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ndPlusStephan Kaufmann

Feine Unterschiede

Ist es cool, in einer »Smart City« zu leben oder womöglich in einem »digitalen Dorf«? Das kommt drauf an, was Politiker und Bewohner mit digitale Technik machen. Außerdem: Porträt eines 64-jährigen Journalisten, der nebenher als Aktmodell arbeitet.

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Uwe Kalbe

Mit Hammer und Meißel an die Spitze

Norbert Walter-Borjans hat einen bundesweiten Ruf erlangt als nordrhein-westfälischer Finanzminister, als er in seiner Amtszeit bis 2017 den Kampf gegen Steuerbetrug zu seinem Markenzeichen machte. Jetzt ist er SPD-Chef.

Jana Frielinghaus

Respektlosigkeit nahe der Verachtung

Ohne Hausmacht, umstritten und in der Bundestagsfraktion eine Einzelgängerin? Was über die neue SPD-Vorsitzende zu lesen ist, spricht für Respektlosigkeit nahe der Verachtung. Oder liegt es an ihrer dezidiert linken Positionierung?

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ndPlusJulia Macher

Digital und demokratisch

Auch wenn auf ihrem Bürostuhl im Rathaus Barcelona inzwischen ein anderer sitzt, prägt Francesca Bria immer noch die Netzpolitik der Mittelmeermetropole. Egal, ob es um die städtischen Richtlinien zur »technologischen Souveränität« geht oder die Vorzeigeprojekte Decidim und Decode: Immer wieder stößt man auf den Namen der 42-jährigen Italienerin. Unter der linksalternativen Bürgermeisterin Ada Col...

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ndPlusMarkus Drescher

Ist das wirklich so schlau?

Smart Living im Smart Home in einer Smart City, mit dem Smartphone das digitalisierte Dasein unter Kontrolle. Ein Leben, flankiert von Apps, umgeben von unzähligen »smarten« Produkten, eingebettet in die vollständige Vernetzung, beobachtet von Sensoren und Kameras, am Laufen gehalten von Daten. Glaubt man manchen der Verfechter dieser Zukunftsversion, steht »smart« dabei nicht nur für ein intellig...

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Ein Gipfel, zwei Gegengipfel

Im »Frauenzelt« stehen zwei Podien. Auf dem einen werden drei kürzlich an Frauen begangene Morde dokumentiert. Auf dem anderen sitzen Leute, die dazu Urteile fällen werden. Dieses »ethische Tribunal« soll die strukturelle Gewalt aufzeigen, in die solche Femizide eingebettet sind. Schauplatz der symbolischen Verhandlung ist der »Völkergipfel« an der zentral gelegenen Universität von Santiago -...

Hermannus Pfeiffer

Der vierte Weg

Gemeinschaftseigentum, Green Deal, Vier-Tage-Woche - für das Wahlprogramm der Labour-Partei in Großbritannien gibt es viel Lob von Links.

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Initiative für Schwimmbäder

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) hat einen Plan gegen die Schließung von Schwimmbädern gefordert. Sicheres Schwimmen gehöre »zur Ausbildung im Schulunterricht«, sagte DLRG-Sprecher Achim Wiese am Freitag im Deutschlandfunk. »Nur wie soll das durchgeführt werden, wenn keine Schwimmbäder vorhanden sind?« Zudem sei Schwimmen ein »Kulturgut« in Deutschland und gehöre zur Daseinsvorsorge....

Staat zeigt harte Hand

Die regelmäßigen Innenministerkonferenzen finden meist besonderes Interesse der gesellschaftlichen Linken. Das liegt an ihrem Potenzial zur Einschränkung von Freiheitsrechten. Und an ihren Defiziten im Kampf gegen Rechts. Am Freitag endete die Herbstkonferenz der Minister in Lübeck.

ndPlusTino Brömme

Die Leistung der Pisa-Studie

Gott segne die Pisa-Studie! Ein Rauschen geht durch den Blätterwald, landauf, landab wird diskutiert über die Schule, die Schüler, die Lehrer, die Eltern, das Geld, die Bildungspolitik.Seit dem Jahr 2000 führt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) alle drei Jahre die Pisa-Studie durch, die prüft, wie gut 15-Jährige das in der Schule Erlernte auf Situationen des...

ndPlusInes Wallrodt

Da fliegen auch mal Tacker

Stress belastet und kann Körper und Seele krank machen, das haben neue Studien des DGB und der Krankenkasse BKK diese Woche einmal mehr belegt. Ständiger Leistungsdruck heizt aber auch die Feindseligkeit in Betrieb und Büro an: Wenn Beschäftigte innerlich beginnen, Arbeitszeitkonten der Kollegen anzulegen - die sich einen »faulen Lenz« machen (Mittagspause), »mal wieder wegducken« (Überstunden), d...

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Martin Ling

Macron stößt auf Granit

Die Mehrheit der Franzosen lehnt die von Präsident Emmanuel Macron geplante Rentenreform ab. Zu Recht. Denn eine sozial gerechte Rentenreform ist von der Regierung Macron nicht zu erwarten.

Jana Frielinghaus

Ausharren im Groko-Knast

Kritische Töne sind zu hören, doch groteske Oden dominieren. Die Angst vor Neuwahlen aufdem SPD-Bundesparteitag ist begründet. Doch nun werden die Sozialdemokraten durch ihr Festhalten an der Koalition weiter an Substanz verlieren.

Karlen Vesper

Ist das ein Mensch?

Sie haben sich rar gemacht am Ort des Schreckens - bundesdeutsche Politiker. Erst der zweite sozialdemokratische Kanzler, Helmut Schmidt, suchte Auschwitz auf; der erste, Willy Brandt, setzte immerhin ein starkes Zeichen mit seinem Kniefall vor dem Denkmal für die Ghettokämpfer in Warschau. Christdemokrat Helmut Kohl weilte im November ’89 in der Gedenkstätte Auschwitz - und sagte kein Wort. ...

Fabian Hillebrand

»Jammer-Ossi«

Uwe Steimle ist einer, den man laut Gericht unter Umständen als »völkisch-antisemitischen Jammer-Ossi« bezeichnen darf. Das wäre ein Grund für einen Rauswurf gewesen, nicht »mangelnde Solidarität« mit einer pluralen Rundfunkanstalt. 

