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Jana Frielinghaus

Willkür bleibt

Vor Gericht und auf hoher See ist man bekanntlich in Gottes Hand. Für Geflüchtete lässt sich ergänzen: auch vor dem Bundesamt für Asyl und Flüchtlinge, kurz BAMF. Sie können sich noch weniger als andere auf objektive Kriterien des Rechtsstaats verlassen, sondern müssen auf die Empathie der Zuständigen hoffen. Dass der Bayerische Verwaltungsgerichtshof sich nicht mit dem Fall einer Frau aus Ug...

Nato gefährdet die Gesundheit

Berlin. Dieser Tage sind in Bayern die ersten US-Soldaten angekommen, die am Manöver »Defender 2020« teilnehmen werden. Mit der Übung soll die Verlegung einer kompletten Division nach Osteuropa trainiert werden. An der Übung sind 37 000 Soldaten aus 18 Nato-Staaten beteiligt, darunter 20 000 US-Amerikaner, die dafür aus Nordamerika verlegt werden. Das Manöver findet in der Nähe der Grenze zu Russl...

ndPlusUwe Kalbe

Humanität mit Haken

Deutschland erklärt sich bereit, bis zu 1500 Flüchtlingskinder aus Lagern auf den griechischen Inseln aufzunehmen - wenn auch andere Länder es tun.

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Christian Mihatsch

Wie tief fällt der Ölpreis?

Erst reduziert die Coronavirus-Epidemie die Nachfrage nach Öl, und jetzt steigt wegen eines Preiskriegs auch noch das Angebot. Diese seltene Kombination könnte für historisch tiefe Ölpreise sorgen.

Aert van Riel

Kurzarbeitergeld soll vor Jobverlust schützen

Viele Unternehmen fürchten wegen der Ausbreitung des Coronavirus in diesem Jahr Umsatzeinbrüche. Die Bundesregierung will mit Investitionen und Änderungen beim Kurzarbeitergeld helfen.

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ndPlusHendrik Lasch

Größte Übung seit 25 Jahren

Beim Manöver »Defender Europe 2020«, das mit der Anlandung von Truppen und Material in Westeuropa begonnen hat und bis in den Juli hinein dauert, wird die Verlegung großer militärischer Einheiten vor allem der US-Armee quer durch Europa nach Osten geübt. Es handelt sich um die größte derartige Übung seit 25 Jahren. Beteiligt sind insgesamt 37 000 Soldaten aus 18 Ländern. Zu diesen zählen 20 000 So...

Hendrik Lasch

Blockaden nicht ausgeschlossen

Das Manöver »Defender 2020« wird in Deutschland auf Protest treffen - der aus sehr verschiedenen Motiven geäußert wird. Kritiker betonen die deutsch-russische Freundschaft besonders am 8. Mai, aber auch das Militär als Klimakiller.

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ndPlusUwe Kalbe

Ein kleiner Preis

Die Aufnahme von 1500 Flüchtlingskindern wird höchste Zeit, ist aber kein großer humanitärer Wurf. Eher ein erstes Zeichen, dass die Große Koalition Nerven zeigt.

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Libanon droht Staatsbankrott

Beirut. Nach dem ersten Zahlungsausfall in seiner Geschichte wächst im Mittelmeerstaat Libanon die Furcht vor einem Staatsbankrott. Die Regierung arbeitet an einem Rettungsplan und will sich am Dienstag zu einer Krisensitzung treffen, wie lokale Medien meldeten. Das Land erlebt derzeit die schwerste Wirtschaftskrise seit Ende des Bürgerkriegs vor 30 Jahren. Deren Folgen sowie monatelange Massenpro...

ndPlusThomas Berger

Verfassungsreform vor dem Aus

Die Verfassung in Myanmar sichert dem Militär eine Sperrminorität zu. Die Regierung von Aung San Suu Kyi möchte diese schrittweise abschwächen, scheitert aber an derselben.

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ndPlusChristian Boehmer, Amsterdam

MH17-Abschuss vor Gericht

Fast 300 Menschen kamen beim Absturz des Flugs MH17 ums Leben. In den Niederlanden sind nun vier prorussische Rebellen angeklagt.

ndPlusPhilip Malzahn

Ein erwartbarer Knall

Der Sudan befindet sich in einem schwierigen Übergangsprozess. Ende des Jahres soll das sudanesische Militär die vollständige Macht an das Volk übergeben. Die Lage ist extrem angespannt.

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China auf dem Weg zur Normalität

Peking. Während die Zahlen der Corona-Infizierten weltweit weiter steigen, macht China nach wochenlangem Kampf gegen die Epidemie erste Schritte Richtung Normalität: Im Ursprungsland des Virus wurden 14 der 16 provisorisch eingerichteten Krankenhäuser zur Behandlung von Erkrankten in der Millionenstadt Wuhan wegen mangelnden Bedarfs inzwischen wieder geschlossen. Der schwedische Möbelriese Ikea na...

Fabian Kretschmer, Peking

Gefangene im eigenen Zuhause

Der Alltag unter Quarantäne in China hat zu einem starken Anstieg von Fällen häuslicher Gewalt geführt. Frauenrechtlerinnen schlagen Alarm.

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ndPlusKurt Stenger

Bloß keine Panik!

Börsen sind bekanntlich eine skurrile Veranstaltung. In Zeiten der Coronavirus-Epidemie sogar noch mehr als sonst: Sorgen normalerweise steigende Ölpreise hierzulande für sinkende Aktienkurse, so haben jetzt fallende Preise den gleichen Effekt. Das ist merkwürdig, da die Energiekosten spürbar sinken werden. Aber wenn die Verunsicherung der Anleger groß genug ist, kommt es zu massiven Übertreibunge...

ndPlusUwe Kalbe

Leider kein Sinneswandel

Was ist in die Große Koalition gefahren? Hat sich die Union der Barmherzigkeit besonnen, die ihre Politiker an jedem Kirchensonntag schneller vergessen, als sie ihnen gepredigt werden kann? Bis zu 1500 Kinder sollen aus den unsäglichen Bedingungen befreit werden, unter denen sie zum Teil seit Jahren ausharren. Leider ist eher zu vermuten, dass weniger das Leiden der Kinder in überfüllten griechisc...

