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Wolfgang Hübner

Ende einer Geisterfahrt

Die Wahl von Thomas Kemmerich war ein Sündenfall. Wenn er überhaupt zu irgendetwas taugt, dann dazu: zu beweisen, dass es in der Mehrheitsgesellschaft noch einen antifaschistischen Grundkonsens gibt.

Markus Drescher

Neustart mit Makel

Ein Tag nach dem Thüringer Wahl-Eklat rudern Ministerpräsident Kemmerich und die FDP am Donnerstag zurück. Ausgestanden ist die Sache damit aber noch lange nicht.

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René Heilig

Anheizer des Hasses

Der Hass auf Linke erweist sich im Fall Thüringens einmal mehr als das, was Konservative und extrem Rechte verbindet. Als Brückenbauer zwischen beiden Lagern engagiert sich Hans-Georg Maaßen.

Sebastian Haak

Game over

Einen Tag nach seiner Wahl zum Thüringer Regierungschef kündigte FDP-Mann Thomas Kemmerich an, seine Partei werde die Auflösung des Landtags beantragen. Sein Rücktritt steht noch aus.

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Im Blut

Eines beherrscht Björn Höcke: Symbolik. Kenner der »Vorgelschiss«-Ära werden bei dem Foto von Höckes Glückwunsch für den FDP-Mann Thomas Kemmerich an ein anderes Foto gedacht haben: Hindenburg und Hitler. Zwei Bilder, eine Pose: Faschisten greifen dreist-devot nach der Macht. Wer Höcke ungezwungen unter seinesgleichen reden hört, fühlt sich an Goebbels erinnert. Muss er so was üben? Er hat es wohl...

Sebastian Bähr

Glatze der Treuhand

»Endlich eine Glatze, die in der Geschichte aufgepasst hat«, verkündete Thomas Kemmerich noch auf einem Plakat für die thüringische Landtagswahl 2019. Die von ihm als Spitzenkandidat geführte FDP schaffte schließlich nur haarscharf den Einzug ins Parlament - mit 5,0005 Prozent der Stimmen. Die weitere Geschichte ist mittlerweile international bekannt: Der 54-jährige Kemmerich wird einerseits als t...

Das ist Betrug am Wählerwillen
ndPlusJana Frielinghaus

Das ist Betrug am Wählerwillen

Der Linksparteichef Bernd Riexinger sieht im Verhalten von CDU und FDP in Thüringen einen gezielten Tabubruch. Dass dieser in Thüringen passiert, offenbare »eine besondere Geschichtsvergessenheit« bei den beiden Parteien, so Riexinger.

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Katharina Millar, Derry

Sinn Féin auf der Überholspur

Die Partei von Ministerpräsident Leo Varadkar liegt bei Umfragen vor den Wahlen nur an dritter Position. Sollten sich die Prognosen bestätigen, wird es eine schwierige Regierungsbildung geben.

ndPlusDieter Reinisch

Frust über die Kürzungspolitik explodiert

Vor den Parlamentswahlen in Irland am Samstag zeichnet sich ein historischer Stimmungswechsel der Bevölkerung ab: Laut Umfragen werden die Traditionsparteien abstürzen und Sinn-Féin-Partei Sinn zulegen. Ein Interview mit dem Soziologen Kieran Allen

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ndPlusRudolf Stumberger, München

Zu antifaschistisch fürs Amt

Stephan Kettner will Stadtoberhaupt von Bamberg werden. Der Verfassungsschutz legte sein Veto ein. Der Bewerber muss nun im Ordnungsamt vorsprechen.

Daniel Lücking

Appell für Julian Assange

Günter Wallraff stellt sich mit 130 Erstunterzeichnern aus Politik, Journalismus und der Autorenschaft hinter Julian Assange. Die bisherige Skepsis gegenüber dem Wikileaksgründer weicht. Die Haftbedingungen sind in der Kritik.

