Seite 1

unten links

»Er glich einem Menschen, der in der Finsternis zu früh erwacht war, während die anderen noch alle schliefen.« Sigmund Freud schrieb hier nicht etwa eine Erhöhung zur Erbauung des seelischen Prototyps des Schichtarbeiters. Vielmehr meinte Wiens Berühmter einen noch Berühmteren: Leonardo da Vinci, der heute vor 500 Jahren den Schlaf der Ewigkeit antrat. Betrachtet man all seine Leistungen, Prototyp...

EU-Ostgipfel gibt sich selbstbewusst

Warschau. Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat bei einem Gipfel anlässlich des 15. Jahrestages der EU-Erweiterung die wirtschaftliche Bedeutung der östlichen Mitgliedstaaten hervorgehoben. »Wir sind heute die Lokomotive des Wirtschaftswachstums für ganz Europa«, sagte Morawiecki am Mittwoch in Warschau nach einem Treffen von Regierungsvertretern der Länder, die dem Staatenbund 2004 beig...

Gefängnisstrafe für Assange

London. Der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, ist wegen Verstoßes gegen seine Kautionsauflagen in Großbritannien zu 50 Wochen Haft verurteilt worden. Das entschied das Southwark Crown Court in London am Mittwoch.Der gebürtige Australier war am 11. April von der britischen Polizei in der Botschaft Ecuadors in London festgenommen worden, nachdem das südamerikanische Land da...

Ungleichheit verfestigt sich

Berlin. Städte und Landkreise im Osten Deutschlands, im Ruhrgebiet und im Saarland drohen von der Strukturentwicklung abgehängt zu werden. Das geht aus einer Studie hervor, die die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin veröffentlichte. Die Ungleichheit der bundesdeutschen Lebensverhältnisse habe sich trotz guter Wirtschaftsdaten verfestigt, hieß es. Dem »Disparitätenbericht 2019« zufolge leb...

Tobias Lambert

Guaidó spielt mit dem Feuer

Juan Guaidós Versuch, den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch einen Militärputsch aus dem Amt zu drängen, wirkt auf seltsame Art und Weise improvisiert. Offenbar wollte der venezolanische Oppositionsführer mit den inszenierten Bildern, die ihn neben Soldaten und seinem aus dem Hausarrest befreiten Mentor Leopoldo López zeigten, eine Kettenreaktion in Gang setzen. Zwar ist nicht ausges...

Venezuela unter Spannung

Berlin. Nach dem zunächst gescheiterten Putsch in Venezuela versucht der selbsternannte Interimspräsident Juan Guaidó, den Druck auf Staatschef Nicolás Maduro zu erhöhen. Am Mittwoch rief er seine Anhänger zum »größten Aufmarsch der Geschichte Venezuelas« auf. »Heute ist ein historischer Tag für unser Land«, sagte er. »Wir bleiben auf der Straße«, bis das Ende der unrechtmäßigen Machtübernahme dur...

ndPlusJana Frielinghaus

Repression in Istanbul, Gewalt in Paris

Zum Arbeiterkampftag wollten Demonstranten in Istanbul trotz Verbots auf den Taksim-Platz gelangen. In der BRD gingen Zehntausende gegen wachsende Ungleichheit auf die Straße.

Seite 2

Kaum Zulauf für Rechte

Erst sollten es 10 000 werden, dann 2000, am Ende waren es nur wenige hundert Menschen, die dem Aufruf der Thüringer AfD nach Erfurt folgten. Für Landeschef Björn Höcke ein blamables Ergebnis, sollte die Demonstration am 1. Mai doch der große Auftakt für den sogenannten Blauen Frühling werden, mit dem die Rechtsaußenpartei in die wichtigen Landtagswahlkämpfe in Thüringen, Sachsen und Brandenburg e...

Ralf Klingsieck, Paris

Paris in Rot, Gelb und Schwarz

Über 150.000 Franzosen nahmen an Kundgebungen zum 1. Mai teil. Gewerkschafter und linke Politiker riefen die Gelben Westen zur Zusammenarbeit auf.

