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Klamauk für den kleinen Mann

Vor zwei Jahren wurde Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt. Nun steht ein Test seiner Beliebtheit an: In den USA finden am Dienstag Zwischenwahlen zum Kongress statt. Im Wahlkampf präsentieren sich Trump und seine Republikaner als Vertreter der kleinen Leute. Sie versprechen den »hart arbeitenden« Amerikanern mehr Geld, den Schutz vor chinesischen Billigimporten und vor der »Invasion« von Migra...

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Stephan Kaufmann

Mögen die Märkte Faschisten?

Die Macht in Brasilien hat künftig der Rechtsaußen Jair Bolsonaro, den die Deutsche Bank als »Wunschkandidaten der Märkte« bezeichnet hat. Dafür hat die Bank viel Kritik geerntet, zu Unrecht. Denn sie sprach bloß die Wahrheit aus.

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Aert van Riel

Lachender Dritter gesucht

Wolfgang Schäuble gilt als graue Eminenz, die in der CDU im Hintergrund die Fäden zieht. Der »Spiegel« will herausgefunden haben, dass der Bundestagspräsident die Kandidatur des früheren Unionsfraktionschefs Friedrich Merz, der auf dem Hamburger Parteitag im Dezember zum CDU-Chef gewählt werden will, mit vorbereitet und befördert hat. Allerdings war Schäuble lange Zeit auch ein Förderer des Gesund...

Merkel und ich

Angela Merkel will nicht mehr CDU-Chefin sein. Irgendwann wird sie auch keine Kanzlerin mehr sein. Woran werden wir uns erinnern? Fünf persönliche Betrachtungen.

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Simone Schmollack

Der Schwung der rosa Welle

In den USA ist mittlerweile von einer »pink wave«, einer rosa Welle die Rede: Frauen drängen in die Politik, sie scheuen sich nicht, auch dann ins Rennen zu gehen, wenn ihre Chancen nicht allzu rosig sind.

Stephan Kaufmann

Trumps Verdienste

Als Donald Trump sein Amt antrat, versprach er den Amerikanern Schutz - Schutz vor der heimischen Elite, die das Volk verraten habe. Doch seine Steuerreform kommt vor allem den Wohlhabenden zugute.

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ndPlusOliver Kern

»Ich schaffe das«

Linken schwarzen Frauen werden im Süden der USA kaum Wahlchancen eingeräumt. Da Stacey Abrams aber dennoch Gouverneurin im konservativen Georgia werden könnte, ist sie zum Politstar aufgestiegen. So ganz recht ist ihr das jedoch nicht.

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Ines Wallrodt

Ende einer Streikbasis

Am Sonntag wird Flugbegleiterin Susanna Laris zum letzten Mal mit einer Ryanair-Maschine in Bremen landen. Abheben wird sie von hier nicht noch einmal. Denn ab Montag ist die Basis geschlossen.

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Oliver Eberhardt

Massenproteste und Embargo

Am Sonntag treten in den USA weitere Sanktionen gegen Iran in Kraft; vor allem Öl-Exporte und Bankgeschäfte sollen behindert werden. Doch das Weiße Haus will auch Ausnahmen zulassen.

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Martin Ling

Smarter Curitiba-Boy

Er ist das Idol aller Lula- und PT-Hasser: Sérgio Moro, der künftige Justizminister Brasiliens. Brasiliens rechtsradikaler Präsident Jair Bolsonaro hat ihn mit Bedacht in sein Kabinett berufen, denn Moro erfreut sich im polarisierten Brasilien auf der rechten Seite großer Beliebtheit. Obwohl er nicht die Absicht hatte, als Präsidentschaftskandidat anzutreten, lag er im Frühjahr 2017 bei Umfragen ü...

Martin Leidenfrost

Im House of Lords

Das britische Oberhaus, eine große Ansammlung von Politikveteranen, Adeligen und Bischöfen, ist eine Relikt aus alten Zeiten. Es redet viel und entscheidet wenig. Und manchmal wirkt es wie ein Gemälde.

Niklas Franzen

Bolsonaros Angriff

Der rechtsradikale brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat die Landlosenbewegung MST und die Wohnungslosenbewegung MTST zum Staatsfeind Nummer eins erklärt. Das ist kein Zufall. Denn sie stellen radikal die Verteilungsfrage.

