Bein im Abgrund

Nur knapp ist Brasilien an der Katastrophe vorbeigeschrammt. Vorerst zumindest. Dass allerdings 46 Prozent der Brasilianer für den offen rassistischen, frauenverachtenden und anti-demokratischen Jair Bolsonaro gestimmt haben, zeugt vom unfassbaren Absturz des größten Staates Lateinamerikas. Der faschistische Präsidentschaftskandidat tritt nun mit breiter Brust in der Stichwahl gegen den Kandidaten...

Marie Frank

Es betrifft uns alle!

Wer schon mal eine Wohnungsbesichtigung in der Großstadt hatte, kennt die Situation: Dutzende Interessierte drängen sich um den Makler und tun so, als würde es sich bei der winzigen Bude nicht etwa um ein überteuertes Drecksloch handeln, sondern um das Schloss Bellevue höchstselbst. Angesichts der Masse an wesentlich besser verdienenden Mitbewerbern kann man seine Unterlagen als Student meist glei...

Uwe Kalbe

Guter Jesuit

Ein guter Jesuit sollte mit beiden Beinen in der Wirklichkeit stehen und einen besonderen Blick für die Armen haben. Dieser Satz war es wohl nicht, der Professor Ansgar Wucherpfennig seinen Posten gekostet hat. Der Jesuitenpater und Rektor der Theologisch-Philosophischen Hochschule Sankt Georgen wurde vom Vatikan in seinem Amt vielmehr deshalb nicht bestätigt, weil er in einem Interview neben dem ...

Noch ist es zu früh, immer schon dagegen gewesen zu sein, meint Bernd Zeller

Ein Aufarbeiter der Merkel-Zeit

Womit nie zu rechnen gewesen wäre, tritt nun ein: Unser heutiger Bericht befasst sich mit Norbert Röttgen. Er hat es geschafft, sich neu zu erfinden. Ein kaum bedeutsamer CDU-Politiker, den niemand nennt, wenn in Umfragen danach gefragt wird, wem man eine stärkere Rolle in der Politik wünschen würde, nicht einmal, wenn suggestiv gefragt wird, ob man Röttgen mehr Kompetenzen wünschen würde, so eine...

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Christoph Müller

Die Wahl zwischen zwei Übeln

Der Sonderbericht des Weltklimarats IPCC zum 1,5-Grad-Klimaziel macht eine Debatte über hochumstrittene Technologien unvermeidlich. Mit diesen soll der Atmosphäre CO2 wieder entzogen werden.

Verena Kern

Umwälzung der Weltwirtschaft

Ob es gelingt, die Erderwärmung unter 1,5 Grad zu halten, hängt vom politischen Willen ab. Theoretisch ist das noch zu schaffen, wie es im neuesten Sonderbericht des Weltklimarats heißt.

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Fabian Hillebrand, Bremen

Aquarius sucht neue Flagge

Hier wurde die Aquarius gebaut, nun kehrten ihre Betreiber nach Bremen zurück. In der Hansestadt berichteten die Seenotretter von SOS Méditerranée von der Suche nach einem neuen Flaggenstaat für das Schiff.

»Kein Koscher-Stempel für Antisemiten«

AfD-Mitglieder riefen am Sonntag die Arbeitsgruppe »Juden in der AfD« ins Leben. Jüdische Organisationen übten Kritik und warnten vor einer Instrumentalisierung.

Jana Frielinghaus

Freiberuflich und prekär

Viele Freiberufler wissen nicht, wie sie von ihren geringen Einnahmen die Beiträge für Kranken- und Rentenversicherung bezahlen sollen. Fachleute diskutierten, wie ihre Lage verbessert werden könnte.

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Oliver Eberhardt

Was geschah mit Jamal Khashoggi?

In der Türkei wird seit Tagen ein Journalist vermisst; die türkische Polizei vermutet, er sei im saudischen Konsulat ermordet worden. In Riad bestreitet man dies.

Thomas Roser, Sarajevo

Bosnien stimmt für den Stillstand

Muslime, Serben und Kroaten haben in Bosnien für die vertrauten Platzhirsche gestimmt. Nur die Schlappe von Kroatenführer Covic könnte das labile Staatslabyrinth in eine noch tiefere Krise führen.

Felix Jaitner

Frostige Beziehungen

Der Petersburger Dialog bestätigt vor allem eines: Die deutsch-russischen Beziehungen kommen nicht voran. Eine Ausnahme ist das Gasgeschäft.

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Olaf Standke

Kabul: Mehr zivile Opfer

Kein Stein werde auf dem anderen bleiben, drohte Taliban-Sprecher Sabihulla Mudschahid am Montag in einer auf Englisch verfassten Erklärung zu den Parlamentswahlen in Afghanistan am 20. Oktober. Die Radikalislamisten wollen vor allem mit verstärkten Angriffen auf Sicherheitskräfte den Ablauf stören. So wie bei den Gefechten am Wochenende, als sie u.a. in der Provinz Wardak ein Gebäude der Lokalreg...

Denis Trubetskoy, Kiew

Kiew setzt auf Ukrainisierung

In der Ukraine wurde dieser Tage ein Sprachgesetz verabschiedet, das eine noch stärkere Ukrainisierung des öffentlichen Raums zur Folge hätte. Experten vermuten ein Ablenkungsmanöver.

Torge Löding, São Paulo

Ringen um Demokratie geht in die zweite Runde

Der ultrarechte Kandidat Jair Bolsonaro hat die erste Runde der Präsidentschaftswahlen in Brasilien gewonnen. Seine Partei legte auch bei den Gouverneurswahlen zu. Doch auch die Linke hat noch Chancen in der Stichwahl.

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Nobelpreis geht an Klimaforscher

Stockholm. Der diesjährige Wirtschaftsnobelpreis geht an die beiden US-Ökonomen William D. Nordhaus und Paul M. Romer. Sie werden zusammen für ihre Arbeiten rund um Klimawandel und technologische Innovationen ausgezeichnet. Dies gab die Königlich-Schwedische Wissenschaftsakademie am Montag in Stockholm bekannt. Die Forschung der Amerikaner habe erheblich zu einem besseren Verständnis von nachhalti...

Bernd Schröder

Südpazifisches Flüssiggas für China

Papua-Neuguinea hat bislang Pro-bleme bei seiner Erdgasförderung. Doch nun könnte der Inselstaat im Südpazifik aus dem Handelskonflikt zwischen den USA und China Kapital schlagen.

Ralf Klingsieck, Paris

Organisierte Steuerflucht

Der Schweizer Großbank UBS droht in Frankreich eine Milliardenstrafe: Das Institut muss sich seit Montag vor dem Pariser Strafgericht in einem der größten Steuerbetrugs-Prozesse des Landes verantworten.

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Alexander Isele

Rohstoff Kaffeebohne

In Deutschland wächst kein Kaffee - für den morgendlichen Muntermacher müssen Bohnen nach Berlin, Hamburg oder München importiert werden. Kaffee ist ein Exportschlager des afrikanischen Kontinents. Jährlich werden von dort Bohnen im Wert von 1,8 Milliarden Euro in die Welt verschifft. Allerdings: Aus Deutschland werden jedes Jahr Kaffeeprodukte im Wert von 2,2 Milliarden Euro exportiert. Kaffee is...

