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Stephan Fischer

Die Sieger der Geschichte

Abgefahren! Mitten in der Coronakrise fordern die Beschäftigten von Bus und Bahn bessere Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschaft Verdi will grundlegend umsteuern und hat die Klimabewegung an Bord geholt. Weitere Themen: weshalb auch ohne Oktoberfest »o'zapft is«, warum Brandenburgs Biobauern es im Berliner Handel schwer haben und was Lieblingsgegenstände so wertvoll macht.

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inw

Wie Busfahrer arbeiten

Die Arbeitsbedingungen im öffentlichen Nahverkehr sind bundesweit sehr verschieden. Es gibt keinen bundesweiten Tarifvertrag und kein einheitliches Tarifniveau. »Zuschläge, Belastungen und Einstiegsgehälter sind sehr unterschiedlich«, sagte Verdi-Vize Christine Behle. So steigen Bus- oder Bahnfahrer*innen in Brandenburg laut Verdi bei 2167 Euro ein, in Hessen bei 2295 Euro und in Nordrhein-Westfal...

Ines Wallrodt

Die nächste Verkehrswende

Der öffentliche Nahverkehr muss sich dem Wettbewerb stellen, heißt es seit der Jahrtausendwende. Das Ergebnis: Niedrige Löhne, weniger Personal. Jetzt will die Gewerkschaft Verdi eine Wende einleiten - und muss gleich zu Beginn streiken. Denn die Arbeitgeber verweigern sich Verhandlungen.

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Sebastian Weiermann

Überall Nazis, nirgends Aufklärung

Drohmails an mehrere Frauen, rechtsradikale Chatgruppen und schießwütige Beamte: Die Reihe von Skandalen, in denen Polizisten verwickelt sind, reißt nicht ab.

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Sebastian Bähr

»Big Brother Award« für die Groko

Den jährlichen »Big Brother Award« erhielt diesmal unter anderem die Große Koalition aus CDU und SPD. Sie wird ausgezeichnet für die Mitverantwortung am völkerrechtswidrigen US-Drohnenkrieg, der über die US-Militärbasis Ramstein in der Pfalz abgewickelt wird.

Daniel Lücking

Kaum befasst?

Nur ein Versehen? Die ehemalige Verfassungsschützerin E.H. hätte nicht für die Bundesregierung im Breitscheidplatzausschuss sitzen dürfen. Zwei Jahre nach dem Eklat sagte sie nun aus, wie viel sie zu vor mit dem Attentäter Anis Amri zu tun hatte.

Stefan Otto

Alles unter Kontrolle

Gerichte korrigieren in der letzten Zeit häufiger Corona-Maßnahmen. Somit funktioniert der Rechtsstaat, möchte man meinen. Aber längst kratzt das Regieren mit Verordnungen an der Substanz der Demokratie.

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Lukaschenko schließt Grenzen zu Polen und Litauen

Mitten im Machtkampf in Belarus hat Staatschef Alexander Lukaschenko die Westgrenze zu den EU-Ländern Litauen und Polen geschlossen. Zudem sei der Grenzschutz in Richtung Ukraine verstärkt worden. »Wir sind gezwungen, Truppen von den Straßen abzuziehen«, meinte der 66-Jährige. Zu den Menschen in den drei Nachbarländern sagte der belarussische Präsident bei einem Frauenforum: »Stoppt eure vers...

Felix Jaitner

Kreml-Astrologen unter sich

Für die Vergiftung Alexej Nawalnys machen viele deutsche Spitzenpolitiker und Experten Wladimir Putin oder schlicht »den Kreml« verantwortlich. Doch ist der russische Präsident wirklich ein allmächtiger Herrscher oder agiert er im Interesse der Herrschenden?

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Oliver Eberhardt

Der Verlierer sitzt in Ramallah

Auf den Straßen und Plätzen im Westjordanland herrschte in der vergangenen Woche die gähnende Leere eines weiteren Corona-Lockdowns; im Gazastreifen kämpften Ärzt*innen und Hilfsorganisationen gegen das Virus, das sich seit einigen Wochen auch offiziell dort ausbreitet. In Ramallah tagte derweil am Donnerstag, zum ersten Mal seit Monaten, das Kabinett der international anerkannten Regierung v...

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Tim Zülch

Wie sich Utopie materialisiert

Im ehemaligen Haus der Statistik, in direkter Nähe zum Berliner Alexanderplatz, sollen bald Amtsstuben, Wohnungen und Kulturräume entstehen. Bereits jetzt eröffnete dort ein alternativer Umschlagplatz für Gebrauchtwaren - als Pioniernutzung.

