Seite 1

Unten links

Die Menschheit hat das Frönen des Künstlichen zur Kunst erhoben. Anders ließe sich Kunstschnee auch nicht rechtfertigen. Weil es echten Schnee nicht mehr oft gibt, zumindest nicht dort, wo man fernsehgerecht Skifahren kann, wird der herangeschafft. Von weit weg. Per Lkw. Nicht nur einem. Trotzdem schafft man es, sich einzureden, dass das noch irgendwie umweltfreundlich ist - weil die Tannenzweige ...

Katja Herzberg

Scheinverzicht

Frankreichs Premier Édouard Philippe ist ein kluger Schachzug gelungen. Er hat mit dem Verzicht auf eine indirekte Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 64 Jahre die von seiner Regierung und Präsident Emmanuel Macron geplante Rentenreform im Wesentlichen nicht angetastet. Dafür hätte er sich vom Punktesystem bei der Berechnung der Rente verabschieden müssen. Dennoch hat er nun die größte Gewerksc...

Ralf Klingsieck, Paris

Die ganze Reform soll fallen

Nach wochenlangem Streik hat die französische Regierung einen Hauptstreitpunkt aus ihrer geplanten Rentenreform gestrichen. Einigen Gewerkschaften reicht das aber nicht.

Seite 2
Sebastian Haak

Ein Heimatministerium für Thüringen?

Seit einigen Jahren erfreuen sich Heimatministerien einer gewissen Beliebtheit. Nun denken in Thüringen auch einige LINKE-Politiker darüber nach, ein solches Ressort zu schaffen - und ernten Widerspruch.

Sebastian Haak, Erfurt

Rot-Rot-Grün ist sich einig, bleibt aber vage

Es war der Verhandlungsmarathon, der sich im Vorfeld abgezeichnet hatte: Mehr als zehn Stunden lang haben LINKE, SPD und Grüne zum Fast-Abschluss ihrer Sondierungen unter anderem über den Verfassungsschutz debattiert. Nun steht das Regierungspapier.

Seite 3
ndPlusMartin Ling

Das ökonomische Erdbeben war davor

Vor zehn Jahren wurde Haiti von einem verheerenden Erdbeben getroffen. 300 000 Menschen kamen ums Leben, zwei Millionen Menschen wurden obdachlos. Die Auswirkungen sind bis heute zu spüren.

Seite 4
René Heilig

Tor-Raketen und die »große Tragödie«

Iran hat am Samstagmorgen eingeräumt, dass sein Militär eine ukrainische Boeing abgeschossen hat. Präsident Hassan Rouhani sprach von einer »großen Tragödie« und einem »unverzeihlichen Fehler«.

Oliver Eberhardt

Revolutionsgarden unter Druck

Nach der Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani waren die Proteste in Iran zum Erliegen gekommen. Durch den Abschuss einer ukrainischen Passagiermaschine werden sie wieder angefacht.

Max Böhnel, New York City

Keinen Krieg mit Iran

»No War with Iran« – unter diesem Motto versammelten sich am Donnerstagabend in vielen Orten der USA erneut Tausende von Kriegsgegnern. Doch zu einer Massenbewegung wie früher fehlt es an Organisationskraft, Strategie und Taktik.

Seite 5

Keine »zweite grüne Partei« werden

Die Linksfraktion im Bundestag hat sich am Sonntag zur Auftaktveranstaltung für 2020 im Berliner Kino Kosmos getroffen. Die LINKE dürfe keine »zweite grüne Partei« werden, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Jan Korte.

Peter Nowak

Debatte über Klassenkampf im Vier-Sterne-Hotel

Allianzen gegen den Faschismus mit Parteien, die Krieg führen? Welche Rolle spielt die Eigentumsfrage? Diese und andere Fragen beschäftigte am Samstag in Berlin die Rosa-Luxemburg-Konferenz.

Vanessa Fischer

Das Märchen vom linken Terrorismus

Immer wieder verbreiten offizielle Polizeibehörden falsche Informationen. Ihre Fake-News landen als Fakten in etablierten Medien. Die Polizei kann so politischen Einfluss auf das Geschehen nehmen. Spätere Richtigstellungen finden kaum noch Aufmerksamkeit.

