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Nach der Apokalypse im Paradies

Berlin. Vor rund anderthalb Wochen wurden die verheerenden Waldbrände in Kalifornien gelöscht - nun durften sich die Anwohner von Paradise ein erstes Bild von den Schäden an ihren Häusern machen. Nur in Begleitung, nur in Schutzanzügen, und was sie dort erblickten, dürfte den Eindruck der Apokalypse noch verstärkt haben. Sie wurden vor Giftstoffen gewarnt, die betroffenen Gebiete sind immer noch o...

Eva Roth

Keine Angst!

Die Blicke richten sich nach Frankreich. Aus den Protesten von politisch schlecht einzuordnenden Autofahrern ist eine breite Aufstandsbewegung geworden. Schwer vorstellbar in Deutschland, wo die Angst umgeht, höhere Löhne könnten Arbeitsplätze vernichten.

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ndPlusUte Evers

»Sie haben uns mit Geld totgemacht«

Schriftsteller Ilija Trojanow sieht in der Entwicklungshilfe ein grundlegendes Problem: »Die Menschen, die die Systemfrage stellen, die grundsätzliche Fragen stellen nach Selbstorganisation, Selbstbestimmung, Eigentumsverhältnissen, werden nicht gefördert.«

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Peter Stäuber

Was wollen die?

Am Dienstag ist es so weit: Das Unterhaus stimmt über den Brexit-Deal ab. Dieser stößt auf Widerstand – nicht nur bei Labour, sondern auch in der rechten Opposition und der konservativen Parteidissidenz. Die Forderungen reichen von Neuverhandlung des Abkommens bis zum »harten Brexit«.

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Bernard Schmid

»Legitimer Zorn«

Trotz erster Zugeständnisse von Präsident Macron haben die Gelben Westen für dieses Wochenende neue Proteste überall in Frankreich angekündigt. Am Samstag sollen 89.000 Polizisten im Einsatz sein – darunter 8000 allein in Paris.

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Uwe Kalbe, Hamburg

Der Chef bleibt weiblich

Annegret Kramp-Karrenbauer ist neue CDU-Vorsitzende. Die bisherige CDU-Generalsekretärin setzte sich am Freitag auf dem Parteitag in Hamburg in der Stichwahl gegen den früheren Unionsfraktionschef Friedrich Merz durch.

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Sebastian Bähr

Rettungsschiff »Aquarius« beendet Einsatz

Der Einsatz des Rettungsschiffs »Aquarius« im Mittelmeer wird beendet: Nach monatelangen Schikanen sehen sich Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée gezwungen, das Schiff außer Betrieb zu nehmen, wie die beiden Hilfsorganisationen am Freitag mitteilten. Bereits seit zwei Monaten habe es den Hafen von Marseille nicht verlassen können. »Was wir in den vergangenen Monaten erlebt haben, war eine Kamp...

Rainer Balcerowiak

Mehr Geld oder Zeit

In der Tarifrunde bei der Deutschen Bahn wird durch die Blume schon mit Warnstreiks gedroht. Doch scheint weder die Chefetage noch scheinen die beiden Bahngewerkschaften dieses Jahr sehr konfliktfreudig zu sein.

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ndPlusAlexander Isele

Trumps nächste Lautsprecherin

Heather Nauert soll neue US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen werden. Die frühere Vox News-Moderatorien hat nur wenig diplomatische Erfahrung, gilt aber als loyale Unterstützerin von Präsident Trumps.

Haidy Damm

Ein Anfang

Keine Frage: Die Gelben Westen in Frankreich stellen das politische System infrage. Dennoch schleicht sich Unbehagen ein. Worauf es jetzt ankommt, ist nicht, den Aufstand um seiner selbst willen zu feiern, sondern ihm eine solidarische Perspektive zu geben.

Anselm Schindler

Die Systemfrage stellen

Die Riots und Blockaden in Frankreich haben das Potenzial, zu einer Massenbewegung von unten zu werden, die die Systemfrage stellt.

Wolfgang Hübner

Ende einer Expedition

Das »neue deutschland« beendet die Kolumne »Expedition Europa« von Martin Leidenfrost. Der hatte kürzlich mit einem homophoben Kommentar zur Ehe für alle für Empörung gesorgt.

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Deutsche Kriegsräte

Im Deutschen gibt es Wörter, die mehrere Bedeutungen haben. Zum Beispiel aufschieben. Man kann damit ausdrücken, man wolle etwas durch Schieben öffnen, und dies sogar, indem man einen Riegel (von dem es auch mehrere Bedeutungen gibt; man kann ihn in Schokoladenform auch essen!) zurückschiebt. Oft wird aufschieben allerdings metaphorisch verwendet - im Sinne von hinauszögern oder vertagen. In ...

Bahareh Ebrahimi

Tiere müssen nicht Englisch können!