Tobias Lambert

Für eine kritische Theorie des Südens

In dem auf Deutsch erschienen Buch »Epistemologien des Südens« kritisiert de Sousa Santos die westliche kritische Theorie. Sie vermag esnicht, die linken Kämpfe im Globalen Süden einzuordnen.

ndPlusPhilipp Hedemann, Funafuti

Mit Sand, Diplomatie und Gebeten

Die Umsiedlung der Bevölkerung von Tuvalu wird als allerletzte Option erachtet, sollte das Überleben wegen der Folgen der Klimaerwärmung dort nicht mehr möglich sein. Noch ist es nicht so weit.

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Martin Kröger

Gedenkstätte läuft wie immer

Trotz der Turbulenzen auf Führungsebene durch Vorwürfe sexueller Belästigung in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, geht für die Besucher alles seinen gewohnten Gang. Befürchtungen, dass die Erinnerungsarbeit leiden könnte, bewahrheiteten sich nicht.

Julian Seeberger

Klaus Lederer will Leitung ausschreiben

Die jüngst erfolgte Entlassung Hubertus Knabes und Helmuth Frauendorfers von der Leitung der Gedenkstätte Berlin-Höhenschönhausen beschäftigte am Montag den Kulturausschuss.

Johanna Treblin

Erst die Wohnung, dann die Hilfe

Der Senat startet ein neues Hilfsprogramm für Wohnungslose. »Housing First« wurde bereits in den 90er Jahren in den USA entwickelt. In Europa wird der Ansatz erst vereinzelt vertreten.

Tomas Morgenstern

Es geht um Bildung und Pflege für alle

Die soziale Infrastruktur Berlins hält mit der wachsenden Stadt nicht Schritt. Kitas, Schulen und dem Pflegebereich fehlen Geld, Personal und Räumlichkeiten. Der Sozialgipfel 2018 fordert ein Umsteuern.

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Anja Sokolow

Geflüchtete helfen Geflüchteten

Viele Flüchtlinge haben psychische Probleme. Doch nicht jeder braucht professionelle Hilfe. Vielerorts helfen sich Flüchtlinge gegenseitig - manchmal reicht schon reden.

Stolz hinterm Steuer
ndPlusNicolas Šustr

Stolz hinterm Steuer

Wie eine zweite Hochzeit habe sich die erfolgreiche Abschlussprüfung zum Busfahrer bei den Berliner Verkehrsbetrieben angefühlt, berichtet der Syrer Mohamad Al Said. Er kam vor dreieinhalb Jahren nach Berlin.

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Umzug in Schloss Friedenstein

Gotha. Nächster Schritt beim Großbauprojekt »Barockes Universum Gotha«: Seit Monatsanfang ist der Westflügel von Schloss Friedenstein in der thüringischen Stadt für Besucher geschlossen. Der Gebäudeabschnitt muss geräumt werden, damit 2019 die Dachsanierung beginnen kann. Wie sich bei Untersuchungen herausstellte, ist das von Pilzen befallene Dach stark beschädigt. Insgesamt 60 Millionen Euro stel...

Altanschließer unterliegt vor Gericht

Cottbus. Wer nicht rechzeitig Widerspruch einlegte, bekommt die rechtswidrig verlangten Beiträge für alte Kanalanschlüsse nicht zurück. Das Verwaltungsgericht Cottbus wies die Klage eines sogenannten Altanschließers gegen den Märkischen Abwasser- und Wasserzweckverband (MAWV) ab. Das Urteil bilde eine Leitentscheidung für annähernd 300 Fälle, teilte das Gericht am Montag mit. Gegen den Richterspru...

Was von der Wiesn bleibt

München. Das Oktoberfest hat der Stadt München in diesem Jahr 95 Tonnen Müll eingebracht. Das sind fünf Tonnen mehr als 2017, die auf der Theresienwiese von der Straßenreinigung zusammengekehrt und abtransportiert wurden, wie die Stadt am Montag mitteilte. Pro Nacht waren den Angaben zufolge bis zu 25 Mitarbeiter im Einsatz, insgesamt 1700 Kubikmeter Wasser wurden verbraucht, um die Wege zu säuber...

Theater suchen dringend Kleindarsteller

Halle. Viele Theater müssen verstärkt um geeignete Statisten buhlen, auch in Sachsen-Anhalt. »Wir brauchen oft Statisten und unser Pool wird immer kleiner und spezifischer«, sagte der Sprecher des Nordharzer Städtebundtheaters, Daniel Theuring, in Halberstadt. Auch anderen Bühnen in Sachsen-Anhalt geht es so. Die Entschädigungen für die Kleindarsteller fallen meist gering aus, die Probezeiten sind...

Wilfried Neiße

Bewegung hinauf aufs Siegertreppchen

18 Medaillen errangen märkische Schüler bei den diesjährigen Wettbewerben »Jugend trainiert für Olympia« und »Jugend trainiert für Paralympics«. Die sportlichste Schule steht in Neuruppin.

Marco Hadem, München

Wiedergänger vorm Maximilianeum

Nach fünfjähriger Landtagsabstinenz könnte die FDP schon bald den Wiedereinzug ins Münchner Maximilianeum schaffen. Spitzenkandidat Hagen hat dafür klare Pläne und auch eine Notfallstrategie.

Andreas Fritsche

Neue Gesichter für den Landtag

Die Nominierungen für die Landtagswahl am 1. September 2019 laufen langsam an. Es werden Direktkandidaten bestimmt. Ihre Landesliste will die LINKE Anfang kommenden Jahres aufstellen.

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Gedenktafel für Günter Pfitzmann

Der Schauspieler und Kabarettist Günter Pfitzmann (»Praxis Bülowbogen«) bekommt 15 Jahre nach seinem Tod eine Gedenktafel in Berlin. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) will die Tafel am Montag, den 15. Oktober in der Zietenstraße 22 in Schöneberg enthüllen. Dort befand sich die Praxis der ARD-Fernsehserie »Praxis Bülowbogen«, mit der Pfitzmann einer der beliebtesten Darsteller der Bundesrepublik ...

Usedomer BäderCard wird verlängert

Heringsdorf. Mehr als 100 000 Urlauber und Einheimische haben innerhalb von zwei Monaten die kostenlose KaiserbäderCard für den Busverkehr der Usedomer Bäderbahn (UBB) auf der Insel Usedom genutzt. Das Ergebnis übertreffe alle Erwartungen, sagte Thomas Heilmann, der Kurdirektor der drei Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin. Wenn man davon ausgehe, dass durchschnittlich drei Personen in eine...

Die fotografische Wende

Warum hören etliche Fotografen und Fotografinnen mit Bildjournalismus oder Auftragsfotografie auf und gehen Richtung Kunst? Wie oft wiederholt sich dieser Wandel? Spielen dabei persönliche Zweifel am Medium eine Rolle? Bedeutet diese Veränderung zugleich einen Neuanfang? Eine Podiumsdiskussion mit Screening im Ballhaus Ost beschäftigt sich am heutigen Dienstag mit diesen Fragen. Die Veranstaltung ...

Aus einer anderen Galaxie

»Extraordinary Alien« heißt die Veranstaltung der Komponistin Fatima Al Qadiri und der Künstlergruppe »Transforma«. Das Event findet im Rahmen von »The New Infinity« statt, einer Programmreihe der Berliner Festspiele/Immersion in Kooperation mit dem Planetarium Hamburg. Der Titel »Extraordinary Alien« bezieht sich auf eine Bezeichnung in der Klassifizierung von USA-Künstlervisa: »Alien with extrao...