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Der permanente Angstzustand

Ein rechtes süddeutsches Boulevard-Magazin, das sich aus unerfindlichem Grund immer noch Nachrichten-Magazin nennt, titelte dieser Tage: »Vergewaltigung in Freiburg: Neue schockierende Details!«. Über das Ereignis, die Tat, die die Grundlage für solcherlei gewaltvoyeuristische Überschriften darstellt, sollte allerdings durchaus öffentlich gesprochen werden. Doch wie? Die Tat, um die es geht, ...

Christof Meueler

Ein schöner Move

Es wird von Juden erwartet, dass sie den Deutschen die Shoah nachsehen und bestätigen, dass sie ihre mörderische Vergangenheit erfolgreich verarbeitet haben. Max Czollek will in diesem »Gedächtnistheater« nicht mitspielen.

Thomas Blum

Ein böser Wahn

Magst du Juden?« Mit dieser Frage eröffnet Oliver Polak sein Buch. Eine Frage, die sich nur beantworten lässt, wenn man die in ihr enthaltene Zwangsvorstellung teilt, dass Juden ein homogenes Kollektiv seien. Was natürlich Quatsch ist.

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Paula Irmschler

Betroffenheit ohne Betroffene

In Freiburg wurde eine junge Frau von mutmaßlich acht Männern vergewaltigt. Diese Tat ist unvorstellbar grausam, sie ist Zeugnis eines Terrors gegen Frauen und sie ist deswegen auch politisch. Die Reaktionen sind erwartbar, aber deshalb nicht erträglicher.

Klaus Bellin

Warten aufs Glück

Balzac war verlobt mit der unglaublich reichen Gräfin Hanska aus der Ukraine, die er jahrelang nicht sah. Er nannte sie seinen »Polarstern«. Als er schon sehr krank war, reiste er zu ihr, um endlich zu heirateten.

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Bahareh Ebrahimi

Das Sicherheitsrisiko

Einmal musste ich auf der Bank meine falsche Adresse korrigieren lassen. Die Bankangestellte nahm dies sofort zum Anlass, für Tausende Versicherungen zu werben, die sie einem noch zur Verfügung stellten. »Nein, danke«, war meine übliche Antwort, »ich habe nichts zu versichern!« Wäre es möglich, hätte ich sogar keine Krankenversicherung abgeschlossen. Ich vertraue den Ärzt*innen eh nicht. Auße...

Bahareh Ebrahimi

Kuss ohne Muss

Berlin ist eine Frau. So sieht es die Schriftstellerin Annett Gröschner und erzählt in ihrem neuen Buch die Geschichte dieser Frau. «Berolinas zornige Töchter» handelt von 50 Jahren Berliner Frauenbewegung.

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ndPlusHendrik Lasch

Willkommen in der Pampa!

Viele Städter träumen vom Landleben. Oft bleibt es bei der Idee. Eine Initiative in der Oberlausitz aber will Interessenten zum Schritt ins Dorf ermutigen – 
und als »Raumpioniere« gewinnen.

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ndPlusFelix Lill

Land des schiefen Lächelns

In Japan wird eine Frau zum Medienstar, weil sie ein Buch über das Zähneputzen geschrieben hat. Wer denkt, im Land der längsten Lebenserwartung wäre so ein Werk unnütz, hat sich getäuscht.

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Velten Schäfer

Die Nächste, bitte!

Es ist mal wieder Eisenbahn, von der Revolution zu sprechen. Denn diese prägt, wie eine kursorische Nachrichtenschau jederzeit ergibt, unser Leben in zunehmendem Maße. Da dräut zum Beispiel laut FAZ nun allerorten die »grüne Revolution« - keine Panik, nicht die aus Teheran, sondern bloß die aus Wiesbaden. Da lauert die »Kamera-Revolution« zugleich beim Handyhersteller Samsung (CHIP.de) und bei Goo...

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Räte oder Parlament?