Wie spricht man mit den Tieren und Bäumen? Eine Ausstellung in Berlin beschäftigt sich mit dieser Frage. Inzwischen beschwert sich eine ältere Dame, warum die Titel der Werke nicht auf Deutsch seien. Ein Text über das Streben nach Verstehen.

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Stephan Fischer

Das Problem der letzten Meile

Die Welt sieht jeden Tag anders aus. Eine zugegeben nicht bahnbrechende Erkenntnis, die aber ihre ganze Tiefenwirkung sehr gut dann entfaltet, sieht man jeden Tag denselben Streifen Welt am mehr oder weniger verschmutzten Fenster des Waggons vorbeiziehen. Da verfallen zusehends Ruinen alter Lagerhallen (steinern, arbeiteten hauptsächlich Menschen drin), werden aus Äckern erst Gruben, dann Stahlger...

Marco Tschirpke

Die Summe der Alleinstellungsmerkmale

Das Abseitige, das zu besingen sonst keiner unternimmt, ist der Bereich, in dem der Chansonnier Sebastian Krämer seine Heimspiele feiert. Sich mit Naheliegendem zu befassen, liegt ihm fern. Dieser Tage erscheint seine neue CD.

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Heiko Werning

Ihre Daten sind uns wichtig

Wer entspannen will, muss sich langweilen. Entweder man guckt den ganzen Abend Fernsehen oder man macht Tai-Chi. Dann wird man auch 100 Jahre alt, fest versprochen!

ndPlusGuido Speckmann

Intensives Atmen vermeiden

Gerhard Henschel hat den achten Band seines Romans über Martin Schlosser veröffentlicht. Für alle, die die bisherigen Bücher kennen, ist auch der «Erfolgsroman» ein Muss. Anfänger sollten sich einen früheren Band greifen.

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Niklas Franzen

Auf der Matte mit Antifas

In Neubrandenburg haben Linke ein Kampfsportstudio eröffnet. Dort wollen sie trainieren, um sich gegen Nazis verteidigen zu können, die in den umliegenden Dörfern wohnen und Migranten angreifen.

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Helen Roth

König ohne Königreich

Nach 40 Jahren als Intendant ist Claus Peymann mittlerweile freier Theaterregisseur. An der Universität Koblenz-Landau gab er ein Seminar als Poetik-Dozent.

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Stephan Kaufmann

Design a Party

Die DNA erfreut sich derzeit konstanter Aufmerksamkeit, nicht nur wegen Nana und Lulu, der zwei Mädchen, deren Erbgut der chinesische Forscher He Jiankuai verändert haben will, sondern auch, weil die DNA zunehmend im Politjargon auftaucht. Laut der niedersächsischen Grünen Anja Piel zum Beispiel »steckt das Linkssein in der grünen DNA«. Für die Berliner Juso-Landesvorsitzende Annika Klose ist...

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Christopher Wimmer

Keine Rettung unterm Kapital

Faschismus zielt immer auch auf Selbstzerstörung - und ist trotzdem fatal anziehend, sagt Karl-Heinz Dellwo im Interview. Der Linken fehle hingegen der Mut, radikal über das Bestehende hinauszudenken.

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Ulrike Wagener

Ausnahme als Regelfall

Im akademischen Mittelbau sind die meisten Stellen befristet. Eine Initiative an der Uni Kassel wehrt sich nun dagegen.

ndPlusTom Wohlfahrth

Dystopisches Dilemma

Die Menschen starren gebannt auf die Schrecken einer drohenden Klimakatastrophe. Nötig wäre aber ein Vokabular der Freude und Fantasie, schreibt Tom Wohlfarth.

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Andreas Fisahn

Cäsar und «Wir»

Neigt sich «Linkspopulismus» per se nach rechts, ins Homogene, Autoritäre? Oder ist es höchste Zeit für eine kraftvolle Mobilisierung gegen «die da oben»? Chantal Mouffes Linkspopulismus stellt Polarisierung über Pluralismus, sagt Andreas Fisahn.

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Violetta Bock

Durchkreuzen der Scheinfront

Neigt sich »Linkspopulismus« per se nach rechts, ins Homogene, Autoritäre? Oder ist es höchste Zeit für eine kraftvolle Mobilisierung gegen »die da oben«? Das »Volk« des linken Populismus entsteht im Kampf um Würde und Demokratie, sagt Violetta Bock.

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Mars-Rover »Opportunity« verstummt?

Forscher der Southern University of Science and Technology in Shenzhen in China haben erstmals genveränderte Babys zur Welt bringen lassen. Die Fachkollegen zeigten sich auf einem Kongress empört, doch Teamleiter He Jiankui kann keinen Fehler erkennen.

Reinhard Renneberg , Innsbruck

Das Immungedächtnis der Bakterien

Alle Welt ereifert sich über das chinesische CRISPR-Baby, aber wie kam es zu dieser Technologie? Das benutzte gentechnische Verfahren ist mit vollem wissenschaftlichen Namen immer noch ein Zungenbrecher: »Clustered regularly interspaced short palindromic repeats«. Alles begann mit … Joghurt! Joghurt wird von Bakterien der Art Staphylococcus thermophilus aus Rohmilch produziert. Der dänische H...

