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Schöner Schein

Dieser Sonnenaufgang ist nicht irgendeiner - es ist der erste Lichtstrahl einer neuen Ära. So ging die Sonne am 1. Mai um 4.51 Uhr in Tokio auf, und die japanische Nachrichtenagentur Kyodo News ließ ein Flugzeug aufsteigen, um das Ereignis exklusiv festzuhalten. Denn am 1. Mai wurde der Kaiser Naruhito inthronisiert. Sein Vater Akihito war aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. Eine unerhört...

Regina Stötzel

Wer, wie, was? DDR!

Juso-Chef Kühnert hat mit seinen Vorstellungen von Sozialismus für Debatten gesorgt. Wir würdigen ihnen mehreren Seiten. Lesen Sie darüber, dass Enteignungen auch im Kapitalismus üblich sind und warum der Dax selbst dann steigt, wenn die Konjunktur schwächelt.

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Stephan Kaufmann

Die große Umverteilung

Die Börsen feiern Aufschwung, gleichzeitig ist das Wirtschaftswachstum flau. Ein Widerspruch? Nicht unbedingt. Untersuchungen zeigen: Was die Aktienkurse seit langem antreibt, ist weniger die gute Konjunktur, sondern eine Umverteilung des Reichtums.

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ndPlusDavid Graaff , Bogotá

Mit Rechten reden

Eigentlich sucht Außenminister Maas nach Verbündeten für seine »Allianz der Multilateralisten«. Doch die Gastgeber suchen die Nähe zu den USA.

Tobias Lambert

Der Schlüssel sind die Barrios

Geht es wirklich nur ums Militär? Venezuelas Möchtegernpräsident Juan Guaidó versteht offenbar nicht, dass die traditionelle Basis des Chavismus die rechte Opposition mehr ablehnt, als sie unter der Wirtschaftskrise leidet.

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Sebastian Bähr und Fabian Hillebrand

Mehr Spielräume für Kommunen

Zahlreiche Kommunen in Deutschland wollen aus dem Mittelmeer gerettete Flüchtlinge aufnehmen. Die Bundesregierung sperrt sich jedoch in vielen Fällen gegen die Angebote. Die Kritik daran wächst.

ndPlusJana Frielinghaus

Memminger Bigotterie

Auch 1989 rief ein Prozess eine Welle feministischer Proteste hervor: Der Arzt Horst Theissen stand in Memmingen wegen «Verdachts des illegalen Schwangerschaftsabbruches» vor Gericht. Als Zeuginnen aussagen mussten Frauen, die abgetrieben hatten.

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Peter Stäuber

Schlappe mit begrenzter Aussagekraft

Was will der Wähler damit sagen? Zwar verloren Theresa Mays Tories deutlich bei den englischen Kommunalwahlen. Doch auch Labour konnte keine Erfolge feiern. Offenbar sind die Engländer frustriert - eine eindeutige Haltung in Sachen Brexit lässt sich aber nicht erkennen.

Guido Speckmann

Privare heißt rauben

Wo »DDR-Methoden« unterstellt werden, könnte das Kapital zugange sein: Entgegen seines Rufes ist der Kapitalismus eine Geschichte von Enteignungen, von der ursprünglichen Akkumulation in Europa bis zur Vertreibung von Indigenen im Globalen Süden.

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Felix Lill

Der Thron und die Hausarbeit

Mit dem neuen Kaiser flammt in Japan eine alte Debatte wieder auf: Sollte eine Frau Kaiserin werden können? Das Verbot, das einst aus Preußen kam, offenbart Sexismus in der Gesellschaft überhaupt.

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Kurt Stenger

Muskelspiele zur Grundsteuer

Bei der Grundsteuer wird innerhalb der Koalition mit harten Bandagen gekämpft. Das geht inzwischen so weit, dass eine Falschmeldung an die Presse gegeben wird.

Robert D. Meyer

Klimanotstand jetzt

Konstanz steht ab sofort in einer Reihe mit internationalen Metropolen wie Basel, Los Angeles und London: Die Stadt hat den »Klimanotstand« ausgerufen. Ein wichtiges Signal in Zeiten, wo die Bundesregierung den Klimaschutz verschläft.

Alina Leimbach

Ist das schon Klassenkampf?