Stefan Otto

Ohne Knebel

Die Große Koalition hat sich vorerst nicht dazu durchringen können, Kommunen bei der Rückzahlung von Kassenkrediten zu unterstützen. Dabei sind viele Städte und Gemeinden mittlerweile gelähmt, weil überschuldet. Sie fahren auf Verschleiß und nehmen einen Investitionsstau in Kauf. Spielräume haben sie nur wenige, um sich selbst aus der Misere zu befreien. Sie könnten kommunale Gebühren oder St...

ndPlusPhilip Malzahn

Unerwünschte Nachrichten

Als Journalist bei der türkischen Regierung in Missgunst zu fallen, ist einfach. Das Land belegt derzeit den 157. Platz auf der Rangliste der internationalen Pressefreiheit der Organisation Reporter ohne Grenzen. Am vergangenen Donnerstag sind der 39-jährige Redakteur Barış Terkoğlu und die Reporterin Hülya Kilinç in der Türkei verhaftet worden. Beide arbeiten für den Nachrichtensender OdaTV - Ter...

Bernd Zeller

Quäl dich, Alter!

Sport hält im Alter fit: Frauen sehen heute immer zehn Jahre jünger aus, als sie sind, wogegen Männer zehn Jahre älter sind, als sie aussehen. Die Natur lässt sich nicht überlisten, also überlistet man sich selbst.

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Martin Kröger

Menschliche Abgründe

Was sich gerade infolge der Verbreitung des Coronavirus in dieser Stadt abspielt, ist mit niederträchtig noch harmlos beschrieben. Denn wie immer in Notsituationen stirbt als Erstes die Menschlichkeit. Gut zu erkennen auch am Beispiel des Managements des Konsumtempels Ring-Center an der Grenze zu Friedrichshain und Lichtenberg. Unter dem offensichtlichen Vorwand, sich mit den Gesundheitsbehör...

Anlaufstelle für Opfer von Judenhass

Angesichts von antisemitischen Gewaltvorfällen weitet die Beratungsstelle OFEK ihr Angebot auf die Hauptstadt aus. Die Beratungen sind ein Beitrag im Kampf gegen den Antisemitismus.

ndPlusTomas Morgenstern

Mehr Straftaten, wenig Aufklärung

Mit 513 426 im vergangenen Jahr erfassten Straftaten erscheint Berlin nicht gerade als sicheres Pflaster. Doch die Polizei vermeldet auch Fortschritte etwa beim Kampf gegen Eigentumskriminalität.

Claudia Krieg und Martin Kröger

Corona-Angst vor Obdachlosen

Im Ring-Center am Frankfurter Tor wird Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus mit Obdachlosen in Verbindung gebracht. Das Gesundheitssystem rüstet sich unterdessen für eine umfassende Versorgung.

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ndPlusRainer Balcerowiak

Wohnen und Werken im Grünen

Wenn alles optimal läuft, entsteht am Bahnhof Marzahn ab 2023 ein hochmodernes Stadtquartier, das auf kurzen Wegen Wohnen und Gewerbe verbindet. Der Siegerentwurf steht mittlerweile fest.

ndPlusRainer Rutz

Hurra, hurra, die Schule steht

In ganz Berlin fehlen massenhaft Schulplätze. Abhilfe verspricht sich der Senat von der 2017 angeschobenen Schulbauoffensive. Am Montag wurde in Lichtenberg die vierte Schnellbauschule eröffnet.

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ndPlusAndreas Fritsche

Klassenfahrten sollten ausfallen

Sechs Coronavirus-Infektionen gibt es in Brandenburg. Die Gewerkschaft GEW fordert, alle Klassenfahrten in Risikogebiete abzusagen. Die Stornierungskosten soll das Land tragen.

Dem Nationalpark Unteres Odertal fehlt Wasser

Zwei Dürrejahre haben dem Nationalpark Unteres Odertal geschadet. Der von Polen geplante Oder-Ausbau könnte die Lage noch verschärfen, die Flussbettvertiefung dem Land noch mehr Wasser entziehen.Von Jeanette BederkeDer Nationalpark Unteres Odertal (Uckermark) bietet einen ungewohnten Anblick: Wo sich sonst Anfang März hunderttausende Wasservögel auf den Überflutungspoldern tummeln, herrscht gähnen...

Andreas Fritsche

Nebenrolle in »Känguru-Chroniken«

Bei dem 15 Jahre alten VW Golf von Anja Kreisel lohnten sich die Reparaturen nicht mehr. Sie hat ihn für einen Euro an die Pit Crew GmbH verkauft und freut sich, ihn auf der Kinoleinwand zu bewundern.

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ndPlusMarkus Drescher

Neuer Streit um Deponie Ihlenberg

Die Deponie Ihlenberg in Mecklenburg-Vorpommern ist eine der größten Sondermülldeponien Europas und seit Längerem Anlass für Streit. In der aktuellen Runde geht es ums Führungspersonal.

ndPlusHagen Jung

»Gorch Fock« hat Verspätung

Wieder einmal Terminverschiebung bei der »Gorch Fock«: Das Segelschulschiff ist voraussichtlich erst im Mai 2021 fertig saniert. Vor Kurzem hieß es, die Arbeiten sollten im Dezember 2020 abgeschlossen sein.