Kunst ist Kunst

Zum 200. Geburtstag des Schriftstellers Theodor Fontane (1819-1898) im kommenden Jahr haben Künstler den Dichter und sein Werk mit eigenem Schaffen kommentiert. Die Ausstellung trägt den Titel des Fontane-Zitats »In Anschauungen bin ich sehr tolerant, aber Kunst ist Kunst«. Sie zeigt rund 150 Skulpturen, Fotos, Grafiken und Bildern von 23 regionalen und überregionalen Künstlern. Die Schau wurde am...

Neue Stadt auf alter Zeche geplant

Nach dem Aus für den Steinkohlenbergbau muss für die riesigen Flächen eine neue Nutzung gefunden werden. So soll etwa zwischen Essen und Bottrop ein neues städtisches Zentrum entstehen.

Hagen Jung

Luther oder Leiche

»Malerfürst« Markus Lüpertz soll ein Buntglasfenster schaffen, das Altkanzler Gerhard Schröder der Marktkirche in Hannover schenken will. Doch die Sache droht an einer Urheberrechtsfrage zu scheitern.

Tom Mustroph

Ästhetik einer vergangenen Maschinenwelt

Wer noch einmal alte Glühbirnen sehen will oder Sendertechnik für Radioprogramme, die nicht über das Internet übertragen werden, der ist im Industriesalon Schöneweide richtig. Die bereits in den 1980er Jahren angelegte Sammlung des Werks für Fernsehelektronik (WF), die nach der Wende und der unmittelbar darauf folgenden Deindustrialisierung auch um Objekte aus den benachbarten Elektrobetrieben ang...

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Die Angst der Deutschen

Das Haus der Geschichte Bonn beleuchtet die gesellschaftlichen Sorgen und Beklemmungen der Deutschen. Die Ausstellung »Angst - Eine deutsche Gefühlslage?« frage nach der Entstehung und Verbreitung kollektiver Ängste, erklärte das Museum. Ab Mittwoch sind mehr als 300 Exponate zu sehen, darunter ein Motivwagen vom Rosenmontagsumzug, ein Brettspiel oder Buttons, die früher Jeansjacken von Aktivisten...

Auszeichnung für Bülent Ceylan

Der Comedian Bülent Ceylan erhält den Deutschen Lesepreis 2018. Der 42-jährige gebürtige Mannheimer werbe seit Jahren bei Auftritten im Fernsehen und vor Schülern für das Lesen, sagte der Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, Jörg F. Haas, am Montag zur Begründung. Ceylans Bekanntheit sei ein »unschätzbarer Türöffner«, um Kinder für das Lesen zu begeistern. Die Auszeichnung ist mit 25 000 Euro ...

Trauerfeier in Barcelona

Die Musikwelt hat mit einer Trauerfeier in Barcelona Abschied von der spanischen Operndiva Montserrat Caballé genommen. Zu der Zeremonie war viel Prominenz aus Politik und Kultur in die Heimatstadt der weltberühmten Sopranistin gereist. Die Sängerin war am Samstag im Alter von 85 Jahren in einem Krankenhaus in der katalanischen Metropole gestorben. Bei der Feier erklang aus Lautsprechern noch einm...

hds

Leidend und Lenin

Dieser Schauspieler wird, so lange Erinnerung reicht, Pinneberg bleiben. Der kleine Angestellte im deutschen Krisengetriebe. Dem großen Gespenst der Zeit ausgeliefert, der Arbeitslosigkeit. Er wird davon überfallen wie von einem Virus, das zum Fieber führt: »Kleiner Mann - was nun?« von Hans Fallada, 1967 in Adlershof zum TV-Ereignis gemacht - in einem Mehrteiler von Hans-Joachim Kasprzik. Der Fil...

Fabian Hillebrand, Leipzig

Im Wendewunderland

Das Erinnern an den Anschluss der DDR gleicht bei vielen Veranstaltungen mehr einen Marketingevent als einem kritischen Gedenken. Das hat Folgen – und befördert die Instrumentalisierung der Erinnerung durch die AfD.

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Alfred Kubin

Der österreichische Zeichner Alfred Kubin und seine Verbindungen zur Künstlergruppe Blauer Reiter stehen im Mittelpunkt einer Ausstellung im Münchner Lenbachhaus. Kubin (1877 - 1959) werde oft als Gründungsmitglied der Vereinigung genannt, seine konkreten Beziehungen zu dem Künstlerkreis seien jedoch so gut wie unbekannt, teilte die Städtische Galerie am Montag in München mit, wo die Ausstellung b...

Feiern in Weimar

Fast 100 Jahre nach der Gründung des Staatlichen Bauhauses macht sich die gleichnamige Universität in Weimar auf zu neuen Ufern. Bauhaus-Semester, Jubiläumsfest, Studierenden-Projekte, Tagungen, Ausstellungen: »Das Bauhausjubiläum ist eine Art Neustart für uns«, sagte der Präsident der Bauhaus-Universität Winfried Speitkampf der Deutschen Presse-Agentur. Die Fragen »Was sind wir und was wollen wir...

Roberto Becker

Traumata und Königin

In Paris gab es als Auftakt der Opernsaison zwei Werke, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Giacomo Meyerbeers »Hugenotten« in der wuchtigen Bastille und die Uraufführung von Michael Jarrells »Bérénice« im altehrwürdigen Palais Garnier. Der Chef des Orchesters Philippe Jordan widmete sich der Opernnovität - den französischen Opern-Blockbuster überließ er Michele Marlotti. Dass die Grand opér...

Jürgen Roth

Gott lacht unser in seinem Himmel

Dass ein Dichter wie Eckhard Henscheid, dessen weitgespanntes und glücksspendendes Werk in seinen polemisch-satirischen Partien »wider die neblichte Geschwätzigkeit« gerichtet ist, ein schmales, im besten altertümliche Sinne weithin erbauliches Buch mit dem Titel »Aus dem Leben der Heiligen - Neue Legenden« schreibt, vermag nicht zu erstaunen. Denn neben dem Sujet der Verlaberung der vergammelnden...

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Jonas-Erik Schmidt

Alles grundsolide

Carolin Kebekus wirkt wirklich überrascht - und das ist eigentlich die größte Überraschung. »Das ist jetzt total bescheuert, ne? Weil ich das Ding hier moderiere«, stellt die Komikerin fest. Sie hat gerade den Deutschen Comedypreis in der Kategorie »Bestes TV-Soloprogramm« bekommen (»Carolin Kebekus live! - AlphaPussy«, RTL) - und ist nebenbei auch noch Moderatorin der zugehörigen Gala am Sonntaga...

Thomas Roser, Belgrad

Zunehmend bedrängt

Ein grausamer Mord schockiert Bulgarien. Wurde Wiktorija Marinowa zum zufälligen Opfer eines Verbrechens, oder wurde der 30-jährigen Reporterin des privaten TV-Senders TVN ihr Journalistenberuf zum Verhängnis? Alle Spuren würden verfolgt, versicherte am Wochenende ein Sprecher der Polizei in der nordbulgarischen Donaustadt Ruse. Die besten Ermittler des Landes seien auf den Fall angesetzt, verspri...

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Bodo Ramelow

Wir schauen nicht weg

Immer wieder finden in Thüringen Rechtsrockkonzerte statt. Über den Umgang damit gibt es eine kontroverse Debatte. Sie bezieht sich auch auf verdecktes Ermitteln in der Naziszene und auf Polizeigewalt.

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Sicherheitslücken bei olympischen Dopingkontrollen

Pyeongchang. Nach einem Bericht der ARD hat es bei Dopingkontrollen während der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang »gravierende Sicherheitslücken« gegeben. Den Verdacht sollen dem Sender zugespielte Videos stützen. Die Aufnahmen stammten von einem Betreuer und zeigen, wie er in einer Kontrollstation unbeobachtet Unterlagen durchblättern und den Kühlschrank öffnen kann, in dem Behälter mit Dop...