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Nicolas Šustr

Aggressive Revierverteidigung

Muss man die Lust am Autofahren bei der Verkehrswende respektieren, wie es nd-Leser Wolf-Orland Naumann fordert? Nein, sagt Linke-Mitglied Dennis Egginger-Gonzalez. Er möchte dieses «seltsame Freiheitsverständnis auf Kosten der Solidarität» nicht akzeptieren.

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Andreas Fritsche

Büffelmozzarella in Bioqualität

Dürresorgen, Schweinepestfurcht, Vermarktungsprobleme: Brandenburgs Biobauern haben mit manchen Schwierigkeiten zu kämpfen. Eine Rundfahrt durch die Landkreise Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming.

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Martin Ling

Áñez wirft das Handtuch

Boliviens rechte De-facto-Präsidentin Jeanine Áñez zieht ihre Kandidatur zurück, weil sie einen Wahlsieg von Luis Arce von der Bewegung zum Sozialismus im ersten Wahlgang verhindern will. Ob Áñez Kalkül aufgeht, ist allerdings fraglich. Ihre Anhänger stehen dem rechtsradikalen Diego Camacho weit näher als dem neoliberalen Carlos Mesa, der an zweiter Stelle liegt. Arce reichen zehn Prozentpunkte Vorsprung in der ersten Runde.

Kurt Stenger

Geht doch

Es kommt selten vor, dass Entscheidungen in Koalition und Bundesrat einmütig durchgehen und sich auch die Opposition mit Kritik zurückhalt. Das jetzt beschlossene Coronahilfspaket des Bundes für die Kommunen, das sogar eine Grundgesetzänderung erforderlich machte, ist so ein Fall. In der Tat ist daran nichts auszusetzen. Zwar haben alle Gebietskörperschaften schwer zu knabbern an Steuerausfällen i...

Aert van Riel

Bequeme Ausrede

Die SPD steht mehrheitlich zu dem faulen Kompromiss, den sie mit der Union in der Flüchtlingspolitik geschlossen hat. Mehr Hilfe will sie nur leisten, wenn sich auch andere EU-Staaten bewegen. Doch darauf können die Schutzsuchenden nicht warten.

Sebastian Bähr

Rechter Amtsleiter

Jan Rosenstein war Leiter eines Ausländeramtes im Landkreis Saalekreis in Sachsen-Anhalt. Flüchtlingsunterstützern galt er schon länger als Rechtsaußen-Hardliner. Nun wurde er entlassen. Ein Grund: Er nutzte Nazi-Symbole in Chats.

Andreas Koristka

Rechter, als die Polizei erlaubt

Nach den Razzien bei rechtslastigen Polizisten sollte man nicht vorverurteilen. Selbst bei Hitler-Bildern sollte man immer den Kontext beachten. Schließlich sind Polizeibeamte geradezu berüchtigt für ihren doppelbödigen Metaebenen-Humor.

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Karlen Vesper

Ein Palast fürs Volk

»Ich bin immer gern im Palast gewesen. Edle Böden aus Marmor, prächtige Leuchter an den Decken. Restaurants, Konzerte, eine Bowlingbar ... Schon von außen wirkte der Palast mit seinen getönten und verspiegelten Scheiben wie ein modernes, weitläufiges Schloss. Hier war, so schien es mir damals, die DDR so, wie sie sein sollte. Auf kleinem Raum lebte die große Idee«, erinnert sich Jörg-Uwe Neumann, ...

Björn Hayer

Der Zukunft so fern

Politik bedeutete in den letzten Jahren vor allem Management: Moderieren, Reagieren, die Gesellschaft verwalten, ganz nach spröder »merkelistischer« Fasson. Solange die Wirtschaft florierte und der Wohlstand wuchs, Kriege woanders stattfanden, war alles easy-peasy. Wenn uns Corona nunmehr eines gelehrt hat, dann dass die Zeit des Herumwurstelns und Zögerns, des kleinteiligen Hier-und-da-eine-Schra...

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Moritz Wichmann

Donald Trump mit Problemen beim »cash flow«

Donald Trumps Law-and-Order-Wahlkampf hat bisher nicht steigende Zustimmung gebracht. Der US-Präsident kann seine Wiederwahl gewinnen, doch das Fenster dazu wird kleiner. Ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken nun Latinos - und Geldprobleme.