Im »Zeit«-Interview wagt sich Juso-Chef Kevin Kühnert an Kapitalismuskritik. Die Konservativen sehen darin schon Klassenkampf. Gut so! der Juso-Chef hat einen Nerv getroffen, kommentiert Alina Leimbach.

Martin Ling

Das Kalkül von Sánchez

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez von den Sozialdemokraten hat mit der vorgezogenen Wahl am 28. April aus Sicht seiner Partei alles richtig gemacht: Doch der Weg zur absoluten Mehrheit ist noch weit.

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Jan Ole Arps

Nicht Revolution, sondern Arbeit

Zuerst wollten sie die Revolution, dann wollten sie nur noch ihren Arbeitsplatz erhalten: Ein neuer Dokumentarfilm über eine radikale Betriebsgruppe bei Opel in Bochum von 1972 bis zum 21. Jahrhundert.

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Eine Tugend des DDR-Bürgers

Gelegentlich passiert es , dass beim Aufguss nur noch Männer sind. Dann dauert es keine zwei Minuten, und ein Mann stöhnt auf. Hat der erste mit einem solchen Saunabrunfzer vorgelegt, stimmen die anderen bald ein in einen Überbietungswettbewerb. Wer röhrt lauter?

Johanna Treblin

»Es passierte einfach so«

In der »taz« gibt es neuerdings eine Quote für die Kommentare. Die wurden mehrheitlich von Männern geschrieben. Nun hat sich das Verhältnis umgekehrt - ein Gespräch mit der Ressortleiterin Johanna Roth.

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Paula Irmschler

Ein Hoch auf den Shitstorm

Paula Irmschler nimmt sich dieses Mal den Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, vor. Der Grund ist eine Werbekampagne der Deutschen Bahn, die dem Grünenpolitiker nicht sonderlich gefallen hatte.

Magnifico, splendido

Ist das Kunst oder kann das weg?« So fragen schwarze Druckbuchstaben auf gelben Klinkern. Natürlich ist das Kunst, große, grandiose, geniale, die derzeit im Inneren einer ehemaligen Industriehalle in Leipzig zu sehen ist. Wenn auch nicht im herkömmlichen Sinne zu beschauen, sondern ganz anders, neu zu erleben und zu erfahren: Werke von Leonardo da Vinci, Raffaello Santi und Michelangelo Buonarroti...

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ndPlusKarlen Vesper

Das Ende der Bestie

«Meinst du, die Russen wollen Krieg? Befrag die Stille, die da schwieg, im weiten Feld, im Pappelhain, befrag die Birken an dem Rain, dort, wo er liegt in seinem Grab, den russischen Soldaten frag’ ...», klagte und mahnte Jewgeni Jewtuschenko im Namen der Millionen Toten. Glücklich jene Rotarmisten und Rotarmistinnen, die es unversehrt bis nach Berlin geschafft haben. Am Berliner Reichstag feiern ...

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Valery Faminsky

»Wer wird Berlin nehmen?«, fragt Stalin am 31. März 1945 seinen Marschall Georgi Shukow. Am 12. April erreichen die Westalliierten die Elbe, und Shukow befahl seinen Truppen, die bereits die Oder hinter sich gelassen haben, »zügigen Vorstoß« auf die »Reichshauptstadt«. General Dwight Eisenhower, Oberbefehlshaber der US-Armee, hat derweil bereits den Kremlherrn in Moskau wissen lassen, dass die deu...

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Wie hältst du es mit dem Bilderverbot?

Buchreligionen, insbesondere Judentum, Christentum und Islam, sind heikel: Du sollst dir kein Bild machen. Gemeint ist damit der Allmächtige, der nicht vermenschlicht und damit profanisiert werden soll. Strenggläubige lesen aus dieser Vorschrift ein generelles Bilderverbot heraus. Daran gehalten haben sich zum Glück alle drei Religionen nicht, auch wenn Schriftgelehrte immer wieder dagegen anwette...

