Seite 2
Regina Stötzel

Aufstehen und Gas geben

Bis eine UN-Klimakonferenz wirklich Konsequenzen nach sich zieht, müssen wohl erst noch Mississippi, Jangtsekiang und Rhein austrocknen. Selbst Elektroautos werden bisher allenfalls als Wirtschaftsfaktoren betrachtet.

Seite 3
Felix Jaitner

»Eine besondere Verantwortung«

Deutschland hat seine Sonderrolle gegenüber Russland weitgehend eingebüßt. Im post-sowjetischen Raum stehen sich die beiden Länder zunehmend als Konkurrenten gegenüber. Die Linkspartei ringt derweil um ihre Haltung gegenüber Russland.

Seite 4
Stephan Kaufmann

Marktmacht plus Elektrifizierung

Die weltweiten Klimaschutzziele bringen die deutschen Autobauer in Bedrängnis - und damit den Standort Deutschland. Das Rennen um die Entwicklung profitabler E-Autos zeigt die Bedingungen, unter denen heutzutage Klimaschutz stattfindet.

Seite 5
Jörg Staude

Das Ende des Kohle-Staates

Seit fast einem halben Jahr berät die Kohlekommission über einen Ausstieg aus der Braunkohle. Vor allem die Ost-Kohleländer und die Bergbaugewerkschaft IG BCE stellen sich quer. Dabei ist das Problem mit dem Strukturwandel gar nicht so dramatisch.

Seite 6
Sebastian Bähr

»Wir fordern eine Ost-Quote«

In Leipzig hat sich die Gruppe »Aufbruch Ost« gegründet. Sie will nicht nur die Verwerfungen der 1990er Jahre aufarbeiten, sondern auch im kommenden Jahr bei den verschiedenen ostdeutschen Landtagswahlen intervenieren.

Seite 7
Jana Frielinghaus

Rückkehr zur Sachlichkeit?

Die Linkspartei streitet seit langem über die Migrationspolitik. Vor einer gemeinsamen Klausur der Spitzen von Partei und Fraktion wurde nun ein gemeinsames Papier veröffentlicht. Es soll aber lediglich die »Arbeitsgrundlage« für die weitere Debatte sein.

Seite 8
Stefan Otto

Am Veto Merkels gescheitert

Die Geschichte blieb wochenlang verborgen. Bekanntlich wird Thomas Haldenwang neuer Verfassungsschutzchef. Als er bei seiner Vorstellung Mitte November gefragt wurde, was nun anders als bei seinem geschassten Vorgänger Hans-Georg Maaßen sei, so antwortete er: »Ich trage eine rote Brille und keine Weste.« Das sah nach einem harmonischen Wechsel aus. Aber ganz so reibungslos verlief die Nachfolgesuc...

Ulrich Maurer

Vom toten Pferd absteigen

Nachdem der Parteilinke Marco Bülow Anfang der Woche aus der SPD ausgetreten, stellt sich die Frage: Kann man in der SPD noch linke Politik machen? Ulrich Maurer meint: Nein. Bülow hat sich richtig entscheiden.

Annika Klose

Es lohnt sich zu kämpfen

Der Parteilinke Marco Bülow ist Anfang der Woche aus der SPD ausgetreten. Aktuell stellt sich deshalb die Frage: Ist linke Politik in der Sozialdemokratie noch machbar? Annika Klose von den Jusos meint ja.

Martin Leidenfrost

Im Faulbett der Identitätspolitik

Eines meiner Hobbys ist die Lektüre von Büchern über montenegrinische Identität. Ich verbrachte neulich einen Monat in Montenegro, und da in Montenegro mehrere Identitätskriege toben, wäre das ein gefundenes Fressen. Dennoch widerstrebt mir das Thema. Wie die Zeitung »Vijesti« feststellte: Solange einander die prowestliche Regierung und der proserbische Teil der Opposition mit Kulturkriegen befeue...

Seite 9

Grenzkonflikte

Grenzziehungen sind bekanntlich schwierig. Wo endet der Bereich des einen und wo beginnt der des anderen, vor allem aber: Wer ist berechtigt, die Grenze zu überschreiten? Seitdem die Gattung Homo sapiens Afrika verlassen hat, beschäftigt sich die Menschheit mit diesen Fragen. Dieser Tage ist das auch wieder ein Thema zwischen den USA und Mexiko. Wer auf einer Insel im Meer lebt, hat es da ein...

ndPlusFranziska Klein

Martialischer als die Berliner Mauer

Es ist die berühmteste und berüchtigste Grenze der Welt: die Grenze zwischen den USA und Mexiko. Und sie ist gefährlicher, tödlicher als die einstige Grenze zwischen beiden deutschen Staaten.

Seite 10

Wie’n Wiener eben so ist

Satire beginnt dort, wo der Spaß aufhört: Der Wiener Otto Stark leitete lange die Berliner »Distel«. Nun ist er im Alter von 96 Jahren verstorben.

Paula Irmschler

Weihnachten ist falsch

Jetzt geht die Scheiße wieder los: Menschen verherrlichen das Rumstehen in der Kälte, verbrennen sich an vier Euro teurem Gewürzwein die Zunge und wollen, dass man irgendwo hinkommt, wo dieser Irrsinn auch noch symbolisch aufgeladen wird. Geniale Idee: Nicht hingehen!

ndPlusFrank Schäfer

Für einen Gegenkanon

In den Schulen wird immer noch das langweilige Zeug gelesen. Auf dem Lehrplan steht Heinrich Böll statt Wolfgang Welt. Wir brauchen einen Gegenkanon. Mit den Büchern, für die sich die bürgerliche Kultur zu fein ist.

Seite 11
ndPlusIngolf Bossenz

Ich dürste nach Verurteilung

Mit Beginn der Adventszeit leben auch Debatten über christliche Werte wieder auf. Doch das westliche Christentum ist längst von zwei Seiten unter Druck geraten: durch den globalen Kapitalismus, der alles planiert und nivelliert, und durch den Islam.

Seite 13
Karl Unterdorf

Tai-Chi zur Einführung

Wer entspannen will, muss sich langweilen. Entweder man guckt den ganzen Abend Fernsehen oder man macht Tai-Chi. Dann wird man auch 100 Jahre alt, fest versprochen!