Thomas Wagner

»Am Ende wird der Kapitalismus ein Treppenwitz gewesen sein«

Was sind die wertlosen Dinge wert? Der Lieblingskugelschreiber oder der Stein, den man vom Strand mitnimmt? Sie stehen für etwas anderes als für kapitalistische Verwertung. Ein Gespräch mit dem Kulturwissenschaftler Andreas Gehrlach.

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Jeja Klein

Danke für nichts, Berlinale!

Die Berlinale hat entschieden, die Kategorien »Bester Darsteller« und »Beste Darstellerin« abzuschaffen. Doch damit spielt sie eine Minderheit gegen die andere aus.

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Hans-Dieter Schütt

Wie das Dunkel leuchtet

Der Dichter Hanns Cibulka lauschte dem nach, was die innere Biografie eines Menschen ausmacht. Ihn bewegte am Leben die Hintergrundstrahlung. Damit brachte er das Dunkle zum leuchten.

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Anna-Lena Schlitt

Glaube an den Wandel

Die evangelische Kirche ist noch immer größtenteils weiß und männlich - Mariam ist das nicht. Sie will Pastorin werden und vieles anders machen. Vor allem soll sich niemand mehr von der Kirche ausgeschlossen fühlen.

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Knut Henkel (Text und Fotos)

Symbole indigenen Aufbruchs

Ein markanter Stil mit eigener Form- und Farbsprache prägt die moderne Architektur in der bolivianischen Stadt El Alto. Die mehrstöckigen Gebäude finden sich auch in Peru und Chile.

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Knut Henkel

Von der Aymara-Kultur bis Peter Pan

Die Cholets in El Alto sind zu einer touristischen Attraktion geworden. Nun sollen die Schönsten jährlich ausgezeichnet werden..

Knut Henkel

Keiner will mehr »nach unten« ziehen

In den vergangenen Jahren hat El Alto einen Sprung nach vorn gemacht und ökonomisch an Bedeutung gewonnen. Hat es auch sein Stigma der armen, kriminellen Oberstadt verloren? El Alto galt lange als abgehängt, als Schlafstadt für Menschen, die in La Paz nicht mehr unterkamen. Es stand für Armut, Kriminalität und Gewalt. An diesem diskriminierenden Bild einer gefährlichen, indigen geprägten Stad...

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Anita Wünschmann

»Jede Schicht ist eine Wundertüte«

Frank Wieland kontrolliert seit 22 Jahren Fahrscheine in Zügen der Deutschen Bahn. Am liebsten fährt er den RE 7 mit Haltepunkt Bad Belzig, seinem Wohnort. Wer kein Ticket hat, muss 60 Euro zahlen. In seltenen Fällen drückt er aber ein Auge zu.

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Frédéric Valin

Der Freigeist hat Dellen

Was einmal als freundliche Bezeichnung gemeint war, kann seine Bedeutung verschlechtern - und was einmal beschimpfen sollte, plötzlich positiv klingen: Überlegungen zu »Freigeistern« und »Idioten« in Zeiten ideologischer Spannung.

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Jörn Boewe, Stephan Krull und Johannes Schulten

Das Klimaziel im Nebensatz

Von wegen PS-Fetischismus und Verbrennerkult: Gewerkschaftsaktive in der Automobilindustrie stehen umweltpolitisch keineswegs dort, wo man sie vielleicht vermutet. Doch fehlt es an Diskussionsräumen - und oft auch an einer angemessenen Ansprache.

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Bastian Tebarth

Ein klassischer Ismus

Dem Sexismus widmen sich die Gender- und dem Rassismus die Postcolonial Studies. Was aber ist mit Klasse? Warum dem »Klassismus« ein akademischer Aufstieg grundsätzlich zu wünschen ist - und welche Fehler solche »Class Studies« vermeiden müssten.

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Vom Grün überwuchert

In Architektenvisionen sehen Häuser mit üppiger Begrünung - angepriesen als »vertikaler Wald« oder »vertikaler Garten« - meist chic aus. Man erhofft sich von ihnen eine Verbesserung des Stadtklimas. Bei einem derartigen Projekt in Chinas südwestlicher Stadt Chengdu scheint die Bepflanzung der Balkons allerdings aus dem Ruder gelaufen zu sein. Die Häuser sind derart überwuchert, dass die Wohnungen ...

Müllsucher für den Orbit

Ein in nur einem Jahr entwickelter Mini-Satellit aus Österreich soll 2021 im All gefährlichen Weltraumschrott aufspüren. Der nur 30 Zentimeter lange und zehn Zentimeter breite und hohe Satellit Adler-1 soll von einem der kommerziellen Anbieter aus den USA, Indien oder auch Russland ins All gebracht werden. Aktuell beruhen die Daten über Verteilung und Größe des Weltraumschrotts meist auf Statistik...