Nikolaj Stobbe, Buenos Aires

Die Athleten wagen den Aufstand

Auch in Buenos Aires bekommt IOC-Präsident Thomas Bach den Gegenwind vieler Sportler zu spüren. Die Athletenverbände fordern bei der IOC-Session mehr Mitsprache.

Martin Ling, Valencia

Mittelmeerklassiker mit argentinischem Akzent

Die Partie zwischen Valencia und Barcelona ist eines der prestigeträchtigsten Duelle der spanischen Liga. Mit dem 1:1 verspielte Barça die Tabellenführung und liegt nach acht Spieltagen jetzt ein Punkt hinter Spitzenreiter Sevilla.

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Blume des Jahres

Hamburg. Sie erblüht lilafarben und mag vor allem sandige, magere Böden: Die Besenheide ist die Blume des Jahres 2019. Das hat die Loki-Schmidt-Stiftung zusammen mit Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan am Montag bekanntgegeben. Das Heidekraut steht auf der Hamburger Roten Liste für bedrohte Arten. Sie kann bis zu 40 Jahre alt und bis zu einem Meter hoch werden. Den Namen Besenheide erhielt die Pfl...

Elizabeth Law und Danni Zhu

Kindergärtner mit blinkenden Herzaugen

Peking. Kichernd scharen sich chinesische Kindergartenkinder um ihren Erzieher - einen 60 Zentimeter kleinen Roboter mit einem Bildschirm als Gesicht. Keeko ist schon in mehr als 600 Kindergärten in ganz China ein Erfolg, er erzählt Geschichten oder stellt die Kinder vor Logikaufgaben: Heute sollen sie ihm den Weg durch eine imaginäre Wüste weisen, indem sie quadratische Matten zu einem Pfad zusam...

ndPlusReiner Oschmann

Friedhof der Untoten

Auf einer Sandbank vor der belgischen Küste ruhen nur fünf bis zehn Meter unter der Wasseroberfläche deutsche Giftgasflaschen. Diese sollen bald mit einer zeitgemäßen Überbauung gesichert werden.

Seite 21
Irmtraud Gutschke

Was immer Menschen widerfahren kann

Georgien zu Gast auf der Frankfurter Buchmesse: Wir begrüßen den Ehrengast mit einer Verbeugung vor seinem Nationalepos. Schota Rustaweli soll es zwischen 1196 und 1207 auf Geheiß der Königin Tamar verfasst haben. Tilman Spreckelsen hat es nacherzählt. Kat Menschik hat prachtvolle Bilder dazu gemalt (mehr darüber auf der nächsten Seite). Von Liebe und Leidenschaft, Trauer und Trotz ist darin die R...

Seite 22
ndPlusIrmtraud Gutschke

Die Dame hinter dem Schleier

Ob er gar der heimliche Geliebte der legendären Königin Tamar gewesen ist? Beide haben sie um 1200 gelebt. Schota Rustaweli erzählt ja auch von der Liebe eines Ritters zu einer Prinzessin, eigentlich von zwei Kriegern und zwei Königstöchtern. • Der Held im Pardelfell. Eine georgische Sage von Schota Rustaweli. Erzählt von Tilman Spreckelsen und illustriert von Kat Menschik. Galiani Berlin. 2...

Friedemann Kluge

»Es ist die Liebe, die die Erde zum Drehen bringt«

»Am Anfang war das Wort.« Der Beginn des Johannes-Evangeliums, der auch Goethes Faust beschäftigte, zieht sich durch das Riesenwerk Dotschanaschwilis, um am Ende an der Oberfläche zu erscheinen. Aber was der Autor auf fast 700 Seiten an Geschichten auftürmt, wie er sie miteinander verknotet, sie ad absurdum führt - das ist doch Kafka und Tolkien und, an den absurdesten Stellen, Ionesco! • Gur...

Barbara Weidle

Eine Stadt aus 1001 Nacht

Tbilissi sei das neue Berlin, ist oft zu hören. Da ist durchaus etwas dran - der Techno-Club Bassiani, stylische Restaurants und Cafés, junge Mode, hoch aufragende Hotelbauten, große Museen und eine lebendige Kunstszene, der Prachtboulevard Rustaweli mit seinem europäischen Gründerzeitglanz. In Kontrast dazu sowjetische und postsowjetische Wohnblocks und graue Straßenzüge mit zumeist unrenovierten...

Seite 23
Sabine Neubert

Am Ende sind alle Verlierer

Unser Land habe viele unverheilte Wunden, hat kürzlich ein rumänischer Schriftsteller gesagt. Noch mehr trifft dies auf das durch Krieg und Korruption in den letzten Jahrzehnten gebeutelte Georgien zu. Es ist ein düsteres, ja schwarzes Bild vom unteren gesellschaftlichen Rand der Stadt Tiflis, das Davit Gabunia hier malt, und das Geschilderte spielt sich fast nur in den Nachtstunden ab. • Dav...

Irmtraud Gutschke

Was Freundschaft vermag

Sein Vater sei der letzte Khan von Kirbal gewesen, heißt es über Islam Sultanow, den titelgebenden Filmvorführer in diesem Roman. Das sei ein kleines gebirgiges Land in Mittelasien. Den ganzen Roman über wird man rätseln, von wo genau dieser Fürstensohn nach Georgien kam und welcherart die Schriftzeichen waren, die einem jungen sowjetischen Soldaten in Afghanistan das Leben retteten. • Aka Mo...

Seite 24
Peter Slama

La Paloma und Panzerwäsche

Schon immer hat die Musik in den Büchern des Dresdner Schriftstellers Rudolf Scholz die dominierende Rolle gespielt. Man muss sich nur einmal die Titel seiner Bücher anschauen, welche der Dingsda Verlag seit Anfang der 1990er Jahre herausgegeben hat: »Mein lieber Herr Gesangverein«, »Tokkata im Zwielicht« oder »Ein wunderbar verstimmtes Klavier« und andere. • Rudolf Scholz: Dahlienwalzer. Rom...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Post vom Tanzbär

Der Schutzumschlag schützt nicht, er legt offen. Und zwar just das, was Eberhard Esche im Innern des Buches gesteht: Auch die Bescheidenheit sei eitel. So heißt dieser Band zwar »Der Kunst zu dienen«, aber das Cover-Foto zeigt den Autor herrscherlich auf güldenem Stuhl sitzend, einem Throne sehr ähnlich. Es sieht nach Bühnenmitte aus. Was sonst? • Eberhard Esche: Der Kunst zu dienen. Briefe a...

ndPlusHelmut Höge

Keine Zufälle, nur Geschichten

Der Schriftsteller, Künstler und Kulturwissenschaftler Steffen Mensching hat mit »Schermanns Augen« einen Gulag-Roman veröffentlicht. Geht das überhaupt - nach all den Lagerberichten von ehemaligen Häftlingen - angefangen mit Ginsburg, Solschenizyn, Schalamow? Oder noch früher mit Dostojewskis sibirischem Erfahrungsbericht oder Tschechows Feldforschung auf der Sträflingsinsel Sachalin. • Stef...