Leo Fischer

Hämisches Gedenken

Mit einer Säule vor dem Reichstagsgebäude in Berlin, die Asche von Naziopfern ausstellte, sollte vorgeblich vor dem Anwachsen der rechten Gefahr gewarnt werden. In Wirklichkeit war nichts an der Aktion geeignet, Konservative oder gar Rechte zu irritieren.

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Sei keine Pfeife, wähl Eiffe

Werden Nobelpreise pfundweise verliehen? »Die Jakobsbücher«, das neue Buch von der einen neuen Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk hat 1184 Seiten. »Die Obstdiebin oder Einfache Fahrt ins Landesinnere«, das aktuelle Buch vom anderen neuen Literaturnobelpreisträger Peter Handke ist halb so dick: 559 Seiten. Wer schreibt, der bleibt: schwer. Peter Ernst Eiffe machte es anders. 1968 zog er 14 Tage...

ndPlusLidia Polito

Wer hat Angst vorm Intendanten?

Unbezahlte Überstunden, fehlende Ruhezeiten, Beleidigungen, Mobbing: Laut einer Studie führt die Bündelung der wichtigsten Positionen im Theater in der Figur des Intendanten zu Machtmissbrauch und Übergriffen.

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In der Mokka-Milch-Eisbar

300 000 Bürger haben die DDR 1989 gen Westen verlassen, viele Arbeitsplätze sind unbesetzt. Eine Menschenkette quer durch die Republik, von Nord nach Süd, demonstriert für die Erneuerung des Landes. Erste MfS-Bezirksdienststellen werden gestürmt.

ndPlusIngo Petz

Die Grenzgängerin

Von Grenzen hält Olga Tokarczuk wenig. Nicht von ungefähr ist die Überschreitung ihr literarisches Leitthema. Am 10. Dezember erhält Tokarczuk den Literaturnobelpreis.

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ndPlusJan Mollenhauer

Bei der Fischmutti

Vor einem halben Jahr bekam ich einen Wellnessgutschein. Für chronisch hyperarbeitete Großstädter wie mich ist Wellness so etwas wie die unbedenkliche Alternative zu Cannabis - gesundheitlich wie juristisch. Da es bei diesem Gutschein um Füße ging, dachten wir, als Sandalenvorbereitung könne man das jetzt mal machen. Also angerufen, Termin abgemacht und vorgefreut. Aus der Tram raus und zwei ...

ndPlusHans-Dieter Schütt

Erwärmung, nicht Erhitzung

Peter Handke bekommt den Literaturnobelpreis in diesem Jahr. Gegen diese Entscheidung der Jury gibt es jede Menge Protest. Doch wie wird man eigentlich zum Handke-Leser?

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Haidy Damm

Nachbarschaft per Dorffunk-App

Auch auf dem Land soll die Digitalisierung das Leben besser, schöner, einfacher machen. Was die neue Technik kann und was nicht, zeigt das Beispiel Eisenberg.

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Lesen Sie diesen Fontane-Film!

Das »Fontane-Jahr« endet am 30. Dezember, um genau zu sein, dann ist der 200. Geburtstag des Schriftstellers. 1974 verfilmte Rainer Werner Fassbinder dessen bekanntesten Roman »Effi Briest«. Sie wird gespielt von Hanna Schygulla und Fassbinder filmt so, als würde man ein Buch lesen: Sehr statisch und sehr fantasievoll. Der volle Titel lautete: »Effi Briest - oder: Viele, die eine Ahnung haben von ...

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ndPlusAntje Rößler

Komponieren als Trauerarbeit

Die Nazis wollten ihn vernichten und Stalin ebenfalls. Der jüdisch-polnische-sowjetische Komponist Mieczysław Weinbergn war ein Außenseiter wie sein Freund Dmitri Schostakowitsch.

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ndPlusInga Dreyer

Stillhalten, wenn die Nase juckt

Der Journalist Helmut Lorscheid arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Aktmodell. Der 64-jährige Bonner posiert bei Zeichenkursen und arbeitet mit Kunstschaffenden zusammen. Seine Theorie: Die Menschen zeichnen sich immer auch ein bisschen selbst.

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Liberalismus? Lol!

Sozialismuserfahrene wissen: In der armenischen Hauptstadt sitzt ein Kollegium, das auf jedwed Frage aus dem Stehgreif die angemessene Antwort kennt - im Prinzip zumindest: Protokoll eines spektakulären Telefonats.

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ndPlusKurt Stenger

Technik am Steuer?

Nicht schlecht staunten zwei US-Nutzer der App »Mercedes me«, als sie jüngst Namen, Telefonnummern und Aktivitäten anderer User einsehen konnten. Mit dieser Smartphone-Anwendung können Mercedes-Besitzer ihr Fahrzeug finden, öffnen und starten. Der Daimler-Konzern räumte die Panne ein - es sei aber weder ein Zugang zum Konto möglich gewesen noch die Nutzung fremder Fahrzeuge. Nun könnte man fr...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Das Gift nach dem Beben

Nach 30 Jahren Mauerfall gibt es ein Bedürfnis, Resümee zu ziehen. Als eine von denen, die damals eine andere Gesellschaft wollten, analysiert Daniela Dahn die Zeit um 1989 - und zeichnet ein düsteres Nachwendepanorama.

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ndPlusTom Strohschneider

Der Antrag an Mikro 9

Auflösung, Neugründung, Etiketten- oder Strategiewechsel? Der Sonderparteitag der SED im Dezember 1989 war auf Drängen der Parteibasis einberufen wurden - und entschied über den Fortbestand der Partei. Doch die Konflikte blieben.

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ndPlusBurkhard Bierhoff

Die Normalität verabschieden

Früher Vordenker: Schon in den 1980ern forderte Rudolf Bahro einen umfassenden Bewusstseinswandel auf institutioneller wie individueller Ebene. Doch mangelte es ihm an Publikum. Heute klingen seine Ideen heute so aktuell wie nie.

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Velten Schäfer

Beschwörung der Anunnaki

Was kann passieren, wenn charismatische Führer ein jugendliches Gefolge in den Arterhaltungskampf einer »letzten Generation der Menschheit schicken? Warum der Rückschlag für «Extinction Rebellion» eine Chance für die Klimabewegung ist.