Das Preußische Abgeordnetenhaus ist zweimal in der Revolution Schauplatz bedeutender Ereignisse: Vom 16. bis 20. Dezember 1918 tagt hier der Reichsrätekongress. Die Delegierten der Arbeiter- und Soldatenräte aus ganz Deutschland - mehrheitlich SPD-Mitglieder, weniger als 20 Prozent vertreten die USPD und den Spartakusbund - votieren mit 400 zu 50 Stimmen gegen das Rätesystem und für die Wahl einer...

ndPlusKarlen Vesper

«Noch warst du’s nicht!»

Ein Junge und die große Geschichte: Wie ein Arbeiterkind aus Barmen bei Wuppertal Weltkrieg und die Revolution erlebte – nach Notizen von Gesprächen mit ihrem Großvater, die Karlen Vesper in den 1970er Jahren führte.

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Abdankung und Aufbruch in Berlin

Ab den frühen Morgenstunden des 9. November 1918 sind auch in der deutschen Hauptstadt Straßen und Plätze von zornigen Arbeitern, Soldaten und Frauen bevölkert. Sie fordern »Nieder mit dem Krieg! Nieder mit der Monarchie! Brot und Frieden!« Berlin wird von einem Generalstreik erfasst. Kämpfe entbrennen um die Maikäferkaserne, wo erste Todesopfer zu beklagen sind. Reichskanzler Max von Baden beeilt...

ndPlusRalf Hoffrogge

Die vielgesichtige Revolution

Wessen Revolution? Wie sich im vergangenen Jahrhundert konservative, sozialdemokratische und kommunistische Erzählungen der Novemberrevolution bildeten – und sich zuweilen überraschend überkreuzten.

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ndPlusVelten Schäfer

Rechts so offen wie dicht nach links

Bitte draußen bleiben: Wie sich die Geisteswissenschaften während der Weimarer Republik gegen Demokratie und Revolution immunisierten – während Rechtsradikale gefördert wurden.

Seite 21

Blutweihnacht

Am späten Abend des 23. Dezember 1918 erinnert General Wilhelm Groener den Vorsitzenden des Rates der Volksbeauftragten Friedrich Ebert an ihr im November geschlossenes Bündnis und dringt darauf, »dass wir von der geringen Macht, die wir haben, auch wirklich Gebrauch machen«. Schloss und Marstall, die von 30 respektive 80 Matrosen der Volksmarinedivision besetzt sind, werden von 2000 Mann schwer b...

ndPlusStefan Amzoll

Viele Ideale, Lärm - und ein Scheitern

Lärm und Scheitern: Wie die »Novembergruppe« die Revolution in die Ästhetik einschreiben wollte – und die Kluft zwischen Kunst und Volk doch nie überwinden konnte.

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ndPlusRudolf Stumberger

Am 7. November ist es meist nur kalt

Kurt wer? Wie Bayern seit jeher die Gründung des »Freistaats« beschweigt – und warum der weißblaue Menschenverstand diesen nicht von der Räterepublik unterscheiden kann.

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Ein heimtückisches Komplott

Kurz vor Mitternacht wird am 15. Januar 1919 Rosa Luxemburg aus dem Hotel Eden getrieben. Der Posten Otto Runge schlägt ihr mehrmals auf den Kopf. Halbtot zerrt man sie ins Auto, wo sie erschossen wird. Kurz vor der Lichtensteinbrücke werfen die Mörder die Leiche in den Landwehrkanal. Anderntags kolportiert die reaktionäre Presse: »Liebknecht auf der Flucht erschossen! Rosa Luxemburg von der Menge...

ndPlusMartin Koch

Physik und Zeitgeist

Professor allein zu Haus: Wie die Naturwissenschaft nach dem verlorenen Krieg isoliert – und das Deutsche als Wissenschaftssprache zurückgedrängt wurde.

Martin Koch

Einsteins einsamer Kampf

Einstein wird Mainstream: Wie die Revolution alle Werte relativierte und die Relativitätstheorie populär machte – und die Rechte gegen »jüdische Physik« wetterte

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lösung vom 27. Oktober

Um »Oma, Opa und Enkel« ging es am 27. Oktober. Die erste richtige Antwort hieß 42. Ingeborg Bartsch aus Grammow bat: »Bitte nicht in die Wertung nehmen, konnte meine Urenkel am Wochenende nicht erreichen!« Haben wir nicht gemacht, und so wurde als Buchgewinnerin Margit Hieke aus Friedrichshafen ausgelost: »Der Neubauer«, Roman von Cordula Simon, Residenz Verlag. In fünf Zuschriften stand die...