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ndPlusMarina Mai

Berlin - Bratislava - Moskau - Hanoi

Kurz vor der Nationalratswahl und auf Druck der Opposition ließ die slowakische Regierung am Mittwoch einen Diplomaten aus Vietnam ausweisen. Grund dafür ist auch ein Urteil aus Deutschland.

ndPlusStefan Schocher

Aktivist - mit und ohne Krawatte

Der Aktivist Turgut Gambar schenkt den Reformversprechen von Präsident Aliyev keinen Glauben und kandidiert selbst für die Nationalversammlung von Aserbaidschan.

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Ich bin Spartacus!

Burt Lancaster ist längst verstorben (1994, mit 80 Jahren), Robert Mitchum auch (1997, mit 79 Jahren). Kirk Douglas hingegen schien unverwüstlich. Als nicht mehr ganz junger Mann hatte er ab Mitte der 1950er Jahre großen Erfolg als Schauspieler, etwa in Stanley Kubricks Antikriegsfilm »Wege zum Ruhm« (1957) sowie in dessen Monumentalfilm »Spartacus« (1960). Schon 1955 gründete Douglas seine eigene...

ndPlusBenjamin Moldenhauer

Alles anzünden

Im Mai 1968 nahm der Saxofonist Peter Brötzmann gemeinsam mit seinem Octet im Bremer Club »Lila Eule« das auch heute noch äußerst fordernde und in einem guten Sinne anstrengende Album »Machine Gun« auf. Brötzmann blies rasend schnelle, abgehackte Läufe, alle anderen machten Krach. Intensitätsmusik, die mit jedem Ton nichts als die Konfrontation von Hörerin und Hörer im Sinn hatte. Die ideale Wirku...

Thomas Blum

Unter unelastischen Männern

Wir befinden uns im Jahr 1895. Und wir sehen: Männer. Militärs in Uniformen und Gehröcken, mit Zigarre und Cognacglas, mit gestärktem Hemdkragen, am Schreibtisch sitzend, strammstehend, mit schneidender Stimme redend, Befehle erteilend, Urteile fällend. Sie tragen allesamt ebenso alberne wie nach Spielzeugland aussehende Uniformjacken mit allerlei possierlichen Kordeln und Tressen und Rangabzeiche...

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ndPlusKarlen Vesper

Forschen, fragen, feiern

Es ist eine Mär, die DDR-Geschichtswissenschaft habe sich nicht mit dem »Phänomen Hitler«, »Faszinosum« und »Führer-Kult« beschäftigt. Gewiss galt ihr vorrangiges Interesse dem Widerstand, vor allem der KPD, sowie der Rolle der Eliten, der Monopole und bürgerlichen Parteien als Sponsoren respektive Steigbügelhalter der Faschisten. Zu jenen aber, die sich früh mit den der DDR-Historiographie unters...

ndPlusManfred Loimeier

Von Christus und seinen Eltern

Mit einem Zitat aus Miguel de Cervantes’ »Don Quijote« hatte der seit 2002 in Australien lebende südafrikanische Schriftsteller J. M. Coetzee vor vier Jahren den zweiten Teil seiner Romantrilogie über das Leben Jesu eröffnet: »Alle sagen, die zweiten Teile sind immer die besten.« Nun liegt unter dem Titel »Der Tod Jesu« Coetzees dritter Band vor, der sich - Cervantes’ Hinweis hin oder her - als Hö...

ndPlusIrmtraud Gutschke

Sehnsucht, die in jedem ist

Der Titel ihres ersten Gedichtbandes aus dem Jahr 1973 war Programm: »Ich mach ein Lied aus Stille«, so heißt nicht nur eines der schönsten Gedichte von Eva Strittmatter. Das »Lied« und die »Stille« schienen auch einem Literaturbegriff in der DDR entgegengesetzt, der gesellschaftliches Engagement verlangte. Eva Strittmatter verweigerte sich der Politik dieses Staates nicht, doch mit ihrem Mann pfl...

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Fabian Hillebrand

Ein Gerechtigkeitsproblem

Per Los zum lebensrettenden Medikament. Damit hat der Schweizer Pharmariese Novartis eine breite Debatte losgetreten. Es geht um die Verantwortung der Pharmaindustrie - und um Gerechtigkeit.