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Immer die gleichen Gesichter

Anhaltende Dunkelheit, bis zu minus 50 Grad, immer die gleichen Gesichter - und eine schnelle Abreise unmöglich: Ein Langzeitaufenthalt in der Antarktis kann deutschen Forschern zufolge deutliche Auswirkungen aufs Gehirn haben. Bei Menschen, die sich 14 Monate auf der Neumayer-Station III aufhielten, seien Verkleinerungen in Teilbereichen des Hippocampus festgestellt worden, die für Gedächtnis und...

ndPlusSteffen Schmidt

Stapelweise Scheiben

Museen stecken in einer Zwickmühle. Einerseits wollen sie ihre Schätze den Besuchern im besten Licht präsentieren. Doch andererseits müssen die Ausstellungsstücke sowohl vor Diebstahl und Vandalismus geschützt werden als auch vor schädlichen Umwelteinflüssen. In vielen Fällen ist die Lösung eine Vitrine aus Glas. Glas? Das spröde und leicht zerbrechliche Material hat seit seiner Erfindung in der A...

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ndPlusManfred Ronzheimer

Die doppelte Wende

Mehrere wissenschaftliche Wenden und Neuausrichtungen hat das heutige Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf bei Rostock schon hinter sich. Nun steht der nächste Einschnitt bevor. Denn in der Zentrale der Leibniz-Forschungsgemeinschaft in Berlin wurde in der vorigen Woche überraschend entschieden, das Institut künftig aus der gemeinsamen Bund-Länder-Finanzierung herauszunehmen....

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ndPlusChristof Meueler

»Warum heißt Mainz nicht Rheinz?«

Warum sind die meisten Flussnamen bei uns weiblich? Und warum heißt die Stadt Mainz Mainz und nicht etwa Rheinz, obwohl der Rhein dort vorbeifließt? Steffen Schmidt gibt Antworten auf diese drängenden Fragen.

ndPlusMike Mlynar

Mut und Statistik

Darüber, wie Umweltdaten verheimlicht wurden und werden, kursieren die tollsten Geschichten. Eine geht etwa so: Einst informierten Exxon-Statistiker den damaligen US-Präsident Jimmy Carter: »Wenn wir weiterhin so viel Öl verbrennen, wird der Nordpol tauen und die Russen können uns übers Nordpolarmeer angreifen.« Darauf Nixon: »Erstens schießen wir besser als sie, zweitens holen wir uns dann auch d...

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Claudia Krieg

Kontra Kommerz und Monokultur

Das Syndikat ist für viele mehr als nur eine Kneipe: Es ist auch ein Ort der Vernetzung für Nachbar*innen und einer der wenigen Orte in Neukölln, der sich der Touristifizierung widersetzt. Nun steht die Räumung bevor. Ein Besuch in der traditionsreichen Kiezkneipe.

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Die Perspektive der Genossen
ndPlusNicolas Šustr

Die Perspektive der Genossen

Den geplanten Berliner Mietendeckel empfinden viele Genossenschaften als Angriff auf ihre Selbstverwaltung. Das empfindet auch Ulf Heitmann, Vorstand der Genossenschaft Bremer Höhe, so. Trotzdem möchte er sich eigentlich nicht mehr damit beschäftigen.

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Caren Stegelmann

Politik wie auf dem Schachbrett

Klimaschützer und Kumpel streiten über die Kohle. Zwei Fronten, schwarz und weiß gekleidete Figuren stehen sich gegenüber, wie auf einem Schachbrett. Und die Kohleindustrie steht lachend daneben.

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ndPlusAndreas Morbach, Mönchengladbach

Mit Wucht und Wille

Mit Toren und Tänzen ist Marcus Thuram binnen kürzester Zeit zum Liebling der Fans von Borussia Mönchengladbach geworden. Im Duell mit dem Rekordmeister aus München hoffen sie an diesem Samstag auf neue Großtaten des Neuzugangs.

ndPlusFabian Kunow

Tiefschläge und Damenhüte

Emile Griffith boxte von 1956 bis 1977. Er schaffte es hinauf bis zum Weltmeistertitel in gleich drei Gewichtsklassen. Als ihn ein Gegner jedoch homophob provozierte, schlug Griffith ihn so hart, dass er starb. Eine faszinierende Story in faszinierenden Bildern.

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ndPlusFrank Hellmann, Frankfurt

Der Kalender wird dichter

Jetzt bekommen auch die Fußballerinnen eine Gruppenphase in der Champions League. Das soll die Zuschauerzahlen und den kommerziellen Wert des Wettbewerbs verdoppeln. Der Bundesliga winkt ab 2021 ein dritter Platz in der Königsklasse.

Jirka Grahl

Im Land der Viertligisten

Frauenteams von Männer-Bundesligisten verdrängen immer mehr die traditionellen Frauenvereine im Fußball. Den Zusammenschluss von Turbine Potsdam mit einem Männerverein schließt Präsident Rolf Kutzmutz aber aus.

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ndPlusTom Mustroph

Fischer, Bauern, Wikingerdarsteller

Hoch kreisen die Seeadler über den schroffen Riffen im Nordmeer. Einige haben Platz genommen auf den Felsspitzen, sie heben sich als dunkle Silhouetten vom Himmel ab. Andere setzen zum Gleitflug an, nähern sich den Schwärmen von Möwen, die aufgeregt die Touristenschiffe umflattern, von denen aus sie mit Fischstückchen gefüttert werden. Nähern sich die Seeadler, stieben die Möwen davon. Die Ur...

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Lieber guter Weihnachtsmann ...

... guck mich nicht so böse an, sondern lies doch auch mal ein gutes Buch, anstatt immer auf dein Smartphone zu schauen. Internet ist gut und schön, aber ständig online zu sein, das macht alle nur noch nervöser, wenn sie auf Weihnachten warten und dabei die Plätzchen wegfuttern, weil sie nicht wissen, was sie tun sollen. Fernsehen hilft auch nicht weiter, da gibt es weder Freiheit, Glück noch...

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Das war die Resistenza

Von kleinen Gruppen zu einer Armee: Die Resistenza, die italienische Widerstandsbewegung gegen die Faschisten und deutschen Truppen, wurde von 1943 bis 1945 immer größer. Dazu gibt es eine Wanderausstellung vom Istoreco, dem Institut für die Geschichte der Resistenza in der Reggio Emilia. Im Katalog sieht man sich bewaffnende Juden (wie Primo Levi, links auf dem Foto), Frauen, Arbeiter und auch Pa...