Christof Meueler

»Das Morgen im Heute«

Dr. Steffen Schmidt ist »nd«-Wissenschaftsredakteur und der Universalgelehrte der Redaktion. Auf fast 
jede Frage weiß er eine Antwort – und wenn doch nicht, beantwortet er eine andere. Christof Meueler sprach mit ihm über 
Revolutionen.

Mike Mlynar

Revolution ≠ Revolution

Revolution ≠ Revolution. So stellt sich mathematisch verknappt die historische wie linguistische Tatsache dar, dass Revolution nicht gleich Revolution ist. Das Wort flattert mehrdeutig durch Zeit und Raum. Was mit ihm inhaltlich gemeint ist, hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. Zudem wird der Begriff oft für Ereignisse benutzt, die gar nicht zu generellen, sondern bestenfalls zu prinzipie...

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Florian Brand

Lasst 1000 Dächer ergrünen

Die Metropole Berlin legt ein 1000-Dächer-Programm für Gründächer auf, um den Klimawandel besser zu bekämpfen. Die ökologische Maßnahmen dürfte Vorbild für andere Großstädte sein.

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Marie Frank

Willkommen Zuhause, hier geht’s zur Polizei!

Im Norden Berlins soll bis Ende 2019 ein neues Ankunftszentrum für Geflüchtete entstehen, das die Notunterkunft am ehemaligen Flughafen Tempelhof ersetzen soll. Klingt nach einer guten Nachricht, doch bei genauerem Hinsehen liegt einiges im Argen.

Nicolas Šustr

Straßenbahn am Limit

Die Berliner Verkehrsbetriebe verschleiern konsequent den Fahrermangel bei der Straßenbahn. Das sagt Detlef Siepelt. Er hat Kenntnis von der Materie, schließlich erstellte er 23 Jahre lang die Dienstpläne.

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Lola Zeller

Therapeuten auf den Barrikaden

An Europas größter Universitätsklinik Charité droht erneut eine Tarifauseinandersetzung, diesmal wollen die Beschäftigten der Tochterfirma »Charité Physiotherapie- und Präventionszentrum« (CPPZ) streiken.

Seite 28
Tom Mustroph und Oliver Kern

Schmerz gehört zum Spektakel

In den 15 Jahren seit der Einführung der Helmpflicht gab es mehr tödliche Unfälle im Profiradsport als in den 15 davor. Es gibt Streit, wer Schuld daran hat: Sportliche Leiter, Motorräder, Fahrer oder Veranstalter. Streiken wollen die Profis dennoch nicht.

Seite 29
ndPlusOliver Kern

Ganz vorn ist nicht genug Platz für alle

Der viermalige Einzelzeitfahr-Weltmeister Tony Martin lag schon oft mit Schmerzen auf der Straße. Dieses Jahr brach er sich bei der Tour de France einen Wirbel. Trotzdem steigt er immer wieder aufs Rad. Denn irgendwann verheilen die Wunden, und dann verfliegt auch die Resignation.

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Stefan Weißenborn

Das Rad als fliegender Teppich

Das Fahrrad als fliegender Teppich? Nicht ganz. Aber wer aufs E-Bike umsattelt, beherrscht das Gebirge, auch ohne vorher besonders hart trainierte Waden. Mit eingebautem Rückenwind unterwegs im Hohen Atlas.

Seite 31
ndPlusStephan Brünjes

Heiß und high

Sie ziehen wieder lautlos, bunt und in Zeitlupe am Himmel entlang - Heißluftballons. Mit ihnen zu fahren, ist ein einmaliges Abenteuer. Fürs ultimative 360-Grad-Super-Panorama, muss man ab in die Luft an den weltweiten Hot Spots des Air Balloonings.

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Marie Frank

»Trotzdem sind es ja Menschen«

Käte Kalhorn ist im dritten Lehrjahr ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Die Auszubildende erzählt »nd« über Frust und Erfüllung, die ein Job in der Pflege mit sich bringt. Und was sie motiviert, für Verbesserungen zu kämpfen.