Seite 6
Fabian Kretschmer, Taipei

Wahlbotschaft an Peking

Nach ihrer klaren Wiederwahl fand die taiwanische Präsidentin Tsai Ing-wen klare Worte: »Das Wahlergebnis zeigt, dass wir Taiwaner das Prinzip 'Ein Land zwei Systeme' von Xi Jinping ablehnen.

Seite 7
Johanna Treblin

Mindestlohn wird wenig effektiv kontrolliert

Seit dem Jahr 2015 gibt es in Deutschland einen gesetzlichen Mindestlohn. Doch fehlen dem Zoll Personal und Mittel, um die Einhaltung der Lohnuntergrenze effektiv zu kontrollieren.

Seite 8
Alina Leimbach

Frau Freiwillig mahnt wieder

Tiefstapeln ist bei Julia Klöckner nicht. Bei ihrer ersten Regierungserklärung als Ernährungs- und Landwirtschaftsministerin deklarierte die CDU-Politikerin ihr Ministerium kurzerhand zum »Lebensministerium« um. Sie erklärte: »Unsere Bürger müssen spüren, dass wir uns um ihre Lebensthemen kümmern.« Doch das löst Klöckner als Ministerin nicht ein. Denn ihre Lieblingsstrategie ist das Wegschieb...

René Heilig

Intelligenz ohne Vernunft

Der Abschuss der Passagiermaschine bei Teheran ist eine Tragödie, das lange Leugnen der eigenen Urheberschaft Ausdruck des Allmachtwahns einer Diktatur. Dass nun ausgerechnet der US-Präsident, der den Konflikt mit Iran anheizt, dem zurecht wütenden iranischen Volk Unterstützung bei seinen Protesten verspricht, kann man nur als perfide bezeichnen. Das alles sind keine guten Voraussetzungen daf...

Simon Poelchau

Sozialtickets für den ICE

Schon seit Jahren sagen Klimaexperten, dass man weg vom motorisierten Individualverkehr muss, wenn der Verkehrssektor nachhaltig werden soll. Insofern ist die Preissenkung bei der Bahncard ein erster – verspäteter – Trippelschritt in die richtige Richtung.

Marion Bergermann

Menschenleben retten ist nicht links

Das kam überraschend. Kapitän Claus-Peter Reisch will vorerst keine Seenotrettungseinsätze mehr fahren. Erst letzte Woche hatte der berühmt gewordene Schiffs-Chef einen Gerichtsprozess in Malta gewonnen. Jetzt möchte er an Land bleiben, bis zwei Gerichtsprozesse in Italien gegen ihn beendet sind. Das sagte er in einem Zeit-Online-Interview. Und vor allem will er nicht mehr mit der Organisation »Mi...

ndPlusRobert Putzbach

Prinz aus Gabun

Der US-amerikanische Schauspieler und Rapper Ludacris, alias Christopher Brian Bridges, besitzt seit Kurzem eine zweite Staatsbürgerschaft: die des zentralafrikanischen Staates Gabun. In einem Video auf seinem Instagramkanal wedelt der 42-Jährige stolz mit seinem neuen Pass und spricht vom großartigsten Tag seines ganzen Lebens. Scherzhaft kündigt er an: »Ich bin ein loyaler Staatsbürger von ...

Christoph Ruf

Das Schweigen der Würdenträger

Fans des SC Freiburg wollen den AfD-Politiker Dubravko Mandic nicht im Stadion haben. Deshalb plakatierten sie: »Mandic, du Nazi, verpiss dich«. Die Polizei ging dagegen massiv vor. Und die Politik? Sie schweigt.

Seite 9
Andreas Fritsche

Links immer, rechts nimmer

In Europa sind Rechte fast überall auf dem Vormarsch, Kriege drohen. Da kann Karl Liebknecht, der als Reichstagsabgeordneter mutig gegen die Kredite zur Finanzierung des Ersten Weltkriegs stimmte, ein Vorbild sein. Auch 101 Jahre nach seiner Ermordung.

ndPlusNicolas Šustr

Unter dem Pflaster die Baustelle

Gleise tauschen, Fliesen ausbessern, Müll einsammeln. Im Nord-Süd-Tunnel der Berliner S-Bahn-Linie wurde an den vergangenen beiden Wochenenden einiges erledigt.

Jonas Wagner

Der Verkehrswahnsinn geht weiter

Etwa 45 Menschen gedenken des Mannes, der einem Verkehrsunfall in Kreuzberg zum Opfer fiel. Die vom Senat eingeleiteten Sofortmaßnahmen gehen ihnen nicht weit genug.