Stefan Ripplinger

Überall ist Südtirol

In seiner Lyrik attackierte er die Provinz und die Heimattümelei. Der Südtiroler Dichter Norbert C. Kaser floh immer wieder. Aber überall traf er auf Südtirol. Und am Ende soff er sich in Südtirol tot.

Seite 14
ndPlusKarin Leukefeld

Begegnung der besonderen Art

Den Mutigen hilft das Glück«. Der Leitspruch des »Jährlichen Kriegerwettkampfes« (Annual Warrior Competition) geht auf das lateinische Sprichwort »Audentes Fortuna Iuvat« zurück und ist heute Leitgedanke von militärischen und polizeilichen Elitekampftruppen in aller Welt. Seit 2009 begegnen sich die Besten von ihnen jeweils eine Woche lang im Frühjahr in Jordanien, um ihre Kräfte zu messen. G...

Seite 15
Frank Schirrmeister

War Games

Zum dritten Mal ist in diesem Herbst der Fotografiepreis des Münzenberg Forums verliehen worden. Unter dem Imperativ »Benütze Foto als Waffe« waren junge Fotografen aufgerufen, Arbeiten einzureichen, die sich mit den gesellschaftlichen Verhältnissen auseinandersetzen. Inzwischen hat sich der Fotowettbewerb etabliert und zieht, auch dank seines attraktiven Preisgeldes, zunehmend hochwertige Beiträg...

Seite 16
ndPlusJohanna Treblin

»Man muss immer konzentriert sein«

Der Pieper kündigt einen Brand an. Die Feuerwehrleute setzen ihre Helme auf, ziehen dicke Handschuhe über. Zwei von ihnen schultern Atemluftflaschen wie Rucksäcke. Ein Besuch auf einer Feuerwache in Berlin-Mitte.

Seite 17
Christof Meueler

Da muss noch etwas kommen

Das Leben ist ein Imbiss, aber nur zur Mittagspause. Man hat keine Zeit und trotzdem ist es fad. Das schnelle, unkonzentrierte Essen im Gehen oder im Stehen. Man kann die Mittagspause auch absitzen wie eine Strafe; dafür, dass man es gewagt hat, eine Kantine zu betreten. Essen fassen sagen sie beim Militär. Das trifft es ganz gut. Bratwurst fassen. Oder Käsestange, Döner, Chinabox. Anschließe...

Seite 18
ndPlusCornelia Naumann

Nur eine Woche Agitation

Geboren im Warschauer Getto, gestorben unter fragwürdigen Umständen in einer Münchener Gefängniszelle, Vorlage für eine literarische Figur Ernst Tollers: Sonja Lerch war eine Heldin der Revolution von 1918. Heute ist sie weitgehend vergessen.

Seite 19
ndPlusVelten Schäfer

Vom Treffen beim Schlagen

»Vermischt nicht Kritik an Israel mit Antisemitismus« - so der Titel einer Resolution von drei dutzend israelischen Intellektueller. Das Papier wurde hierzulande weitgehend ignoriert. Dabei spielt das Thema eine wachsende Rolle.

Seite 20
Georg Seeßlen

Rechts, zwo, drei

Die Federn rechts: AfD und Konsorten schimpfen auf die Lügenpresse. Dabei kommt dieselbe ihren Positionen rasant entgegen. Georg Seeßlen seziert den politischen Abmarsch des deutschen Journalismus.

Seite 22
ndPlusFinn Mayer-Kuckuk

Tabubruch im Labor

Forscher der Southern University of Science and Technology in Shenzhen in China haben erstmals genveränderte Babys zur Welt bringen lassen. Die Fachkollegen zeigten sich auf einem Kongress empört, doch Teamleiter He Jiankui kann keinen Fehler erkennen.

Ingrid Wenzl

Der Triumph der giftigen Alge

Tödliche Blüte: Während viele Organismen vom Klimawandel betroffen sind, profitiert die giftige Algenart Vicicitus globosus von ihm. Mit dramatischen Konsequenzen. Die Alge zerstört alles Leben um sich herum.

Seite 23
Manfred Ronzheimer

Alternativen zur Ratte

Berlin möchte einen ungeliebten Meistertitel loswerden. Die «Hauptstadt der Tierversuche» strebt danach, «Hauptstadt der Erforschung von Alternativmethoden» zu werden. Mit der Gründung eines neuen Zentrums wurde dazu ein wichtiger Schritt getan.

Seite 24
Wolfgang Hübner

Die Angst vorm perfekten Menschen

In China wurden erstmals genmanipulierte Babys geboren. Ist das zum Fürchten? Zumindest ist die Sache bedenklich. Wir wissen von den wenigsten Genen ganz genau, welche Eigenschaften sie bestimmen und welche sonstige Funktion sie vielleicht haben. Nebenwirkungen sind immer möglich und selten positiv. Das Ziel war es, die beiden Embryos gegen den Ausbruch von Aids zu immunisieren. Kann man...

Mike Mlynar

Runde Sache

Mathematik und Logik haben es nie wirklich zum Trendsport geschafft. Dennoch gibt es viele Fans, noch mehr Sympathisanten und massenhaft ehrfürchtige Bewunderer. Also etwa so wie beim Schach. Und wie dort scheinen auch in Mathematik und Logik Altersgrenzen kaum eine Rolle zu spielen. Dies ist im Kleinen zu spüren - also etwa bei der Beteiligung am nd-Denkspiel - wie im ganz Großen. Kürzlich stellt...

Seite 25
Marion Bergermann

Weitermachen

Drei Jahre nachdem vermehrt Geflüchtete ankamen, sind die freiwilligen Helfer*innen noch da. Weniger aber organisierter, denn ihre Arbeit hat sich verändert. Gebraucht werden sie nach wie vor, ankommen ist für Geflüchtete kaum leichter geworden.

Seite 26
Nicolas Šustr und Martin Kröger

Senat will Mietern der Karl-Marx-Allee helfen

Die Berliner Senatsfinanzverwaltung und die landeseigene Investitionsbank Berlin haben nach »nd«-Informationen gemeinsam ein Finanzierungsmodell entwickelt. Mit diesem soll den Mietern von rund 620 Wohnungen an der Karl-Marx-Allee geholfen werden.