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Im Eilmarsch nach Kap Horn

Die ersten Menschen erreichten Südamerika vor mehr als 16 000 Jahren offenbar in mehreren Wellen. Vergleiche von genetischem Material aus alten Skeletten zeigen für eine Gruppe eine Verwandtschaft mit austroasiatischen Völkern.

ndPlusAndreas Knudsen

Forschen im Schatten der Geschichte

Wissenschaftler, die mit genetischen und archäologischen Methoden die Wanderungen der Menschen in der Urzeit nachvollziehen wollen, müssen sich mit indigenen Völkern einigen. Die sind wegen schlechter Erfahrungen oft skeptisch.

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ndPlusChristof Meueler

»Helfen Eisbäder zur Vorbeugung?«

Verhält es sich mit der Grippe so ähnlich wie mit der Depression? Viele, die behaupten, sie würden daran leiden, wissen gar nicht, was das ist. Im Herbst haben viele Leute hässliche Erkältungen, wegen des wechselhaften Wetters. Diese werden von Ärzten mitunter als »grippaler Infekt« bezeichnet, was dann den Irrtum heraufbeschwört, es wäre wirklich eine Grippe. Dabei ist das eine bunte Mischun...

Mike Mlynar

Lügen haben lange Beine

»Nichts ist so fein gesponnen, die Sonne bringt es an den Tag«. In einer Ballade sah Adelbert von Chamisso einst mit dieser Gewissheit die Macht der Wahrheit über die der Lüge letztlich triumphieren. Doch mit dem Manne war da, ähnlich vielen Denker- und Dichterkollegen, die romantische Sehnsucht seiner Zeit durchgegangen. Lügen haben nicht kurze, sondern lange Beine. Leider. Wie lang die sind...

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Nicolas Šustr

«Lasst die Menschen träumen!»

Städte sind weltweit im Umbruch. Weniger Raum für Autos und mehr Raum für Menschen heißt die Devise. Es ist auch ein Generationenkonflikt, viele ältere Menschen wollen die Automobilität nicht missen.

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Maria Jordan

Die Leiden des Boris Palmer

Boris Palmer gehört zu den Leuten, die man eigentlich gar nicht ernst nehmen sollte. Seine Äußerungen über die Hauptstadt machen einen als Berlinerin trotzdem wütend – denn was wir hier nicht brauchen, sind Leute, die nur herkommen, um uns unsere Stadt schlechtzureden.

ndPlusJérôme Lombard

Unter dem wachsamen Blick der Eule

Das Schicksal des Ullsteinhauses und seiner Erbauer in der Zeit des Nationalsozialismus ist einer der Schwerpunkte in der neuen Ausstellung »Druckfrisch aus Tempelhof!

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Andreas Fritsche

Am Anfang war das Recht

Juli Zeh hat sich als Schriftstellerin einen Namen gemacht, jedoch ursprünglich Jura studiert. Mit einem Nebenjob als Verfassungsrichterin in Brandenburg kehrt sie zu diesen Wurzeln zurück.

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Alexander Ludewig

Fußballfan oder hochaggressiver Mob?

Wie kommt die Polizeistatistik über Gewalt im Fußball zustande? Und: Warum werden Betroffene nicht informiert, wenn sie in der Datei »Gewalttäter Sport« auftauchen? ZIS-Leiterin Heike Schultz versucht sich an Antworten.

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Felix Lill , Manila

Das internationalste Nationalteam

Bei der Südostasienmeisterschaft stand die philippinische Nationalmannschaft vor dem größten Erfolg ihrer Fußballgeschichte. Helfen sollte der wohl internationalste Kader der Welt. Die Hälfte der Startelf wuchs in Deutschland auf.

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ndPlusCarsten Heinke

Paläste der Werktätigen

Belarus - die auch als Weißrussland bekannte ehemalige Sowjetrepublik ist voller Naturschönheiten, europäischer Geschichte und Kultur. Seit diesem Sommer kann man sie visafrei entdecken.

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Stephan Brünjes

Schulterpolster-Schönlinge im Schnee

George Michaels starb 2016 am 1. Weihnachtstag. Das Video zu seinem Weihnachtshit »Last Christmas« dazu drehte er vor 34 Jahren in Saas-Fee. Noch heute erinnert man sich im Ort an die verstrittenen Musiker und eine verlorene Brosche.

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»Wir dürfen nichts dazu erfinden«
ndPlusBahareh Ebrahimi

»Wir dürfen nichts dazu erfinden«

Als Restauratorin muss Clara Löffler kreativ sein, sieht sich aber nicht als Künstlerin. Wichtig sei, das ursprüngliche Werk wieder lesbar zu machen.