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ndPlusTim Wolff

Eine Vorstellung von Zukunft ist unmöglich

Haben Tiere eine Zukunft? Nein, wir sind mitten im nächsten großen Artensterben der Planetengeschichte. Diesmal verursacht von dem Lebewesen, das sich den Planeten untertan gemacht hat, um ihn zu behandeln wie einen in Ungnade Gefallenen. Die Tiere werden warten müssen, bis die Menschheit sich auf ein Häuflein Elend geschrumpft hat, wenn nicht die Erde komplett unbewohnbar wird - was durchaus eine...

ndPlusRichard Schuberth

Chronik einer Blitzfaschisierung

Nie hat Seuchenschutz besser funktioniert als heute. Einigermaßen effektiv dämmt Identifikation und Isolation von Erregern deren Ausbreitung ein. Noch besser aber funktioniert die Isolation, Kriminalisierung und Verächtlichmachung von Humanität. Mit Entsetzen mussten die nach rechts eiernden politischen Systeme 2015 anhand der Hilfsbereitschaft breiter Bevölkerungsschichten erkennen, dass der...

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ndPlusJakob Hayner

Große Fahrt ins Ungewisse

Selten nur nutzt das Theater die Möglichkeit, einen Kommentar in künstlerischer Form zu einer abgeschlossenen dramatischen Arbeit vorzulegen«, sagt Jo Fabian. Der 1960 in der Ost-Berlin geborene Künstler ist seit 2017 Schauspieldirektor am Staatstheater Cottbus, seine Inszenierungen sind formal avanciert und politisch unangepasst. Doch dieses Experiment wird nun beendet. Der neue Intendant Stephan...

ndPlusMichael Wolf

Der Tod war nicht eingeladen

Dieses Stück kommt zur rechten Zeit nach Berlin. Gerade als das Coronavirus die Hauptstadt erreicht, erzählt Ferdinand Schmalz am Deutschen Theater von beiden: dem biologischen wie dem wirtschaftlichen Kollaps. Auch die Pandemie greift gleichermaßen die Lunge wie die Märkte an, sowohl das Robert-Koch-Institut als auch die Deutsche Börse studieren die Tabellen mit den Infektionsraten. Und noch eine...

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ndPlusTom Wohlfahrt

Leiden am Hyperherzschmerz

Auch ohne Buchmesse wird der Preis der Leipziger Buchmesse am 12. März vergeben. Wir stellen die Titel vor, die auf der Shortlist für Belletristik nominiert sind.Die Lyrik ist gewissermaßen der Elementarraum der Literatur wie der Sprache überhaupt. Darum ist es höchst löblich, dass die Leipziger Buchmesse regelmäßig auch Lyrikbände für ihren Buchpreis nominiert, den 2015 mit Jan Wagners »Regentonn...

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Oliver Kern, Alexander Ludewig, Marion Bergermann, Manfred Hönel

Die Spieler wollen weitermachen

Absagen oder nicht? Zuschauer raus oder rein? Wer entscheidet überhaupt? In vielen Sportarten müssen die Klubs auf Entscheidungen der Ämter warten - und sich auf alle möglichen Szenarien einstellen.

Frank Hellmann, Frankfurt am Main

Zur Not eben ohne Fans

SARS-CoV-2 versetzt auch den deutschen Fußball in Alarmstimmung. Die Saison mit Geisterspielen zu Ende zu bringen, scheint mittlerweile noch die Lösung mit dem geringsten Übel.

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Abgesagt ist angesagt

Die Leipziger Buchmesse ist abgesagt wegen des Coronavirus. Trotzdem gibt es neue Bücher. Abgesagt ist angesagt: Südosteuropa sollte der Schwerpunkt der Messe sein, wir haben uns in dieser Beilage darum gekümmert. Und festgestellt: Südosteuropa ist ein Konstrukt, ein Blick von außen, der mehr über die Schauenden verrät als über das Angeschaute. Doch die Menschen in Bosnien-Herzegowina, Serbien, Mo...

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Frank Willmann

Wir fahren, fahren, fahren

Die Bundesrepublik ist zerschnitten. Tiefe Furchen ziehen sich durch die Landschaft. Betonromantik. Die Autobahn ist laut und riecht schlecht, sie ist nur Mittel zum Zweck. Sie spukt durch die Hirne der Menschen, wird erforscht, erweitert, gehasst, geliebt, bekämpft. • Buch im nd-Shop bestellen Michael Kröchert: Autobahn – Ein Jahr zwischen Mythos und Alptraum. Tropen, 242 S., geb., 20 €. ...

Florian Schmid

Wie erschafft man politische Zombies?

Das italienische Autorenkollektiv Wu Ming gibt es seit über 20 Jahren, doch seine historischen Abenteuer-Politromane sind hierzulande noch immer Geheimtipp. In den größeren Zeitungen werden diese Bücher kaum besprochen. • Buch im nd-Shop bestellen Wu Ming: Die Armee der Schlafwandler. A. d. Ital. v. Klaus-Peter Arnold. Assoziation A, 704 S., geb., 28 €. Ursprünglich waren Wu Ming fünf ...

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Norma Schneider

Jubeln und Schweigen

Zagreb wird im Jahr 1941 von deutschen Panzern eingenommen. Die faschistische Ustascha-Bewegung kollaboriert mit den Nazis und ruft den Unabhängigen Staat Kroatien aus. In den Wäldern kämpfen die kommunistischen Partisanen. Angeführt von Josip Broz Tito gelingt es ihnen 1945, die Stadt einzunehmen. Kroatien wird Teil von Jugoslawien, das die folgenden Jahrzehnte von Tito regiert wird. 1991 erkläre...

Jonas Engelmann

Abwesende Anwesende

»Es hatte schon etwas Komisches, nach Sarajevo zu fahren und ein Attentat zu begehen.« Georges Perecs liebeskranker Protagonist in seinem 1957 verfassten Debütroman »Das Attentat von Sarajevo« ist bereit, bis zum Äußersten zu gehen, doch produziert er schließlich das, was er am besten kann - Kunst: »Aus einem Winkel im Atelier zog ich eine leere Leinwand hervor, mischte die Farben und begann zu ma...

