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Leben auf Kredit - und wer zahlt?
Stephan Kaufmann

Leben auf Kredit - und wer zahlt?

Jetzt zeigt sich die Bedeutung von Pflegerinnen, Kassierern und den Leuten von der Müllabfuhr, deren Arbeit sonst oft übersehen wird. Wir haben uns bei Menschen umgehört, die dafür sorgen, dass der Laden läuft, nicht nur jetzt. Sie werden oft gering vergütet. Das muss nicht so bleiben.

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Anna Maldini

Ab in den Süden

In normalen Zeiten zieht es Italiener aus dem armen Süden in den reichen Norden, wo Einkommen und Arbeitsplätze locken. Derzeit jedoch hat sich der Zug umgedreht: Norditalien ist besonders vom neuen Coronavirus betroffen. In den ersten Tagen der Ausgangssperre haben sich Tausende Menschen in Autos und Züge gesetzt, um »nach Hause« zu fahren, in den Süden, nach Sizilien, Sardinien und Apulien. Rein...

Anna Maldini

Vorlesen am Telefon

Europa ist nun das Zentrum der globalen Corona-Pandemie - und innerhalb Europa liegt das Zentrum in Italien. Dabei ist die Situation im Norden viel schlimmer als im Süden. Dort gibt es inzwischen viele Initiativen, um Langeweile und Angst zu bekämpfen.

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Plötzlich zählt die Arbeit
Stephan Kaufmann und Eva Roth

Plötzlich zählt die Arbeit

Das Gehalt ist normalerweise entscheidend für die gesellschaftliche Anerkennung eines Berufs. Derzeit ist das anders: Nicht das Geld zählt, sondern die konkrete Arbeit. »Systemrelevante« Tätigkeiten werden oft mäßig bis schlecht bezahlt. Wir stellen einige vor.

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»Schlimmer als vor Weihnachten«

»Schlimmer als vor Weihnachten«

In den Supermärkten arbeiten hauptsächlich Frauen. Das gilt für all die »systemrelevanten Berufe«. Wir werden schlecht bezahlt und schlecht angesehen. Es wird Zeit, das sich das jetzt ändert.

»Das kann auch mal 24 Stunden dauern«
Johanna Treblin (protokolliert)

»Das kann auch mal 24 Stunden dauern«

Überall gibt es gerade viele Unsicherheiten. Das gilt für uns in der Rettungsstelle sowohl für das Personal als auch für die Patienten.

»Für den Ernstfall müssen wir die Betten freihalten«
Johanna Treblin (protokolliert)

»Für den Ernstfall müssen wir die Betten freihalten«

Es gibt gerade weniger Druck auf mich, als viele denken. Das ist aber auch klar, wenn man sich die Statistiken anschaut: Noch gibt es wenige Fallzahlen und eben auch wenige Menschen, die wegen des Virus in Behandlung müssen

Ulrike Henning

Ausgangssperre schafft Probleme

Ausgangssperre ja oder nein, jetzt oder nächste Woche, als Ländersache oder bundesweit? Bis Freitag war eine solch radikale Distanzierungsmaßnahme nicht flächendeckend verordnet worden. Nur Freiburg im Breisgau in eingeschränkter Form und drei Orte in Bayern griffen bereits zu diesem Mittel, um die Ansteckungsketten mit dem neuartigen Coronavirus zu unterbrechen. Für Sonntag will Kanzlerin Angela ...

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Ulrike Wagener

Das andere Ende der Gewalt

Nach dem rechtsterroristischen Anschlag von Hanau muss Deutschland über Rassismus und Rechtsextremismus sprechen. Welche Rolle die Forschung dabei einnehmen könnte und warum Wissen über Rassismus Allgemeinbildung werden muss.

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Sebastian Bähr

Bundeswehr im Flüchtlingsheim

Eine Anfrage nach Bundeswehrunterstützung für eine Flüchtlingsunterkunft im thüringischen Suhl hat für Irritationen gesorgt. Die Bewohner der Einrichtung stehen derzeit unter Quarantäne, ein Geflüchteter hatte sich mit dem Coronavirus infiziert. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) erklärte am Donnerstag in Berlin: «Wir haben eine konkrete Anfrage aus Thüringen, da geht es auch...

