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Unten links

Es ist eine Krux mit der derzeitigen Identitätspolitik. Gerade bei ihr, wo es darum geht, was man ist, wissen viele nicht, um was es geht, was sie denn ist. Manch einer ist schon richtig genervt: »Ihh, denn die tätt weh!« Wobei das schon wieder auf eine regionale Identität hin ..., ach, es ist ein Elend! Und zwar nicht jener Ort im Harz, der gut beschreibt, was das Gebirge in seiner vierten Ausfüh...

Marie Frank

Die Anfänge sind längst gemacht

Dass deutsche Sicherheitsbehörden die Bedrohung von rechts nicht sonderlich ernst nehmen, liegt auf der Hand. Durch die personellen Kontinuitäten nach dem Zweiten Weltkrieg, die sich ideologisch bis heute auswirken, herrscht in den meisten Amtsstuben ein rechter Korpsgeist, der auch durch einzelne, gutmeinende Beamte schwer durchbrochen werden kann. Um das zu wissen, muss man sich nicht einmal die...

Jana Frielinghaus

Kein Shoppen ohne Maske

Immer mehr Landesminister wollen dem Drängen der Wirtschaft nach Aufhebung der Maskenpflicht in Geschäften nachgeben. Vom Bund kommen dazu unmissverständliche Ansagen.

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Gute Gestaltung ist links
Wolfgang Hübner

Gute Gestaltung ist links

Vom 13. Juli an 
erscheinen die Wochentagsausgaben des »nd« 
in einem neuen Layout. Dessen Erfinder Max Sauerbier setzt auf ein einheitliches Schriftbild, mehr Übersichtlichkeit und die Signalfarbe Rot.

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Tom Mustroph, Bergamo

Tastende Schritte in die Normalität

In Bergamo grassierte das Coronavirus wie in kaum einer anderen europäischen Stadt. Mittlerweile ist die Zahl der Infizierten überschaubar geworden, und die Bergamasken sehnen sich nach einem Alltag.

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Robert D. Meyer

Der AfD-Zauber ist zerbrochen

Seit Monaten haben sich die Umfragewerte der AfD verschlechtert. Ist das ein dauerhafter Zustand? Der Politikwissenschaftler Hajo Funke geht davon aus. Im Interview erklärt er, warum die Partei wahrscheinlich nicht mehr zu alter Stärke zurückfinden wird.

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Hagen Jung

1065 ertappte Temposünder

Es blitzt nicht mehr aus irgendeinem versteckt aufgestellten Kasten, wenn ein Autofahrer auf der Bundesstraße 6 bei Hannover mit mehr als den erlaubten 100 km/h unterwegs ist. Stattdessen nehmen mehrerer Kameras den Schnellfahrer ins Visier, mit ihnen verbundene Computer ermitteln seine Durchschnittsgeschwindigkeit, und ist sie zu hoch, winkt dem Ertappten ein Bußgeldbescheid. Seit November vergan...

Daniel Lücking

Truppenbesuch und Dienstpflichtdiskussion

Nach dem Zwischenbericht über rechtsradikale Vorfälle im Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr absolvierte SPD-Chefin Saskia Esken einen Truppenbesuch in ihrem Wahlkreis.

Sebastian Bähr

Der NSU 2.0 droht erneut

Die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz erhält seit 2018 rechte Drohbriefe mit Behördeninterna. Ähnliche Mitteilungen bekommt nun auch die stellvertretende Linke-Bundesvorsitzende Janine Wissler.

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Fabian Kretschmer

Pekinger Juraprofessor verhaftet

Laut seinen Freunden war Xu Zhangrun auf seine Verhaftung mental vorbereitet. An seine Wohnungstür soll der Professor einen Rucksack mit Kleidung und einer Zahnbürste gehangen haben, um für den Moment bereit zu sein. Am Montagmorgen trat er schließlich ein: Ein Dutzend Polizisten nahmen ihn in seiner Wohnung im Pekinger Speckgürtel fest und konfiszierten seinen Computer. Der 57-Jährige hatte Jura ...

Florian Sieber, Winterthur

Von links und rechts unter Beschuss

Mit ihrer »Begrenzungsinitiative« will die Schweizer Volkspartei (SVP) an die Erfolge früherer Zeiten anknüpfen. Doch das Projekt stößt auf Widerstand bei Gewerkschaften und auch im bürgerlichen Lager.