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Werner Jung

Diese alles verschlingende, vollkommene Dunkelheit

Markus Orths, dieser Autor fürs Groteske und Skurrile, hat wieder zugeschlagen: diesmal mit einem Roman, der völlig im Dunkeln spielt und sich erst zum Ende hin ein ganz klein wenig lichtet. Und ich stelle mir vor, wie Orths mal mit einem sardonischen Grinsen, dann wieder mit diabolischem Gelächter an seinem Text gearbeitet hat. • Buch im nd-Shop bestellen Markus Orths: Picknick im Dunkeln. ...

ndPlusStefan Gärtner

Auf Augenhöhe

Es ist natürlich nicht wahr, dass Journalisten keine guten Schriftsteller sein können. Jörg Fauser war als Schriftsteller sogar sehr viel besser denn als Journalist (was freilich bedeuten könnte, dass er im Grunde überhaupt gar kein Journalist war), und vom großen Joseph Roth sei hier erst gar nicht angefangen. Beziehungsweise natürlich doch: »Die Mädchen standen in den Fenstern und lasen in Büche...

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Walter Kaufmann

Jeremy Corbyn ist nicht erreichbar

Was wollen die Briten mit dem Brexit? Der US-amerikanische Journalist und Schriftsteller Tuvia Tenenbom fragt sich in seinem neuen Buch »Allein unter Briten«, ob der Brexit eine Komödie oder eine Tragödie darstellt. Hierzu unternimmt er auf 496 Seiten eine Entdeckungsreise quer durch Irland, Schottland, England und Wales. • Buch im nd-Shop bestellen Tuvia Tenenbom: Allein unter Briten. Eine ...

Ina Holev

Überall ist Hass

Panikattacke vor dem Snack-Automaten, an irgendeinem Bahnhof. Sie scheint die Kontrolle und die Orientierung zu verlieren. Zeit und Ort geraten durcheinander, ebenso die Erinnerungen. »Ich habe mehr Privilegien, als je eine Person in meiner Familie hatte. Und trotzdem bin ich am Arsch«, so die namenlose Protagonistin in Olivia Wenzels Debütroman »1000 Serpentinen Angst«. • Buch im nd-Shop bes...

ndPlusChristopher Wimmer

Dystopien mit Hoffnung

Die Edition Tiamat hat das Internet ausgedruckt. Zumindest 600 Seiten davon. Aber es sind 600 der besten Seiten, die das Internet zu bieten hat. Es handelt sich um die (ins Deutsche übersetzten) ausgewählten Schriften des Kulturtheoretikers Mark Fisher, die dieser 2004 bis 2016 auf seinem Blog »k-punk« veröffentlicht hatte. • Buch im nd-Shop bestellen Mark Fisher: k-punk. Ausgewählte Schrift...

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Sehr konsequent
Frank Willmann

Sehr konsequent

Alles, was ich vorab über Uwe Preuss hörte, klang fesselnd. Jugend in Dresden, aufsässiger Geist, Lehre geschmissen, ans Theater will der Knabe. Zuerst mussten kleine Umwege bewältigt werden, wie der Job als Totengräber und später als Bockwurstkoch in der Bauarbeiterversorgung. Mitte der 80er Jahre dann von Dresden ab nach drüben, und endlich Schauspiel studiert. O. k., das hatte man ihm in der DD...

Irmtraud Gutschke

Die Inseln des Ichs

Zwei Geschichten in eine verwoben: Ein Paar kam zusammen, weil er sie gegen ihren gewaltsamen Ehemann verteidigte - unverhältnismäßig, wie das Gericht befand. Helen ließ sich scheiden und heiratete Olav noch im Gefängnis. • Buch im nd-Shop bestellen Ludwig Fels: Mondbeben. Jung und Jung, 310 S., geb., 24 €. Vereint in Freiheit, soll für die beiden ein neues Leben beginnen. Durch eine E...

Nadire Y. Biskin

Kaffee, Kippe, Klo - los geht’s

Wenn Leser*innen sich nur anhand des Titels für oder gegen die Lektüre eines Buches entscheiden würden, hätte es die Anthologie »Psychogeografie« vermutlich schwer. Ein Kompositum, bestehend aus zwei Fachbegriffen, die sich - dem Zeitgeist entsprechend - mit »Kognitiv«‚ »Neuro« oder »Kartografie« ersetzen ließen, die zugleich alles und somit nichts bedeuten können, außer dass es vermutlich trocken...

Seite 23

Ist Sex haben sexistisch?

Katja Lewina schreibt über Themen des Alltags: Wie sie sich für eine offene Ehe entschied oder auch einmal für einen Masturbationsmarathon. Nun hat die 1984 in Moskau geborene Journalistin aus ihren Kolumnen und unveröffentlichten Texten das Buch »Sie hat Bock« zusammengestellt. Und fragt sich: Ist die Art, wie wir Sex haben, sexistisch? Die Antwort besteht aus Anekdoten, von ihr und von anderen, ...

Sabine Neubert

Vom Flüchten

Auschwitz. Das Ungeheuerliche, kaum fassbar. Lässt es schreibend bewältigen? Paul Celan und Primo Levi - stellvertretend für Viele - versuchten es. 1962, zwei Jahre vor Hannah Arendts Eichmann-Buch (»Das sogenannte Böse«), erschien in Belgrad der Kurzroman »Psalm 44« des 25-jährigen Danilo Kiš. Es ist die auf Tatsachen beruhende Geschichte einer jungen Jüdin namens Maria, der im Jahre 1944 mit ihr...

Stefanie Roenneke

Durch die Schweizer Nacht

»Die Nacht wird niemals enden«, sagt die Figur Emmanuelle Riva in »Hiroshima, mon amour«. Es ist ein Film über Liebe und Trauma, jene seelische Verletzung, die durch ein einschneidendes Ereignis hervorgerufen wird, eine Erfahrung der Beispiellosigkeit. Gegenwart und Vergangenheit verschmelzen zu einer ganz eigenen Realität. Eine Kluft zum Jetzt entsteht. • Buch im nd-Shop bestellen Tom Kumme...