Hendrik Lasch, Leipzig

Trommeln für »Europa«

Bei der zentralen Maikundgebung des DGB in Leipzig warb dessen Bundeschef Reiner Hoffmann für Europa und forderte die Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West.

Seite 3
ndPlusSaadi Isakov

»Mein Herz krampfte sich zusammen«

Nach dem Regierungswechsel in der Ukraine 2014 folgten Proteste gegen die neuen Machthaber, so auch in Odessa, wo es am 2. Mai zu Auseinandersetzungen kam. Einer der Überlebenden des Überfalls auf das Gewerkschaftshaus war Oleg Musyka. »nd« hat ihn befragt.

Seite 4
ndPlusSebastian Weiermann

Aufklärung hinter verschlossenen Türen

Im NRW-Landtag begann am Dienstag die politische Aufklärung des Todesfalls Amad A. unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ein Staatsanwalt wollte nicht vor Publikum aussagen.

Stefan Otto

Die Mahnerinnen

Natürlich gebe es in Deutschland Bürger zweiter Klasse, sagen die Frauen von Women in Exile. Vor allem Geflüchtete und Menschen ohne Papiere seien eklatant in ihren Rechten beschnitten.

Seite 5

Mehr Kinder in Pflegefamilien

Berlin. Die Zahl von Kindern, die in Pflegefamilien untergebracht sind, ist nach Angaben der Bundesregierung deutlich gestiegen. Sie erhöhte sich von 60 000 im Jahr 2008 auf mehr als 81 000 im Jahr 2017, wie es in einer der Nachrichtenagentur AFP vorliegenden Regierungsantwort auf eine Linken-Anfrage heißt. Die LINKE sieht die Armut vieler Familien als Grund für den Anstieg, die Bundesregierung be...

Fabian Hillebrand

Unteilbarer Sommer

Dieses Jahr findet in Sachsen der »Sommer der Solidarität« statt. Den Auftakt bildet eine Demonstration am 6. Juli in Leipzig. Endpunkt wird am 24. August, eine Woche vor der Landtagswahl, eine Demo in Dresden sein. Ein Interview mit Ana-Cara Methmann.

Seite 6
ndPlusWojciech Osinski

Abitur wieder möglich

Wegen der anstehenden Abiturprüfung wird der seit dem 8. April dauernde Lehrerstreik in Polen vorerst beendet. Der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft ZNP, Sławomir Broniarz, kündigte aber an, dass der Protest im Herbst fortgesetzt werde. Die polnischen Lehrer fordern eine Gehaltserhöhung von 30 Prozent in zwei Stufen. Ihr Grundgehalt liegt in Polen derzeit bei umgerechnet 830 Euro brutto und damit...

Tobias Lambert

Höchste Anspannung in Caracas

Mit der Rebellion einiger Soldaten geht Oppositionsführer Juan Guaidó in die Offensive. Vor den für den 1. Mai geplanten Großdemonstrationen steigt die Gefahr einer gewalttätigen Eskalation des Konfliktes.

Seite 7

Länder wollen keine E-Roller auf Gehwegen

Berlin. Die Länder wollen auch langsamere Elektro-Scooter von Gehwegen und aus Fußgängerzonen verbannen. Im Verkehrsausschuss des Bundesrates wandte sich am Dienstag eine knappe Mehrheit gegen eine von der Bundesregierung beschlossene Verordnung, die eine Zulassung der Scooter mit einer Geschwindigkeit bis zwölf Stundenkilometern für die Fußgängerwege vorsieht.Konkret sprach sich der Bundesratsaus...

Peter Eßer

Paralleljustiz freigegeben

Der Mechanismus zur Streitbeilegung innerhalb des Freihandelsabkommens der EU mit Kanada (CETA) wurde jetzt vom Europäischen Gerichtshof bestätigt.

ndPlusThomas Trares

Zweifel an den »Big Four«

Sollen die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zerschlagen werden? In Großbritannien hat das Parlament nun eine entsprechende Gesetzesinitiative gestartet.