André Dahlmeyer

Wer anständig bleiben will, wird sofort gedisst

Der Kölner Schriftsteller Selim Özdoğan ist einer der umtriebigsten Schlachtschreiber unter dieser verkrüppelten Sonne. Als er 1995 bei Rütten & Loening mit seinem Roman »Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist« debütierte, schlug das Buch ein wie eine Mörsergranate. Seinerzeit war es schwer in Mode, dass junge Menschen meinten, mit 25 Jahren ihre Autobiografie vorlegen zu müssen, a...

Samuela Nickel

Der Underdog bleibt bissig

Schon wieder ein Buch über Feminismus? »Yalla, Feminismus!« klingt zwar danach, ist aber nicht einfach ein weiterer Teil in einer Reihe feministischer Publikationen. Reyhan Şahin hat eher eine Abrechnung geschrieben - mit »Schwanzstrukturen« im Wissenschaftsbetrieb und anderswo. Ein Buch, das aus der feministischen Reihe tanzt und sie um eine weitere Bedeutungsachse ergänzt. »Ich selbst habe mich ...

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Florian Schmid

Ein Untoter im Ausnahmezustand

Die Frankenstein-Geschichte ist in Film und Literatur schon unzählige Male immer wieder neu erzählt worden. Eine wirklich außergewöhnliche Version dieses Stoffes ist der im arabischen Original 2013 erschienene Roman »Frankenstein in Bagdad«, der jetzt in einer deutschen Übersetzung vorliegt. • Buch im nd-Shop bestellen Ahmed Saadawi: »Frankenstein in Bagdad«. A. d. Arab. v. Hartmut Fähndrich...

Hans-Dieter Schütt

Das nicht gelungene Schweigen

Paradoxe Wahrheit: Menschen können sich offenkundig schneller und streitfreier über die Zukunft verständigen als über die Vergangenheit. Das schlechte Gedächtnis ist unser erfolgreichster Geschichtslehrer. Valentin Katajew sprach, die Historie betrachtend, vom »Gras des Vergessens«; Paul Celan erschrak über »die gnadenlos sanfte Gewalt, mit der ein schönes Wiesengrün« die Massengräber »in ein weic...

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Leonhard Seidl

Mein Herz, dein Herz

Nicht wenige von uns sind mit Sylvester Stallone als Rocky Balboa im Hoodie durch das trübe Philadelphia gejoggt. Haben mit ihm geschwitzt, als sich der Sohn italienischer Einwanderer, »The Italian Stallion«, »Der italienische Hengst«, im Boxring nach oben gekämpft hat. • Buch im nd-Shop bestellen Robert Prosser: Gemma Habibi. Ullstein, 224 S., geb, 22 €. Robert Prossers Roman »Gemma Ha...

Matthias Biskupek

Eine Existenz erfinden

Biografische Bücher sind gefragt: Wie verlief ein Leben? Warum duckte sich da einer, warum kämpfte eine andere, wie kamen jene mit Gunst und Ungunst der Verhältnisse zurecht? Albrecht Franke, Lehrer aus Stendal, der seit 1983 auch als Schriftsteller veröffentlicht, hat einem Vorbild seiner Jugend - einer Frau, die ihm erste Schritte ins Literaturreich ermöglichte - unter der Dachzeile »Eine Schrif...

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Angela Merkels Geheimrezept

Angela Merkel ist nun fast schon so lange an der Macht wie Helmut Kohl. Der war angetrieben vom Hass auf die »Sozen«, wie er sie nannte. Merkel hat die SPD nahezu bedeutungslos gemacht, sie hat sie in der großen Koalition zu Tode geliebt. Für die »Sozen« galt das Motto »Merkeljahre sind keine Herrenjahre«. So heißt ein Sammelband mit den Jahresrückblicken von Berliner Kabarettisten, die sie in der...

Fokke Joel

Alle wissen davon, aber niemand unternimmt etwas dagegen

Eigentlich ist Yavuz Ekincis Roman »Die Tränen des Propheten« das Buch der Stunde. Klimakrise, Kriege und Hungersnot: Alle wissen davon, aber niemand unternimmt ernsthaft etwas dagegen. • Buch im nd-Shop bestellen Yavuz Ekinci: Die Tränen des Propheten. A.d. Türk. v. Oliver Kontny. Kunstmann, 200 S., geb., 18 €. Die Zahl der Flugreisenden nimmt Monat für Monat zu, der Krieg in der Ukrai...

Günter Agde

Neugier und Nähe

Sein bekanntester Film, der ihm auch große internationale Resonanz einbrachte, stellte zwei altersweise Juden vor, die jeden Abend am Kachelofen sitzen und übers Leben und die Zeiten reden - witzig, nachdenklich, voller Anspielungen, gewürzt auch von ihrem Idiom. Das waren »Herr Zwilling und Frau Zuckermann« (1999) in Czernowitz, der multiethnischen Hauptstadt der Bukowina, in deren wechselvoller ...

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Irmtraud Gutschke

Gehen oder bleiben?

Kann man sich so etwas ausdenken? Die ganze Zeit hat man beim Lesen das Gefühl, die Autorin würde aus eigenem Erleben erzählen. Was aber nicht sein kann: Nadine Schneider wurde 1990 in Nürnberg geboren. Allerdings stammen ihre Eltern aus dem Banat. Ihnen hat sie auch ihr Buch gewidmet. • Buch im nd-Shop bestellen Nadine Schneider: Drei Kilometer. Jung und Jung, 160 S., geb., 20 €. Wie v...

Matthias Penzel

Wer hat Olof Palme auf dem Gewissen?

Auch als die Weltordnung leicht in Schwarz-Weiß oder Gut-Böse aufzuteilen war und der Krieg kalt, auch da war die politische Wirklichkeit nicht einfacher als heute. Die Kennedys und Martin Luther King wurden in aller Öffentlichkeit abgeschossen, Willy Brandt eher metaphorisch, aber ganz reell wurde noch 1986 oben im Norden Olof Palme in einer nasskalten Februarnacht mitten auf der Straße hingerich...

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Stefan Malta

Trinkst du ein Glas mit?

Aufschreiben, wie es ist, ohne Firlefanz: Wie man in der Kneipe trinkt und was man dabei erlebt, hat der niederländische Journalist Simon Carmiggelt (1913-1987) in unzähligen Kolumnen beschrieben, »Kronkels« genannt. Von 1946 bis 1987 erschienen davon in der Tageszeitung »Het Parool« knapp 10 000 Stück. • Buch im nd-Shop bestellen Simon Carmiggelt: Auf ein Gläschen. A. d. Niederl. v. Gerd Bu...