Jérôme Lombard

Ehrentag statt Kampftag

Die Diskussion um den neuen Feiertag in der Hauptstadt ist entschieden: Es wird der Internationale Frauentag am 8. März. Grundsätzlich hat niemand etwas dagegen. Manche hätten allerdings ein anderes Datum bevorzugt. Aus unterschiedlichen Gründen.

Seite 27
Anna Gyapjas

Das Stigma ist der größte Feind

HIV-Medikamente verhindern die Übertragung. Trotzdem steckt sich in Berlin fast täglich jemand mit dem Virus an. Am Checkpoint BLN gibt es nicht nur Beratung, sondern auch Behandlung.

Seite 28
Alexander Ludewig

Von Leuchttürmen und Lagerfeuern

DFB-Präsident Reinhard Grindel verbrachte die letzten Tage in Berlin. Seine Auftritte trugen die gesellschaftliche Verantwortung des Fußballs als Überschrift. Sein Anliegen war das Werben für die EM 2024.

ndPlusOliver Kern

Zwang zum Nationenwechsel

Ob eine abtrünnige Provinz irgendwann mal ein unabhängiger Staat sein darf, entscheidet auch das IOC mit. Doch der oberste Sportdachverband verfolgt dabei keine klare Linie, was die Beispiele Kosovo, Taiwan und Färöer Inseln eindrucksvoll zeigen.

Seite 29
Andreas Morbach

Der Scheißtag ist aus der Welt

Biathletin Denise Hermann geht optimistisch in die neue Weltcupsaison: Die Olympiapleite in der Staffel mit anschließendem Streit ist aufgearbeitet und ein neues Trainergespann sorgt für neue Impulse.

Andreas Morbach

Da bewegt sich was

Der Präsident ist ausgetauscht. Die Generalsekretärin ist auch weg. Beim Dachverband der Biathleten, IBU, soll jetzt alles besser werden. Doch das Thema Doping wird er so schnell nicht los. Und auch nicht die Zweifel an seiner Wandlungsfähigkeit.

Seite 30
ndPlusRasso Knoller

Zu Besuch bei Zlatan

Malmö ist das perfekte Ziel für einen Wochenendausflug. Die Hauptstadt Schonens hat einiges zu bieten, ein in sich verdrehtes Hochhaus, einen verrückten Fußballprofi und eine verzaubernde Altstadt.

Seite 31
ndPlusEkkehart Eichler

Herrschen, tafeln, feiern, jagen

Im tiefsten Süden Thüringens liegt die Veste Heldburg mit dem Deutschen Burgenmuseum. Dort gibt es Erstaunliches zu erfahren über die Burgen und ihre Bewohner.

Seite 32
ndPlusJohanna Treblin

»Ich bin abgegangen wie eine Rakete«

Rosita Rogsch ging zur Polizei, als diese noch eine Männerdomäne war. Erst 1978 wurde die Westberliner Schutzpolizei für Frauen geöffnet. Auf der Straße sorgte Rogsch für Chaos, auf der Dienststelle wehrte sie sich gegen Sexismus.

Seite 33
Irmtraud Gutschke

Unter der Leselampe öffnen sich Welten

Bücher verschenken: Der Herr im grünen Sessel ist auf jeden Fall ein Leser. Die Bände stapeln sich bei ihm, was bedeutet: Gern hat er noch mehr davon. Aber was hat es mit dem ausgestopften Krokodil auf sich, auf das er seine Beine stützt? Haben die Tiere um ihn herum mit Abenteuern in seinem Kopf zu tun? Unter der Leselampe kann man Zeitreisen unternehmen, kein Ort ist einem zu fern. Ja, man schlü...

Seite 34
Klaus Bellin

Fasziniert vom »Evatum«

Der Vater, euphorisch wie selten, feierte ihre Geburt 1860 stolz in einem Brief. Sie hätten, schrieb der Vierzigjährige, nun auch ein Mädchen, »ein freundliches, liebes, kleines Dingelchen, das uns viel Freude macht«. Nach zwei Jungen nun Martha, ein Kind, das den Eltern keine Probleme bereitete und schnell Theodor Fontanes Liebling wurde, fröhlich, aufgeweckt, intelligent und wild. • Buch im...

Gunnar Decker

Zwischen den Fronten

Im Umgang mit Briefen zeigt sich der Mensch. Hermann Hesse verbat sich Besuche mittels Schild an der Gartenpforte, aber Briefe, auch die ihm völlig fremder Menschen, waren ihm wichtig. Fast alle beantwortete er. Lesen und Schreiben begann für ihn, der nur in wenigen kurzen Phasen seines Lebens Tagebuch führte, immer beim Brief. Ein Medium, in dem er sich selbst - und anderen - Rechenschaft gab. Ni...

Irmtraud Gutschke

Ein Treffen großer Geister

Eine außergewöhnliche Liebesgeschichte, eine Künstlerbiografie, ein Zeitbild: Am 9. November vor 200 Jahren wurde Iwan Turgenjew geboen, was mehreren Verlagen Anlass war, neue Übersetzungen seiner Werke herauszugeben; heute ist eigentlich alles von ihm lieferbar. Auch die Tatsache, wie eng der russische Schriftsteller sein Leben mit der Sängerin Pauline Viardot García verband, dürfte bekannt sein....

Seite 35
Christel Berger

Der Keim einer Traurigkeit

»Seitdem sie im Frühjahr 1933 allein die Grenze überquerten und die Kinder zunächst in Deutschland blieben, steckt in all ihren Gedanken der Keim einer Traurigkeit, die auch aus ihrer Prosa nie wieder ganz verschwinden wird.« Gemeint sind Anna Seghers und ihr Mann László Radvanyi. Die Kinder - der siebenjährige Peter (Pierre) und die fünfjährige Ruth - werden später von den Großeltern aus Mainz an...

Hans-Dieter Schütt

So elend und so schön

Der Tod kommt als Feind zu uns - da bemühe einer noch so sehr das blöde Argument vom Kreislauf der Natur. Herr Turin aber - Betonung auf der ersten Silbe - will den Tod. Er ist fünfundvierzig, lebt nicht freiwillig im Rollstuhl, aber freiwillig im Heim, er liebt Whisky und Weiber und Wein. Greint und grollt und grabscht. Und er will sterben. Will in die Schweiz. All seinen Witz und tatkräftigen Zy...