Florian Schmid

Im tiefen Staat braucht man einen Schutzengel

Mit seinem Roman »Der Block« über die französische Rechte schaffte es der Krimiautor Jerome Leroy 2018 aufs Siegertreppchen des deutschen Krimipreises (3. Platz). Leroy, der auch Lyrik, Essays und Jugendbücher schreibt, versteht es, aktuelle politische Ereignisse und Entwicklungen in spannende Prosa zu packen und Zeitgeschichte zu fiktionalisieren. »Der Block« war in Frankreich schon 2011 erschien...

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Benjamin Moldenhauer

Die Entmannung in der Popmusik vorantreiben!

Adoleszenz ist anstrengend, und viele Jugendliche, vielleicht der überwiegende Teil, schrammen am Wahnsinn vorbei in den schweren Jahren zwischen 13 und 21. Gut ist, wenn man im Symbolischen Halt und Trost findet. Gestützt wurde die aufgepeitschte, in gewisser Weise verwirrte, in anderer wieder glasklare Jugend lange durch Pop: Musik, Bilder, Gesten und Haltung, mittels derer sich die Welt erschli...

Klaus Bellin

Für die Trockenlegung des Phrasensumpfes

Es war »narrenhaft«, wie ein Augenzeuge später erzählte. Am Morgen des 1. April 1899 rieben sich die Wiener verwundert die Augen. Die Stadt war plötzlich in ein tiefes Rot getaucht. Überall, auf den Straßen und im Stadtpark, in Bahnen und Cafés lasen Leute in einem schmalen Heft, das anders war als alle Blätter, die man sonst haben konnte. Ein junger, in allen praktischen Fragen unerfahrener Mann ...

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Irmtraud Gutschke

Wie ein Vogel, der sich verflogen hat

Eine 15-Jährige verhilft einem Mann zu einer Leiter, und dem gelingt damit 1986 die Flucht über die Mauer nach Westberlin. Das Mädchen will nicht verlassen werden, rennt ihm nach ... Wenn ein Roman so beginnt, ahnt man, es wird böse enden. Der Mann könnte erschossen werden oder käme in Haft. Und das Mädchen, aufgegriffen, hätte kein freundliches Verständnis zu erwarten. • Buch im nd-Shop best...

Karlheinz Kasper

Abweichen in der Ausweichstelle

Der Fluss, am Ufer zwei zugige Baracken, auf fremdartigen Karten die mit einer Zahl markierte Bahnstation: Hierher werden sie kurz nach Kriegsende gebracht, um eine Brücke und weitere Baracken zu bauen, Gleise zu verlegen, eine Ausweichstelle für die neue Bahnlinie einzurichten. Sie sind Eisenbahner, Arbeiter für die Reparaturwerkstätten, das Sägewerk und die Schwellenimprägnierung, »zigmal überpr...

Monika Melchert

Es murmelt und wispert

Die Große Hamburger Straße ist in unser Gedächtnis eingegangen als der Ort der Deportationen jüdischer Bürger. Das muss man immer mitdenken, wenn der Name dieser Berliner Straße fällt. Die Schriftstellerin Irina Liebmann ist eine hellwache Zeitzeugin, die den sichtbaren und unsichtbaren Spuren auf den Grund gehen will, immer tiefer hinein in die Zeit. Sie erzählt Geschichten, wahre Geschichten von...

Seite 26
Stefan Malta

Durch ein Loch in der Decke schauen

Ein Berliner Heimat- und Friedhofsbuch (was durchaus zwei verschiedene Dinge sind), geschaffen von dem ehemaligen »B.Z.«- und »Bild«-Journalisten Bernd Oertwig. Da kann man drin blättern und dann klatschen und tratschen, auf die interessante Art. Es geht hier um »Berliner Schicksale« wie den sich in Abend- und Kneipengesellschaften monologisierend zu Tode trinkenden Malerfürsten George Grosz oder ...

Guido Speckmann

»Ich bin normal, normal, normal«

»Verloren gehen fühlt sich einsam an, aber auch interessant«, heißt es im Prolog von »ewig her und gar nicht wahr«, dem Debütroman der Berliner Schauspielerin und Musikerin Marina Frenk. Im Prolog lässt sie ihre Ich-Erzählerin sprechen, die Künstlerin Kira Liberman. Im Alter von fünf Jahren ist sie am Strand des Schwarzen Meeres für kurze Zeit verloren gegangen. Das Kind akzeptierte dies und fragt...

Gerhard Henschel

Pulverdampf und Weltverschwörungskitsch

Stephen King hat gelegentlich durchblicken lassen, dass es ihn schmerzt, als Trivialschriftsteller zu gelten - zumindest bei den Preisjuroren, die die höheren literarischen Weihen vergeben, und bei jenen Literaturkritikern, die seiner Ansicht nach an »intellektueller Arterienverkalkung« leiden und sich nicht vorstellen können, dass im Genre des Horrors Kunstwerke entstehen können. In Kings Roman »...

Seite 27
Irmtraud Gutschke

»Glauben Sie an Geister«

Es ist seit jeher das Markenzeichen von Xavier-Marie Bonnot gewesen: das Rätselhafte, ja Mystische, das wir bei all unserer Rationalität nicht ganz von der Hand weisen können. In seinem Roman »Die Melodie der Geister« war die Aufklärung ominöser Morde in Marseille von einem seltsamen Flötenton begleitet, und die Spur führte nach Papua-Neuguinea. »Im Sumpf der Camargue« wurde die provenzialische Sa...

Fokke Joel

Auf Droge mit den Klischees durchdrehen

Christoph Höhtkers Roman »Schlachthof und Ordnung« beginnt mit einer Redaktionskonferenz. Im Konferenzraum der französischen Illustrierten »Le Miroir« (Der Spiegel) wird ein Text über den Besuch in einer großen Schlachtfabrik diskutiert, den der verschwundene Journalist Marc Troisier geschrieben hat. Darin tritt der gewiefte PR-Manager des Fleischkonzerns auf, der Troisier um den Finger wickelt, i...

