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Regina Stötzel

Der noble Vogelpreis

Toxischer Mix: Remko Leemhuis, der Direktor des Berliner American Jewish Committee, sieht vier verschiedene Formen von Antisemitismus in Deutschland +++ Mordvorwurf: Ein Menschenrechtsanwalt will EU-Politiker zur Rechenschaft ziehen für das Sterben im Mittelmeer +++ Panama-Papers: Der Sohn der ermordeten Journalistin Daphne Galizia im nd-Gespräch

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ndPlusAlexander Isele

Täter gesteht Plan für Massaker

Rechtsterrorismus - mit dem Geständnis des mutmaßlichen Attentäters dürfte jeglicher Zweifel am Hintergrund des Anschlags auf eine Synagoge und einen Dönerladen in Halle ausgeräumt sein. Wie die Bundesanwaltschaft am Freitag mitteilte, habe Stephan B. in einer mehrstündigen Vernehmung in Karlsruhe ein umfassendes Geständnis abgelegt. Darin habe er Antisemitismus als Motiv angegeben. Der 27-Jährige...

Sebastian Weiermann

»Antisemitismus muss in jeder Form benannt werden«

Das American Jewish Comitee (AJC) ist eine über 100 Jahre alte Nichtregierungsorganisation, die sich gegen Antisemitismus einsetzt. Remko Leemhuis ist Acting Director des Instituts. Im Interview sprich er über den neonazistischen Anschlag in Halle.

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Wahl in Polen am Sonntag

Am 13. Oktober wird in Polen das Parlament gewählt. Es besteht aus dem gesetzgebenden Sejm und dem beratenden Senat. Die Regierungspartei PiS hat derzeit in beiden Kammern die absolute Mehrheit. Zweitstärkste Kraft ist die wirtschaftsliberale, europafreundliche Bürgerplattform PO. Im Sejm sind zudem die rechtspopulistische Kukiz’15, die Bauernpartei PSL und die neoliberale Nowoczesna vertrete...

ndPlusSusanne Romanowski

Besorgte Bürger

Der Wahlkampf in Polen war geprägt von Schreckensszenarien. Die beiden großen Parteien haben sich mit gegenseitigen Anschuldigungen übertrumpft. Umfragen geben Hinweise darauf, was vielen Menschen tatsächlich Angst macht.

Susanne Romanowski

Die Linke kehrt zurück

Zwar wird die nationalkonservative PiS bei der Parlamentswahl in Polen an diesem Sonntag allen Umfragen zufolge wieder gewinnen. Zum Erfolg der politischen Rechten gibt es jedoch eine Gegenbewegung.

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Marie Frank

Tausende demonstrieren für Rojava

Tausende Menschen sind am Donnerstagabend aus Solidarität mit den Menschen in Rojava auf die Straße gegangen. Außer einigen Rangeleien mit türkischen Faschist*innen blieb es weitgehend ruhig.

Jan Keetman

Erdogans Kampf für den IS

Einen Tag nach Beginn der Syrien-Invasion forderte Recep Tayyip Erdoğan »alle Individuen« dazu auf, seiner Partei beizutreten. In der Tat hätte sich der türkische Präsident keine bessere Werbeaktion einfallen lassen können als den Krieg in Syrien.

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Tom Strohschneider

Danke, du Unvollkommener!

Du wirst 70, lieber DGB, und wir beide sind inzwischen auch schon fast 30 Jahre zusammen. Es waren nicht immer einfache Zeiten, für dich nicht, und auch für mich nicht. Aber wann waren die Zeiten schon einfach? Als ich in deine Familie eintrat, hieß meine Gewerkschaft noch nach dem, was wir hier machen: Medien. Gegenüber den größeren Verwandten galt sie als eher links. Die Schwestern von der ...

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Der nächste Tanker brennt

Teheran. Ein iranischer Tanker ist im Roten Meer vor Saudi-Arabien nach Angaben aus Teheran von zwei Raketen getroffen worden. An Bord des Schiffes habe es am Freitagmorgen rund 110 Kilometer von der saudischen Hafenstadt Dschidda entfernt Explosionen gegeben, teilte das iranische Ölministerium mit. Es sei jedoch niemand verletzt worden, erklärte das Ministerium nach Angaben der staatlichen Nachri...