Seite 36
Jan Eik

Heimat, ganz ungeschönt

An Büchern über das Leben auf dem Dorf, in denen die scheinbare Idylle sich als trügerisch erweist, mangelt es nicht. Juli Zehs »Unterleuten« oder Regina Scheers »Machandel« sind literarisch anspruchsvolle Beispiele dafür. Der aus der Gegend von Ribnitz-Damgarten stammende Mathematiker Harry Schmidt (69) legt nun mit »Eulenort. Aus dem unglaublichen Leben des Rudi Kleineich oder Glückssuche in ein...

Irmtraud Gutschke

»Das Leben noch einmal aufblühen machen«

»Pemmikan - seltsamer Titel, nicht wahr?« Getrocknetes Fleisch vom Bison mit Fett gemischt - wenn die Jungs in Leipzig-Eutritzsch Indianer spielten, mussten verkohlte Kartoffeln dafür herhalten. Und großartig war es doch! • Buch im nd-Shop bestellen Peter Gosse: Pemmikan. Mein Leben, F. erzählt, meinem Enkel. Mitteldeutscher Verlag, 143 S., geb., 16 €. Ob die 88 Notizen dieses Buches s...

Holger Teschke

Eine Wunderkammer

»Wer die Zukunft kontrollieren will, muss die Vergangenheit abschaffen.«, schreibt Judith Schalansky im Vorwort ihres neuen Buches und fährt fort: »Wer sich zum Urvater einer neuen Dynastie ernennt, zur Quelle aller Wahrheit, muss das Gedenken an seine Vorgänger auslöschen und alles kritische Denken verbieten.« Hier bezeichnet die Autorin schon zu Beginn den Punkt, an dem ihr »Verzeichnis einiger ...

Seite 37
Rudolf Scholz

»Mein lieber Jean, Sie sind ein Voltaire!«

Erstmals wurde die Hallenserin Gertraude Clemenz-Kirsch 2007 mit ihrem Buch » Die sieben Leben des Pablo Picasso« bekannt. Spurensuche persönlicher Art (auch zu anderen Ausnahmekünstlern wie Chagall) wird ihr Metier, wenn sie sich mit der Kamera an die Lebensorte ihrer Protagonisten begibt. Der Fixstern ihrer Bewunderung bleibt jedoch Picasso. • Buch im nd-Shop bestellen Gertraude Clemenz- K...

Klaus Bellin

Rauschende Brünnlein

Er hat den letzten Brief, den ihm das liebe, sehr verehrte Fräulein schickte, lange liegen gelassen. Ende Dezember 1929 bricht er sein Schweigen und schickt der jungen Therese Breitbach einen Bericht seiner Lage. Er lebt seit beinahe einem Jahr in einer »schön gelegenen Heilanstalt« und kommentiert dies mit dem Satz: »Ich bin vollständig gesund und zugleich sehr ernstlich oder erheblich krank.« Im...

Hans-Dieter Schütt

In zwei Hände gegeben

Wer meint, sein eigenes Dasein wahrhaft deuten zu können, ist in trügerischem Glück gefangen. Wer im Brustton einer Überzeugung klar zu wissen meint, was die Dinge »im Innersten zusammenhält« (Goethe), der hält Anmaßung für Weisheit. Rainer Maria Rilke stellte fest, »dass wir nicht sehr verlässlich zu Hause sind/ in der gedeuteten Welt«. • Buch im nd-Shop bestellen Ulrich Grasnick: Fermate d...

Seite 38
Friedemann Kluge

Das Lazarus-Projekt

Im Forst zu Berlin-Spandau ereignet sich Seltsames. Ungeheuer treiben dort ihr Unwesen und sorgen für rätselhafte Fälle menschlichen Verschwindens. Doch wie kommen die Ungeheuer dorthin? Dieser Frage geht - zunächst unfreiwillig - der investigative Journalist Alexander Lindahl nach. Ein ehemaliger Studienfreund hat ihn eingeladen, für ihn und seine Firma Phoenix gegen eine Traumgage ein populärwis...

Gerd Bedszent

Die falsche Person

Wer ist hier Täter, wer Opfer? Das wohlgeordnete Hausfrauendasein von Theres gerät durch ein unerwartetes Ereignis aus den Fugen. Plötzlich tauchen Bilder aus der Vergangenheit wieder auf: die erste Liebe, die infolge gemeiner Intrigen zerbrach, und ein neugeborenes Kind, das sie nicht behalten durfte. • Buch im nd-Shop bestellen Anne Goldmann: Das größere Verbrechen. Argument Verlag mit Ar...

Christof Meueler

Sprechende Erbsen

Funny van Dannen hat es raus. Alles wirkt bei ihm ähnlich, und doch sind seine Bilder, Lieder und Geschichten immer wieder sehr originell. Und lustig, oft auch anrührend. • Buch im nd-Shop bestellen Funny van Dannen: Die weitreichenden Folgen des Fleischkonsums. Edition Tiamat, 180 S., geb., 16 €, »Alles gut, Motherfucker« (CD, Edition Tiamat, 16,90 €). Emotion durch Ironie lautet sein...

Jan Eik

Stadtrundfahrt mit Krimitipps

Horst Bosetz-ky hat für seine Kriminalromane oft sehr treffende Titel gefunden. Einer wird in der Traueranzeige seiner Familie für ihn zitiert: »›Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen‹ (Juli 1972)«. Kurz vor seinem Tod erschien im Jaron-Verlag der letzte aus seinem Computer stammende Kappe-Roman »Rotlicht«, den er gemeinsam mit Uwe Schimunek verfasst hatte. Seine überbordende Produktion ist da...

Seite 39
Werner Jung

Liebe & Lappalien

»Das Leben«, gesteht Max, der Erzähler, seiner Frau Tina, mit der er seit 26 Jahren zusammen ist, »besteht nun mal, wenn man es in seine atomaren Einzelteile zerlegt, aus lauter Lappalien. Es sind die Zusammenhänge zwischen den Lappalien, welche die ganze Sache erst interessant machen.« Lappalien wie etwa die Liebe. Darin steckt auch eine poetologische Aussage, die der Schweizer Romancier Alex Cap...

Sabine Neubert

»Auf das Leben!«

Manche Texte sind ganze Lebensgeschichten, manche handeln von Wundern, viele sind Momentaufnahmen aus dem Alltag. Aber was heißt in Israel schon Alltag? Es gibt dort so viele Konflikte und Probleme, wie es unterschiedliche Menschen aus aller Welt gibt, ins Land gekommen seit der ersten und zweiten Alijah, über die Zeit des Holocaust und danach bis hin zu den russischen und osteuropäischen Einwande...