Seite 25
Sabine Neubert

Fluchtstücke

Dies ist ein Buch der Unruhe, des Unterwegsseins, des Verlierens, aber auch des Findens. Viele individuelle Geschichten, Wege und Schicksale mehrerer Generationen sind zu einer größeren Erzählung verknüpft, die sich am Ende an einem magischen Ort in einer vagen Gegenwart oder Zukunft verflüchtigt, im Übrigen aber sehr real und realistisch ist und die großen Jahrhundertereignisse zusammenbindet. ...

Hans-Dieter Schütt

Alles dreht sich, alles kostet

Wie leicht das doch alles ist! Man muss es sich nur einreden. Das Bewusstsein schafft das schon, es ist geschmeidig - das Bewusstsein schafft wesentlich das Sein. Durch Selbsteinflüsterung fühlt man sich also ganz schnell als das, was man doch nie war: schuldfrei. Eines Tages kommt da kein noch so drängendes Gewissen mehr ran. Als hätte zwischen Tag und Wiedertag nicht die schlimmste Finsternis ge...

Seite 26
ndPlusKurt Stenger

Auf der Flucht vor den Bitcoin-Gegnern

»Kill Satoshi Nakamoto!« Es ist immer blöd, Leute beim Aushecken von kriminellen Plänen zu belauschen und dabei bemerkt zu werden. Aber wenn diese nicht etwa eine kleine Gangstertruppe vom Schlag der Olsen-Bande sind, sondern ganz finstere Mächte mit internationalem Wirkungskreis, dann wird es richtig brenzlig. Diese lassen sich auch nicht mit der Ausrede besänftigen, man habe den Inhalt des Auftr...

Silvia Ottow

Wenn der Wolf kommt

»Zwei gerissene Kitze südlich von Hasserode, Drängetal. Augenscheinlich Wolfsangriff. Laufspuren im Boden deuten auf geschnürten Trab. Biss in die Drossel. Außer den vier Eingriffslöchern der Fangzähne in der Decke keine weiteren äußeren Verletzungen. Vermutlich ein Einzelgänger. Ich sichere die Spuren.« Mit fachmännischen Worten schildert Förster Stefan Wildhage seinem Vorgesetzten die Lage. Wir ...

ndPlusChristof Meueler

Das ist Sendegold!

Eine der größten Ablenkungsaktionen des Kapitals ist die Sache mit den Flüchtlingen. Als wenn es wegen ihnen ständig mehr Nazis geben würde. Nazi ist noch mal wer? Hermann L. Gremliza hat es in der Septemberausgabe von »Konkret« auf den Punkt gebracht: »Nazi ist jeder Bürger, den es weniger besorgt, Ausländer und ihre Heime brennen zu sehen als Autos. Nazi, Zugabe, ist auch der Waagscheißer, der, ...

Seite 27
Irmtraud Gutschke

Ach, Helene ...

Als sie am Fenster stand und einen riesigen Clown vorbeischweben sah, glaubte sie tatsächlich für Momente, dass sich etwas ändern könnte. Zum Besseren? »Der jüngste Tag, denkt sie.« Das Clownsgesicht wurde als Kulisse für »Ferdi Müllers Riesenschiffschaukel« zur Maimesse gefahren. Dass sie dorthin gehen wird, ist allerdings unwahrscheinlich. Sie muss ja sogar den Kopfsalat vor ihrem Mann verstecke...

ndPlusKlaus Förster

Turbulenzen am Tegernsee

Alles beginnt mit einem Anruf. Klaus Lott, eben noch Kriminalhauptkommissar, nun frisch pensioniert, soll seiner einstigen Freundin Ilse in Rottach-Egern helfen, die verschwundene Tochter zu finden. Beide haben jahrzehntelang nichts voneinander gehört, aber damals, 1969, haben sie dort, am Tegernsee, auch Mary Tucholsky besucht, die in ihrem Häuschen am Rande des Orts das Kurt-Tucholsky-Archiv ges...

Werner Jung

Vom Tod ins Leben

Gewiss - einige zeitspezifische Referenzen gibt es im neuen Roman von Thomas Hürlimann: der Herbst ’89, das Geburtsjahr 1950 des Erzählers, sein unambitioniertes Studium in Zürich während der 70er Jahre. Nur - erklärt ist damit gar nichts. Denn dieser allwissende Erzähler ist beileibe kein unzuverlässiger Erzähler, sondern versiert, reflektiert und auch humoristisch. Thomas Hürlimann versucht schi...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Dasein und Entschweben

Der Zweifel an Gott bringt ihn am deutlichsten hervor. Und: Im Nicht-Denkbaren liegt der Schöpfungsbeweis. Und: Auf Offenbarung kann man nicht antworten. Und: Jeder Weg hat nur ein einzig lohnendes Ziel: die Gabelungen ... Ja, was einem plötzlich, über diesem Büchlein sitzend, so durchs Gemüt geht! Ich lese und - schwimme in einem Rausch der Flüsterungen. Ich lese und - schwebe von Bestürzung zu B...

Seite 28
ndPlusHannah Klein

Der große Bear Bavinsky

Eigentlich ist der Protagonist und Held des Romans nicht der gefeierte Maler Bear Bavinsky, sondern sein Sohn Charles, vom Vater jovial Pinch oder Kiddo genannt. Aus dessen Perspektive wird der Roman auch erzählt. Aber Pinch ist weder ein Held, noch bedeutend, im Gegenteil, er steht ganz im Schatten seines Vaters und Übervaters und wird von dessen Selbstbewusstsein fast erdrückt. Lebenslang buhlt ...

Sabine Neubert

Hoch gestiegen - tief gefallen

»Hoch steigen - tief fallen«, so hatte einst Saint-George de Boulogne seinen Sohn Joseph gewarnt. Die Worte des Vaters, der früh starb und Joseph »ein Imperium in den Schoß warf«, das heißt, ein großes Vermögen und Ländereien in Übersee hinterließ, sollten sich nur allzu sehr bewahrheiten. »Ruhmlos bin ich in der Revolution untergegangen«, wird Joseph Boulogne, Chevalier de Saint-George, resümiere...

ndPlusPeter L. Zweig

Sei du selbst!

Ketil Björnstad, geboren 1952 in Oslo, gehört zu den großen Intellektuellen unserer Zeit. Seine über dreißig Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt; er tritt als Musiker in den Bereichen Klassik, Jazz und Rock europaweit auf. Dabei fällt auf, dass er offenbar nie Karriere im Sinne einer persönlichen Laufbahn machen wollte, sondern immer ganz eigene Wege einschlug. Nach klassischen Musikstudien ...

Seite 29
ndPlusIrmtraud Gutschke

»Im Schilfgürtel des Aldasch begann der Weltuntergang«

Viele, die den Roman »Die Richtstatt« 1987 als Ausgabe von Volk und Welt gelesen haben, wissen womöglich gar nicht, welche Turbulenzen für den DDR-Verlag damit verbunden waren. Abgesehen davon, dass in Aitmatows Buch eine dermaßen kritische Sicht auf die Sowjetunion steckte und die Abteilung Agitation des ZK der SED die Herausgabe am liebsten verhindert hätte (was bei diesem weltberühmten Autor al...

Karlheinz Kasper

Epos menschlichen Leidens

Daniil Granin, einer der Herausgeber des »Blockadebuchs«, schreibt in einer Vorbemerkung, das Werk entspreche »nicht dem pathetischen Bild, das in der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges festgeschrieben war«. Dieses in der offiziellen Rhetorik verankerte Bild von der heldenhaften Verteidigung Leningrads machte es dem weißrussischen Schriftsteller Ales Adamowitsch und dem Leningrader Gran...