Nicolas Šustr

Keine Einigung beim Berliner Mietendeckel

Geht es nach der Berliner SPD werden die Mieten einfach auf dem Stand von 2019 für fünf Jahre eingefroren. Das sehen die Koalitionspartner LINKE und Grüne aber anders. Für die Opposition ist der Streit ein gefundenes Fressen.

ndPlusMartin Ling

Versöhner am Horn von Afrika

Der 100. Friedensnobelpreisträger ist ein Afrikaner: Äthiopiens gerade mal 43-jähriger Regierungschef Abiy Ahmed. Und er ist der erste Friedensnobelpreisträger, der im selben Jahr auch mit dem Hessischen Friedenspreis ausgezeichnet wurde. 2018 kam mit dem kongolesischen Frauenarzt Denis Mukwege neben der Jesidin Nadin Murad einer der Ausgezeichneten ebenfalls aus Afrika. Er kümmert sich medizinisc...

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ndPlusKurt Stenger

Geldgöttin Nike

Die alten Griechen beteten zu Nike, um ihre Erfolgschancen im sportlichen Wettkampf zu verbessern. Die Siegesgöttin hatte Zeus laut der Mythologie zum Sieg über die Titanen geführt. Ihre Rolle hat im modernen Hochleistungssport das Geld übernommen. Kein Erfolg ohne perfekte Vollzeit-Trainingsbedingungen mit professionellem Trainerstab, teuersten Gerätschaften und wissenschaftlicher wie medizinisch...

Niels Seibert

Demos reichen nicht aus

Der Krieg der Türkei gegen die Kurden fordert zahlreiche zivile Todesopfer. Diesen Verhältnissen erfordern und rechtfertigen auch andere Protestformen als nur Latschdemos, um auch in Deutschland Politiker zum Handeln zu zwingen.

Martin Ling

Afrikanischer Hoffnungsträger

Barack Obama bekam den Friedensnobelpreis 2009 gewissermaßen als Vorschuss, der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed bekommt ihn als »Anerkennung und Ermutigung«. Abiy hat beides verdient und kann beides gebrauchen.

Berlusconi auf Tunesisch

Seine Anhänger nennen ihn den Nelson Mandela Tunesiens, seine Kritiker vergleichen ihn mit dem italienischen Bunga-Bunga-Präsidenten Silvio Berlusconi. Nabil Karoui, 56, Unternehmer und Medienmogul, ist bekannt für sein Charisma und seine kompromisslose Art, Geschäfte zu machen. Nun könnte er Tunesiens nächster Präsident werden. Seinen Wahlkampf musste Karoui größtenteils aus dem Gefängnis fü...

Leo Fischer

Ein wirres Manifest

Leo Fischer über einen Medienkonzern, dessen Chef verzweifelt nach rechts drängt: »Man kann es als Versuch bezeichnen, ein Nazipublikum möglichst so zu bedienen, dass die Mehrheitsgesellschaft, die man mit liberalen Leitartikeln blendet, davon nichts spitzkriegt«.

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ndPlusRichard Schuberth

Bewahre uns Allah davor

Die linke Kurdenromantik, die auch von Kurden in Europa geschürt wird, fährt durch ihre Fixierung auf ein homogenes, unterdrücktes »Volk« der gelebten Praxis Rojavas in die Parade, die die kulturelle Identität der sozialen Emanzipation unterordnet.

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ndPlusKalle

Keine Gewalt

Die Demonstrationen in der DDR gehen weiter und werden immer machtvoller, doch die Partei- und Staatsführung lässt sich weiterhin - auch via »Neues Deutschland« - bejubeln. Der mehrtägige Aufenthalt einer chinesischen Delegation in der DDR sowie Bündnisschwüre aus Moskau lassen Bürgerrechtler Schlimmstes fürchten.

ndPlusInga Dreyer

Kanapees und Waffendeals

Cocktailgläser, feine Anzüge und edle Kleider - offensichtlich Bilder einer betuchten Abendgesellschaft. Gestört wird dieser Eindruck durch Panzer und Raketen im Hintergrund, die einer gegensätzlichen Welt entsprungen scheinen.