Axel Klingenberg

Kein Gott denkt sich einen Penis aus

Die Poetry-Slams genannten Dichterwettkämpfe sind aus der heutigen Kultur kaum noch wegzudenken. Dem Publikum bieten sie Unterhaltung (und die Möglichkeit der Teilnahme durch Abstimmungen) und den meist jungen Teilnehmer*innen die Möglichkeit, ein bisschen Ruhm zu ernten. Vielleicht wird auch ein Poetry-Slam zum Sprungbrett für eine Karriere in der Literatur oder im Kabarett. • Buch im nd-Sho...

Hans-Dieter Schütt

Erinnerungen an den Eastern

Der stabile Körper ist nur sehr befristet das Kapital eines Menschen. Muskeln bilden lediglich auf Zeit das, was man gern Männlichkeit nennt. So öffnet also auch das Abenteuer-Kino den beliebten kräftigen Helden nur für eine gewisse biologische Dauer die Breitwand. Als Gojko Mitić die Sommerfilmtage der DDR in Indianerfestspiele verwandelte und der Darsteller die tapferen Osceoloa, Ulzana, Tecumse...

Seite 40
Benjamin Trilling

Auf Gespensterjagd

Hunter S. Thompson beschrieb sein Gonzo-Genre mal provokant als »professionellen Amoklauf«. Exzentrik, exzessive Räusche und bizarre Vorstellungswelten sollen die äußere Realität verschlingen, bis nur noch eine subjektive Verzerrung übrig bleibt. Zu den Zutaten für diese Ästhetik gehören Bewusstseinsbomben wie LSD oder eben das psychotrope Meskalin, enthalten in der Pflanzenart Lophophora williams...

Klaus Bellin

Grelle, ekstatische Strophen

Der Krieg war erst ein knappes Jahr vorbei, die Welt geschunden und das Land in tiefer Not, als der Rowohlt-Verlag im Herbst 1919 einen Lyrikband vorlegte, von dem niemand ahnte, dass er einmal zu den legendären Büchern des Jahrhunderts zählen würde. • Buch im nd-Shop bestellen Kurt Pinthus (Hg.): Menschheitsdämmerung. Symphonie jüngster Dichtung. Rowohlt, 423 S., geb., 34 €. Es dauerte...

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Werner Jung

Physik und Metaphysik

Es geht ums Ganze, und nur das Wahre ist das Ganze. Aber was ist das? Von Mircea Cărtărescu liegt auf Deutsch unter anderem die gewaltige »Orbitor«-Trilogie (2007-14) vor, in der der Autor mit autobiografischen Reminiszenzen die Nachkriegsgeschichte Rumäniens bis zum Untergang des Ceausescu-Regimes erzählt. Mit seinem neuen Roman »Solenoid« will er noch weit mehr. • Buch im nd-Shop bestellen ...

Lothar Zieske

Ermordet in der Psychiatrie

Die Malerin Elfriede Lohse-Wächtler wurde am 4. Dezember 1899 in Dresden als Anna Frieda Wächtler geboren. Sie soll Kostümschneiderin werden - doch mit 16 Jahren verlässt sie ihr Elternhaus, um sich zur freien Künstlerin ausbilden zu lassen. • Buch im nd-Shop bestellen Dagmar Fohl: Frieda. Gmeiner, 244 S., geb., 20 €. Sie lernt den Maler und Sänger Kurt Lohse kennen. Sie gehen eine expl...

Seite 42

Deep Purple im Hochamt

»Child in Time« ist ein alter epischer Song von Deep Purple und über zehn Minuten lang. Unter diesem Titel hat der österreichische Schriftsteller Josef Hasslinger sieben Episoden über seine Kindheit versammelt (mit Fotografien von Maix Mayer). Leicht und elegant geschrieben, handeln sie von brutalen Zurichtungen und Zumutungen der 60er Jahre. Einmal nimmt bei einem Volksfest ein betrunkener Feuerw...

Gewinnen statt durchdrehen

Die USA am Ende der 2010er Jahre unter Donald Trump: »Alle waren komplett verwirrt, denn der Präsident war ein Irrer. Niemand wusste, ob eine Strategie hinter dem Chaos steckt oder ob er einfach verrückt war (…) Zwar gab er kaum je einen zusammenhängenden Satz von sich, dafür wiederholte dieser Mann immer wieder, dass er am ›Gewinnen‹ sei, und trichterte seinem Publikum ein, dass er bereits ›gewon...

Frank Willmann

Eine Punkerin für alle Zeit

Debbie Harry, die wunderbare Frontfrau der New Yorker Charts-Band Blondie, ist 74 Jahre alt und erinnert sich in ihrer eben erschienenen Autobiografie »Face it« an vergleichsweise wilde Zeiten. Geboren in New Jersey, erlebte das Adoptivkind Angela Trimble (so hieß die liebe Debbie einmal) eine konservative und langweilige Kindheit, bis sie Mitte der 60er Jahre das College abbrach und nach New York...

Monika Melchert

Eine andere Welt

Welch ein Verhältnis haben wir zum Tod? Ein ehrfurchtsvolles, stilles, eher banges? In jedem Fall in sehr verhaltenes, generell anderes als die Menschen in Mexiko, Neuseeland oder Madagaskar, wo zur Feier des Totengedenkens gesungen und getanzt wird, laut und freudig. • Buch im nd-Shop bestellen Martin Ernerth/Jörg Kuhn (Hg.): Der Dorotheenstädtische Friedhof. Prominente Geschichte in der Mi...

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Stefan Malta

Terror in Südwest

Ein Blick auf den deutschen Kolonialismus in Südwest-Afrika, dem heutigen Namibia, aus interessanter Perspektive: Ein deutscher Kolonialist, der mit einer Afrikanerin verheiratet ist, führt Tagebuch von 1894 bis 1949. • Buch im nd-Shop bestellen Jürgen Leskien: Einsam in Südwest. Nora, 207 S., br., 17 €. Der Tagebuchroman »Einsam in Südwest« von Jürgen Leskien erschien schon 1991 und wu...

Irmtraud Gutschke

Wenn die Blumen sprechen könnten

Versuchen Sie, diesem Gedicht namens »Sturmflut« einmal nachzulauschen: »Die Flut sagte zum Fischer:/ Für das Toben meiner Wellen/ gibt es viele Gründe./ Der wichtigste davon ist,/ dass ich für die Freiheit der Fische/ und gegen das Netz bin.« • Buch im nd-Shop bestellen Sherko Bekas: Geheimnisse der Nacht pflücken. A. d. Kurd. v. Reingard u. Shirwan Mirza u. Renate Saljoghi. Unionsverl...