Stefan Schocher, Wien

Stirbt ein Tschetschene in Wien

Von Grosny über Kiew an die Donau: Der ehemalige Auftragsmörder und Seitenwechsler Ansor A. stand in Kontakt mit drei Geheimdiensten in drei verschiedenen Ländern.

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Große Schäden in iranischer Atomanlage

Teheran. Der ungeklärte Zwischenfall in einem Zentrifugenwerk der iranischen Atomanlage Natans war schwerwiegender als zunächst berichtet. Die iranische Atomorganisation (AEOI) sprach am Sonntag von »beachtlichen Schäden« bei einem Brand. Es seien Geräte beschädigt oder zerstört worden, sagte AEOI-Sprecher Behrus Kamalwandi. Atommaterial soll sich in dem Gebäude nicht befunden haben.In der Anlage ...

Felix Jaitner

Kroatien rückt nach rechts

Mit dem Einzug des Wahlbündnisses Možemo! ist erstmals in Kroatien eine linke Kraft jenseits der Sozialdemokraten im Parlament vertreten. An den rechten Mehrheitsverhältnissen ändert das wenig.

Wolf H. Wagner, Florenz

Nägel, Glas und Mafia

In Rom liegt allen voran die Spada-Familie im Streit mit römischen Behörden. Nachts werden die freien Strände in Ostia von Mafiosi verwüstet, tagsüber von der Stadtverwaltung aufgeräumt.

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Jana Frielinghaus

Der Fisch stinkt vom Kopf

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) scheint immer häufiger zu spontanen Ansagen zu neigen, die er dann wieder zurücknimmt. Am Montag teilte sein Sprecher Steve Alter mit, man werde, anders als vor Wochen angekündigt, keine Studie über Rassismus in der Polizei erstellen lassen. Begründung: Es sei bereits ein Maßnahmenpaket zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus in Behörden verabsch...

Birthe Berghöfer

Masken normalisieren!

Kaum ist die »Stimme der Vernunft« Christian Drosten im Urlaub, schon debattiert man hierzulande über die Aufhebung der Maskenpflicht. Dabei sind Masken ein Zeichen solidarischen Handelns und sollten selbstverständlicher Alltagsgegenstand sein.

Daniel Lücking

Kuscheln statt eiserner Besen

Wo bleibt eigentlich die Bundesanwaltschaft? Seit am vergangenen Dienstag der Arbeitsgruppenbericht zum Kommando Spezialkräfte (KSK) 60 Empfehlungen für die Neuausrichtung der Elitetruppe gab, tut sich angeblich etwas beim Thema Rechtsextremismus in der Truppe. Doch was?

Vanessa Fischer

Komplizin von Epstein festgenommen

Ghislaine Maxwell war die engste Vertraute von Jeffrey Epstein. Jahrelang soll sie ihm geholfen haben, minderjährige Mädchen zu missbrauchen. Nun wurde sie auf ihrem Anwesen in den USA festgenommen.

Stephan Fischer

Morgen gestalten, statt Heute zu retten

Die politischen Akteure in Deutschland auf Bundes- und Länderebene sowie in den Städten und Gemeinden müssen sich derzeit angesichts der Corona-Pandemie und den daraus resultieren ökonomischen Verwerfungen vor allem als Feuerlöscher und Retter betätigen. Das funktioniert mal mehr, mal weniger gut, je nachdem, aus welcher Perspektive man die Aktivitäten betrachtet. Zuvorderst und vor allem scheint ...

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Nicolas Šustr

Zäh, zäher, Wohnungsbau

Planuntererfüllung, jährlich muss Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) ihren Senatskollegen die gleiche Meldung machen. Von 2017 bis Ende 2020 werden nach aktuellem Stand die sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften 14357 Wohnungen fertiggestellt haben. 2018 wurde laut dem damals aktuellen Bericht noch die Errichtung von 19 433 Wohnung bis Ende dieses Jahres vorgesehen, ein Dri...

Nicolas Šustr

Wohnungsbau auch dieses Jahr unter Plan

So richtig in Schwung kommt der kommunale Wohnungsbau in Berlin auch dieses Jahr nicht. Dafür sollen bis Ende 2022 über 15.000 neue Wohnungen bei den Landeseigenen fertig werden.

Marie Frank

Bedrohung von Rechts

Mehr als ein halbes Jahr nach Entdeckung der Feindesliste auf dem Computer des Hauptverdächtigen der rechtsextremen Terrorserie in Neukölln informiert das LKA die Betroffenen. Die sind schockiert.