Seite 28
Karlen Vesper

Von der Suche nach einem Land, das es nicht gab

Es war irritierend, mit welcher Hartnäckigkeit der freundliche ältere Herr in unserer Reisegruppe insistierte: »Sie kennen mich, natürlich kennen Sie mich.« Wir blickten uns ratlos an. Er klärte auf: Als Notar habe er die wöchentliche Lotto-Ziehung im DDR-Fernsehen »überwacht«. Keiner von uns konnte sich an ihn erinnern. Die Männer schon gar nicht, sie waren stets nur auf die Glücksfee fixiert. ...

Klaus Weber

Die Frage nach den Anfängen

»Die Frage, wie man die Anfänge des Faschismus damals als Anfänge erkennen konnte - und ob und wie man heutige Anfänge erkennen kann«, ist Leitmotiv der autobiografischen Trilogie von Wolfram Adolphi. Hätte Jakobs Großvater Hartenstein erkennen können (und müssen), welche verbrecherische Funktion er in Auschwitz-Monowitz als Ingenieur der IG Farben innehatte? Und hätte er sich verweigern können? I...

Karlen Vesper

Der um die Sonne kreist

Er wird geliebt. Von allen. Und das verwundert nicht. Ein offenherziger, stets frohgemuter, bescheidener und bodenständiger, aufrichtiger und aufgeschlossener Zeitgenosse, der nicht verbitterte, gleichwohl ihm manche Enttäuschung nicht erspart blieb und er über den Zustand des Landes, in dem er jetzt lebt, sowie Unordnung, Ungerechtigkeit, Unfrieden in der Welt entsetzt ist. Als gutmütig, sensibel...

Seite 29
Christopher Wimmer

Proleten mit Waffe

Bücher und Filme über die »Rote Armee Fraktion« füllen meterweise Bibliotheken. Wenn man sich aber auf die Suche nach Arbeiten über andere Gruppen des bewaffneten Kampfes in der Bundesrepublik begibt, fällt das Ergebnis mager aus. Dabei bieten auch sie für Historiker interessantes Material. Roman Danyluk schließt mit seinem Buch eine Lücke in der Literatur. • Buch im nd-Shop bestellen Roman ...

Karlen Vesper

Verschwundene Gewissheiten, bestärkte Einsichten

In einem Artikel für eine thüringische Zeitung schrieb Manfred Weißbecker 1977 hinsichtlich des Hypes um Hitler in der bundesdeutschen Presse, der Diktator und dessen Kumpane gehörten wohl in das Panoptikum der Geschichte, nicht jedoch in ein mediales Pantheon; die Massenmörder und Kriegsverbrecher hätten sich ein für alle Mal desavouiert. Nunmehr konstatiert der Faschismusforscher: »Von solcher G...

Seite 30
Christopher Wimmer

Wege aus der Hoffnungslosigkeit

In Frankreich erschien »Die Dynamik der Revolte« von Éric Hazan bereits 2015 - acht Jahre nachdem der Autor in seinem Verlag La Fabrique Éditions, dem aktuell wichtigsten linken französischen Verlag, seinen Essay »Der kommende Aufstand« herausgegeben hatte. Dieser war in seiner Radikalität auch in Deutschland ein Ereignis. Die »FAZ« sprach gar vom »wichtigsten linken Theoriebuch unserer Zeit«. Die...

ndPlusMichael Brie

Schweigende Verschwörung

»Wer könnte jetzt noch antworten auf die entsetzliche Hartnäckigkeit des Verbrechens, wenn nicht die Hartnäckigkeit des Zeugnisses?« Mit diesem Zitat von Albert Camus eröffnet Jean Ziegler sein neues Buch. Es ist den in überfüllten Lagern auf den griechischen Inseln festsitzenden Geflüchteten gewidmet. Der Schweizer Soziologe legt Zeugnis ab von dem, was er in den sogenannten Erstaufnahme-Hotspots...

Seite 31
Franziska Klein

Die Stärke der Solidarität

Es war wohl noch nicht alles gesagt, zudem hat sich inzwischen viel ereignet. Ergo haben Volker Hermsdorf und Hans Modrow sich zu einer Fortschreibung ihres 2015 erschienenen Gesprächsbandes »Amboss oder Hammer« entschlossen. Und das ist gut so. • Buch im nd-Shop bestellen Volker Hermsdorf: Lektionen der Geschichte. Hans Modrow über Kuba, die DDR und die Perestroika. Wiljo Heinen, 130 S., br...

René Heilig

Dysfunktional und defizitär

Werden die Kommunisten das für Pfingsten 1950 angesetzte Deutschlandtreffen der FDJ nutzen, um Westberlin einzunehmen? Bereiten sich die Regimenter der Kasernierten Volkspolizei darauf vor - getarnt im Blauhemd -, diesen imperialistischen Stachel im Fleisch der sozialistischen DDR zu eliminieren? Im Westen hielt man das für denkbar, denn der Kalte Krieg nahm Fahrt auf in Europa. Die kreuzgefährlic...

Seite 32
Ernst Reuß

Wozu Menschen fähig sind

Das Kölner Ehepaar Margret und Werner Müller hat seit 20 Jahren Kontakt zu Opfern des Naziterrors in Osteuropa. Nun haben sie zusammen mit dem Historiker Boris Zabarko Berichte von Überlebenden veröffentlicht, eine Art »Geografie des Holocaust« in der Ukraine. • Buch im nd-Shop bestellen Boris Zabarko/Margret und Werner Müller (Hg.): Leben und Tod in der Epoche des Holocaust in der Ukraine. ...

Peter Nowak

Zwingend und emanzipatorisch

Wie hältst du es mit der Gewalt? Diese Frage beschäftigt Linke seit Dezennien. Mehrheitlich unterscheiden sie explizit zwischen Gewalt gegen Sachen und gegen Menschen. Zu allen Zeiten gab es unter Linken aber auch Anhänger*innen der totalen Gewaltfreiheit. Deren Protagonist*innen waren überzeugt, dass mit Gewalt keine emanzipative Gesellschaft errichtet werden könne. Doch selbst Gewaltfreie gingen...