Ronald Friedmann

Grandios gescheitert

Die »Harzburger Front« blieb nur eine kurze und letztlich wenig bedeutungsvolle Episode im Prozess des Untergangs der Weimarer Republik. Doch sie machte deutlich, dass der Aufstieg Hitlers und seiner Bande kein »Unfall« der Geschichte war.

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Kurt Stenger

Falscher Weg zu mehr Qualität

Eine Sondersteuer auf Fleisch soll dafür sorgen, dass es in den Ställen der Republik etwas humaner zugeht. So zumindest empfiehlt es ein Beratergremium der Bundesregierung. Dass letztere dies umsetzt, ist angesichts der seit vielen Jahren praktizierten Agrarpolitik zwar unwahrscheinlich. Jedoch ist eine Debatte angefacht, zumal das Thema Tierwohl und klimagerechte Landwirtschaft weit oben auf der ...

Simon Poelchau

Da wird kein Schuh mehr draus

Manchmal ist ein Ende mit Schrecken besser als ein Schrecken ohne Ende. Beim Thema Finanztransaktionssteuer ist man zumindest langsam drauf und dran, das zu sagen. Schließlich hat der Kuhhandel, den Bundesfinanzminister Olaf Scholz und die GroKo darum betreiben, nichts mehr mit der eigentlichen Idee zu tun. Und auch bleibt abzuwarten, ob die Steuer überhaupt kommt. Als die EU-Kommission im Se...

Daniel Lücking

Was auf dem Spiel steht

Es geht um die Einhaltung von Prinzipien, die in einer westlichen Demokratie eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollten: Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit. Faktisch verbrachte Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London bereits die letzten sieben Jahre in einer Art Haft, denn er konnte keinen Fuß aus der Botschaft setzen, ohne die Auslieferung an die USA fürchten zu mü...

ndPlusMoritz Aschemeyer

Der Abweichler

»Ich erkenne an, dass mein Urteil den Präsidenten nicht seines Amtes entheben wird«. Als der Senator des Bundesstaates Utah, Mitt Romney, am Mittwoch im US-Senat das Wort ergreift, ist er sich des Scheiterns seines Anliegens bewusst. Allem Anschein nach hielt den bekennenden Mormonen sein vor Gott geleisteter Eid davon ab, sich dem fraktionsinternen Druck zu beugen - vielleicht war es auch die erd...

Elena Balthesen

Angst, Überlastung, Depression

»Wie geht es dir?« Am Anfang unserer Plena bei Fridays for Future machen wir oft Runden, in denen wir offen über unsere Befindlichkeit sprechen. Denn vielen geht es eben gerade so gut. Das liegt teilweise an Überlastung und Schlafmangel, an der großen Verantwortung, manchmal natürlich auch an privaten Dingen und - bei allen gemeinsam - dem Bewusstsein für die Klimakrise. Manche schaffen es me...

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DGB: Land soll Schulen selbst putzen lassen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert die Rekommunalisierung der Schulreinigung. »Schülerinnen und Schüler, Eltern und Reinigungskräfte haben gleichermaßen die Schnauze voll von dreckigen Klassenräumen und stinkenden Klos. Die Reinigung der Berliner Schulen muss deshalb konsequent auf neue Füße gestellt werden«, erklärt dessen stellvertretende Berlin-Brandenburger Vorsitzende Sonja Staack.»Das Pr...

Claudia Krieg

Haltung statt Angst

Schule, Theater, Museen: Sie sind Orte inhaltlicher Auseinandersetzung und sie haben einen Bildungsauftrag im Sinne der demokratischen Gesellschaft. Deshalb können sie kein unpolitischer Ort sein. NS-Gedenkstätten mit der Erinnerung an Millionen Opfer von Verbrechen, die im Namen deutscher Allmachts-, Vernichtungs- und Herrschaftsideologie begangen wurden, sind Rechtsextremen nicht ohne Grund...