Seite 8
ndPlusHermannus Pfeiffer

Die guten Jobs werden rar

Nicht die Arbeit geht uns aus, sondern die gute Arbeit. Dies befürchten Experten der Industriestaatenorganisation OECD und fordern ein Gegensteuern der Politik.

ndPlusFelix Lill

Ein Betriebssystem namens Roter Stern

Allen Widrigkeiten zum Trotz - Nordkorea ist auf dem Weg zu einem Offshorezentrum für Programmierungen. Ausländische Auftraggeber haben das Land entdeckt, das großes Potenzial hat.

Seite 9
ndPlusAnika von Greve-Dierfeld

Kein Alkoholverbot, aber auch keine Therapie

Auch viele alte Menschen trinken übermäßig Alkohol - und ihre Zahl wächst. Doch Therapieangebote für Senioren mit Alkoholproblemen sind Mangelware. Das Personal in Pflegeheimen ist oft überfordert.

ndPlusAngela Stoll

Alles halb so wild

Eigentlich brauchen wir Europäer kein zusätzliches tierisches Eiweiß, aber im Handel werden häufiger Insekten zum Verzehr angeboten - verarbeitet, aber auch im Ganzen.

Seite 10
Stephan Fischer

Folgen einer Erfolgsgeschichte

Man muss nicht zum Pathos neigen, um den 1. Mai 2004 als großen Tag in der Geschichte Europas zu werten. Und selbst dem oft zum Pathos neigenden EU-Kommissionspräsidenten Juncker ist zuzustimmen, wenn er im Interview mit Medien der Staaten des EU-Jahrgangs von 2004 betont, dass mit der damaligen Erweiterung der Union »Europas Geografie und Geschichte versöhnt« wurden. In vielerlei Hinsicht is...

Roland Etzel

Eingeständnis des Scheiterns

Die EU-Führungsmächte Deutschland und Frankreich haben sich bei ihrem als Balkan-Konferenz titulierten Treffen zur Lösung des tiefen Konflikts zwischen Kosovo und Serbien nicht mit Ruhm bekleckert. Beide, Macron und Merkel, hatten offensichtlich keinerlei Verhandlungskonzept, wenn man von Appellen an »den guten Willen beider Seiten« absieht und dem reichlich abenteuerlichen Vorschlag des österreic...

ndPlusHagen Jung

Philosoph

»Ich bin nicht der richtige Finanzminister für Frau Schwesig.« Mathias Brodkorbs Bekenntnis kurz nach seinem Rücktritt wirft die Frage auf: Nur für die Ministerpräsidentin nicht richtig im Finanzressort? Die dort dominierende Materie ist für Haushaltsjongleure wohl begeisternd: Sie war aber zu dröge für den 42-jährigen Sozialdemokraten, der sich wissenschaftlich mit dem Rechtsextremismus befasst h...

Fabian Hillebrand

Die Schreckstarre brechen

Sachsen braucht »Unteilbar«. Das Bundesland ist zur Chiffre nazistischer Gewalt geworden. Beigetragen hat dazu eine CDU, die lieber relativiert als der rechten Fratze ins Gesicht zu schauen.

Jörg Kronauer

Macron beginnt aufzumucken

Bisher ist der französische Präsident Emmanuel Macron nicht dadurch aufgefallen, sich dich der Bundeskanzlerin in den Weg zu stellen. Im Gegenteil. Doch im deutsch-französischen Verhältnis scheint sich gerade etwas zu verändern.

Seite 11
Marie Frank

Lauter Protest gegen AfD-Fest in Pankow

Mehrere Hundert Menschen protestierten am 1. Mai lautstark gegen ein »Bürgerfest« der AfD im Berliner Ortsteil Blankenburg und versuchten, die rechten Redner zu übertönen.