Saurierspuren im Stein

Im Steinbruch Mammendorf bei Magdeburg finden Forscher immer weitere Spuren von Sauriern, die vor rund 260 Millionen Jahren gelebt haben. Seit 2016 seien rund 100 Steinplatten mit einem Gesamtgewicht von fünf Tonnen zusammengekommen, sagte der Geologe und Paläontologe Michael Buchwitz vom Naturkundemuseum Magdeburg. Auf einem Großteil seien Grabe- oder Scharrspuren der Tiere zu sehen, seltener sei...

In Bernstein: Älteste Spermien der Welt

Die ältesten Spermien der Welt sind 100 Millionen Jahre alt. Ein internationales Team von Paläontologen entdeckte sie im Inneren eines weiblichen Muschelkrebses, der in Bernstein aus Myanmar eingeschlossen war. Das berichten Forscher unter anderem von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München im Fachmagazin »Proceedings B« der britischen Royal Society. Das Krustentier hatte sich offenbar ge...

Barbara Barkhausen

Mehr als Jäger und Sammler

Die englischen Eroberer behaupteten immer, Australiens Ureinwohner seien Nomaden gewesen. Doch auf einer Insel im Norden Australiens fanden Forscher alte Bananenfarmen, die schon vor über 2000 Jahren von Indigenen angelegt worden waren.

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Iris Rapoport

Schlüpf aus deiner Haut

Schlangen wechseln etwa alle vier Wochen ihre Hülle. Vermutlich ein mühsames Geschehen. Bei uns hat die Evolution das eleganter gemeistert. Ständig lösen sich winzigste Hornschuppen von unserer Haut. Die lebenslang nachzuliefern obliegt ihrer äußersten Schicht, der Epidermis.Was da als tote Schuppe abschilfert, war einen Monat vorher noch eine sehr lebendige Stammzelle, die säulenförmig auf einer ...

Michael Lenz

Schöne tropische Plage

Südsee und Kokospalmen - das perfekte Idyll. Doch die aus Südostasien stammenden Pflanzen wurden dort erst von den Menschen eingeschleppt. Auf dem Palmyra-Atoll versucht man nun, den Zustand vor 1500 wieder herzustellen.

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Lidia Polito und Velten Schäfer

O’zapft ist immer

Eigentlich würde dieses Wochenende das Münchner Oktoberfest eröffnet. Doch Corona erspart uns nicht nur Sauf-Selfies der versammelten Voll- und Halbprominenz - sondern macht es auch möglich, einmal nüchtern über Sucht und Drogenpolitik nachzudenken.

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Lidia Polito

Ein dreckiges Molekül

Lange galt als ausgemacht, dass Alkoholkrankheit auf eine Verknappung des »Glückshormons« Dopamin im Gehirn zurückgeht. Doch in Mannheim geht eine Forschungsgruppe gerade vom Gegenteil aus - mit auf den ersten Blick höchst unorthodoxen Folgerungen.

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Ralf Jarkowski, Rom

Endgültig der Beste

Noch in der Luft ballte Armand Duplantis beide Fäuste, nach der Landung war der Schwede auch im Freien der beste Stabhochspringer der Welt. Mit seinen 6,15 Meter übertraf der 20-Jährige den legendären Sergej Bubka - nach 9545 Tagen.

Tom Mustroph

Ein bisschen Kitzel bleibt noch

Die Tour de France 2020 bleibt in slowenischer Hand, denn der Angriff aus Südamerika kam zu spät. Miguel Angel Lopez aus Kolumbien gewann zwar die Königsetappe am brutalen Schlussanstieg zum Col de la Loze. Und danach legte das Team Ineos noch einmal sein altes Dominanzverhalten an den Tag, als es am Donnerstag gleich einen doppelten Etappensieg holte - Ex-Weltmeister Michal Kwiatkowski siegte vor...

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Alexander Ludewig

Wenn die Krise Hoffnung macht

Beginn der Coronakrise wurden viele Probleme des Profifußballs offenbar, von der Fanseite wird schon länger von einem kranken System gesprochen. Die Fanvertreterin Helen Breit über die Notwendigkeit und Möglichkeiten von Reformen.

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Hans-Werner Rodrian

Chauffeurservice mit Mundschutz

Busreisen sind wieder möglich, wenn auch das Angebot noch eingeschränkt ist. Wie funktioniert es? Wir erklären die Vorgaben der Gesundheitsbehörden und was die Busfirmen tun, um Sicherheit und Wohlbefinden der Reisegäste zu steigern.

