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Unten links

Wir leben in der fast besten aller Welten. Nur fast besten, denn - es wird ja alles immer noch besser. Es ist eben noch nicht optimal. Aber auf dem Weg dorthin. Dem besten. Überall. Ständige Verbesserung in allen Bereichen allerorten: Es ist gigantisch, dem Fortschritt in seinem mannigfaltigen Wirken ehrfürchtig zuzuschauen. Seit Jahrzehnten haben Lebensmittel immer weniger Fett. Sie sind mittlerw...

Wenn aus Worten keine Taten werden
Markus Drescher

Wenn aus Worten keine Taten werden

Bestürzung, Schock, Fassungslosigkeit, Trauer, Mahnungen, Appelle, Forderungen - und dann? Müssten all den Worten auch Taten folgen. Diesmal wirklich?! Oder kehren Rechtsstaat und Gesellschaft nach dem Terroranschlag von Halle wieder allzu schnell zu einer Tagesordnung zurück, in der permanenter Polizeischutz für jüdische Einrichtungen als Normalität hingenommen wird? Geben sich zu viele in d...

Türkei besetzt Syriens Norden

Türkei besetzt Syriens Norden

Berlin. Die Kritik wird immer lauter, trotzdem hält der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan an seinem Kurs fest. »Wenn ihr unsere Operation als Invasion darzustellen versucht, ist unsere Aufgabe einfach: Wir werden die Türen öffnen und 3,6 Millionen Menschen werden zu euch kommen«, sagte Erdogan am Donnerstag in Richtung EU. Zuvor hatten sämtliche europäische Staaten, die USA, Iran, Russland ...

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Unauffälliger Verdächtiger

Berlin. Nach dem Anschlag in Halle hatte die Polizei am Mittwoch einen Tatverdächtigen festgenommen. Wie die Bundesanwaltschaft, die die Ermittlungen in dem Fall übernommen hat, am Donnerstag bestätigte, handelt es sich dabei um den 27-jährigen Stephan B. Am Mittwochabend wurde eine Wohnung in Benndorf durchsucht, wo der Deutsche mit seiner Mutter leben soll. Der Ort liegt im Landkreis Mansfeld-Sü...

»Der Terror ist Teil des Rechtsrucks«
Simon Poelchau

»Der Terror ist Teil des Rechtsrucks«

Zwei Menschen sind in Halle durch die Schüsse eines Rechtsextremen ums Leben gekommen. Über die politischen Hintergründe des Anschlags auf die Synagoge sprach Simon Poelchau mit der Rechtsextremismus-Expertin Martina Renner (LINKE).

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Das Entsetzen ist riesig
Hendrik Lasch, Halle

Das Entsetzen ist riesig

Dass es Stephan B. nicht schaffte, in die Synagoge zu gelangen, hat vielen Menschen das Leben gerettet. Sachsen-Anhalts Innenminister verteidigt indes, dass das Gotteshaus keinen Polizeischutz hatte.

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Bundeswehr darf fliegen

Karlsruhe. Die Klage der Linksfraktion im Bundestag gegen den Anti-IS-Einsatz der Bundeswehr ist gescheitert. Mit einem am Donnerstag veröffentlichten Beschluss wies das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ihren Antrag als unzulässig ab. Der Einsatz stütze sich auf die EU-Beistandsklausel und eine UN-Resolution. Dass hierdurch die Rechte des Bundestags verletzt sein sollten, erscheine nach dem e...

»Der Nordosten ist und bleibt ein Teil Syriens«
ndPlusPhilip Malzahn

»Der Nordosten ist und bleibt ein Teil Syriens«

Am Mittwoch hat das türkische Militär, gemeinsam mit Kämpfern der Freien Syrischen Armee, eine Invasion in die kurdischen Gebiete Nordsyriens begonnen. Gibt es überhaupt noch diplomatische Mittel, die Offensive abzuwenden? Zum Beispiel mit Hilfe der syrischen Regierungen oder Russland? Wir haben stets und setzen auch weiterhin alle die uns zur Verfügung stehenden diplomatischen Mittel ein. Wi...

Die nächste Eskalation im Bürgerkrieg
Oliver Eberhardt

Die nächste Eskalation im Bürgerkrieg

Das türkische Militär ist in den Nordosten Syriens einmarschiert; offiziell will man dort eine Sicherheitszone einrichten, um die PKK zurückzudrängen.