Claudia Krieg

Nach dem 1. ist vor dem 26. Mai

Der 1. Mai ist vielen Menschen nicht egal. Es geht denjenigen, die an diesem Datum für eine solidarischere Gesellschaft demonstrieren, wie auch immer man diese ausbuchstabiert, auch längst nicht nur um die immergleichen Rituale von Parolen, Bratwurst und Bier. Es geht ihnen darum, ein »Nichteinverstandensein« zu signalisieren mit Verhältnissen, in denen sehr viele Menschen unter immer schlechteren...

ndPlusPhilip Blees

Kiezkommune statt Gentrifizierung

Das Thema Wohnraum ist nicht nur in Szenebezirken präsent, auch der Wedding wehrt sich gegen Verdrängung. Aktivisten möchten dagegen eine Kiezkommune aufbauen.

Vanessa Fischer und Claudia Krieg

Ein bunter Strauß Demonstrationen

Bewegt und mit Konfetti, mietenpolitisch oder satirisch: Trotz all ihrer Verschiedenheiten, auf den unterschiedlichen Veranstaltungen am 1. Mai hatten die Menschen oft ähnliche Forderungen.

Seite 12
ndPlusClaudia Krieg

Prozessbeginn wegen Terrorverdacht

Er soll Geld nach Syrien geschickt und sich im Umfeld der salafistischen und mittlerweile geschlossenen Fussilet-Moschee aufgehalten haben. Seit Dienstag steht Yusup B. vor Gericht.

Nicolas Šustr

Weg frei für Neubau an der Bucht

Die Emotionen schossen über, der Protest war groß. Klar gegen den umstrittenen Bebauungsplan Ostkreuz positionierten sich nur die zwei Grünen-Abgeordneten und einige Vertreter der LINKEN.

Seite 13

Kritik an Umzug von Ministerium

Nach dem Willen der Landesregierung soll das Wissenschaftsministerium von Potsdam nach Cottbus umziehen. Dafür gibt es Kritik aus der Opposition, aber auch Rückenwind.

Andreas Fritsche

Die Demokratie in Teltow-Fläming

In Teltow-Fläming regiert Landrätin Kornelia Wehlan (LINKE) mit wechselnden Mehrheiten. Ihre Amtszeit reicht weit über die Kommunalwahl am 26. Mai hinaus. Neu gewählt wird aber der Kreistag.

Seite 14

Wird die »Gorch Fock« zum Museum?

Berlin. SPD, Grüne und der Bundeswehrverband haben den Vorschlag von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kritisiert, das Segelschulschiff »Gorch Fock« bei einer weiteren Kostensteigerung zum Museumsschiff zu machen. Nur das Parlament könne entscheiden, wie es mit dem Schiff weitergehe, sagte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Wolfgang Hellmich (SPD), dem Reda...

ndPlusHagen Jung

Hannovers Oberhaupt tritt ab

Hannovers Oberbürgermeister beantragt wegen der »Rathausaffäre« die vorzeitige Versetzung in den Ruhestand. Es gilt als sicher, dass der Rat der Niedersachsenhauptstadt dem Wunsch entspricht.

ndPlusHans-Gerd Öfinger

Sehr ambitioniert beim Nix-Tun

100 Tage nach dem Antritt des zweiten schwarz-grünen Kabinetts in Hessen haben Oppositionsparteien der Koalition und ihren handelnden Akteuren schlechte Zensuren ausgestellt.

Seite 15

So geht’s

Der Textumfang darf 60 Maschinenzeilen à 100 Zeichen (mit Leerzeichen) - also 6000 Zeichen - nicht überschreiten. Längere Geschichten haben keine Chance, in die Wertung zu kommen. Bitte vergessen Sie nicht, Ihre vollständige Adresse anzugeben.Über illustrierende Fotos zu Ihrem Text freuen wir uns. Wenn Sie diese nicht in digitaler Form besitzen, schicken Sie die Bilder als Reproduktion, da es sich...

Auf zum Endspurt!