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Rasso Knoller

Langstrecke für Anfänger

Ein Steinbock steht hoch oben im Gebirge, dort wo der Lechweg seinen Anfang nimmt. Das Tier ist freilich nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Bronze. Die Statue weist dem Wanderer den Weg. Doch dem bietet sich, noch bevor er den Lechweg in Angriff nimmt, ein kleiner Extraausflug an. Denn scheinbar zum Greifen nah liegt der Formarinsee vor ihm, im Hintergrund streben die steilen Felsen der 2700 ...

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Christof Meueler und Steffen Schmidt

Gibt es Leben auf der Venus?

Englische Wissenschaftler fragen neuerdings: Gibt es Leben auf der Venus? Dr. Schmidt erinnert an seine frühen Science-Fiction-Lektüren und kommt der Antwort ein Stück näher.

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Sie winken allen Neuankömmlingen

Gebeugt und befangen stand er am Erkerfenster des Western Nursing Home. Wer war er, und wohin wollte er, hatte er das vergessen? Seine Mitbewohner beobachteten ihn. Das Ritual war immer das gleiche. Nicht mehr lange, und John Michael Flaherty würde seinen Aussichtsposten verlassen und zu seinem Sessel auf der anderen Seite des Raumes zurückkehren. Zunächst aber atmet er tief, reckt sich zu voller ...

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Und ewig schwimmen die Nixen

Meine Bücher sagen, Böhmen liege am Meer. Aber nur deshalb, weil weder William noch Ingeborg sich je vom Rande Mitteleuropas aus an Bohemia herangetastet haben. Sonst hätten sie die Wahrheit geschrieben: Böhmen ist das Meer. Ist der Ozean, inklusive des Mariannengrabens, der liegt meiner Schätzung nach so in der Gegend des böhmisch-mährischen Hochplateaus. Nördlich von Gmünd und Hohenau nur Wasser...

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Großer Seitensprung nach vorn

Vorbemerkung der Zensoren An alle Verlage, Zeitungen und Zeitschriften: Yan Liankes Roman »Dem Volke dienen«, erschienen 2005 in der ersten Ausgabe der Zeitschrift »Hua Cheng«, beinhaltet vulgäre und obszöne Darstellungen sowie schwerwiegende gedankliche Irrtümer, außerdem wird das ehrwürdige Gebot »Dem Volke dienen!« verachtet und verunglimpft. Dieses Werk darf in keiner Form nachgedruc...

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Handwerk, Höhlen, Hochsitze

So viele Handwerker und keiner repariert vor der eigenen Haustür«, hatte Milo gesagt. Tatsächlich hatten sich alle schon so sehr an die wacklige Stufe gewöhnt, dass sie ihnen nicht mehr kaputt erschien. Auch für Judith gehörte sie an diesen Ort, ohne wacklige Stufe wäre er nicht derselbe. Genauso war die Werkstätte von der Tür geprägt, die man mit dem ganzen Körper öffnen musste, weil sie so viel ...

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Utopie, klein und bewohnbar

Dass ich eines Tages Meta folgen würde, hätte ich nie gedacht. Dienstags und donnerstags vor unserem Seminar zur Jüdischen Geistesgeschichte Berlins saß sie mit den Gruftis unter den Kastanien auf dem Hof, als Einzige, die nicht verkleidet wirkte. Ihre schwarze Kleidung war gut geschneidert, nicht faschingshaft, und sie hatte keine Piercings. Das gefiel mir, ich hätte mich auch keine getraut. Das ...

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Der Astronom unterdrückt ein Seufzen

Panvel - Manbai, A. H. 1177 / A. D. 1764 Musa al-Lahuri musste das Echtheitszertifikat seines Astrolabiums in drei Ausfertigungen unterzeichnen. Drei große, schöne Schriftstücke hatte der Kunde erstellen und feierlich ausbreiten lassen, auf einem Tisch unter einem Baldachin in seinem Garten, der ihm, wie alle seine Reichtümer, sehr am Herzen zu liegen schien. Nun hielt er Meister Musa unter m...

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»Was hast du gesehen, alter Mann?«

»Pass auf, was du sagst, Kamerad, gegen das heilige Ungarn!« »Was hat denn der Palast mit uns Ungarn zu tun, die Jugos … die Serben haben ihn gebaut!« »Alles, was das heilige Magyar Királyság erobert, gehört auch zum heiligen Magyar Királyság!« »Mir ist jedenfalls schön warm unter meiner Mütze!« »Aber wir hatten es doch ausgemacht, dass wir ta...