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ndPlusUlrike Wagener

Im Almost-All-Male-Room

Ich stecke die Schlüsselkarte - nicht die Schlüsselbärte, was mein Handy sinnvoller fände und ich auch, denn sie klemmt - in den kleinen Schlitz und warte auf grünes Licht. Nach mehren Anläufen öffnet sich die Tür zum Schlafsaal. Oder so will ich es jedenfalls nennen, denn das Wort weckt schöne Erinnerungen an Internatsschlafsäle, in denen ich nie war, von denen es sich aber immer schön las. Das h...

Natascha Strobl

Egal wie

Irrer Einzeltäter, schlechter Extremismus - rechte Öffentlichkeitsstrategien nach dem Anschlag in Halle verschleiern die wichtigen Zusammenhänge: Die Tat war nur die extremste Form der rechten Ideologie.

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Fabian Hillebrand

Strafrechtlich eine einfache Angelegenheit

Vorwurf: Mord. Omer Shatz verklagt führende 
EU-Politiker vorm Internationalen Strafgerichtshof wegen des Sterbens im Mittelmeer. Der Anwalt hat drei Jahre lang recherchiert und meint, Merkel und Macron haben sich schwerer Straftaten schuldig gemacht.

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Fabian Hillebrand

Flüchtlingsabwehr mit Kralle

Abd al-Rahman al-Milad ist einer der gefährlichsten Menschenhändler der Welt. Eine Recherche der Zeitung »Avvenire« hat nun ergeben, dass die italienische Regierung im Mai 2017 mit ihm über die Kontrolle der Flüchtlingsbewegung verhandelt hat.

ndPlusFabian Hillebrand

Gescheiterte Mission

Horst Seehofer scheint sich für Flüchtlinge einzusetzten. Und für eine bessere Verteilung dieser innerhalb Europas. Doch was steckt wirklich dahinter? Wenig bekannt sind die Details der Malta-Erklärung.

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ndPlusFrank Schäfer

So gutbürgerlich

Von der Bühne des Rockstars zum Rockzipfel des Professors: ein schwarzlederner Ghoul entscheidet sich Germanistik zu studieren. Mit allen Mitteln.

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Hendrik Lasch

Mit Strom & Wasser gegen Unwetter

Heinz Ratz musiziert für die durch den Rechtsruck bedrohten soziokulturellen Zentren in der ostdeutschen Provinz. Mit »Eine Million gegen Rechts« hat er bereits 100000 Euro eingesammelt. Das ist noch nicht genug.

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Stephan Kaufmann

Herausforderung angenommen

Früher gab es Leid und Kummer, es gab Probleme, Schwierigkeiten und Hindernisse, es gab Konflikte und Not, Katastrophen und Verzweiflung. Heute gibt es Herausforderungen.

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ndPlusRudolf Stumberger

Alte Ordnung, neue Medien

Wo früher Arbeiterklasse gegen Kapital stand, stehen sich heute Kosmopoliten und Konservative gegenüber. Wie lässt sich aber die Gruppe der Konservativen analytisch fassen? Und was hat ihre Zusammensetzung mit den Wahlerfolgen der AfD zu tun?

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ndPlusThomas Gesterkamp

Nächster Halt: Furor

Eine »echte Zumutung«, nennt Arno Luik die Reise mit der Deutschen Bahn. Die Kritik reicht von ausgefallenen Zügen bis Stuttgart 21. Viele Bahnreisende werden ihm beipflichten. Und doch bleibt ein schales Gefühl zurück.

ndPlusPaul Dziedzic und Anna Gyapjas

Was wir nie versucht haben

»Unsere Realität findet überall statt.« Der Nasa-Aktivist Abel Coicué lebt im Exil in Spanien. Auf dem Antikolonialen Forum in Berlin hat er seine Kämpfe vorgestellt - und mit anderen Gruppen über antirepressive Strategien und Vernetzung beraten.

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ndPlusSebastian Haak

Halleluja und Josef

Das Eisenacher »Entjudungsinstitut« wollte alles Jüdische aus Theologie und Kirche tilgen. Der Kirchenhistoriker Christopher Spehr über beginnende Aufarbeitung in Eisenach und darüber, warum es so lange gedauert hat.

Seite 21
ndPlusSebastian Haak

Über das Ende hinaus

Von Eisenach aus hat im Nationalsozialismus ein »Entjudungsinstitut« versucht, alles Jüdische aus dem Glauben deutscher Christen zu tilgen. Erst jetzt ist seine Geschichte umfassend aufgearbeitet worden - was bei manchen Geistlichen zu Entsetzen führt.