Wer sich bis jetzt noch nicht entschließen konnte, seine Geschichte zum 17. nd-Lesergeschichten-Wettbewerb unter dem Motto »Wanderungen durch die Zeit« zu schreiben, der sollte sich aber nun wirklich sputen. Nur noch vier Tage bleiben bis zum Einsendeschluss am 6. Mai. Wir haben schon viele schöne Geschichten bekommen - fest steht schon jetzt, dass es nicht leicht wird für die Jury, die zehn schön...

Die Vorleser

Esther Esche ist die Tochter des bekannten Schauspielers Eberhard Esche. Auch ihr »zweiter« Vater, bei dem sie ab ihrem dritten Lebensjahr aufwuchs ist eine DDR-Legende: der Filmdokumentarist Gerhard Scheumann. Irgendwie wundert man sich da wirklich nicht, dass sie Schauspielerin wurde. Ihr erstes Engagement erhielt sie am Theater Senftenberg. Seit Anfang der 90er Jahre arbeitet sie als freischaff...

ndPlusBrigitte Apel

Plötzlich hörten wir zarte Melodien

Der Frühling bezaubert und erstaunt mich jedes Jahr aufs Neue. Ich sehne ihn herbei und begrüße bei meinen Wanderungen jede Knospe am Strauch im Park, kleine Krokusse und Osterglocken werden gefeiert, den Blättern an Büschen und Bäumen kann man beim Wachsen und Entfalten fast zusehen - und plötzlich ist die Stadt wieder grün, als wäre es nie anders gewesen. Aber in jenem Frühling, vor langer Zeit,...

ndPlusJörg-Thomas Wissenbach

Wandern im Liegestuhl

Das letzte Märzwochenende in diesem Jahr bescherte bereits über 20 Grad und lockte somit ins Freie. Nach der Gartenarbeit und einer ersten Grillwurst wurden die Liegestühle aufgebaut, und die Wochenendausgabe unserer Tageszeitung sollte in Ruhe studiert werden. Stattdessen beschäftigte mich jedoch nur noch ein Thema, so dass ich bei hochgelegten Beinen und geschlossenen Augen die Wandererlebnisse ...

Seite 16
ndPlusHarald Pätzolt

Dass Einer Derselbe bleibe in Gefahr

Das Buch »Widerstand, nicht Resignation« von Gerd Irrlitz erinnert an die kurze Geschichte einer Leipziger antifaschistischen Widerstandsgruppe. Sie bestand aus 40 überwiegend jungen Mitgliedern der 1931 gegründeten Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschland (SAP). Im Sommer 1933 in die Illegalität gegangen, fielen sie schon ein Jahr später durch Verrat der Gestapo in die Hände. Gerd Irrlitz verfo...

ndPlusKarlen Vesper

«Sie war ein sehr lustiges Mädchen»

Seit ich mich erinnern kann, war da immer dieses kleine rote Buch. Früher hatte es meiner Großmutter gehört. Jetzt liegt es in dem schmalen Holzregal über meinem Bett: ›Ede und Unku‹.« Und an anderer Stelle schreibt Janko Lauenberger: »Wer mich damals nach meiner Herkunft fragte, tat dies aus Interesse … die Blicke der Menschen waren weich. Die Blicke, die mir heute begegnen, sind oft unfreundlich...

Seite 17

Theater mit Frauenquote

Das Berliner Theatertreffen will eine Frauenquote einführen. In den kommenden beiden Jahren soll mindestens die Hälfte der zehn ausgesuchten Stücke von Regisseurinnen stammen. »Im Theatertreffen gibt es eine großes Missverhältnis zwischen männlichen und weiblichen Regisseuren. Und das seit den 1960er Jahren«, sagte Festivalleiterin Yvonne Büdenhölzer der Deutschen Presse-Agentur. Für das Theatertr...

ndPlusTom Strohschneider

Die einen nannten ihn den Marxtöter

Es war der dritte Akt einer Aufführung, die bis heute Rätsel aufgibt, als der »Spiegel« Anfang 1978 titelte: »Was ist los in der DDR?«. Zuvor hatte das Magazin das »Manifest der ersten organisierten Opposition« veröffentlicht, in zwei Teilen meldeten sich »humanistisch und demokratisch denkende Kommunisten« zu Wort, die sich »illegal in einem Bund Demokratischer Kommunisten Deutschlands« organisie...