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Per Intrige zum Brexit
Peter Eßer, Brüssel

Per Intrige zum Brexit

Per Gesetz darf der Premier Boris Johnson Großbritannien nicht ohne Abkommen aus der EU führen. Spekuliert wird, ob er stattdessen die EU dazu bringen will, eine Brexit-Verschiebung nicht zuzulassen.

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Macrons Kandidatin fällt durch

Sylvie Goulard sollte eigentlich einer der Stars in der neuen EU-Kommission werden. Doch das EU-Parlament verwehrt der Kandidatin des französischen Präsidenten Emmanuel Macron die Unterstützung.

Ecuador zählt die Toten

Quito. »Indigene Brüder, ich freue mich, dass ihr eure friedlichen Kundgebungen von den schädlichen Elementen getrennt habt«, schrieb Ecuadors Präsident Lenín Moreno am Mittwochabend über Twitter. Er kündigte gleichzeitig erste Erfolge einer Dialoginitiative der Regierung an. Mit den »schädlichen Elementen« bezog er sich auf Anhänger seines Vorgängers Rafael Correa (2007-2017).Das Kommuniqué, das ...

Kaczynskis PiS ist zu allem bereit

Kaczynskis PiS ist zu allem bereit

Wie wird sich die Parlamentswahl am Sonntag auf den Kurs des Landes in den nächsten Jahren auswirken? Mit Sicherheit wird die PiS versuchen, eine Situation wie in Ungarn herbeizuführen. Jarosław Kaczyński hat bereits angekündigt, dass er Budapest in Warschau haben will. Dazu muss er die Medien unter Kontrolle bringen, da die Mehrheit von ihnen frei, unabhängig und sehr kritisch über das beric...

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Wie Fäuste von den Lippen
ndPlusHans-Dieter Schütt

Wie Fäuste von den Lippen

Litt ein Romantiker wie Novalis noch verzweifelt darunter, das Unbedingte, das Hohe, das Heilige zu wollen, aber leider nur immer auf sehr profane Dinge zu stoßen, so erlebt genau dies auch Peter Handke, aber er verzweifelte nie. Er hält in seinen Romanen und Erzählungen eine große dauernde Friedenslobrede - just auf das Profane. Eine Lobrede auf jene Fülle im Erdenrund, die zum Glück unverfügbar ...

ndPlusThomas Blum

»Ich bin mehr auf dem Gehenden statt dem Laufenden«

Nicht dass man den alljährlich veranstalteten Medienzirkus um die Vergabe des Literaturnobelpreises nicht schon zur Genüge kennen würde, er findet ja zuverlässig Jahr für Jahr statt. Außer letztes Jahr, in dem die Preisverleiher ausnahmsweise aussetzten, weil es im Umfeld der Schwedischen Akademie zu sexueller Belästigung und Vergewaltigung gekommen war und etliche ihrer Mitglieder in der Folge zu...

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Fotografieren verboten
ndPlusTom Mustroph

Fotografieren verboten

Tabus laden das Verbotene auf. Der Westen wirkte für Menschen hinter der Mauer verlockender, als er vielleicht tatsächlich war. Sprayer suchen den Kitzel, wenn sie S-Bahn-Züge nachts bemalen, sind zum kunsthandwerklichen Verzieren von freiwillig zur Verfügung gestellten Wandelementen hingegen eher selten zu bewegen. Berlins Clubkultur schuf Reizflächen durch das mal weniger stark, dann wieder kons...

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ndPlusKarlen Vesper

Werbespot(t)

Alle Räder stehen still ... Dazu bedarf es heut’ nicht mehr eines Lokfahrerstreiks. Auch keiner kleinen, unschuldigen Schneeflocke, die sich auf ein Gleis verirrt. Witterungsbedingt sind Bahn- und Busausfälle eher selten. Die häufigsten Gründe sind technische Störungen, Baustellen sowie Unfälle mit todessüchtigen Auto- und Zweiradfahrern. Berlin ist sicher nicht die einzige deutsche Großstadt, in ...

ndPlusFrank Schäfer

Notwendigerweise schlicht

Am Ende war er fett geworden. Aber er tingelt bis zuletzt durch die Clubs und kleinen Hallen, und was er an Geschwindigkeit und Verve eingebüßt hat, macht er mit Gefühl und Straßenweisheit wieder wett. Für Eingeweihte kaum überraschend, wird er 1995 ins Krankenhaus eingewiesen, um seine vom langjährigen Guinness-Abusus ganz mürbe gewordene Leber durch eine frische zu ersetzen, dabei fängt er sich ...