Stefan Berkholz

Die Schweigespirale einer Familie und ein Schritt ins Freie

Mit diesem Buch möchte Natascha Wodin ihrem Vater so etwas wie Gerechtigkeit widerfahren lassen. Denn der Tyrann, der Schläger, der Trinker, den sie so leidvoll erlebt und in verschiedenen Büchern beschrieben hat, war selbst ein Opfer. 1900 im zaristischen Russland geboren, früh zum Waisenkind geworden, im fremden Westen »Witwer einer Selbstmörderin«. Dazwischen Zwangsarbeiter unter Hitler und in ...

Seite 30
ndPlusMona Grosche

Was ist Heimat?

Man wünschte, es gäbe mehr Bücher wie dieses. Und man wünschte, dass Menschen voller Hass und Hochmut gegenüber Flüchtenden doch einmal so ein Buch lesen würden … Utopisch, natürlich. Aber Wünsche sind ja unzerstörbar, auch wenn sie unerfüllbar sind. • Dina Nayeri: Drei sind ein Dorf. Roman. A. d. Am. v. Ulrike Wasel u. Klaus Timmermann. Mare Verlag, 368 S., geb., 24 €. Das weiß auch Ni...

Fokke Joel

Die Kinder der Agenten

»Im Jahr 1945 gingen unsere Eltern fort und ließen uns in der Obhut zweier Männer zurück, die möglicherweise Kriminelle waren.« Die Eltern sagten, dass der Vater in Singapur für ein Jahr die dortige Unilever-Filiale leiten und die Mutter ihn begleiten soll. Nathaniel, der damals 14-jährige Erzähler in Michael Ondaatjes Roman, und seine ein Jahr ältere Schwester Rachel bezweifeln das. Aber den beid...

Michael Kegler

Ein Mahlstrom des Erzählens

»Es wechselt die Farbe, das Meer, blau, grau, grün, weiß, beinahe gelb an manchen Augustnachmittagen, wenn niemand am Strand ist, nur die Dünen und die Büsche, und hoch oben, über dem Wind mit den Kiefern und den Statuen das Haus, nachts, nehme ich an, schwarz, undeutlich, noch größer, und die Senhora im Zentrum von seinen Salons, seinen Korridoren, seiner Stille, die Senhora allein im Sessel, gla...

Seite 31
Stefan Berkholz

Zwischen Orient und Okzident

Der Ich-Erzähler ist Ibrahim, ein angesehener Journalist aus Istanbul. Als er vom Tod eines Jugendfreundes erfährt, reist er zur Beerdigung nach Mardin in Südostanatolien, nahe der Grenze zu Syrien. Dort hatte er selbst einst gelebt, dort war er groß geworden. • Zülfü Livaneli: Unruhe. Roman. A. d. Türk. v. Gerhard Meier. Klett-Cotta, 170 S., geb., 18 €. Ibrahim trifft in dieser uralten...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Verbrechen, ungesühnt

Er starb während eines Badeurlaubs. Am 7. Februar 1979 erlitt Josef Mengele in Bertioga, Brasilien, beim Schwimmen einen Schlaganfall und ertrank. Beerdigt wurde er als Wolfgang Gerhard. Die Familie in Deutschland, die all die Jahre bestens informiert war, wahrte Stillschweigen ebenso wie seine Helfershelfer in Übersee. • Olivier Guez: Das Verschwinden des Josef M. Roman. A. d. Franz. v. Nic...

ndPlusFlorian Schmid

In der Welt der Reichen

Die aus Buenos Aires stammende Lucia Puenzo, Jahrgang 1976, ist auch im hiesigen Literaturbetrieb keine Unbekannte. Ihre bisherigen Romane wurden von der Kritik allesamt positiv aufgenommen. Dem einen oder anderen dürfte sie als Filmregisseurin des experimentierfreudigen lateinamerikanischen Kinos bekannt sein. Überdies ist sie die Tochter von Luis Puenzo, Oscarpreisträger, der 1985 mit »Die offiz...

Seite 32
ndPlusFranziska Klein

Die Ostidentität

»Manchmal versteht man erst im Nachhinein, warum man sich für eine wissenschaftliche Arbeit dieses und kein anderes Thema gewählt hat«, bemerkt Katrin Löffler eingangs. Bei ihr war es die eigene Biografie. Sie wuchs in der DDR auf, »in einem Elternhaus, das sich in klarer Distanz, nicht aber in aktiver politischer Opposition zum Staat befand«. Sie bekennt: »Die Ereignisse, von 1989/1990 brachten a...

ndPlusNora Goldstein

Der Profite willen

Dieses Buch ist sehr wichtig - angesichts erstarkten Rechtsradikalismus in Deutschland. Auch wenn auf Bundesebene keine unmittelbare Gefahr droht, dass Rechtspopulisten in die Regierung gelangen, auf Länderebene ist sie akut (Bayern, Sachsen). Und es sind nicht nur die »kleinen« Leute, die AfD wählen, sondern auch die vielbeschworene Mitte und großbürgerliche Kreise. Insofern ist es verdienstvoll,...

ndPlusGerd Kaiser

Menschliche Kriegsbeute

Ab 10. Mai 1945, unmittelbar nach Kriegsende, übernahm die UdSSR allein aus Berlin unter anderem die Kernforschungsinstitute des Manfred von Ardenne sowie des Siemens-Unternehmens. Noch vor Jahresende setzte das erstgenannte Institut als «Laboratorium A» seine Arbeit in sowjetischen Diensten unweit von Suchumi am Schwarzen Meer, auf dem Gelände des ehemaligen Sanatoriums «Synop», fort. Auch die Fo...

Seite 33
ndPlusBjörn Hayer

Alles nur Bullshit

Wussten Sie, dass die BRD eigentlich nichts anderes als eine GmbH ist? Zumal im Grundgesetz mehrfach die Wörter »Geschäft« und »Geschäftsordnung« auftauchen. Und da Deutschland nie eine offizielle politische Kapitulation nach 1945 unterzeichnet hat, gilt streng genommen noch die Reichsverfassung. • Christian Alt/Christian Schiffer: Angela Merkel ist Hitlers Tochter. Im Land der Verschwörungst...

Jörg Roesler

Kränkungen, Verletzungen, Erniedrigungen

Viel ist über die Herstellung der deutschen Einheit 1989/90 geschrieben worden. Zu den runden Jahrestagen erscheinen Buchpublikationen, die dem außerordentlichen Geschehen in jenen Monaten gewidmet sind. Aber wie ging es weiter? Konnten die Unterschiede zwischen dem West- und dem Ostteil des Landes, die sich in vierzig Jahren getrennter Entwicklung ausgeprägt hatten, überwunden werden? Dazu gab es...

Seite 34
ndPlusNora Goldstein

Als die Frauen von Hadramaut tanzten

Am Anfang steht der Koran, Sure 2: »Eure Frauen sind euch ein Saatfeld. Geht zu eurem Saatfeld, wo immer ihr wollt!« Und im Vorwort erinnert sich die Übersetzerin Arzu Toker: »Als ich 1974 nach Deutschland kam, liefen verkleidete Frauen durch die Fußgängerzone der Stadt Essen und schrien: ›Hätte Maria abgetrieben, wäre uns Jesus erspart geblieben.‹ Ich war erschrocken und befüchtete das Schlimmste...

ndPlusKarlen Vesper

Drei Ausrufezeichen

Es ist kein voluminöses, dafür aber um so gewichtigeres Buch. Adelheid Bahr, Witwe des Entspannungspolitikers Egon Bahr, hat eine illustre Autorenschaft vereint. Alle eint die Überzeugung, in der kriegs- und krisengeschüttelten, bedrohten Welt von heute sei eine Partnerschaft in Augenhöhe mit Russland überlebensnotwendig. Die Pädagogikprofessorin betont: «Eine neue Entspannungspolitik ist das Gebo...