ndPlusKlaus Bellin

Gegen die Verhältnisse

Wie oft muss einer wiederentdeckt werden, bis er endlich wahrgenommen und angenommen wird? Da kehrt ein Roman zurück, den Kenner in hohen Tönen feiern, der jenseits ihrer winzigen Gemeinde indes vollkommen unbekannt ist. Er erschien 1780 in Leipzig, erfreute sich auch einiger Beliebtheit, war aber bald schon vergessen. Erst 1919 tauchte er überraschend wieder auf. Damals war Johann Karl Wezel, sei...

Seite 18
ndPlusStefan Gärtner

Mittelschichtswinseln

Vermutlich werden auch Rezensionen wie diese über kurz oder lang von einem Computer geschrieben, und dann wird man für Animationsfilme wie »Royal Corgi - Der Liebling der Queen« auch kein von Menschenhand verfasstes Drehbuch mehr benötigen. Der Algorithmus wird sich einen Konflikt ausdenken (Corgi, der Lieblingshund der Königin, wird nach einer Unbotmäßigkeit aus dem Palast intrigiert, landet im A...

ndPlusKarlen Vesper

Mit Blatt und Stein

Er war ein Universalgenie, Meister und Magier der Malerei und Bildhauerkunst, Avantgardist in Anatomie, Astronomie und Akustik, ein in Botanik und Geologie bewanderter Gelehrter; er befasste sich mit Mathematik und Musik, komponierte und konstruierte - ja, auch Kriegsgerät, als seine Heimatstadt Florenz in tödlicher Gefahr war. Er erfand die Lupe und die erste Bohrmaschine, entwarf auf Papier bere...

ndPlusBenjamin Moldenhauer

Unter Monstrositätsverdacht

Die unheimlichen Kinder bilden ein eigenes Subgenre im Horrorfilm, und nicht das uninteressanteste. In einem der stilbildenden Klassiker, »The Bad Seed« von 1956, speiste sich das Grauen noch aus der Idee, das niedliche, brave Mädchen mit den blonden Zöpfen könnte das exakte Gegenteil von niedlich und brav sein. Rhoda mordet Hauspersonal und Mitschüler kaltherzig. Am Ende wird sie von Gott höchstp...

Seite 19

Gundermann mit Chancen

In den USA gibt es den Oscar, in Deutschland die Lola: An diesem Freitag (3. Mai) wird in Berlin der Deutsche Filmpreis verliehen. Wer hat gute Chancen auf eine Auszeichnung? Eine Übersicht.Am häufigsten nominiert ist das Drama »Gundermann«. Regisseur Andreas Dresen erzählt darin die Geschichte des DDR-Liedermachers Gerhard Gundermann (1955-1998). Der Film ist in zehn Kategorien nominiert, etwa al...

ndPlusKatharina Dockhorn

Kein Ankommen, nirgends

Amare und Daniel haben es geschafft. Die beiden Nigerianer kauern auf einem überladenen Schlauchboot, ihre Körper sind gezeichnet von den Strapazen der Flucht. Ein letzter Sprung ins seichte Wasser, dann sind sie auf dem Sehnsuchtskontinent Europa angekommen. Mit der symbolträchtigen Szene beginnt jede der sechs Folgen der Serie »Eden« von Dominik Moll, die derzeit auf Arte läuft. Zum ersten Mal w...

Seite 20
ndPlusRalf Jarkowski und Andreas Schirmer, Lausanne

Ein Urteil gegen Intersexuelle

Das Urteil der höchsten Sport-Instanz ist für Caster Semenya enttäuschend. Und auch die Begründung der CAS-Richter dürfte der Olympiasiegerin nicht helfen.

Tom Mustroph, Leeds

In der Image-Talsohle

Das Radprofiteam Sky rettet seine Infrastruktur. Mit dem neuen Sponsor Ineos wird es aber sogar in der Heimat mächtig unbeliebt.