Lilian-Astrid Geese

Zarte Stimmen, die nachdrücklich aus Gedichten sprechen

»Zwischen den Welten/ teilt es sich/ ist weder Ich noch Ich«, dichtet Marianne Rosenberg. Sie ist Romnja, was viele nicht wissen. Auch Yul Brynner und Charles Chaplin gehörten dem Volk der Roma an. Es gibt vieles, was den »Gadje« (Nicht-Roma) unbekannt ist - über Sinti und Roma, Travellers und Jenische. Auch ein Großteil ihrer Kulturproduktion blieb den Mehrheitsgesellschaften verborgen. Weil wir,...

Thomas Blum

Maus, Katze, Bär & Co.

Es herrscht schon lange ein großes Missverständnis in diesem Land: Ein Dichter gilt hier meist nur dann etwas, wenn er möglichst bedeutungs- und bleischwer klingende Satzgirlanden aneinanderreiht, und das möglichst humorfrei. Nicht selten muss das Erzählte vor Feierlichkeit triefen. Und wenn die Sätze nur oft genug mit erhobenem Zeigefinger daherkommen und mit einem Goldrand versehen sind, ist der...

Seite 40
Holger Teschke

Der Vater der Science-Fiction

Als Jules-Gabriel Verne am 24. März 1905 in Amiens im Alter von 77 Jahren starb, hatte er über sechzig Romane verfasst, dazu Bühnenstücke, Erzählungen, Essays und fünf umfangreiche Sachbücher. • Buch im nd-Shop bestellen Ralf Junkerjürgen: Jules Verne. wbg Theiss, 260 S. m. Abb., geb., 24 €. Damit stand er neben Balzac, Maupassant und den Dumas in der Reihe der produktivsten und am mei...

Friedemann Kluge

Was für ein Farbenspiel!

Wenn es je ein »Multikulti« gab, das sich in einer einzigen Person konzentrierte, dann hat es sich den Schriftsteller Lafcadio Hearn ausgesucht: Sohn eines Iren und einer Griechin, in England aufgewachsen, in die USA gezogen, dann in Japan eine Japanerin geheiratet und sowohl die japanische Staatsbürgerschaft als auch einen japanischen Namen angenommen. Während seiner nordamerikanischen Zeit (1869...

Raimund F. Engelke

Go-saeng - leiden müssen

Der Satz, der programmatisch über dem ganzen Buch stehen könnte, findet sich auf Seite 470: »Ihr Leben lang hatte Sunja diesen Ausspruch von anderen Frauen gehört: dass sie leiden mussten - als Mädchen, als Ehefrauen, als Mütter - und noch im Sterben litten.« Denn es sind in dieser opulenten Familiensaga über sechs Generationen die Männer, die mehr oder weniger erfolgreich Karriere machen, die die...

Ute Evers

Ein Wortgewaltiger im Elend

Es ist nicht immer einfach, ein Werk posthum zu erobern, vor allem, wenn sein Autor jung verstorben ist. Dabei war der Ungar Andor Endre Gelléri ein Wortgewaltiger, der von seinem Talent indes nicht leben konnte. Wie viel kostbare Zeit verlor er in profanen Arbeiten - so die erste Reaktion derjenigen Leser, die der sprachlichen Kraft, der Magie der Geschichten verfallen. Andererseits liest sich au...

Seite 41
Irmtraud Gutschke

Wege aus der Versteinerung

Zwei Frauen haben einen riesigen Tisch auf einen Handwagen geladen, der aus einem deutschen Fahrrad gebaut worden ist. In einem belorussischen Dorf machen sie sich 1986 auf den Weg nach Gorki, das heute wieder Nischni Nowgorod heißt. Weit über tausend Kilometer zu Fuß - warum fahren sie nicht mit dem Zug? Ganz einfach, mit dem wuchtigen Möbelstück hat die Bahn sie nicht mitgenommen. • Buch im...

Karlheinz Kasper

Meisterwerk der Moderne

Was Michail Bulgakow (1891- 1940) in seinem Romanerstling mit autobiografischer Authentizität darstellt, wirkt gegenwartsnah. In der von Russland abgespaltenen Ukraine tobte 1918/19 ein erbitterter Bürgerkrieg. Den von deutschen Besatzungstruppen gestützten Hetman Skoropadski zwingt der Volkswiderstand zum Rücktritt. Petljura, nach dem Rückzug der Deutschen Armeebefehlshaber und Regierungschef, tr...

Sabine Neubert

Unermesslich die Weite dieses »Landes der Ströme und der Flüsse«

»Vor mir also, in der Sonne glitzernd, der Amur. Breit wie ein Meeresarm. Fast achthundert Kilometer vor seiner Mündung. Wir sind angekommen. Viertausend und ein paar Kilometer seit dem verschneiten Krasnojarsk. Alte Männer tanken Sonne am Strand, die Mützen fest über die Ohren gezogen ... Ich wäre gern im Flusshafen von Komsomolsk an Bord eines Schiffes nach Nikolajewsk gegangen ...« Der Grund: I...

Seite 42
Florian Schmid

Wer sich entziehen will ...

Wenn Jerome Leroy Frankreichs politischer Realität zu Leibe rückt und mögliche Ereignislinien einer nahen Zukunft entwirft, kommt spannende Literatur heraus. Schon im vergangenen Jahr erschien hierzulande pünktlich zur Präsidentschaftswahl in Frankreich »Der Block«, ein beachtlicher Roman über die französische Rechte, in dessen Zentrum eine Partei steht, die dem Front Nationale ähnelt und in einer...

Silvia Ottow

Königin mit Künstlern und Knackern

Es ist an diesem Abend schon die zweite oder dritte Linie Koks für den Künstler Walter van Raamsdonk. Auch dem ersten Glenfiddich sind längst weitere gefolgt. Zwischendurch hat er eine Valiumtablette aus der Pillenschachtel gefischt. Wir sind im »Gimmick«, einem Club in Amsterdam, Ende der 1980er Jahre. Zwei Etagen. Drogen. Extase. Abgefahrene Musik. Gespräche über maximale Poesie, Konzeptkunst, S...