Karlheinz Kasper

Realismus und Absurdität

Bücherfreunde werden sich glücklich schätzen, dass der Verlag Friedenauer Presse, den Katharina Wagenbach-Wolff 2017 aus Altersgründen abgeben musste, von Matthes & Seitz übernommen wurde und nun von Friederike Jacob weitergeführt wird. Damit sind neue Entdeckungen aus der internationalen Moderne und Avantgarde, insbesondere der jahrzehntelang unterdrückten russischen Literatur, in sorgfältige...

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Jan Helbig

Den Hut gezogen

Sein Licht war oft das Zwielicht. Volkmar Kleinerts Kunst ist in nahezu hundert Filmen, in Verbindung mit einer markanten Stimme, zu einem Qualitätssignum der Kühle, des Lauernden, der negativen Tönungen geworden. Der Schauspieler, 1938 in Dresden geboren, wurde 1964 ans Deutsche Theater Berlin engagiert. Irgendwann war er einer der wenigen, die man anschaute und meinte, einen Zeitenspiegel vor si...

Hans-Dieter Schütt

Zu viele Käsesorten

Abenteuer? In fremde Abgründe tauchen, um sich der eigenen zu vergewissern. Georg Stefan Troller weiß: »Jeder ist doch auch Gangster und Nutte, Banker und Boxer, Ketzer und Mystiker in einem.« Er achtete bei Diktatorengattinnen auf schöne Hände, war bezaubert, wenn Mörder Gedichte rezitierten. • Buch im nd-Shop bestellen Georg Stefan Troller: Liebe, Lust und Abenteuer. 97 Begegnungen meines ...

Silvia Ottow

Mit Hund und Ziege

Brigitte Bardot kehrte dem Kino von heute auf morgen den Rücken. Die Frau, die von sich selbst sagt, die wohl berühmteste Französin zu sein, war damals erst 38 Jahre alt und bereits ein so großer Star, dass sie nicht auf die Straße gehen konnte, ohne einen Pulk von Reportern hinter sich zu wissen. Zum entscheidenden Wendepunkt in ihrer Biografie kam es während der Filmaufnahmen für einen Mittelalt...

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Werner Abel

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Die aktuelle Diskussion um die Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz lässt natürlich auch die Frage aufkommen, ob die Kinder in ihrer Mehrheit das Grundgesetz überhaupt kennen und sich der Rechte bewusst sind, die ihnen wie allen anderen Menschen durch diese Verfassung zustehen. Das Grundgesetz, entstanden vor 70 Jahren, war lange die provisorische Verfassung der Bundesrepublik Deutschland, u...

Armin Jähne

»Germania, mir graut vor dir!«

Er war einer der bedeutendsten Vertreter der oppositionellen politischen Lyrik am Vorabend der Revolution von 1848. Seine aufrüttelnden Gedichte, voll der Forderung nach Freiheit und deutscher Einheit, hatten im Volke begeisterte Aufnahme gefunden und ihn berühmt gemacht. Soziale Inhalte gaben ihnen weiteres Gewicht. 1849, nach dem Scheitern des revolutionär-militärischen Abenteuers an der Spitze ...

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Harald Loch

Einzig dem Gewissen gefolgt

Seit sechs Jahren lebt Edward Snowden im Moskauer Exil, vor drei Jahren ist seine Freundin Lindsay zu ihm gezogen, vor zwei Jahren haben sie in der russischen Hauptstadt geheiratet - das ist die private Geschichte des kühnsten Whistleblowers, die er einem Millionenpublikum mit seinem Buch »Permanent Record« erzählt. Freiwillig ist das Exil ebenso wenig wie die jahrelange Trennung von der Freundin....

Wolfgang Gehrcke und Christiane Reymann

Bunter Vogel flieg

Eine graue Maus war Diether Dehm nie, zu einem bunten Vogel wurde er mit seiner Selbstbefreiung. Die schaffte er mittels eines tieferen Verständnisses von Gesellschaft als Klassengesellschaft, Kriegen als imperialistischen Kriegen, von kollektiver Gegenwehr, Solidarität - und Musik. All das half dem 1950 Geborenen auch, sich aus bedrückenden Familienverhältnissen mit einem gefürchteten, mit der NP...

Seite 47
Ernst Reuß

Auf dem rechten Auge blind

Dem Verlag ist zu danken, dass er den juristischen Klassiker von Heinrich Hannover und seiner 2009 verstorbenen Ehefrau Elisabeth Hannover-Drück herausgebracht hat. Das Standardwerk des politisch engagierten Strafverteidigers und der renommierten Historikerin über die Justiz der Weimarer Republik, 1966 erstmals erschienen, ist kein reines Geschichtsbuch, sondern enthält zahlreiche Parallelen zu jü...

Christopher Wimmer

Kapital und Menschheit - zwei konträre Universalismen

Mode und Trends kommen und gehen. Auch in der Wissenschaft. Seit einiger Zeit gehören »postkoloniale Theorien« in der akademischen Zunft zum guten Ton. Sie kritisieren berechtigt den Eurozentrismus, also die ideologische Beurteilung außereuropäischer Gesellschaften nach europäischen Vorstellungen, sowie koloniale Ideologie und ökonomischen Determinismus. Die führenden Theoretiker*innen beanspruche...

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Christopher Wimmer

Geschlechterverhältnisse sind Ausbeutungsverhältnisse

Als »unglückliche Ehe« beschrieb die Wirtschaftswissenschaftlerin Heidi Hartmann 1981 das Verhältnis zwischen Marxismus und Feminismus. Und auch heute wird Marxist*innen immer wieder vorgeworfen, Frauenunterdrückung nicht ausreichend zu behandeln. Kann marxistische Theorie überhaupt etwas zum Verständnis von Frauenunterdrückung beitragen? Was haben Marx und Engels zur Unterdrückung der Frauen gesa...

Karlen Vesper

Ein Leben in Schuhkartons

Er ist nicht nur Sprecher, sondern auch ein Erzähler. Günter Herlt kennen Ostdeutsche reiferen Jahrgangs aus dem Fernsehen. Er war Kommentator und stellvertretender Chefredakteur der »Aktuellen Kamera« sowie DDR-Korrespondent in der alten Bundesrepublik. In den letzten zwei Jahrzehnten hat er in der Eulenspiegel-Verlagsgruppe etliche Bücher veröffentlicht, kecke und kluge Kommentare zum Zeitgeist ...