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ndPlusDirk Eidemüller

Blick in die Tiefen des Alls

Es gibt Nobelpreise, da überraschen die Preisträger eher, und solche, wo die Preisverleihung erwartbar ist. Die Auszeichnung im Jahr 2016 für topologische Materialien gehörte zu den völlig unverhofften Ehrungen und hat dennoch Licht auf ein rasant wachsendes Feld in der Materialforschung geworfen. Die 2017 mit dem Nobelpreis für Physik gekürte Beobachtung von Gravitationswellen, die beim Verschmel...

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ndPlusWalter Willems

»Anpassungsprozess des Lebens«

Sportler nutzten die Effekte eines zeitweiligen Sauerstoffmangels schon lange, bevor die molekularen Grundlagen geklärt waren: In großer Höhe reagiert der Körper auf die sogenannte Hypoxie mit der verstärkten Bildung roter Blutkörperchen. Die steigern die Transportkapazität für Sauerstoff - und damit die Leistungsfähigkeit. Die Versorgung mit Sauerstoff (O2) ist essenziell für den Körper und ...

Steffen Schmidt

Mobil geladen

Batterien sind heute allgegenwärtig. Viele davon - etwa in Fernbedienungen oder Taschenlampen - beruhen noch auf Technologien aus dem 19. Jahrhundert. Doch die zahllosen Smartphones, Tablets von heute ließen sich mit jenen Batterien kaum sinnvoll betreiben.

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Ines Wallrodt

»Den Zufall ruhig mal an sich ranlassen«

Dr. Steffen Schmidt ist der Universalgelehrte der »nd«-Redaktion. Auf fast 
jede Frage weiß er eine Antwort – und wenn doch nicht, beantwortet er eine andere. Ines Wallrodt fragte ihn nach Sinn und Unsinn von Wettervorhersagen.

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Tim Zülch

Das Ladesäulen-Dilemma

Berlin forciert den Ausbau von Ladesäulen, um den Umstieg auf Elektromobilität voranzutreiben. Doch viele werden nicht genutzt. Noch sind die Rahmenbedingungen für Elektroautos unvorteilhaft.

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ndPlusClaudia Krieg

Einseitige Ausbildung

Nur konservative muslimische Akteure seien an der Entstehung des neuen Berliner Islam-Instituts beteiligt, kritisierten liberale Verbände. Ungeachtet dessen nimmt es am Montag den Lehrbetrieb auf.

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Claudia Krieg

Raus aus der Blase, rein ins Erzählcafé

Was haben Frauen- und Umweltbewegung gemeinsam, wie bedingen sie sich? Diesen Fragen versucht ein Erzählcafé in Brandenburg nachgehen, mit dem Blick auf die DDR-Perspektive. Konkrete Antworten sind jedoch rar.

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ndPlusBahareh Ebrahimi

Warte auf uns, Freiheit!

Iranische Frauen schafften es nach 40 Jahren ins Fußballstadion. In den Nachrichten liest man, die FIFA habe Druck gemacht. Die Rolle des korrupten Weltverbandes bei dieser Errungenschaft groß darzustellen, ist ignorant gegenüber dem jahrelangen Kampf der Frauen.

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Alexander Ludewig

Stiller Anführer und Publikumsliebling

Nach 17 Jahren Profifußball hat Bastian Schweinsteiger nun seine Karriere beendet. Fast noch mehr als Bundestrainer Joachim Löw steht er für den Wiederaufschwung des deutschen Fußballs.

Tom Mustroph

Rassismus als Mittel und Zweck

Faschistengrüße und Affenlaute sind keine Seltenheide in den Stadien der obersten italienischen Fußballligen. Die meisten Fans, Trainer und Funktionäre reden das Problem des Rassismus klein. Und zuständige Politiker haben offenbar keine Ahnung.

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ndPlusMarc Vorsatz

Leve-Leve

An die Strände von São Tomé e Príncipe verirrt sich höchstens mal ein Fischer. Nur ein einziges Mal im Jahr sind diese richtig bevölkert, nämlich wenn Hunderte der vom Aussterben bedrohten Oliv-Bastardschildkröten zur Eiablage an Land kommen.