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Noch Chancen für einzelne Kaufhäuser

Die Potsdamer Filiale von Galeria Karstadt Kaufhof soll doch nicht schließen. Vielleicht klappt das auch bei Berliner Standorten, hofft die zuständige Senatorin.

Tomas Morgenstern

Bürger fühlen sich veräppelt

Der große Erfolg blieb der vor 25 Jahren neben der Kunsthochschule Weißensee gebauten Bürostadt versagt. Nun entstehen dort teure Wohnungen und der Hochschulstandort wird zum Campus.

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Nazis sammelten Informationen über Polizisten

Neonazis der »Freien Kräfte Prignitz« sammelten Informationen über die Familien von Polizisten. »Der wahre Feind der Polizei steht rechts«, sagte der Landtagsabgeordnete Andreas Büttner (Linke).

Andreas Fritsche

Asylheime verstoßen gegen Corona-Regeln

Mehrbettzimmer im Asylheim, in denen keine Familien leben, stehen im Widerspruch zur Brandenburger Corona-Verordnung. Die Kreisverwaltung Märkisch-Oderland nennt dies »völlig realitätsfern«.

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Thomas Blum

Der Spezialist

Das Stück »Spiel mir das Lied vom Tod« war früher da als der Western. Sie hörten es bei den Dreharbeiten. Sein Komponist Ennio Morricone war der beliebteste und fleißigste in der Geschichte des Kinos – ein Nachruf.

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Irmtraud Gutschke

Spionin für den Frieden

Sie hatte viele Namen. Geboren 1907 als Ursula Maria Kuczynski, hieß sie nach ihren Eheschließungen Ursula Hamburger bzw. Ursula Beurton. Zu Ruth Werner wurde sie als Schriftstellerin, nachdem sie 1949 in die DDR übergesiedelt war. Ich erinnere mich noch an ihr erstes Buch: »Ein ungewöhnliches Mädchen« (1958), das ich Ende der 60er gelesen habe. Wie mir die selbstbewusst-aufmüpfige Vera gefiel in ...

Tim Wolff

Jeder Horst ist ein maximaler Horst

Ja, Horst ist womöglich der beste Name, der je erdacht und vergeben wurde. Allein schon deshalb, weil aber auch jeder Horst exakt so handelt, spricht und aussieht wie ein Horst eben. Und der größte Horst aller Horste ist Horst Seehofer.

Klaus Bittermann

Vom »radikal Bösen«

»Das KZ-Universum« von David Rousset war eines der ersten Bücher eines KZ-Überlebenden. 1946 erschienen, schilderte es den Horror der Lager und beeinflusste Hannah Arendt. Warum es im Land der Täter erst jetzt erscheint, ist rätselhaft.

Seite 14
Kristof Schreuf

Weg von den Beatles wollte er nie

In einer Nacht des Jahres 1960 stehen im Kaiserkeller auf der Reeperbahn in Hamburg-St. Pauli fünf junge Musiker aus Liverpool auf der Bühne. Drum herum verteilen sich gerade mal ebenso viele Gäste an den Tischen. Ein Mann mit einem trotzigen Vollbart und einer auffälligen Grausträhne im Haar nähert sich. Sein schwankender Gang signalisiert der Band, dass er nicht mehr ganz nüchtern ist, und ...

Seite 15
Andreas Knobloch

Venezuelas unerreichbarer Goldschatz

Venezuela möchte auf seine Goldbestände zugreifen, um Maßnahmen gegen die Coronakrise zu finanzieren. Doch die Bank of England verweigert die Herausgabe.

Ulrike Henning

Überschätzte Covid-19-Therapie

Der US-Konzern Gilead ist der Glückliche: In vielen Ländern darf er das erste zugelassene Covid-19-Medikament liefern. Entsprechend hoch ist der festgelegte Preis.

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Jörg Soldwisch

Ohne Fans geht’s nicht

Die neue Saison der Deutschen Eishockey-Liga startet erst im November, wenn vielleicht wieder mehr Fans in die Hallen dürfen. Beim Thema Gehaltsverzicht machen die Clubs Fortschritte.

Christoph Ruf

Keine Fitness, keine Führung

Nürnberg will in der Relegation gegen Ingolstadt die letzte Chance nutzen, doch noch die 2. Bundesliga zu halten. So oder so wird die Analyse der Katastrophensaison personelle Konsequenzen haben.