»In den nächsten Tagen«
Nelli Tügel

»In den nächsten Tagen«

Knapp zwei Wochen nach der Ankündigung der Bundesregierung, 350 geflüchtete Kinder aus den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln nach Deutschland zu holen, ist das immer noch nicht passiert. Dabei ist es gerade in Zeiten der Corona-Pandemie wichtig, Lager zu schließen.

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Bundeswehr an die Hilfefront
Uwe Kalbe

Bundeswehr an die Hilfefront

Die Einsätze der Bundeswehr im Ausland gehen längst über den Sinn der Landesverteidigung hinaus. Jetzt aber ist sollte sie willkommen sein - bei der Bewältigung der Corona-Krisenfolgen. Das gilt auch, wenn die Thüringer Landesregierung sie bei der Versorgung von Flüchtlingen einsetzen will.

Altersmilde
Reimar Paul

Altersmilde

Der Posten scheint wie gemacht für einen Politrentner. Der frühere bayerische Ministerpräsident Günter Beckstein soll Vorsitzender des Nationalen Begleitgremiums (NBG) werden, das bei der Suche nach einem Atommüllendlager eine Art Scharnier zwischen Politik, Behörden und Öffentlichkeit bildet. Der 76-jährige CSU-Politiker folgt auf den 81-jährigen Ex-Umweltminister Klaus Töpfer (CDU). Das Ende 201...

Lasst die Beschäftigten ran!
Hans-Gerd Öfinger

Lasst die Beschäftigten ran!

Die Krise zeigt, dass Privatisierung, Profit und »freier Markt« im Gesundheitswesen versagt haben und eine zentrale Lenkung und Planung notwendig ist. Der Krisenfall verdeutlicht, wovor Privatisierungskritiker seit Jahren warnen.

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Christof Meueler

Wo bleibt der Mensch?

Sozialkontakte meiden, sagt die Kanzlerin. Die Menschen werden »genichtet«, wie es Jean-Paul Sartre formuliert hätte. Sartre hat aber auch geschrieben, dass der Mensch entscheidet – und nicht der Virus oder die Wirtschaft.

Jogginghose, Chipstüte, Hochkultur
Vanessa Fischer

Jogginghose, Chipstüte, Hochkultur

Die Coronakrise hat neue digitale Kulturangebote hervorgebracht: Livestreams von Konzerten, Theatern und aus Berliner Clubs. So können wir plötzlich mit Jogginghose und Chipstüte ins Deutsche Theater und mit Rollator und beigem Outfit ins Berghain.

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Trump auf links gedreht

Hallo Max, Du wohnst in einem Corona-Hotspot: New York. Wie gehen die USA mit der Pandemie um?Das Land hat keine großen Erfahrungen mit Epidemien. Trump schmeißt jetzt sehr viel Geld in die Bekämpfung. Aber das ist alles, was diese Leute kennen: Jedes Problem kann mit Geld gelöst werden.Ich dachte, New York sei längst zur Geisterstadt geworden. Ist wohl doch nicht so?Restaurants, Bars, Kinos sind ...

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Langeweile für alle

Langeweile für alle

Viele müssen weiterhin arbeiten gehen. Langeweile ist ein Gefühl, das man unbedingt zelebrieren sollte. Es ist leider ein großes Privileg.

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Grippe-Pandemien 1957 und 1968

Über die Erreger der Grippe-Pandemien von 1957 und 1968 weiß man heute, dass sie durch Rekombination entstanden: Ein Vogelgrippevirus und ein Grippevirus von Menschen infizierten die gleiche Zelle. Die entstandene Hybridform vereinte in ihrem Genom Teile beider Viren. Pandemien, die von einem solchen Subtyp ausgelöst werden, töten zwar viele Menschen, treffen aber schon auf eine gewisse bereits vo...

Peter Nowak

Parolen im Netz

Demos gegen den Mietenwahnsinn, Gewerkschaftstreffen oder Protest gegen Stuttgart 21: All dies findet während der Coronakrise online statt. Wird das nun die Zukunft von Protestbewegungen? Eine Analyse mit Blick auf vergangene Online-Demonstrationen gibt Aufschluss.

Philadelphia mahnt
Ulrike Henning

Philadelphia mahnt

Die Spanische Grippe forderte Anfang des 20. Jahrhunderts mindestens 20 Millionen Todesopfer weltweit. Zu Beginn gab es auch damals unterschiedliche Strategien gegen die Ansteckung. Die Folgen lehren uns noch heute: Welche Maßnahmen wirken gegen eine Pandemie?