Jonas Christopher Höpken

Peter Hacks als platonisch geliebter Übervater

Sahra Wagenknecht ist gar keine richtige Politikerin. Das politische Handwerk ist ihr eigentlich fremd. Sie kann nicht netzwerken, ist keine Rudelführerin. Dies sind keine Zitate von politischen Gegnern, dies hat Christian Schneider Sahra Wagenknecht selbst entlockt. Doch nicht nur mit ihr, auch mit ihren engsten Weggefährten sprach er, darunter ihr Lebenspartner Oskar Lafontaine, ihre Mutter und ...

Seite 49
Fritz Schröder

Wie ein Bär die Mauer durchbrach

Es war im September 1965. Ein Hochseekreuzer rauschte unter dem Namen »Berliner Bär« mit Vollzeug durch die Drei-Meilen-Zone am Gellenstrom in der Ostsee. Die sechsköpfige Mannschaft war nicht auf der Flucht. Ein Boot der Grenztruppen drehte bei. Seine Besatzung wünschte der Crew sogar: »Gute Fahrt ins Mittelmeer!« • Buch im nd-Shop bestellen Rita Kindler (Hg.): Törns mit dem Berliner Bär. D...

Jörn Schütrumpf

Ein Schnelllehrgang in Sachen Revolution

Die Volksmarinedivision, ein Kind der Revolution von 1918, teilt das Schicksal des ermordeten Karl Liebknecht: Sie ist heute mindestens ebenso vergessen wie er. Alles und jedes, was der SED-Führung als Legitimation für ein - von ihr durchgängig befolgtes - Prinzip dienlich schien: »Die Macht geben wir nie wieder her«, gilt seit der revolutionären Beendigung dieser Überhebung als »kontaminiert«. Da...

Axel Berger

»Meine Trauer ist grenzenlos«

Manche Bücher erscheinen zur richtigen Zeit. Etwa das 1966 von Jürgen Horlemann und Peter Gäng im Anschluss an die Diskussionen eines Arbeitskreises innerhalb des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) verfasste Sachbuch »Vietnam. Genesis eines Konflikts«. Diese Pionierarbeit verkaufte sich nicht nur über 60 000 Mal, sondern schwor auch die sich formierende Opposition gegen den mörderisch...

Seite 50
Franziska Groß

Vom Unwillen, sich eigener Schuld zu stellen

Nach Jahrzehnten des Verdrängens und Verschweigens wird heute auch in Österreich in unzähligen Gedenkveranstaltungen nicht nur des «Anschlusses» 1938 an Nazideutschland und der Opfer des antisemitisch-rassistischen Terrorregimes hernach gedacht, wenngleich mitunter ritualisiert, «was die Botschaft allerdings nicht schmä-lert», schreibt Barbara Serloth. «Österreich macht es sich mit dem Nationalsoz...

Harald Loch

Literarisches Meisterwerk

Lateinamerika brennt - schon wieder. Seit der Entdeckung, der Eroberung und Kolonisierung, seit der Befreiung von den europäischen Herren, seit der Übermacht des Imperialismus der nordamerikanischen Yankees kommen Süd- und Mittelamerika nicht zur Ruhe. Nachzulesen ist diese stürmische Geschichte der letzten fünf Jahrhunderte in der Literatur, in der die Autoren dieses Kontinents wirklichkeitsnah, ...

Karlen Vesper

Nicht mit westlichen Maßstäben zu messen

Wer Russland verstehen will, muss dieses Buch lesen, lockt der Verlag. Und hat damit nicht Unrecht. Reinhard Krumm, Jahrgang 1962, Leiter das Regionalbüros für Zusammenarbeit und Frieden in Europa der Friedrich-Ebert-Stiftung und Lehrbeauftragter für osteuropäische Geschichte an der Universität Regensburg, hatte für die der SPD nahestehende Stiftung lange in Russland und Zentralasien gelebt und ge...

Seite 51
Gerd Fesser

Halbherzige Revolutionen

Die angelsächsischen Historiker beherrschen das Metier der Geschichtsschreibung, vermögen spannend, unterhaltsam und erkenntnisreich zugleich zu erzählen. Das beweist einmal mehr das neue Buch von Richard J. Evans. Der Brite folgt in seiner Geschichte Europas im 19. Jahrhundert einem transnationalen Ansatz, handelt die Geschichte der europäischen Staaten nicht nacheinander ab, sondern kombiniert d...

Heinz Niemann

Gespalten durch Vereinigung

Vielleicht ist es kein Unikat, aber doch eine eher seltene publizistische Form - diese vom Historiker Siegfried Prokop zusammengestellte Auswahl von Biografien, Vorträgen und oftmals noch nicht publizierten Interviews. Porträtiert werden 38 bekannte Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wissenschaft der DDR, denen er im Laufe seines Forscherlebens begegnete oder die in den Fokus seiner wissensc...

Karlen Vesper

»Die Neue Rechte ist die Alte Rechte«

»Überall ist die Enthemmung dieser Gesellschaft gefährlich weit fortgeschritten. Das, was geschieht, ›Rechtsruck‹ zu nennen, wäre eine glatte Untertreibung«, meint Jutta Ditfurth. Ihr ist zuzustimmen. Ebenso ihrer Überzeugung, dass man in den Faschismus nicht schlafwandelt. Das war weder vor 1933 so noch heute. »Sehen Sie sich um und schauen Sie hinter die Fassaden«, ruft die engagierte Antifaschi...

Seite 52

Den Nachgeborenen zur Erinnerung und Mahnung

Wer das Zentrum für Politische Schönheit bislang ob seiner spektakulären Aktionen, etwa »Flüchtlinge fressen«, unter Jux und Dallerei abgespeichert hat, wird mit diesem Band eines Besseren belehrt. Das Team junger Aktivisten, das in origineller Weise gegen Geschichtsvergessenheit, Rechtspopulismus und Ausländerhass streitet, hat jetzt einen nachdenklich stimmenden, leisen und überaus wichtigen Ban...

Henri Klein

Pythagoras am Ball

Ist Oleg Blochin der ukrainische Johan Cruyff? Oder Cruyff der niederländische Blochin? Diese Etikettierungen dürften ebenso schief sein, wie Gojko Mitić den Pierre Brice des Ostens oder Brice den Mitić des Westen zu nennen. Gleichwohl solche Vergleiche beliebt sind, ist jeder Mensch, ob Schauspieler oder Fußballspieler, ob prominent oder nicht, einmalig. • Buch im nd-Shop bestellen Johan Cr...