Werner Abel

Seelisch deformiert

Wenige Jahre vor seinem Tod schrieb der Psychoanalytiker, Sozial- und Naturwissenschaftler Wilhelm Reich (1897-1957) in seiner Autobiografie, die Sowjetunion sei bereits »1936 ein eindeutig imperialistischer Staat« gewesen, »der nur eines mit dem demokratischen Kommunismus gemein hatte: das Bauen auf die Hoffnung der Menschen auf eine bessere Zukunft«. Antikommunist wurde Reich nie, aber nachvollz...

Seite 33
Silvia Ottow

Almosen für die Alten

Viel Hoffnung können sie nicht machen, die mehr oder weniger prominenten Politiker, denen die Seniorinnen und Senioren dieses Landes sehr am Herzen liegen. Leider müssen sie vor allem feststellen, wie die Armut im letzten Lebensabschnitt zunimmt, die Angst vor dem Alter wächst und der Generationenvertrag aufgekündigt wird. Mehr und mehr schwindet die Zuversicht, jenseits der 67 ein auskömmliches L...

Silvia Ottow

Der perfekt organisierte Irrsinn

Die 83-jährige Ida A. sitzt frisch frisiert und schick gekleidet in einem bequemen Sessel im Wohnzimmer ihres Bauernhauses, der Gehstock in Reichweite. Ihre Pflegerin Nauja betritt das Haus, nachdem sie eine Nummer in ihr Smartphone getippt und damit die Tür geöffnet hat. Sie setzt sich vor die Frau auf einen Hocker, zieht ihr Kompressionsstrümpfe an und stellt deren Füße auf ein Mini-Bike. Mit kl...

Alexander Amberger

»Die Zukunft war auch schon mal besser«

In Anbetracht der gegenwärtigen tiefen Krisen diskutiert die Linke in Partei und Bewegung seit einiger Zeit wieder verstärkt über Zukunftsfragen. Gesucht werden Visionen, die Ökologisches und Soziales zusammendenken und zugleich auf gesellschaftliche Zustimmung stoßen. Vergessen wird dabei zuweilen, dass zur linken Tradition auch eine 500-jährige Utopiegeschichte gehört. Diese enthält hinreichend ...

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Harald Loch

Grenzenlos

Liebe ist eines der kostbarsten Güter der Menschheit. Überschreitet sie Grenzen, wird sie seit Jahrtausenden mit Zöllen belegt, oft mit Verboten. Gesellschaften, Religionen, Länder wollen unter sich bleiben, vertreten eine Autarkie-Haltung in Sachen Liebe. Wenn Menschen, die sich lieben und eine Familie bilden wollen, aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten oder Religionen kommen, werden Hürd...

Siegfried Prokop

ADN hört alles, ADN sieht alles, berichtet nur nicht über alles

Von 1973 bis 1979 war Gerhard Feldbauer als Korrespondent des Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienstes (ADN) der DDR in Rom tätig. Zusammen mit seiner Frau Irene wurde er Zeitzeuge dramatischer Ereignisse, die Auswirkungen bis in die Gegenwart zeitigen. Dazu zählten die »anni di piombo«, die sogenannten bleiernen Jahre, mit der von der CIA und ihren italienischen Partnern organisierten »Spannungs...

Reiner Oschmann

Ach, wäre er doch zum Arzt gegangen

Nicht erst seit dem gescheiterten Amtsenthebungsverfahren könnte man fragen, welchen Sinn es noch hat, weiter Enthüllungsbücher über Donald Trump zu veröffentlichen. Der Präsident überquert mehrmals am Tag den Rubikon, auch wenn er nicht weiß, wo der liegt. Er lässt heute einen iranischen General ermorden und glaubt morgen den Beteuerungen des saudischen Kronprinzen, der habe nichts mit der Ermord...

Seite 35
Peter Nowak

Von Rebellen zum Global Player

Vor über 50 Jahren bewegte die chinesische Kulturrevolution die Linken in aller Welt. Viele, die damals mit Mao-Poster durch die Straßen liefen, haben diese Zeit bald als Jugendsünde abgebucht. Wenn heute über China diskutiert wird, dann über den globalen Konkurrenten des globalen Kapitalismus. Autor*innen von China-Büchern verstehen sich als Berater*innen von Politik und Wirtschaft, wollen Ratsch...

Heinz Niemann

Die Stunde der Demagogen

Bedenkliche Veränderungen der politischen Landschaft in zahlreichen Ländern, ob wirtschaftlich prosperierend oder nicht, mit langer oder kurzer bürgerlich-demokratischer Tradition - vor allem nach Wahlschlappen etablierter Parteien und angesichts von Wahlsiegern vom rechten Rand wird in fast allen Medien versucht, dies mit dem Begriff des Populismus zu erklären. Das hat ganz wesentlich auch damit ...

Seite 36
Harald Loch

Die Welt ist krank und inhuman

Globalisierung wirkt vor allem lokal. Und lokal macht der israelische Star-Journalist Nadav Eyal auch seine Erfahrungen mit dem, was er »Revolte« nennt: Widerstand gegen die weltweite Globalisierung. Die er nicht ablehnt, die er aber besser, gerechter, menschenwürdiger gestaltet wissen will. Der 1979 geborene Chefkorrespondent des israelischen Fernsehsenders Channel 13 hat in den letzten zehn Jahr...

Philip Martin

Damit wir unseren Kindern nichts schuldig bleiben

Die Disputanten der Strategiekonferenz der Linkspartei jüngst in Kassel wären gut beraten gewesen, wenn sie dieses Buch vorab studiert hätten. Es ist zu bezweifeln, dass sie es taten. Denn diese Publikation ist erst kurz zuvor aus der Druckerei auf den Buchmarkt gelangt. • Buch im nd-Shop bestellen David Goeßmann/ Fabian Scheidler (Hg.): Der Kampf um globale Gerechtigkeit. Promedia, 240 S.,...