Andreas Fritsche

Karl, Rosa, John und Genossen

Auch im 101. Jahr seit der Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg kommen Zehntausende aus dem In- und Ausland, um Nelken für sie niederzulegen.

Seite 10
ndPlusLola Zeller

10.000 Euro Minimum für ein Austauschjahr

Das Vorhaben, während oder nach der Schulzeit ein Jahr im Ausland zu verbringen, braucht einiges an Vorbereitung. Darüber und wie das Ganze finanziert werden kann, berät die Jugendbildungsmesse.

Carmela Negrete

Gespalten in der Friedensfrage

Protest, Trauer und Gegenprotest: Die Tötung des iranischen Generals Soleimani durch eine US-Drohne hat auch in Berlin unterschiedliche Reaktionen hervor gerufen. Exil-Iraner demonstrieren gegen die iranische Regierung, Friedensaktivisten gegen die USA.

Seite 11
ndPlusAndreas Fritsche

Mutter und Tochter im Landtag

Im persönlichen Umgang sind Petra und Ricarda Budke beide angenehme Menschen. Politisch haben sie grundsätzlich ähnliche, im Detail allerdings auch unterschiedliche Ansichten.

Seite 12

Drohungen in der Lokalpolitik nehmen zu

Die Zahl der polizeilich erfassten Straftaten gegen Amts- und Mandatsträger*innen hat sich 2019 in mehreren Bundesländern deutlich erhöht. In Ostdeutschland ist die Entwicklung teils noch besorgniserregender.

ndPlusReimar Paul

Schneeflöckchen im Streik

Kein Schnee, dafür Regen und böiger Wind aus Südwest, sieben Grad über Null. In Braunlage, dem am höchsten gelegenen Wintersportgebiet des Harzes, sind die Bedingungen für Skifans derzeit trostlos.

Seite 13
Wolfgang Hübner

Mosekunds Montag

»Haben Sie schon gehört«, fragte Herr Mosekund einen Bekannten, »in der Nähe hat ein Restaurant eröffnet, das einen neuartigen Tofu-Ersatz anbietet.« - »Wenn ich das schon höre, immer dieses künstliche Zeug«, antwortete der Bekannte. »Sie mit Ihren Vorurteilen gegenüber allem Neuen«, erwiderte Herr Mosekund, »ich war sogar schon dort und habe ein Schnitzel auf Schweinefleischbasis probiert, das di...

Christof Meueler

Fast alle Weißen waren Chefs

Die Kindheit einer Kolonialistin: In »Roter Staub« erinnert sich Isabela Figueiredo an die Endphase von Mosambik als portugiesische Kolonie und wie ihre Familie vom Rassismus profitierte

Seite 14
ndPlusMichael Wolf

Familienalbum einer Stadt

Ein Mann betritt die große, leere Bühne des HAU2 und stellt sich ans Mikrofon. Mit seiner Brille und dem intelligenten Blick sieht er ein bisschen aus wie ein sportlicher Woody Allen. Es ist der Statistiker Thomas Gerlach. Sein Job ist der Mikrozensus. Er besucht Berlinerinnen und Berliner und geht mit ihnen einen Fragebogen durch. Vor zwölf Jahren hat er gemeinsam mit der Gruppe »Rimini Protokoll...

Seite 15
Michael Wilkening, Trondheim

Am Boden, aber noch nicht K.o.

Nach der deutlichen Niederlage gegen Spanien am zweiten Gruppenspieltag der Handball-EM ist das Halbfinale für das deutsche Team in weite Ferne gerückt. Den Kopf will man aber nicht hängen lassen.

Seite 16
ndPlusAndreas Morbach, Oberhof

Silberner Schlusspunkt in Oberhof

Die Finnin Kaisa Mäkäräinen und der Franzose Martin Fourcade gewinnen die Massenstartrennen in Oberhof. Ein deutscher Oldie sprintet unter dem Jubel der Fans noch auf Rang zwei.

Oliver Kern

Die großen Bäume müssen fallen

Frankreich war zu stark. Mit 0:3 scheiterten Deutschlands Volleyballer im Endspiel ums Olympiaticket. Langjährige Stützen hören nun wohl auf. Doch ein Umbruch kann sich schneller lohnen als gedacht.