Franziska Groß

Sie gingen - obwohl es ihnen gut ging

«Gewartet wurde viel in der Deutschen Demokratischen Republik. Auf den Trabant, auf Ersatzteile, auf bestimmte Bücher - die Menschen waren Teil der sozialistischen Wartegemeinschaft. Eine Floskel mit bitterem Kern», bemerken Jana Göbel und Matthias Meisner eingangs. Denn: «Selbst wer das Land für immer verlassen wollte, musste auf seine Ausreise warten. Manchmal jahrelang.» • Buch im nd-Shop ...

Harald Loch

Von einem miefigen Nest zur Weltmetropole

Niemand kann Berlin verstehen. Aber Billy Wilder konnte Berlin im Film zeigen (»Menschen am Sonntag«). Und Jens Bisky kann Berlin erzählen und erzählen lassen. Der in der DDR aufgewachsene Autor ist heute leitender Redakteur im Feuilleton der »Süddeutschen Zeitung« und berichtet seit Langem über Berlin für ein Nichtberliner Publikum. Jetzt hat er eine wahrlich monumentale Biografie über die deutsc...

Seite 53
Reiner Oschmann

Unregelmäßig wie das Wetter, wechselhaft wie Empfindungen

Ein blasses Foto in Schwarz-Weiß. Männer mit Hüten, vorn eine zweifelnd blickende Frau, hinten eine Ladenfront unterm Sternenbanner. So unspektakulär wie das Titelbild ist seine Beschreibung: Pittsburgh, Pennsylvania. November 1950, Menschenmenge am Tag des Waffenstillstands zum Gedenken an das Ende des Ersten Weltkriegs. Darüber der Buchtitel »Diese Wahrheiten«. • Buch im nd-Shop bestellen ...

Seite 54
Harald Loch

Entgegen religiösem Eifer

Die Geschichte Andalusiens wird üblicherweise teils verklärend, teils verfälschend als eine Zeit der »conviviencia«, des friedlichen Austauschs zwischen Christen, Juden und Muslimen auf der iberischen Halbinsel, erzählt. Eine die neuere Forschung berücksichtigende, zusammenfassende Darstellung dieser Schlüsselepoche des europäischen und mediterranen Mittelalters gab es für deutschsprachige Leser b...

Kurt Wernicke

Ein Sieg, der die Preußen zur Hybris verführte

Von dem Jenenser Historiker Gerd Fesser, der mehrfach rechtzeitig vor historischen Jahrestagen den Buchmarkt mit Monografien bereicherte (unter anderem 2006 zur Doppelschlacht bei Jena/Auerstedt, 2013 zur Völkerschlacht von Leipzig, 2015 zu Waterloo und 2016 zu Königgrätz), war zu erwarten, dass er sich auch das im nächsten Jahr anstehende Jubiläum des preußischen Sieges von Sedan nicht entgehen l...

Seite 55

Papa, bist du jetzt verrückt?

Als Katja Hauck vierzehn war, wurde sie aus dem Schulunterricht gerufen, denn ihr depressiver Vater Uwe Hauck hatte versucht, sich umzubringen. Jetzt ist sie sechzehn und hat die Korrespondenz, die sie mit ihrem Vater anschließend führte, um ihn besser zu verstehen, als Buch veröffentlicht: »Lieber Papa, bist du jetzt verrückt geworden? Mein Vater, seine Depression und ich«. Darin schreibt ihr Vat...

Silvia Ottow

Aufgeregt wie ein Hühnchen

Eliot und Isabella wollen über die Berge bis ans Meer wandern. Abgesehen davon, dass dies in der Regel ein weiter, weiter Weg ist, gibt es aber noch ein ganz anderes Problem: Die beiden sind Ratten, genau genommen kleine Rattenkinder. Eines, Eliot, ist darüber hinaus auch noch verliebt in das andere, Isabella. • Buch im nd-Shop bestellen Ingo Siegner: Der fliegende Maulwurf. Beltz & Gelb...

Irmtraud Gutschke

Zirkus, Zombies, Zauberei

Liebe kann die Welt verändern - wie viele Geschichten sind schon darüber geschrieben worden. Vielleicht in der Hoffnung, dass sich in der Beschwörung schon ein Zauber erfüllt. • Buch im nd-Shop bestellen Anton Soja: Die wahre Geschichte: vom traurigen Clown Federico, von der wunderschönen Hexe Nadira aus Lüneburg und dem grässlichen Rumpelstilzchen. Illustr. v. Oksana Baturina. Wunderhaus. 1...

Silvia Ottow

Was soll ein Junge tun, der auf einmal sechs Beine hat?

Als Gregor Sampson eines Morgens aufwacht, entdeckt er, dass er ein riesengroßer Käfer ist. Moment! Muss es nicht Gregor Samsa heißen? Kennen wir diesen unglücklichen, in den Tod getriebenen Menschen nicht aus Franz Kafkas Erzählung «Die Verwandlung» aus dem Jahr 1912? Um es vorwegzunehmen: Die Autoren dieses bildschön illustrierten Bilderbuches für die ersten Lesejahre heißen Lawrence David und D...

Seite 56

Albanisch kochen

Bledar Kola ist ein Starkoch aus Tirana, wo er das Lokal »Mullixhu« führt. Das heißt »Müller«, und tatsächlich mahlt Kola dort Getreide und Mais. Als er 15 war, ging er nach London und machte eine Karriere vom Tellerwäscher zum Küchenchef, fand aber erst im Restaurant »Noma« in Kopenhagen das Motto seiner Arbeit heraus: »Ich begriff, dass gutes Essen einfach sein muss und darf.« In »Die neue ...

Rainer Balecerowiak

Alles von so ziemlich allen essbaren Tieren

Es soll Zeiten gegeben haben, da waren Kochbücher in erster Linie Sammlungen mehr oder weniger praktikabler Rezepte. Bei den besseren konnte man auch noch einiges über bestimmte Nahrungsmittel, Zubereitungsarten oder auch Regionen erfahren. Ansprechende grafische Gestaltung machte die Werke mitunter auch zum Augenschmaus. Es soll ja auch Zeiten gegeben haben, da hat man idealerweise gegessen, was ...