Agnostik für Fortgeschrittene: Die Katze des Rabbiners

Katzen sind niedlich, Katzen gehen immer. Dieses namenlose Exemplar allerdings ist sehr eigen, um nicht zu sagen, nervend. Als ihr der Papagei mit seinem Geplapper auf den Wecker ging, hat sie ihn nämlich einfach aufgefressen, infolgedessen sie zu sprechen beginnt. Für den gutmütigen Rabbi, in dessen Haus sie zusammen mit seiner pubertierenden Tochter Zlabya wohnt, ist das ein Wunder und ein Unglü...

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ndPlusJérôme Lombard

Eine Droge für alle

Michael Groys alias »DJ Technojude« hat eine Mission: Elektronische Tanzmusik zurück in das alte Westberlin zu holen. Bei seinen Partys bittet er gleichgesinnte Feierwütige zum Tanz. Seine Musik sieht er als Statement gegen Antisemitismus.

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ndPlusVelten Schäfer

Inspirierter Return

Nicht nur die Weltreligionen, sondern auch der Philosoph Hegel glaubten an einen Geist, der der Geschichte Sinn gebe. Und wer heute auf die Berliner Schlossattrappe blickt, ist fast geneigt, dem Recht zu geben.

Seite 18
ndPlusHelmut Rasch

Euer Mai ist unser Juni

Das Jahr 2019 ist ein Feierjahr in China. Dieser Tage begeht man den 100. Jahrestag der »Bewegung des 4. Mai« 1919 - des antikolonialen Aufbegehrens, das auch als Auftakt zum chinesischen Kommunismus gilt. Im Oktober wird zudem der Gründung der Volksrepublik anno 1949 gedacht. Beschwiegen wird hingegen ein drittes Jubiläum: die Niederschlagung der Demokratiebewegung am 4. Juni 1989, wobei Hunderte...

ndPlusVincent Burckhardt

Versailles à la Peking

Technik statt Konfuzius: Die Imperien Europas faszinierten die Chinesen des 19. Jahrhunderts, obwohl das Land von diesen gedemütigt wurde. Als China trotz seines Kriegsbeitrags im Versailler Vertrag übergangen wurde, kam es zur folgereichen »Bewegung des 4. Mai«.

Seite 19
Ulrike Wagener

»Südwest« war kein Niemandsland

Die Verhandlungen zwischen Deutschland und Namibia über Entschädigungen für den Völkermord an den Herero und Namas steht vor dem Abschluss. Matthias Goldmann gibt Auskunft über den deutschen Kolonialismus.

Seite 20
ndPlusMartin Finkenberger

Einwandfreie Persönlichkeit

Wilfred von Oven war Zeit seines Lebens ein umtriebiger Autor und Journalist - und schrieb unter anderem für den »Spiegel« und die »FAZ«. Zuvor war der Mann bei NS-Propagandaminister Joseph Goebbels als »persönlicher Pressereferent« tätig.

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ndPlusJan Diebold

Fachmann der alten Schule

Entwicklungshilfe, das klingt nach Idealismus. Tatsächlich aber lebten in dem ab 1960 entstehenden Politikfeld Traditionen des Kolonialismus weiter. Selbst der frühere Gouverneur von Togo konnte in der Bundesrepublik als »Afrikaexperte« reüssieren.

Seite 22
ndPlusBarbara Barkhausen

Mittel gegen das Gift der Seewespe

Der Kontakt mit einer Seewespe kann tödlich ausgehen. Nun haben australische Forscher ein Gegengift entdeckt, das die Wirkung des Quallengifts weitestgehend blockiert, wenn es innerhalb einer Viertelstunde auf die Haut aufgetragen wird. Der berüchtigte »Box Jellyfish«, wie die Qualle im Englischen heißt, gilt als der giftigste Bewohner der Meere. Das Gift einer Qualle kann bis zu 60 Menschen töten...

ndPlusReinhard Renneberg

Fidels Wunderbaum

Die beste Ehefrau von allen sieht täglich jünger aus. Wie alle klugen Weiber bewahrt sie aber ihre Geheimnisse. Nun hab ich’s endlich rausbekommen: Moringa!Auf Kuba gibt es unzählige Stories, wie der Máximo Líder Fidel Castro - trotz der nur 150 Meilen entfernten CIA - sein biblisches Alter von 90 Jahren fit erreichen konnte.Eine geht so: Fidels Privatresidenz nahe Havanna ist noch heute eine üppi...