Irmtraud Gutschke

Der Alsina-Fluch

Wahrscheinlich wird das Publikum in ihrer Heimat den Roman noch ganz anders lesen als wir. Womöglich sind Anspielungen darin zu entdecken, konkrete Personen und Ereignisse wiederzuerkennen, wobei die Autorin wohl eine gewisse Vorsicht walten lassen musste. Wer wirklich hinter die Kulissen des Politikbetriebs leuchten will, begibt sich aufs Glatteis, wahrscheinlich nicht nur in Argentinien. • ...

Seite 43
Holger Teschke

Verskonzert

Von Alfred Lord Tennysons »Maud« (1855) bis Simon Armitages »Zoom« (1987) - die »Poets’ Collection« vereint auf 13 CDs 94 englischsprachige Autorinnen und Autoren mit 192 Gedichten. Wobei sich das Wunderbare dieser Sammlung nicht nur aus den großartigen Gedichten in zumeist kongenialen Übersetzungen und Interpretationen ergibt, sondern auch aus dem Stimmenkonzert der Dichter, die man bisher nur ve...

Reiner Oschmann

Bibel der Bäume

Im Dezember 1997 stieg die junge Amerikanerin Julia Butterfly Hill in Kalifornien auf einen tausendjährigen Küstenmammutbaum und verharrte in 60 Metern Höhe 738 Tage. So wollte sie die Abholzung eines Sequoiawalds durch ein übel beleumundetes Unternehmen verhindern, das die junge Frau mit Trick und Drangsal aus der Baumkrone zu vertreiben suchte. Julia gab nicht auf und rettete ihren Baum. Doch si...

Sabine Neubert

Ein Liebesbrief und die Folgen

Blumen sind Liebesboten. Wenn der junge englische Schriftsteller David Whitehouse in seinem zweiten Roman eine Reise in die fantastische Welt der Blumen unternimmt, erzählt er natürlich eine Liebesgeschichte, eine zarte, eine traurige, eine herzzerreißende, übrigens nicht nur die zwischen zwei »Blumenkindern«, sondern auch die zwischen einem Vater und einem Sohn. Das begreifen wir aber erst am End...

Seite 44
Harald Loch

Der reiselustige Papst

Geschichte ist Vergangenheit. Landschaft ist Gegenwart - und birgt doch auch Vergangenes. Kaum ein Land, das dies eindrucksvoller beweist als Italien. Und keiner ist wohl berufener, darüber zu berichten, als Arnold Esch. Er war Professor für Mittelalterliche Geschichte in Bern und über ein Jahrzehnt lang Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Rom. Als Mitglied des Deutschen Archäologisch...

Stefan Berkholz

Die schlauen Griechen

Wie schlau und basisdemokratisch waren doch die alten Griechen einst, wenn auch nur für ein paar Jahre. Das Volk herrschte tatsächlich und hatte die Macht nicht abgegeben an Statthalter, Funktionäre oder Lobbyisten. Die Legislative, die Regierung und die Gerichtsbarkeit lagen wahrhaftig in den Händen der Bürger! • Buch im nd-Shop bestellen Pedro Olalla: Die ausgegrabene Demokratie. Ein polit...

Seite 45
Werner Abel

Der Riss ging durch Familien

Kann man die deutsche Novemberrevolution vom Ende der Demokratie her denken, die sie hervorgebracht hat? Entsprach diese Demokratie dem, was sich die Protagonisten der Revolution erträumten? Antworten darauf finden sich im Buch von Heidi und Wolfgang Beutin. • Buch im nd-Shop bestellen Heidi Beutin/ Wolfgang Beutin: Fanfaren einer neuen Freiheit. Deutsche Intellektuelle und die Novemberrevol...

Gunnar Decker

Das Ende einer Flucht

Das Buch endet mit einem starken Bild: »Der Tod meiner Großmutter war für mich der Fall der Mauer. Am 6. Mai 2016 habe ich die DDR verlassen.« Der Enkel Roberto erzählt - zusammen mit dem Filmemacher Thomas Grimm - nicht nur vom Ende der DDR und einer neuen Existenz in Chile, dem Heimatland seines Vaters, sondern vor allem auch von den verschiedenen Generationen in seiner Familie. Roberto liebte s...

Seite 46
Karlen Vesper

Freie, Gleiche und Herrin ihrer Geschicke

Dem noch jungen Manifest-Verlag ist zu danken, marxistische Klassiker wieder unter die Menschen zu bringen, zwecks Aufklärung und Vernunftstärkung. Passend zum 100. Jahrestag des Frauenwahlrechts in Deutschland gab er beispielsweise August Bebels »Die Frau und der Sozialismus« neu heraus. Der Mitbegründer der deutschen Sozialdemokratie und einer der wenigen damaligen männlichen Vorkämpfer für Frau...

Karlen Vesper

»Warum ward ich kein Mann!«

Von einem Autor oder einer Autorin ein Buch mit Widmung zu erhalten, ist schon eine Ehre. Dazu aber noch einen handgeschrieben Brief - in unserer brieflosen Zeit - zu empfangen, steigert diese. Die »hochwohlgeborene« Karla Luise Cäcilie von Skotwicki, die mit Ehelichung zu Karla Dyck wurde, nennt sich »ein Gewächs der (klugen) Bündnispolitik der DDR«. Sie ist die Tochter eines adligen Wehrmachtsof...

Seite 47
Reiner Oschmann

Der impulsivste, arroganteste und chaotischste Präsident

Die Frage im Buchtitel »Wie gefährlich ist Donald Trump?« wirkt im Jahr 2018, gut anderthalb Jahre nach dessen Amtsantritt, auf den ersten Blick veraltet, unzeitgemäß. Doch hier äußern sich nach akribischen Studien 27 renommierte Experten aus Psychiatrie und Psychologie zum Phänomen des Immobilienmoguls im Weißen Haus. Das macht den besonderen Reiz und Wert dieses dramatischen Sachbuchs aus. Es we...

Seite 48
Ernst Reuß

Verbotene Liebe

Bruno Balz schrieb den Song »Kann denn Liebe Sünde sein?«. Und wurde wegen Homosexualität verurteilt. Weil der Komponist nicht ohne den Texter weiter am Film »Die große Liebe« mit Zarah Leander in der Hauptrolle arbeiten wollte, wurde Balz wieder entlassen, mit der Auflage, innerhalb von 24 Stunden die Texte zu schreiben. Es entstanden die Hits »Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen« und »...