Martin Kröger

FDP und CDU auch im Fokus in Berlin

Nach der Thüringen-Wahl sind die Parteien der rot-rot-grünen Koalition in Berlin entsetzt über die Reaktionen von FDP und CDU auf Landesebene. LINKE und Grüne fordern eine Erklärung.

Claudia Krieg

Museen wappnen sich gegen AfD

Kulturelle Einrichtungen sehen sich häufiger mit rechten Provokationen und Anfeindungen konfrontiert. Mit Hilfe einer neuen Broschüre können sich deren Mitarbeiter*innen nun besser dagegen rüsten.

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ndPlusNicolas Šustr

S-Bahn-Tunnel unter Kreuzberg gefordert

»Wir haben nichts gegen Tunnel, sie müssen aber sinnvoll sein«, sagt der Fahrgastverband IGEB. Statt U-Bahn-Verlängerungen in der Peripherie will er sechs Kilometer neue S-Bahn-Tunnel im Zentrum.

ndPlusJonas Wagner

Keine Corona-Panik im Center

Wirtschaftsverbände wollen noch keine Schlüsse ziehen - dafür fehlen ihnen nach eigenen Angaben die Informationen. Einige Händler merken indes erste Effekte der Angst vor der Virusinfektion.

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ndPlusWilfried Neiße

Arbeitskampf vor barockem Hintergrund

Die Service-Kräfte der Potsdamer Schlösser und Gärten bekommen die niedrigsten Löhne und haben die undankbarsten Aufgaben. Nun setzen sie sich mit Gewerkschaftshilfe zur Wehr.

ndPlusTomas Morgenstern

Gigafactory auf dem Trockenen

Wenn Tesla in Grünheide loslegt, dann braucht schon die Baustelle für das Autowerk schnell viel Wasser, das nach der Nutzung auch zu entsorgen ist. Der örtliche Wasserverband schlägt Alarm.

ndPlusClaudia Krieg

Flüchtlingen in die Augen schauen

Ein junger kamerunischer Flüchtling organisiert mit Hilfe von Freund*innen ein Theaterprojekt für Menschen mit Migrationsgeschichte. In der Havelstadt ist das ein besonderes Ereignis.

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ndPlusHagen Jung

Rostock will Wünsche zur Buga ermitteln

Noch ist offen, ob die Bundesgartenschau (Buga) 2025 in Rostock stattfindet. Endgültig entscheiden wird die Bürgerschaft voraussichtlich im Herbst. Zuvor gibt es eine Bürgerbeteiligung.

ndPlusUwe Kraus, Haldensleben

28 500 freilaufende Dinos

Die Nationale Postwertzeichen-Ausstellung (NAPOSTA) 2020 findet vom 13. bis 16. Februar in der Ohrelandhalle Haldensleben statt. Es ist das größte Briefmarkensammler-Ereignis 2020 in Deutschland.

ndPlusHans-Gerd Öfinger

Wohlfahrtsmarken für die Stiftung

Im Rechtsstreit um die von den Nachfahren des letzten deutschen Kaisers beanspruchte Burgruine Rheinfels in St. Goar gibt es eine überraschende Wende.

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ndPlusHermannus Pfeiffer

Maschinenbauer blasen Trübsal

Die Auswirkungen des neuartigen Coronavirus auf den Maschinenbau sind noch unklar. Ganz sicher werden sie aber nicht die ohnehin düsteren Perspektiven der mittelständisch geprägten Branche aufhellen.

ndPlusFabian Kretschmer, Peking

Angst vor der zweiten Ansteckungswelle

Während in China weitere Todesfälle durch das neuartige Coronavirus gemeldet werden, rüstet sich die Hauptstadt für die Rückkehr von Millionen Arbeitsmigranten aus den Ferien.

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Matthias Koch

Mit Ach und Krach

Mit schönem Fußball hatte es wenig zu tun, wie der 1. FC Union sich in Verl mit einem späten 1:0 ins Viertelfinale des DFB-Pokals rettete. Immerhin: Kraft gespart für das Bundesligamatch in Bremen.