Seite 37
Karlen Vesper

Ihn gab’s nur einmal

Wer weiß schon, dass sich »Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühn«, die famose Übertragung von »My Fair Lady« ins Deutsche, Robert Gilbert verdankt? Ebenso die Gassenhauer »Warum liebt der Wladimir grade mir?«, »Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh’n«, »Wenn der Vater mit dem Sohne«, »Das gibt’s nur einmal« sowie die heute nicht mehr der Political Correctness entsprechende »Ballade ...

Siegfried Prokop

Ultima Ratio in dramatischer Zeit

Wie rasch eine Partei ins Strudeln geraten und fast in der Bedeutungslosigkeit versinken kann, zeigte sich vor 30 Jahren am Beispiel der einst mächtigen SED. Hunderttausende Mitglieder verließen sie binnen weniger Wochen, einige wurden jedoch auch ausgeschlossen. • Buch im nd-Shop bestellen Gerd-Rüdiger Stephan/ Detlef Nakath (Hg.): Ausschluss. Das Politbüro vor dem Parteigericht. Karl Diet...

Werner Abel

Schnitt mit dem Messer Dada durch den letzten Weimarer Bierbauch

Im August 1918 machten Hannah Höch und Raoul Hausmann Urlaub auf der Ostsee-Insel Wollin und amüsierten sich über einen Öldruck im Schlafzimmer des Fischerhäuschens, in dem sie abgestiegen waren. Dieser Druck zeigte den Sohn des Fischers in Uniform in fünf verschiedenen Positionen, wobei jeweils dieselbe Fotografie seines Kopfes auf die unterschiedlichen Uniformen geklebt war. Diese zu der Zeit be...

Seite 38
Franziska Klein

Identitäten

Zehntausende Menschen demonstrierten im März vergangenen Jahres gegen die erneute Kandidatur des 82-jährigen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika. Es kam zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften. Letztlich musste Bouteflika abdanken, Militärs übernahmen das Staatsruder. Zum Jahrestag der »Hirak« genannten Protestbewegung waren Algiers Straßen wieder von einem Menschenmeer überschwemmt. Mehrheitlich ju...

Harald Loch

Von Poubelle bis Litfaßsäule

Städte teilen sich nicht nur über ihre Bedeutung und ihre Einwohner mit, ihre Größe und Geschichte, ihre Ökonomie und - je nachdem - ihr Chaos, sondern auch durch die angeblich »kleinen Dinge«. Diese, im Stadtraum mehr oder weniger sinnvoll verteilt, nimmt Vittorio Magnano Lampugnani in den Blick, der vielleicht bedeutendste Stadtwissenschaftler der Gegenwart. • Buch im nd-Shop bestellen Vit...

Franziska Klein

Zu Ehren des gewaltigen Himmelslichtes

»Auf hinaus in die weite Welt/ Drauf war mir ehedem der Sinn gestellt,/ Mehr als die Weisheit aller Weisen/ Galt nur reisen, reisen, reisen.« Mit diesem Zitat von Theodor Fontane eröffnet Rüdiger Fikentscher sein unterhaltsames wie informatives Buch. Bevor er allerdings zu seinem eigentlichen Thema kommt, blickt er zurück in die Geschichte. • Buch im nd-Shop bestellen Rüdiger Fikentscher: De...

Seite 39
Irmtraud Gutschke

Keine Angst!

Mit Vorliebe zeichne sie Mädchen, die außergewöhnliche Dinge tun, heißt es über Sophie Gilmore. In Neuseeland geboren, hat sie in Edinburgh Kunst studiert und lebt derzeit in Italien, »for a little while«, wie sie sagt, also offenbar bereit, weiter durch die Welt zu ziehen. Neugier auf Neues scheint ihr Lebensmotto zu sein. Damit hat sie auch das kleine Mädchen ausgestattet, das im Mittelpunkt die...

Silvia Ottow

Ausflug der grünen Strumpfhosen

Almas Oma hat so gar nichts Omahaftes an sich. Wenn man mal von den grauen Haaren absieht … Aber welche Oma würde sich die Haare wohl zu einem kleinen Dutt zusammenbinden, um diesen anschließend mit Bleistift und Pinsel zusammenzustecken? Keine einzige, das schwöre ich. • Buch im nd-Shop bestellen Nikolaus Heidelbach: Alma und Oma im Museum. Beltz, 48 S., geb., 14,95 €.p> Selbst die...

Silvia Ottow

Molekül? Moloch? Monokel? Mein Onkel?

Sasha Rein ist gerade erst zwölf Jahre alt geworden, weiß aber definitiv schon, was sie nach der Schule für einen Beruf ergreifen möchte: Stand-up-Komikerin wird sie werden. Das flüstert sie ihrer besten Freundin Metti Sköld im Geografieunterricht zu. Ich habe wichtigere Dinge, über die ich nachdenken muss, als irgendwelche albernen Erdkrusten, sagt sie, während ihre Lehrerin Cecilia einige Parame...

Seite 40
Norma Schneider

Nebenbei der Krieg

»Wir hatten viel Spaß auf der Hochzeit, so lange, bis ein dünner, hoch gewachsener Typ mit einer orangen Perücke an der Restauranttür auftauchte. Mit der linken Hand setzte er sich eine große rote Clownsnase auf, mit der rechten Hand zog er aus der Seitentasche seiner Hose eine Pistole heraus und schoss auf uns.« Solche Brüche sind typisch für Dragan Aleksićs Erzählungen. Sie handeln vom Alltag, i...

Gunnar Decker

Geld und Kommunismus

Im April 1918 endet Hermann Hesses Arbeit bei der Kriegsgefangenenfürsorge in Bern, einen Monat später ist er schon in Montagnola im Tessin, auf der Südseite der Alpen. Er mietet in der Casa Camuzzi vier Räume, seinen Schreibtisch und die Bücher lässt er sich nachschicken. Zurück bleiben dunkle Erinnerungen, seine Frau Mia und die drei Söhne Bruno, Heiner und Martin. Hesse will im Süden neu beginn...