Werner Abel

Und alle Menschen verloren ihr Gesicht

Hannah Arendt schrieb in ihrer Studie über die totale Herrschaft, dass diese sich unter anderem durch die Konstruktion eines »objektiven Feindes« auszeichnet. Dieser, ob eine Person, Gruppe oder Gemeinschaft, wird zunächst moralisch, dann juristisch und physisch eliminiert. • Buch im nd-Shop bestellen Barbara Schieb/ Jutta Hercher (Hg.): 1938. Warum wir heute genau hinschauen müssen. Elisab...

Karlen Vesper

Zwei Stiefel und zwei Ichs

»Das Bild von Che Guevara bleibt, der Zeit zum Trotz, den so ungeheuren Ereignissen, die täglich und unerbittlich eins aufs andere folgen; es bleibt an den Wänden und in den Köpfen vieler junger Menschen: unverändert, schön und romantisch«, war Jorge Amado überzeugt. Wie zur Bestätigung hat das Vorwort zum neuen Buch von Eberhard Panitz, Jg. 1932, ein junger Aktivist verfasst: Tobias Salin, 1990 g...

Seite 49
Ernst Reuß

Nicht die geringste Spur von Mitgefühl, sie lachten und scherzten

»Der heutige Tag war sehr schwer für die Juden. Einige Monate lang hatten sie vergleichsweise Ruhe … Sie begannen schon, sich in einer für sie typischen Weise in Sicherheit zu fühlen, was man an ihrem Verhalten auf der Straße sehen konnte. Aber in den letzten Tagen kam plötzlich die Nachricht, dass 500 Juden aus Szczebrzeszyn in ein Arbeitslager gebracht werden sollen. Es entstand unter ihnen unhe...

Reiner Tosstorff

Die Explosion von Gewalt

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs durch den Waffenstillstand im November 1918 war noch keineswegs der Frieden erreicht. Im Gegenteil, in vielen Teilen Europas sowie in Kleinasien brachen nun neue bewaffnete Auseinandersetzungen aus, oder stattfindende Kämpfe erhielten sogar, wie im Gebiet des ehemaligen russischen Reichs, einen starken Auftrieb. Diese Entwicklung wurde durch die Staatsbildungspro...

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Franziska Klein

Gestalterisches Potenzial

Eine große Ehre ist Dietmar Enderlein zuteil geworden. Horst Klinkmann, Koryphäe für Dialyse und künstliche Nieren, langjähriger Professor für Innere Medizin an der Universität Rostock, Direktor der dortigen Klinik für Inneres und letzter Präsident der Akademie der Wissenschaften der DDR, schrieb das Vorwort zu dessen Erinnerungsbuch. 1992 hatte eine »Ehrenkommission« dem international anerkannten...

Jutta Grieser

Lebenskraft und Leidenschaft

»Wie unergründlich sind seine Gerichte und unaufspürbar seine Wege«, heißt es im Brief des Paulus an die Römer. Das lässt sich auch über jene Wege sagen, auf denen Westdeutsche die DDR entdecken. Beispielsweise Rainer Bauer, der als Informatiker in der Schweiz arbeitete und nach dem Ende der DDR im Land Brandenburg einen eigenständigen Ableger des 1927 in Stuttgart gegründeten Familienunternehmens...

Gerd Bedszent

Es begann mit »Druschba«

Es steht schlecht um die Beziehungen zwischen den Staaten der Europäischen Union und Russland. In den großen Medien hierzulande wird selten thematisiert, dass die EU und insbesondere Deutschland jedoch einen Großteil ihres Bedarfes an fossilen Energieträgern aus Russland bezieht. Darauf nun macht die Politologin Franziska Lindner eindringlich aufmerksam. Sie entknäult verdienstvollerweise das komp...

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Hans-Dieter Schütt

Doch die Furcht bleibt

Die Flucht zum zynischsten Ausdruck des Weltbürgertums gemacht zu haben - das war im 20. Jahrhundert der barbarische Beitrag Deutschlands zur Internationalität des Menschen. Des Menschen, der Geld oder Glück brauchte oder die Gunst der Vorahnung hatte und also schnell und rechtzeitig dem Nazireich entkam. Das Weite suchen - letzte Rettung vor Verfolgung und Tod. »Außer einer unheilbaren Krankheit ...

Jürgen Hofmann

Abseits von Mainstream und Nostalgie

Für jeden, «der redlich und ehrlich mit der Wissenschaft und seiner eigenen Vergangenheit» umgehe, sei «kritische Analyse unumgänglich», betont Walter Schmidt. Er weigere sich aber den gewünschten Totalverriss« mitzumachen. Er wolle »vielmehr zugleich all das berücksichtigt wissen, was an Leistungen und richtigen Erkenntnissen gewonnen worden war«. • Buch im nd-Shop bestellen Walter Schmidt:...

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Karlen Vesper

Die sanfte Gewalt

Es ist erstaunlich, was das kleine Großherzogtum Luxemburg mit gerade mal 600 000 Einwohnern für große respektive einflussreiche Männer hervorbringt. Vor Jean-Claude Juncker waren schon zwei Luxemburger Präsident der Europäischen Kommission: Gaston Thorn und Jacques Santer, beide auch Premier ihres Landes. • Buch im nd-Shop bestellen Jean Feyder: Leistet Widerstand! Eine andere Welt ist mögl...

Jan Rehmann

Wenn die Dinge selbst ein Tun sind

Nach Wolfgang Fritz Haug hätten die 1974 erstmals auf Deutsch erschienenen »Drei Versuche zur materialistischen Geschichtsauffassung« von Antonio Labriola, verfasst zwischen 1895 und 1897, zu einer »veritablen Um-Gründung des Marxismus« führen können - wenn sie vom russischen und damals hegemonialen deutschen Marxismus rezipiert worden wären. Mit Engels stand Labriola von März 1890 bis Juli 1895 i...