Bernd Schröder

Vom Winde verweht

Branchenkenner schätzen die weltweite jährliche Kunststoffproduktion derzeit auf 335 Millionen Tonnen. Deren Bestandteile erreichen auch entlegene Gegenden auf dem Festland - und das auf dem Luftweg.

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ndPlusMartin Koch

Licht auf krummen Wegen

Vor 100 Jahren bestätigten britische Astronomen durch Beobachtung einer Sonnenfinsternis eine Vorhersage von Einsteins Gravitationstheorie. Schon 1911 hatte der Physiker erkannt, dass nicht nur Himmelskörper gekrümmten Bahnen folgen.

Seite 24

»Wer in einem anderen Käfig steckt ...«

Gerade hat die Europäische Impfwoche stattgefunden, passend zur Diskussion über eine Impfpflicht. Erleben wir angesichts einer gewissen Impfskepsis einen Rückschritt im gesellschaftlichen Denken? Mag sein. Aber der größere Rückschritt ist älter, er liegt in dem längst auch uns in Ostdeutschland zuteil gewordenen Gesundheitssystem, das einen Großteil der Impfaktivitäten den niedergelassenen Är...

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Claudia Krieg

Zwanglos zum Gebet

Berlin hat den Status «Hauptstadt der Arbeitslosen» offiziell eingebüßt. Trotzdem zieht jedes Jahr eine kleine, entspannte Demonstration durch den Stadtteil Prenzlauer Berg - am 2. Mai, dem Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen.

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ndPlusNicolas Šustr

»Wir sind nicht asozial«

Eine »Dystopie auf dem Berliner Wohnungsmarkt« nennt Ralf Hoffrogge von »Deutsche Wohnen & Co enteignen« das Agieren des Immobilienkonzerns Akelius. Dessen Geschäftsführer versteht die Kritik nicht.

Seite 27
Jérôme Lombard

5,5 Milliarden werden nicht reichen

7,9 Milliarden Euro statt 5,5 Milliarden Euro: Die Handwerkskammer Berlin rechnet mit einem Preisanstieg bei der Sanierung und dem Neubau von Schulen. Auch der von Rot-Rot-Grün avisierte Zeitplan bis Ende 2026 sei nicht realistisch.

Seite 28
Oliver Kern

Der Sport ist voll von Ungleichheit

Die Wogen der Kritik schlagen nach dem Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs im Fall Caster Semenya hoch. Auch der Sportphilosoph Elf Franke kritisiert den Richterspruch. Er zwinge die Südafrikanerin, Hormone einzunehmen.

Seite 29
Thomas Weitekamp

»Ein Mann muss man nicht sein«

Am Wochenende wird in Hockenheim ein kleines Stück Geschichte geschrieben: Erstmals treten im Motorsport nur Frauen gegeneinander an - am Sinn der W Series scheiden sich allerdings die Geister.

ndPlusLucas Roignant

Die Spieler des Präsidenten

Başakşehir durchbricht die jahrzehntelange Dominanz der drei großen Istanbuler Fußballklubs. Beim Aufschwung half auch die Nähe zu Recep Tayyip Erdoğan.

Seite 30
ndPlusStephan Brünjes

Die Nervensäge auf dem Nebensitz

Anstrengende Mitmenschen in Flieger, Bahn, Bus und Reisegruppen sorgen für erhebliche Störgefühle - aber auch für die besten Urlaubsgeschichten.

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ndPlusChristiane Flechtner

Ausflug zu den Schwerstarbeitern

Die Luft ist beißend, der Schwefeldampf zieht in weißen Schwaden vorüber. Das Atmen durch den Mundschutz fällt schwer, und das Kratzen im Hals wird stärker. Und doch machen sich Tag für Tage Tausende von Touristen auf den Weg dorthin. Es ist der Vulkan Ijen, zu dem es sie zieht. Für die Strapazen des teilweise extrem steilen Aufstiegs auf 2799 Meter Höhe entschädigt sie der spektakuläre Anblick de...

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ndPlusJohanna Treblin

»Mütter müssten auf die Straße gehen«

Die Politik hat es seit Jahren verschlafen, ausreichend Hebammen auszubilden, erklärt die freiberufliche Hebamme Lene Hoffmann im Interview. Die Leidtragenden seien vor allem die schwangeren Frauen