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Verschleppte Verwandlung
Karsten Krampitz

Verschleppte Verwandlung

Die Überführung der Stasiakten ins Bundesarchiv geht nur schleppend voran. Dabei wird sich damit auch der Umgang mit den Akten ändern: Sie werden Teil einer Aufarbeitung im Sinne von Aufklärung - nicht als Vergeltung.

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Das Netzwerk der Büchsenspanner
Peter Bürger

Das Netzwerk der Büchsenspanner

Am 24. März 1980 wurde Oscar Romero im Auftrag des Militärregimes in El Salvador erschossen. Die Tat steht exemplarisch für eine jahrzehntelange Kumpanei der katholischen Kirche mit brutalen Diktaturen. Diese Geschichte muss endlich aufgearbeitet werden.

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Gert Lange

Eingefroren im Eis

Es ist die wohl größte Arktisexpedition aller Zeiten. Der Forschungseisbrecher »Polarstern« ließ sich im Herbst 2019 nördlich der sibirischen Küste im Polareis einfrieren und driftete seither durch die Polarnacht am Nordpol vorbei. Mehrere hundert Wissenschaftler untersuchen erstmals Wetter und Eisdecke in der winterlichen Arktis.

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Ungleichheit kennt keine Auszeit
Mascha Malburg

Ungleichheit kennt keine Auszeit

Die nächsten fünf Wochen sind alle Bildungseinrichtungen geschlossen. Die Schüler*innen sollen selbstständig weiterlernen. Für manche Kinder bedeutet das Privatlehrer und digitale Lernplattformen, andere streiten sich mit den Geschwistern um einen einzigen PC.

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jme

Kuriere an der Corona-Front

Essenslieferdienste profitieren von der Corona-Pandemie, anderen Kurieren brechen die Aufträge weg. Doch wie sieht es mit den Hygienemaßnahmen bei Lieferdiensten aus?

Rider aus Leidenschaft
Jörg Meyer

Rider aus Leidenschaft

Der Essenslieferdienst Deliveroo zog sich im August 2018 kurzfristig aus dem Deutschen Markt zurück. Nun hat ein ehemaliger Berliner Fahrradkurier vom Arbeitsgericht ein Abfindung von 8000 Euro zugesprochen bekommen.

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Große Brocken und kleine Brötchen
Andreas Fritsche

Große Brocken und kleine Brötchen

Der Findlingspark lebt allein von Spenden und Jahresbeiträgen seiner Mitglieder und ist deswegen knapp bei Kasse. Ein Vereinsmitglied möchte, dass Bußgelder von Gerichten dem Park zu Gute kommen. Doch bisher hat sich noch kein Richter dazu entschieden.

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Die Währung der Solidarität
Alexander Ludewig

Die Währung der Solidarität

Der Gehaltsverzicht erster Spieler und Funktionäre lässt ein Gewissen dafür erkennen, dass der Profifußball in einer Parallelwelt lebt. Dort hat die ebenfalls von allen betonte Solidarität eine Währung.

Wer darf, spielt
Ute Weinmann, Moskau

Wer darf, spielt

Der Verfall des Rubels oder sinkende Ölpreise: Es gibt viele Gründe, warum in Russland trotz Coronakrise die Meinungen über den Fortlauf des sportlichen Lebens weit auseinandergehen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern, laufen etliche Veranstaltungen jedenfalls weiter.

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Die Banalität der »Verbrannten Orte«
Hendrik Lasch

Die Banalität der »Verbrannten Orte«

Für die NS-Bücherverbrennungen gibt es zwar Denkmäler, eine Gedenkstätte mit Bildungsangeboten aber existiert nicht. Jan Schenck möchte das mit einem Atlas ändern. Und damit zeigen, wo das NS-System seine Macht demonstrierte und Gegner einschüchterte.

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»Als Weiße wären wir schon längst Millionäre«
Julia Macher

»Als Weiße wären wir schon längst Millionäre«

Lamine Sarr verkaufte als Straßenhändler in Barcelona jahrelang fake Turnschuhe und Handtaschen. Heute kämpft er in der »Gewerkschaft der Straßenhändler« für mehr Rechte und hat gemeinsam mit Kollegen eine eigene Marke gegründet: »Top Manta« – »Decken-Hitparade«.