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Ursula Rütten

Das Kuschelhormon Oxytocin

»Wer Glück hat, trifft ein Tier, das mit einem sprechen will, … das einen kennenlernen möchte.« Eva Meijer hatte offenbar dieses Glück. Ihre frühen Erfahrungen mit diversen Haustieren, später mit ihrem Hund Pika, haben ihr Einblicke in das weite Feld der sprachlichen Kommunikation unterschiedlicher Lebewesen gegeben. »Ohne Pika wäre dieses Buch nicht entstanden«, heißt es im Vorwort. Es wäre gewis...

Harald Loch

»Alles ist Rechnen«

Heute wissen, was morgen sein wird - ein Traum seit jeher. Das Fenster zur Zukunft ist geöffnet - dank der »Edge«-Frage, die John Brockman, Visionär aus Bosten, alljährlich führenden Wissenschaftlern, vor allem aus den USA, stellt: »Was halten Sie für die interessanteste wissenschaftliche Neuigkeit unserer Zeit?« Knapp 200 Antworten erhielt er im vergangenen Jahr, die nun in einer hervorragenden Ü...

Karlen Vesper

Das faule Python-Ei

Der Prolog stimmt mit einer alten Geschichte ein, die man sich in Afrika erzählt. Die Kom hatten eines Tages, aus welchem Grund auch immer, ihre Bohnenfelder und Beete verlassen. Etwa auf der Flucht vor den Kameltreibern aus Darfur, die - wie es hieß - Frauen und Kinder rauben? Jedenfalls schnürten sie ihre Bündel, buckelten ihre Töpfe, Pfannen und Krüge mit Mais und Maniok und zogen gen Westen. »...

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Karlen Vesper

Sie sind tatsächlich wieder da

Das Cover zeigt eine Fotomontage von John Heartfield: aus dem Jahre 1933: «Werkzeug in Gottes Hand? Spielzeug in Thyssens Hand!» Hitler als Marionette des allmächtigen Kriegsprofiteurs und Kriegsverbrechers. Einleitend erinnert Christoph Vandreier an den Bestseller von 2012 «Er ist wieder da» von Timur Vermes, der drei Jahre später auch als Kinofilm erfolgreich war. Eine Satire, bei denen vielen d...

Peter Kirschey

Und kein Ende ...

Mord und immer wieder Mord. Die Republik wird überschwemmt mit Blut und Ballermännern und manchmal auch -frauen. Kein leichenfreies, noch so raffiniertes Verbrechen schafft es auf die Flachbildscheibe. Unter einem Mord geht nichts. Und es nimmt einfach kein Ende. So artet das alltägliche mediale Blutbad in der Regel in gähnender Langeweile aus. • Buch im nd-Shop bestellen Ernst Reuß: Mord un...

Zaklin Nastic/Klaus Höpcke

Wie wir pralle Muskeln bekommen

Spitzen von SPD, Grünen, FDP, CDU - und auch Repräsentanten der Linkspartei - setzen allzumeist Nation und Nationalstaat mit einem »Rückfall« gleich, gar »in den Nationalismus«. Damit nun bricht der Sozialdemokrat Michael Bröning, er will Sozialstaat und Migration, Demokratie und Nationalstaat in ein neues Gleichgewicht bringen. Ein Mehr an Demokratie sei nur in stabilen Nationalstaaten möglich. S...

Seite 55
Frieda Voll

Waldwanderung

»Die Wälder sind mein berufliches Zuhause, und die Arbeit mit Bäumen ist mein Leben«, sagt Peter Wohlleben von sich. Er ist der wohl bekannteste Förster des Landes, denn er hat schon mehrere Bücher über die Bäume und Tiere des Waldes geschrieben. Begeisterte Leser fanden sie, weil viele Menschen Sehnsucht nach der Natur verspüren und mehr darüber wissen möchten. • Buch im nd-Shop bestellen P...

Irmtraud Gutschke

Mimi und Rodolfo

»Wie eiskalt ist dies Händchen! Lassen Sie, ich wärme es ...« Auf beiliegender CD durfte die berühmte Arie des Rodolfo aus Puccinis Oper »La Bohème« natürlich nicht fehlen. Wer kennt sie nicht, die ergreifende Liebesgeschichte, die so traurig endet, weil kein Geld da ist zum Leben, geschweige denn, um die Tuberkulose zu heilen, an der Mimi schon lange leidet. Eine unsterbliche, tragische Liebe in ...

Silvia Ottow

Abends grüßt die Giraffe

Rachelis Freundin hat nie jemand gesehen, nie konnte man ein Wort von ihr vernehmen. Sie nennt sie Hadass. Beim Abendessen bekommt Hadass eine kleine Extraportion vom Kompott, zum Baden nehmen Rachelis Eltern zwei Schwimmringe mit, damit sie nicht ohne Schutz ins Meer gehen muss. Und beim Zubettgehen bekommt die kleine unsichtbare Geheimnisvolle eine Stoffpuppe aus Guatemala unter das Kopfkissen, ...

Samuela Nickel

Keiner will’s gewesen sein

Lilo ist ein lustiges kleines Mädchen mit einer riesengroßen Persönlichkeit. Zusammen mit ihrer frechen Schwester Lotte drängt es sie, schon seit sie ganz klein war, nach Selbstbestimmung. Im Kinderbuch »Lilo und die Dubties« erzählt Doreen Mechsner von Lilos aufgeweckten Abenteuern und verschweigt auch nicht, dass dabei auch ganz schön viel Unfug dabei herauskommt. • Buch im nd-Shop bestelle...

Seite 56
Eva Peter

Großes denken

»Werde ich immer Glück haben?«, überlegt der kleine Junge. Die Buchkünstlerin Moni Port lässt ihn einen Sternenhimmel sehen, den ein Komet durchpflügt. Mit hellen Augen schaut das Kind in die Nacht, während es doch schlafen sollte. Leicht gesagt! Mit einem Mal kommen ihm Kleeblätter in den Sinn und dann die Frage, in welchen Momenten es eigentlich am glücklichsten sei. • Buch im nd-Shop beste...

Silvia Ottow

Yetis lachen nicht

Philip Wright ist so ungefähr der charmanteste, witzigste und fantasievollste Zwölfjährige, den man sich vorstellen kann. Ein wenig naseweis vielleicht, dieser kleine Mister »Richtig«, aber schließlich will er Comedian werden und im Fernsehen auftreten wie sein berühmtes Vorbild Harry Hill. Da darf man nicht zimperlich sein mit der Selbstinszenierung. Und ist nicht jeder Schultag von der ersten bi...