Seite 35
Reiner Oschmann

Kanonenboot-Diplomaten

Ronan Farrow ist ein Jungstar im US-Medien- und Politikgeschäft. Nicht nur, dass seine Eltern Mia Farrow und Woody Allen heißen, Farrow (Jg. 1987 und Pulitzer-Preisträger 2018) hat mit Recherchen zu den Missbrauchsvorwürfen maßgeblich zum Sturz von Filmproduzent Harvey Weinstein und zur MeToo-Bewegung beigetragen. Zudem war der jugendliche Held schon als Kind ein Überflieger. Mit elf kam er aufs C...

Seite 36
Eckart Roloff

Wir alle sind Migranten

Woher kommen wir? Wer waren unsere Vorfahren? Für unsere Eltern wissen wir das, meist auch für die Großeltern und vielleicht noch Urgroßeltern. Dann wird es schwierig, dunkel, ungewiss. Doch diese Spurensuche in eigener Sache kann reizvoll sein. Kein Wunder, dass die Ahnenforschung in Deutschland und anderswo stark zugenommen hat. • Karin Bojs: Meine europäische Familie. Die ersten 54 000 Jah...

Andreas Meinzer

Ein Blick in den Abgrund

Sie leben unter uns. Profitieren von allen Vorzügen eines rechtsstaatlichen und demokratischen Gemeinwesens. Aber sie lehnen nicht nur die bestehende, sondern jede Form der Demokratie und die damit verbundenen Werte ab. Sie bekämpfen nicht nur den Staat - nein, sie leugnen seine Existenz: Deutsche, die sogenannten und selbst ernannten Reichsbürger. • Tobias Ginsburg: Die Reise ins Reich. Unte...

Seite 37

Der globale Blick auf die 68er Revolte

Nicht nur in den USA und Westeuropa rebellierte die Jugend in den 1960er Jahren, auch in Japan. Die Wurzeln des Protestes dort liegen im Jahr 1948, als die Zengakuren, der Alljapanische Allgemeine Verband der studentischen Selbstverwaltungen, gegründet wurde. Schon 1960 stürmten japanische Studenten das Parlament in Tokio, um Remilitarisierung und NATO-Anbindung zu verhindern. In den folgenden Jah...

Stefan Bollinger

Hütet euch vor Betrügern!

Vor gut 250 Jahren hat ein französischer Aufklärer, Jean Jaques Rousseau, ebenso analytische wie prophetisch-revolutionäre Gedanken zu Papier gebracht: «Der erste, der ein Stück Land mit einem Zaun umgab und auf den Gedanken kam zu sagen: ›Dies gehört mir‹, und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der eigentliche Begründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrech...

Gerhard Klas

Das Problem liegt in der Logik der kapitalistischen Globalisierung

Aus der Not lässt sich Kapital schlagen, auch aus der weltweiten Armut. Das ist nicht neu: Quacksalber, Kirchenfürsten oder Sektengründer sind schon länger in diesem Geschäft, meinen Thomas Gebauer und Ilija Trojanow. Die neuen Agenten dieser Branche, so die beiden Autoren, betreiben ihre schmutzigen Geschäfte im Feld der Entwicklungshilfe. Ein Vorwurf, der schwer wiegt. • Thomas Gebauer/Ilij...

Seite 38
Karlen Vesper

Nach dem seltsamen Sitzkrieg

Was hätte Willy Brandt zum desolaten Zustand von Europa heute gesagt? Zum erstarkenden Rechtspopulismus und Rechtsextremismus, zur Festungsmentalität und Abschottung, zu Eifersüchteleien, Missgunst, Egoismen, Hass und Zwietracht? Er hätte sich die Haare gerauft. Sprachlos wäre er nicht geblieben. Brandt hätte den heutigen Entscheidungsträgern auf nationaler wie auf EU-Ebene kräftig die Leviten gel...

Werner Abel

Die Kümmerin

Ihr Tod - sie war gerade mal 66 Jahre alt - fiel in jenes Jahr des Aufbruchs, in das Jahr 1968, in dem es aussah, als ob erneut einige der Ideale im Mittelpunkt des Aufbegehrens standen, für die sie so leidenschaftlich in der Zeit der 2. Spanischen Republik gekämpft hatte. Sie wäre gebraucht worden, sicher, und sie hätte ihr Stimme erhoben, hätte sich eingemischt. So wie eine andere bekannte Frau,...

Seite 39

Ein Aufschrei in Bildern

»Test the best to destroy more.« Eine makabere Aufforderung, immer mehr und gewaltigere Vernichtungswaffen zu testen. Trotz Tschernobyl und Fukushima wird in vielen Ländern weiter verharmlosend der friedlichen Nutzung der Atomenergie gehuldigt. Und trotz Hiroshima und Nagasaki drohen Staatenlenker mit der atomaren totalen Vernichtung. Die Fotos, die unter dem Pseudonym »An Idiot« (ein Idiot) von A...

Tom Strohschneider

Nicht bloß Marxerei

Zum Begriff »Marxologie« weiß der Duden dreierlei: Erstens bezeichne er die »Wissenschaft, die sich mit dem Marxismus beschäftigt«. Zweitens weist das Nachschlagewerk darauf hin, das Wort werde »meist scherzhaft oder abwertend« verwandt. Drittens: »Marxologie« sei »veraltend«, der Begriff komme also langsam aber sicher außer Gebrauch. • Rolf Hecker: Springpunkte. Beiträge zur Marx- Forschung ...

Hermann Klenner

»Weil ich notwendigerweise Mensch bin«

Ein Feigling war er nicht. Aber er gestand sich ein, dass er wohl ein Bekenner der Wahrheit sein möchte, nicht aber ihr Märtyrer. Selbstbewusst war er dennoch: Außer den Lehrsätzen des Euklid vertrete er keine fremden Meinungen! Doch akzeptiere er sogar den Schein (!), sein wichtigstes Werk, den »Geist der Gesetze«, nur zum Beweis dafür geschrieben zu haben, dass der Geist des Gesetzgebers der Gei...

Seite 40
Peter Nowak

Deutsch gegen Deutschland

Wenn sich Deutschland heute als Weltmeister bei der Aufarbeitung der NS-Verbrechen feiern lässt, wird häufig vergessen, dass in Westdeutschland bis in die 1980er Jahre hinein die NS-Opfer und ihre Unterstützer bekämpft und verleumdet worden sind. Wie die wieder in Amt und Würden gelangte ehemalige NS-Beamtenschaft dabei vorging, zeigt die Kampagne gegen den Rechtsanwalt Hans Deutsch. • Burkha...

ndPlusGerd Fesser

Selbst seinen sensiblen Vetter schrie er an

Am 28. August dieses Jahres schrieb Jan Söffner in der »Neuen Zürcher Zeitung«, die Geisteswissenschaften hätten an Relevanz verloren, weil sie offenbar das Erzählen verlernt hätten. Das vorliegende Buch des Bremer Historikers Lothar Machtan dürfte Söffner gefallen, denn dieser Autor versteht es sehr gut zu erzählen. • Lothar Machtan: Kaisersturz. Vom Scheitern im Herzen der Macht 1918. WBG/T...

ndPlusKarlen Vesper

Ein atemloser Parforceritt

«Das 20. Jahrhundert war zum Verzweifeln grausam, durchzogen von fürchterlichen Kriegen, extremistischen Ideologien, abgrundtiefen Krisen und menschenverachtendem Terror. Kaum ein Tag verging, ohne dass Schreckliches vermeldet werden musste. Die Welt, so könnte man meinen, drehte durch, und die Menschheit war dabei, sich selbst abzuschaffen. Kriege, Vertreibungen, Genozide, Zwang, Unterdrückung un...