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Verhärtete Fronten in Ecuador
Martin Ling

Verhärtete Fronten in Ecuador

Die genaue Bilanz will der Dachverband der Indigenen Völker Ecuadors CONAIE dieser Tagen nachreichen, aber das Kommuniqué nach dem Generalstreik hält fest: Mehrere seiner Mitglieder hätten allein am Mittwoch ihr Leben wegen der Repression der ecuadorianischen Regierung unter Lenín Morenos verloren. Dass Moreno gleichzeitig erste Erfolge seiner Dialoginitiative mit Indigenen verlauten ließ, ist ein...

Russland opfert Kurden für Assad
Philip Malzahn

Russland opfert Kurden für Assad

Kurz bevor der türkische Präsident Erdogan seinen Truppen den Befehl zum Einmarsch erteilte, telefonierte er mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin. Der bestreitet zwar, grünes Licht für eine Invasion gegeben zu haben; indirekt hat er das trotzdem, denn ohne Russland als mächtigster Akteur im Tauziehen um das Bürgerkriegsland läuft nichts. Die syrische Regierung hatte sich zuvor noch wa...

Das Saulus-Budget
Kurt Stenger

Das Saulus-Budget

Das Eurozonenbudget ist fast schon ein Paradebeispiel dafür, wie aus einem progressiven politischen Vorschlag ein schlechtes Projekt wird. Die Idee von Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron lautete, mit einem großen Finanztopf wirtschaftlich schwache Länder zu stärken und den dortigen Investitionsbedarf abzudecken, auch wenn dort die Kassen wegen Sparvorgaben klamm sind. Das soll nicht nur neuer...

Militant unabhängig
ndPlusSamuela Nickel

Militant unabhängig

Der Einstieg der Rechten in die Parlamente ist nicht nur für die Politik, sondern auch für Medienschaffende eine Herausforderung: Wie über Rechte berichten, ohne ihnen eine Bühne für ihre Propaganda zu geben? Eine klare Linie im Umgang mit rassistischen Politiker*innen hat der österreichische Journalist Armin Wolf schon seit Längerem: Er gilt als unbeugsamer Interviewer, der sich nicht scheut, öft...

Ein linker Green New Deal
Bernd Riexinger

Ein linker Green New Deal

Angesichts des Klimawandels ist ein linker Green New Deal nötig, der soziale Gerechtigkeit mit Umweltschutz verbindet, meint der LINKE-Vorsitzende Bernd Riexinger.

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Kämpfen statt hoffen
Marie Frank

Kämpfen statt hoffen

Wo man in der Hauptstadtregion auch hinschaut, das Problem des angespannten Wohnungsmarktes ist allgegenwärtig. Sei es in Brandenburg, wo Studierende in vielen Hochschulstädten keine Wohnungen mehr finden oder in Berlin, wo Anwohner*innen mit kreativen Aktionen auf Verdrängung aufmerksam machen. Und nicht überall geht es so gut aus, wie für die Mieter*innen am Strausberger Platz, denn einen »Eigen...

ndPlusFlorian Daetz

Rückenwind für Enteignung

»Mietenwatch« hält Vergesellschaftung für effektives Mittel zur Senkung von Mieten. Die Initiative Deutsche Wohnen & Co enteignen sieht sich in ihrer Haltung bestärkt.

ndPlusNicolas Šustr

Genossen wollen offenen Dialog

In einem Offenen Brief wehren sich Junge Genossenschaften dagegen, bei der Diskussion zum Mietendeckel mit Spekulanten in einen Topf geworfen zu werden.

Schöner Shoppen am Ku’damm
ndPlusJérôme Lombard

Schöner Shoppen am Ku’damm

Der Shoppingboulevard Ku’damm hat mit den typischen Problemen des Einzelhandels zu kämpfen. Damit die Einkaufsstraße eine Zukunft hat, will eine Initiative Millionen in die Aufenthaltsqualität stecken.

Mietendeckel von privat
Nicolas Šustr

Mietendeckel von privat

Eine Last ist von den Mietern des Strausberger Platzes 12 in Berlin-Friedrichshain gefallen. Ein Investor hat die Immobilie teuer gekauft und will die Mieten für fünf Jahre nicht erhöhen.