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Lesen eröffnet Horizonte und nimmt Ängste

Jede Nähe ist gefährlich, tönt es jetzt auf allen Kanälen. Ständig auf Distanz zu bleiben, ist schwer. Denn der Mensch ist ein Wesen, das vom und mit dem sozialen Miteinander lebt. Er lebt von den Erfahrungen, die andere vor und gleichzeitig mit ihm gemacht haben. Bücher sind ein Teil dieses gemeinsamen Erfahrungsschatzes. Was sich unsere Vormütter und -väter einst am Lagerfeuer erzählt haben, an ...

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Die Auferstehung meines Nazi-Vaters

Wir, die Deutschen, haben uns nach Kriegsende 1945 um das Große Erschrecken gedrückt. Mit allen Zellen unseres Hirns, mit allen Fasern unseres Herzens. Wir belegten unser Gewissen mit einem Erinnerungsverbot und töteten unser Mitgefühl. Wir blieben ein Volk ohne Moral. Dabei waren wir durch die von uns verübten oder feige geduldeten Verbrechen in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur zwisc...

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Ich toleriere auch die Soldaten

Ich toleriere auch die Soldaten

Otto lag im Straßengraben. Ein klobiger Kerl mit einem sogenannten Moschtmeckel, wie der Schwabe sagen würde. Das bedeutete, er hatte einen bemerkenswert großen Kopf. Die Wangenknochen waren stark hervorgehoben. An seinem faltigen unrasierten Gesicht hatte er sich beim Aufprall in dem Graben Schürfwunden zugezogen. Er blutete unter der fleischigen Nase und sabberte leicht aus dem offenen Mund. Der...

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Verweigerung einer Untersuchung

Verweigerung einer Untersuchung

Ich bin Opfer. Ich wurde 1983 mit Hochschulverbot belegt und musste mich drei Jahre in der Produktion «bewähren». Ich wurde observiert und verfolgt. Physisch und psychisch. Ich erfuhr Unrecht. Ich teilte das Schicksal einer marginalen Minderheit von Ostdeutschen. Aber ich gehöre nicht zu dieser Spezies, weil ich meine Erfahrung nicht zur Perspektive aller erkläre. Denn ich bin Wissenschaftler...

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Ich gestehe Textschwierigkeiten

HANS-DIETER SCHÜTT: Es ist ein sehr seltsames Gefühl, wenn man sich vor Augen führt, wer alles auf diesem Stuhl hier saß, auf dem heute Paul Werner Wagner Platz nimmt. In den Biografien, die er hier in diesem Raum beleuchtet hat, kommen zwei Wahrheiten des Lebens zutage. Die eine Wahrheit in des Lebens Lauf: Erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt. Aber es gibt eben auch noch die ander...

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Halbtrocken, süffig. Und Salzgurken

Halbtrocken, süffig. Und Salzgurken

Auch in den Zeiten, da Sankt Petersburg Leningrad hieß, leuchteten die Türme. Machten die Weißen Nächte, dass das Strahlen der Kuppeln von Admiralität und Peter und Paul, wie sie golden in den Himmel ragten, sich steigerte in ein verschwenderisches, süchtig machendes Gleißen. Von dem auch Hermann Hartenstein den Blick nicht wenden konnte. Obwohl er mit Wiktor Melichow in Streit geraten war. O...

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Die Angestellten der Mittelklasse

Die Angestellten der Mittelklasse

Immanuel Wallerstein war Sozialhistoriker und forschte u.a. an den Universitäten Yale und Binghampton in den USA und an der McGill University in Kanada. Weltweit bekannt ist er als Begründer der Weltsystemanalyse. Von 1994 bis 1998 war er Präsident der International Sociological Association. Wallerstein ist Autor zahlreicher Bücher, darunter des vierbändigen Standardwerks Das moderne Weltsystem. E...

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Ich bin doch keine Ratte, die in alten Gräbern wühlt

Es war schon verdammt spät. Der Mond verließ, nachdem er mit seinen silbernen Strahlen reichlich die Gegend beschenkt hatte, seine Umlaufbahn am Himmel. Selbst die Sterne blitzten nur noch verschämt auf, wurden blass und begannen mählich zu verlöschen. Noel, der seit Nachmittag am seinem Schreibtisch hockte und arbeitete, tat der Hintern weh, seine Lider waren verklebt, und er konnte kaum noch die...