Seite 41

Verneinung und Bejahung

Es beginnt stets mit einem Protest - egal gegen was. Der Anfang ist gemacht. Nach der Verneinung sollte aber eine Bejahung - von was auch immer - erfolgen. Sonst ist jeder Protest wirkungslos. Dies meint wohl Denis Metz mit seiner Karikatur, die sich in einem kecken Cartoon-Bändchen über »Die 68er« findet. Diese waren kein homogenes Völkchen. Sie einte die Vielfalt - ihrer Forderungen, Hoffnungen,...

ndPlusErnst Reuß

Hass - damals wie heute

Am 7. November 1938 verübte der 17-jährige Herschel Grynszpan in Paris ein Attentat auf den deutschen Botschaftsangehörigen Ernst vom Rath, was die Nazis zum Anlass für die sogenannte Reichskristallnacht nahmen, die Inbrandsetzung von Synagogen und die Verhaftung von Juden deutschlandweit. Motiv des Anschlags des 1921 in Hannover geborenen Polen war die Ausweisung seiner Familie aus Deutschland. S...

Peter Nowak

Rote Fahnen auf Palästen

Der bevorstehende 100. Jahrestag der Novemberrevolution in Deutschland sollte nicht verdrängen, dass 1918/19 auch andernorts eine emanzipative Alternative zur bürgerlichen Gesellschaft auf der Tagesordnung stand. Auch in Österreich wehten rote Fahnen über Adelspalästen. Ende 1918 brach als Folge des Ersten Weltkriegs die K.u.K.-Monarchie »rasselnd zusammen«, wie Peter Haumer schreibt. Am Tag der A...

Karl-Heinz Gräfe

Vereint gegen rechts

Der von den kapitalistischen Großmächten verursachte erste globale Völkermordkrieg löste auf dem »eurasischen Kontinent« die bis dahin weltweit größte Revolutionswelle aus, so in Russland 1917 bis 1922, in Deutschland und in Österreich-Ungarn 1918/19, in der Türkei 1919 bis 1923, in Persien 1920/21, in Korea 1919, in China 1919 bis 1923 und in Indien 1919 bis 1921. Alle Revolutionäre einten pazifi...

Seite 42

Die Unterhose eines Verbrechers

Als Rudolf Heß am 10. Mai 1941 vom Flugplatz in Augsburg-Haunstetten startete, tat er dies allein und mit leichtem Gepäck. Hitlers Stellvertreter flog nach Großbritannien, um ein Friedensangebot zu unterbreiten. Die Briten gingen nicht darauf ein, sperrten ihn zunächst in den Londoner Tower und dann in ein Landhaus bei Farnborough in Surrey. Natürlich musste Heß auch eine Leibesvisitation erdulden...

ndPlusPeter Nowak

Von den Schwierigkeiten, Revolution zu machen

»Dadurch, dass sich die Arbeiter an der Selbstverwaltung in den einzelnen Unternehmen beteiligen, bereiten sie sich auf jene Zeit vor, wenn das Privateigentum an Fabriken und Werken abgeschafft sein wird und die Produktionsmittel zusammen mit den Gebäuden, die auch von Arbeiterhand geschaffen wurden, in die Hände der Arbeiterklasse übergehen.« • Rainer Thomann/ Anita Friedetzky: Aufstieg und ...

Gerhard Engel

Enttäuschte Hoffnungen

Die erste gelungene demokratische Revolution in Deutschland sei nicht zu verstehen ohne Kenntnis der militärischen und politischen Niederlagen des Kaiserreichs im letzten Weltkriegsjahr, betonen Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz, allesamt renommierte Erforscher des Ersten Weltkriegs. Ihr Beitrag zur deutschen Novemberrevolution von 1918 untersucht vor allem die Wirkung des Kriegsver...

Seite 43
ndPlusSilvia Ottow

Stöhn, Schnauf, Stampf

Im Radiosender Birkenhain wird eine Vogelvollversammlung übertragen. Die klügsten Köpfe von nah und fern sind zusammengekommen, um wichtige Angelegenheiten zu besprechen. Erster Tagesordnungspunkt ist das Rascheln im Gras am sehr frühen Morgen. »Woher kommt es, wer ist es, muss man sich schützen oder gar sorgen?«, reimt der Verfasser, oder besser gesagt der deutsche Nachdichter James Krüss: »Viell...

Irmtraud Gutschke

Wesen der Dunkelheit

»In Erinnerung an Ilse. N.H.« - Kinder werden sich womöglich gleich dem Text und den Bildern zuwenden und diese Widmung unbeachtet lassen. Dabei ist sie wohl ein Schlüssel, weil gute Bücher meist ihre verborgenen Urgründe haben. Aus einem Schmerz lodert ein Feuer, das schreibend gebändigt wird. Wenn es hindurchlodert durch den Text, entstehen »heiße Stellen«, die man beim Lesen als besonders einpr...

ndPlusSilvia Ottow

Zappel und die dicke Null

Der dumme Iwanuschka fällt ein wenig aus der Reihe. Er ist kein DDR-Held, sondern der Fantasie des großen russischen Dichters Maxim Gorki entsprungen. Wie liebenswert hat er den Tölpel beschrieben, der auf zwei Kinderchen Obacht geben soll, aber nicht einmal imstande ist, kleine Menschlein von kleinen Bären zu unterscheiden. Gutmütig wie er ist, pflückt er für die Jungen von Meister Petz eine Scha...

Seite 44
Mona Grosche

Bilderspaß

Die Idee ist verblüffend einfach, aber genial: »Das ist kein Buch« kommt nicht wie ein gewöhnliches Bilderbuch für Kinder daher. Stattdessen verwandelt es sich, je nachdem, welche Seite die kleinen Entdecker aufklappen und wie sie das Buch halten, stellen oder legen, in spannende Dinge und Orte. Da findet man einen Computer, einen Tennisplatz, einen Kühlschrank, einen Sessel, einen Schmetterling, ...

Eva Peter

Alles Öko

Das Kälbchen will trinken, die Schafe suchen nach frischem Grün. Die Enten haben es nicht weit zum Wasser. Das Kätzchen macht sich einen schönen Tag. Die Hühner suchen sich ihr Futter erst einmal allein. Und die Pferde stehen im Stall schon bereit zu einem Ritt über Land. • Anna Kövecses: Bau deinen eigenen Bauernhof. Laurence King Verlag. Box mit 120 Einzelteilen. 22 €. Aber dafür ist ...

Samuela Nickel

Krawalldonnertage

Solche Tage. Tage, an denen es wie aus Eimern schüttet und die Einsamkeit wie unangemeldeter Besuch vorbeikommt. Solche Tage, an denen ein großes dunkles Loch in der Brust zu klaffen scheint. Solche Tage! • Young-ah Kim und Ji-soo Shin: Auch solche Tage gibt es. aracari Verlag, 15 S., geb., 14 €. Tage wie diese erlebt jeder einmal. Auch der kleine Bär. Im dunklen Wald steht er ganz alle...