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Wohnungsbesichtigung der anderen Art
ndPlusMarie Frank

Wohnungsbesichtigung der anderen Art

In Berlin ist Wohnraum knapp und wenn gebaut wird, dann oft Eigentumswohnungen. Mit einer 4-D-Führung geben stadtpolitische Aktivist*innen einen Vorgeschmack auf die Zukunft des Wohnens.

30 Jahre Opposition
ndPlusClaudia Krieg

30 Jahre Opposition

Vor 30 Jahren erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift telegraph, herausgegeben von der linken DDR-Opposition. Gefeiert wird das mit einer Analyse rechter Kontinuitäten in Ostdeutschland.

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Helfende Hände für verschmähte Kartoffeln
ndPlusGisela Gross

Helfende Hände für verschmähte Kartoffeln

In großem Stil landen noch genießbare Lebensmittel in Deutschland im Müll. Mit einer Aktion weisen Berliner Lebensmittelrettern darauf hin, dass bei Gemüse ein großer Teil gar nicht erst geerntet wird.

Studentenbude dringend gesucht
Wilfried Neiße

Studentenbude dringend gesucht

Mit dem Beginn des Wintersemesters sind Tausende Studenten auf Suche nach einer Bleibe. Meist hält das Angebot an günstigen Unterkünften nicht Schritt mit der wachsenden Zahl der Studierenden.

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Er ist ein Thüringer

Er ist ein Thüringer

Schmalkalden. Das Rätseln um den faltbaren DDR-Strandkorb, der auf Usedom aufgetaucht ist, hat ein Ende: Er stammt aus einem Handwerksbetrieb in Schmalkalden in Thüringen. Selbst Strandkorbhersteller in Heringsdorf kannten den vor 50 Jahren produzierten »Strandkorb light« nicht, der gefaltet in einen Trabi passte. Erfinder des tragbaren Strandmöbels war Tischler Walter Weyrauch, sagte dessen Sohn ...

ndPlusHagen Jung

Das Ehrenamt im Osten ankurbeln

Die Bundesregierung hat eine »Stiftung für Engagement und Ehrenamt« ins Leben gerufen. Ihren Sitz soll sie laut Kabinettsbeschluss im Nordosten haben, in Neustrelitz im Kreis Mecklenburgische Seenplatte.

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Wenig Geld für Budget der Eurozone

Luxemburg. Europas Finanzminister haben sich nicht auf eine Aufstockung des künftigen Haushalts für die Eurozone einigen können. Bei der Frage zusätzlicher Beiträge der Mitgliedstaaten sei keine Verständigung erzielt worden, sagte Eurogruppenchef Mário Centeno am Donnerstag nach einem Treffen in Luxemburg. Es bleibt damit vorerst bei rund 17 Milliarden Euro aus dem EU-Haushalt. Verständigen konnte...

ndPlusEwgeniy Kasakow, Sankt Petersburg

Arbeitgeber muss nun liefern

Die Kuriere des »russischen Amazon« in Sankt Petersburg haben mithilfe eines Streiks wichtige Forderungen durchgesetzt - deren Umsetzung steht aber aus.

Mehr Geld, sonst bleibt der Dreck
Marion Bergermann

Mehr Geld, sonst bleibt der Dreck

Von Karlsruhe über Kassel bis Berlin: Diese Woche demonstrieren Reinigungskräfte vor den Toren von Großunternehmen. Einige der Streikenden tragen weiße Masken. Die stehen für die oft unsichtbare Arbeit der Gebäudereiniger.

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»Wir verdienen nicht das Gleiche wie Männer«
ndPlusJens Marx

»Wir verdienen nicht das Gleiche wie Männer«

Keine deutsche Triathletin war je so schnell auf der Ironman-Distanz wie Anne Haug. Auf Hawaii will sie bei der WM am Samstag mindestens wieder Dritte werden. Auch wenn sie ahnt, dass danach leider wieder zunächst über Männer berichtet wird.

Gemeinsam gegen Willkür
ndPlusChristoph Ruf, Karlsruhe

Gemeinsam gegen Willkür

Anhänger der Fußballklubs aus Karlsruhe, Freiburg und Stuttgart können einander eigentlich nicht leiden. Am Wochenende werden sie aber geeint im Kampf gegen mehr Macht für Polizisten.